Schuld war der Gartenteich

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
Marc Westerhoven OC (Own Character) Paul Richter Stephan Sindera
01.11.2019
11.11.2019
11
29631
6
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Liebe Leserinnen und Leser,

Die Einleitung zu diesem Kapitel möchte ich mit einem persönlichen Statement beginnen. Da die Hauptthemen dieser Story (Homosexualität und Homophobie) sind, ist es mir ein persönliches Anliegen meinen Standpunkt hier klar zu machen.

Ich hab dieses Thema mit Absicht gewählt, da es leider auch heute noch zu Angriffen kommt. Ich persönlich bin froh, dass wir eigentlich in einer aufgeschlossenen und toleranten Gesellschaft leben und sich vieles geändert hat, in den letzten 20 bis 30 Jahren. Doch leider ist das Thema Phobie noch immer ein Thema.

Ich selbst bin Bi-Sexuell und wurde deswegen selbst bereits angefeindet, beleidigt und auch bedroht. Ich habe in meinem Freundes- und Bekanntenkreis sowohl Bi-sexuelle als auch Homosexuelle Freunde und Bekannte beider Geschlechter, sowie Transgender. Auch Polyamorie und Pansexualität sind ein Thema.
Und ich persönlich würde nicht mal im Traum daran denken, eine dieser Personen dafür zu verurteilen, anzufeinden oder ihnen noch schlimmeres an zu tun. Solange diese Personen sich damit wohl fühlen und zu sich selbst stehen und zu dem was sie sind (und jeder kann auf das stolz sein was er ist!), sollte doch jeder machen können was er will.

Als Beispiel möchte ich hier die Transgender anführen. Ich kenne einige. Nur weil ich selbst es nicht bin, mag ich diese Personen aber trotzdem. Denn es sind tolle Menschen. Mir geht es doch völlig am *** vorbei wie diese Personen sich Orientieren. Ich mag die Menschen, ganz egal welches Geschlecht sie für sich selbst oder als Partner wählen. Das kann und sollte! jeder für sich selbst entscheiden können und dürfen. Niemand hat das Recht einer Person dabei rein zu reden!

Solange es nicht gegen Gesetzte verstößt. Dieses Thema habe ich leider in meinem Bekanntenkreis auch schon gehabt. Da hört bei mir dann jegliches Verständnis auf!!!!!

In diesem Sinne.


Wie immer an dieser Stelle erwähne ich, dass die Charaktere nicht mir gehören, ich sie mir nur ausgeliehen habe. Die Story is frei erfunden und die Handlungsweise der Charaktere ist reine Fiktion.

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Es klingelte und als am anderen Ende abgehoben wurde fiel ihm ein Stein vom Herzen, aber nur um gleich durch einen Fels ersetzt zu werden.

"Hey, was is los? Schon Feierabend?", fragte Paul hörbar gut gelaunt. "Ja. Keine Zeit. Weißt du wo Moritz is? Ich kann ihn nich erreichen ... Wir müssen dringend reden ...", stammelte er ins Telefon.
"Äh, ja. Der is bei mir. Wir quatschen. Was is denn passiert?", fragte er nun seinerseits besorgt und erntete von Moritz einen verstörten Blick. "Ich bin gleich da. Bleibt da. Geht nich raus und macht verdammt nochmal die Tür nich auf ehe ich da bin." Schon hatte er aufgelegt, startete den Wagen und fuhr so schnell es der Verkehr zulies zu Paul.

