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Ein Lied

von Black Owl
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteLiebesgeschichte / P6 / Het
Astoria Greengrass Draco Malfoy Narzissa Malfoy
31.10.2019
31.10.2019
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1.687
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31.10.2019 1.687
 
Ein kleiner OS zu unseren beiden Lieblingen <3





Er würde verrückt werden. Entweder das oder sein Gehör verlieren. Seine Laune und damit seine Kopfschmerzen von heute Morgen, schienen sich mit jeder Minute zu verstärken. Und war das ein Wunder bei diesem unerträglichen Lärm? Wie konnte man so etwas als befriedigend oder Talent verkaufen? Um vermutlich Tote zu wecken würde es nützlich sein. Draco hatte keine Ahnung, wer die junge Dame war, die Klavier spielte und ein Lied von sich gab, aber sie konnte eindeutig nicht singen. Er zog seine Brauen nach oben, als er Blaise sah, der die fremde Hexe immer noch anhimmelte. Er war eindeutig nicht bei Sinnen. Draco wollte sich am liebsten seine Ohren anzünden, um diesem Elend ein Ende zu setzen.

Er sah zu seiner Mutter, die ihn beinahe streng ansah, als er mit den Augen rollte. Sie meinte es wohl dieses Jahr wirklich ernst mit der Drohung, ihn an die Frau zu bringen. Nicht, dass ihre Bemühungen die letzten Jahre nicht weniger anstrengend gewesen waren. Sie hatte ihm immer wieder junge Hexen, rein zufällig natürlich, vorgestellt, die ihrer Ansicht nach gut zu ihm passen würden. War sie schon so verzweifelt, dass sie sogar eine der Hexen bevorzugen würde, die eindeutig nicht singen konnten. Millicent hatte es vor der Blondinen versucht und sie war nicht einmal recht gut am Piano gewesen und es war trotzdem besser gewesen. Aber wenn Narzissa schon selbst bereit war, diesem Lied des Grauens zuzuhören, musste ihr Wille wohl recht entschieden sein, Draco endlich zu verheiraten.

Er schloss kurz die Augen. Das Lied, ein Klassiker über eine Eule, die eine Liebesbotschaft von einer Hexe zu ihrem Geliebten bringen sollte, konnte er ganz sicher nicht mehr lange ertragen. Zum Teufel, er würde die Eule höchstpersönlich mit einem gezielten Avada vom Himmel hohlen, wenn sie von so einer verrückten Hexe kam, die sich einbildete Singen zu können. Er musste hier raus, bevor er irgendwen verhexte, und zwar sofort. Er stand auf und wurde kaum von einer der Hexen und wenigen Zauberern beachtet, nur seine Mutter bemerkte es sofort. Sie griff nach seinem Arm und fragte leise
„Wo willst du hin?“
Vermutlich fürchtete sie, dass er flüchten würde und nie wieder zurückkam. Am besten er wanderte aus. War sie wirklich so verzweifelt eine Schwiegertochter zubekommen? Himmel, er war noch nicht einmal dreißig. Was war ihr verdammtes Problem?

„Ich brauche kurz frische Luft.“, flüsterte er zurück und fügte hinzu. „Ich komme wieder.“
Wobei er das nicht versprechen wollte. Momentan hatte er das Bedürfnis einfach nur sehr, sehr weit wegzulaufen. Sie nickte stumm und er verließ das Musikzimmer im ersten Stock des Hauses. Himmel, er dachte wenigstens ein wenig Ruhe zubekommen, nachdem er seinem Vater an seinem letzten Geburtstag versichert hatte, dass er heiraten würde, aber sich selbst umsehen wollte. Er würde entscheiden, mit wem er sich traf und wer infrage kam und nicht wen seine Eltern haben wollten. Doch seitdem die ersten ehemaligen Mitschüler damit angefangen hatten zu heiraten und Kinder zu bekommen, schien seine Mutter einen regelrechten Wahn zu verfolgen Draco endlich heiraten zusehen. Scheiß Traditionen. Er betrat die Treppe und blieb vor einen der hohen Fenster stehen, die Licht den Treppenaufgang schenkten, nur um es zu öffnen.

