Unavoidable (m.yg x bts) //OneShot//

OneshotRomanze, Schmerz/Trost / P16 Slash
28.10.2019
28.10.2019
1
7430
2
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
 
9. März, 19:47 Uhr

"Yoongi-ah, ich habe in einer Stunde ein Date mit Namjoon, wir können nicht zum Training. Kannst du dem Choreografen Bescheid für uns geben?"

"Ja, mach ich."

"Danke, Yoongi, ist lieb von dir. Bis später!"

----------

"Yoongi Hyung, Hoseok und ich kommen heute zum spät zum Tanztraining, wir gehen an den Strand. Wir haben schon mit Namjoon gesprochen und er meinte, wir sollen es dir erzählen, damit du es dem Direktor sagen kannst."

"Ich erklär's ihm, Jimin-ah."

"Ah, danke, Hyung!"

----------

"Hyung!"

"Lass mich raten, du und Jungkook können heute nicht zum Training?"

"Ja, woher weißt du das?"

"Nur so eine Ahnung."

"Na ja, wir verspäten uns vermutlich sehr, deswegen wollen wir schwänzen.. Bitte verrate uns nicht, Hyung!"

"Klar"

"Danke, Yoongi."

----------

Er hätte nichts erwarten sollen. Er hätte sich denken sollen, dass das passiert. Wieso hatte er auch überhaupt Hoffnungen?

Anders als die anderen, ging Yoongi zum Tanzstudio. Vielleicht fand er jemanden da drinnen? Vielleicht haben sie ihn absichtlich in die Irre geführt? Vielleicht wartete jemand hinter diesen Türen auf ihn, anders als er dachte? Die Lichter waren aus, es war möglich. Yoongi stieß die Holztüren auf, die ihn vom Tanzstudio trennte. Er knipste das Licht an und sah sich schnell um.

Weiß.

Weiße Wände.

Hölzerner Boden.

Leerer Raum.

Schätze, er war doch allein. Was war mit dem Direktor? Wieso war er nicht schon hier? Er war eigentlich immer früh zum Training da und soweit Yoongi wusste, stand das Training auch heute an.

-Ding-

Er bekam eine Textnachricht. Vielleicht, nur vielleicht, war es ja einer der Member? Er tippte schnell sein Passwort ein und öffnete KakaoTalk. Die Nachricht war-

"Training ist heute gestrichen. Notfall in letzter Minute! Genießt euren freien Abend, jungs!"

Oh, nur PDnim. Nicht die Member. Nicht das wichtigste in seinem Leben. Es waren nicht sie.

Offenbar hatten sie wirklich seinen Geburtstag vergessen.

Aber was erwartete er auch? Nachdem Jin und Namjoon zusammenkamen, waren sie beschäftigt, sie gingen auf Dates, produzierten zusammen Musik, und verbrachten jeden Moment miteinander. Nicht, dass das etwas schlechtes war. Yoongi freute sich für sie, wirklich! Na ja, bis sie seinen Geburtstag vergessen hatten.

Taehyung und Jungkook klebten schon immer so aneinander. Sie waren immer zusammen, unzertrennlich. Wieso also würde Yoongi traurig sein? Er wusste, wie die beiden waren. Sie wollten nun mal nur Spaß haben. Aber wieso konnten sie das nicht mit ihm zusammen an seinem Geburtstag haben?

Er wusste von Jimins Gefühlen für Hoseok und er wusste, wieso sie einen Ausflug an den Strand machten. Er wusste, dass Jimin es endlich versuchen und Hoseok seine Gefühle gestehen würde. Er wusste auch, dass Jimins Liebe erwidert wurde.

Er wusste, was jeder seiner Member machten und ihre Einstellung dazu, was sie taten. Er wusste, wie wichtig sie sich gegenseitig waren und wie sehr sie ihre jeweiligen Partner mochten. Er wusste von der Liebe, die in den Herzen seiner Bandmitglieder blühte. Und trotzdem...

Wieso störte ihn das so sehr?

Wieso fühlte sein Herz sich so schwer an?

Wieso konnte er nicht mehr richtig denken?

Wieso wusste er den Grund dafür, dass er so fühlte?

Wieso musste er nur rausgehen und sich in jeden einzelnen seiner Bandkollegen verlieben?

Wieso musste er für gerade die Personen Gefühle entwickeln, die er am meisten schätzte?

Wieso war er für genau die Männer gefallen, die ihn nie so zurücklieben würden, wie er es tat?

Wieso hatte er sich selbst diesen Schmerz eingebrockt?

Wieso konnte er sich nicht einfach für sie freuen? Er schwor, er tat es. Er schwor, er war glücklich, dass sie alle ihre große Liebe in ihren jeweiligen Partnern gefunden hatten. Er schwor, er hätte sich nicht in sie verliebt. Aber schaut, wo er jetzt steht.

In einem leeren Raum.

Die Lichter angeschalten.

So still, dass er einen Stift fallen gehört hätte.

Seinen Geburtstag damit verbringend, nach Hause zu fahren, um nichts zu feiern.

----------

9. März, 21:22 Uhr

Er lief in den Dorm, verschloss die Tür hinter sich, wissend, dass der Rest der Band nicht so schnell zurück sein würde. Der Dorm war leise. Fast alle Lichter waren aus, außer die in der Küche, die direkt neben der Eingangstür war. Es war sauber und roch nach Lavendel. Das war sicherlich Jins oder Jungkooks Waschmittel, dessen Geruch in der Luft hing.

Sein Bauch knurrte, erinnerte ihn daran, dass er seit dem Frühstück heute morgen nichts gegessen hatte, und sein Frühstück bestand aus einer einzelnen Banane. Er hatte versucht, heute nichts zu essen, dachte, die Gruppe würde nachher in ein großes Restaurant gehen, und machte sich selbst hungrig, um später viel essen zu können. Aber dieser Ausflug passierte offensichtlich nicht.

Yoongi ging zum Kühlschrank, um ein paar Steaks rauszuholen, die er am Vortag besorgt hatte, für den Fall, dass sie nicht in ein Restaurant gingen. Ihre Zeitpläne waren eng, selbst wenn sie eine Woche vorher einen Platz reserviert hätten... Die Steaks waren ein Backup-Plan. Er legte ein Steak auf die Pfanne und kochte es zu einem Medium, wie er es bevorzugte. Er sah die anderen ungekochten Steaks auf der Theke liegen. Er war sich sicher, dass die Jungen Hunger haben würden, wenn sie nach Hause kamen. Er beschloss, die restlichen zu kochen und sie mit Tellern dann auf den Tisch zu legen, achtete dabei auf die Sitzordnung der Member.

