Eine wie keine

von Rahja2
GeschichteAbenteuer, Romanze / P18
Anghus Mhor Claire Beauchamp Randall/Fraser Dougal MacKenzie James "Jamie" MacKenzie Fraser OC (Own Character) Rupert MacKenzie
29.10.2019
17.05.2020
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29.10.2019 3.639
 
Hallo, meine lieben Leser,

ich begebe mich hier auf ungewohntes Terrain, da ich bisher fast ausschließlich auf Hobbit – FF unterwegs war, bis auf einen kleinen Abstecher in die Gefilde einer selbsterdachter Fantasiegeschichte.

Da ich jedoch auch ein großer Outlander – Fan bin möchte ich mich an dieser Stelle mal daran versuchen auch in dieser Sparte eine Story zu konzipieren und zu schreiben, die mir schon lange im Kopf herumspukt und nun unbedingt raus will.

Die Story wird wenig mit den Vorlagen von Diana Gabaldon gemein haben, da ich stets meine eigenen Geschichten schreibe und mich nur der Charaktere bediene, die ein professioneller Autor oder eine Autorin erdacht haben.

Es werden hier lediglich Eckdaten und Schauplätze von mir verwendet werden, ebenso wie in meinen Hobbit – FF, die in Mittelerde spielen. Der Rest wird reine Fiktion und auf meinem und dem meiner Muses Mist gewachsen sein.

Vorhandene Pairings werden bestehen bleiben, jedoch wird ein neues, sicher mehr als unerwartetes hinzukommen und zunächst vordergründig sein.

In der Hoffnung auf interessierte Leserschaft und Resonanz sende ich euch an dieser Stelle schon mal liebe Grüße.

Rahja

………………………………………………………………….

Sie freute sich sehr auf ihren Ausflug nach Inverness, während sie eine kleine Reisetasche im Kofferraum ihres Autos verstaute, in ihr Fahrzeug stieg, den Motor startete und schließlich davon brauste.

Schon als Kind hatte sie sich brennend für die Geschichte Schottlands interessiert, die ihr von ihrem Vater nahegebracht wurde, der als Dozent an einer renommierten Universität in Aberdeen tätig war.

Als sie schließlich ihren Schulabschluss in der Tasche hatte und wählen konnte, was sie studieren wollte, entschied sie sich dafür in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten und, ebenso wie er, Geschichte zu studieren, jedoch auch Gälisch zu lernen, die Sprache ihres Volkes. Eben jene Sprache, die von den Engländern zu sprechen verboten wurde, nachdem der letzte Jakubitenaufstand niedergeschlagen wurde, die Armee der Rotröcke siegte und sich die schottischen Clans nicht nur der ungeliebten Krone rückhaltlos unterwerfen, sondern auch hinnehmen mussten, dass ihnen das Tragen der Plaids und Kilts in den historischen Tartans untersagt wurde, ebenso wie der Besitz von Waffen jeglicher Art.

Der Tag zeigte sich von seiner besten Seite. Die Sonne schien warm auf Schottland herab und der Himmel war blau, ohne dass Wolken die gleißende Sonne verdeckten.

Nach etwa zweieinhalb Stunden erreichte sie ihr Ziel, checkte in ihrer vorgebuchten Unterkunft ein, machte sich ein wenig frisch und verließ danach stehenden Fußes die Pension.

Sie lenkte ihr Auto gen Craig na dun, parkte dieses ab und begab sich zu Fuß  zum antiken Steinkreis, der zum wiederholtem Mal ihr heutiges Ziel war.

Schon mehrfach war sie hier gewesen, früher mit ihrem Vater, später allein, während ihres Studiums. Und bei jedem ihrer Besuche hatte sie zunehmend das Gefühl gehabt, dass dies ein magischer Ort war, der sie zu sich rief und mit ihr sprach, wenn sie auch niemals verständliche Worte vernahm.

