Starlight Glimmer und die Runenträger

von JP Hyper
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
Maud Pie Starlight Glimmer Sunburst Sunset Shimmer Trixie Lulamoon Twilight Sparkle
31.10.2019
18.10.2020
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31.10.2019 5.961
 
Starlight Glimmer und die Runenträger


von JP Hyper




1. Kapitel: Ein neues Problem




Magie gibt es in allen Formen und Farben. Jedes Lebewesen steht in Verbindung zu ihr, manche stärker als andere. Einhörner und Alicorne zum Beispiel sind sehr stark mit der Magie vereint. Darum können sie diese auch aktiv nutzen.

Es gibt aktive Magie und passive Magie.

Aktive Magien sind durch visuelle Erscheinungen erkennbar. Leuchten, Flimmern und Strahlungen.

Nenne drei Beispiele: Einhornmagie, Changelingverwandlung und Chaosmagie.

Passive Magien sind schwer zu kontrollieren, sie können durch Emotionen ausgelöst werden oder befinden sich in Kreaturen und Gegenständen, wie Artefakte.

Nenne drei Beispiele: Cutie-Mark Magie, Crystal Heart Magie und Die Magie der Freundschaft





Starlight Glimmer gab für diese Antwort die volle Punktzahl. Diese Studentin hatte ein wirklich gutes Verständnis für dieses Thema. Das war fünf Punkte und einen extra Punkt für die Erwähnung der Magie der Freundschaft, ein wichtiger Lernstoff ihrer Schule.

Sie lehnte sich zurück, nahm einen Schluck Tee und blickte aus dem Fenster in die späte Nacht. Endlich war ihre Arbeit getan, Zeit, nach Hause zu gehen. Morgen würde sie die Testergebnisse ihrer Schüler präsentieren. Nach einem kurzen Seufzer erhob sie sich vom Stuhl, goss ihre Pflanze Phillis, schaltete das Licht aus und verließ das Direktorzimmer.

Sie schritt durch die kühlen Gänge Richtung Ausgang. Zu ihrer Rechten und Linken standen Büsten, die alle von verschiedenen Ponys stammten. Die sogenannten sechs Säulen von Equestria. In der Nacht wirkten sie ein wenig unheimlich, weil man meinte, sie würden einen beobachten.

Vor dem Ausgang zum inneren Hof der Schule schaute sie auf die Uhr über ihr. „Verdammt! Schon so spät?

In fünf Stunden würde Twilight wieder die Sonne aufgehen lassen. Sie brauchte ihren Schlaf, oder die Studenten müssten noch länger auf ihre Testergebnisse warten. Schnell trat sie raus schloss sie die Tür und vergaß beinahe hinter sich zuzuschließen. Sie holte den Schlüssel aus ihrer Tasche, da fiel er ihr unglücklicherweise auf den Boden. Das passierte eben in der Hektik. Sie hob ihn auf und spürte auf einmal eine Kälte über ihren Rücken gleiten. „Wer da?“

Sie drehte sich um, sah aber niemanden. Der Platz vor dem Gebäude war gähnend leer. Nur der Springbrunnen in der Mitte gab ein friedliches Plätschern von sich. Es war vermutlich nichts. Sie schloss die Tür ab und überquerte den Hof, über den Bach, am plätschernden Brunnen vorbei.

Etwas sagte ihr, dass sich irgendwas in der Nähe aufhielt. Stalker nervten sie. Und wenn es Discord wieder mit seinen üblichen Streichen war, musste sie ihn wohl wieder vom Schulgelände bannen. Mit leuchtendem Horn wirbelte sie herum, aber wieder bekam sie niemanden zu Gesicht. Es war echt seltsam, wie auf einmal die Paranoia sie einholte.

„Schon gut, Starlight. Du bist nur müde, nichts weiter“, sagte sie zu sich und setzte ihren Nachhauseweg mit erhöhter Achtsamkeit fort. Manchmal verirrten sich Ponys hier her. Die Schule war noch sehr neu in Ponyville, und es gab diese Nachtschwärmer, die gerne unter dem dunklen Himmel verweilten. Auf dem Gelände gab es wenig Licht, so müsste es heute sternenklar sein.

Sie sah hinauf und fand, dass es tatsächlich so war. Die verschiedenen Konstellationen funkelten auf Equestria hinab, wie sie es seit Äonen schon taten. Eine friedlichere Nacht hätte es nicht geben können. Es war vermutlich der letzte Tag des Sommers. Nachtschwärmer wären dann sicher keine Seltenheit. Soweit sie wusste, war auch ihre Freundin Trixie Lulamoon gerne unter freiem Nachthimmel. Aber was war das für eine Kälte?

Dieser Schauder war nicht wirklich da. Es war ihre Magie, die erzitterte. Das gefiel ihr nicht. Sie trabte schnell auf die Trittsteine zu, die über den kleinen See außerhalb des Schulgeländes führten. Aber das Gefühl blieb. So beschloss sie, nach der Ursache zu suchen.

Ihr Horn leuchtete auf und sie konzentrierte sich auf eine bestimmte Magieaura. Es gab noch viel mehr zu sehen. In jedem Haus vernahm sie alle Ponys, die friedlich in ihren Betten schliefen. So war es für Starlight leichter, die Anomalie zu finden. Ein kalter Windstoß erfasste sie, als sie eine unbekannte Präsenz fühlte. Sie flüsterte: „Was zum Tartaros ist denn das?“

Am liebsten wollte sie Twilight benachrichtigen, aber die musste bald die Sonne aufsteigen lassen. Außerdem hätte es zu lange gedauert, Pergament und Feder zusammenzubringen. Sie musste der Sache selbst auf den Grund gehen. Der Weg führte zurück in die Schule. Sie sah sich um und verstärkte den Radius ihres Zaubers.

