Der Spiegel Nerhegeb

von LAut
GeschichteAllgemein / P18
Bellatrix Lestrange OC (Own Character) Percy Weasley Peter "Wurmschwanz" Pettigrew Regulus Arcturus Black Severus Snape
01.11.2019
17.11.2019
9
39659
12
Alle Kapitel
48 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
Cold hands taking hold of me

(Oh Death – bekannteste Interpretation stammt von Jen Titus)

“Oh death, please consider my age

Please don’t take me at this stage

My wealth is all at your command

If you will move your icy hand

The old, the young, the rich or poor

All alike to me you know

No wealth, no land, no silver, no gold

Nothing satisfies me but your soul.”



„Der Refrain gelingt euch gut. Aber an den Strophen müsst ihr arbeiten, vor allem an der letzten. Der Übergang zwischen age und dem zweiten please funktioniert noch nicht flüssig genug. Wenn wir an Halloween fertig sein wollen, müsst ihr auch außerhalb des Froschchores üben. Nächste Woche will ich deutliche Verbesserungen hören”, tadelte Professor Flitwick, auch wenn viele der älteren Schüler im Froschchor ihn trotzdem nicht ganz ernst nahmen.  
Die zwei jüngsten Mitglieder des Chores standen genau vor Cynthia und so musste sie ihr kindisches Geschwätz über das Lied mitanhören. „Gruselig, nicht wahr? Die armen Erstklässer werden nach dieser Halloweenfeier niemals schlafen können und sich vorstellen, wie im Krankenflügel ihr letztes Stündlein schlägt und der Tod ihre Augen schließt”, meinte die dickliche Ravenclaw zu ihrer Freundin.
„Aber auch nur weil Leute wie ihr ihnen diese Flausen in den Kopf setzt. Und als würdet ihr nicht selbst bei der Vorstellung erzittern. Benutzt euren Verstand besser für Sinnvolleres.” sagte Cynthia noch rasch, bevor sie sich an ihnen vorbeiquetschte. Sie musste zurück zum Gryffindorturm, ihre Verwandlungshausaufgaben für morgen Früh warteten.
Die beiden Zweitklässler antworteten nicht, sie hatten wohl nicht erwartet, dass Cynthia etwas sagen würde - tat sie während der Probe nur äußerst selten, denn sie war nicht zum Quatschen hier, sondern zum Singen.  
Flitwick trat zu ihr, also mussten ihre Hausaufgaben wohl warten und sie befürchtete, ihre kleine Standpauke sei etwas lauter als gewollt ausgefallen. „Miss Olin, ihr Übergang vom Refrain zu den Strophen hin gelingt Ihnen schon gut. Ihre Gesangslehrerin ist ein Muggel, wenn ich mich nicht täusche? Ich würde liebend gerne mal mit ihr über Ihre Fortschritte sprechen, seit sie in den Ferien häufiger mit ihr üben. Diese Übungsstunden beziehen sich ja auch nicht nur auf Ihre Gesangsstimme, sondern auch auf Instrumente, nicht wahr?”
„Briefe können Sie sicher austauschen. Ich werde ihre Kontaktdaten heraussuchen.
Aber, Professor Flitwick, Sie wissen ja, ich halte auch nicht so viel von den Instrumenten der magischen Welt, ich bleibe lieber bei meiner Geige, Gitarre oder dem Piano. Diese übe ich tatsächlich auch mit ihr, allerdings wird dies ja wohl kaum für den Froschchor wichtig sein.”
„Natürlich, Miss Olin. Hauptsache, Ihr Spaß an der Musik geht nicht verloren. Ich weiß ja, dass sie anfangs nicht begeistert waren, keine typischen Muggelinstrumente hier zu haben. Schönen Abend noch.”
Mit einem gekünstelten Lächeln nickte sie, denn natürlich wusste Cynthia es besser.