Eines für Jungkook, eines für Jimin, eines für Namjoon, eines für Jin, eines für Taehyung und eines für Hoseok. Ein Steak für jeden Mann in diesem Haushalt, der sein Herz besaß und ihn in eine krankhafte einseitige Liebe für ihn fallen ließ.

Zum Schluss ein Steak für ihn, ein Steak für Min Yoongi. Ein Steak für einen Mann, der es verdient hatte, an seinem Geburtstag allein zu sein. Ein Steak für den ekelhaften Mann, der sich in alle sechs seiner besten Freunde verliebt hatte, obwohl sie alle in einer Beziehung waren. Alle, außer er selbst.

Er war hungrig, oder eher war er es bis eben. Als er allein am Tisch saß, erinnerte es ihn daran, wie leer er sich letzter Zeit fühlte, weil die anderen Mitglieder ihn nicht beachteten. Er fühlte sich krank. Er hatte keinen Hunger mehr. Er ist emotional ausgelaugt. Er lief in sein Schlafzimmer, zog sich einen Schlafanzug an und ging zurück in die Küche, um ein Glas Wasser zu trinken, kam dabei an dem unbesetzen Tisch vorbei. Der Tisch war auf jedem Platz mit einem Steak, Besteck und einem leeren Glas gedeckt. Zurück in seinem Zimmer, bevor er ins Bett geht, hinterlässt er eine Notiz auf dem Tisch, für seine Bandmitglieder, wenn sie nach Hause kommen.

----------

10. März 00:07 Uhr

Namjoon und Jin waren die ersten, die zurück zum Apartment kamen. Sie standen für eine Minute vor der Tür.

"Was ist los?" fragte Jin seinen Freund.

"I-ich weiß nicht.. Ich habe das Gefühl, ich habe was vergessen?" meinte Namjoon nachdenklich.

"Hast du deine Brieftasche? Und dein Handy?

"Ja, schon, aber das meinte ich nicht. Es ist... größer." sagte der jüngere endlich.

Gerade da liefen Taehyung und Jungkook die Treppen zu ihrem Dorm hoch und trafen das Namjin-Paar unerwarteterweise.

"Hey, Leute." sagte Taehyung, als er ihnen zuwinkte.

"Was macht ihr?" fragte Jungkook.

"Wir kamen auch eben erst an und haben nur kurz hier draußen geredet, das ist alles." antwortete Jin.

"Oh, cool, Tae und ich kommen auch gerade erst von unserem Ausflug zurück. Worüber habt ihr geredet?"

"Namjoon hier meinte, er fühlt sich als hätte er was vergessen, aber er weiß nicht, was."

Taehyung und Jungkook sahen sich an, verwundert darüber, was Namjoon vergessen haben könnte. Zeitgleich schauten sie zurück zu Namjin und sagten im Chor. "Vielleicht hast du ja dein Handy vergessen?"

"Nein, das ist es nicht. Ich habe das selbe gefragt, aber er hat alles, Handy, Brieftasche, Schlüssel für's Haus." erwiderte Jin.

"Ja, ich hab alles dabei." pflichtete Namjoon bei.

Taekook war erneut ratlos. "Nun ja, dann... Was könntest du vergessen haben? Du hast doch alles."

"Eben, ich hab alles, wieso also fühle ich mich so, als hätte ich was wichtiges verges-"

"Wieso seid ihr alle vor der Tür versammelt?" ertönte eine Stimme hinter Taehyung.

"Aish Hoseok, du hast mich erschreckt, was zur Hölle?!"

"Oh, sorry." Über Tae's Reaktion lachend, lehnte Hoseok sich gegen Jimin.

"Wie Hobi schon meinte, was macht ihr alle vor der Tür?" wiederholte Jimin Hoseoks Frage.

Die vier erklärten es den Neuankömmlingen knapp und auch sie waren verwirrt darüber, was Namjoon denn jetzt vergessen haben könnte.

"Äh, hat er denn seine Brieftasch-"

"Ja, er hat alles, was er braucht!"

"Na dann, was stehen wir alle hier draußen rum?! Es ist kalt, wir können drinnen weiterreden, was Namjoon vergessen hat!" sagte Jimin.

Wieso hatten sie nicht selber daran gedacht, dachten sie alle, als Namjoon begann, die Tür aufzuschließen.

Das Schloss klickte und Namjoon drückte die Tür auf. Es war dunkel, überall waren die Lichter aus. Namjoon lief weiter in den Dorm, nachdem er seine Schuhe abkickte, der Rest tat es ihm nach und folgte ihm. Er lief in die dunkle Küche und schaltete das Licht an. Es war alles sauber, genau wie am Morgen. Nichts besonderes. Namjoon fühlte eine Hand auf seiner Schulter und drehte sich um. "Hey, wir sind alle hungrig, wieso setzen wir uns nicht gemeinsam an den Essenstisch und schauen, was wir essen wollen, damit ich schnell was bestellen kann?" fragte Jin ihn.

"Ja, gute Idee." Namjoon lächelte seine Freund an und küsste ihn kurz auf die Lippen, nahm seine Hand sanft und führte ihn zum noch im Dunklen Essenstisch.

Der Rest kam ebenfalls hinzu, Jungkook drückte den Lichtschalter. Und sie alle waren geschockt. Niemand bewegte sich. Niemand sagte etwas. Es war still, nicht mal ein Atmen konnte man hören. Da, vor ihnen, war der Tisch komplett gedeckt. Alles benötigte stand genau da, wo es sein sollte. Ein Steak auf einem Teller für jeden einzelnen von ihnen, Besteck daneben, ein Glas.. und eine Karte? Da war eine weisse Karte auf dem Tisch.

"Da ist ein Zettel." sagte Hoseok, seine Atmung war ein bisschen zittrig und stockte kurz. Er klang ängstlich, und er selbst wusste nicht wirklich, wieso.

Taehyung nahm seinen Mut zusammen und griff nach der Karte. Es war ein zusammengefaltetes Papier. Langsam entfaltete er es, keuchte leise, als er die mittelgroße Schrift darauf sah, und zudem über das Papier verteilt Wassertropfen...? Der Rest der Gruppe verteilte sich um ihn, als er laut anfing zu lesen.