Da leuchtete eine Aura, aber sie war schwach. Ein Pony befand sich hinter dem Gebäude und Starlight fühlte, wie die Lebensenergie dieses Individuums schwand. Es lag im Sterben.

Starlight keuchte. Wieso hatte sie gar nichts bemerkt? Während sie friedlich ihre Arbeit beendet hatte, lag da ein Pony offensichtlich schwer verletzt im Garten. Wie konnte das sein? Sie hatte keinen Schrei gehört, keinen Kampf. Es war, als läge es die ganze Zeit da. Starlight galoppierte den Pfad zum hinteren Garten entlang. Es wurde kälter. Es war nicht das Pony, was diese niedrigen Temperaturen verursachte. Hier war etwas anderes im Gebüsch.

„Hallo?“, rief sie im lauten Flüsterton. Nichts kam zurück. Aber etwas war da. Das konnte sie deutlich spüren. Der Körper des Verletzten war nichts weiter als ein schwaches Flimmern. Starlight erkannte anhand des Aurazaubers, dass es bereits zu spät war. Es war nicht mehr.

Nichtsdestotrotz musste sie diesen Körper bergen. Sie hoffte insgeheim, dass es nicht einer ihrer Freunde gewesen war. Ihr Herz klopfte bei diesen Gedanken wie wild. Aber egal wer da lag, sie musste sich auf ein schreckliches Bild gefasst machen. Einmal tief Luft geholt, dann schritt sie weiter.



Als sie in den Garten gelangte, meinte sie in eine neue kalte Jahreszeit zu treten. Die Gegend war ungewöhnlich eisig für diese spätsommerliche Nacht. Sie hörte ein schweres Atmen. Eine unbekannte Kreatur war hier. Etwas, was sie mit ihrer Magie nicht ausmachen konnte. Sie ließ ihr Horn stärker aufleuchten. Das türkisfarbene Zauberlicht suchte die Bäume ab und irgendwo dazwischen hatte sich eine Gestalt über einen Körper gebeugt. Es sah wie ein Pony aus, ganz dürr und fahl. Von hier aus konnte Starlight erkennen, dass es keine Mähne hatte und auch keinen Schweif.

"Hey! Du da!" rief Starlight, ohne zu wissen, woher dieser Mut kam. Sie vernahm ein lautes Schmatzen und da wurde ihr klar, dieses Ding fraß ein anderes Pony. Ihr wurde speiübel. Das Abendessen, bestehend aus einem Heusandwitsch und einem Apfel, versuchte kläglich durch ihre Speiseröhre zu gelangen und verursachte bei ihr starke Bauchschmerzen. „Oh, nein“, keuchte sie.

Das fahle Pony mit dem gebogenen Horn hob den nackten Kopf und drehte ihn langsam um. Es war komplett ohne Fell und die Haut schien sich wie Leder über ein knochiges Gestell zu ziehen. Und dann waren auch noch diese Augen. Die waren dunstig und weiß, kleine bleiche Pupillen starrten die Einhorn Stute direkt an. In seinem Mund steckte das blutige, grüne Bein des Opfers.

Starlight schluckte einen Kloß hinunter. Sie war nicht fähig sich zu bewegen, starr vor Schock. Diese dürre Gestalt schritt auf sie zu und ließ das Bein auf den Boden fallen. Blut tropfte aus seinem Maul und daraus kroch eine lange, schwarze, tentakelhafte Zunge, die gierig nach mehr Fleisch lechzte.

Sie wurde von neuen Gefühlen überhäuft. Sie spürte Abscheu und Wut, wegen dieser grauenvollen Enthauptung des armen Einhorns. Starlight kannte dieses Pony vom Sehen her. Es war ein Student dieser Schule gewesen.

„Du bist so abgrundtief hässlich!“, sprach Starlight voller Ekel zum bleichen Monstrum. Ihre Beine trugen sie automatisch zurück, als es immer näher kam. Sie hörte ihr Herz in den Ohren klopfen, ihre Naturinstinkte flehten sie an abzuhauen, zu teleportieren oder zu schreien. Aber was, wenn es sich mehr Opfer holte? Dieses Ding befand sich mitten auf ihrem Grundstück in Ponyville. Eine ernste Gefahr für ihre Studenten und Mitbewohner. Das durfte sie nicht zulassen.

Das bleiche Pony warf den Kopf nach hinten und wieder nach vorne. Seine Zunge schnellte voraus. Starlight wich zur Seite aus und zeigte ihr erzürntes, kampfeslustiges Gesicht. Ihre Müdigkeit war verschwunden. Das Adrenalin schoss durch ihre Adern, ihre Kraft wurde stärker.

„Ach, du willst es wohl auf die harte Tour!“, rief sie. Ihr Horn leuchtete stärker auf. Sie schoss einen Magiestrahl auf das Wesen. Das Licht wurde vom fahlen Pony eingesaugt und Starlight begriff: „Es ernährt sich von Magie!“

Das war ein guter Moment Fersengeld zu geben. Starlight sprang aus dem Gebüsch und rannte zurück zum Platz des Schulgeländes. Das Pony verfolgte sie. Es hatte trotz des fragilen Körperbaus einen schnellen Galopp.

Im Hof angekommen sprang es raubtierhaft über Starlight hinweg und stellte sich ihr in den Weg zum Hauptausgang. Sie bremste scharf ab, sodass ihre Hufen sich in die Erde gruben und zauberte einen Kristallschild vor die Kreatur. Dann drehte sie sich um und versuchte in das Gebäude zu gelangen. Der Schlüssel wollte bei all der Panik nicht in das Loch passen. Und sie musste genug Konzentration sammeln, um sich einfach hineinteleportieren zu können. Aber im Moment fehlte ihr einfach die Ruhe dafür. Das fahle Pony schleuderte die Tentakelzunge durch das Schild, als wäre es nichts auf Starlight zu. Sie duckte sich und die Zunge knallte gegen die Tür.