In den Sommerferien, bevor ihr viertes Schuljahr begann, hatte Miss Weyward ihr angeboten, Klavierspielen zu lernen. Begeistert hatte sie zugestimmt, Geige und Gitarre beherrschte sie soweit, also war es Zeit für etwas Neues.  
Aber der Vorteil dieser beiden Instrumente war, dass sie sie wenigstens mit nach Hogwarts nehmen konnte. In ihrer Freizeit konnte sie sich eines schnappen, nach Notenblättern in der Bibliothek suchen, anschließend nach einem freien Zimmer und spielen, bis ihr die Augen zufielen.  

Mit einem Piano klappte das nicht so einfach.  
Also hatte sie in den Sommerferien gelernt, wie man Klavier spielte, würde aber erst an Weihnachten wieder üben können und wegen der Feiertage hätte sie sowieso weniger Zeit dafür. Das deprimierte sie, bis sie eines Tages im siebten Stock herumlief und eine Tür sah, die ihr überhaupt nicht bekannt vorkam.
Natürlich kannte Cynthia nicht jedes Zimmer in Hogwarts, aber diese Tür war trotzdem definitiv noch nie vorher da gewesen. Und im Gegensatz zu den Treppen bewegten sich die Türen nicht.  
Normalerweise fühlte sie keine besonders starke Neugierde, aber irgendetwas zog sie zu dieser Tür und als sie diese öffnete, wusste sie, was von nun an ihr liebster Raum im Schloss war.
Auf dem Boden war dunkles Parkett und auch die Wand war in einer undefinierbaren dunklen Farbe gestrichen und man konnte sie nur schwer ausmachen. Ein riesiger Kronleuchter, der unnatürlich viel Licht nach unten ausstrahlte, hing über einem weißen Piano.
Professor Flitwick meinte zu ihr, nirgendwo in Hogwarts gäbe es Musikinstrumente. Bis auf die, die im Froschchor genutzt wurden, natürlich. Offensichtlich hatte er gelogen. Oder kannte diesen Raum nicht.

Alles irrelevant.
Auf dem Piano lag ein Notenbuch mit allen Liedern, die Cynthia je gehört hatte und mochte. Ein Traum.  
Sie spielte bis die Sonne aufging und nur mit Mühe kam sie pünktlich zu Kräuterkunde.
Seitdem ging sie jede Woche mehrmals zu diesem mysteriösen Raum mit dem Piano.



Nach der Probe hatte sie es nur noch halbherzig geschafft, die Verwandlungshausaufgabe zu den Aspekten, die Verschwindezauber schwieriger machten, fertig zu schreiben.  
Was natürlich bedeutete, dass Professor Dumbledore sie im Unterricht mit einem verschmitzten Grinsen ansah und wollte, dass sie ihre Ergebnisse vortrug.
Wenigstens hatte sie gestern noch etwas zu Papier gebracht, dass ersparte ihr eine allzu große Blamage, trotzdem waren die unzähligen Meldungen, die nach ihrem Vortrag kamen und ihre Aspekte ergänzten, fürchterlich unangenehm und sie fühlte, wie ihre Wangen rot wurden, was man bei ihrer Blässe vermutlich sogar wunderbar erkennen konnte. Schrecklich.
Nach der Doppelstunde wollte sie eigentlich so schnell wie es eben ging zu Zaubertränke, dem einzigen Fach, das ihr sogar recht gut lag, aber Professor Dumbledore stellte sich mit einem leichten Lächeln vor ihren Tisch, was wohl bedeutete, er würde mit ihr reden wollen.
Sie hatte viel Respekt vor ihm, aber auch ebenso große Angst. Er war wohl der beste Lehrer in Hogwarts, einerseits was Kompetenz, aber auch was Authorität anging.  
„Ihre Gedanken zu den Verschwindezaubern waren gut, wenn auch etwas unausgereift. Vielleicht sollten Sie mehr Zeit in ihre Hausaufgaben investieren, auch, wenn der Danse macabre ein wundervoller Zeitvertreib ist.”
Mit diesen Worten verließ er den Raum und Cynthia blieb verwirrt sitzen. Wie konnte er wissen, welches Lied sie zuletzt auf dem Piano gespielt hatte?



