Past Temptation

KurzgeschichteAllgemein / P12 Slash
Jimin Jungkook RM Suga
29.10.2019
06.11.2019
2
3.360
 
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29.10.2019 1.115
 
Endlich eine neue Boyband, die mich aufgesaugt hat!

Diese Geschichte wird vermutlich ein kurzes Vergnügen, aber da ich beschäftigter bin, als ich gerne sein würde, werde ich versuchen, sie zumindest relativ regelmäßig in Minikapiteln upzudaten.

Viel Spaß beim Lesen!


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Yoongi hatte genug davon, in der Unterwelt zu leben. Ihm war langweilig, er wusste überhaupt nicht, wieso er dort gelandet war. Sein Körper war jung, er konnte nicht einmal an die dreißig gewesen sein, als er gestorben war.

Genervt aufstöhnend trat er von einem Fuß auf den anderen. Ihm tat jeder Schritt weh, er war erst seit kurzer Zeit hier und hatte sich noch nicht an seine riesigen Flügel gewöhnt, die er nur in der Reflexion einiger spiegelner Wände betrachten konnte. Sobald er versuchte, den Kopf über seine Schulter zu drehen, hatte er bereits die ersten Federn im Mund, also hatte er das fluchend aufgegeben. Der Anblick, den er im Spiegel erhaschen könnte, raubte ihm jedes Mal auf ein Neues den Atem. Seine Flügel waren so groß, dass sie über seinen Kopf hinausgingen und wenn er sich nicht konzentrierte und darauf Acht gab, schleiften ihre Spitzen auf dem Boden. Sie waren bauschig und glänzten dunkel, als fingen sie das Licht von außen ein und reflektierten es nur widerwillig, weil sie es am liebsten in ihren dichten Federn verstecken würden. Sie waren warm und sanft und in das tiefste, gesättigste Pechschwarz getunkt, das Yoongi sich vorstellen konnte. Schaute er zu lange auf seine Flügel, hatte er Angst, in ihnen unterzugehen und von ihnen eingefangen zu werden – er traute ihnen nicht; er hatte noch jeden Moment Angst, dass sie sich um ihn schließen und nie wieder hergeben würden. Er konnte nicht leugnen, dass sie eine Pracht waren, ein wunderbarer Anblick, der viel Blicke auf sich zog. Wenn er sich umsah, konnte er niemanden mit einem vergleichbaren Federkleid entdecken, alle Flügelpaare schienen kleiner, blasser oder ausgefranster als seine zu sein. Am liebsten würde er sie verstecken und sich gleich mit; er fühlte sich unwohl, er hatte bisher mit nur wenigen Leuten in der Unterwelt unterhalten. Er wurde toleriert, solange es noch einen Grund gab, mit ihm zu sprechen, dann wurde er wieder abgewiesen und ignoriert.

Yoongi seufzte auf. Das sollte von nun an sein Nachleben sein? Die Luft war klamm und stickig und alles war so düster, dass er kaum anders konnte, als sich neben die anderen deprimierten Menschen zu setzen und auf etwas zu warten, was nie passieren wird. Das hätte er vermutlich sogar getan, wenn er dann nicht den leeren Blicken ausgesetzt wäre, die sich starr durch ihn bohrten, sobald er neben ihnen aufkreuzte. Schließlich war er noch der Neue, dazu einer der Jüngsten hier und außerdem sowieso durch ein Missgeschick hier gelandet. Da war Yoongi sich sicher. Fast.

Während er um das hohe Gestein, das sich in der Unterwelt auftürmte, schlich und sich langsam seinen Weg zu der einzigen Treppe aus der Höhle bahnte, versuchte er ein weiteres Mal seine Gedanken und die wenigen Informationen, die er über diesen Ort ausfindig machen konnte, zu sammeln.

