With every Heartbeat...

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P12
Alex McLean Brian Littrell Howie Dorough Kevin Richardson Nick Carter OC (Own Character)
28.10.2019
06.11.2019
4
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Unser Herz schlägt etwa einhunderttausendmal am Tag, hatte ich einmal gelesen. Das sind sechzig bis achtzig Herzschläge pro Minute. Fragt mich bitte nicht warum mir gerade dies in diesem Moment durch den Kopf schwirrte.  
Mein Herz schien gerade den Rekord brechen zu wollen und die einhunderttausend Schläge in einer Minute schaffen zu wollen. Es fühlte sich an, als hätte ich einen wildgewordenen Kolibri in meiner Brust.
„Geht es ihnen gut, Miss Grant?“ ertönte die missbilligende Stimme meiner Chefin. Wahrscheinlich hatte sie Angst ich würde mich über ihren sündhaft teuren Teppich übergeben, wobei ich zugeben musste das er jetzt schon mit der seltsam braunen Farbe nicht besonders appetitlich aussah. Wer kaufte einen Teppich in so einer Farbe?
Ich saß vorn übergebeugt auf dem unbequemen Stuhl im super schicken Büro meiner Chefin, der Chefredakteurin von ‚The Stars', einem Hochglanz Promimagazin über die Reichen und Schönen dieser Welt. Mein Aufgabenbereich bei der Zeitung war die Fotoshootings zu organisieren. Das heißt im Groben Location und Thema des Sets vielen unter meine Verantwortung. Ein Traumjob würden viele denken. Was er zu Beginn auch für mich war. Im Moment hatte ich nur eines: Angst.
Langsam beruhigte sich mein Herz und die Schläge wurden weniger hektisch. Ich atmete tief durch, um wieder Kontrolle über meinen Körper zu erlangen und setzte mich aufrecht hin. Auf keinen Fall wollte ich vor meiner verhassten Chefin schwach erscheinen. Ich räusperte mich und sah ruhig über den Tisch hinweg in das verwunderte Gesicht meiner Chefredakteurin.
„Alles in bester Ordnung. Wo waren wir stehen geblieben?“  Meine Stimme zitterte doch meine Chefin zog nur kurz ihre Stirn in Falten, soweit es bei dem vielen Botox in ihrem Gesicht eben möglich war und begann wieder zu reden. Ein scheinbar endlos langer Monolog folgte, dem ich nur bedingt folgte. Ich wusste sowieso schon was sie sagte.
Mein Herzschlag dröhnt immer noch in Wellen durch meinen Körper und ließ die Stimme meiner Gegenüber stumpf und hohl klingen, als wäre mein Kopf in Watte gepackt. Ich zwang mich langsam und kontrolliert zu atmen. Nach wenigen Minuten spürte ich wie mein Herzschlag sich beruhigt hatte und mein Kopf wieder klarer wurde. Meine Panikattacke war überwunden.
„Verzeihung, wenn ich sie unterbreche" Es tat mir nicht wirklich leid ihren Monolog zu unterbrechen. „Heißt das in Klartext das Curtis es nicht schafft seine Fotostrecke zu machen und ich einspringen soll?“ Ich hatte mir die letzte Stunde lange genug anhören müssen wie talentiert und Kreativ doch Curtis war. Warum sollte ich also die Fotostrecke für ihn machen? Hatte sie doch meinen letzten Auftrag in der Luft zerrissen. Wobei das Scheitern des Shootings nicht meine Schuld gewesen war. Diese Miliardenerbinnen waren einfach mit nichts zufrieden.
Für einige Sekunden dachte ich, jetzt ist es vorbei. Im Gesicht meiner Chefredakteurin stand die blanke Abneigung. Sie verachtete mich. Nicht weil ich kein Talent hätte, nein. Einfach weil ich ihr Widersprach. Und niemand Widersprach Rose Foster, Chefredakteurin von ‚The Stars‘. Nicht mal Donald Trump. Zumindest würde er es kein zweites Mal wagen sobald sie mit ihm fertig war. Würden meine Fotostrecken und Shootings nicht bei den Lesern genauso gut ankommen wie die des talentierten Curtis, wäre ich schon längst gefeuert.
Doch sie räusperte sich nur und sprach mit ruhiger Stimme. „Curtis ist leider verhindert“ begann sie mit einer Stimme, die vor Selbstmitleid triefte. Ich rollte mit den Augen. Natürlich sah sie das. „Er muss einen größeren Auftrag erledigen. Er soll die Reality Stars…“
Nun konnte ich nicht mehr an mir halten. Er hatte diesen Auftrag für einen Reality Star abgelehnt? War er verrückt.
„Er hat für einen Reality Star diesen Auftrag abgelehnt? Ist er auf den Kopf gefallen? Hat er eine Gehirnerschütterung?“
„Miss Grant“ tadelte mich meine Chefin.