Seine Finger tasteten nach den Zigaretten und er steckte sich eine an. Verdammt gute Erfindung von den Muggeln, auch wenn es schädlich war und besonders seine Mutter es hasste, dass er rauchte. Er rauchte ja nur ab und zu und meistens wenn er gestresst oder genervt war, was in letzter Zeit recht häufig vorkam. Er blies den grauen Dunst langsam aus und spürte, wie er ruhiger wurde. Er wandte den Kopf, als er das Gefühl hatte, wieder ein Summen zu hören und fürchtete schon, dass die Blondine ihm gefolgt war oder eine andere der verrückten Hexen. Doch da war niemand. Er zog erneut an der Zigarette und hielt inne, als er wieder dieses Summen hörte.

„Oh flieg, flieg Eule mein. Flieg in die Welt hinaus.“, sang jemand ganz dicht bei ihm. Aber weder schief noch falsch. Im Gegenteil, es war eine recht schöne Stimme. Aber wo zum Kuckuck kam sie her? „Bring mir mein Glück zurück. Schnell zurück, meine Eule mein.“
Er beugte sich weiter raus und hielt inne, als er sie entdeckte. Sie hockte im Baum. Einfach so, ein Buch auf dem Schoss und schien dem schiefen Singen zuzuhören und es besser machen zu wollen. Sie kicherte, als die Blondine besonders schief sang und ein Vogel im Baum vermutlich deshalb Reißaus nahm. Sie verstummte mit ihrem Gekicher, als das Klavierstück endete und wirkte recht amüsiert, als die Blondine hörbar gelobt wurde. Draco rollte mit den Augen, als er Blaise Stimme erkannte. Wie lächerlich war dieses Verhalten, denn eigentlich? Die Blondine sollte lieber Gesangsunterricht empfohlen bekommen.

Die Brünette die im Baum saß, die Beine ausgestreckt auf den Ast und angelehnt am Hauptstamm, summte vor sich wieder hin.
„Das ist das Glück, dass süße Glück.“, sang sie wieder, als offenbar eine neue Dame ein Lied anstimmte und sie bei dem alten Lied blieb. „Bring es zurück.“
Sie hob das Buch wieder an und schien weiterzulesen. Zumindest ihren tiefblauen Augen zu beurteilen.
„Schönes Lied.“, warf Draco ein und sie zuckte so heftig zusammen, dass Draco für einen Moment befürchtete, dass sie vom Baum fiel. Das tat sie nicht, stattdessen lächelte sie wohl das umwerfendste Lächeln, dass Draco seit langem gesehen hatte. Wieso fühlte er sich plötzlich so komisch?

„Dankeschön.“
Er grinste und nickte Richtung Musikzimmer.
„Solltest du nicht da drinnen sein und dort Singen? Mit mehr Zuschauer?“
„Ich denke nicht, nein. Ich mach mir nichts aus Aufmerksamkeit.“ Sie hatte gerade seine vollkommene Aufmerksamkeit. Sie strich eine dunkelbraune Locke hinters Ohr. Ihr Haar glänzte wie Kastanien im Herbst im Schein der Sonne. „Und du? Solltest du nicht da drinnen sein und zuhören?“
Er gluckste.
„Fünf Minuten länger und ich hätte mir meine Ohren abgehext.“ Sie lachte leise und er beugte sich etwas aus dem Fenster zu dem Baum, um seine Hand ihr hinzuhalten. „Draco.“
Sie ließ ihre Beine vom Ast baumeln, um näher dem Fenster zu sein.
„Ich weiß.“, antwortete sie und schüttelte seine Hand. „Astoria. Ich bin Daphnes kleines Schwester.“

Ihm ging sofort ein Licht auf.
„Daphne Greengrass?“
Sie nickte und er verstand. Sie kannte ihn vermutlich aus Erzählungen oder Fotos von ihrer großen Schwester. Daphne war sechsundzwanzig wie er selbst. Er überlegte fieberhaft, wann Astoria nach Hogwarts gekommen war, aber er konnte sich nicht erinnern. Sie legte den Kopf schief.
„Über was denkst du nach?“
„Ich habe mich nur gerade gefragt, in welchem Haus du warst. Es war nicht Slytherin, oder?“
„Nein. Ich war bei den Adlern.“ Ein Ravenclaw. „Und ich glaube, du hast mehr überlegt, wann ich eingeschult wurde und wie viel Altersunterschied wir haben.“

