Wert der Erinnerungen

GeschichteRomanze, Freundschaft / P12 Slash
Kim Seokjin RM
01.11.2019
01.11.2019
1
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Bis jetzt gab es nicht viele Momente in seinem Leben, in denen Namjoon wirklich so geschockt war, dass ihm die Worte fehlten. Der Moment, in dem er zum ersten Mal mit Soyhe gesprochen hatte, war einer von ihnen. Auch als er Jin das erste Mal geküsst und keine gewischt bekommen hatte vom älteren. Oder als er erfuhr, dass seine Mutter gestorben war.
Aber jetzt vor Jin zu stehen, der nicht wusste wer er selbst war, das riss ihm förmlich den Boden unter den Füßen weg. Normalerweise konnte er alles sehr schnell verarbeiten und verstehen, aber jetzt schien es so, als hätte sein Hirn einfach den Geist aufgegeben.
Er brauchte vergleichsweise lang, um wieder richtig denken zu können.

Jin erinnerte sich nicht. An gar nichts.

Hilfe suchend sah er die anderen an, aber in ihren Gesichtern stand genauso der Schock geschrieben. Er drehte den Kopf unsicher zurück zu Jin, stand aber langsam von Bett auf. Dabei ließ er auch die Hand des älteren los, die er die ganze Zeit gehalten hatte.
Keiner wusste was er sagen sollte. Die Stille im Raum wurde langsam unangenehm, obwohl es auch nie wirklich komfortabel hier drin gewesen war. Jin drehte den Kopf umher, als würde er einfach nur die Einrichtung begutachten.
Namjoon ärgerte sich über sich selbst. Er konnte doch sonst so gut mit Worten umgehen, was war jetzt los?
Er war wie paralysiert. Er bekam gar nicht richtig mit, dass Hoseok mit dem Arzt bereits zurück gekehrt war. Nur am Rande realisierte er, wie Taehyung ihn aus dem Raum zog. Erst als die Tür des Krankenzimmers zu fiel, kam er wieder richtig zu Sinnen und sah die anderen an. „Er erinnert sich nicht.“, sagte er unnötiger Weise. Irgendwie musste er das selbst noch richtig verstehen. „Was sollen wir jetzt tun, er-“
„Namjoon beruhig dich erstmal.“, Namjoon konnte nicht verstehen, wie Hoseok so ruhig bleiben konnte. In seinem Kopf herrschte soviel Chaos und er hatte keine Ahnung, wie er das beheben sollte. Aber der ältere wirkte vollkommen gefasst, was Namjoon irgendwie störte. Interessierte es ihn denn gar nicht, dass Jin sich nicht an ihn erinnern konnte? Wie schaffte er es so ruhig zu bleiben, wenn Namjoon bereits anfing Panik zu schieben?
„Namjoon.“, wiederholte er sanft und drückte den größeren auf einen der Stühle im Gang. „Warte erstmal ab, was der Arzt sagt.“
„Wie soll ich in dieser Situation ruhig sitzen bleiben und warten?!“, Erwiderte er mit einem Tonfall, der deutlich zeigte, wie aufgebracht er war. Völlig entgeistert sah er Hobi an, bis er Yoongi neben sich schnaufen hörte. „Spiel dich jetzt nicht so auf.“, sagte der ältere und lehnte sich mit verschränkten Armen an die Wand. „Du bist drei Jahre ohne ihn ausgekommen, da wirst du doch jetzt zehn Minuten überstehen.“
Auch wenn ihm dieser Kommentar überhaupt nicht gefiel, würde Namjoon bestimmt nichts dagegen sagen. Immerhin war es die Wahrheit. Wahrscheinlich würde er solche Äußerungen in der nächsten Zeit noch öfter zu hören bekommen, Yoongi würde da sicher noch eine Weile drauf rumhacken. Nicht, weil er wollte, dass Namjoon sich schlecht fühlte, sondern einfach um ihn zu zeigen, was er falsch gemacht hatte und um ihn davon abzuhalten, sowas nochmal abzuziehen.
Namjoon konnte hören wie Hoseok, der nun seine Schultern los ließ, leise seufzte. Ob jetzt vor Erleichterung, weil Namjoon endlich Ruhe gab, oder wegen Yoongis Worten, wusste er nicht.
Bis der Arzt schließlich aus Jins Zimmer kam, verging fast eine halbe Stunde. In dieser Zeit standen, beziehungsweise saßen sie alle einfach nur im Flur und zählten die Minuten (Namjoon die Sekunden). Jeongguk saß mittlerweile neben Namjoon auf einem der Stühle, Jimin saß gegenüber von ihnen auf dem Boden und an die Wand gelehnt. Taehyung war die erste Zeit nervös den Gang auf und ab gelaufen, weswegen Yoongi ihn kurzerhand ebenfalls auf einen der Stühle verfrachtet hatte.
Sobald sich die Tür zum Zimmer öffnete, sprang Namjoon auf, fühlte aber sofort eine Hand auf seiner Schulter, die ihn davon abhielt, den Arzt mit seinen Fragen zu überfallen. Er hielt sich zurück, aber als der Arzt ihnen allen nur höflich zunickte und schließlich nur mit Hobi in die Nähe des Schwesternzimmers ging, konnte er nicht an sich halten.