Dann kam sie auf die simple Idee den Eingang mit den Hinterbeinen einzutreten, ganz wie ihre Freundin Applejack es mit den Bäumen machte, wenn sie die Äpfel erntete. Nach zwei heftigen Tritten merkte sie, dass die Tür unheimlich stabil gebaut worden war. Die Zunge kehrte zurück und umschlang ihr rechtes Vorderbein. Ein starker Schmerz durchzog ihren Huf und sie schrie laut auf. Die Zunge schleifte sie unsanft durch den Rasen und ließ sie durch ein Brückengeländer preschen. Doch das hatte sie kaum gespürt. Nichts schmerzte so sehr wie ihr Huf. Sie hatte das Gefühl, als würde ihr etwas die Kraft entziehen.

Dann wurde sie in den Fluss des Hofes geschleudert. Das Wasser spritzte in alle Richtungen. Starlight tauchte wieder auf und sah ein weiteres Mal die Zunge auf sie zurasen. Diesmal war sie vorbereitet. Sie ließ eine Wasserfontäne vor sich aufbauen und konnte somit sie den nächsten Angriff abwehren. Als die Zunge sich zurückzog, hatte Starlight endlich Zeit das Flussufer zu erreichen und aus dem kalten Wasser zu steigen. Ihre Mähne war durchnässt und sie war wütend, unheimlich wütend. „Hab ich dir erlaubt es mit Zunge zu machen?“, brüllte sie.

Sie stieß eine Magiewelle aus und wirbelte Wasser und Erde auf. Der Wind peitschte gegen die Fensterläden, die laut zu klappern anfingen. Die bleiche Kreatur schien diese Turbulenz nicht zu stören. Nein, sie ernährte sich von Starlights ausgestoßener Kraft.

Die mächtige Einhorn Stute zog per Levitation ein paar Felsen zu sich. Aber ihr rechter Huf brannte nach wie vor. So sehr, dass sie zögern musste. Sie sah ihn an und merkte, dass er dunkelblau geworden war. Der Schmerz pulsierte wie ein eigenes Lebewesen. „Ah! Was ist das?“

Das fahle Pony gab ihr keine Zeit, das herauszufinden und schoss einen weißen Lichtstrahl aus seinem Horn. Es traf Starlight heftig. Sie flog wie eine Spielzeugpuppe über die Wiese und krachte mit dem Kopf voraus gegen die nächste Hausmauer. Kopfschmerzen und eine ausgeschöpfte Magie verrieten ihr, dass das wohl ihr Ende war. So schnell nach der Krönung von Twilight, so schnell nachdem sie die Schule übernommen hatte und was war mit all den Dingen, die sie für die Zukunft geplant hatte?

Ihr bleicher Tod schritt langsam und gemächlich auf sie zu. Es bleckte seine lange Zunge. Wahrscheinlich würde sie dem Studenten bald folgen, aber nicht bevor sie ein Ass aus dem Ärmel zauberte.

Dieses Monster bemerkte nicht, dass der Brunnen, den Starlight beim Fall aus den Angeln gerissen hatte, über seinem Kopf schwebte. Bevor es in Reichweite kam, ließ sie den Brunnen einfach fallen. Es wurde darunter begraben, ohne zu wissen, von was es erwischt wurde.

Starlight lächelte ihr Werk schräg an. Der Kopf der Kreatur ragte aus den Trümmern hervor. Die Zunge hing aus dem Maul. Es sah wie ein platt gedrückter Frosch mit Horn aus, darum musste sie so grinsen. Aber sie hatte auch einiges abbekommen. Zwei gebrochene Rippen, ein Schädeltrauma – so vermutete sie, und ein entstellter Huf. Sie lag eine Weile da und wartete ab. Es gab auch passive Einhornmagie. Sie konnte selbstheilend sein, wenn die Wunden nicht allzu schlimm waren oder etwas Magisches hatten. Das hier war gerade noch zu heilen. Die Verletzungen schlossen sich. Ihr Kopf tat auch nicht mehr weh. Aber ihr Huf… Er war dunkler geworden. Keine Heilung war im Gange.

Sie sah wieder zum Brunnen vor ihr und stellte erschrocken fest, dass sich die blasse Kreatur wie Asche im Wind auflöste. Somit gab es keine Beweise von der Herkunft dieser Kreatur. Dieses gerissene Ding, dachte Starlight.

„Ich hatte gekämpft und kam mit dem Leben noch so davon.“ So würde es in einer ihrer Tagebücher stehen, die sie für die Nachwelt schreiben wollte. Sie schloss die Augen und ruhte sich aus. Alle Studenten würden einen zerstörten Hof vorfinden und Bauklötze staunen. Den Schaden konnte man reparieren. Sie waren gut versichert. Sie könnte sagen, dass es hauptsächlich der Angreifer gewesen war. Würde man ihr glauben? Das Viech war verschwunden, in Asche verwandelt. Aber das waren Sorgen, um die sie sich später kümmern sollte. Nachdem sie eingeschlafen war, graute langsam der Morgen.



Vier Stunden später…

„Direktorin Starlight! Direktorin Starlight!“

Die Angesprochene erwachte plötzlich. Zunächst kam es ihr so vor, als läge sie wieder zu Hause in ihrem Bett und alles sei nur ein Albtraum gewesen. Doch sie lag genau dort, wo sie eingeschlafen war. Ein rosa Hippogreif und ein blaugefiederter Greif knieten vor ihr. Der Hippogreif hielt ihren gesunden Huf streichelnd fest. „Geht es Ihnen gut?“

Starlight stöhnte. Sie wusste nicht wie sie es erzählen sollte. „Da war so ein verfaultes Pony gewesen, das Magie fraß. Nein, niemand würde ihr Glauben schenken. Außer Twilight und ihre Freunde vielleicht. Sie hatten schon genug erlebt, um auch so etwas zu glauben. Sie versuchte es zu erklären: „Silverstream… Ich wurde… angegriffen, aber die Gefahr ist vorüber… AUU!“ Ihr Huf schmerzte sehr.

