Schrecklich einsam

GeschichteRomanze, Suspense / P16 Slash
Kominato Haruichi Kominato Ryosuke Kuramochi Youichi Miyuki Kazuya Sawamura Eijun Yuuki Tetsuya
30.10.2019
30.10.2019
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Hinweis:
Die auftretenden Charaktere gehören nicht mir, sondern Terajima Yuuji, ich habe sie mir nur ausgeliehen und für meine Zwecke missbraucht. Ich verdiene mit dieser Fanfiction kein Geld.
Angelehnt ist die Geschichte an den Handlungsverlauf des Anime von Diamond no Ace, Staffel 1, Episode 64-72.
Ähnlichkeiten zu sonstigen realen sowie fiktiven Personen oder Vorkommnissen sind zufällig. Das Kopieren und Verbreiten dieser Fanfiction ohne Genehmigung des Autors ist untersagt.
Es handelt sich bei dieser Geschichte um reine Fantasie, deshalb sind einige Fakten aus dem Original abgeändert worden. Die Namen der auftretenden Charaktere richten sich nach der japanischen Reihenfolge, beginnend mit dem Familiennamen und gefolgt vom Eigennamen. Teile der Geschichte können auf Anfrage gern weiter verwendet werden.

Meine Anime-Empfehlung:
Ich möchte den Anime „Tantei Team KZ Jiken Note“ empfehlen. Einzuordnen in das Genre Schule und Mysteriöses handelt dieser Anime basierend auf der gleichnamigen Kinderbuch-Reihe von dem Mädchen Tachibana Aya, das dem Detektiv-Club der Schule beitritt und gemeinsam mit vier intelligenten Jungen rätselhafte Fälle aufklärt.
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Wer sich für die sprachgewandte Aya und ihre Freunde sowie kindgerechte Detektivarbeit interessiert, ist bei „Tantei Team KZ Jiken Note“ genau richtig.



Schrecklich einsam


Das Training war erschöpfend, aber das war nichts Neues für ihn. Eigentlich kam ihm das sogar sehr entgegen. In ein paar Monaten würden die Drittklässler die Seidou-Oberschule verlassen, so viel stand fest – es sei denn, sie vermasselten ihre Abschlussprüfungen. Bei Isashiki beispielsweise standen die Chancen gut, dass er ein Jahr wiederholen musste, denn er war am meisten vom Baseball besessen, ohne sich um seine Zukunft zu kümmern. Auf der anderen Seite sorgte Yuuki dafür, dass sein liebster Freund sich hinsetzte und lernte. Dann gab es sogar Belohnungen intimer Art… Seitdem funktionierte es mit Isashiki und dem Lernen. Man sah ihn wesentlich öfter in der Bibliothek über seinen Büchern brüten. Das war erstaunlich, sogar für Kawakami.
Der Sidearm-Pitcher fühlte sich ruhelos, seit das Baseballteam das letzte Spiel im Sommer vor Koshien verloren hatte. Er beschuldigte sich immer noch selbst, dass er so viele Fehler gemacht hatte, die für diese Niederlage gesorgt hatten, obwohl sich das Team einen Platz für das wichtige Turnier im Frühling ergattert hatte. Es war egal, dass die anderen ihm versicherten, wie gut er gespielt hatte. Kawakamis Minderwertigkeitskomplexe wuchsen. Er fühlte sich hilflos.
Als das Training danach begann, beobachtete er zunehmend Dinge bezüglich der anderen Spieler. Natürlich gab es eine lange Trauerphase. Es war unerträglich, die Tränenströme der Drittklässler mitanzusehen. Die Stille, das Schluchzen, das Heulen… Das alles nur, weil die Drittklässler nun keine Gelegenheit mehr hatten, während ihrer Oberschulzeit an den Nationalspielen teilzunehmen. Es zerriss Kawakami das Herz. Er wollte nie wieder so leiden, deshalb stürzte er sich ins Training.
Neben Furuya erregte Sawamura Kawakamis Aufmerksamkeit. Der lautstarke Pitcher hatte einiges von seinem Kampfgeist eingebüßt und schlimmer noch, er litt unter Yips, einem unkontrollierbaren Muskelzucken, das es ihm unmöglich machte, präzise zu werfen. Er war zutiefst erschüttert, weil er diesen einen Ball geworfen hatte, der einen Gegenspieler am Kopf getroffen hatte. Aber er bekam Hilfe. Kawakami hegte den Verdacht, dass Sawamura in seinem ganzen Leben nichts anderes brauchte als Takigawa Chris Yu, den ehemaligen Catcher des Seidou-Baseballteams. Für Sawamura war der Drittklässler ein Gott. Aus diesem Grund geschah es nicht unerwartet, dass Sawamura unter Chris‘ Aufsicht zu seiner üblichen energischen Art zurückfand, und zwar stärker als zuvor. Kawakami fühlte sich verloren, weil Sawamura es so schnell geschafft hatte, seine Fehler in Stärken umzuwandeln, aber er war auch erleichtert. Er hatte den Jüngeren immer sehr gemocht, in jeder Hinsicht, und er wusste, dass Sawamura genauso für ihn empfand. Sie waren so etwas wie Freunde, aber auch Rivalen, die um die gleiche Position fochten. Nun, zumindest bevorzugte Kawakami Sawamura anstelle von Furuya. Der dunkelhaarige Pitcher war eher ein ziemlich düsterer Geselle und er würde seinen lodernden Kampfgeist niemals so offenkundig zur Schau stellen wie Sawamura. Hm… Vielleicht hatten Furuya und Kawakami mehr gemeinsam als gedacht…

Chris heilte Sawamura von den Yips mit nur wenigen Worten und Kawakami fragte sich, ob er selbst in dieser Situation jemanden hätte, an den er sich so vertraulich wenden könnte. Diese Gedanken waren wie Gift, denn er konnte nicht mal jemanden in seiner unmittelbaren Umgebung benennen, der ihm nahestand. Dies einzugestehen war traurig und Kawakami hielt das für einen der Gründe, weshalb er sich so einsam und demotiviert fühlte. Wenn er einen engen Freund hätte oder jemanden, den er liebte…
Nach Sawamuras riesigem Triumph über die Yakushi-Oberschule im Finalspiel für die Qualifikation der Frühlingswettkämpfe war der junge Pitcher nicht mehr zu stoppen und heute, endlich, gestand er Chris seine Gefühle, als der Ältere für eine kurze Unterbrechung seiner Prüfungsvorbereitungen zum Baseballfeld herunterkam. Es war undenkbar, dass Chris Sawamura abwies, und tatsächlich strahlte er regelrecht und nickte und als Sawamura ihn – überwältigt von seinen Gefühlen – umarmte, vergrub der Ältere seine Nase in den braunen Locken. Sie wirkten wie ein perfektes Paar und Kawakami freute sich für sie und spürte dennoch, wie ihm das Herz schwer wurde. Es war viel zu fantastisch zu glauben, er könnte das gleiche Glück in der Welt dort draußen finden.
Das Baseballteam applaudierte fast ironisch und lachte, als Chris sie alle mit einem strengen Blick bedachte. Sobald er sicher war, dass er nur noch wenige Zuschauer hatte, lehnte er sich hinab und küsste Sawamura zärtlich. Was für ein schöner Anblick! Kuramochi gackerte laut und zog Sawamura auf, als das Paar sich voneinander trennte – natürlich nur vorübergehend bis nach dem Training. Sawamuras Pitches wurden noch viel besser, weil er selig grinste und seine Schultern völlig entspannt waren. Wirklich, was für ein Anblick…

Nach dem Training, das wie erwähnt erschöpfend, aber aufregend war (Kuramochi schickte einige schwer zu fangende Bälle ins Feld und ließ sowohl seine Teamkameraden als auch sich selbst rennen bis zum Umfallen; der jüngere Kominato schlug einen weiteren Homerun; Miyuki versagte mal wieder bei allem außer Fangen und Maezono fand endlich zu seinem ursprünglichen Schlagstil zurück, während Furuya wie üblich einschüchternde Bälle warf, obwohl er eigentlich zu seiner eigenen Erholung vom Training ausgeschlossen war, was natürlich die armen Jungs in Bedrängnis brachte, die auf ihn aufpassen sollten), ging Kawakami duschen und überlegte, was er wohl machen könnte, wenn er wieder in seinem Zimmer war.
Er trug seine schmutzige Wäsche in einem Wäschebeutel. Seine Teamkameraden, die ihn begleiteten, schlenderten schwatzend hinüber zu den Internatsunterkünften, dann gelangte er an sein eigenes Zimmer. Die graue Tür hieß ihn willkommen mit ihrer Schlichtheit und Einfachheit und dem silbernen Türgriff. Die weißgestrichene Wand schimmerte im letzten Sonnenlicht des Herbstes. Er konnte sogar die Wärme der Sonnenstrahlen im Putz wahrnehmen. Das kleine Fenster glitzerte und blendete ihn fast. Jedes Mal, wenn er diese Wand mit der Tür und dem Fenster ansah, fühlte sich der Pitcher wie zu Hause. Es versprach ihm Geborgenheit, Entspannung und Erholung… Die gesamte äußere Erscheinung vermittelte einen Eindruck von friedlicher Ruhe und Sicherheit. Vielleicht war das das Gefühl, das Sawamura mit Chris empfand – und Kawakami eben mit seinem Zimmer (traurig, aber wahr). Diesen kleinen Raum bevorzugte er sogar ein wenig vor seinem Elternhaus.
Er öffnete die Tür, indem er die nicht ganz so kalte Türklinke mit seiner frisch gewaschenen rechten Hand herunterdrückte, die ein wenig vom Training prickelte. Er konnte immer noch den Baseball in seiner Hand fühlen, wie sich seine Finger um die Nähte und das Leder wanden, wie sich die weiche Textur an seine Handfläche schmiegte und wie die rauen Nähte seine empfindliche Haut leicht kratzten. Es hob stets Kawakamis Stimmung, den Ball mit seinem ganzen Körper, mit all seinen Sinnen zu erfahren, die sich schließlich in seiner Hand konzentrierten. Es ließ ihn vor Aufregung erbeben. Jedes Mal wurde sein Kopf leer, wenn er den richtigen Griff gefunden hatte, das Ziel anvisiert, auf die Kontrolle fokussiert. Seine schwitzigen Handflächen waren vom Kolophonium ummantelt… Welch ein erhebendes und zugleich sehr trauriges Gefühl, wenn er den Ball von seinen Fingerspitzen abstieß und damit bis zum letzten Moment wartete! Er gab dem Ball einen allerletzten Pusch, um einen starken, aggressiven Wurf zu machen, und schwang seinen Arm fast bis zum Boden durch. Das war das Geheimnis. Es dauerte nur wenige Bruchteile von Sekunden, aber er sah dem Ball dabei zu, wie er direkt in den Handschuh des Catchers flog. Nun, sofern kein gegnerischer Schläger wie aus dem Nichts auftauchte und alles zunichte machte.
Gewiss war Kawakami entschlossen genug, seine Fähigkeiten beim Schlagen ebenfalls zu verbessern (zuallererst, weil Furuya schlug wie ein Profi, und zweitens, weil Sawamura seine Bunts gemeistert hatte, also musste Kawakami sich in ihre Reihen kämpfen), dennoch hatte er seit Jahren immer am liebsten geworfen und deshalb war ihm der Baseball an sich das Wichtigste. Das Gefühl eines Balls in der einen Hand… Und einen Handschuh an der anderen.