Halloween lag hinter ihnen, allerdings kehrte damit keine Ruhe im Froschchor ein, nein, sie mussten dutzende Weihnachtslieder üben, um diese im Advent und vor den Weihnachtsferien in der Großen Halle vor der ganzen Schule vortragen zu können.
Und es waren immer dieselben Lieder, es war die einzige Zeit im Jahr, in der der Froschchor gähnend langweilig war. Sie sang nur halbherzig mit, leiser und etwas schiefer als sonst, während sie sich überlegte, was sie nach der Probe auf dem Piano im Raum der Wünsche spielen sollte. Mit dem Zugang zu allen Meisterwerken von musikalischen Virtuosen hatte sie tatsächlich die Qual der Wahl.
Nach einer langen, sich ziehenden Stunde war die Probe vorbei und Cynthia wollte zum Piano eilen, wegen der vielen Hausaufgaben in letzter Zeit war sie kaum zum Spielen gekommen.
Und wie immer wurde sie unnötig aufgehalten. „Miss Olin, auf ein Wort.”
Mit einem freundlichen Gesichtsausdruck blieb sie bei Professor Flitwick, auch wenn ihr im Innersten ganz anders war.
„Ich habe das Gefühl, Sie sind in den letzten paar Proben nicht bei der Sache gewesen, Miss Olin. Der Auftritt an Halloween war großartig und auch wenn Sie vielleicht denken Sie sind schon eine fähige Sängerin, ist es töricht, nun zu schludern. Zeigen sie ihr Verständnis und Können für die Musik auch in den Proben.”
Ihren Ärger schluckte sie runter. Wie dreist es war, ihr Schluderhaftigkeit zu unterstellen, aber Mutter sagte immer, sie solle ihre Zunge hüten, wenn respektable Personen vor ihr standen, und sie tat sicher nicht gut daran, es sich mit Professor Flitwick zu verscherzen.
Das Einzige, das sie aber sagte, war ein hastiges: „Verzeihung, Professor. Ich versuche, darauf zu achten”, und sie war weg aus der Großen Halle, hin zum siebten Stock.

Die Wut in ihr loderte wie eine Flamme, also wusste sie schon auf dem Weg, dass sie den zweiten Satz der neunten Symphonie von Beethoven spielen musste. Das würde helfen.  

Als sie die Tür, die sie jetzt schon so häufig geöffnet hatte, an diesem Tag öffnete, war alles anders als sonst. Von dem hübschen Piano war keine Spur, in der Mitte war nur etwas Großes, Undefinierbares, von einer dunkelblauen Decke verhüllt.  
Vielleicht hatte Dumbledore das Piano weggestellt? Aber wieso? In der letzten Zeit waren ihre Leistungen gar nicht so schlecht gewesen.
Und der Boden bestand nicht mehr aus dem schönen Parkett, nein, es war kalter, grauer Stein. Wie es sich für ein mittelalterliches Schloss gehörte, aber wie konnte sich dieser Raum innerhalb von so wenigen Tagen so verändern?  
Und was war in der Mitte dieses Raumes?
Sie konnte es nur herausfinden, indem sie die Decke wegzog.
Ihr Mund wurde trocken bei dem Anblick eines riesigen Spiegels. Er war bestimmt doppelt so hoch wie sie selbst, golden und über dem Spiegelglas war eine Inschrift, die aber kaum zu entziffern war. Erst schienen es wahllos aneinander gereihte Buchstaben zu sein, aber nach einigen Sekunden kam sie auf die Idee, den Satz rückwärts zu lesen.

NICHT DEIN ANTLITZ ABER DEIN HERZ BEGEHREN.