"Hey Leute. Ich weiß, ihr seid vermutlich gerade hungrig... Ich weiß nicht, wann ihr alle zurück seid, aber ich habe beschlossen, unser Abendessen zu kochen. Na ja, mehr euer Abendessen. Es tut mir Leid. Es tut mir wirklich Leid. Ha, das ist viel schwerer zu schreiben, als ich dachte. Tut mir Leid, wenn da Tränenflecken sind, ich habe mir selbst gesagt, ich würde nicht weinen, während ich das hier schreibe-"

Taehyung stoppte. 'Das sind keine Wassertropfen, das sind Tränen.' dachte er entsetzt, dann las er weiter.

"Ich sagte, es ist mehr euer Abendessen, weil ich dachte, dass wir es zusammen haben können. Es ist nicht mein Abendessen, das wäre egoistisch, also ist es eures, dachte ich. Ähm, hoffentlich hattet ihr alle gute Dates. Jimin, ich hoffe, du hast Hoseok deine Gefühle gebeichtet, wie du geplant hast. Falls du das nicht gemacht hast, und ich weiß, du hast es, weil Hobi liebt dich auch, dann tut es mir Leid. Aber ich wünsche euch beiden das Beste. Eigentlich wünsche ich das euch allen-"

Tae stoppte wieder und schaute zu Jimin und Hoseok. Sie waren beide rot im Gesicht und hielten Händchen. Es war süß, sie alle hatten gewusst, dass sie zusammenkommen würden. Offenbar wusste das auch Yoongi. Tae liest wieder dort weiter, wo er aufgehört hatte.

"-weil ihr alle einander wichtig seid. Ich hoffe, ihr wisst, dass eure jeweiligen Partner euch sehr lieben. Ich habe nicht den Mut, um euch das persönlich zu sagen. Oder ich habe ihn jetzt nicht... Ich wollte bis nach dem Training darauf warten, es euch zu sagen... Wie ihr wisst, wurde das Training abgesagt. Ich habe mich jahrelang darauf vorbereitet. Ich hatte endlich den Mut zusammen, es euch heute zu sagen, aber wieder geschah es nicht. Also, ich wollte euch wissen lassen, dass ich-"

"Es wurde rausgekratzt." sagte Taehyung, als er aufhörte zu lesen. "Es sieht so aus, als hätte er es zwar hingeschrieben, aber danach direkt wieder rausgekratzt."

"Mach einfach nach der Stelle weiter." sagte Jimin leise.

"Okay" Tae las weiter.

"Nein, ich hatte es zwar geschrieben, aber ich habe mich umentschieden. Ich respektiere euch zu sehr. Ihr seid alle sehr, sehr wichtig für mich. Ihr seid mein Leben, neben ARMY natürlich... Ich war heute wirklich niedergeschlagen. Ich weiß, ich bin ein beschissener Freund und es tut mir Leid. Sieht so aus, als hätte ich das viel zu oft in diesem Brief gesagt. Egal, ich hoffe, ihr mögt die Steaks. Ich habe sie mit all meiner Liebe für euch gekocht. Hoffentlich sind sie nicht schon kalt, wenn ihr ankommt. Es ist halb elf Abends, während ich das hier schreibe, also sind sie noch warm, weil ich eben erst fertig geworden bin... Ich hab auch ein bisschen Wein getrunken. Ihr könnt etwas haben, wenn ihr wollt, es ist der Wein, den ich von meiner Mom bekommen habe, als ich letzte Woche zuhause war. Okay, das ist lang genug. Ich gehe jetzt ins Bett, hab euch lieb, leute. Cheers!

Und äh... alles Gute zum Geburtstag für mich, denk ich mal... Das ist lustig, weil ich alleine am Tisch sitze... Gute Nacht.

Mit freundlichen Grüßen, Yoongi"


Es war wieder totenstill. Jeder hatte Angst, etwas zu sagen. Sie alle wussten jetzt endlich, was Namjoon vergessen hatte. Es war der Geburtstag ihres besten Freundes. Wie konnten sie das vergessen? Sie lebten für Jahre schon zusammen, was war passiert? Wieso hatten sie so einen wichtigen Tag vergessen? Hoseok schaute auf die Küchenuhr an der Wand. "Es ist 00:17 Uhr." sagte er.

"Yoongis Geburtstag ist vorbei.." sprach die Gruppe im Chor aus.

"War irgendwer von euch heute bei ihm?" fragte Jin seine Bandkollegen. "Ich habe ihn heute morgen kurz gesehen, als ich aus Namjoons und meinem Zimmer kam. Was ist mit euch?"

"I-ich habe ihn heute nicht wirklich gesehen, ich war mit Jimin am Strand beschäftigt." gab Hoseok zu.

"Und ich war die ganze Zeit bei Hobi, ich habe ihn auch nicht gesehen." hing Jimin hinten dran.

"Okay, was ist mit euch beiden?" Jin deutete auf Taehyung und Jungkook.

"Wir haben ihn in der Küche kurz getroffen, gerade bevor wir aufgebrochen sind, und wir haben ihn 19 Uhr angerufen, denke ich..? Aber wir haben nicht wirklich mit ihm geredet." antwortete Tae.

"Wann war überhaupt das letzte mal, dass jemand richtig eine Unterhaltung mit ihm hatte?" fragte Namjoon unerwarteterweise.

"Oh! Als wir dieses kleine Konzert letzte Woche hatten und wir über Tanzen geredet haben." sagte Jungkook.

"Nein, ich meine ein Gespräch über etwas anderes als Arbeit. Wie ein normales Gespräch eben, dass wir immer hatten. Hunde zum Beispiel, oder keine Ahnung, wie es ihm geht?!" Namjoon wurde ernsthaft besorgt. Wann war das letzte mal, dass sie nach Yoongi geschaut hatten? Was war in den letzten Monaten passiert, nachdem Jin und Namjoon zusammenkamen?

Keiner der Jungs antwortete.

"Ich glaube, keiner von uns hat richtig mit Yoongi geredet, seit..."

"-seit wir alle unsere eigenen Beziehungen haben." sagte Jin, beendete damit Jimins Satz.

"Genau." Die drei anderen stimmten zu.