Auch am heutigen Tag war es, wie es schon oft gewesen war.
Gleich nachdem sie den Steinkreis betreten hatte, hatte sie das Gefühl in einen Gewittersturm geraten zu sein, nur dieses Mal heftiger als jemals zuvor. Trotz blauen Himmels zuckten Blitze um sie herum, drang Donnergrollen an ihre Ohren und verdunkelte sich der Himmel über ihr.

`Was geht hier vor?´, dachte sie, während sie sich taumelnd und Halt suchend am größten Stein abstützte, um nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Nur Sekunden später brach sie zusammen und blieb ohnmächtig liegen.

Als sie wieder erwachte hatte die Sonne den Zenit längst überschritten und die Bäume um sie herum warfen lange Schatten.

Stöhnend griff sie sich an den Kopf, richtete sich schließlich auf und blickte blinzelnd um sich.  
Noch immer standen stumme Steinstehlen um sie herum, wehte eine leichte Brise über die Landschaft der schottischen Highlands hinweg, und dennoch war irgendwie alles ganz anders.    
Zunächst konnte sie keineswegs reflektieren was genau so anders war. Doch Sekunden später wurde ihr klar, dass die Luft, warum auch immer, würziger roch und die Natur um sie herum üppiger und absolut unberührt anmutete.            
Warum das so war konnte sie sich ums Verrecken nicht erklären, zumindest nicht rational. Und so suggerierte sie sich ein, dass sie dies nur so empfand, weil sie kurzzeitig nicht nur körperlich, sondern auch mental weggetreten war.

Sie zuckte erschrocken zusammen, als sie nun die Stimme einer Frau vernahm: „Herzlich willkommen, Alison. Ich habe dich schon erwartet.“

`Wie jetzt, herzlich willkommen?´, dache sie, drehte ihren Kopf in Richtung der Stimme und erblickte schließlich eine Frau mittleren Alters, die unweit von ihr auf dem Boden hockte und ihr freundlich lächelnd ins Antlitz blickte.  

Wie von der Tarantel gestochen sprang sie auf, musste jedoch kurz darauf wieder klein beigeben, weil ihr schwindlig wurde und sie sich aufgrund dessen keineswegs auf den Beinen halten konnte, sondern im nächsten Augenblick zurück aufs Hinterteil fiel.

Erst jetzt reflektierte sie, dass die fremde Frau sie mit ihrem Namen angesprochen hatte.

„Woher wissen Sie wie ich heiße?“, wollte sie nun wissen.

„Deine Ankunft wurde mir geweissagt“, bekam sie stehenden Fußes und äußerst ruhig zu hören.

„Aha“, entfuhr es ihr, während sie sich wieder aufrappelte, sich vor der fremden Frau aufbaute und dann wissen wollte: „Wer, verdammte Scheiße, ist für diesen bizarren Scherz verantwortlich? Steckt Peter hinter all dem? Ich habe es echt satt von diesem Arsch auf die Schippe genommen zu werden, nur weil es mir gegen den Strich geht, dass Schottland eine andere Historie hätte haben können, wenn …..ja wenn….. was auch immer.“

„Ich kenne keinen Peter, Kindchen“, antwortete die Angesprochene ruhig.

„Okay, dann ist dieser Arsch vielleicht nicht für diesen Joke verantwortlich“, geiferte sie. „Wer dann?“

„Gott ist mein Zeuge. Ich weiß wirklich nicht worauf du hinaus willst“, wurde ihr auch weiterhin ruhig entgegnet.

„In Ordnung. Ich ergebe mich und werde nicht mehr weiter darauf dringen in Erfahrung zu bringen, wer mich hier und jetzt für dumm verkaufen und mich verarschen will“, entfuhr es Alison mehr als wütend. „Gehabt Euch wohl. Ich bin dann mal weg.“

Sie verließ den Steinkreis und begab sich in Richtung ihres Autos, welches sie jedoch nicht dort vorfand, wo sie es abgeparkt hatte.

