Ob du an wahre Liebe glaubst

OneshotAllgemein / P12 Slash
Jimin Jungkook
30.10.2019
30.10.2019
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Ups, da wollte ich eigentlich etwas schön Dramatisches schreiben, aber beim Gedanken an das wunderschöne Ship Jikook konnte ich das ganz untypisch für mich nicht. Ewigkeiten ist es her, dass mich Charaktere zu Fluff getrieben haben! Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und freue mich über jede Kritik. xx
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Jungkook war ein schüchterner junger Mann und das wusste er. Er liebte stille Nächte und helle Sterne, er liebte es, in Büchern und in Menschen, die viel redeten, zu versinken. Außerdem mochte er schöne Menschen, er konnte sie stundenlang ansehen, ohne sich dabei auch nur ansatzweise zu langweilen. Aber eigentlich hatte er nicht gedacht, dass er sich in eine schöne Person verlieben würde, wenn er wirklich einmal mit so jemandem zu tun hätte, denn am liebsten sah er einfach nur zu. Nicht auf eine gruselige Art, er selbst hatte selbst Angst vor Stalkern; er konnte sich bloß wenig vorstellen, was schöner war, als in einem Café am Fenster zu sitzen und zu beobachten, wie das Leben sich um ihn herum bewegte und er daran teilnehmen konnte, ohne wirklich ein Teil davon zu sein. Er hatte auch nicht daran geglaubt, dass er sich so verlieben konnte, wie es immer beschrieben wurde, hoffnungslos und ohne noch jemand anderen im Kopf zu haben.

Bei dem Gefühl wurde ihm ganz mulmig in der Magengegend, er fand es seltsam, in seinem Kopf nur Platz für eine Person zu haben, weil seine Gedanken für gewöhnlich immer mal wieder von einem Menschen zu einem anderen sprangen, oft im Minutentakt. Deswegen war es für ihn so fremd, diesen einen Menschen nicht mehr aus seinem Kopf verbannen zu können, bei dem Gedanken an ihn jedes Mal lächeln zu müssen und sein Herz flattern zu spüren, wenn er mit ihm redete, weil er ihm alles erzählen wollte. Ihm selbst fiel auch gar nicht auf, dass er verliebt war; er dachte, es sei eine temporäre Vernarrtheit und sprach ihr nicht zu viel Bedeutung zu, ehe Hoseok ihn darauf hinwies, wie er Jimin anstarrte und wieso er plötzlich aufgehört hatte, Bilder von anderen schönen Menschen auf seinem Handy zu speichern, um sie herumzuzeigen, weil er wollte, dass jeder diesen Menschen sehen konnte.

Zuerst fürchtete er sich. Er wusste nicht, wie es war, wirklich und wahrhaftig verliebt zu sein und ob es sein Leben verändern würde. Jedoch tat es das zunächst nicht, weil es für Jungkook normal war, jemanden aus der Ferne anzuhimmeln, ohne zurückgeliebt zu werden.

Irgendwann wurde es schwer, den Mund zu halten, denn Jungkook wusste nicht, wie er damit umgehen sollte, in jemanden verliebt zu sein, dem er so nahe stand. Plötzlich himmelte er nicht mehr nur an, wie Jimin aussah, wie tanzend sein Haar fiel und wie seine weichen Gesichtzüge einem Gemälde glichen, wie er lachte und welche schlechten Witze er riss, sondern er fing auch an, die Art zu lieben, auf die Jimin schnarchte oder viel zu laut fluchte, wenn ihm etwas herunterfiel. Die Art, auf die Jimin ihn böse anfuhr, wenn er gereizt war oder auf die er durch sein Handy scrollte, wenn er nach einem bestimmten Tweet suchte und sich seine Augenbrauen zusammenzogen. Und dann war da der Schmerz, der etwas gänzlich Neues für ihn war. Es tat ihm physisch weh, wenn Jimin mit jemanden anderem so herzlich lachte, wie Jungkook das gerne mit ihm machen würde. Jungkook hasste es und doch konnte er nicht sagen, dass er es an Jimin hasste. Der Jüngste der Band redete nicht viel und das war allen bewusst, denn das war Jungkook, der lieber zuhörte und das war in Ordnung. Trotzdem fand er es schade, dass er wohl so wenig sprach, dass Jimin überrascht die Augenbrauen hochzog, als Jungkook sich neben ihn auf das Sofa fallen ließ, nachdem sie Lebensmittel für alle einkaufen waren und fragte:“Glaubst du an wahre Liebe?"