Die Tür machte keinen einzigen Laut, wenn man sie öffnete. Alles, was Kawakami hörte, war das klickende Geräusch des Türgriffs und des Türschlosses. Kein Quietschen, kein Knarren, nichts. Alles war still. Das Zimmer war anheimelnd ruhig und umfing ihn auch angenehm temperiert. Bis seine Zimmergenossen vom Baden zurückkehrten, würde es nicht mehr lange dauern, deshalb wollte er so intensiv wie möglich diese Ruhe auskosten. Er atmete tief ein und aus und lächelte. Dann ließ er seinen Wäschebeutel fallen und schaute sich um.
Gegenüber der Tür an der rechten Wand befand sich das Etagenbett, von dem Kawakami das untere belegte. Daneben, ungefähr mittig im Raum, stand ein kleiner Tisch mit Regalfächern und dem Fernseher mittendrin (der keineswegs so groß war wie der in Kuramochis Zimmer) und auf der linken Seite war ein Einzelbett aufgebaut.
Direkt neben der Tür flutete Sonnenlicht den Raum durch das einzige kleine Fenster. Darunter standen zwei Schreibtische, die sie die meiste Zeit nicht benutzten, da sie einen Gemeinschaftsraum für Hausaufgaben hatten, aber die Tische waren aufgeräumt – nur für den Fall, dass man sie mal brauchte. Jeder Mitbewohner hatte ein paar persönliche Dinge in dem Zimmer verteilt: Zeitschriften, Bücher, Spiele und so weiter. Zumindest sah es wohnlich aus.
Kawakami hatte sich noch nicht entschieden, was er mit seinem Bisschen Freizeit anstellen sollte, aber er knipste vorsorglich die Zimmerlampe an, denn die Sonne raste dem Horizont regelrecht entgegen. Goldenes Licht flimmerte in dem Raum. Das Fenster war mit dunkelgrünen Vorhängen ausgestattet, die der Pitcher nun zuzog. Man konnte den Fensterrahmen hinter dem durchlässigen Stoff erahnen, aber es half, das blendende Tageslicht abzuschwächen.
Es gab zwei Lampen an der Zimmerdecke; eine befand sich sehr nah an der Tür, die andere beleuchtete die freie Fläche vor dem Fernseher. Darüber hinaus hatten die Jungs noch weitere Lichtquellen im Zimmer wie die beiden Schreibtischlampen, die drei Leselampen an den Wänden über ihren Betten und dann noch eine Standleuchte neben dem Fernsehtisch. Kawakami schaltete nur die Deckenleuchten an und begab sich zu seinem Bett. Vielleicht sollte er diese Gelegenheit nutzen, um ein wenig von seiner Lieblingsmusik anzuhören. Das tat er oft, wenn er allein war, und er hatte Spaß daran. Eigentlich war er kein Junge, der nach Aufmerksamkeit lechzte wie Sawamura oder, ein noch viel besseres Beispiel, Maezono, der Isashiki einfach nicht in Ruhe ließ und ihn ständig damit nervte, wie man besser beim Schlagen werden konnte. Kawakami kicherte leise, als er sich daran erinnerte, dass Isashiki Maezono zu seinem eigenen Besten ignorierte. Nach einem Übungspartner, der ihm all seine Schwächen noch einmal verdeutlichte, stand dem Sidearm-Pitcher nicht der Sinn. Kawakami genoss die Einsamkeit gewissermaßen, da sie ihn schon seit immer begleitete. Sie war ein Teil von ihm.
Er hängte das feuchte Handtuch, mit dem er seine Haare getrocknet hatte, über die Lehne des Stuhls, der nur wenige Zentimeter von ihm und dem nächsten Schreibtisch entfernt stand, und kramte anschließend in seinem Nachtschränkchen nach seiner Haarbürste. Nachdem er auch das hinter sich gebracht hatte, kniete er sich vor sein Bett und kroch darunter. Dort bewahrte er die meisten seiner eigenen persönlichen Gegenstände auf wie CDs, DVDs und Fotos – keine Pornos! Es handelte sich um nostalgische Dinge, die er nicht unbedingt herumzeigen wollte. Er suchte eine Weile, bis er seine CD-Sammlung erreichte. Liebevoll entfernte er den wenigen Staub von der Box und wählte sorgfältig eine der Plastikscheiben aus, die er sich anhören wollte. Diese legte er in seinen tragbaren CD-Spieler. Kawakami mochte den Klang von komprimierter Musik als abspielbare Dateien nicht und befürchtete aus diesem Grund, dass man ihn altmodisch schimpfte. Trotzdem dachte er auch, dass die Leute vermutlich inzwischen vergessen hatten, wie sich Musik wirklich anfühlte, wenn man zuvor diverse Vorbereitungen treffen musste, um sie abspielen zu können. Kawakami bevorzugte CDs.
Der Pitcher kletterte auf sein Bett, machte es sich im Schneidersitz möglichst bequem zwischen seinem Kopfkissen und seiner ordentlich zusammengefalteten Bettdecke und legte den CD-Player auf seinem Schoß ab. Er setzte sich die Kopfhörer auf und startete die CD. Ja, das war das Paradies! Stille um ihn herum und dann die Erfüllung durch eine himmlisch ausgewogene Melodie, die seinen gesamten Körper durchzog. Das war eine ganz andere Erfahrung als Sport und es hatte rein gar nichts mit dem körperlichen Ablauf zu tun. Die Musik sprach einzig seine Sinne und seine sensiblen Nerven an und führte dazu, dass Kawakami sich entspannte. Leider konnte er nicht der beste Musikhörer aller Zeiten werden, also würde er es bei Baseball belassen und dabei sein Glück versuchen. Ein wenig Vertrauen hatte er durchaus in seine Fähigkeiten, wenngleich er wusste, dass er niemals der beste Spieler des Seidou-Teams werden würde. Doch Musik gab ihm die Kraft weiterzumachen und erinnerte ihn daran, dass Baseball im Grunde nur ein weiterer Mannschaftssport war. Man konnte Baseball nicht allein spielen, das hatte Sawamura ihm ganz zu Anfang ihrer Bekanntschaft beigebracht.