Korrekte Grammatik schien der Macher dieses Spiegels nicht beherrscht zu haben, aber er war wohl ein genialer Zauberer. In dem Spiegel sah sie sich selbst, an sich nichts ungewöhnliches, aber sie saß an einem Piano, ganz ähnlich dem, das sonst in diesem Raum stand und schien zu spielen. Cynthia konnte die Töne nicht hören, aber ihr Abbild benutzte definitiv ihre Finger, um die Tasten zu drücken. Sie saß auf einer Bühne, spielte in einem Saal oder Theater und im Hintergrund konnte man hunderte, wenn nicht tausende dunkle Schatten, die applaudierten und nie aufhörten, sehen.
Wie die begnadetste Klavierspielerin der Welt. Professor Flitwick hatte gar keine Ahnung, wozu sie im Stande war, wenn sie sich nur genug Mühe gab.
An diesem Tag blieb Cynthia wieder bis zum Morgengrauen in dem Raum und die Verwandlungsstunde danach zog sich fürchterlich.



Von dort an sah sie in diesem Raum nie wieder nur das Klavier. Immer den Spiegel mit sich selbst. Aber sie spielte nicht immer Piano, manchmal Geige, Gitarre oder sie stand nur mit einem Mikrofon auf der Bühne. Das, was immer gleich blieb, war das Publikum mit seinem tosendem Applaus.
Und als sie schlussendlich jeden Tag hinging, konnte sie auch irgendwann den Applaus hören. Die Rufe des Publikums nach mehr, nach einer Zugabe, nach noch mehr von der wundervollen Musik, die nur Cynthia spielen konnte.
Wer brauchte Hausaufgaben, wenn man auf dem Weg war, eine der berühmtesten Virtuosen der Welt zu sein? Cynthia Olin nicht.
Sie konnte es sich vorstellen, wie sie jeden Tag in einer anderen Stadt war, ein anderes, bildschönes Kleid trug und ihr schwarzes Haar wäre mal gelockt, mal in einer Hochsteckfrisur. Die Ausnahmekünstlerin ihrer Zeit.
Ihre Noten gingen in den Keller. Denn mit diesem Talent konnte sie keine Zeit mehr für Wahrsagen oder Kräuterkunde aufbringen. Sie musste üben.

Tat sie aber nicht. Meist saß sie vor dem Spiegel und wartete. Wartete. Wartete.
Bald würde die Eingebung, mit der sich der Erfolg einstellt kommen. Bald.

Das erste Mal seit sie in Hogwarts war verbrachte sie die Ferien im Schloss. Sonst ging sie nach Hause. An Weihnachten sang sie Lieder, um ihre Geschenke zu bekommen.
Dieses Mal nicht. Dieser alberne Brauch würde sie nicht zum Erfolg führen. Lieber blieb sie im Schloss, beim Spiegel. Er würde ihr zu einer eigenen Komposition verhelfen. Manchmal konnte sie die Töne dafür schon hören.
Aber es war noch nicht die Zeit dafür. Sie war lückenhaft, nicht vollständig, bald aber würde der Spiegel ihr die vollständigen Töne zuflüstern.
Ihre Konzentration bei den Auftritten an den Adventssonntagen und vor den Ferien war geschärft, sie sah in den Schülern von Hogwarts schon beinah diese schwarzen, schemenhaften Gestalten, die auch ewig zu applaudieren schienen.
Der Weg zum Ruhm war ihr vorbestimmt.
An Weihnachten packte sie die Geschenke vor dem Spiegel aus, die meisten von ihnen hatten etwas mit Musik zu tun, wie das von Großtante Persephone, die eine Biografie Chaupins schickte. Aber Klamotten waren auch dabei.
Wie der wunderschöner, burgunderfarbener Pullover, der ihre Schultern freiließ.
Leider war er ihr viel zu groß, obwohl er eigentlich in ihrer Größe war.
Woran das wohl lag?
Immerhin ging sie jeden Tag zum Essen.
Wenn auch nur einmal.