"Wie war das, Jungkook?", fragte Jimin nach ein paar stillen Sekunden zurück und musterte ihn sichtlich irritiert.

"Ob du an wahre Liebe glaubst", wiederholte er, denn Jungkook fing langsam an zu glauben, dass das gerade mit ihm passierte; dass er in eine wahre Liebe schlitterte und nicht bremsen konnte. Bei dem Gedanken daran wurde er innerlich panisch und er wollte um jeden Preis hören, dass das nicht möglich war, dass es keine wahre Liebe gab. Denn seitdem er dermaßen stark auf Jimin fixiert war, nahm er sogar noch weniger am Leben der anderen teil als davor.

"Das hab ich verstanden.“ Jimin grinste und sah den Jüngeren auffordernd an. "Aber ich verstehe nicht, wo die Frage plötzlich herkommt. Du hast doch niemanden, den du gerade datest, oder?"

Jungkook hoffte, dass Jimin nicht sah, wie er leicht rot anlief, denn natürlich hatte Jungkook niemanden, wenn Jimins Hände die einzigen waren, die er halten wollte, während diese sich aber jedes Wochenende mit jemand anderem vergnügten. „Nein, aber ich wollte einfach deine Meinung dazu hören", er Jungkook und bereute auf eine Weise, dass er Jimin überhaupt gefragt hatte, denn vor ihm wollte er auf keinen Fall dumm dastehen.

„Ich denke, dass es die wahre Liebe gibt", antwortete er endlich, hörte aber dabei nicht auf zu grinsen, obwohl Jungkook mit ernster Miene neben ihm saß und inzwischen leicht verärgert war. Wieso fand Jimin das so lustig?

„Aber?“, hakte er nach, weil er den spielerischen Unterton in Jimins Stimme nicht überhört hatte.

„Ich denke nicht, dass jeder sie bekommt", meinte er. Auf einmal wirkte sein Grinsen nicht mehr ganz so verschmitzt, sondern sogar etwas traurig – Jungkook wunderte sich, ob es davor auch schon ausgesehen hatte oder ob er es davor schlichtweg nicht bemerkt hatte.

„Und wer meinst du, bekommt sie dann?", fragte Jungkook neugierig und sah auf seine Hände, die er nervös mit den Bändern seiner Jogginghose spielen ließ.

„Das weiß ich leider nicht genau", antwortete Jimin leise und richtete den Blick nach oben, während er sich in mit dem Rücken in die Sofalehne fallen ließ. Jungkook konnte nur nicken, denn so hatte er noch nie darüber nachgedacht. Überhaupt hatte er selbst noch gar nicht darüber nachgedacht, wie wahre Liebe insgesamt funktionierte, sollte es sie denn nun geben. Jimins Worte brachten ihn in angestrengtes Grübeln. Musste man sie verdienen? Er kaute mit den Zähnen auf seiner Unterlippe und nickte noch immer leicht, um Jimin zu zeigen, dass er seine Worte realisiert hatte, obwohl er nicht erwartete, dass er das sah. Doch als Jungkook aufsah, um Jimin wieder dabei zu beobachten, wie er an seinem Handy hing, blickte dieser ihn noch immer – oder wieder? – an. Er hatte den gleichen, provokanten erwartenden Ausdruck wie zuvor auf seinem Gesicht; Jungkook fing an, sich unwohl zu fühlen. Er wollte sich nicht beschweren, denn die Stille zwischen ihm und Jimin war komfortabel und irgendwie intim und schön, aber er traute sich selbst nicht. Er wusste nicht, ob er sich kontrollieren konnte, wenn Jimin ihn noch länger anstarrte und nicht einmal zu blinzeln schien. Er wollte auch nicht, dass Jimin sah, wie seine Wangen immer heißer wurden, aber er konnte die Augen nicht von ihm losreißen, denn wie könnte irgendjemand je seine Augen von jemandem, der so schön wie Jimin war, nehmen?