Er spürte tatsächlich, wie er rot wurde. Seit wann war er so durchschaubar?
„Ich bin fünf Jahre jünger als Daphne.“, sprach sie weiter.
Fünf Jahre, das war nichts. Ein Altersunterschied mit dem er leben konnte und sicher seine Eltern auch. Im Grunde, war es das passende Alter. Was zum Teufel dachte er da eigentlich? War er jetzt verrückt geworden?
„Und wieso bist du nicht da drinnen?“
„Ich begleite im Grunde nur meine Cousine und meine Tante. Ich mach mir aus solchen mittelalterlichen Treffen nichts und mein Vater auch nicht.“ Er würde ein Vermögen dafür geben, wenn seine Eltern auch so denken würden. „Meine Tante hat darauf bestanden. Sie hat uns großgezogen.“ Stimmt, er wusste, dass Daphnes Mutter schon lange tot war. „Also bin ich mitgekommen, aber habe mich geweigert dort aufzutrumpfen.“
Nun sie sah auch nicht gerade so aufgehübscht aus, wie die anderen in ihren viel zu edel wirkenden Kleider für ein Nachmittagstreffen. Sie trug Jeans und eine kurzärmelige weiße Bluse.

Sie beide zuckten zusammen, als jemand nach ihr rief.
„Oh verdammt.“, fluchte sie auf.
„Astoria, wo steckst du?“, ertönte die Stimme wieder.
„Ich muss weg, aber es war schön dich kennenzulernen.“, erklärte sie und er gluckste, als sie vom Baum stieg.
„Hey Greengrass, wo findet man dich sonst so als auf Bäumen?“, rief er ihr nach, als sie gehen wollte und sie wandte sich mit diesem bezaubernden Lächeln wieder zu ihm um.
„Wo wohl? Im Ministerium. Magisches Recht. Abteilung für Ehe- und Familie.“
Sie hob die Hand zum Abschied und er nickte ihr nur zu. Sah ihr eine gefühlte Ewigkeit nach und fragte sich, wo sie sich als Nächstes verstecken würde. Hoffentlich gut genug, damit die anderen Herren nicht auf sie aufmerksam wurden. Zumindest sprach keiner über Astoria während des restlichen Nachmittags und Draco ergab sich dem langweiligen Gerede wieder.



Er hatte neue Ziele oder besser gesagt ein neues Ziel. Darüber dachte er nach, als er Manor betrat und seine Krawatte lockerte, nur um sie vom Hals zu ziehen.
„Wie fandest du Eliza?“, fragte seine Mutter sofort und Draco rollte mit den Augen. „Sie ist sehr hübsch anzusehen. Ich meine, musikalisch ist sie eindeutig… nun ja...“
„Sie singt schrecklich.“, brachte es Draco auf den Punkt.
„Draco.“, ermahnte ihn seine Mutter und er sprach unbeeindruckt weiter. „Ich habe kein Interesse an Eliza. Aber ich werde mich im Laufe der Woche mit Astoria Greengrass treffen.“
Zumindest hatte er das vor.

Seine Mutter runzelte die Stirn.
„Greengrass? Astoria Greengrass? War die Dame heute überhaupt da?“
Er grinste verwegen.
„Da schon. Nur nicht aufgefallen.“
Seine Mutter wirkte irritiert.
„Oh… ähm. In Ordnung. Ich könnte mich mit der Familie in Verbindung setzen und...“
„Nein.“, unterbrach Draco sie und Narzissa blinzelte ihn erstaunt an. „Ich mache das alleine Mutter.“
Sie wirkte überfordert.
„Gut…. Wenn du meinst, dass das der richtige Weg ist.“ Ja, er war sich sicher, dass das der richtige Weg war. Ganz sicher sogar. „Astoria Greengrass also.“
Er winkte mit der Hand ab und ging weiter nach oben in den ersten Stock.
„Ich will sie nur besser kennenlernen, das ist alles.“
„Das ist das erste Mal seit Jahren, dass du von dir aus mit einer jungen Frau ausgehen willst und mir davon erzählst, Draco. Eine Frau, die offenbar dein Interesse geweckt hat.“, rief seine Mutter ihm nach, doch er hörte schon gar nicht mehr zu.
Er überlegte, wie man eine Astoria Greengrass beeindrucken konnte. Ihr Interesse an ihn wecken könnte.
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