„Tut mir leid, Mrs. Foster. Aber ich denke das mein geschätzter Kollege nicht gründlich genug über seine Entscheidung nachgedacht hat“
Mrs. Foster seufzte und lehnte sich in ihren Schreibtischstuhl aus schwarzem Leder zurück.
„Curtis wurde von der Familie West persönlich angefragt…“
„Aber das ist doch lächerlich. Curtis wird doch nicht so blöd… ich meine er wird doch nicht A Promis gegen C Promis tauschen? Was für einen Sinn hätte das? Wenn er dieses Shooting macht ist angekommen“ unterbrach ich aufgebracht meine Chefin.
Mein Blick traf Mrs. Fosters und ich erkannte, sie dachte genauso wie ich.
„Sind sie fertig?“ wollte sie wissen und sah mich mit hochgezogener Augenbraue an.
Ich nickte nur und schluckte weitere Worte herunter.
„Nun gut“ Mrs. Foster setzte sich an ihrem Stuhl aufrecht auf und wühlte sich durch einen Stapel Blätter der auf der glänzenden Mahagonitischplatte lag bis sie einige davon hervorzog und mir überreichte. „Hier sind die Unterlagen und der Vertrag“
Ich blinzelte überrascht während ich die Zettel annahm und durchschaute. „Vertrag?“
„Die Bilder werden vom Kunden abgesegnet. Kein Bildmaterial darf ohne ihre Zustimmung veröffentlicht werden“ zitierte sie unberührt während sie weiter durch ihre Papiere durchsuchte. Dann zog sie weitere Zettel aus dem Stapel und hob den Kopf. Ich musste wohl ein sehr bemitleidenswerter Anblick gewesen sein, denn sie schenkte mir ein aufmunterndes Lächeln. „Das ist Standard bei International Bekannten Stars. Sie wollen sicher gehen, dass wir nichts veröffentlichen was ein schlechtes Licht auf sie werfen könnte“
Ich nickte zögerlich und griff nach dem Stift, den mir meine Chefin gab. „Und die anderen Zettel?“ wollte ich wissen während ich den Zettel zitternd unterschreib und den Stift auf das polierte Holz legte.
Mrs. Foster räusperte sich und lehnte sich wieder in ihren Stuhl zurück. „Das ist ihre Chance, Miss Grant. Machen sie gefälligst das Beste daraus. Ich weiß das sie Talent haben, sogar mehr als Curtis, wenn ich das sagen darf“ Wäre ich nicht gesessen, dann würde ich vor Schreck nun auf dem Boden liegen. Hatte sie mich wirklich gerade gelobt. „Ich habe sie beobachtet, Lexi und besonders talentiert sind sie hinter der Kamera. Also gebe ich ihnen jetzt einen Tipp: Nutzen sie ihr Talent“
„Aber… Ich meine, ich danke ihnen für ihr Lob, aber ich bin keine so gute Fotografin…“
„Das ist ihr Problem, Lexi: Ihnen fehlt es an Selbstvertrauen, sonst hätten sie Curtis schon längst den Rang abgelaufen. Und jetzt gehen sie mir aus den Augen und machen sie sich an die Arbeit. Sie haben immerhin nur noch vier Wochen bis zum ersten Shooting“
„Was?“ rief ich erschrocken aus. „Nur vier Wochen?“
Mrs. Foster hob missbilligend ihren Blick. Ihr Mund bildete eine schmale Linie.
„Haben sie ein Problem damit, Miss Grant?“
„Nein… nein, ich war nur ein wenig… naja überrascht. Dann mache ich mich mal an die Arbeit“ Ich drehte mich zu der Tür und verließ das Büro.
„Bedenken sie meine Worte, Lexi. Nutzen sie ihr Talent“ rief Mrs. Foster noch bevor ich die Tür schloss. Mit einem letzten Nicken schloss ich die Tür.
In meinem Büro angekommen ließ ich die Zettel auf den Schreibtisch fallen und ließ mich in meinen bequemen Bürostuhl sinken. Ich schloss die Augen, dachte über das eben erlebte und gehörte nach. Wie sollte ich es schaffen in vier Wochen ein Shooting zu organisieren. Ich korrigierte mich schnell: nicht ein Shooting, sondern mehrere. Eine Fotostrecke dauerte in der Regel mehrere Stunden, wenn nicht sogar ein bis zwei Tage. Wieder spürte ich wie die Angst in mir hochkroch. Schnell schüttelte ich das Gefühl ab. Es wird schon alles gut gehen.