„Was soll das denn?“
Er verstand nicht, warum er auch jetzt keine Antworten erhielt. Warum nur Hoseok? Die anderen wirkten kein bisschen überrascht und auch Hoseok war ohne Aufforderung einfach mit ihm mitgegangen.
Jimin stand vom Boden auf und kam wieder näher zu ihnen. „Der Arzt darf eigentlich nur mit Familienangehörigen über Jins Zustand sprechen. Aber weil Jins Bruder nicht in Seoul lebt, hat er dem Arzt erlaubt mit Hobi zu reden, damit der im Notfall da ist.“
Ergab Sinn. Namjoon erinnerte sich, dass Jins Bruder nicht in Seoul lebte. Ob er schon benachrichtigt wurde? Sicher war er schon auf dem Weg hierher.
Namjoon konnte es sich nicht verkneifen zu seufzen. Er wusste, dass er sich gerade leicht kindisch benahm, weil er nicht warten konnte, aber er wollte einfach wissen was mit Jin los war. Würde er sich morgen oder schon in ein paar Stunden wieder an sie alle erinnern? Oder gar nicht?
Ganz kurz hatte Namjoon überlegt, ob das einfach nur ein Scherz von Jin war. Aber das schlug er sich wieder ganz schnell aus dem Kopf. Jin machte gerne Scherze, aber das war nichts, was er oder die anderen lustig fanden. Jin würde sie nicht so heftig verarschen. Wie konnte er überhaupt denken, dass er das faken würde? Er fühlte sich plötzlich ziemlich schuldig, auch wenn er das nur kurz in Erwägung gezogen hat. „Namjoon?“, Taehyung plötzlich so nah neben sich zu hören, ließ ihn kurz zusammen zucken, aber er riss sich schnell zusammen und sah den jüngeren fragend an. „Du hast ziemlich nachdenklich ausgesehen. Keine Sorge, Jin-hyung wird sich bestimmt ganz bald wieder an alles erinnern.“
„Hoffentlich.“, murmelte er leise, nachdem er Tae erst überzeugt zugenickt hatte. Der andere hatte ihn schon gar nicht mehr gehört, sondern sah gespannt zu Hoseok, der wieder auf ihre kleine Gruppe zukam. Weil Namjoon so sehr in Gedanken versunken war, ob Jin ihn wirklich bald wieder mit seinen schönen Augen ansehen und dann auch wissen würde, wen er da ansah, bemerkte er den älteren erst, als der unmittelbar vor ihm stand. „Und?“, fragte er sofort. Dabei war seine Stimme angespannter, als er es eigentlich wollte. Aber was sollte er machen? Er konnte nicht Mal von Hoseoks Gesichtsausdruck ablesen, ob er jetzt gute, oder schlechte Nachrichten bereithielt.
„Ich hoffe, dass jetzt auch richtig wiedergeben zu können. Also, der Arzt hat gesagt Jin geht es körperlich gut. Alle Werte und so sind in Ordnung. Nur eben der Gedächtnisverlust ist das Problem. Der Arzt hat von verschiedenen Amnesia gesprochen, irgendetwas mit Retro und Antero, keine Ahnung. Es muss erst noch festgestellt werden welche Art von Amnesie er hat, dann kann festgestellt werden, ob es für längeren Zeitraum so bleiben wird, oder ob er sich bald schon wieder erinnern kann. Das Patienten nicht sofort wissen wer sie sind, wenn sie aus dem Koma erwachen soll eigentlich ziemlich häufig vorkommen, ist aber nicht wirklich gravierend, weil es nur wenige Tage anhält.“
Die ganzen Informationen nahm Namjoon geduldig auf. Es erleichterte ihn irgendwo, aber trotzdem machte sich dieses unzufriedene Gefühl in ihm breit, sobald er alles verarbeitet hatte.
„Also können wir jetzt einfach nur abwarten?“, sprach Jeongguk das aus, was sie wohl alle dachten. Denn auch Jimin und Yoongi sahen nicht wirklich zufrieden aus.
Hobi ließ einfach nur bedrückt die Schultern hängen und sah sie alle entschuldigend an. „Leider. Ich schätze bis Seokjung kommt, sind wir machtlos. Bis dahin, sollten wir Jin die Ruhe geben, die er braucht. Es wird ihn doch sicher nur beunruhigen mit Menschen in einem Raum zu sein, die er nicht kennt.“
Und obwohl es Namjoon nicht gefiel, konnte er Hobi da nur zustimmen. Jin war sicher so schon ziemlich durcheinander, da half es ihm auch nicht von Fremden umgeben zu sein. Nicht, wenn er sogar sich selbst nicht kannte.