„Verdammte Scheiße“, fluchte sie und schwor sich im Stillen Peter, ihrem langjährigen Kommilitonen und Freund, zum Eunuchen zu machen, sobald sie ihn wieder in die Finger bekommen würde. Denn noch immer war sie davon überzeugt, dass eben jener ihr so übel mitgespielt hatte, um sich später, ob seiner Verarsche, schief lachen zu können.

`Gut´, dachte sie, `Mein Auto ist weg, dann rufe ich mir eben ein Taxi. Scheiß auf dich, Peter!´

Sekunden später klaubte sie ihr Mobile aus der Tasche, musste jedoch feststellen, dass sie keinerlei Empfang hatte.
Egal wie oft sie ihren Standort wechselte und wie hoch sie ihr Handy in den Himmel hob, die erlösenden Balken erschienen keineswegs auf dem Display.

Schließlich gab sie es auf und kehrte zurück zum Steinkreis.

Völlig perplex und desillusioniert trat sie vor die Frau, die sie hier am Craig na dun freundlich in Empfang genommen und ganz offensichtlich sehnsüchtig erwartet hatte.

„Wo, verdammte Scheiße, ist mein Auto? Und wieso, verflucht nochmal, hat mein Handy hier keinen Empfang?“

„Wo du dich befindest, das weißt du“, bekam sie ruhig zu hören. „Doch bist du dir auch im klaren darüber WANN du bist?“

„Was soll das heißen? Wann bin ich denn?“

Was sie kurz darauf zu hören bekam verschlug ihr die Sprache und ließ ihre normale Ventilation in Schnappatmung übergehen, während sie die Bekleidung der Frau, die ihr gegenüberstand, tatsächlich aufs achtzehnte Jahrhundert datierte.

Im Laufe ihres Studiums hatte sie nicht nur unumstößliche Fakten gelehrt bekommen, sondern wurde auch mit Mythen und Sagen gefüttert, deren Wahrhaftigkeit niemals erwiesen werden konnten. Wenn auch jeder Dozent an ihrer Uni in Aberdeen stets verlauten ließ, dass in jedem Mythos ein Quäntchen Realität steckt, ebenso wie in Grimms Märchen, die, aller Wahrscheinlichkeit nach, nicht nur Märchen waren, sondern auch Wahrheiten widerspiegelten, so fiel es ihr dennoch mehr als schwer den Beteuerungen ihrer Lehrer wahrhaft Glauben zu schenken.    
Und somit wehrte sie sich gegen den Gedanken, dass ihr tatsächlich zuteil geworden war, was jeglicher Rationalität und jeglicher Logik zuwider handelte, weil nicht sein darf, was nicht sein soll, absolut nicht sein kann.    

`Wer bestimmt was nicht sein darf, doch letztlich auch sein kann, weil es jemanden gibt, der dieses KANN durchzusetzen und aus einem Eventuell eine gegebene, unumstößliche Realität zu schaffen vermag?´, ging es ihr durch den Kopf, während sie langsam zu begreifen begann, dass hier und jetzt, inmitten eines magischen Steinkreises, ein Mythos, dem sie stets skeptisch gegenüber stand, zur Realität geworden war.

Und im nächsten Augenblick wusste sie mit Bestimmtheit, dass ihr Schicksal erbarmungslos zugeschlagen hatte und sie sich diesem keineswegs zu entziehen vermögen würde. Egal wie sehr sie sich diesem zur Wehr setzen würde, die Weichen waren gestellt und würden sie genau dorthin führen, wohin sie ihre Vorsehung treiben wollte. Wenn sich ihr auch noch nicht erschloss was zu ändern ihr obliegen würde und wie genau, so wusste sie dennoch instinktiv, dass ihr Erscheinen, ihre Reise ins 18. Jahrhundert, von größter Bedeutung und Wichtigkeit war, für ihre Heimat, für Schottland.