Die Musik wechselte in den nächsten Song, den letzten auf der CD, wie Kawakami sehr genau wusste. Er könnte glatt die Zeit vergessen, wenn er Musik hörte, aber er wunderte sich. Abgesehen von seiner Musik war es still um ihn herum seit… mindestens einer Stunde?! Was trieben seine Zimmergenossen? Es wurde langsam spät… Sie wollten doch zusammen zum Abendessen gehen…
Als die CD endete, nahm Kawakami seine Kopfhörer ab und lehnte sich aus seinem Bett heraus. Vielleicht war er so abgelenkt gewesen, dass er gar nicht bemerkt hatte, dass jemand im Zimmer gewesen war…? Die Stille senkte sich mit einem Mal sehr schwer auf ihn herab und kalte Gänsehautschauer rieselten über seinen Rücken. Es war beinahe atemberaubend. Nun, Kawakami atmete, das spürte er, hörte er… Diese leisen Geräusche, die im Alltag nicht auffielen, störten die zähe Stille auf, die den Raum erfüllt hatte. Kawakamis Atem hallte direkt in seinen Ohren und in seinem Kopf wider, als ob er gegen eine Wand vor seinem Gesicht atmete. Es fühlte sich… erschreckend nah an. Es ängstigte ihn ein wenig. Hatte er jemals so eine Stille erlebt? Sogar die Lampen schienen zu schweigen, obwohl sie ja eigentlich nichts mit Geräuschen zu tun hatten…
Kawakami fürchtete sich plötzlich vor der kleinsten Bewegung. Der Klang der raschelnden Bettdecke bescherte ihm fast einen Herzinfarkt. Er war kein Feigling, denn was könnte irgendwer oder irgendwas schon von ihm wollen? Er war bedeutungslos und schwach und nichts Besonderes, deshalb gab es nichts zu befürchten. Abgesehen von der Furcht davor, niemals gut genug zu sein… Jetzt allerdings dachte er, dass er vielleicht absichtlich ein paar Geräusche machen sollte, um seine Angst zu vertreiben. Er stand auf und eine Ecke der Bettdecke bäumte sich minimal auf, ehe sie zurück auf ihren Platz fiel. Das war seltsam, denn es wirkte, als würde sich die Decke von selbst bewegen… Der Pitcher schüttelte entschieden den Kopf. Nein, das war bloß Einbildung. Vielleicht wurde er müde. Tja, es trug allerdings nicht dazu bei, dass sich die Stille leichter anfühlte.
Da stand er, mitten in dem kleinen Zimmer, umgeben von dröhnender Stille und deshalb unfähig, auch nur den kleinsten Muskel zu rühren. Sein Körper fühlte sich wie Zement an. Sein Atem beschleunigte sich hörbar, schwebte um ihn herum wie ein Geist und schien die undurchdringliche Stille noch näher heranzuziehen. Kawakami bekam eine eiskalte Gänsehaut auf seinen Armen und dann bemerkte er seinen hektischen Puls. Sein Herz donnerte gegen seinen Brustkorb und erzeugte einen weiteren widerhallenden Klang in seinem Körper. Er konnte den springenden Muskel deutlich fühlen, denn seine Brust hatte sich stark zusammengezogen und ihn in Alarmbereitschaft versetzt. Der Blutdruck stieg unaufhaltsam und Kawakami spürte einen Moment lang, wie sich der Druck aufbaute, bevor das Blut durch seinen Organismus schoss. Wieso zum Teufel war er sich dieser essentiellen Körperfunktionen nicht bewusst, wenn er auf dem Mound stand? Nicht, dass es hilfreich wäre, ganz sicher nicht! Andererseits war es auch jetzt nicht hilfreich… Kawakami verharrte regungslos und hörte seiner eigenen Körpermusik zu, die merkwürdig und angsteinflößend klang. Er registrierte, wie er atmete und wie der Sauerstoff in seine Lungen strömte und von dort in sein Blut gelangte. Er fühlte, wie das Blut durch seine Venen jagte, und erschauderte. Die Sonne war untergegangen, war es deshalb so kalt im Zimmer? Das konnte nicht sein…
Seine Muskeln zuckten und es dauerte einige weitere Minuten, bis er seinen Körper wieder aus eigenem Antrieb bewegen konnte. Es fühlte sich eigenartig an, als hätte jemand die Zeit angehalten… Er drehte sich um und besah das Zimmer. Er war immer noch allein. Nun, vielleicht sollte er dieses Gruselkabinett verlassen und in den Speiseraum überwechseln. Diesmal brauchte er Gesellschaft!
Als einer der nachkommenden Schüler von Chris und Tanba, die ihre Zimmer stets auf Vordermann hielten, kehrte Kawakami noch einmal zu seinem Bett zurück, um seinen CD-Player und die CD wegzuräumen. Er verstaute alles wieder unter dem Bett, wo es hingehörte, und wollte sich gerade erheben – da erloschen die Lichter. Von einem Moment zum nächsten wurde es pechschwarz und Kawakami zuckte überrascht zusammen. Es war, als hätte ihm jemand die Augen zugebunden. Er schauderte wieder, diesmal jedoch heftiger als zuvor. Einsamkeit und Dunkelheit waren normalerweise kein Problem… solange noch ein anderer Mensch mit dabei war! Er konnte sich nicht erinnern, die Unterkünfte jemals so verlassen erlebt zu haben… Der Pitcher schluckte und richtete sich auf, dann tastete er vorsichtig nach der Leselampe neben seinem Bett an der Wand, die er einschaltete.
Ein summendes Geräusch ertönte, wie wenn eine Biene von einer heißen Glühlampe geröstet wurde. Für zwei oder drei Sekunden lang war es hell im Zimmer, wenngleich nicht übermäßig hell, und dann ging auch dieses Licht mit einem seltsamen Geräusch aus. Kawakamis Herz erstarrte, bis er beinahe das Bewusstsein verlor. Dann schlug es umso härter. Was zur Hölle war hier los? Der Pitcher hielt inne und lauschte seinem eigenen galoppierenden Herzschlag und seinem wilden Atem. Er erschauderte in Wellen, er konnte nicht mal seine zitternden Hände kontrollieren, die kalt und feucht wurden vor Angst.
Er musste dieses Horrorzimmer sofort verlassen oder er kollabierte. Vorsichtig suchte er nach der Tür in dieser dichten Dunkelheit, die an ihm klebte wie Teer und ihn scheinbar auch festhielt, sodass er nicht vorwärtskam. Kawakami war verängstigt. Mit ausgestreckten Armen wankte er auf die Tür zu – zumindest vermutete er sie in dieser Richtung – und tat einen Schritt nach dem anderen. Die Stille erschreckte ihn mittlerweile genauso sehr wie die Dunkelheit. Wie war das nur möglich?
Als er endlich den Türgriff in seiner Hand hielt, stieß er gegen das Türblatt. Jedenfalls versuchte er es. Sein Atem stockte, seine Bewegungen versteinerten, sein Herzschlag schwang sich zu einem neuen Rekordlevel auf. Kawakami schluckte einen winzigen Teil des Kloßes in seiner Kehle hinunter, der seinen Atem blockierte, und versuchte erneut, die Tür zu öffnen. Er drückte den Griff hinunter und presste ihn mit aller Kraft von sich weg, doch die Tür rührte sich keinen Millimeter. Kalter Schweiß rann ihm den Rücken hinunter und in seinem Nacken begann es unangenehm zu prickeln. Was jetzt?
Die Tür war verschlossen. Wieso zum Teufel war die Tür verschlossen? Niemand schloss je die Türen ab, nicht mal über Nacht, weil immer irgendjemand des Nachts trainierte. Natürlich besaß jeder einen Schlüssel für sein Zimmer, aber der war normalerweise nicht nötig. Wie also konnte diese Tür verschlossen sein – vermutlich zum ersten Mal, seit sie überhaupt eingebaut worden war? Das konnte doch nur ein schlechter Scherz sein… Kawakami versuchte es erneut. Und erneut. Und erneut. Die Tür blieb verschlossen. Der Pitcher trat zitternd einen Schritt zurück von seiner einzigen Fluchtmöglichkeit aus dieser erschreckenden einsamen Finsternis…
‚Okay, bleib ganz ruhig‘, sagte er sich. ‚Wo hast du den Schlüssel gelassen?‘
Er konnte sich nicht einmal entsinnen, wo er den Schlüssel zuletzt gesehen hatte geschweige denn, wo er ihn deponiert hatte. Es war im Grunde ja auch egal, denn… wie sollte er in diesem Darkroom (nicht zu verwechseln mit einer gewissen Einrichtung in ausgewählten Clubs) überhaupt etwas finden? Er schlang die Arme um sich, stand reglos in der Schwärze und versuchte sich auf etwas anderes zu konzentrieren als seine Angst, die ihn lähmte. Was sollte er tun? Er war in seinem eigenen Zimmer gefangen, in dem er schlief und lebte und lernte… Aber der gleiche Raum erschreckte ihn jetzt zu Tode, weil er so leer und still und dunkel war. Als eine weitere Welle der Angst über ihn hinwegrollte, stiegen ihm Tränen in die Augen, die er gerade noch zurückalten konnte. Er fühlte sich so einsam, so schwach, ganz so als würde er gleich eines mysteriösen Todes sterben. Warum suchte niemand nach ihm? Warum fragte sich niemand, wo er war? Es war traurig, einfach nur traurig, dass es keine einzige Person an der Seidou-Oberschule gab, die nach Kawakami suchen würde. Es war nichts Neues für den Pitcher, obwohl er gedacht hatte, dass zumindest einer… Ja, klar. Wer sollte diese eine Person sein? Es gab keinen Chris für Kawakami an der Seidou, vielleicht nicht mal auf der ganzen Welt…
Kawakami verstärkte seinen Griff, um das Zittern zu unterdrücken und um zu verhindern, dass sich seine Tränen verselbständigten. Jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt, um über seine Einsamkeit und seine durchaus sehr deprimierende Zukunft mit niemandem an seiner Seite nachzudenken. Andererseits konnte er dieses Zimmer wegen der verschlossenen Tür nicht verlassen. Er konnte nichts anderes tun außer zu warten, bis seine Zimmerkameraden zurückkehrten. Wie lange würde das dauern? Wäre er bis dahin schon tot? Verhungert, vertrocknet wie eine Mumie… Der Pitcher schwankte zurück in die Richtung, in der er sein Bett vermutete, und als sein Schienbein mit Holz kollidierte, ließ er sich behutsam davor nieder, lehnte sich mit dem Rücken gegen das solide Material und zog die Beine an. Er kauerte sich zusammen und ließ den Tränen freien Lauf. Da war ja niemand, der ihn auslachen konnte. Einsamkeit war schrecklich, frustrierend und deprimierend. Gab er sich damit wirklich zufrieden für den Rest seines Lebens? War die verschlossene Tür ein Hinweis darauf, dass es ihm nicht gestattet war, mit anderen Leuten in Kontakt zu treten? War es sein Schicksal, für immer allein zu bleiben? Nun, er hatte ja nichts zu bieten, was jemand anderen zufriedenstellen könnte. Vielleicht war das der richtige Weg… Ein schmerzvoller, erniedrigender Weg, um stärker zu werden… vielleicht.