Die Ferien zogen vorbei, die Biografie hatte Cynthia schon verschlungen, in Decken eingemummelt vor dem Spiegel, immer mit dem Blick zu dem Glas - so musste sich Chaupin gefühlt haben. Er entdeckte das Genie in sich sicher früh, aber wie konnte er mit all den Narren, die um ihn herum waren, leben?
All ihre Freunde versuchten mehr mit ihr zu unternehmen, herauszufinden, wohin sie verschwand, aber sie scheiterten.
Der Spiegel blieb ihr Geheimnis. Ihr Genie war ohnehin verkannt.
Ihnen fehlte das gewisse Etwas, um etwas Großes zu erkennen.
Sie machten sich Sorgen, ihre Schlafsachen waren schon seit Tagen aus dem Schlafsaal verschwunden, diese waren dicht vor dem Spiegel positioniert und in der Nacht wachte sie mehrmals auf, nur um sich selbst auf der Bühne zu sehen, die gefeierte Musikerin.
Ihr kam nie der Gedanke, dass ihr jemand auf die Schliche kommen könnte. Als wäre jemand klüger als sie.


Es war mitten in der Nacht, da wachte sie wieder auf, lächelte dem Spiegelbild zu, als sie plötzlich weggezogen wurde. Sie schrie. Es dauerte, bis sie Dumbledore erkannte, denn dieser verhüllte den Spiegel wieder und auf diesem lag ihr Fokus.
„Hör auf, hör auf, hör auf. Lass den Spiegel. Ich muss es sehen. Bitte. Professor, nehmen Sie es mir nicht weg. Ich kann nicht ohne es. Es zeigt mir, wie ich sein kann, bitte lassen Sie mich hier. Tun Sie es nicht weg."
All diese Worte sprudelten geradezu aus ihr heraus, Dumbledore konnte kaum antworten, denn dann kam nur noch Unverständliches aus Cynthias Mund und sie krallte sich an den Boden, konnte aber an dem Stein keinen Halt finden und Dumbledore schien zu wissen, dass keine Rationalität ihr mehr helfen würde, also hob er sie vom Boden, egal wie sehr sie versuchte, sich festzuklammern - nicht, dass sie noch sonderlich viel Kraft gehabt hätte.
Cynthia schrie das ganze Schloss zusammen, immer noch nur Unsinniges, die Porträts, an denen sie vorbeigingen blickten sie böse an, sie hatte sie aus dem Schlaf gerissen. Nur einzelne schauten mitleidig in ihre Richtung oder auch tadelnd, als hätte sie ein Verbrechen begangen.
Sie lief immer noch nicht, Dumbledore trug sie, musste allerdings einmal anhalten, denn sie schlug und trat ihn, konnte sich aus seinem Griff befreien, aber nachdem sie schmerzhaft auf dem Boden gelandet war, zauberte er den Incarcerus, um sich und sie vor Verletzungen zu bewahren.
„Professor Dumbledore, ist es nicht verboten, Zaubersprüche an Schülern anzuwenden?"
„Ja, Apyllon, aber Sie müssen sofort Poppy verständigen, dass wir einen akuten Fall des Wahnes haben. Danach laufen Sie zu Professor Dippet, er soll das St. Mungos verständigen. Bitte."
Der Hausmeister von Hogwarts nickte nur, quittierte die immer noch schreiende Cynthia mit einem argwöhnischen Blick und lief los.
Dumbledore beeilte sich, ins Krankenzimmer zu kommen, aber selbst gefesselt war Cynthia noch äußerst störrisch und so war Madame Pomfrey bereits auf, als er zu ihr kam und hatte sich einen Beruhigungstrank genommen, den sie sogleich Cynthia verabreichen konnte, als Dumbledore sie auf einem der Krankenbetten ablag.
„Professor Dumbledore, was hat sie? Ich habe für Wahne jeglicher Art Medizin."
„Für so etwas hast du keine Medizin, Poppy. Ich kann es dir nicht sagen. Es gefährdet jeden, der davon weiß. Wir können sie bald in das St. Mungos bringen.