Mittlerweile hatte sich die Frau, die ihren Namen kannte, erhoben, stand nun unmittelbar neben ihr und ließ verlauten: „Es wird jetzt Zeit, Kindchen. Wir müssen langsam aufbrechen, wenn wir am morgigen Tag unser Ziel erreichen wollen. Ich habe dir standesgemäße Kleidung mitgebracht und werde dir beim Umkleiden behilflich sein.“

„Bevor ich mich hier in sogenannte standesgemäße Bekleidung werfen lasse, würde ich gern in Erfahrung bringen wer Sie sind, wie Sie heißen und wohin Sie mich bringen werden“, geiferte Alison und trat einen Schritt zurück, einerseits entschlossen ihr Schicksal abzulehnen und dahin zurückzukehren wo sie hergekommen war, doch andererseits auch neugierig darauf wohin sie ihre sogenannte Vorsehung treiben würde.  

„Natürlich. Bitte verzeih mir, dass ich mich noch nicht vorstellte. Mein Name ist Rona. Ich bin Heilerin und Seherin auf Dunvegan Castle. Und eben dorthin werde ich dich bringen. Ich bitte dich nochmals um Verzeihung, ob meiner Unhöflichkeit. Doch ist dies nur meiner Aufregung geschuldet, dass du nun tatsächlich hier erschienen bist, um Träume wahr werden zu lassen und Schicksale und Geschicke zu ändern und darüber hinaus Intrigen zu untergraben und neue zu schmieden, für die du den Grundstein legen wirst, um Schottland und deren Bewohner zu retten, vor den Beschneidungen der ungeliebten Krone“, bekam sie zur Antwort.  
Und im nächsten Augenblick griff Rona nach einem Bündel, welches ihr zu Füßen lag, und brachte zum Vorschein worin sie Alison zu kleiden gedachte.

„Freut mich sehr Ihre Bekanntschaft zu machen“, quetschte Alison zwischen den Zähnen hervor, während sie nun begann sich aus ihren Sneakers, ihrer  Jeans, ihrem Tanktop und letztendlich aus ihrem BH zu pellen. Nur ihren filigranen Hippster ließ sie an, was ihr einen äußerst schiefen Blick von Rona einbrachte.

„Muss ich den auch ablegen?“, fragte sie schließlich ungläubig.

„Was immer das ist, das auch, Kindchen“, bekam sie zu hören. „Und bitte lass die Förmlichkeiten weg! Vom heutigen Tag an bin ich deine Tante, die dich wohlwollend aufzunehmen gedenkt, nachdem deine Mutter, meine Schwester, Gott hab sie selig, das Zeitliche segnete und mir auftrug über ihr einziges Kind zu wachen und diesem ein neues Zuhause zu geben.“

„Was ist, wenn ich dieses Zuhause nicht will, wenn ich nicht hier bleibe, sondern stattdessen…………….?“, hob Alison zu reden an, wurde jedoch vehement unterbrochen, mit den Worten: „Natürlich kannst du jederzeit in deine Zeit zurückkehren, wenn du willst sogleich. Doch dann wird Schottland dem Untergang geweiht sein, wird sich jeder Schotte alsbald wünschen niemals geboren worden zu sein, wirst du niemals so geliebt werden, wie du es dir immer erträumtest.“

„Wenn ich hier bleibe, dann werde ich geliebt werden, so wie ich es mir immer erträumte?“

„Aye. Und noch viel mehr“, bekam sie zu hören, während Rona nun begann sie einzukleiden, mehr als sicher, dass ihr letztes Argument auf fruchtbaren Boden gefallen war.

Während Alison es geschehen ließ, dass sie ein regelrechtes Zwiebeloutfit verpasst bekam, ließ sie ihre bisherigen Beziehungen Revue passieren und musste feststellen, dass keiner ihrer Freunde oder Liebhaber es jemals vermocht hatte sie dauerhaft an sich zu binden. Entweder stellte sich irgendwann heraus, dass sie diesen intellektuell haushoch überlegen war, oder dass sie schlecht im Bett waren, oder, was noch viel schlimmer war, beide negativen Komponenten ineinander verkörperten und zu allem Überfluss auch noch verheiratet waren, mit einem Arsch voll Kinder im Nacken.  
Und diese Tatsache verschaffte ihr jedes Mal die Gewissheit, dass der dämliche Spruch *Die besten sind immer schon vergeben oder schwul* absolut der Wahrheit entspricht.