Ein Lichtstrahl blitzte einen Wimpernschlag lang durch das Zimmer. Kawakami zuckte und hob den Kopf. Die bitteren Tränen hatten feuchte, salzige Spuren auf seinem Gesicht hinterlassen und ließen ihn jämmerlich aussehen. War das Licht gerade nur Einbildung gewesen? Dann hörte er ein Rumpeln, wie wenn etwas Schweres zu Boden geworfen wurde. Klang so, als wäre es nicht weit vom Zimmer entfernt. Kawakamis Herz raste wieder. Kam endlich jemand, um ihn zu erretten? Er horchte aufmerksam, doch weder das aufblinkende Licht noch das Rumpeln wiederholte sich. Also hatte er es sich nur eingebildet… Oder doch nicht?
Ein schwaches, flackerndes Licht tanzte im Fenster – wie von einem weitentfernten Feuer. Es zeugte nicht gerade von Wärme, sondern war eher kalt… Es erinnerte Kawakami an einen kaputten Fernsehbildschirm… Er bekam eine fürchterliche Gänsehaut und er fühlte sich, als würde er einem grausigen Ritual zusehen, mit Geistern und Geschrei und Gesang, der gen Himmel zog, der sich pechschwarz und ohne Sterne über die Szenerie spannte. Ein okkultes Ritual mit Flüssen aus Blut, schwarzem Haar und rohem Fleisch, mit Feuer und Messern und Seilen. Er konnte diese absurden Gedanken nicht erklären, aber er wurde sie auch nicht los. Das Licht strahlte durch die Vorhänge – nur für wenige Sekunden – und dann erschien ein sehr scharfer, schwarzer Schatten direkt vor dem Fenster. Die Silhouette schien menschlich zu sein, allerdings waren die Augen und der Mund ausgeschnitten, als wären Löcher in dem Kopf des Wesens. Der Pitcher erstarrte zu Eis in seiner Position und starrte einfach nur, während der Schatten blinkend verschwand. Sein Atem bebte vor Angst und er wagte es nicht, auch nur einen Muskel zu rühren.
Das Licht vor dem Fenster ging aus und die Stille kehrte zurück – mit einer solchen Heftigkeit, dass sie ihm regelrecht ins Ohr schrie. Was zur Hölle…
Der Pitcher konnte gar keinen Gedanken darauf verwenden, um Hilfe zu rufen, denn das war alles nur Einbildung, das war alles nicht echt, das alles passierte gar nicht… Obwohl er sich damit selbst zum Narren hielt und die Angst ihn nicht losließ, betete er sich diese Worte immer wieder vor, um nicht verrückt zu werden. Vielleicht träumte er bloß, nur ein Traum…
Etwas krachte gegen die Tür und Kawakami schrak zusammen. Er wimmerte sogar ein bisschen und duckte sich näher an das Bett heran und weg von der Tür. Sollte er rufen…? Er hatte Angst davor, was in sein Zimmer einfallen könnte, wo er sich eingeschlossen gerade ein bisschen sicherer fühlte… So sicher, wie man sich in der Hölle eben fühlen konnte! Was für ein Alptraum!

Dann brach tatsächlich die Hölle los.
Alle Lampen sprangen an, flimmerten jedoch wie in einem Horrorfilm mit hellen und schwarzen Punkten, mit Blitzlicht und einem tiefen Grollen. Die zwei Deckenleuchten gingen an und aus, ohne einem gleichmäßigen Rhythmus zu folgen. Einmal wurden sie sogar zur gleichen Zeit ausgeschaltet, ehe sie wieder aufflammten… Es war nervenzerreißend! Die Lampen flackerten, als wären sie beschädigt und soweit es Kawakami betraf, so war er sich dessen ganz sicher! Wieso wurden sie an- und ausgeschaltet? Ohne dass seine Hände im Spiel waren? Spielte die Elektrik verrückt? Es lief ihm eiskalt den Rücken herunter. Wie auch immer die Erklärung für dieses Lichttheater lautete, Kawakami wollte, dass es aufhörte!
Das Flimmern setzte sich fort, bis die Glühlampen mit einem ohrenbetäubenden Knall in Millionen Teile zersplitterten und auf Kawakami niederregneten. Er verkroch sich unter seinen Armen und weinte jämmerlich. Er war so fertig… Was für grausame Kräfte suchten ihn heim? Hatte er irgendetwas verpasst? Vielleicht war er ein schlechter Mensch… Aber hatte er nicht hart für das Team gearbeitet, für sich selbst? War er zu egoistisch? Darauf gab es keine Antwort, die ihm helfen konnte. Er wusste nur, dass er eine Todesangst ausstand dank dieser Horror-Show, die er ganz allein und unfreiwillig überleben musste… Wenn er hier und heute starb, kümmerte es sicher niemanden. Niemand würde ihn vermissen… Er zog seine Knie noch enger an sich heran und schluchzte. Was passierte mit ihm?
Das Fenster explodierte und die Glassplitter schossen scharfkantig durch die dunkelgrünen Vorhänge, die nur noch in Fetzen hingen. Licht brach durch die Löcher und projizierte unheimliche Bilder auf den Wänden, die sich bewegten, als wären sie lebendig. Dann krachte die Tür auf und fiel schallend wieder ins Schloss, nur um es ein paar Mal völlig willkürlich zu wiederholen – genau wie die Deckenlampen zuvor. Kawakami versuchte, einen Blick aus der Tür zu erhaschen, doch außer dichtem, grauen Nebel konnte er nichts erkennen. Das aufblitzende Licht stach wie Eisspeere durch den Dunst und schwebende, wandernde Schatten heulten auf. Der Klang von Donner, ein überdrehter Schrei und langgezogenes Stöhnen erfüllten die schwere Luft. Kawakami wurde kalt und er zitterte kläglich. Er war also in einem Spukhaus gefangen… Er wollte nicht wissen, welche Kreatur kommen würde, um ihn zu holen… und zu töten.