Schau, selbst dein Beruhigungstrank wirkt offensichtlich nicht."
Auf dem Bett zappelte Cynthia noch immer, so gut es ging, und schrie sich die Seele aus dem Leib. Noch immer nichts Verständliches. Aber langsam wurde sie heiser.
Pringle kam rein, murmelte etwas davon, er habe Dippet verständigt und ging wieder.
Poppy schüttelte den Kopf, seufzte und sah zu Cynthia: „Ich mache sie reisefertig. Die Hauselfen werden sicher ein paar Klamotten einpacken und dann kann der Transport glatt über die Bühne gehen."
Das letzte Wort ihres Satzes ging unter, den bei der Erwähnung einer Bühne wurde die eigentlich heisere Cynthia erneut überraschend laut und schrie ein weiteres Mal aus voller Kehle, aber nun vollständige Worte. "Sie gehört mir! Ich gehöre auf sie! Sie verstehen das nicht! Sie hätten es mir nicht klauen dürfen! Ich sah die Zukunft!"
„Du sahst, was du gerne hättest. Aber nicht automatisch das, was passieren wird", unterbrach Dumbledore sie, auch wenn er kaum gehört wurde, denn Cynthia blieb nicht still. „DOCH! DOCH! DOCH!"
Es dauerte noch eine Viertelstunde, bis Pfleger aus dem St. Mungos eintrafen. Ein Koffer stand längst bereit. Dumbledore nickte Poppy zu. „Ich werde mit ihr gehen. Ich kann den Ärzten die Lage erklären, hoffe ich."
Der Transport war durch die Fesseln unkompliziert und einer der Pfleger sorgte mit einem Zauber für Stille, was Dumbledore missbilligend hinnahm.
Im Krankenhaus angekommen, erklärte er kurz die Lage und während Cynthia behandelt wurde, schrieb er einen Brief an ihre Eltern. Dies hätte auch Dippet erledigen können, aber er wollte keine verdrehten Tatsachen. Er musste ehrlich sein. Alice und Alec kannte er noch von deren Schulzeit, sie gehörten zu der Sorte, die man während einer Schlacht auf seiner Seite haben wollte.
Die Vorfahren der Olins hatten großartige Verteidigungszauber kreiert, aber heutzutage bemerkte man dies kaum mehr. In Verteidigung gegen die dunklen Künste war Cynthia nicht überdurchschnittlich gut gewesen.
Im Allgemeinen waren ihre schulischen Leistungen nicht überragend. Ihre Obsession gegenüber der Musik war doch ernster, als Dumbledore angenommen hatte. Ein Fehler seinerseits, aber er hätte nicht gedacht, dass sich das, was sie sich vom Raum der Wünsche erhoffte, also das Piano, in den Spiegel wandeln könnte.
Er hatte sie für bescheidener gehalten.



Zwei Monate später, als die ersten Blumen blühten, kam Cynthia Olin wieder nach Hogwarts. Der Wahn konnte geheilt werden. Von nun an hielt Dumbledore den Raum der Wünsche unter Beobachtung, er musste verhindern, dass Dippet Verdacht schöpfte, aber einen Elfen konnte er gefahrlos entbehren, um zu verhindern, dass wieder jemand einer kranken Obsession verfällt.
Die Heilung Cynthias war glücklich, es hätte ganz anders verlaufen können.
Trotzdem war sie wohl am Tag ihrer Ankunft aus dem Froschchor ausgetreten und Alice schrieb ihm, sie habe keines ihrer Instrumente mehr angerührt.
Von dort an ging auch Dumbledore nicht mehr zu dem Spiegel, er hatte vorher immer genau darauf geachtet, nicht häufiger zu ihm zu gehen, als gesund für ihn war, aber diese Vorfälle hatten ihn wieder zur Vernunft gebracht.
Er konnte nie wissen, wann bei dieser Sehnsucht die Sucht überwiegen würde.
Review schreiben