"Warte, ich helfe Ihnen!", sagte der Greif. Er versuchte sie hochzuziehen, aber das verstärkte den Schmerz.

„Gallus! Es tut weh! Es ist besser, wenn ein Lehrer kommt und sich das ansieht!“, klagte Starlight mit Schweiß im Gesicht.

Erschrocken zog er die Klaue zurück. Im nächsten Moment hörten sie eine vertraute Stimme. „Bitte lasst uns durch! Die Schulberaterin kommt durch! Danke, vielen Dank!“

Trixie drängelte sich durch und schob Silverstream beiseite. Als das blaue Einhorn sie erreichte, keuchte sie auf: „Du meine Güte! Du siehst aus, als hätte dich eine Büffelherde zertrampelt!“

Das war ihre typische Trixie-Reaktion. Unter besten Freunden musste Starlight ihr sogar zustimmen. Neben ihr stand Sunburst im dunkelblauen Sternenumhang. „Was ist mit dir passiert, Starlight?“, rief er besorgt.

„Ich hätte die Arbeiten zu Hause machen sollen, aber ich habe wahrscheinlich eine Katastrophe verhindert“, stöhnte sie und blickte auf ihren verdunkelten Huf. „Irgendwie…“

Sunburst und Trixie halfen ihr vorsichtig auf. Den rechten Huf wagte sie nicht aufzusetzen. Er tat auch so schon weh. Trixie fiel es auf und die Bemerkung ließ sich nicht auf sich warten: „Und dein Bein… Was hast du damit gemacht? Sieht aus, als wärst du durch ein Feuer gelaufen!“

„Du hast doch Magieexperimente auf dem Schulgelände verboten!“, fügte Sunburst hinzu.

Starlight schüttelte energisch den Kopf. „Nein, nein, es war ein Angriff. Es war ein…“ Sie suchte nach den Worten und sah die Studenten nach der Reihe an. „Ich kann es nicht genau sagen… Dürr, kahl, Haut und Knochen… Und als ich es zerstört habe,…“ Sie deutete mit ihrem gesunden Huf auf den Brunnen. „da hat es sich in Luft aufgelöst.“

Die Studenten tauschten sich gegenseitig nervöse Blicke aus. Starlight hatte sich schon gedacht, dass es Unruhe auslösen könnte. Was, wenn ein Neues von diesen Dingern auftauchte oder vielleicht lebte diese Gestalt noch. Nach all diesen Gedanken fasste sie einen Entschluss: „Die Schule wird geschlossen! Ihr habt alle Urlaub, bis wir mehr wissen.“

„Was!?“, kam es von einigen Ponys und Nichtponys aus den Reihen hervor und das Getuschel wurde lauter. Starlight war es egal, was sie sagten. Sie hatte gesprochen und humpelte zum Eingang des Schulgebäudes. Sunburst und Trixie liefen ihr hinterher.

„Du scheinst etwas durcheinander zu sein!“, meinte Sunburst beschwichtigend: „Vielleicht nimmst du einen Tag frei und wir kümmern uns um die Schule. Oder wir können Twilight fragen, ob sie für dich einspringen kann.“

„Sie hat genug um die Ohren und ich glaube kaum, dass das Problem sich automatisch lösen wird, wenn die Prinzessin dabei ist.“

Trixie begann zu fragen: „Wie ist es mit den anderen Freunden von Twilight?“

„Alle verstreut. Rarity ist in Manehatten, Pinkie Pie reist gerade mit Cheese Sandwich zu einem Event und Fluttershy ist in Discords Dimension zu Besuch. Nur Applejack und Rainbow Dash sind in Ponyville, aber die haben sicher auch zu tun“, sagte Starlight, um wirklich alle Möglichkeiten durchzugehen. Sie öffnete die Türe mit dem Schlüssel und ließ ihre zwei Freunde eintreten.



Die Studenten verließen den Platz. Starlight hatte ihnen verheimlicht, dass ein Student gestorben war. Sie wollte keine Panik verursachen. Doch in der leeren Aula konnte sie es vor Trixie und Sunburst preisgeben. Während sie erzählte, wickelte sie ihren rechten Huf mit Bandagen aus einem Verbandskasten ein, um diese hässliche Verletzung zu verbergen.

Beide schwiegen, als sie diese Geschichte beendet hatte. Trixie sah ihre Vorgesetzte völlig entgeistert an. Sunburst legte seine Brille ab und putzte sie mit dem Saum seines Mantels. Die Levitation seiner Magie zitterte und er schnaubte tief durch die Nüstern. Dann hauchte er hektisch gegen das Glas und säuberte es zum dritten Mal. „Wir müssen Twilight Bericht erstatten!“, sagte er ernst.

„Aber sie…“

„Das ist ein echt ernster Fall, Starlight! Ein Student ist tot und deinen Huf müssen wir unbedingt untersuchen. Was es auch war, es hat dich übel erwischt.“

„Wenn du meinst!“, seufzte Starlight und levitierte ein paar Schreibutensilien vom Rednerpult zu sich herüber. Sie ließ eine Feder in die Tinte gleiten und schrieb ihre Situation auf. Was würde Twilight für ein Gesicht machen, wenn sie diese Nachricht lesen würde? Die erste Botschaft von ihrer Freundin Starlight Glimmer Jahre nach der Krönung? Ein Gesicht, dass sie sich nicht gerne einprägen wollte.