"Wir haben ihn an seinem Geburtstag alleine gelassen.  Der Geburtstag, von dem er uns buchstäblich erzählt hat, als er letzte Woche nach Hause gegangen ist. Der Geburtstag, für den wir die Steaks gekauft haben. Der Geburtstag, auf den er sich seit Tagen gefreut hat." Namjoons Stimme wurde leiser, als er das sagte. Und was er sagte, war die Wahrheit. Sie haben Yoongi in letzter Zeit vielleicht nicht vollständig Beachtung geschenkt, aber sie haben sich unbewusst auf ihn konzentriert. In ihren kurzen Beschäftigungen merkten sie, dass er sich auf seinen Geburtstag freute. Er hatte ein Funkeln in den Augen. Er war glücklich.

"Er sagte in dem Brief, er habe jahrelang Mut dafür gesammelt, uns etwas zu sagen. Glaubt ihr, es ist der Grund, warum er für heute aufgeregt war? Oder gestern?"

"Er hat es auf das Papier geschrieben. Es ist das, was ausgekratzt ist." antwortete Jimin auf Taehyungs Frage.

"Er klang den ganzen Brief über traurig. Vielleicht sollten wir nach ihm schaurn? Er hat gesagt, er würde schlafen gehen." bot Hoseok an.

"Stimmt! Er ist zu Hause! Warum sind wir nicht sofort zu ihm gegangen? Kommt schon, wir müssen zu seinem Zimmer!" Sagte Jin schnell, als alle Mitglieder aus dem Essbereich kamen und den Flur hinunter zu Yoongis Zimmer gingen, das er ganz für sich hatte.

----------

Sie hatten vor einiger Zeit die Zimmer gewechselt. Zuerst waren es Jin und Namjoon. Sie sagten, es lag daran, dass sie gerne zusammen schliefen, als sie das erste Mal zusammen waren. Yoongi, der für immer Jins Mitbewohner war, stimmte zu. Alles, um seinen Hyung glücklich zu machen. "Klar doch, alles."

Dann war es Taekook und nach ihnen war es Hopemin. Yoongi saß allein in seinem Zimmer fest. Er hatte nichts dagegen, aber nachdem er all die Jahre mit jemandem ein Zimmer geteilt hatte, wurde er jeden Tag einsamer. Das würde er ihnen aber nie sagen.

----------

Die Jungs erreichten endlich Yoongis Raum. Jimin kam zuerst an und war genau vor der Tür mit der Hand an der Türklinke, bereit, die Tür zu öffnen.

Sie klopften nicht, Yoongi störte es nie, wenn sie einfach so in sein Zimmer geplatzt kamen, außer es hing ein Schild an der Tür, das sagte: 'Nicht stören'. Wenn dem nicht so war, durften die Member rein- und rausgehen, wie sie wollten, sogar wenn er schlief.

Jimin drückte leise die Tür auf und Licht fiel aus dem Flur in das Zimmer. Es war immer noch dunkel, aber nicht dunkel genug, um zu übersehen, dass das Zimmer leer war.

Yoongi war nicht hier.

"Wo ist er?" fragte Jungkook. "Er hat gesagt, dass er zu Bett gehen würde. Warum- warum ist er nicht-" Jungkook geriet in Panik und atmete unregelmäßig, wahrscheinlich wegen der Schuldgefühle, die er aufgrund der heutigen Ereignisse hatte.

"Shhh, shhh, shhh, beruhige dich, Jungkook, wir werden ihn finden, wir müssen alle ruhig bleiben, bitte." sprach Namjoon. "Ich bin sicher, dass er ausgegangen ist und es ihm gut geht. Sieh mal, sein Telefon ist nicht hier, also könnte er uns anrufen, wenn es nötig ist, oder?"

"Ja, i-ich denke schon." antwortete Jungkook, der Rest hörte weiter zu.

"Wir sollten uns alle ins Bett legen und unsere Köpfe frei machen, um morgen mit Yoongi zu sprechen. Ich bin sicher, er ist auch besorgt. Lasst uns ins Bett gehen." sagte Namjoon zu ihnen allen.

Alle standen auf und gingen in ihre Zimmer, ohne ein weiteres Wort zu murmeln. Es würde eine lange Nacht werden. Eine sehr lange und ruhige Nacht.

----------

10. März, 11:38 Uhr

-Ding-

Namjoon wachte schnell bei dem Geräusch auf, dass ihm sagte, dass er eine Nachricht bekommen hatte. Jin kurz darauf ebenfalls, als er spürte, wie sein Telefon heftig vibrierte und signalisierte, dass auch er eine Nachricht erhalten hatte. Der Rest der Mitglieder stürmte durch die Türen von Jin und Namjoons Zimmer, der Schock war deutlich in ihren Augen zu sehen. Joon wusste, dass etwas los war. Er entsperrte schnell sein Handy und las die Nachricht.

"Hey Jungs, es ist euer Manager, ich bin heute gekommen, um die Türen für das Tanztraining aufzusperren, und ich habe Yoongi auf dem Boden gefunden. Er ist wirklich verschwitzt und atmet schwer. Er muss sofort nach Hause. Könntet ihr ihn alle abholen? Ich weiß nicht, was ihn dazu gebracht hat, so früh hier her zukommen, aber er scheint ziemlich gestresst zu sein. Passt heute auf ihn auf. Ich sage alle eure Termine für die nächsten 2 Tage ab. Passt auf euch auf."

"Scheiße! Wir müssen los und ihn holen. Schnell, kommt!" brüllte Namjoon.

Sie zogen sich schnell und leise um und rasten zum Van. Sie erreichten das Studio innerhalb von sechs Minuten und rannten sofort zum Tanzraum.

"Ihr seid hier! Hier,  schnell, bringt ihn nach hause, er hat sich vermutlich überarbeitet; lasst ihn ausruhen und wir kommen zurück zu euch in zwei Tagen."

"Danke, Sejin, wir übernehmen ab hier." sagte Jin und legte eine Hand auf die Schulter ihres Managers.

"Ich hab ihn." Jungkook meldete sich freiwillig und hob Yoongi im Brautstil hoch. Er konnte fühlen, wie hoch Yoongis Körpertemperatur war. Er brannte fast schon, er brauchte sofort Verpflegung. "Beeilen wir uns." Jungkook wurde, während er seinen Hyung trug, von den anderen Mitgliedern durch die Gänge geführt, bis zum Van. Er setzte sich so hin, dass Yoongi sich auf seinem Schoß befand, den Kopf an seine Brust gelegt.

"Kook" murmelte Yoongi leise.

"Ssh. Hyung, ruh dich aus, wir sind gleich zu Hause." flüsterte Jungkook beruhigend.