Was er bisher wusste, war, dass er ganz offensichtlich gestorben war, aber er konnte sich an kein Leben erinnern, das er davor gelebt haben soll. Das einzige, das ihm von seinem Dasein auf der Erde geblieben war, war sein Name, nicht einmal sein genaues Alter wusste er mehr. Er würde auch nicht mehr altern – was genau er war, das wusste er nicht, jemand hatte ihn einen „Dämon“ genannt, doch das schien ihm sehr extrem. Schließlich war er anscheinend nur hier, um einen Fehler zu bereuen oder wiedergutzumachen, den er zu Lebzeiten begannen hatte. Er schüttelte unwillkürlich den Kopf, wenn er daran dachte, dass er für etwas büßen sollte, wenn er sich beim besten Willen nicht vorstellen konnte, wofür und weshalb er nun in diesem Teil der Unterwelt auf Vergebung hoffen musste? Irgendeine Schuld, rachsüchtige Tat oder letzte Reste menschlicher Gier müssten auf ihm lasten, taten es aber nicht. Deswegen glaubt Yoongi, dass er hier nicht hingehörte. Er hätte bei den anderen in der Unterwelt landen sollen, diejenigen, die sich anscheinend am Ende der weiten Treppe befanden; alle Menschen, die gestorben waren und ihre Welt ohne Last verlassen hatten. Die Dämonen, die sich dazu erbarmt hatten, mit ihm zu sprechen, hatten Yoongi erzählt, dass auch diese Toten Flügel hätten, jedoch wären diese schneeweiß. Der Dämon hatte sie „Engel“ genannt. Daraufhin hatte Yoongi mit den Schultern gezuckt. Ihm war es egal, wie sie alle genannt wurden, denn seitdem er gehört hatte, dass manche mit weißen Flügeln in die Unterwelt kamen, fühlte er sich schmutzig und unrein. Es machte keinen Unterschied, wie stark er sich auf seine Gedanken fokussierte, formte sich kein Vorwurf in seinem Kopf, keine Schuld, die sich auf seine Schultern setzte oder seine Füße lähmte. Es muss eindeutig ein Fehler unterlaufen sein, als seine Federn schwarz gefärbt wurden.

Während er sich vorsichtig, um unentdeckt zu bleiben, doch, von seiner Neugier auf den berüchtigten anderen Teil der Unterwelt getrieben, eifrig mit dem beflügelten Rücken an der kalten Wand entlangdrückte, stolperte er über einen großen, zylinderartigen Behälter, der im Weg gestanden war. Als er sich bückte, um ihn wieder hinzustellen, sah er, dass es sich um weiße Farbe handelte. Und plötzlich kam ihm ein Einfall. Verstohlen blickte er sich um, um sicherzugehen, dass ihn niemand beobachtete, und zupfte sich eine der langen Federn aus seinem rechten Flügel. Er erschrak von dem Schmerz und musste sich zusammenreißen, um kein Geräusch von sich zu geben. Nachdem die erste Schmerzenswelle verflogen war, nahm er den Deckel vorsichtig von der Farbe und tunkte die Feder darin ein. Dann zog er sie langsam und behutsam, um keinen Tropfen zu verschwenden, aus dem Topf und strich sie über sein schwarzes Federkleid. Das machte er so lange, bis der Topf leer und seine Flügel strahlend weiß und noch schwerer als zuvor waren. Dann bahnte er sich seinen Weg zur großen Treppe; er ging langsam und tapste öfter auf der Stelle, als sich fortzubewegen, aus Angst, entdeckt zu werden. Doch als auch nach mehreren Metern niemand der Dämonen den Kopf auch nur gehoben haben, atmete Yoongi erleichtert auf. Er hatte keine schwarzen Flügel mehr, er gehörte hier nicht hin, die anderen mieden ihn. Sie schienen so desinteressiert an ihm und vertieft in ihrem eigenen, traurigen Schicksal, dass sie Yoongi fast leidtaten – das würde er auf keinen Fall aus sich werden lassen. Er würde in den anderen Teil der Unterwelt gehen und jemanden ausfindig machen, der dafür zuständig war, dass Yoongi schwarze Flügel anstatt den weißen, die er verdient hatte, trug. Und dann würde er schuldfrei im Nachleben sein können, anstatt zwischen den traurigen Seelen hier einzugehen – ehrgeizig fing er an, die Treppe zu erklimmen und wurde von niemandem aufgehalten.
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