Dann… entstand plötzlich Gelächter; gemeines Gelächter, das in der Dunkelheit widerhallte, in dem kleinen Raum und in Kawakamis Blut und Knochen. Das Geräusch ging einher mit dumpfen Schlägen, Grollen und verzweifelt unterdrückten Schreien. Es klang, als würde jemand gefoltert werden… Nein, so wollte Kawakami nicht enden… Er würde lieber einen sofortigen Tod vorziehen, wenn es sein musste… Aber er konnte sich nicht aussuchen, wie er sterben wollte, oder? Er presste sich die Hände auf die Ohren und kniff die Augen zu. Er hatte solche Angst, solche Todesangst… Ein eisiger Windstoß fuhr in den Raum hinein und umkreiste den Pitcher wie ein Käfig. Es gab kein Entrinnen, kein Versteck… Er schniefte und schluchzte. Das Lebensende fühlte sich so schrecklich kalt an. Es ähnelte der Kälte, wenn er den Mound verlassen musste, weil er versagt hatte, und er fürchtete immer wieder, dass er nie wieder auf den Mound zurückkehren konnte. Dieser Gedanke, dieses Gefühl versetzte ihn in Panik.
Ein weiterer Schlag war zu hören und die Tür wurde kraftvoll aufgestoßen und dann hörte Kawakami die absolut wundervollste Stimme auf der ganzen Welt.
„NORI!“
Der Pitcher hörte sofort mit dem Weinen auf, weil er überrascht war. Langsam hob er den Kopf.
… Was war er nur für ein Idiot! Was für ein unglaublicher Idiot! Warum hatte er nie an ihn gedacht? Er war doch immer an seiner Seite wie ein vertrauenswürdiger Schatten und ein starker Krieger. Kawakami war in diesem Moment so dankbar für alles, was dieser Eine war und was er getan hatte…
„Sh… Shirasu…“, rief er mit brechender Stimme und erzitterte vor Erleichterung.
Neue, heiße Tränen strömten über sein Gesicht. Shirasu war hier! Sein bester Freund! Endlich war alles wieder gut!
„Nori“, sagte Shirasu und kniete sich vor Kawakami. „Nori… Hab keine Angst, ich bin hier.“
„Uh… Uhuhu… Shi…rasu…“, hickste Kawakami und schniefte.
„Scht, es ist alles okay“, sagte Shirasu mit seiner ruhigen Stimme.
Er streckte seine Hand aus und berührte Kawakami leicht an der Schulter. Er spürte, wie der Pitcher zitterte, und knirschte mit den Zähnen. Vorsichtig schlang er einen Arm um seinen Freund und zog ihn näher an sich heran. Kawakami wehrte sich gegen die Wärme und die starken Arme und den festen Halt nicht, sondern erwiderte Shirasus Umarmung, so gut er eben konnte, denn er war immer noch verkrampft und stand unter Schock. Shirasu strich ihm zärtlich über den Kopf und den Rücken, bis das Zittern nachließ.
„Bist du in Ordnung?“, fragte er dann tröstend.
„Mh…“, machte Kawakami zustimmend.
Er kuschelte sich in Shirasus Arme und schmiegte sich an die Brust seines Freundes. Er fühlte sich jetzt so viel besser; sicher und geborgen. Wie konnte er seinen besten Freund vergessen? Dann hatte er es doch verdient, dieser Heidenangst ausgesetzt zu werden, um daran erinnert zu werden, wer die kostbarste und wichtigste Person für ihn war… Er war ein schrecklicher Freund. Er wunderte sich darüber, warum Shirasu ihn in der Zwischenzeit nicht schon längst im Stich gelassen hatte. Der Outfielder war viel zu freundlich und zu vernünftig und zu verlässlich und zu wunderbar. Kawakami schwor, dass er sein Bestes geben würde, um ein ebenso wichtiger Freund für Shirasu zu werden, ganz wie er es verdient hatte! Alles in allem war er die einzige Person in Kawakamis Leben, die ihm eine ganze Menge bedeutete. Er könnte sogar Kawakamis Chris sein… Das blieb abzuwarten, aber im Moment fühlte es sich so an. Sanft rieb er sein Gesicht an Shirasus zuverlässiger Schulter. Ja, vielleicht…
„Ich schwöre dir, ich reiße Miyuki alle Gedärme raus und stopfe sie ihm in sein arrogantes, vorlautes Maul“, fluchte Shirasu. „Ich zeige ihm, wie meine eiskalte blutige Rache aussieht, wenn er meinen Freund erschreckt!“
„Shirasu“, sagte Kawakami erstaunt.
„Es tut mir so leid, Nori“, erklärte Shirasu und drückte den Pitcher an sich. „Ich habe alles versucht, um ihn und seinen bösen Plan aufzuhalten, aber ich konnte nichts tun…“
„Eh?“
„Tja, weißt du… Unser lieber Kapitän hat sich wohl gedacht, dass eine kleine Horrorshow am besten passt, um den ursprünglichen Traditionen an Halloween zu gedenken. Zur Hölle mit diesem Teufel, sage ich!“
„… Halloween?“, hauchte Kawakami.
„Ja, heute ist der letzte Tag im Oktober, weißt du, deshalb war er besonders aufgeblasen. Er hat fast alle Teammitglieder mit gruseliger Dekoration oder furchteinflößenden Showeinlagen erschreckt. Der kleine Kominato ist beinahe ohnmächtig geworden, wobei, das hatte sicher mit seinem älteren Bruder zu tun… Miyuki und die anderen haben Blut auf dem Bett des kleinen Kominato verteilt und sein Aniki lag mittendrin und hat sich totgestellt… Es gab noch mehr solcher Geschichten, aber ich habe mir Sorgen um dich gemacht. Ich wollte mir nicht ausmalen, was er dir antun könnte. Ich schätze, du magst das nicht hören, aber… du kannst Gruselzeugs nichts abgewinnen, stimmt’s?“
„Ah… N-nein, mit Spuksachen will ich nichts zu tun haben“, gab Kawakami zu. „Danke, dass du dir Sorgen um mich gemacht hast, Shirasu. Entschuldige, dass ich dich damit belastet habe.“
„Schon gut, ich kümmere mich gern um dich“, antwortete Shirasu und tätschelte dem Pitcher lächelnd den Kopf.
„Mh. Ich denke, mir geht’s jetzt etwas besser“, sagte Kawakami.
Er errötete ein wenig bei diesem Gespräch, denn es machte ihn ziemlich glücklich, Shirasu so etwas sagen zu hören, und es bescherte ihm eine angenehme Wärme in seinem Inneren.
„Vielen Dank, Shirasu.“
Der Blonde nickte und streichelte dem Pitcher ein letztes Mal über die Wange, bevor er ihn losließ. Sie standen auf.
„Also… Du wirst Miyuki umbringen?“, fragte Kawakami, um das merkwürdige Schweigen zwischen ihnen zu durchbrechen.
„Und wie ich das werde! Ich werde ihm nicht verzeihen…“, knurrte Shirasu unnachgiebig. „Das war zu übertrieben. Er muss lernen, wo seine Grenzen liegen.“
„Du bist ihm wirklich böse, hm?“, kicherte Kawakami leise.
„Ja, natürlich! Er hat die mir kostbarste Person verletzt und sie erschreckt. Das ist kein Witz mehr, deshalb werde ich ihm eine Lektion erteilen!“
„Übertreibst du es mit diesen Absichten nicht auch ein bisschen?“
Shirasu sah Kawakami tief in die Augen.
„… Wirst du immer noch mein… Freund sein, wenn ich ihn umgebracht habe?“, fragte der Blonde.
„Ja, das werde ich. Ich werde immer dein Freund, so lange wie du mich als solchen haben willst“, antwortete Kawakami, ohne ein zweites Mal darüber nachdenken zu müssen. „Und ich gebe mir Mühe, um ein besserer Freund für dich zu werden, als ich in den letzten Wochen gewesen bin.“
„Du hast nichts falsch gemacht“, versicherte Shirasu ihm zärtlich.
Er ergriff Kawakamis Hand und drückte sie sachte.
„Danke, dass du mir beistehst.“
„Hey, das sollte mein Spruch sein!“, rief Kawakami und dann lachte er zusammen mit Shirasu.
„Okay, dann ist das geklärt“, sagte der Outfielder. „Hast du Hunger? Wollen wir was essen gehen?“
Der Pitcher verstärkte den Händedruck.
„Ja, gern. Kommst du mit, Shirasu?“
„Sicher, Nori. Ich will dich schließlich vor Miyukis Halloween-Anschlägen beschützen, also… Bist du damit einverstanden? Ich meine, ist es dir recht, wenn ich erst mal bei dir bleibe?“
„Bitte, Shirasu, es ist mir recht. Ich könnte noch mal erschreckt werden und ich will nicht ausgelacht werden…“, wisperte Kawakami dünn.
Shirasu lächelte und… Moment, wurde er etwa rot? Wie süß… Der Pitcher hatte nie darüber nachgedacht, aber sein Freund war wirklich süß, trotz seiner Einfachheit. Oh. Jetzt, da er ihn genauer betrachtete…
„Ah, warte kurz, Shirasu“, sagte Kawakami und zog an der Hand seines Freundes. „Du hast da ein bisschen Schmutz im Gesicht.“
Sorgsam wischte er mit seinen Fingern über Shirasus Wange und dessen Kinn und beobachtete ihn dabei, wie er unter Kawakamis Berührung zu glühen begann.
„Oh, bitte entschuldige, ich wollte nicht, dass du dich unwohl fühlst.“
Er nahm seine Hand weg, aber Shirasu schüttelte den Kopf.
„Ich fühle mich nicht unwohl, wenn du dich um mich kümmerst“, entgegnete er sanft.
Nun war es an Kawakami, vor lauter Scham zu erblühen wie eine Rose.
„Sag das bitte nicht“, murmelte er.
Shirasu lächelte ihn an.
„Vielleicht sollten wir uns beide waschen gehen, was?“, schlug er vor.
„Hm? Oh, richtig. Ja, lass uns das machen.“

Es war aufregend, mit Shirasu Hand in Hand über das Gelände zu gehen, gleichzeitig war Kawakami peinlich berührt, weil man in seinem Gesicht die Tränenspuren mehr als deutlich sehen konnte. Zum Glück ließ die Nähe des Outfielders Kawakami allmählich vergessen, was er gerade durchgemacht hatte.
„Hast du dich geprügelt?“, fragte Kawakami, um die Atmosphäre zwischen ihnen ein wenig zu lockern, denn er starb gleich vor lauter Verlegenheit!
„Naja, ich habe gekämpft“, erzählte Shirasu. „Miyuki hat mich zu Boden geworfen und mich unten gehalten, weil ich dich holen wollte. Ich verspreche, ich lasse ihn genau dieselben Schmerzen erleiden, die du durchmachen musstest, Nori.“
Der Pitcher lächelte und hängte sich an Shirasus Arm.
„Vielleicht sollte ich ihm danken“, flüsterte er.
„Wie bitte?!“
„Naja, ich habe meinen besten Freund vergessen. Das ist unverzeihlich.“
Shirasu sah ihn nachdenklich an.
„Weißt du, Nori… Ich glaube, ich muss meine Präsenz für dich mal auf Hochglanz polieren, was?“
„Nein, so meinte ich das nicht! Es tut mir leid, dass du dich herabgesetzt fühlst, aber bitte sei versichert, dass du mir wirklich, wirklich wichtig bist“, entgegnete Kawakami. „Ich verstehe es aber, wenn du nicht mehr mein Freund sein willst.“
„Sag das nicht, denk es nicht mal! Ich bin dein Freund, Schluss. Hast du verstanden?“, sagte Shirasu ungewohnt streng.
Kawakami nickte.
„Ich habe es verstanden. Klar und deutlich.“

Sie gingen zum Waschraum des Wohnheims. Die Toilettenräume befanden sich ebenfalls dort. Das erste, was Kawakami auffiel, als sie den Bereich betraten, war eine schiere Anzahl von geschlachteten, zerquetschten Kürbissen, die in der gesamten gefliesten Halle verteilt worden waren.
„Was zum…“
„Oh, das habe ich vergessen“, seufzte Shirasu. „Sie haben einen Kürbis-Krieg hier drinnen veranstaltet. Ich glaube, sie nannten es ‚Splatfest‘ oder so. Sie sind noch unreifer als Grundschulkinder.“
Kawakami kicherte und suchte sich umsichtig einen Weg durch die orangen Matschpfützen, um zum Waschbecken zu gelangen. Er wusch sein Gesicht gründlich… und dann hörte er es. Er hielt inne und lauschte. Es klang wie gedämpftes Atmen. Es kam von einer der Toilettenkabinen. Und… War das… ein verhaltenes Stöhnen? Gänsehaut krabbelte über seinen Körper, doch das war ein anderes Gefühl als das, wenn Angst in ihm emporkroch, wie er es in seinem Zimmer zuvor erlebt hatte…
„… Nhg… Hah… A-ah… Mhmm… Ry… Ryousuke…“
Das Wispern paarte sich mit einem Seufzen und flog durch den Waschraum und brachte Kawakamis Gesicht augenblicklich zum Kochen. Er kannte diese Stimme…
„Still“, kam der gemurmelte Befehl, doch das Stöhnen setzte sich fort; tatsächlich wurde es sogar lauter und schwache, klatschende Geräusche kamen hinzu.
Kawakami wandte sich wieder dem Waschbecken zu – jetzt um sein Gesicht abzukühlen –, als sich ein Paar Hände auf seine Ohren legte. Er zuckte zusammen und schaute in den Spiegel, um Shirasu zu erkennen, der ihm mit einem entschuldigenden Lächeln auf den Lippen die Ohren zuhielt. Der Pitcher erwiderte das Lächeln.
„Ist schon gut, Shirasu“, sagte er ruhig.
Tanba Kouichirou und Kominato Ryousuke waren also ein Paar, huh? Das war nicht gerade die größte Überraschung des Tages. Kawakami und Shirasu beeilten sich, den Waschraum zu verlassen, bevor sie Zeugen eines Orgasmus wurden, der sie nichts anging.