Yoongi blinzelte nur kurz, lehnte dann den Kopf dichter an Jungkooks Brust und schloss die Augen. Das letzte, an das er sich erinnerte, war eine Hand, die beruhigend über seinen Rücken strich, bevor er das Bewusstsein verlor.

----------

Yoongi erwachte panisch. Er richtete sich schnell auf und schaut sich im sonnenbeschienenen Raum um. Es ist sein Zimmer. Das letzte, woran er sich erinnerte, war die Autofahrt mit der Gruppe nach Hause. "Wie spät ist es?" fragte er sich und schaute auf die Uhr. 14:27. Es ist Nachmittag. 10. März, 14:27 Uhr. Der Tag nach seinem Geburtstag. Waren die Mitglieder zu Hause? Er hatte zu viel Angst aufzustehen, Angst, sein Zimmer zu verlassen, Angst zu sehen, dass seine Mitglieder ihn wieder vergessen hatten.

Er erinnerte sich daran, wie sie nach hause fuhren und wie die Member ihn aus dem Auto getragen haben. Er fühlte sich besonders, fühlte sich gut aufgehoben. Es war lange her, seit die Member ihm richtig Aufmerksamkeit gegeben hatten.

...Vermutlich war er für sie alle eine Bürde. Sie mussten zum Studio kommen, um ihn nach hause zu holen, sie mussten ihn ständig tragen, all das und die ganze Zeit hätten sie sich auch ausruhen, Zeit mit ihren Partnern verbringen können. Yoongi würde das nicht wieder geschehen lassen. Er konnte nicht. Er würde nicht in ihrer Nähe schwach sein, jedenfalls nicht jetzt.

"Hyung! Du bist wach!"

Yoongi wurde aus seinen Gedanken gerissen, als der Maknae der Gruppe durch die Tür gerannt kam.

"Kook, hey, äh, danke für das tragen vorhin, ich bin dir dankbar dafür. Du kannst den anderen sagen, dass es mir gut geht. Ihr alle müsst nicht auf mich aufpassen, ich bin jetzt okay, wirklich."

"Wieso kannst du ihnen das nicht selbst sagen, Hyung? Wieso dürfen wir nicht auf dich aufpassen?"

"Weil ihr es nicht müsst. Ihr müsst euch nicht um mich kümmern, okay? Ich bin ein verdammter erwachsener Mann, ich bin sicher, dass ich selbst auf mich aufpassen kann."

"Warum können wir dir nicht helfen? Wir wissen, dass du gut auf dich selbst aufpassen kannst, wir wollen einfach nur da sein. Einfach nur, um es einfacher zu machen."

"Es geht schon, ich brauche es nicht."

"Ich weiß, Hyung, wir wollen doch nur helfen, bitte versteh das."

"Nein, ich kann nicht."

"Das macht doch keinen Sinn, wieso lässt du uns nicht? Lass mich dir helfen?"

"Nein, einfach nein."

"Doch."

"Nein, Jungkook."

"Ja, Jungkook."

"FUCK, JUNGKOOK, VERSTEHST DU ES NICHT?! ES KANN NICHT BESSER WERDEN, ES KANN NICHT GEHEILT WERDEN, OKAY?!"

"WAS MEINST DU DAMIT, ES KANN NICHT BESSER WERDEN, HYUNG?! WIE WILLST DU WISSEN, DASS ES NICHT BESSER WERDEN KANN?! SAG ES UNS, VIELLEICHT KÖNNEN WIR JA HELFEN!"

"NEIN, ES-"

"Was ist denn hier los?" Genau da kamen die anderen fünf Member ins Zimmer, mit Besorgnis in ihren Gesichtern geschrieben. "Wir haben Schreie gehört."

"Yoongi Hyung will nicht, dass wir uins um ihn kümmern. Ich habe ihn nach dem Grund gefragt, aber er will es nicht erklären." antwortete Jungkook.

"Ist das wahr, Hyung?" fragte Taehyung.

Yoongi schaute weg. Er konnte sie nicht ansehen. Er konnte ihnen nicht in die Augen sehen. Nicht nach gestern. Nicht nach dem, was passiert war. Er starrte weiterhin aus dem Fenster. Lehnte es ab, die Frage zu beantworten, die in der scheinbar stickigen, dicken Luft schwebte.

"Hyung, antworte mir bitte." drängte Taehyung, erneut.

Er schaute die Member immer noch nicht, sah weiter aus dem Fenster. Spielte nun nervös mit seinen Fingern. Zeigte Anzeichen seiner eigenen Nervosität. War beschäftigt damit, sich davon abzuhalten, die Lieben seines Lebens anzusehen. Er war zu beschäftigt, um zu bemerken, wie die Matratze neben ihm sich senkte.

"Yoongi." Ein Schauer lief Yoongis Wirbelsäule hinunter, er spürte, wie ein warmer Atem über seinen Nacken strich. Er fühlte zwei Arme, die sich um seine Taille schlangen und ihn näher an den warmen Körper hinter sich zogen. Es war Hoseok, er würde diese Stimme immer erkennen.

Hoseok umarmte ihn. Sehr fest und sehr nah. Zu nah für Yoongis Komfort. Yoongis Herzschlag verschnellerte sich. Er hoffte, nein, er betete, dass Hobi es nicht bemerkte.

Yoongi fühlte sich kalt. Er wollte die Zuneigung akzeptieren. Er wollte in ihr versinken. Er wollte, dass seine Member sich um ihn kümmerten. Aber er konnte es nicht. Er durfte nicht vor ihnen schwach werden. Er durfte die Zuneigung nicht akzeptieren. Nicht jetzt. Nicht später. Niemals. Er verdiente es nicht.

"Was wollt ihr eigentlich, huh?"

Die gesamte Aufmerksamkeit der Member lag auf der einzelnen Stimme, die die schwere Luft durchbrach.

"W-was meinst du, Hyu-"

"Ihr wollt euch jetzt um mich kümmern?" schnitt Yoongi Namjoon das Wort ab. "Wieso? Ist das eien Wiedergutmachung dafür, dass ich in den letzten Wochen praktisch gar nicht für euch existiert habe? Dafür, dass ihr mich ignoriert habt? Mir einfach wieder das Gefühl geben, ich sei ein Teil des Teams? Mich glücklich fühlen lassen? Okay? Wollt ihr das von mir? weil ihr euch schuldig fühlt?" Yoongi meinte nicht, was er sagte. Er wusste, dass das nicht die Absicht der Jungs war, er kannte sie schließlich. Aber er konnte sich nicht helfen. Die Worte, die über seine Lippen glitten, kamen aus dem tiefsten Teil seines Herzens. Er wollte nicht hart klingen, aber eben das fühlte er nun mal.

