Brennende Herzen

von Eol
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 Slash
Legolas Thranduil
28.10.2019
08.12.2019
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„Thranduil, wie fühlt es sich an, wenn man verliebt ist?“
Thranduil hob eine Augenbraue. „Keine Ahnung. Wieso fragst du?“
Legolas kuschelte sich wieder in den starken Arm und sah zum Fernseher.
„Ich glaub, ich bin verliebt.“, sagte er leise.
„In wen?“ Mit einem Mal spürte Thranduil, wie ihm heiß wurde, wie sein Herz schneller schlug, Wut staute sich in seiner Magengegend an und bildete augenblicklich ein festes Knäuel. Er sah den Omega an und seine Augen verengten sich zu kleinen Schlitzen. Sein Kiefer war angespannt.
„In dich. Aber…es ist ok, wenn du…mich nicht liebst.“, entgegnete Legolas beinahe gelassen, während er weiter unentwegt zum Fernseher sah.
Thranduil öffnete den Mund ein wenig, starrte den Omega ungläubig an.
Was hatte er da gerade gehört? Legolas war verliebt in ihn?
Liebe.
Dieses Wort hatte nie eine Rolle gespielt in seinem Leben. Er hatte nur erlebt, wie es bei Glorfindel und Lindir gefunkt hatte, wie sie sich einander immer näher kamen.
Doch er selbst hatte nie so etwas empfunden.
Und jetzt hatte er diesen hübschen Omega im Arm, der ihm gerade, aus heiterem Himmel, seine Liebe gestanden hatte.
„Ich…ich weiß nicht…“, stammelte der sonst so redegewandte, stolze Alpha. Er hatte absolut keine Ahnung, was er sagen sollte.
Legolas hob den Kopf und grinste. „Ist ok. Ich wollte nur, dass du es weißt.“
Thranduil zog die Augenbrauen zusammen. „Legolas, du hast…mir gerade etwas anvertraut, das ich ausnutzen könnte. Du hast dich…“
„Wirst du nicht. Du hast mir gesagt, du wirst mich nie verlassen und ich glaube dir. Und ich wollte ehrlich zu dir sein. Es ist ok für mich, wenn du nicht so für mich fühlst. Ich bin schließlich nur ein Omega.“
Nur?!
Als Thranduil das hörte, zog sich sein Herz schmerzhaft zusammen.
Er selbst betrachtete Omegas als minderwertig, für ihn bildeten sie die unterste Schicht der Gesellschaft, nur dazu da, benutzt zu werden.
Doch bei Legolas war das anders. Er war ein denkender, fühlender Mensch. Er strahlte Wärme und Freude aus, er erfüllte ihn mit Ruhe und Zufriedenheit.
Plötzlich spürte Thranduil, was er so nicht kannte.
Er fühlte sich…schuldig.
Schon sehr lange waren Omegas für ihn nichts weiter als bloße Objekte. Objekte, die er benutzen konnte, um Stress abzubauen. An Gesprächen, oder gar ihren Lebensgeschichten, war er nie interessiert gewesen.
Bis jetzt.
Er wollte einfach alles über Legolas wissen, jedes Detail, jede noch so kleine Kleinigkeit.
Und er wollte ihn beschützen.
Vor Menschen wie ihn selbst.
Vor Alphas, die sich einfach nahmen, was sie wollten, die es nicht interessiert, wenn ein Omega nach einer Vergewaltigung schwanger war.
Thranduil bekam eine Gänsehaut.
Er betrachtete den Omega, der sich vertrauensvoll an ihn schmiegte, der ihm gerade sein Herz preisgegeben hatte und er fühlte eine unglaubliche Schuld.
„Legolas?“, sagte er leise.
„Ja?“
„Kannst du mir etwas Zeit lassen, um herauszufinden, was Liebe ist?“, fragte Thranduil.
Legolas lächelte, während er weiter zum Fernseher sah.
„Klar. Wir haben ja ein ganzes Leben lang Zeit.“, entgegnete er.
Jetzt musste auch Thranduil lächeln. Er küsste Legolas‘ goldenen Schopf und drückte ihn an sich.
Sie sahen sich noch einen weiteren Film an, doch kurz nach Mitternacht merkte Thranduil, dass der Omega in seinem Arm eingeschlafen war.
Also schaltete er den Fernseher aus, hob ihn vorsichtig auf seine Arme und trug ihn die Treppe hinauf ins Schlafzimmer.
Dann ging er noch einmal nach unten und schaltete die viele Weihnachtsbeleuchtung aus.
Und endlich konnte auch er ins Bett.
Doch er schlief nicht sofort ein. Seine Gedanken kreisten um das, was Legolas zu ihm gesagt hatte und er fragte sich, was er eigentlich für ihn empfand.
Liebe? Oder hatte dieser Omega einfach nur seinen Beschützerinstinkt geweckt?
Thranduil starrte an die Zimmerdecke, hörte die leisen, seltsam beruhigend wirkenden Atemzüge des Omegas neben sich.
War das jetzt das Leben, das so plötzlich über ihn hereingebrochen war?
War er auf einmal nicht mehr der stolze, selbstverliebte Alpha, dem nur seine Bedürfnisse wichtig waren?
Er drehte sich auf die Seite und betrachtete den Omega.
Was war nur los mit ihm? Wieso warf er all seine Prinzipien einfach über Bord? Innerhalb von zwei Tagen war er eine Paarbindung eingegangen, hatte einen Omega…nein, mehrere…in seine Wohnung gelassen, hatte seine Wohnung in eine Weihnachtshölle verwandeln lassen, nur um Legolas lachen zu sehen.
„Hab ich mich auch verliebt?“, fragte sich Thranduil leise. War das wirklich möglich? Hatte er sich Hals über Kopf in diesen süßen Omega verliebt?
Thranduil lächelte. Er wusste nicht einmal, warum, doch allein Legolas anzusehen machte ihn glücklich.