„Sag das nicht... nicht so.“, sagte Jimin traurig und drehte den Kopf weg, so dass er direkt auf die geschlossene Tür zu Jins Zimmer sah. „Er kennt uns. Er kann sich nur einfach nicht erinnern. Aber er wird sich doch wieder an uns erinnern.“
Ob das nun eine Feststellung oder eine Frage war, traute sich niemand wirklich zu hinterfragen. Niemand traute sich über das was-wäre-wenn nachzudenken. Denn was wäre, wenn Jin sich nicht wieder an sie erinnern würde? Was wäre, wenn er niemals wieder der Alte werden würde? Wie lang würde es dauern, bis er wieder zu sich selbst finden und wieder stolz und glücklich lächelnd vor ihnen stehen und sagen würde, wie gutaussehend er war?

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HALLO UND HERZLICH WILLKOMMEN ZU DER FORTSETZUNG VON WERT DER GEFÜHLE!!!

Hat ja auch lange genug auf sich warten lassen. Aber jetzt kann ich euch endlich wieder was liefern! Auch wenn das jetzt ziemlich kurz ist (sogar noch kürzer als das erste Kapitel von Wert der Gefühle), hoffe ich, euch wenigstens eine kleine Freude damit machen zu können.

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie froh ich bin wieder zurück zu sein und es tut mir so furchtbar leid, dass ich einfach verschwunden war.

In meinem Leben läuft gerade einiges nicht nach Plan und ich hab ziemlich hart mit mehreren Sachen zu kämpfen. Es stört mich einfach so sehr, dass ich nicht mal mein liebstes Hobby weiter ausführen konnte.
Bitte entschuldigt das. Ich hoffe jetzt wieder öfter schreiben zu können. Vielleicht bleiben die Updates nicht regelmäßig, aber ich hasse es einfach so sehr etwas unvollendet zu lassen, deswegen werde ich mein bestes geben :D
Vor allem aber, weil mir das Schreiben manchmal mehr hilft, als mein Therapeut .-.

Anyways, ich hoffe ihr freut euch trotz der langen Pause auf diese Fortsetzung! Wie ich auch vermutet habe wird sie länger als ihr Vorgänger :P

Viel Spaß beim Lesen!
NamJinator