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Happy Birthday, Reacher!

von Ririchiyo
KurzgeschichteFreundschaft / P6
Jack Reacher OC (Own Character)
29.10.2019
29.10.2019
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Happy Birthday, Reacher!


Als Reacher den Raum betritt, fällt sein Blick beinahe sofort auf einen Neuankömmling, der zwischen einigen seiner Kollegen gar nicht so weit von ihm entfernt an einem Tisch steht.
Die Frau ist auch kaum zu übersehen. Beinahe so groß, wie er selbst es ist, beide Hände in ihren Hosentaschen vergraben, und angesichts dessen, dass sie keine Jacke trägt, und auch sonst nichts außer einem Ärmellosen Oberteil, sind auch die Muskeln unmöglich zu ignorieren. Etwas, was sie nur auffälliger macht, selbst an einem Ort wie diesen, wo Soldaten immerhin täglich ein und ausgehen. Und sie ist sicherlich nicht die Einzige, die so aussieht, aber sie ist die Einzige, die so auftritt, und er merkt, dass außer ihm auch andere starren. Was wohl nicht weiter verwunderlich ist.
Im Gegensatz zu den anderen ist er allerdings einen Schritt weiter: Er weiß, um wen es sich handelt. Das letzte Mal, als sie sich gesehen haben, hatte sie noch längere Haare, aber jetzt sind sie sogar noch kürzer, als seine. Was wirklich etwas heißen will. Dennoch erkennt er sie sofort. Sie ist niemand, den man einfach vergessen könnte. Egal, wie lange es her ist. Und er vergisst ohnehin niemals ein Gesicht.
„Spencer.“ Er tritt näher, und kann genau sehen, wie sie den Rücken durchdrückt, und das Kinn leicht hebt, bevor sie sich zu ihm umdreht. Sie wirkt automatisch noch ein wenig größer, obwohl sie es ganz bestimmt nicht ist. Auf ihren Lippen liegt ein Lächeln, das er nur zu gut kennt. Selbstsicher, und so überzeugt von sich selbst, dass er wohl an keiner ihrer Aussagen zweifeln würde, wenn sie die Stimme erhebt. Und außerdem dieses gewisse Leuchten in ihren Augen.
„Jack“, gibt sie zurück, und nickt einmal. Wie immer findet er sie befremdlich. Es könnte daran liegen, wie freundlich ihre Stimme klingt, wie sehr sie klingt, als würde sie lachen, obwohl sie es nicht tut, und dass er sieproblemlos für ein Elternteil halten würde, wenn er sie irgendwann einmal mit einem Kind zusammen sieht, obwohl er weiß, was sie von solchen Dingen hält, aber vermutlich liegt es doch eher daran, dass er außer ihr noch nie einen Menschen getroffen hat, der ihn so beständig beim Vornamen nennt. Nicht einmal seine Mutter kommt auf den Gedanken, aber sie tut es, als wäre es das Natürlichste der Welt. Was ihn nicht wundern würde, es gibt solche Menschen, aber angesichts dessen, dass sie sich selbst auch nur mit ihrem Nachnamen ansprechen lässt, ist es doch ein wenig merkwürdig. „Was für eine wundervolle Überraschung“, spricht sie weiter, hebt eine Hand, und klopft ihm auf den Rücken. Er ist für einen Moment wirklich froh, dass sie diese Geste nicht jedem Gegenüber zeigt, denn er ist sich doch recht sicher, dass nicht jeder der Kraft so ohne weiteres standhalten könnte. „Tut wirklich gut, dich zu sehen. Ich habe erst vorhin an dich gedacht.“ Wenn überhaupt möglich, wird ihr Grinsen noch etwas breiter.
„Wie das?“, möchte er wissen.
Sie zuckt mit den Schultern, und zieht ihre Hand zurück. „Ach, du weißt schon, dies und das.“ Sie runzelt die Stirn, und scheint für einen Moment durch ihn hindurch zu sehen. „Hattest du nicht bald Geburtstag?“ Nun ist es an ihm, mit den Schultern zu zucken. Hat er, ja, heute, aber wirklich wichtig ist es ihm nicht. Ihr wohl auch nicht, denn sie geht gar nicht weiter darauf ein. „Zeit, mir ein wenig den Stützpunkt zu zeigen?“
„Eigentlich-“ Er denkt einen Moment darüber nach. Er hat nicht wirklich zu tun. Und auf seinem Plan steht eigentlich etwas anderes, aber ein wenig Zeit kann er immer erübrigen. Außerdem hat er sie wirklich lange nicht gesehen, sie ist unkompliziert, und vielleicht kann er mit ihr sogar über sein neustes Problem reden. Und wenn es nur ist, damit sich all das in seinem eigenen Kopf wieder ordnet. „Warum nicht“, stimmt er schließlich zu.
„Großartig.“ Schnell dreht sie sich zu dem Tisch neben sich um, und nimmt dort von einem Stuhl ein Hemd, welches sie sich überzieht, und dann eine Jacke. Auf ihre gehobene Hand hin bekommt sie ein paar gemurmelte Verabschiedungen, einige ebenfalls gehobene Hände, und ein eifriges winken von einer der jüngeren Soldatinnen, und dann dreht sie sich zu ihm, und nickt ihm zu. „Okay, ich bin so weit.“
Er seufzt, wendet sich wieder zur Tür, und tritt hinaus, sehr sicher, dass sie ihm folgen wird. So hat er sich den Abend zwar nicht vorgestellt, aber … eigentlich hat er sich den Tag gar nicht wirklich vorgestellt, und warum nicht? Könnte immerhin schlimmer sein.
Er setzt sich in Bewegung. „Wie geht‘s deinem Mann?“, fragt er beinahe automatisch, einfach, weil er sie doch gut genug kennt, um zu wissen, an was ihr liegt.
Tatsächlich. Zum ersten Mal hört er sie wirklich lachen. „Gut, wie immer.“ Gibt sie zurück. „Danke der Nachfrage.“ Er hört, wie sie stehenbleibt, und tut es ihr gleich. „Wie geht‘s Joe?“, will sie wissen.
„Keine Ahnung.“ Er hat schon lange nicht mehr von ihm gehört, und die Zeit, zu der sein Bruder ihm noch zum Geburtstag gratuliert hat, ist auch schon ewig vorbei.
Aber das weiß Spencer genauso gut, wie er. „Also alles wie immer“, hört er sie sagen. Irgendetwas stört ihn an der Art, wie sie es sagt, beinahe so, als steckt eigentlich mehr dahinter, aber als er den Kopf in ihre Richtung dreht, und er sie mit einem leichten Lächeln auf den Lippen in den Sternenhimmel starren sieht, kann er sich nicht dazu bringen, sich zu kümmern.
„Scheint so.“

(Er ist sich nicht sicher, ob er sich das gemurmelte „Happy Birthday, Jack“ nur einbildet, oder nicht, aber ignorieren tut er es so oder so.)
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