Die Speisehalle platzte fast aus den Nähten bei all den Baseballspielern und der üppigen Halloween-Dekoration, die aus plüschigen Spinnenweben, gruselig anmutenden Kürbissen und Hexen auf Besen mit schwarzen Katzen bestand. Kurz gesagt, es war voll und das einzige schummrige Licht stammte von den mindestens hundert Kerzen, die im ganzen Raum verteilt worden waren. Als Kawakami und Shirasu eintraten, wichen sie einer handfesten Diskussion ihrer Teamkollegen aus, während sie sich selbst etwas zu essen besorgten – natürlich von dem Halloween-thematisierten Buffet, das aufgebaut worden war. Blut schien die Hauptzutat zu sein bei den Onigiri-Augäpfeln, den abgetrennten Troll-Wurst-Fingern und den Sushi-Spinnen… Der Würmer-Nudelsalat war davon verschont geblieben, allerdings sah dieser dermaßen unappetitlich aus mit all den Käfern und dem Dreck darin, dass Kawakami dankend auf eine Kostprobe verzichtete.
„… Kinder“, murmelte er und Shirasu lächelte zustimmend.
Sie waren gerade dabei, Essen auf ihre Teller zu häufen, als Stimmen laut wurden. Das Team hatte sich offenbar dazu entschlossen, gegen Miyuki vorzugehen und sich zu rächen. Einige der Spieler wollten, dass der Kapitän für das bezahlte, was er angerichtet hatte. Besonders Sawamura war phänomenal wütend. Masuko versuchte ihn zurückzuhalten. Es gelang mittelmäßig. Anscheinend hatte Miyuki nicht nur bei Kawakami eine Grenze überschritten.
„WIE KANNST DU NUR…! WAGE ES AUCH NUR NOCH EIN EINZIGES MAL, CHRIS-SENPAI ZU KÜSSEN!“, krakeelte der Junge. „ICH TÖTE DICH, SELBST WENN ES DAS LETZTE IST, WAS ICH TUE! JETZT GIB MIR SEINEN KUSS ZURÜCK, DU BASTARD!“
Miyuki grinste bloß über Sawamuras Ausbruch, obwohl einige der Teammitglieder vermutlich gar nichts dagegen hätten, wenn Sawamura seiner Wut freien Lauf ließ und ausrastete. Der Kapitän hatte es nicht besser verdient!
„Eijun, reicht es dir nicht, dass ich dir hoch und heilig verspreche, dass ich rein gar nichts gefühlt habe, als er mich geküsst hat?“, fragte Chris leicht genervt.
Der ehemalige Catcher wollte wohl die Situation retten, allerdings schien auch er einen gewissen Groll zu hegen; Miyuki hatte sich heute keine Freunde gemacht.
„Natürlich reicht mir das nicht!“, schrie der Linkshänder. „Er ist der Teufel! Ich treibe ihn aus und erlöse uns alle!“
Chris umfasste Sawamuras vor Zorn verzerrtes Gesicht und streichelte ihn beruhigend.
„Eijun, sieh mich an. Ich bin dein, hörst du?“
„Mit Ausnahme von dem Kuss, den dieser Bastard gestohlen hat!“, beharrte Sawamura stur.
„Ich gebe dir mehr davon, du wirst gar nicht merken, dass ein einziger fehlt“, versuchte Chris ihn zu überzeugen.
„Aber… Selbst die kleinste Kleinigkeit von dir ist so unbeschreiblich wichtig für mich“, jammerte der Linkshänder.
Chris umarmte ihn fest und streichelte ihn.
„Oh Mann. Willst du dann, dass ich meinen Kuss von Miyuki zurückhole?“, schlug Chris vor.
Sawamura versteifte sich und schaute skeptisch in die honiggelben Augen seines Freundes, die ihn voller Liebe ansahen.
„Nein, das will ich nicht. Nur… Warte kurz, Chris-senpai, bitte.“
Er befreite sich aus Chris‘ Armen und rannte los, sprang auf Miyukis Hüfte und holte sich den gestohlenen Chris-Kuss zurück. Miyuki protestierte, wurde jedoch von dem Jüngeren überwältigt, der nicht das kleinste Bisschen von Chris hergab. Der siegreiche Junge lächelte dem ehemaligen Catcher strahlend wie die Sonne zu und vergrub sich gleich wieder tief in Chris‘ Armen. Chris war auch überwältigt; er verliebte sich in diesen verrückten Jungen, wieder und wieder… und jedes Mal mehr…
„Jetzt fühle ich mich wesentlich besser“, schnurrte Sawamura zufrieden.
„Na, ich dachte schon, du magst mich nicht küssen“, warf Chris ein.
Sofort flog Sawamuras Kopf hoch.
„Wenn ich den Kuss nicht zurückgeholt hätte, wäre es, als wenn ich Miyuki küssen würde. Das will ich nicht!“, konstatierte Sawamura nachdrücklich. „Es geht nur um dich, Chris-senpai.“
Der Ältere lächelte und streichelte seinen Liebhaber.
„Ich verstehe. Lässt du mich dich dann jetzt küssen?“
„Ja, Chris-senpai.“
Chris küsste Sawamura so zärtlich, dass der Pitcher wie Eis in der Sonne dahinschmolz.
„Ich liebe dich so sehr, Chris-senpai“, wisperte Sawamura.
Chris kicherte an seinen Lippen und vertiefte den Kuss, ohne auf all die eventuellen Zuschauer Rücksicht zu nehmen. Sawamura hatte recht: Es gab nichts Wichtigeres.
„Nehmt euch endlich ein Zimmer, ihr zwei“, grummelte Kuramochi, der gerade hereinkam und Sawamura einen Arschtritt verpasste, wie er es oft tat.
Seinen Zimmergenossen und Kohai mit dessen zutiefst verehrten und unendlich geliebten Senpai herumknutschen zu sehen, verärgerte ihn ungemein. Außerdem war da noch Miyukis Halloween-Späßchen und wenn der Shortstop den Kapitän fand, dann riss er ihm den Kopf ab…! Wo also steckte dieser Teufel?!
„Ah, Kuramochi-senpai!“, rief Sawamura. „Lass deinen Frust nicht an uns aus, nur weil Harucchi über den toten Körper seines Aniki weint und nicht über deinen.“
„Wie war das, Bakamura?“, knurrte Kuramochi.
„Youichi-san“, mischte sich Kominato Haruichi leise ein und zupfte an Kuramochis Ärmel. „Ich dachte, du wärst der reifere.“
Der Shortstop wandte sich zu ihm um.
„… Das hast du wirklich gedacht?“, fragte er.
„Hm, wenn ich noch mal darüber nachdenke… Nein, das habe ich kein einziges Mal gedacht“, grinste er hinterhältig.
„Du kleines Balg“, fluchte Kuramochi mit einem offensichtlichen Lächeln.
„Aber ich schätze, ich mag auch diese kindische, verspielte Seite an dir“, ergänzte Kominato.
Der Zweitklässler schlang seine Arme um die schmale Taille des Batters und zog ihn eng an sich.
„War das eine Liebeserklärung?“, fragte er dämonisch. „Ich zeig dir all die Dinge, die Erwachsene so tun.“
„Wirklich?“, murmelte Kominato.
„Wirklich. Wollen wir gleich anfangen?“
Der Shortstop wartete ab, bis der Rosahaarige zustimmend genickt hatte, bevor er Kominatos Kinn mit seinem Zeigefinger anhob und seine Lippen auf den weichen Mund des Jüngeren legte. Dieser schob seine Arme in Kuramochis Nacken und verwandelte den süßen Kuss in ein heißes Zungenduell, das er vermutlich gewann.
„Wer braucht hier ein Zimmer, hm?“, neckte Sawamura und schnappte sich Chris‘ Hand, die er festhielt, während er ihn verführerisch ansah. „Bringst du mir auch die erwachsenen Sachen bei, Chris-senpai?“
Chris kam sich vor wie beim Batten auf dem Baseballfeld: Er wurde mit Leichtigkeit ausgeworfen. Diese goldenen Welpenaugen brachten ihn noch um den Verstand! Er seufzte geschlagen.
„Ich habe keine Wahl, oder?“
„Du hast Recht, Chris-senpai“, lachte Sawamura fröhlich und warf seine Arme um seinen geliebten Master.