"Nein, Yoongi-ah, das ist nicht, was wir-"

"Spart es euch. Ich will jetzt nicht reden. Mir geht es gut. Geht ruhig alle mit euren Partnern raus für den ganzen Tag, wie ihr es in letzter Zeit immer gemacht habt. Ich bleib einfach so, wie ich es immer gewesen bin. Allein." Yoongi war sauer. Er liebte sie alle, er tat es wirklich. Mehr, als sie wissen, und das tat ihm weh, aber er durfte jetzt nicht hier sein.

Yoongi stand von seinem Bett, entfernte dabei Hoseoks Hände um seine Taille. Ihm war immer noch ein wenig schwindlig von den früheren Ereignissen, als er sich an den Mitgliedern vor der Tür vorbeischob und in die Küche ging. Niemand kam ihm hinterher. Was hatte er aber auch erwartet? Natürlich würden sie ihm nicht hinterher jagen. Wieso sollten sie? Obwohl ein winziger Teil von Yoongis Herz gehofft hatte, dass sie es tun würden.

Er schnappte sich schnell einen Snack zum essen und und rannte aus dem Dorm. Der einzige sichere Platz war jetzt sein Studio und genau dahin würde er jetzt gehen.

----------

11. März, 1:46 Uhr

Es war spät. Wirklich spät. Yoongi hatte nicht bemerkt, wie lange er im Studio war. Er endete damit, das Abendessen ausfallen zu lassen. Mal wieder. Yoongi wusste, er sollte produktiv sein, er sollte arbeiten, genau wie letzte Nacht, als er so spät noch ins Tanzstudio ging, um seinen Kopf zu befreien und die Choreographie zu verbessern. Aber alles, was er tun konnte, war weinen. Sich einfach ausweinen und alles rauslassen, seine Emotionen, seine Schuldgefühle, seine Liebe. Er ließ alles raus, während er im Studio saß und nachdachte. Wieso er so ein Loser war, der alleine endete, während seine besten Freunde die Zeit ihres Lebens hatten. Sie hatten ihn auch nicht angerufen. Niemand schaute nach ihm, nicht mal nach dem, was passiert war. Niemand schaute nach, ob er überhaupt etwas gegessen hatte. Aber das hatten sie auch vorher nicht mehr getan, Yoongi war es also gewohnt.

Es war fast zwei am Morgen. Er befand sich gerade schon auf dem Weg nach Hause. Es war die Zeit, in der alle schon im Bett liegen und schlafen müssten. Sie hatten sowieso morgen Training, die anderen waren alle offensichtlich im Bett. Yoongi wusste nicht, wieso er Angst hatte, Angst davor, in sein eigenes Zuhause zu gehen, aber er hatte sie nunmal. Er griff nachd er Türklinke und drückte sie runter. Die Tür war seltsamerweise nicht abgeschlossen. 'Seltsam', dachte er. Sie ließen nie die Tür aufgeschlossen. Ja, sie waren berühmt und so und lebten im höchste-Security-Gebäude, aber es gehörte sich trotzdem noch, die Tür abzuschließen. Er stieß die Tür auf und ging rein, stellte seine Schuhe hin. 'Sie sind alle Zuhause', notierte er sich gedanklich, als er die Schuhe der anderen sah.

Er ging weiter in den Dorm und lief sofort zum Wohnzimmer. Zu sehr in seine Gedanken vertieft, bemerkte er das gedämmte Licht nicht, realisierte auch nicht, dass alle seine Bandmitglieder auf der Couch saßen, ihre Blicke auf ihm ruhten, auf die er sich eigentlich setzen wollte. Er bemerkte es erst, als er jemanden sich räuspern hörte. Yoongi wurde aus seinen Gedankengängen gerissen und realisierte die Situation. Seine so geliebten Member schliefen nicht, um für das morgige Training ausgeschlafen zu sein, nein. Stattdessen saßen sie alle zusammen auf den Couchen vor ihm. Wieso waren sie noch wach? Hatten sie hier gewartet? Gedanken rasten wieder durch Yoongis Kopf. Er hatte definitiv nicht geplant, die Member so früh wiederzusehen. Es war so plötzlich. Er hatte Angst.

"Yoongi" sagte Taehyung mit seiner tiefen Stimme. Er klang wütend, allerdings auch besorgt?

Yoongi versteifte sich bei der Aussprache seines Namens. Gott, er war kurz davor, zu weinen. Er konnte das nicht jetzt. Er war so nah dran, einfach zusammenzubrechen. Aber er konnte es nicht. Er konnte nicht.

Die sechs Bandmitglieder standen von ihren Plätzen auf und kamen auf Yoongi zu. Er, da er ja direkt vor der Tür stand, wich langsam zurück, aus Angst vor der Nähe.

"Yoongi-Hyung, wir wollen doch nur reden, bitte! Können wir uns einfach nur setzen?" bat Jimin den älteren.

Yoongi hatte nicht einmal die Chance zu antworten, denn Namjoon griff nach seinem Handgelenk und zog ihn mit sich zu einer Couch. Er drückte ihn runter auf das Polster, sodass er zwischen Jin und Jungkook saß. 'Es ist okay', dachte er. Es war nur ein Gespräch, richtig? Sie redeten nur. Es würde okay sein. Oder?

"Yoongi, was ist los...? Was ist passiert? Im Tanzstudio? Wieso hast du dich selbst so erschöpft? Und vorhin, einfach zum Studio gehen? Wir waren so besorgt. Eigentlich... Warte noch, bevor du das beanwortest, ähm... Wir müssen dir nämlich noch etwas sagen." sagte Jin, verwirrte Yoongi mit seinem letzten Satz.