In dessen Wohnung saß Moritz gemütlich mit einem Bier in der Hand auf dem Sofa und war bis zum Anruf von Stephan auch wirklich gut drauf gewesen. Als er dann aber Pauls besorgtes Gesicht sah wurde ihm schlagartig übel. "Is was passiert?", fragte er vorsichtig und beobachtete den anderen wie er sich wieder auf die Couch setzte. "Anscheinend. Stephan is ziemlich durch den Wind. Der kommt gleich vorbei. Und bis dahin sollen wir nich rausgehen und die Tür nich aufmachen." Moritz sah seinen Kollegen besorgt an und nahm sein Handy zur Hand. Das hatte er auf lautlos und erst jetzt sah er die SMS und den Anruf seines Freundes. "Hat er gesagt was passiert is?", fragte Moritz und legte das Handy wieder zur Seite. Paul schüttelte den Kopf. "Nein, er meinte nur das er gleich da is und das wir dringend reden müssen. Aber mehr nich."
Moritz lies den Kopf hängen und schwieg. Seine gute Laune war verflogen und ein ungutes Gefühl beschlich ihn. Und plötzlich fühlte er sich schuldig wegen heute morgen. Hatte er es übertrieben? Hatte er den Bogen überspannt und Stephan wollte ihn nicht mehr? Weil er nicht zu ihm stand? Tausend fragen, doch keine davon würde sich klären, ehe sein Freund hier war.
Besorgt blickte Paul immer wieder zu ihm rüber und wartete. Er konnte nichts machen und das machte ihn Wahnsinnig. Wenn er eines hasste, dann war es still zu warten.

Dann klingelte sein Handy erneut und riss beide aus ihren Gedanken. Schnell sah er darauf, erkannte Stephans Nummer und ging ran. "Hey, wo bist du?", fragte er und stand auf. "Vor der Tür. Machst du auf?", kam die kurze Antwort und noch während er fragte, hörte Stephan schon den Summer, drückte die Tür auf und sprintete die Treppe nach oben.
Er begrüßte Paul kurz und beiläufig als er die Wohnung betrat und Moritz im Wohnzimmer entdeckte der auf dem Sofa saß und ihn unsicher ansah. Stephan lief zu ihm, lies sich neben ihn fallen und legte seine Arme um ihn. Hielt ihn fest und wollte ihn nicht wieder loslassen. "Ich bin so froh, dass es dir gut geht." Mehr sagte er nicht, sondern schwieg und war glücklich bei ihm zu sein und Moritz schlang nun seinerseits die Arme um ihn und schwieg. Er bemerkte das zittern, die Nervosität und die Panik und zeigte ihm gerade einfach nur, dass er da war.

"Was is denn passiert?", fragte schließlich Paul, der die Anspannung bemerkt hatte. Langsam löste sich Stephan von seinem Freund und blickte den Kollegen panisch und aufgewühlt an. "Wir ham heut den Typ festgenommen, der Marc vom Balkon geschmissen hat und er hat es zugegeben, als wäre es alltäglich." Entgeistert sahen die beiden ihn an. "Das is aber noch nich alles. ... Moritz es tut mir so leid. Aber das mit uns ... darf nich sein." Auch wenn es ihn innerlich zerriss das zu sagen und die Fassungslosigkeit in seinen Augen zu sehen, stieß er ihn von sich weg und stand auf. Bemüht ihn nicht anzusehen sah er nun Paul in die Augen. Dieser merkte sofort, dass mit seinem Kollegen etwas nicht stimmte. Moritz saß wie vom Blitz getroffen auf dem Sofa und konnte nichts sagen. Wusste nicht was er sagen sollte. Er war traurig und wütend zugleich.
"Was zur Hölle soll das denn jetzt? Dann war das alles gelogen?", fragte er und wäre am liebsten aufgesprungen, doch er konnte sich gerade nicht bewegen. Stephan nickte, doch Paul wusste sofort, dass er gelogen hatte. "Warum tust du mir das an?", schrie der blonde von der Couch und konnte seine Tränen nicht mehr zurück halten. "Sag mir warum verdammt nochmal."

Paul ging zu seinem Kollegen der noch immer zitternd vor ihm stand und ihn ansah, als wäre gerade für ihn eine Welt untergegangen. Er legte ihm die Hände an die Arme und sah ihn eindringlich an. "Was is los? Das kann doch nich dein ernst sein?" Doch der schwarzhaarige schwieg und senkte den Blick. "Warum verdammt nochmal? Nenn mir wenigstens einen Grund. Meinst du nich, wenigstens das hab ich verdient?" Moritz schrie ihn noch immer an, war mittlerweile aufgestanden und stand hinter ihm. Mühsam beherrscht und kurz davor, ihm eine zu knallen.
"Weil ich dich nur beschützen kann, wenn wir das hier und jetzt beenden.", flüsterte Stephan so leise, das nur Paul es verstehen konnte. "Wie meinst du das?" Den fragenden Blick des blonden ignorierte Paul vorerst. Nach den richtigen Worten suchend sah Stephan Hilfesuchend zu Paul. Doch wie sollte der ihm helfen, er wusste ja nicht worum es ging. Ja er hatte es verdient zu erfahren warum das nicht sein durfte. Doch wie sollte er es ihm erklären?