„Was denkst du darüber?", fragte dieser nach einer Weile, die Jungkook wie eine Ewigkeit vorgekommen war. Er war froh über diese Unterbrechung, weil er sich sicher war, dass er inzwischen wie eine reife Tomate aussah.

„Was meinst du?", fragte er mit kleiner, schüchterner Stimme, obwohl er genau wusste, wonach Jimin fragte.

"Gibt es die wahre Liebe?"

Ein paar weitere Sekunden nach dieser Frage wollte er Jimin nicht mehr anschauen. Ihn zu sehen machte ihn tieftraurig, denn, ja, er fürchtete fast, dass es die wahre Liebe gab, aber er wollte sie nicht. „Kann sein", murmelte er.

„Aber?", fragte Jimin nun, denn wie auch Jungkook bei ihm vorher hatte er den leichten Zweifel in Jungkooks Stimme nicht verpasst.

„Wahrscheinlich ist sie nicht das, was alle sagen." Er hoffte, dass Jimin verstand, dass er mit "das" meinte, dass wahre Liebe nicht so schön war, wie von ihr berichtet wurde. Sie machte einen nicht frei, sondern nahm und schränkte einen ein. Es waren keine Blumen, auf denen man lief, sondern blütenlose, dornbehaftete Rosen und sie machte einen nicht stark, sondern unsicher und viel zu traurig, um romantisiert zu werden, bloß weil es etwas Seltenes und Großes sein sollte. Doch als er wieder aufblickte, sah Jimin ihn mit einem nachdenklichen Gesichtsausdruck an. Jungkook merkte, dass Jimin nicht verstand, wie bitter Jungkook über die Liebe dachte. Er kannte diese Mimik an ihm, sie setzte sich an ihm fest, wenn jemand einen zu komplizierten Wortwitz riss oder eine neue Songidee präsentierte, die ihm ersten Moment sehr absurd schien. Doch bevor der Ältere tiefer nachfragen konnte, hörte Jungkook, wie die anderen Mitglieder der Band durch die Haustüre kamen und er war froh, dass er der Diskussion, die er selbst angezettelt hatte, entfliehen konnte. Doch es lief nicht so glatt, wie er gedacht hatte, denn anstatt das Gespräch fallen zu lassen, hielt Jimin ihn am Handgelenk fest, als er aufstehen und zu den anderen gehen wollte.

"Was ist die wahre Liebe dann?", fragte Jimin und Jungkooks Gedanken konnen sich nur noch darauf konzentrieren, dass Liebe niemals ein samtiges Bett aus Watte sein konnte, wenn eine bloße Berührung von ihm brannte, als fasste er auf eine heiße Herdplatte.

"Können wir nicht später darüber reden?", wisperte der Jüngere laut, weil er nicht wollte, dass die anderen dieses Gespräch mitbekamen.

"Warum? Du redest sonst fast nie mit mir!" Jimin stand ebenfalls auf und Jungkook wünschte sich, ihn niemals angesehen zu haben, weil er dem flehenden, durchdringenden Blick des Älteren nicht widerstehen konnte.

"Das ist nicht wahr!", versuchte er sich zu verteidigen.

"Doch!“, widersprach Jimin laut und energisch. „ Du weichst immer meinen Gesprächen aus und jetzt, wo du endlich mit mir redest-" Plötzlich stoppte er. Er wirkte etwas erschrocken von seinen eigenen Worten und der Forschheit, mit der er sie gesprochen hatte, und ließ Jungkooks Hand los, als hätte er einen Elektroschock davon erhalten. "Tut mir leid", murmelte er mit abgewandtem Blick, jedoch mehr zu sich selbst als zuJungkook. "Das war unangemessen." Er sammelte sich für den Bruchteil einer Sekunde und stand auf einmal wieder genau wie der freche Jimin, da den jeder kannte: Grinsend und selbstbewusst. "Sorry", sagte er noch einmal und es wirkte, als meinte er es gar nicht ernst, aber Jungkook hatte das Gefühl, dass Jimin ehrlich war und es nicht aus Gewohnheit oder Höflichkeit aussprach, obwohl er es so darstellen wollte. Dann drehte Jimin sich um, klatschte in die Hände und lief in Richtung Küche an den anderen jungen Männern vorbei, die etwas verdattert die Szene beobachtet hatten und nun verloren im Raum herumstanden.

"Zeit, das Essen auszupacken!", hörte Jungkook Jimins aufgeregte, fröhliche Stimme aus dem Flur rufen und wich Namjoons fragendem Blick aus, denn er wusste selbst nicht genau, was gerade passiert war. Er wusste nur, dass sein Arm immer noch brannte und dass er das alles andere als mochte.

Den Rest des Tages verbrachten die Männer ruhig, sie spielten ein paar Videospiele, kochten Nudeln mit Fertigsoße zum Abendessen und schauten sich eine Fernsehsendung an, bis sich einer nach dem anderen verabschiedete und in sein Zimmer zum Schlafen ging. Irgendwann ging auch Jungkook ins Bett, doch er konnte nicht schlafen, während der leise Ton des Fernsehers durch die dünnen Wände drang. Er konnte keine klaren Worte ausmachen, weil die Stimme zu leise und seine schreienden Gedanken zu laut waren. Immer und immer wieder passierte das kurze Gespräch, das er mit Jimin am frühen Nachmittag geführt hatte vor seinem inneren Auge Revue. Vor allem die Aussage, dass er ihm ausweichen würde. Jetzt, während er gezielt darüber nachdachte, konnte er sogar versehen, was Jimin meinte. Es fiel ihm schwer, des Älteren Worte aufzunehmen und zu verarbeiten, wenn er zu sehr darauf fokussiert war, wie sich seine roten feuchten Lippen bewegten und seine hellen Augen von winzigen Lachfalten umgeben waren, wenn er grinste und Jungkook das alles doch gar nicht mehr sehen wollte, weil sogar Hoseok bemerkt hatte, dass er nicht aufhören konnte, in Jimin veliebt zu sein und ihm immer tiefer zu verfallen. Aber was, wenn Jimin es gemerkt hatte? Jungkook hatte nicht gedacht, dass es Jimin auffallen würde, doch wenn er etwas ahnte und es ihn störte; was wenn er sich nun in seiner Gegenwart unwohl fühlte? Vielleicht hatte er es sogar schon länger getan, war aber nur zu nett gewesen, um es ihm zu sagen. Jungkook wusste, dass er sich in etwas reinsteigerte, aber er konnte nicht aufhören, blanke Panik stieg in ihm auf. Wie sollte er das wieder zurechtbiegen können? Er musste es verneinen, um jeden Preis, am besten sagte er Jimin einfach, dass er keine romantischen Gefühle für ihn hätte, obwohl er ein unglaublich schlechter Lügner war. Seine Gedanken kreisten endlos umher, er lag elendig und wach im Bett und hörte noch, wie der Fernseher ausgeschaltet wurde, ehe er endlich in einen unruhigen Schlaf fiel.

Am nächsten Morgen war etwas komisch. Nicht direkt, als er aufwachte, auch nicht, als er duschen ging, nicht einmal, als er die Treppe herunterschlich oder als er sich einen Kaffee machte. Nicht, als er ein „Morgen“ in Hoseok und Jins Richtung brummte, die schon am Tisch saßen und sich hitzig über irgendeine Newcomer-Band unterhielten. Doch nachdem er die Tasse halb geleert hatte und nach dem Müsli greifen wollte, fühlte er sich unbehaglich, also sah er auf und blickte direkt in Jimins Augen, die sich nach einer kurzen Sekunde von ihm losrissen und auf den leeren Tisch vor ihnen starrte. Er hatte gar nicht bemerkt, wie Jimin überhaupt in den Raum gekommen war; er war noch nicht ganz wach, er träumte noch halb die Träume, an die er sich nicht mehr erinnern konnte, sobald er aus ihnen geschreckt war.