"Yoongi, es tut uns Leid." sagte die Gruppe im Chor, mit vor Scham und Schuld gesenkten Köpfen. "Es tut uns wirklich Leid. Alles. Dass wir dich ignoriert haben. Dass wir dich einsam fühlen lassen haben. Dass wir deinen Geburtstag vergessen haben. Und dass wir vergessen haben, wie wichtig du bist. Du hast Recht mit dem, was du früher gesagt hast. Wir haben Schuldgefühle. Es tut uns so, so sehr Leid. Wir lieben dich so sehr und wir waren so mit uns selbst und unseren Beziehungen beschäftigt. Du bist und extrem wichtig und es tut uns wirklich Leid, dass du wegen uns in den letzten Monaten das Gefühl hattest, der letzte Dreck zu sein. Wir lieben dich wirklich sehr. Kannst du uns vergeben, dass wir dir das angetan haben?" fragten sie, während sie von ihren Positionen hochschauten. Sie hatten das stundenlang geübt, während Yoongi weg war. Sie konnten das nicht verscheißen. Aber zu ihrer Überraschung sahen sie ihren zweiten Hyung still weinend vor sich auf der Couch sitzen.

"I-ich vergebe euch, Leute. Tut mir Leid, was ich früher gesagt habe. Ich weiß, ihr alle habt Schuldgefühle, aber ich hätte nicht so gemein sein sollen, als ich es gesagt habe. Ich weiß, ihr meintet es ernst, als ihr gesagt habt, dass ihr euch um mich kümmern wollt und sicherstellen wollt, dass ich mich nicht verletze. Mir tut es auch Leid." Yoongi weinte noch immer, seine Tränen würden nicht aufhören zu fallen, aber er hatte Aufrichtigkeit in seinen Augen.

"Nein, Yoongi, du musst dich nicht entschuldigen! Oh Gott, nur-" Genau da zog Hoseok sie alle in eine Gruppenumarmung, mit Yoongi in der Mitte. Sie blieben für eine ganze Weile so. Hielten einander mit all der Liebe und den Emotionen, die sie herausbekamen, damit Yoongi wusste, wie sehr er geliebt wurde.

Die Umarmung dauerte länger als gedacht, aber schon bald lösten sie sich voneinander. "Okay, Leute. Ich bin froh, dass wir das geklärt haben! Aber ich geh jetzt ins Bett." sagte Yoongi eigenartig, so als würde er versuchen zu fliehen? Aber die Member merkten, dass da noch was war. Ja, eines wurde geklärt, aber da war noch etwas, das Yoongi störte und das wussten sie. Sie hatten ebenfalls noch eine Frage.

"Warte! Yoongi, komm wieder her."

"Ich- Ja, was ist?"

"Ähm, wir müssen noch etwas besprechen." sagte Jin.

Bis jetzt noch hatte Yoongi seinen Brief vergessen. Und er dachte, die Member hätten das auch. Er hatte ja auch nichts relevantes geschrieben, außer das mit seinem Geburtstag, oder? Jedenfalls nicht, soweit er sich erinnerte. Er machte sich nicht mal Sorgen wegen dem Brief.

"Gestern, als wir nach Hause kamen. Das Abendessen. Das du für uns gekocht hast."

"Ja. Ich dachte, wir würden zusammen essen, wisst ihr?"

"Ich schwöre, es tut uns Leid, aber-" Namjoon brach ab.

"Aber?" fragte Yoongi nach, er konnte sich noch immer nicht an den Brief und dessen Wirkung auf die Member erinnern.

"Dein Brief. Wir haben ihn gelesen. Wir haben alle zugehört, was du gesagt hast. Und wir haben bemerkt, das etwas los ist."

Oh nein, er musste sich jetzt schnell etwas ausdenken! "Nein. Nichts ist los, alles ist gut, wir haben vor ein paar Minuten erst darüber geredet. Es war einfach nur, dass ich ignoriert wurde, aber es ist okay, wir haben uns eben gegenseitig entschuldigt, ich weiß jetzt, dass ihr euch noch um mich kümmert. Es hat sich erledigt. Ich muss jetzt ins Bett! Gute Nacht-"

"Nein. Stopp sofort." sagte Jungkook plötzlich in einem dunklem Ton, was dazu führte, dass Yoongi abrupt in seiner Bewegung innehalten ließ.

"Lass uns ausreden. Was ist mit dem einen Part, den du ausgekratzt hast? Was hat es damit auf sich, Hyung?" fragte Jungkook, forderte eine Antwort. Niemand würde den Raum verlassen, bis das geklärt war.

"Es was nichts. Nur ein Fehler. Ich hab einen Fehler gemacht beim schreiben, a-also habe ich es einfach w-weggestrichen und neu geschrieben, das i-ist alles." Yoongi fühlte, wie Panik in ihm aufstieg und fing an zu stottern. Er würde es beichten. Er begann, es zu bereuen, das in den Brief zu schreiben. Er hatte gehofft, sie würden ihn nicht darüber ausfragen. Gestehen? Was hatte er sich dabei gedacht? Oh Gott. Konnte jemand ihn bitte retten. Er konnte es ihnen sagen. SIE WAREN ALLE IN EINER BEZIEHUNG, UM HIMMELS WILLEN!

"BULLSHIT!" rief Hoseok durch den Raum. Die Augen der Member weiteten sich bei der Anklage.

"Er hat Recht." mischte Taehyung sich ein. Die Aufmerksamkeit aller richtete sich auf ihn.
"Auf dem Papier sind deine Tränen. Du hast geweint. Du hast gesagt, du respektierst uns zu sehr, als dass du es sagen würdest. Es ist klar, dass du uns etwas beichten wolltest. und du hast es nicht. Also, was ist es?" Ihre Augen richteten sich auf Yoongi. Was war seine Antwort?

Yoongi aber sagte nichts. Er stand da, leise, starrte auf seine Füße. Er konnte es wieder nicht ertragen, in die Augen seiner Member zu schauen. "Ich schwöre, es ist nichts. Können wir das Thema fallen lassen." Yoongi meinte das nicht als Frage. Sondern als Forderung.

"Nein." sprach Jimin.

"Nein?" fragte Yoongi und schaute endlich hoch.

"Nein." wiederholten die sechs Member einstimmig. Machten damit klar, was sie vorhatten. Sie würden herausfinden, was los war, und das noch diese Nacht.

Yoongi merkte, wie seine seine Knie anfingen zitterten. Er fühlte sich ihren dunklen Stimmen und Blicken unterlegen. Er konnte nicht. Scheiße. "I-ich.."

Mal wieder wurden die Member geschockt von dem Anblick vor ihnen. Yoongi weinte wieder. Seine zarten, blassen Wangen wurden rot vor Verlegenheit. Seine Augen wurden wieder rot von den Tränen, die über sein Gesicht flossen. Die Member konnten nicht sprechen. Sie würden Yoongi so viel Zeit geben, wie er brauchte.

