Hide and Seek

GeschichteDrama, Thriller / P16
Chin Ho Kelly Danny "Danno" Williams Grace Williams Kona "Kono" Kalakaua Rachel Steve McGarrett
29.10.2019
31.10.2019
6
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Grace

„Grace? Kannst du das bitte wiederholen?“ Die strenge Stimme meines Vertretungslehrers ließ mich von meinem Handy aufsehen.

Schnell schob ich das Telefon unter meine Schulsachen und hoffte, dass er es nicht bemerkt hatte. Oh, Mist!

Auffordernd blickte er mich an. Ich fühlte mich ertappt. Sofort schoss das Blut in meine Wangen und ich lief rot an. Natürlich hatte ich ihm nicht zugehört.

Ermahnend hob er seinen Zeigefinger und öffnete den Mund um etwas zu sagen, schloss ihn aber sofort wieder. Ich schluckte leicht und sah ihn entschuldigend an.

Professor McNeal wandte sich mit einem Seufzten wieder seinen Gleichungen zu, welche er an die Tafel gekritzelt hatte.

„Pssst…Grace“, zischte meine Sitznachbarin. Unauffällig schwenkte ich meinen Blick zu ihr. Fragend sah ich sie an.
Ich wollte unseren Mathelehrer wirklich nicht noch mehr verärgern.

Lucy lächelte mich schief an und schob mir einen gefalteten Zettel rüber. Zögernd nahm ich ihn an und versteckte ihn in meiner Hand, welche ich schnell zu einer Faust schloss, als unser Lehrer seinen Blick wieder prüfend durch die Klasse gleiten ließ.

Ein flüchtiger Blick auf die Uhr verriet mir, dass in wenigen Sekunden die erlösende Pausenglocke ertönen würde. Wie auf Kommando klingelte es und die Schüler erhoben sich von ihren Plätzen.

Stühle wurden gerückt und Pläne für die Pause geschmiedet. Ich war so in meinen Gedanken vertieft gewesen, dass ich den fast leeren Klassenraum gar nicht bemerkt hatte.

Mir fiel der Zettel in meiner Hand wieder ein und faltete ihn neugierig auseinander. Als ich die Nachricht las, schmunzelte ich leicht. Lucy hatte eine sehr böse Bemerkung über unserem Vertretungslehrer gemacht.

Ach, Lucy. Sie hatte wirklich ein loses Mundwerk, aber das Geschrieben hätte sie sich nie getraut zu sagen.

Plötzlich wurde mir der Zettel aus der Hand gerissen und schlagartig fiel das Lächeln aus meinem Gesicht. Ich starrte entsetzt in die weit aufgerissenen Augen meines Lehrers. Oh verdammt. Heute war nicht mein Tag.

„Das hat ein Nachspiel, junge Dame!“, presste er zwischen seinen Zähnen hervor und packte mich grob am Arm. Ich wollte protestieren, doch mein Lehrer ließ mir keine Chance dazu.

Er zog mich auf die Beine und schleifte mich ins Sekretariat. Er drückte mich auf einen Stuhl und gab mir die Anweisung zu warten.

In wenigen Minuten würde ich eine Audienz beim Direktor haben. Augenrollend ließ ich mich in den unbequemen Stuhl zurückfallen. Minuten vergingen und noch immer saß ich auf diesen verdammten Stuhl.

„Entschuldigen Sie, Mrs. Blake? Meine Pause ist fast um und ich müsste jetzt dann wieder in den Unterricht zurück“ Vorsichtig stand ich auf und näherte mich der Schulsekretärin.

Fragend erhob sie ihren Blick von ihren Unterlagen. „Grace, der Direktor braucht noch ein paar Minuten. Sei ein artiges Mädchen und setzt dich wieder hin“ Sie deutete auf den Stuhl hinter mir und drehte sich wieder zu ihren Akten.

„Sei ein artiges Mädchen“, äffte ich sie kaum hörbar nach und ließ mich niedergeschlagen auf den Sessel fallen.

Im gleichen Moment wurde die Tür zum Direktor geöffnet und Professor McNeal kam mit einem kleinen, fast unscheinbaren Lächeln heraus. Er rückte seine Krawatte zurecht und warf mir beim Vorbeigehen einen vernichtenden Blick zu. Er deutete mir ihm zu folgen.

Leicht zögernd stand ich wieder auf und folgte meinem Lehrer. Wieso hatte er seine Meinung geändert? Musste ich doch nicht mehr zum Direktor?

„Professor McNeal! Es tut mir ehrlich leid. Ich hätte das nicht schreiben dürfen. Es war nicht in Ordnung von mir und es tut mir wirklich leid“ Er blieb stehen und drehte sich um.