„Es ist unsere einzige Möglichkeit“, sagte Sunburst während Starlight schrieb. Die Tinte spritze ein wenig, weil sie davon zu viel verwendet hatte.

Früher hatte sie Twilight oft geschrieben, aber Antworten kamen immer verspätet zurück. Vermutlich hatte sie einfach viel zu tun.

Starlight erwähnte das Monster und beschrieb es, den toten Studenten, die vorrübergehende Schließung der Schule und auch ihren verletzten Huf. Sie wartete bis die Tinte trocknete und verschloss das Pergament mit dem Siegel der Schule. Dann ließ sie den Brief sofort zu Twilight teleportieren.

Es dauerte lange. Sehr lange. Trixie hatte ihre Hinterläufe auf den Tisch gelegt. Eigentlich ein schlechtes Beispiel für eine Ratgeberin der Schulleiterin, aber Starlight hatte im Moment nicht den Nerv sie zurechtzuweisen. Sunburst spielte unruhig mit seinem Bart herum, tief in Gedanken versunken. Starlight versuchte bequem zu sitzen, aber ihr Huf tat immer noch weh. Er fühlte sich taub an. Das Fell auf ihrem Huf schien auszufallen und die Haut wirkte ledrig. Der Verband schien ein wenig zu helfen, aber nur ein wenig.

Plötzlich hörten die drei Ponys draußen einen Teleportzauber. Dann gleich mehrere hintereinander.

„Das muss sie sein. Ist sie persönlich gekommen?“, rief Starlight aufgeregt. Sie hatte Twilight seit Jahren nicht mehr gesehen. Sunburst schaute zweifelnd auf.

Sie verließen das Gebäude und Starlight schloss hinter sich zu. Draußen standen mehrere Wachen. Alle in goldfarbener Rüstung und dem rosa Stern in der Mitte des Harnischs. Die Meisten waren männlich, doch da stand auch eine weibliche Wache mit dunkelviolettem Fell und rosaroter, punkähnlicher Mähne. Ihr größtes Merkmal war ein gebrochenes Horn. Die kühlen, hellblauen Augen sondierten die Gegend erstaunt ab, als sie dieses Chaos auf dem Platz bemerkte.

Mit den Wachen war auch eine große Kutsche gekommen. Sie war schlicht gebaut aber in Gold und Blau gehalten. Die Tür zum Wagen stand bereits offen.

Die großgewachsene Wachstute schritt auf die Ponys zu und sprach: „Ich bin Captain Tempest! Prinzessin Twilight Sparkle wünscht euch sofort zu sehen!“

Starlight hinkte der Wachstute entgegen. „Das freut mich. Wie kommt es, dass sie nicht persönlich erscheint?“, fragte sie neugierig. „Wir sind ja gute Freunde!“

Tempest sah sie kühl an. „Nun, sie wollte kommen, aber ihre Anwesenheit wird in Canterlot benötigt. Sie hat uns hierher teleportieren lassen, damit es schneller geht. Mit der Kutsche müssen wir leider selbst hinfliegen. Es braucht nur eine halbe Stunde.“

Die sechs weißen Pegasus Hengste traten vor und spannten sich in die Zuggeschirre des Wagens ein. Nach der fließenden Bewegung, wandten sie ihre Blicke geradeaus und warteten auf Befehle.

Starlight nickte verständnisvoll. Das war einer der Gründe, warum sie keine Prinzessin sein wollte. Gefesselt an einem Fleck, um das Ponyvolk zu leiten. Lieber wollte sie das weitergeben, was Twilight und ihre Freunde ihr beigebracht hatten. Sie wollte mit eigenen Kräften etwas bewegen, um zu beweisen, dass jeder die Möglichkeit hatte Freundschaften zu schließen, egal aus welchem Holz dieses Wesen geschnitzt war. War sie erfolgreich? Ja, ganz sicher. Ihre Schule war nicht nur für Ponys gedacht. Sie war das Mittel zukünftiger Bündnisse für Equestria. Das ging über die Jahre auf. Ponys, Drachen, Yaks, Changelinge, Greifen, Hippogreife und die Kirins hatten hier gemeinsamen Unterricht.

Nachdem Starlight sich zusammen mit Sunburst und Trixie in den Wagen gesetzt hatte, ging ihr Blick geistesabwesend zu ihrer geschlossenen Schule.



Die Pegasi verließen Ponyville zügig. Sie durchstießen mehrere Wolken und befanden sich auf den direkten Weg nach Canterlot. Mit der Kutsche hochzufliegen war wesentlich angenehmer als mit dem Zug zu fahren. Denn die Hauptstadt Equestrias befand sich auf einer steilen Klippe.

Sie näherten sich dem Palast, der am Rand der Klippe die Stadt überragte. Er war umgeben von inneren Mauern, die den Bereich des Hofes begrenzten. Wiesen und Büsche ließen das Ganze natürlicher erscheinen, als wäre das Gebäude aus der Erde gewachsen. Sogar ein saftig grüner Efeu wuchs an einem Teil der Mauer hinauf. Ein Fluss umringte den Palast, auf dem Schwäne schwammen. Diese flatterten elegant mit ihren Flügeln und verspritzen Wasser, sehr zum Ärger des Palastgärtners, weil er das Ziel von diesen Tieren war.



Die Kutsche landete sacht auf dem Rasen vor dem Palast und alle Insassen stiegen aus. Tempest ging voraus, dann folgten ihre Wachen, die Starlight, Trixie und Sunburst eskortierten.

Der Palast war ominös und Starlight hatte ihn schon lange nicht mehr zu Gesicht bekommen. Es fühlte sich merkwürdig an. Nach all der Zeit fühlte sie, dass etwas Großes auf sie zukam. Als wollte das Gebäude ihr mitteilen, dass es Zeit war eine neue Aufgabe zu lösen.