„Morgen, Jimin“, meinte er leise und tat so, als sei sein Müsli das interessanteste Frühstück der ganzen Welt.

„Guten Morgen, Jungkook“, antwortete Jimin in einem rauen Ton. Er wirkte aufgekratzt und erledigt, aber nicht so müde, wie Jungkook erwartet hatte, weil Jimin eigentlich immer müde war, wenn die Uhr eine Zeit vor zwölf Uhr mittags anzeigte. Dann sagte keiner der beiden mehr etwas, obwohl Jungkook gerne fragen würde, warum Jimin gestern so reagiert hatte, als er ihr Gespräch abgebrochen hatte, um seine Gedanken zu beruhigen. Doch er tat es nicht, weil er nicht gewohnt war, in so einem Dilemma, falls man es so nennen konnte, verwickelt zu sein. Normalerweise war er ein Außenstehender, würde sich eine oder besser beide Seiten anhören und sich Zeit nehmen, um einen guten Kommentar dazu geben zu können, aber es war etwas komplett anderes, mittendrin zu sein. Jungkook hatte keine Ahnung, wie er handeln sollte oder wollte und es herrschte eine peinliche Stille zwischen ihnen beiden, obwohl Jin und Hoseok einfach nicht aufhörten zu reden. Er wusste nicht einmal, ob es nur für ihn eine solch unangenehme Atmosphäre war oder ob es für Jimin nicht gar noch schlimmer war. Denn jedes Mal, wenn er zu ihm schielte, hiel dieser seinen Kopf gesenkt über der Schüssel, in der er nur lustlos herumstocherte – bis er plötzlich sagte:“Hey, Jungkook, ich wollte in meinem Zimmer das“, er räusperte sich und fuuhr sich mit der Hand über den Nacken, „die Poster, meinte ich, umhängen.“

„Umhängen?“, fragte Jungkook irritiert, aber erleichtert, dass die Stille zwischen ihnen gebrochen wurde.

Jimin nickte. „Könntest du mir dabei helfen?“

Jungkook fand es seltsam, dass Jimin mit einem Mal kindlich und jung wirkte, obwohl sein Auftreten sonst immer stark und selbstsicher war, doch er nickte dennoch zustimmend. „Natürlich“, sagte er dann und versuchte, den Blick, den Hoseok ihm beiläufig zuwarf, zu ignorieren, weil er ihn nicht deuten konnte und das abgrundtief hasste. Sie standen gleichzeitig auf, bevor Jimin stumm vorausging; er schloss die Tür seines Zimmers sofortig hinter ihnen, sobald Jungkook es betreten hatte.

„Du weißt, dass es nicht um die Poster geht, oder?“, fragte er.

Peinlich berührt sagte Jungkook nichts, denn naiv, wie er war, hatte er Jimin tatsächlich geglaubt. Als Jimin das merkte, seufzte er lange und fuhr sich mit beiden Händen durch die Haare, während er sich auf die Kante seines ungemachten Bettes setzte.

„Jungkook, du machst es mir ganz schön schwer“, sagte er dann so leise, dass Jungkook zuerst fragend ein Summen von sich ab, ehe er die Worte nachträglich realisierte und dann ein leises „Oh“ hinterherschob. Er stand unentschlossen vor der geschlossenen Tür und wagte nicht, Jimin anzuschauen. Das war also der Moment, den er gestern Nacht im Detail geplant hatte. Er konnte fühlen, wie unangenehm angespannt es zwischen ihnen war und er fühlte sich schuldig dafür, dass er der Grund dafür war, dass die Offenheit zwischen ihnen verlorengegangen war.