„Na Nori“, näherte Miyuki sich dem Sidearm-Pitcher, der dem ganzen Gerangel nachdenklich zugesehen hatte. „Wie ich sehen kann, hast du meine kleine Horror-Show überlebt.“
„Miyuki, lass ihn“, knirschte Shirasu mit den Zähnen und stellte sich schützend vor Kawakami.
„Hm? Was denn, ist ein kleines ‚Vielen Dank, Kapitän‘ wirklich zu viel verlangt? Naja, vermutlich habe ich einfach zu viel erwartet von unserem neuen Pär-“
„Schnauze“, schnappte Shirasu und wirkte fuchsteufelswild. „Ich unterstütze Sawamuras Todeswunsch und du wirst das Opfer sein, Kapitän.“
„Hoh?“, machte Miyuki erstaunt und hob eine Augenbraue. „Ich dachte, ihr hattet genug Zeit, um-“
„Das reicht, Miyuki“, unterbrach ihn diesmal Chris. „Lass die beiden in Ruhe. Du hast heute mehr als genug getan.“
Der Drittklässler zog seinen Liebhaber näher an sich heran und bedachte Miyuki mit vorwurfsvollen Blicken. In diesem Moment stürmten Maezono, genannt Zono, und Miyauchi herein.
„Hora? Was macht ihr hier? Ich hasse es, wenn ihr Love Birds überall rumturtelt“, bellte Zono.
„Ah, Nori“, fuhr Miyauchi fort. „Du hast überlebt? Hoi, Miyuki, wo ist mein Geld?“
„Geld?“, echote Kawakami schwach hinter Shirasus Rücken hervor.
„Ja, wir haben um dich gewettet“, schnaufte Miyauchi. „Ich wusste, dass du mich nicht im Stich lässt, Nori!“
Der Pitcher wurde schrecklich rot im Gesicht und übel wurde ihm auch. Eine Wette? Auf Kosten seines Lebens? Das war nicht nett…
„Moment, war da nicht noch eine andere Bedingung, die erfüllt werden muss?“, überlegte Zono.
„Oh, du hast recht!“, erinnerte sich Miyauchi. „Zeig uns einen Kuss, Shirasu!“
Zum allerersten Mal sah das Baseballteam der Seidou-Oberschule, wie Shirasu, der Mann ohne emotionalen Gesichtsausdruck, errötete und nervös wurde.
„W-was zur Hölle meinst du damit?“, fragte er.
„Na, Nori hat bewiesen, dass er zumindest genug Eier in der Hose hat, um Miyukis Spuk zu überleben, obwohl das echt nicht seine Stärke ist, aber wir sind uns nicht so sicher, ob du nicht ein feiges Huhn bist, Shirasu“, neckte Zono ihn.
„… Warum dann ausgerechnet ein Kuss?“, hakte der Blonde nach.
„Weil Nori deine Schwäche ist, oder? Miyuki hat gesagt, dass du in unseren Pitcher verknallt bist“, grinste Miyauchi.
Shirasu machte den Eindruck, als würde er gleich umfallen; er war kreidebleich. Kawakami legte besorgt eine Hand auf Shirasus Oberarm, was seinen Freund offenbar vor dem Umfallen bewahrte.
„Ich verachte euch dafür, dass ihr Miyukis blöde Kinderstreiche mitmacht“, krächzte der Outfielder hasserfüllt, als er zurück ins Leben fand.
Kawakami zupfte an Shirasus Ärmel.
„Ist schon gut, Shirasu, das macht mir nichts aus. Ich bin immerhin dein Freund.“
„Ich lasse mich nicht so einfach dazu zwingen, einen deiner Küsse zu stehlen wie ein gewisser Jemand“, antwortete Shirasu und starrte Miyuki zornig nieder.
„Hah! Gut gesprochen, Shirasu-senpai!“, pflichtete Sawamura ihm bei.
„Es ist keine große Sache“, wiederholte Kawakami. „Ich würde es lieber sehen, wenn sie dich nicht feiges Huhn nennen, auch wenn das nicht stimmt und mir egal ist.“
„Nori…“
Shirasu machte ein unglückliches Gesicht.
„Es hat mit unserer Freundschaft zu tun.“
Er schielte zur Seite, wo er ihre neugierige Zuschauerschar erblickte, und seufzte schwer. Offenbar zwang man sie hier nun zur Ehrlichkeit, damit Shirasu retten konnte, was noch zu retten war…
„Ich wollte es dir eigentlich nicht sagen… Ich… Ich mag dich, Nori. Sehr. Mehr als nur einen Freund. Und… wenn ich dich küsse…“
„Dann sind wir immer noch Freunde“, vervollständigte Kawakami den Satz.
„Wir können nie wieder Freunde sein wie vorher“, erklärte Shirasu verzweifelt. „Ich will unsere Freundschaft nicht wegen der dummen Scherze eines hirnamputierten Kapitäns ruinieren!“
Plötzlich grinste der Sidearm-Pitcher, packte Shirasu am Kragen und zog ihn zu sich heran, um ihm einen Kuss auf die Lippen zu hauchen. Shirasu erstarrte.
„Liebhaber sind auch Freunde, oder?“, flüsterte der Pitcher sanft. „Die besten Freunde. Oder, naja, intime Freunde. Ich vertraue dir von ganzem Herzen, Shirasu.“
Der Outfielder blinzelte, bevor er Kawakamis Gesicht umfasste und ihn zurückküsste. Leidenschaftlich und innig. Jubel, Applaus und Pfiffe ertönten.
„Wow! Ich hätte nicht gedacht, dass er so leidenschaftlich sein kann“, bemerkte Kuramochi.
„Er ist nicht gerade auffällig, aber er ist sehr zuverlässig“, sagte Kominato und lehnte sich an Kuramochis Arm.
„Ich beneide sie“, antwortete der Shortstop. „Sie sind beide tolle Männer und jetzt sind sie zusammen. Da können sie andere Menschen nicht mehr glücklich machen.“
„… Was brabbelst du denn da? Hast du dir den Kopf irgendwo angestoßen?“, wollte Kominato wissen.
„Ach, halt den Mund“, knurrte der Zweitklässler. „Sie sind einfach zu süß.“
„…“
Kominato schwieg. Als Kuramochi ihm einen Blick zuwarf, musste er ein Lachen unterdrücken. Schmollte der Rosahaarige etwa? Kuramochi küsste ihn schnell auf den Mund.
„Allerdings… Wenn du mich fragst, gibt es nichts und niemanden, der süßer ist als du, aber ich schätze, mich wird niemand fragen“, flüsterte er.
Kominato hob den Kopf und sah Kuramochi an, der überlegen grinste. Der Jüngere zuckte gleichgültig mit den Schultern.
„Zum Glück bin ich nicht darauf angewiesen, dass man mir sagt, ich sei süß“, behauptete er kühl.
„Komm schon, ich weiß, dass es dir gefällt, wenn andere sagen, dass du süß bist“, stichelte Kuramochi amüsiert. „Also… Willst du wissen, wie süß du bist?“
„Nein danke“, antwortete Kominato, drehte sich um und verließ den Raum.
Kuramochi seufzte, kratzte sich am Kopf und dachte, dass er den wesentlich lästigeren Kominato-Bruder abgestaubt hatte. Er rannte dem Kleinen nach, fing ihn ein und presste seine Lippen auf den protestierenden Mund.
„Denkst du vielleicht auch mal an meine Gefühle, du Nervensäge?“, ächzte er genervt.
„… Na schön“, antwortete Kominato, der immer noch sauer war, in dessen Gesicht sich allerdings ein herrlich sadistisches Lächeln verbarg.

Miyuki, der dem ganzen Drama mit Wohlwollen zugesehen hatte, grinste zufrieden und klatschte in die Hände.
„Also gut, das soll erst mal reichen. Vielen Dank, dass ihr bei meinem Lovers-Halloween mitgemacht habt!“, verkündete er.
„Und wo ist dein Lover?“, spotteten einige der noch anwesenden Spieler, doch davon ließ Miyuki sich nicht beeindrucken.
„Also hört jetzt alle mit der Knutscherei auf und holt lieber die Spiele raus. Hoi, Shirasu, ist gut jetzt, du hast uns genug bewiesen, also hör endlich auf.“
Doch Miyuki hätte genauso gut mit einer Wand können, denn Shirasu ignorierte ihn. Er war damit beschäftigt, Kawakami regelrecht das Leben auszusaugen; er war bereits süchtig nach diesen Lippen.
„Ich hoffe, du begreifst endlich, was du angestellt hast, Miyuki“, sagte Chris leise. „Du solltest dein Leben lieber nicht aufs Spiel setzen, indem du das der potentiellen Liebhaber deiner Teamkameraden gefährdest.“
Er winkte in die Runde und zog Sawamura mit sich.
„Wir gehen jetzt. Man sieht sich.“

Shirasu verlor die Kontrolle in exakt dem Moment, als er Kawakamis Lippen berührte. Er wusste, er ging zu weit, aber er konnte nicht widerstehen, deshalb machte er einfach weiter damit, seinen Freund zu küssen. Bis sie sich zum Luftschnappen voneinander lösen mussten. Kawakami sah… entzückend aus. Rotgeküsste Lippen und rosarote Wangen… Anziehend, verlockend, sexy.
„Entschuldige, Nori, ich bin zu weit gegangen“, sagte er niedergeschlagen, doch Kawakami schüttelte den Kopf.
„Entschuldige dich nicht dafür, dass du mich küsst. Ehrlich… Ich… Es gefällt mir.“
Shirasus Augen wurden größer und Kawakamis Wangen dunkelrot.
„Meinst du das ernst?“, fragte der Blonde.
Kawakami lächelte und nickte. Sie küssten sich erneut, hungrig diesmal.
„Mh… Shirasu“, seufzte Kawakami und legte seine Arme um den Hals seines Freundes. „Ich habe Hunger.“
Sacht biss er in Shirasus Ohrläppchen.
„Ah, willst du was essen?“
„Ja, schon, aber ich will nicht irgendwas…“, raunte Kawakami verführend. „Ich will dich, Shirasu.“
Der Outfielder verschluckte sich und versuchte, seinen rasenden Herzschlag zu beruhigen.
„Ich… Du solltest zuerst etwas essen“, beharrte er mit erhitzten Wangen. „Ich möchte nicht, dass du umkippst, Nori.“
Kawakami kicherte und schmiegte sich an Shirasus Brust.
„Okay.“