`Werde ich wirklich hier in der Vergangenheit auf Mister Right treffen?´, ging es ihr durch den Kopf, während Rona ihr eine braune „Wurst“ um die Hüften band, anschließend einen bodenlangen Rock darüber warf, ihr danach mit einem Korsett die Luft abschnürte und sie letztlich obenherum mit Stoff bedeckte.

Zu guter Letzt steckte sie Alison das kastanienbraune Haar hoch, betrachtete lächelnd ihr Werk und ließ verlauten: „Du siehst bezaubernd aus, Kindchen. Ich bin mir mehr als sicher, dass ER sich stehenden Fußes in dich verlieben wird. Und wenn dies geschieht, dann ist Schottlands Zukunft gerettet.“

`Dein Wort in Gottes Gehörgang´, dachte die Zeitreisende wider Willen, während sie den Kopf umdrehte, einen Blick auf ihre Kehrseite warf und missmutig feststellte, dass sie nun einen regelrechten Entenarsch hatte.  

`Nun ja´, ging es ihr dabei durch den Kopf, `wenigstens kann es mir nun nicht mehr passieren, dass sich filigraner Stoff in meine Arschritze klemmt, bei Wind von hinten. Welche Frau kennt das nicht? Sommer, Sonne, Sonnenschein, Stringtanga unterm Kleid. Wind kommt auf und sorgt dafür, dass sich besagtes Kleid in der Arschritze verklemmt und herausgeklaubt werden muss. Bei heftigem Sommerwind sogar mehrfach. Diese Peinlichkeit werde ich nun nie mehr über mich ergehen lassen müssen, da eine umgeschnallte Wurst dies zu verhindern vermag. Halleluja und Gott sei es gedankt.´

Wenige Minuten später wurde sie von Rona genötigt auf ein Pferd zu steigen und ihr zu folgen, hin zu jenem Ort und hin zu jenem Mann, der unwiderruflich ihr Schicksal sein sollte, dem zu begegnen sie nun mehr als gewillt war.

Ihr tat nicht nur die Kehrseite weh, als sie nach Ankunft am Ziel vom Pferd stieg, sondern auch ihr Rücken, der es nicht gewohnt war auf hartem Boden zu campieren, was ihr jedoch in der letzten Nacht nicht erspart geblieben war.

Im Hof des Castels herrschte reges Treiben. Frauen allen Alters liefen hin und her, lachend und scherzend, trugen Tiegel mit Suppe heran, drehten Spieße mit Wildbret über diversen Feuern, sangen Lieder und juchzten laut lachend auf, wenn ihnen männliche Exemplare ans Gesäß griffen, während sie knusprige Brotleiber aufschnitten.

„Was geht hier vor?“, wollte Alison von Rona wissen.

„Heute ist Vergatterung, Kleines“, bekam sie zu hören. „Und daher wird es ein großes Fest geben.“                                                                                    

´Vergatterung´, dachte Alison, während sie Rona folgte, ´die gibt es auch noch im einundzwanzigsten Jahrhundert, beim Militär. Verbindlicher Treueschwur eines Untergebenen seinen Befehlshabern gegenüber.´

Auf einer Balustrade machte Rona schließlich halt, wies mit der rechten Hand in den Hof der Feste hinunter und ließ verlauten: „Männer. Wann werden sie jemals erwachsen? Eigentlich wollte ich dich jetzt dem Laird dieser Feste und dessen Söhnen vorstellen, doch sieht es so aus als würden sie wieder einmal das Kind im Manne rauslassen wollen. Nun gut, dann werde ich dich dem MacLeod erst später auf dem Bankett vorstellen.“

Fasziniert schaute Alison in den Hof hinunter. Die Männer spielten Shinty, gälisch camanachd, ein Spiel, das es selbst in ihrer Zeit noch gab, jedoch mit Regeln, die hier in dieser Zeit offensichtlich noch nicht festgelegt waren. Hier war alles erlaubt, selbst mittels Schläger aus der Körpermitte des Gegners Rührei zu machen.