"Als erstes tut es mir Leid. B-bitte seid nicht sauer auf mich, ich kann es doch nicht ändern. Ich verspreche, dass ich es irgendwie loswerde. Ihr müsst euch keine Sorgen deswegen machen. E-es ist nur, i-ich-" Er brach ab, aber niemand drängte ihn. "I-ich liebe euch, sehr." Er hatte es endlich gebeichtet. Er schaute hoch zu den Jungs, hatte Angst vor ihrer Reaktion, aber er musste wissen, was sie dachten.

Die Member lachten leicht. "Natürlich tust du das, Hyung! Bist du so verlegen, es zu sagen? Aww, du bist so süß. Wir lieben dich auch. Wir sind eine Familie, schon vergessen?" sprach Hoseok.

Yoongi weinte nur noch mehr, jagte seinen Bandmitglieder Angst ein. "N-nein, ihr versteht es nicht. I-ihr versteht nicht... I-ich mag euch. M-mehr als Freunde... Ich m-mag euch so, w-wie ich es nicht sollte. Euch alle... Ihr seid a-alle in Beziehungen. Es tut mir Leid. Ich schwöre, es ist okay... E-es ist nur, ihr seid alle s-so toll. Eure Partner haben v-verdammt viel Glück mit euch. Gott, ich wünschte, ich könnte erfahren, wie das ist, was ihr habt. Ich liebe euch schon so lange. Als ihr mit euren eigenen Beziehungen beschäftigt wart und mich alleine gelassen habt... I-ich habe mich so gebrochen gefühlt. Aber ich wusste, ich sollte euch nicht mögen. Es tut mir so Leid. Wie ich schon sagte, ich werde das irgendwie los. Ich- keine Sorge. Ich weiß, ihr habt Partner. Ich freue mich für euch. Wirklich. Ha." Yoongis Tränen hörten für einen Augenblick auf zu fließen. Er würde dieses mal nicht aufsehen. Sie hatten beim ersten mal falsch gedacht, aber er hatte gerade sein Herz ausgeschüttet. Er hatte keine Kraft mehr. er würde jetzt gehen. Sich in seinem Zimmer einsperren und dazu zwingen, über seine besten Freunde hinweg zukommen.

Yoongi wehrte sich immer noch dagegen, seine Member anzuschauen. er drehte sich sofort um und lief zur Tür, bereits auf dem Weg in sein eigenes Zimmer.

Dann plötzlich fühlte er, wie eine Hand nach seiner griff, er wusste nicht, von wem. Sie brachten ihn den Flur runter. Wieso schrien sie ihn nicht an? Wieso sagten sie ihm nicht, wie ekelhaft er war, dass er sie alle mochte, besonders wo sie alle Partner hatten? Wo brachten sie ihn hin? Yoongi hörte Schritte hinter sich, war aber zu ängstlich, um die Situation einzuschätzen. Aber die Hand an seiner fühlte sich warm an. Es fühlte sich schön an. Wie die Ruhe vor dem Sturm. Vielleicht brachten sie ihn in einen Raum, um ihn anschreien zu können? Um ihn da drin einzusperren und zu Tode zu hungern? Was auch immer es war, er hatte es verdient. Oder zumindest dachte er das.

"Yoongi" hauchte jemand in sein Ohr. Es wurde so sanft ausgesprochen. Er hatte nicht realisiert, dass sie stehen geblieben waren und sich nun in seinem Schlafzimmer befanden. Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als zwei Finger sich an sein Kinn legten und seinen Kopf hochdrückten, seine Augen trafen auf die des Members, der ihn den Flur runtergezogen hatte.

"Namjoon? Was-?" Yoongis Atmung stockte, als er fühlte, wie zwei Hände über seinen Bauch strichen und sein Shirt anhoben. "W-warte, w-was passiert h-hier!?" Yoongi schaute sich hektisch um, und plötzlich erfasste er die gesamte Situation, in einem Raum mit seinen Membern, drei von ihnen hinter ihm. Warte, was.

"Oh Yoongi, du hast so falsch gedacht, Baby~" sagte Jungkook von seiner linken.

"So, so falsch, Love."fügte Jimin zu seiner rechten hinzu.

"Es tut uns immer noch Leid, dass wir dich vernachlässigt haben, aber Gott verdammt. Als du dein Geständnis gemacht hast. Fuck. Das war das süßeste. Ehrlich gesagt haben auch wir alle schon so lange einen Crush auf dich. Wir haben es einfach nur nicht angesprochen. Jwtzt im Nachhinein hätten wir es tun sollen, aber vielleicht war es gut, dich den ersten Schritt tun zu lassen. Dich im dunklen lassen, um jetzt diesen wunderschönen Ausdruck von Verwirrung auf deinem Gesicht sehen zu können. Das ist so heiß. Jetzt gerade haben wir entschieden, dir zu zeigen, wie sehr wir dich lieben." sagte Namjoon. "Und du wirst es nie vergessen."



Und Yoongi würde tatsächlich diese Nacht nie vergessen. Sie zeigten ihm so viel Wertschätzung und Fürsorge, aber vor allem Liebe. Ihre Intimität wurde auf ein neues Level gebracht. Er wusste nicht einmal, dass er so viel Ausdauer für eine Nacht hatte. Aber es hatte sich komplett gelohnt. Er hatte fast die ganze Zeit geweint. Es war hart zu glauben. Zu denken, dass die Menschen, die er so liebte, seine Gefühle erwiderten, sogar nachdem, was er sich alles ausgemalt hatte. Jedes schlechte Endergebnis. Aber es lief alles gut aus. Es war auch gut, dass ihr Zeitplan für die nächsten Tag gestrichen wurde- Yoongi hätte es sicherlich nicht überlebt mit den Schmerzen, die er von der letzten Nacht davontrug. Jetzt hatte er seine sechs Freunde, die sich um ihn kümmerten und die verlorene Zeit mit Kuscheln und Sex wiedergut machten. Es war ein gutes Ende. Er war glücklich und er wusste, dass das sehr lange andauern würde.

"Okay, da niemand es offenbar ansprechen wird, mach ich es jetzt. Yoongi, du hast so einen schönen Hintern, Gott."

"Taehyung!!"

"Was, ich sag doch nur die Wahrheit."

Oh ja, eine wundervolle lange Zeit. Sie wird lange und mit so viel Liebe, wie es in dieser Welt gibt, andauern.

~The End
Review schreiben