Den nächsten Tag begannen sie mit einem gemeinsamen Bad. Der Sex, den sie dabei hatten, war unbequem und auch wenn Legolas‘ Brunst langsam nachließ, war er nötig.
Danach frühstückten sie. Sie ließen sich Zeit, unterhielten sich, meist über Thranduils Arbeit.
Schon lange hatte der Alpha einen Tag nicht mehr so ruhig begonnen, ohne Hektik, ohne gedanklich gar nicht richtig anwesend zu sein.
Es war ungewohnt für ihn, einfach planlos zu sein, die Ereignisse des Tages auf sich zukommen zu lassen.
Eine Sache ging ihm jedoch nicht aus dem Kopf. Nämlich die Frage, was er für Legolas empfand.
Wenn sich ihre Hände wie zufällig berührten, wenn Legolas lächelte, selbst wenn sie einfach schwiegen…all das fühlte sich so gut an und obwohl sie einander erst seit kurzem kannten, war das alles schon so vertraut.

„Thranduil, hast du Hunger?“
Sie saßen auf der Couch und sahen sich eine Dokumentation über Dinosaurier an.
„Gerade nicht.“, entgegnete der Alpha.
„Ok.“ Legolas klang enttäuscht.
„Hast du Hunger?“, fragte Thranduil.
„Ein bisschen. Aber ist ok. Ich warte einfach.“, murmelte der Omega verlegen.
„Worauf? Darauf, dass ich auch Hunger kriege?“ Thranduil zog eine Augenbraue hoch. Ihm wurde bewusst, wie eingeschüchtert der Omega noch immer sein musste. „Wenn du Hunger hast, sag es einfach. Dann mach ich dir was zu essen.“
„Musst du nicht. Ich kann warten. Wirklich.“
Thranduil zog den Omega fester in seine Arme. „Komm mit. Ich zeig dir, wie du dir ein Sandwich machen kannst.“ Er nahm die Hand des Omegas und sie gingen in die Küche.
Dort holte Thranduil die Zutaten, die er für das Sandwich brauchte, aus dem Kühlschrank und legte sie auf den Küchentresen.
„Na dann...mach mal.“, sagte er und gab dem Omega ein Messer.
Es dauerte zwar knapp zehn Minuten, bis das Sandwich fertig war, Legolas überlegte sich jeden Schritt genau, aber schließlich war er fertig.
„Hör zu, wenn du Hunger hast, mach dir was zu essen oder sag mir Bescheid. Du musst nicht auf mich warten. Wenn ich wieder arbeiten gehe, musst du sowieso allein klarkommen. Ok?“, sagte Thranduil.
Legolas nickte, während er sein Sandwich förmlich verschlang.
Sie setzten sich wieder auf die Couch und Thranduil legte einen Arm um den Omega. Legolas‘ Duft umgab ihn und hüllte ihn in eine Wolke aus Zufriedenheit. Zum ersten Mal seit Jahren begann Thranduil, die Weihnachtszeit wenigstens etwas zu genießen, auch wenn da durchaus noch Luft nach oben war. Er schwor sich, nächstes Jahr eher mit den Vorbereitungen zu beginnen, damit nicht alles wieder in eine derartige Hektik ausartete.
Es war Heiligabend und im Fernsehen liefen ununterbrochen irgendwelche kitschigen Weihnachtsfilme. Legolas kannte keinen von ihnen und so erbarmte sich Thranduil und sah sie sich mit dem Omega zusammen an.
Zum Abendessen bereitete Thranduil die Steaks zu, die er am Tag zuvor gekauft hatte.