Nachdem sie einige Portionen verdrückt hatten, kehrten sie zurück zu den Unterkünften – glücklicherweise visierten sie Shirasus Zimmer an. Kawakami fürchtete sich noch immer vor seinem eigenen. Sollten seine Zimmergenossen aufräumen, was Miyuki hinterlassen hatte oder besser noch… Miyuki sollte ganz allein aufräumen! Er war derjenige, der es lustig fand, das Fenster und die Lampen in die Luft zu jagen!
Als sie den Speiseraum verließen, trafen sie draußen zwei höchst seltsame Gestalten, die über das Gelände spazierten. Eine von ihnen sah aus wie ein gigantisches Fledermausmonster mit schwarzen Shorts und selbstgebastelten ausladenden Flügeln. Die andere trug einen blutroten Umhang und spitze Zähne lugten aus den Mundwinkeln… Ein Vampir.
„Ah, Nori, Shirasu, ist die Party schon vorbei?“, fragte der Vampir – es war Yuuki.
Kawakami und Shirasu waren viel zu schockiert über das Aussehen ihrer Senpais, um überhaupt reagieren zu können.
„Ich hoffe, es gibt was Gutes zu essen“, sagte die Fledermaus – das musste Isashiki sein, der Stimme nach. „Ich bin verdammt hungrig! Hm? Wo sind denn eure Kostüme?“
Es war enorm schwierig, den älteren Outfielder anzusehen ohne zu lachen, ganz zu schweigen davon, dass Kawakami und Shirasu seine Frage nicht begriffen. Die beiden Zweitklässler hatten ihn noch nie in einem solchen Aufzug gesehen. War das vielleicht auch… Miyukis Werk? Isashiki sah absolut lächerlich aus mit seinen nackten Beinen und dem seltsamen… Badeanzug-Ding, das er trug… Nun, Yuuki sah nicht besser aus. Shirasu würde es als sexy Vampir mit Socken und Schuhen beschreiben, also gar nicht mehr sexy. Yuuki trug ebenfalls schwarze Shorts sowie einen Zylinder und falsche Vampirzähne in seinem Mund. Shirasu wusste, dass er den ehemaligen Kapitän anstarrte, aber er konnte nicht anders.
„K-Kostüme?“, echote Kawakami schwach.
Das war echt zu viel des Guten…
„Jepp. Die Eintrittskarte weist auf einen Dress-Code hin: ‚Wer ein lustiges Halloween-Kostüm trägt, kommt kostenlos rein‘“, las Isashiki vor.
Bevor Kawakami irgendetwas tun konnte, drückte Shirasu seine Hand.
„Ähm, wir gehen lieber schlafen nach dem anstrengenden Training heute, Senpai“, erklärte er. „Halloween ist nicht so unser Ding. Gute Nacht. Und viel Spaß!“
„Oh“, summte Yuuki und legte fragend den Kopf schief. „Ich verstehe. Na dann, gute Nacht!“
Der Ex-Kapitän und Isashiki setzten ihren Weg zum Speiseraum fort und als sie dort ankamen, konnte Isashiki nicht glauben, was er da sah – oder eher nicht sah. Er explodierte.
„ARGH, MIYUKI, BASTARD! Das war also dein netter kleiner Halloween-Streich für uns, was? Warte nur, ich bring dich um!“
Mehr hörten Kawakami und Shirasu nicht, aber sie konnten sich vorstellen, was sich im Speiseraum abspielte.
„Ich schätze, das ist ein blutiges Halloween für Miyuki“, kicherte Kawakami.
„Hm.“
Shirasu fing die Lippen seines Freundes ein und genoss die seidige Beschaffenheit, die ihn wohlig aufseufzen ließ. Sie schlossen sich in Shirasus Zimmer ein, womit Kawakami ganz einverstanden war. Der Blonde hatte den Pitcher gegen die Tür gedrängt, um ihn gründlich zu küssen. Da sie es taten, vergaß Shirasu wieder alles um sich herum. Wie lange schon hatte er von diesem Moment geträumt? So richtig glauben konnte er es noch immer nicht… Doch was das Schönste war: Kawakami erwiderte seine Küsse! Es fühlte sich fantastisch an. Er könnte ihn auf ewig so weiterküssen.
„Sh… Shirasu“, keuchte Kawakami.
„Willst du mich nicht endlich mit meinem Eigennamen ansprechen?“, fragte Shirasu, während er seinen Freund liebevoll streichelte.
Der Dunkelhaarige lächelte.
„Sehr gern, … Kenjiro.“
Shirasu errötete und bekam eine Gänsehaut.
„Ich liebe dich, Nori“, sagte er leise.
Damit Kawakami nichts entgegnen konnte, versiegelte der Blonde dessen Lippen, während seine Hände auf Wanderschaft gingen. Vorsichtig schlüpfte er unter die Kleidung des Pitchers und berührte zaghaft die nackte Haut. Sie war ganz weich, beinahe flauschig; unbeschreiblich schön! Kawakami umschloss den Outfielder mit seinen Armen um dessen Hals und schnurrte zufrieden.
„… wusste nicht, dass du so forsch sein kannst“, murmelte er.
„Hast du Angst?“, fragte Shirasu.
„Nein. Mach weiter. Bitte.“
„Gern“, grinste Shirasu.
Solange es ihm erlaubt war, würde er seine Liebe küssen, mit ganzem Herzen.
Nach dem Küssen und dem oberflächlichen Anfassen wechselten sie zu Shirasus Bett hinüber, wo sie den Großteil ihrer Kleidung auszogen. Dann legten sie sich nebeneinander ins Bett und streichelten sich zärtlich. Noch nie hatten sie sich so gut gefühlt. Kawakami erschauderte unter Shirasus Berührungen und fühlte sich so geliebt! Trotzdem war er weder mental noch körperlich bereit, um mit Shirasu zu schlafen. Heute war so viel passiert, was er erst mal verdauen musste…
Küssen war gut. Wenn er an Shirasus Unterlippe saugte, spürte er, wie der Blonde mit seiner Zunge über Kawakamis Mund leckte. Ein unbekanntes Gefühl überlief ihn prickelnd. Er konnte nicht anders, als seinen Mund zu öffnen und Shirasus Zunge einzulassen. Selbstverständlich ging der Blonde sehr behutsam dabei vor, wie sich ihre Zungen umwarben, sodass Kawakami keine Angst hatte, eher im Gegenteil. Er schmolz wie Butter in der Sonne.
„Mmmmh… Ken… Kenjiro… Nicht weiter“, stöhnte er.
Shirasu hörte sofort auf, blieb jedoch in der Nähe.
„Tut mir leid“, sagte er und küsste Kawakamis Stirn.
„Es muss dir nicht leidtun“, lächelte der Pitcher.
„Bist du müde, Nori?“
„Ja, schätze schon.“
„Verstehe…. Willst du dann hier bei mir schlafen?“
„Gern. Wenn du nichts dagegen hast?“
„Absolut nicht“, sagte Shirasu nachdrücklich.
Kawakami kicherte. Er fühlte sich ganz glücklich.
„Brauchst du einen Pyjama?“, fragte der Blonde.
„Ähm…“
Kawakami wurde knallrot.
„Ich, ähm… Ich denke, ich brauche nicht unbedingt einen…“, murmelte er.
Shirasu grinste. Er hob die Bettdecke an und breitete sie über ihnen aus. Dann nahm er Kawakami in die Arme, fest und liebevoll. Der Pitcher seufzte erleichtert und kuschelte sich an Shirasu. Es fühlte sich warm und behaglich an; himmlisch.
„Kenjiro?“
„Mh? Was ist, Nori?“
„Ich mag dich auch sehr“, wisperte Kawakami, als hätte er Angst vor seinen eigenen Worten. „Ich kann mich sicher in dich verlieben.“
„… Das ist schön zu hören, aber zwing dich zu nichts, Nori“, bat Shirasu seinen Freund.
„Versprochen, das werde ich nicht“, antwortete Kawakami. „Ich wollte… einfach nur, dass du weißt… Ich brauche vielleicht noch ein bisschen Zeit, um meine Gefühle zu sortieren.“
„Nimm dir die Zeit, die du brauchst. Es tut mir leid, dass ich dir mein Geständnis so aufgezwungen habe. Ich… wollte nicht, dass es passiert.“
„Ich gehe davon aus, dass deine Absichten ehrenhaft sind, deshalb werde ich nichts dagegen sagen. Es ist alles Miyukis Schuld. Wenn die anderen zu weich mit ihm umgehen, sollten wir ihn ein bisschen mehr foltern. Ich hasse ihn dafür, dass er dich so vorgeführt hat.“
Shirasu drückte den Pitcher zärtlich an sich.
„Es geht also nicht um ‚Süßes oder Saures‘, sondern um ‚Süßes und Saures‘, ja?“
Sie lachten beide und küssten sich ein weiteres Mal.
„Danke, dass du mich nicht hasst, Nori“, raunte Shirasu.
„Wie könnte ich dich hassen, mein Retter?“, antwortete Kawakami. „Du hast mich von meiner Einsamkeit befreit… Und du liebst mich. Mehr kann ich wirklich nicht verlangen. Was kann ich nur tun, um meine Schuld zu begleichen?“
„Das verrate ich dir, wenn du mir deine Liebe gestanden hast“, sagte Shirasu. „Und jetzt denk nicht mehr daran. Schlaf, Nori. Ich bin hier, bei dir.“
„Danke, Kenjiro.“
„Happy Halloween, Nori.“
„Happy Halloween, Kenjiro.“


Happy Halloween!

Wenn Dir, geneigter Leser, die Geschichte gefallen hat, dann schaue doch gern auch bei meinen anderen Geschichten vorbei. Die nächste Fanfiction von mir findest Du Anfang November 2019 unter dem Titel „Erste Liebe rostet nicht“, die im Kuroko-no-basuke-Universum spielt. Ich würde mich sehr über Deinen Besuch freuen.
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