„Wer spielt da? Ist auch der Laird dieser Feste dabei?“, wollte sie wissen.

„Klar, nebst eigenen Söhnen und dem Zweitgeborenen des MacKenzie, Dougal. Der Erstgeborene, Colum, der den Clan eines Tages anführen wird ……nun ja,  ist derjenige, der am Rande des Geschehens steht, da er nicht mitmischen kann“, antwortete Rona, während sie sich auf die Zunge beißen musste, um den Erben des benachbarten Clans nicht als Krüppel zu bezeichnen, wenn er das auch war.

Während Alison in den Hof hinab schaute, noch immer äußerst fasziniert, zog ein Mann dort unten sie absolut in Bann. Und als dieser schließlich innehielt, das Spiel für sich unterbrach und zu ihr aufschaute, wusste sie mit Bestimmtheit, während ihr und sein Blick sich trafen, dass sie ihrem Schicksal folgen und hier stranden, hier verbleiben würde, in einer Zeit, die nicht die ihre war, sie jedoch vehement hierher rief, um Veränderungen herbeizuführen, die ihrem Volk in der Zukunft äußerst zuträglich sein würden.

……………………………………………………………………….

Mehr als missmutig stieg Dougal MacKenzie auf sein Pferd, warf einen Blick über seine rechte Schulter und rief seinem Neffen, der sich soeben von seiner Frau verabschiedete, zu: „Du sollst sie küssen, nicht verschlucken!“

Es ging dem Hauptmann absolut gegen den Strich, dass er Burg Leoch auf Geheiß seines Bruders verlassen und in seine eigenen Ländereien, auf seinen eigenen Wohnsitz zurückkehren sollte, um dem Laird der MacKenzies aus dem Weg zu sein, zumindest vorübergehend, eine Frau zurücklassen müssend, die zu lieben er zugegeben hatte, und die sein Kind in sich trug.

Maura, seine ihm angetraute Ehefrau war gestorben. Und natürlich musste er ihr die letzte Ehre erweisen, wenn sie und ihn auch niemals innige Liebe verband.  
Nach all den Jahren wusste er nicht mal mehr, was ihn dazu bewogen hatte ihr vor Gott das Ja – Wort zu geben, einer Frau, die nicht einmal ein Blinder als schön bezeichnen würde.
Trotz allem waren sie intim miteinander gewesen, was die Geburt von vier Töchtern bezeugen konnte.              
Vier Töchter, kein Sohn, der seine Blutlinie weiterführen könnte. Kein Sohn, den er alles hätte lehren können, was ein kraftvoller Krieger der MacKenzies wissen und können muss, um den verhassten Rotröcken die Stirn bieten und dafür kämpfen zu können, dass irgendwann ein Stuart wieder den Thron besteigt.

Nach nur einem Tag Reise hatte er Jamie, seinem Neffen, gestattet umzukehren, da diesen das Gefühl beschlich, dass Claire ein Leid widerfuhr und er sie retten müsse.

Er selbst setzte seine Reise fort, in Begleitung zweier seiner Befehlsempfänger, bis zum  Erreichen des Ziels.

Die Begrüßung seiner Töchter entbehrte jeglicher Herzlichkeit, kannten doch Molly, Tabitha, Margret und Eleanor ihren Vater nur sehr wenig, da dieser hier kaum anwesend war und sich nur wenig um sie und ihre Mutter gekümmert hatte. Trotz allem bemühte sich Dougal darum seinen Töchtern zu zeigen, dass sie ihm wichtig waren und der Tod ihrer Mutter ihm naheging.