Sie traten die weißen Stufen hinauf, die am Palasttor grenzten. Als die Ponys direkt davor standen, lief Tempest voraus und berührte mit ihren sternförmigen Edelstein an der Rüstung das große Tor. So öffnete es sich für sie.

Die Empfangshalle war riesig im Vergleich zur Schule. Damals, als die zwei Schwestern über Equestria herrschten, hatte es zwei Buntglasfenster gegeben, die einmal Nacht und Tag darstellten. Aber hier waren sie beide dunkelviolett mit einem pinken Stern versehen und der damalige rote Teppich war lila, der über mehrere Stufen in die höhere Ebene führte.

Tempest leitete sie durch die hellen Gänge mit weiteren Buntgläsern. Jedoch waren sie viel größer als die Ersten und sie erzählten jeweils eine Geschichte. Wie Twilight gemeinsam mit ihren Freundinnen Nightmare Moon besiegten, oder wie sie das Crystal Empire gerettet hatten.

Starlight kannte diese Storys nur vom Hörensagen. Damals war sie damit beschäftigt ein Dorf zu unterjochen. Ja, ihre Vergangenheit war düster und voller Rachsucht gewesen. Sie hatte sogar versucht Twilights Vergangenheit zu verändern. Und obwohl alle beteiligten Ponys ihr verziehen hatten, schmerzte es sie immer noch, von etwas oder jemandem daran erinnert zu werden. Als sie diese Bilder sah, wurde ihr klar, dass sie niemals als Heldin in die Geschichtsbücher eingehen würde. Sie schnaubte, nicht nur um diesen unwillkommenen Gedanken zu unterdrücken, sondern auch, um dem Schmerz in ihrem Huf Luft zu machen. Es schien umso mehr weh zu tun, je näher sie den Türen am Ende des Ganges kam.

Als sie davor standen, öffneten sich die großen Flügeltüren und offenbarten den Thronsaal. Das erste, was sofort ins Auge fiel war die symmetrische Innenarchitektur. Der Thron in der Mitte stand auf einer Rampe, links und rechts daneben waren drei in einer Reihe abfallende Wasserbecken eingebaut. Das Wasser floss von Becken zu Becken hinunter und mündete in einem kleinen Kanal, der nach draußen führte. Der kühle Marmorboden spiegelte das Morgenlicht, das durch die Fenster schien. Dank der bunten Muster, verlieh es dem Boden einen regenbogenfarbenen Schimmer.

Überall hingen die Banner der sechs Ponyhelden von der Decke. Das Banner in der Mitte war natürlich das von Twilight Sparkle. Und sie selbst saß direkt darunter auf dem Thron. Neben ihr standen ein paar Diener, alle mit Pergamentrollen auf einem Tablet haltend. Die Prinzessin war wirklich sehr beschäftigt, so viel stand fest.

Doch eines fiel Starlight besonders auf. Twilight war gewachsen, sie war ungefähr so groß, wie die ehemalige Prinzessin Luna vor einigen Jahren.



Captain Tempest verbeugte sich vor der Prinzessin und alle anderen taten es ihr gleich. Twilight beendete den Satz auf ihrem Pergament und legte diesen zu den anderen. Dann stand sie auf und die Diener neben ihr traten einen Schritt zurück.

Und wie sie gewachsen war… Ihre Flügelspannweite war um einiges größer geworden. Darum mussten die Diener zur Seite treten, um nicht ihre Federn ins Gesicht zu bekommen.

„Ihr könnt euch erheben. Meine engsten Freunde müssen sich nicht vor mir verbeugen“, sprach sie mit sanfter Stimme zu Starlight, Sunburst und Trixie. Alle drei nahmen auch gleich eine bequeme Haltung ein.

Tempest machte für Starlight einen Schritt zur Seite, damit sie ihre alte Freundin begrüßen konnte. Sie war berauscht von ihrer Größe. Sie hatten sich schon lange nicht mehr gesehen. Twilight war damals etwas kleiner gewesen. Es war erstaunlich viel Zeit vergangen und sie wünschte, sie könnte das alles noch einmal erleben. „Twilight! Ich bin so froh dich zu sehen…“

Sie wollte ihren linken Huf ausstrecken, aber plötzlich wurde der Schmerz in dem anderen Huf stärker. Als würde eine Kreissäge in ihren Sehnen anspringen. Sie schrie auf und krümmte sich. Ihr Huf verkrampfte sich und stieß ein seltsames, gurgelndes Geräusch aus. Dann verlor sie die Kontrolle über ihn. Der Huf schlug nach Twilight, die überrascht zurückwich.

Die Wachen sprangen zur Stelle. Aber das durchgedrehte Vorderbein besaß eine immense Kraft. Ohne das Starlight es wollte, schlug sie um sich und die Wachen sprangen zurück, immer noch Twilight in Schutz haltend. In seinem Innern knurrte wieder etwas und verzog sich in eine seltsame, unbequeme Stellung. Dann plötzlich leuchtete er in Starlights helltürkiser Magiefarbe auf und verlängerte sich zu einem grotesken Tentakelarm. Er schlug wie eine Peitsche nach Twilight. Starlight kreischte laut auf. Einer der Wachen schrie ebenfalls. „STOPPT ES!“

Mehrere Wachen warfen sich zwischen Starlight und Twilight. Jeder von ihnen bekam einen Hieb von diesem Ding ab, das einmal Starlights Huf gewesen war, und schleuderte sie gegen die Säulen und Wände. Starlight versuchte den Huf zurück zu ziehen, als wollte sie einen wildgewordenen Köter bändigen. Es konzentrierte sich weiter auf die Prinzessin und holte zu einem fatalen Schlag aus. Aus dem Tentakel wuchsen plötzlich violette Dornen. Aber Twilight wandte einen Schildzauber an und die Peitsche hämmerte aggressiv auf diesen ein.