„Vielen Dank für deine Entschuldigung, aber der Direktor hat bereits deine Eltern über diesen Vorfall informiert“ „Aber ich…“ „Zurück in deine Klasse, Grace! Wir sehen uns heute beim Nachsitzen!“

Na super. Meine Eltern würden mich umbringen. Ich wusste nicht auf welche Standpauke ich mehr gefasst sein sollte.

Die Stunden vergingen und als die Glocke den Schulschluss ankündigte, konnten die Schüler gar nicht schnell genug aus der Klasse verschwinden um ins Wochenende zu starten. Nur ich nicht. Ich blieb auf meinem Stuhl wie angeklebt sitzen.

„Danke, dass du mich nicht verraten hast. Es tut mir total leid, dass du wegen mir Ärger bekommst“, bedrückt strich Lucy mir über die Hand. Ich lächelte sie leicht an.

„Schon gut, Lucy. Dafür sind Freunde da“ Sie erwiderte das Lächeln zögernd und ging ebenfalls. Ich schaute auf die Uhr und verzog das Gesicht. Zwei Stunden musste ich nachsitzen. Ich hatte so gar keine Lust darauf.

Die Tür wurde aufgerissen und ein mir fremder, junger Mann kam herein. Als sich unsere Blicke trafen, lächelte er leicht.

„Bist du Grace? Grace Williams?“
„Ähm, wer will das wissen?“, gab ich zögernd zurück. „Ich bin Zac“ Lächeln kam der braunhaarige Mann auf mich zu und streckte mir seine Hand entgegen. Unsicher schlug ich ein und lächelte zurück.

„Musst du nachsitzen?“ „Gut erkannt, Sherlock“ Ich lachte kurz sarkastisch auf. Was für ein Genie. „Willst du hier raus?“ Er zwinkerte mir verführerisch zu und setzte sich auf meinen Tisch. Das Genie wurde langsam interessanter.

„Und wie soll das gehen? Ich will nicht noch mehr Ärger…“ „Ach, ist das so?“ Er verschränkte die Arme vor der Brust und lächelte schief auf mich herab.

„Lucy hatte gesagt, dass du viel taffer wärst“ „Lucy? Meine Lucy?“, verblüfft sah ich ihn an. „Ja, deine Lucy. Ich glaub, dass du den Nervenkitzel genießt, oder irre ich mich?“

Ich antwortete nicht darauf. Er ließ die Augen im Raum kreisen und blieb an der Uhr hängen. „Also, Gracie…“ „Nenn mich nicht so!“, zischte ich ihn an.

Abwehrend hob er die Hände hoch und grinste mich kurz an. „Ganz ruhig, Tiger!“ Er stand auf und schritt zur Tür. Er warf einen flüchtigen Blick in den Flur.

„Also, kommst du mit oder bleibst du lieber hier und verbringst deinen Nachmittag mit McNeal“ Er betonte den Namen des Lehrers mit einem extra angewiderten Ton.

„Ich kenn dich nicht. Wieso sollte ich mit dir mitgehen?“ „Weil du den Nervenkitzel suchst, Schätzchen. Lucy hat mit erzählt, dass du den ganzen Ärger auf dich genommen hast. Warum also solltest du das tun, wenn es dir nicht eigentlich Spaß macht?“

„Spaß? Du findest, dass Nachsitzen Spaß macht?“, sarkastisch lachte ich auf. Er hatte sie nicht mehr alle! „Du bist verrückt, Zac“

„Nein, also Nachsitzen macht niemanden Spaß, das weiß ich auch. Aber du willst nicht immer das brave Mädchen sein das alle in dir sehen. Du willst einmal was Verbotenes machen, hab ich recht oder hab ich recht?“ Selbstsicher funkelte er mich an.

Ich rang mit mir selbst. Ich wollte eigentlich wirklich nicht noch mehr Ärger haben. Aber andererseits, war es doch jetzt auch schon egal. Die Worte der Schulsekretärin flogen in meinem Kopf hin und her „Sei ein artiges Mädchen, Grace!“ Ein artiges Mädchen. Genau das war ich. Immer. Ein artiges Mädchen. Ach, scheiß drauf.

Bevor ich es mir anders überlegen konnte, stopfte ich meine Schulsachen in meinen Rucksack und warf ihn mir über.

Zac beobachtete mich mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht und nickte mir zu. „Was glotz du denn so?“, fuhr ich ihn an. Schnell wandte er seinen Blick ab. „Sorry, ich find dich einfach süß“ Er zwinkerte mir zu und packte mich am Arm.

„Na los, gehen wir, bevor du doch noch zur Vernunft kommst!“ Mit schnellen Schritten und einem Lächeln auf den Lippen verließen wir die Schule.
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