Doch schon einen Tag nach der Beerdigung bröckelte die aufgesetzte Fassade und hielt es ihn nicht länger auf seinen Ländereien. Und so verließ er sang und klanglos seinen Wohnsitz.

In den nächsten Wochen steuerte er nacheinander die umliegenden Ortschaften an, ließ sich in diversen Schänken volllaufen und kehrte in jedes Freudenhaus ein, das die von ihm besuchten Dörfer zu bieten hatten, immer mit den Worten seines Bruders im Ohr, der ihn, nachdem Jamie und Ned Gowan den Raum verlassen hatten, angewiesen hatte noch zu bleiben.

„Geh und bring deine Frau unter die Erde, Bruder! Vögel alles was sich dir willig hingibt! Doch wenn du bereit bist hierher zurückzukehren, um deinem Treueeid mir gegenüber auch weiterhin nachzukommen und der Hauptmann meiner Truppen zu sein, dann wirst du tun was ich dir sage! Dann wirst du erneut heiraten und die Frau ehelichen, die ich für dich auserkor, sesshaft werden und aufhören herumzuhuren und Bastarde zu zeugen!“

Nach mehreren Wochen Abwesenheit kehrte er schließlich nach Burg Leoch zurück, bereit sich sowohl seinem Bruder als auch seinem Schicksal zu stellen, nicht ahnend, dass sich seinem Schicksal zu stellen mehr von ihm abverlangen würde, als all das, was er sich jemals in seinen dunkelsten Träumen ausgemalt hatte.

Kurz nach seiner Ankunft empfing ihn sein Bruder, mit den Worten: „Es freut mich sehr, dass ich dich hier wieder begrüßen darf, Bruder, du mit deinem Erscheinen erneut deine Treue mir gegenüber bekundest und offensichtlich gewillt bist dich meinen Anordnungen zu unterwerfen. Deine von mir auserkorene Braut ist bereits eigetroffen und wurde in den ehemaligen Gemächern unserer Mutter untergebracht. Ich schlage vor, dass du dich unverzüglich zu ihr begibst, ihr deine Aufwartung machst und dich als ihren zukünftigen Ehemann vorstellst.“

„Aye“, brachte Dougal nur heraus, während er sich mehr als gedemütigt fühlte und es ihn danach gelüstete seinem Bruder den Hals umzudrehen.

Mit schleppenden Schritten begab er sich zu den Gemächern, die seiner Braut zur Verfügung gestellt wurden, schwer darauf gefasst, dass er sich in Kürze einer Frau gegenübersehen würde, die fernab seines Ideals sein und damit seine Eier auf die Größe von Rosinen schrumpfen lassen, während sich sein Schwanz nach innen ziehen würde.

Dass beides eintreten würde, jedoch nicht weil besagte Frau alt und hässlich war, wie er annahm, ahnte er nicht im geringsten, während er um Einlass bittend an die Tür ihrer Gemächer klopfte.

„Herein!“, drang sogleich an seine Ohren.

Kurz nachdem er eingetreten war stockte ihm förmlich das Blut in den Adern.
Zwar durfte er nicht ins Antlitz seiner Braut schauen, da diese ihm, am Fenster stehend, den Rücken zuwandte. Und dennoch erkannte er wen er hier vor sich hatte, anhand des kastanienbraunen Haares, das jener, offen gehalten, bis an die Hüften reichte und an deren Statur und Körperhaltung.

„Nein!“, entfuhr es ihm. „Von allen Frauen dieses Landes hat dieser verdammte Mistkerl ausgerechnet die für mich ausgesucht, an die ich niemals Hand anlegen würde, niemals Hand anlegen könnte. Mein Gott, Alie, ich …ich…“

Hier versagte dem Hauptmann die Stimme, während er die Arme vor der Brust verschränkte, sich seine Augen tatsächlich mit Tränen füllten und er betreten zu Boden sah.
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