Legolas sah ihm dabei genau zu, schrieb sich sogar Dinge auf, die er für wichtig hielt beim Kochen. Er hatte sich vorgenommen, Thranduil zu unterstützen, die Hausarbeit für ihn zu übernehmen. Und dazu gehörte auch das Kochen.
Nach dem Essen legten sie sich wieder auf die Couch, doch dieses Mal ließen sie den Fernseher ausgeschaltet.
„Erzähl mir, wann und mit wem du das erste Mal Sex hattest.“, sagte Thranduil. Seit Legolas ihm gestanden hatte, dass er schon einmal Sex gehabt hatte, wollte Thranduil es genauer wissen. Er spürte einen Knoten in seiner Magengegend, wenn er nur daran dachte, dass ein anderer Mann seinen Omega auch nur angefasst hatte.
Legolas errötete und er wandte den Blick ab. Er wusste, dass er sich auf den Deal eingelassen hatte, dass er Thranduil versprochen hatte, ihm alles zu erzählen. Doch diese Geschichte war ihm unangenehm.
„Bitte!“, sagte Thranduil, als er das Zögern bemerkte. „Du musst nicht ins Detail gehen. Aber ich möchte wissen, wie es war.“
Langsam hob Legolas den Blick und erstarrte. Zum ersten Mal, seit er dem Alpha begegnet war, waren dessen Augen nicht kalt und emotionslos, sondern warm, der Blick mitfühlend.
„Kannst du…mich festhalten? Dann erzähle ich es dir.“, fragte er leise.
„Natürlich.“ Thranduil schlang seine Arme um den hübschen Omega und hielt ihn fest, fühlte dessen Wärme, sog den Duft tief ein.
„Ich war…16. Der Mann hat mich eingeladen zum Essen. Ich war so dumm und bin mitgegangen. Aber ich hatte solchen Hunger und…“
„Er hat als Bezahlung Sex gefordert.“, schlussfolgerte Thranduil.
Legolas nickte. Tränen liefen ihm über die Wangen. Er konnte nicht weitersprechen.
„Du warst nicht dumm. Du warst verzweifelt. Aber jetzt…sorge ich für dich. Und niemand wird dir mehr wehtun.“ Thranduil spürte, wie ihm das Schluchzen des Omegas fast das Herz brach.
„Weißt du, wie er hieß?“, fragte er vorsichtig.
Legolas schüttelte den Kopf. „Er war…ein Beta, glaub ich. Mehr weiß ich nicht.“
„Wohin seid ihr gegangen ? Zu ihm nach Hause? In ein Hotel?“, fragte Thranduil vorsichtig.
„In…ein Hotel. Ich weiß nicht mehr…genau, wie es hieß. Irgendwas mit Ex…Explore…“ Legolas seufzte laut und schüttelte den Kopf. „Ich weiß nicht mehr…“
„Ist ok.“ Thranduil verstärkte seine Umarmung und hauchte einen Kuss auf die Wange des Omegas.
Er fragte nicht weiter nach, doch tief in seinem Inneren wuchs ein Wunsch, den er bisher nicht kannte.
Rache!

Legolas schlief schon, doch Thranduil war hellwach. Er hatte sein Handy in der Hand und suchte im Internet nach Hotels und Motels, in deren Namen das Wort Explore vorkam. Und er wurde fündig.
Er speicherte die Website des Hotels ab und schaltete das Handy aus. Er spürte, wie seine Laune zusehends schlechter wurde, je mehr er darüber nachdachte, was dieser Mann Legolas angetan haben musste.
Doch es war Weihnachten und er wollte seinem Omega dieses Fest nicht verderben. Er wollte, dass Legolas glücklich war. Nur das zählte jetzt. Also musste er seine Wut unterdrücken.

Tbc.
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