Tempest gebrochenes Horn begann helle Funken zu sprühen. Sie schoss direkt auf Starlight. Der grelle Blitz schleuderte sie davon bis zum Rande des Raumes. Starlight spürte den brennenden Schmerz an ihrer Schulter, da wo Tempest sie getroffen hatte. Ihr dämonisiertes Bein schlängelte suchend herum, zischte und knurrte wie eine wilde Bestie. Starlight richtete sich auf. Hinter den ganzen Wachen konnte sie das Gesicht der Prinzessin erkennen. So einen Blick würde sie nie mehr aus ihrem Kopf bekommen. Es war so als wollte sie fragen: „Wieso?“

Tempest bäumte sich auf und drohte: „Keine Bewegung! Was du auch bist!“

Sie war bereit eine weitere Salve abzufeuern. Da sie ein gebrochenes Horn hatte, war ihre Magie unkoordinierter und konnte ziemlich rau werden. Starlight machte keine Anstalten nur einen Schritt in ihre Richtung zu wagen. Nur ihr besessener Huf war gierig danach die Prinzessin in Stücke zu hauen.

Starlight kroch langsam zu einer der Wasserschüsseln an der Seite des Throns und tauchte ihren Tentakel-Huf schnell ein. Ihr Bein ging langsam in seinen Normalzustand zurück. Doch der pulsierende Schmerz hielt an. Mit tränenden Augen und zusammengebissenen Zähnen beobachtete sie es unter der Wasseroberfläche. Es bewegte sich als würde es atmen und machte pochende Geräusche eines schnellen Herzschlags. Sie hielt es so lange fest, bis es endlich Ruhe gab. Dann keuchte sie erleichtert auf. Sie wagte es nicht ihn zu bewegen. Wer weiß, was noch passieren könnte.

Die entspannte Atmosphäre war im Thronsaal komplett gewichen. Stattdessen zeichnete sich bei den Dienern und den Wachen ein verstörtes Gesicht ab. Auch Sunburst und Trixie waren ganz bleich geworden. Was da gerade geschehen war, entsprang wohl aus einem Albtraum.

Starlight wandte sich zu der Prinzessin, komplett erschöpft und schweißgebadet. „Twilight… Ein Schild, schnell!“, rief sie.

Die Prinzessin hielt die Augen gebannt auf ihre alte Freundin. Sie konnte wohl nicht glauben, dass sie um ein Haar dem Tod entronnen war.

„Twilight! Mach schon!“, rief Starlight verzweifelt.

Bei ihrer zweiten Bitte leuchtete Twilights Horn pink auf und eine ebenso pinke durchsichtige Wand trennte den ganzen Raum von Starlight.

Captain Tempest begann zu schimpfen: „Bei allen Höllen, wie kannst es wagen die Prinzessin anzugreifen!? Deine langjährige Freundin?“ Sie schnaufte wütend.

Twilight hob einen Huf, damit sie sich beruhigte. Starlight gab keine Antwort. Sie zog den Huf langsam aus dem Wasser. Er war wieder wie vorher. Doch die schwarze Brandverletzung blieb. Das Ding im Innern des Laufes, spürte sie zum Glück nicht mehr.

„Was es auch war… Es war nicht Starlight Glimmer. Sie hatte versucht es von mir fernzuhalten“, sprach Twilight.

Starlight am Thronbrunnen schloss erleichtert die Augen. Sie war überglücklich, dass Twilight ihr glaubte. Vor vielen Jahren waren sie Feinde gewesen, dann befreundeten sie sich und tagtäglich stieg das Vertrauen zueinander. Und bis zu diesem Tage, stand sie zu ihrer Freundin und hatte das letzte Wort. Sie war wirklich zu einer kompetenten Prinzessin herangewachsen.

„Doch ich werde dich nicht berühren, solange wir nicht wissen, was das ist. Ich wollte es mit meinen eigenen Augen sehen. Aber anscheinend reagiert dieses Mal auf meine Anwesenheit“, erklärte sie weiter.

Starlight betrachtete ihre Verletzung. Sie tat nicht mehr weh. Entweder war das eine einmalige Reaktion gewesen oder es befand sich in einem Ruhezustand. Jedenfalls brauchte sie neue Bandagen.

Sunburst und Trixie liefen auf Twilight zu. „Wir können aber zu ihr“, sprach Sunburst. „Wir waren die ganze Zeit bei ihr und es ist nichts passiert.“

Twilight nickte und öffnete ein Stück des Schildes. Starlights Freunde gingen schnell hindurch und das Schild schloss sich wieder hinter ihnen.

Sunburst untersuchte den Huf seiner Freundin ganz genau. Er schien den Röntgenzauber anzuwenden, der Starlights Gewebe unter ihrem Fell sichtbar machen konnte.

„Wehe, du schaust auf meine Flanke, du Gauner“, scherzte Starlight.

Trotz ihrer Nervosität verschaffte sich Trixie ein schelmisches Grinsen, aber der Hengst vollzog seine Untersuchung ohne Kommentar.

Sunburst verblieb so für eine Weile und suchte konzentriert das Innere ihres Hufs ab. Dann kniff er die Augen zusammen und neigte den Kopf ein bisschen vor. Starlight wurde es langsam unangenehm. Er konnte praktisch ihre Organe sehen und das war mehr als ein Eindringen in ihre Komfortzone. Plötzlich sprang Sunburst schreiend auf, sodass sie erschrak. Ihr Freund hielt sich das Gesicht zu und brüllte wie am Spieß.

Er musste etwas Schreckliches gesehen haben. Sie kroch zu ihm hin und nahm ihn in die Hufe. Erst wehrte er sich, als hätte er einen schlimmen Albtraum. Starlight versuchte ihn zu beruhigen. „Sunburst! Sunburst! Ich bin‘s! Mach die Augen auf!“

Er beruhigte sich langsam. Schwer atmend schaute er zu Boden. „Da ist etwas unglaublich Böses drin“, sagte er mit rauem Hals. „Ich habe keine Ahnung was es ist, Starlight… Aber es erinnert mich an die dunkle Magie von König Sombra.“

Der ganze Saal schien nach Luft zu schnappen. Twilights Augen weiteten sich vor Entsetzen. „Aber meine Freunde und ich haben ihn ein für alle Mal vernichtet! Wie kann das sein?“

Sunburst stand auf und richtete seine Brille zu Recht. Seine Hufe schwankten noch ein wenig. Leicht verstört erklärte er: „Sombra ist nicht mehr, gewiss. Aber es kann sein, dass es jemanden oder etwas gibt, das ähnliche Fähigkeiten verfügt. Dunkle Magie ist genauso vielseitig wie Helle.“

Starlight kannte das Prinzip der dunklen und hellen Magie. Beide wurden von starken Emotionen verursacht. Wurden Steine oder Kristalle mit Hoffnung und Liebe ausgesetzt, erstrahlten sie in einem wunderschönen Glanz und vertrieben die Dunkelheit. Bei Hass und Angst dagegen färbten sie sich dunkel und konnten zerstörerisch sein. Allerdings ging es hier nicht um Kristalle. Diese Art von dunkler Magie war völlig neu.

Twilight wandte sich zu ihr: „Dann hat das Wesen, von dem du mir im Brief erzählt hast, vermutlich deinen Huf verdorben, so wie es Sombra mit den Kristallen des Kristallkönigreichs getan hat.“

Das leuchtete ein. König Sombra war ein Pony gewesen, das sich ganz der dunklen Magie verschrieben hatte. Starlight musste was fragen: „Eins verstehe ich nicht. Wieso hat mein Huf dich angegriffen?“

Sunburst räusperte sich: „Ich habe da so eine Theorie: Dieser, ich sage mal „Fluch“ ist darauf ausgelegt gute oder helle Magie anzugreifen und es gibt kein delikateres Ziel als die Prinzessin der Freundschaft.“

Eine Gänsehaut kräuselte sich über Starlights Rücken. Tempest atmete tief ein und ließ ihre Ohren aufzucken. „Aber das würde doch heißen…“

„Ja!“, entschied Sunburst seine Aussage zu beenden: „Wir sprechen von einem Attentatsversuch!“

Und wieder schnappte der Thronsaal nach Luft, diesmal deutlich tiefer. Die Prinzessin konnte ihren Mund nicht zu kriegen. „Oh, nein…“ Sie schluckte laut und streifte sich über den langen Hals. Dann schaute sie ängstlich zu ihrem Thron, als fürchtete sie ihn in Flammen stehen zu sehen.

Starlight antwortete mit gefasster Stimme, trotz ihres hämmernden Herzens. Sie wusste nur allzu gut, dass die Prinzessin an sich herumhadern würde, wenn niemand etwas sagte. „Twilight! Es ist nur eine Theorie, aber ich bin gewillt dich zu schützen. Du bist die Verkörperung der wahren Magie der Freundschaft und du hast viele Freunde um dich herum, Sunburst, Trixie und mich eingeschlossen. Wenn wir ein Problem bewältigt haben, dann waren wir das immer zusammen. Applejack, Rarity, Rainbow Dash, Fluttershy, Pinkie Pie… Wir sind alle für dich da!“

„Und vergiss Spike nicht!“, sagte Sunburst lächelnd. „Wo ist er überhaupt?“

„Er ist hier und schreibt gerade ein Buch über die Verhältnisse zwischen Drachen und Ponys. Er wird ausflippen, wenn er von dieser Sache hört“, antwortete Twilight.

„Also dann“, sagte Sunburst entschlossen. „Wir müssen herausfinden, was Starlight angegriffen hat und wir müssen wissen, wer hinter dieser dunklen Magie steckt. Wo fangen wir an?“

Die Prinzessin lächelte entzückt über diese Frage. „Natürlich dort, wo alles Wissen von Equestria in einem Gebäude geballt ist!“

Trixie lachte und verdrehte die Augen zu Starlight. „Na, das heißt wohl ran an die Bücher.“

Starlight stimmte müde lächelnd zu. Manche Dinge änderten sich nie.



Twilight wand ihr Horn auf den magischen Schutzwall an. Dieser verkrümmte sich zu einer Blase um Starlight herum. Auf dem Boden erschien ein rosaroter Bannkreis, der sich mit einem Stern in der Mitte und etlichen kryptischen Schriften zeichnete.

„Es tut mir schrecklich Leid, dass ich das tun muss. Aber es ist zum Besten für uns beide“, sagte Twilight und schritt auf sie zu. Starlight musste diese Sache schweren Herzens akzeptieren. Sie verfluchte diese Kreatur innerlich, die ihr das angetan hatte. Ihre Augen wurden glasig und spiegelten im pinken Licht von Twilights Magie.

Die Prinzessin sprach weiter: „Ich bringe euch direkt zur verbotenen Abteilung. Wenn etwas über dunkle Magie geschrieben wurde, dann finden wir es bestimmt dort. Macht euch bereit!“

Wieder leuchtete ihr Horn und teleportierte Starlight, Sunburst und ihr treuestes Wachpony Tempest aus dem Thronsaal. Trixie stand wie angewurzelt vor den Dienern und den restlichen Wachen da.

„Äh… Hey! Und was ist mit…“ Kaum hatte sie den Satz beendet, verschwand sie auch mit einem Knall.
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