„Es tut mir leid, Jimin“, setzte er an und wusste nicht, wie er weitermachen sollte. Allein die Vorstellung, Jimin zu verlieren, egal auf welche Weise, tat ihm so weh, dass er einen dicken Klumpen im Hals spürte. Vorsichtig sah er ihn an, in der Hoffnung, irgendeine Hilfestellung oder wenigstens Zorn in seiner Mimik zu erkennen, denn das hatte Jungkook verdient. Wahrscheinlich hatte Jimin inzwischen einfach die Schnauze voll davon, von ihm angehimmelt zu werden und Jungkook war so dreist und unhöflich gewesen, nicht vor ihm zu verstecken, wie gerne er ihn mochte. Doch als er zu ihm schaute, hatte dieser die Augen weit aufgerissen und starrte ihn fragend an, sagte aber nichts.

„Es tut mir leid, dass ich meine Emotionen nicht im Schacht halten kann, ich weiß, du musst es gemerkt haben, ich werde mich bessern, ich verspreche es“, stammelte er. Er holte tief Luft, um sich nicht zu verhaspeln. „Wirklich, ich wollte mich nie in dich verlieben", beichtete er und hörte seine eigene Stimme kaum mehr, weil sein Herz lauter als je zuvor pochte, als er merkte, was er gerade ausgesprochen hatte.

Er hielt sich beschämt die Hand vor das Gesicht und wusste, dass er zitterte, er wollte gehen, aber er konnte sich  nicht dazubringen, den Raum zu verlassen, ehe Jimin seine Entschuldigung angenommen hatte. Für einen Augenblick waren die einzigen Geräusche, die den Raum ausfüllten, Jungkooks lauter Atem und leise, sanfte Schritte. Jungkook fühlte, wie Jimin seine Hand langsam auf sein Handgelenk legte und es herunterdrückte.

„Schau mich an“, flüsterte Jimin, als Jungkook gezwungen auf den Boden starrte, weil er sich nicht traute, in Jimins wütendes Gesicht zu sehen.

Doch als er endlich aufsah und Jimin näher vor ihm stand, als er erwartet hatte, sah er keinen Ärger, sondern dachte, Mitleid erkennen zu können. Während Jimins Augen zwischen seinen eigenen hin- und herflackerten, merkte er aber, dass es auch kein Mitleid war, sondern eine Wärme, die sich rasend schnell in seinem ganzen Körper ausweitete. Sie war vorsichtig und frech gleichzeitig, ängstlich und entschlossen zugleich, atemberaubend und aufregend in einem.

„Ich hatte auch nicht gerade geplant, mich in dich zu verlieben“, sagte Jimin lächelnd und ganz sachte, und die Worte klangen in Jungkooks Ohren, als seien sie mit Seide überzogen. „Trotzdem bin ich froh, dass es passiert ist.“ Und dann küsste er ihn, langsam und leicht und nur für eine Millisekunde, als hätten sie selbst nach ihrem Geständnis noch alles zu verlieren. Jungkook wusste, dass sie das auch hatten.

„Können wir das...“, flüsterte Jungkook und pausierte einen Moment, weil er nicht aufhören konnte zu strahlen und die Worte in seinem Kopf aufgeregte Saltos sprangen. „Meinst du, wir können das machen?“ Und dieses Mal wusste Jimin genau, was er mit „das“ meinte; ob sie sich ganz neu kennenlernen konnten, ob sie ihren Gefühlen eine Chance geben konnten, ob sie ihnen auf den Grund gehen und mit ihnen schweben konnten.

Jimin nickte und lachte leise und herzlich; all die Spannung, die er in  den letzten Monaten in seinem Körper gefangen gehalten hatte, entfloh nun endlich seinen starren Muskeln. „Mir ist egal, was die anderen sagen oder das Management davon hält“, sagte er dann. „Ich weiß zwar nicht, ob das die wahre Liebe ist oder ob sie es wird“, zuneigend und spielerisch stieß er mit seiner Nasenspitze an Jungkooks, „aber ich bin bereit, es herauszufinden.“

„Ich auch“, antwortete Jungkook glücklich. Auch er wusste nicht, ob es wahre Liebe war, die er spürte, aber falls sie das Gefühl war, das sich gerade in jeder seiner Zellen breitmachte, dann war sie vielleicht doch nicht ganz so schlimm, wie er sie sich vorgestellt hatte.
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