"Der Typ den wir festgenommen haben ... Er hat den Mann umgebracht ... weil der Schwul war ... Er gehört zu ner Gruppe die was gegen Schwule hat ...", stammelte er schließlich und versuchte die richtigen Worte zu finden, doch egal was er sagte, es klang falsch. "Er weiß über mich Bescheid Moritz ... Er hat mir gedroht ..." Er richtete sich auf und drehte sich um. "Nur so kann ich dich beschützen. Verstehst du? Ich will nich das die dir was antun? Wegen mir. Das könnte ich nich ertragen ..." Fertig mit der Welt lies er sich auf den Boden sinken und legte den Kopf in die Hände.
Paul und Moritz sahen sich kurz an, fassungslos über das was sie gehört hatten, doch der blonde fasste einen Entschluss. Langsam kniete er sich vor seinen Freund. "Wir müssen mit Klaus sprechen. Der Typ hat dir gedroht und das er ernst macht, haben wir ja leider schon gesehen. Wir bekommen das zusammen hin. Aber wegen so einem Vollidioten lass ich dich nich gehen. Wegen so einem Idioten werd ich nich zulassen das wir das wegwerfen was wir haben." Seine Stimme klang zuversichtlich. Die Wut war verschwunden und er meinte genau das, was er gesagt hatte. Langsam blickte der ältere auf und lächelte Mühsam.

"Aber was is wenn die ernst machen? Ich könnt es nich ertragen wenn dir was passiert." Verzweiflung in der Stimme und hin und her gerissen zwischen Hoffnung und Verzweiflung. "Meinst du ich könnt das wenn dir was passiert? Genau deshalb müssen wir zumindest mit Klaus reinen Tisch machen. Damit du ihm von der Drohung erzählen kannst. Er darf damit nich durchkommen und das wird er auch nich. Und die anderen auch nich." Vorsichtig griff er die Hände seines Freundes und drückte sie leicht. Stephan sah ihn ängstlich an. "Aber bist du schon bereit dafür?", fragte er vorsichtig und sah seinen Freund besorgt an. Der zwang sich ein lächeln ab. "Naja, ich hatte gehofft noch mehr Zeit zu haben. Aber wenn ich mich entscheiden muss ... Zwischen meinem Coming out jetzt ... Und ... Abzuwarten bis dir was passiert ..." Er zog ihn näher an sich ran und blickte ihm ernst in die Augen. Stephan hatte Angst, denn er war sich nicht sicher wie der blonde sich entscheiden würde.
Es würde auch sein Coming out bedeuten, doch das war ihm gerade egal. Alles was für ihn zählte war der junge Mann der vor ihm hockte. Langsam sprach Moritz weiter. "Dann hab ich halt jetzt mein Coming out." Dem Schwarzhaarigen fiel in diesem Moment eine riesige Last von den Schultern, doch er war zu fertig seinen Freund in den Arm zu nehmen. Er saß einfach nur da und starrte vor sich hin. Denn ob es richtig war ihn trotzdem der Gefahr auszusetzen, wusste er nicht. Kein klarer Gedanke zwängte sich in sein Hirn. Nichts was er gerade tun konnte fühlte sich richtig an.

Von den beiden unbemerkt hatte sich Paul schon vor ein paar Minuten seinem Handy gewidmet und Klaus eine Nachricht geschrieben. Er griff gerade der Entscheidung seiner Kollegen vor, doch einer musste die Entscheidung treffen und er wollte nicht, dass einem der beiden etwas passierte. Zwar hatte er kein gutes Gefühl dabei und fühlte sich als Verräter, doch er machte sich sorgen. Zu was diese Leute fähig waren, hatten sie bereits deutlich gemacht. Klaus war nun auf dem Weg zu Paul, noch wusste dieser aber nicht warum. Paul hatte seinem Chef lediglich mitgeteilt, dass er dringend vorbei kommen sollte. Das auch Klaus Neuigkeiten in dieser Sache hatte, die ganz und gar nicht gut waren, ahnte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht.