Unerwartet

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
Dr. Marc Lindner Dr. Theresa Koshka
01.11.2019
09.11.2019
2
1923
12
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2. Kapitel


Viel zu spät, aber mit schnellen Schritten betrat Theresa die Notaufnahme und zog sich ihren Arztkittel im Gehen über ihren Kasack drüber. „Du bist spät dran“, stellte Marc fest, der sie in der Notaufnahme empfing. Als er ihr sich zu ihr umdrehte und sie anschaute, sah er gleichzeitig, dass sie ein wenig blass um die Nase war. „Entschuldigung.“ Das war heute nicht ihr Tag und eigentlich nicht ihre Art zu spät zum Dienst zu erscheinen, das Los überließ sie lieber einen anderen jungen Assistenzarzt. „Ich habe verschlafen“, überlegte sie sich schnell eine halbwegs plausible Ausrede für ihre Verspätung, „ich habe einfach den Wecker nicht gehört.“ Das war zwar noch nie vorgekommen, Marc wusste das auch, doch er nickte verständnisvoll.

„Aber was machst du noch ihr? Ich dachte, du hättest schon längst Feierabend?“, fragte sie ihn. Denn eigentlich war es nicht geplant gewesen, dass sie heute zusammen in der Notaufnahme arbeiten würden. „Tom Zondek hat sich krankgemeldet und da sich kein anderer Assistenzarzt auf die Schnelle finden ließ, der für ihn einspringen könnte, muss ich das erst einmal übernehmen, bis sich jemand anderes meldet, der seine Schicht übernehmen kann“, erklärte er ihr. Also würden sie die nächsten Stunden erst einmal gemeinsam verbringen.

„Was steht als Nächstes an?“, versuchte sich Theresa wieder auf das rein medizinische zu konzentrieren. Hoffentlich schöpfte Marc keinen Verdacht, dass etwas mit ihr nicht stimmte. „Gleich kommt ein RTW rein, mit einem jungen Mädchen als Patientin, nach einem Treppensturz in der Schule ohne Bewusstsein“, informierte er sie.

In den nächsten Minuten bereiteten sie alles Nötige für die bevorstehende Untersuchung vor. Bis sie hörten, dass der Krankenwagen die Einfahrt zur Notaufnahme hinauffuhr. Sie gingen diesem beide entgegen und nahmen die junge Patientin, namens Fine Meier, entgegen, nachdem der Notarzt ihnen alle wichtigen Informationen über die bisherige Behandlung übermittelt hatte.  

Routiniert, wie ein eingespieltes Team, kümmerten sie sich um die Patientin. Zur Sicherheit, da das junge Mädchen vor dem Sturz über Schwindel und Übelkeit geklagt hatte, nahmen sie etwas Blut ab, um der Sache auf den Grund zu gehen, während sie die Patientin auf innere Verletzungen und Knochenbrüche checkten, die immer noch nicht wieder bei Bewusstsein war.
Als Marc mit dem Ultraschallkopf über den Bauchraum fuhr, entdeckte er etwas freie Flüssigkeit. Dies musste sofort operiert werden. Er informierte Theresa für sie einen OP-Saal zu blockieren. Als er über den unteren Bereich des Bauches schallte, sah er noch etwas anderes. „Die Patientin ist schwanger“, stellte er fest. „Was schätzt du?“, auch Theresa blickte gespannt auf den Monitor. „Vierzehnte Woche“, mutmaßte er, schließlich war sein Fachgebiet nicht die Gynäkologie, „das Herzchen schlägt noch, der Embryo muss den Sturz fürs erste unbeschadet überstanden haben.“ Auch Theresa sah das kleine Herzchen schlagen und legte sich instinktiv unbewusst für einen kurzen Moment nur ihre Hand auf den eigenen Bauch, ohne dass der Onkologe es bemerken konnte.

„Meinst du sie weiß davon?“ Marc drehte sich zu ihr um. „Es ist schon möglich, dass sie die Schwangerschaft in ihrem jungen Alter verdrängt hat.“ Sie war laut Papiere gerade achtzehn geworden und ging noch zur Schule, stand vermutlich kurz vor dem Abitur.“ Das war schon möglich. „Operieren wir trotzdem?“, fragte sie unsicher nach. „Wir haben keine Wahl“, musste er eingestehen. „Aber durch den Eingriff könnte sie das Kind verlieren.“ Sie war sich dieser Verantwortung bewusst. „Das ist mir klar, wir werden alles Mögliche unternehmen, um die Schwangerschaft zu erhalten.“  Theresa bemerkte selbst, dass ihr der Fall viel näher ging als andere Fälle. „Und wenn wir mit der Operation warten?“ Eigentlich durften sie keine Zeit verlieren. „Wir können nicht warten, da wird sich im Schlimmsten Fall immer mehr freie Flüssigkeit ansammeln.“ Marc verstand Theresa nicht, sie wusste doch selbst als erfahrende Ärztin, was dann passieren würde, warum stelle sie ihm dann diese Fragen. Doch er hatte keine Zeit darüber weiter nachzudenken.

„Wir sehen uns in 10 Minuten im OP“, informierte Marc Theresa.

„Theresa was ist los“, fragte Marc besorgt während der Operation. Er sah wie ihr die Schweißperlen, mehr als sonst, auf der Stirn standen. „Nichts es ist alles okay“, log sie ihn an. Diese Situation zwang sie dazu. Zu der morgendlichen leichten Übelkeit hatte sich auch ein leichter Schwindel gesellt, der ihr währen der OP etwas zu schaffen machte. Sie wollte nicht nach einem Hocker fragen. Keine Schwäche zeigen. „Ein Tuch bitte“, wies sie die OP-Schwester freundlich an, die ihr die Stirn abtupfte und Theresa für einen kurzen Augenblick durchatmen ließen bis die OP-Schwester mit ihrer Arbeit fertig war.

„Wir können mit der Operation fortfahren“, informierte sie Marc, der immer noch nicht ganz schlau aus ihr wurde. Nicht so routiniert wie sonst, aber erfolgreich, beendete Marc mit Theresa eine Stunde später die Operation. Das junge Mädchen wurde auf die Intensivstation zur Überwachung verlegt.

Im angrenzenden Waschraum wuschen sie sich die Hände. Abermals versuchte er näher an sie heranzukommen. „Was ist los Theresa?“ Eine Frage seinerseits, die sie mit einer Gegenfrage quittierte. „Was soll los sein?“ Sie blickten sich von der Seite aus an. Theresa zog ihre Mauern hoch, auch wenn es bei Marc nicht viel brachte. Das wusste sie eigentlich. Da er die Gabe besaß durch ein kleines Loch dahinter zu blicken. Aber sie verfiel oft noch in ihr altes Muster, auch wenn es dafür keinen Grund mehr gab. „Dir geht es nicht gut?“, versuchte er es erneut. Theresa drehte sich zu ihm um. „Vermutlich zu wenig Schlaf“, und zog dabei die Schultern hoch und trocknete sich die Hände ab. „Ich dachte du hast verschlafen.“ Sie fühlte sich ertappt und entschied sich dafür besser nichts mehr zu sagen und lieber zu schweigen. Marc gab es auf weiter nachzufragen bis sie auf dem Flur waren.

„Ich mach mich auf den Heimweg.“ Die Vertretung für Tom Zondek, konnte während der Operation organisiert werden. Er gab ihr einen zärtlichen Kuss auf die Wange. Auch wenn er immer noch nicht wusste was in ihr vor ging. Aber es hatte jetzt keinen Sinn danach weiter nachzuhaken. Heute Abend vielleicht, würde er es noch einmal versuchen eine Antwort von ihr zu bekommen. Hoffentlich war nicht wieder etwas mit ihrem Herzen, begann er sich Sorgen zu machen. „Wir sehen uns in ein paar Stunden heute Abend“, verabschiedete er sich.
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