Seufzend setzte ich mich wieder aufrecht hin und öffnete meinen Laptop. Ich brauchte zuerst eine Location. Während mein PC hochfuhr holte ich mir einen Kaffee und schaute mir noch einmal die Unterlagen, durch die mir Mrs. Foster mitgegeben hatte. Unter dem Vertrag fand ich noch eine Liste von Shooting Ideen und Fotos von Shootings, die von Curtis stammen. Als ich weiterblätterte fand ich eine E-Mail, die offenbar von dem Management der Band stammen.
Mrs. Foster,
wir müssen ihnen leider mitteilen das die von ihnen eingereichten Vorschläge nicht unseren Anforderungen und Vorstellungen entsprechen. Wenn sie uns keine besseren Vorschläge bieten werden wir den Auftrag zurückziehen.
Darunter folgte die Anschrift des Managements und deren Adresse.
„Höchst Interessant“ murmelte ich und nahm einen Schluck von meinem Kaffee. Also mochten sie die Vorschläge, die ihnen Curtis machte, nicht. Das hieß er hatte den Auftrag nicht abgelehnt, sondern verloren. Weshalb hatten wir den Auftrag dann immer noch? Ich hatte keine meiner Ideen für das Shooting eingereicht.
Als ich weiterblätterte fand ich die Antwort. Ich verschluckte mich an meinem heißen Kaffee und rang hustend nach Luft.
„Das klingt ja scheußlich“ ertönte eine Stimme an der Tür. Nach Luft schnappend hob ich meinen Kopf.
Mit einer geschmeidigen Bewegung setzte sich meine beste Freundin Sara in den Stuhl vor meinem Schreibtisch. Ihre langen braunen Haare fielen ihr wie ein Fächer über den Rücken. Im Gegensatz zu meinen die in wilden Locken in alle Richtungen standen. Mit ihrer Größe von einem Meter und achtzig wirkte sie in meinem kleinen Büro riesig. Ich beneidete sie um ihre langen Beine. Neben ihr wirkte ich mit meinen ein Meter und fünfundsechzig wie ein Zwerg. Ein Zwerg mit Stummelbeinen. Hustend wischte ich mit einem Papiertaschentuch den verschütteten Kaffee zusammen.
Ihre braunen Augen musterten mich abschätzend. „Ich habe gehört du übernimmst den Auftrag von Curtis“
„Woher weißt du das schon wieder?“
Sie lächelte. „Ich arbeite in der Redaktion, da hört man solche Sachen“
Ich hob die E-Mail so dass sie sie sah. „Wusstest du das dann auch schon?“
Sara nickte und griff nach der Keksdose auf meinem Schreibtisch. „Er ist vollkommen aus der Haut gefahren als die E-Mail mit der Absage kam. Er verkündete laut, in dem Management müsse ein vollkommener Idiot sitzen. Er ist immerhin der Top Creative Direktor von ‚The Stars‘“ Wie immer, wenn sie in meinem Büro war, lümmelte sie sich in den Sessel und mampfte die Schokokekse, die in einer Dose auf meinem Tisch standen.
„Du warst dabei?“
„Die ganze Redaktion war dabei. Alle außer du“ lachte sie. „Es tat so gut in einmal so enttäuscht zu sehen, nachdem er dir so viele Aufträge weggeschnappt hat“ schmatzte sie. „Und dann als heute die Zusage für deine Entwürfe kam hat die ganze Redaktion gefeiert“
„Was? Ihr habt gefeiert? Aber ich habe doch keine Entwürfe eingereicht?“
„Du nicht aber ich“ verkündete meine Freundin stolz.
„Du hast was?“ Ich stand kurz vor dem Durchdrehen. Meine beste Freundin, die ich schon seit Jahren kannte, mit der ich mir eine Wohnung teilte, hatte hinter meinem Rücken Entwürfe von mir eingereicht.
„Ich habe deine besten Entwürfe an das Management geschickt und sie waren begeistert. Be-geistert“ wiederholte sie mit Nachdruck und wandte sich dann wieder zu mir. „Besonders von den Fotos die du gemacht hast. Also ich würde mir nicht die Mühe machen eine Fotografin zu suchen“
„Ich werde eine Fotografin suchen und versuch jetzt ja nicht mich umzustimmen“ fügte ich hinzu als sie ihren Mund zum Protest öffnete. „Selbst zu fotografieren wird mir zu stressig“ Der bloße Gedanke daran ließ mein Herz schneller schlagen.
„Aber… du bist die Beste“
„Nein, die Beste Fotografin der Redaktion ist Meredith. Und die werde ich ins Team holen“ sagte ich und wollte gerade zu meinem Smartphone greifen als Sara dazwischenrief: „Sie ist das Wochenende schon bei Curtis eingespannt“
Verwirrt hielt ich inne. „Curtis hat sie für sein Shooting angefragt“
Sara nickte langsam.
„Dann muss ich eine Alternative finden“ Ich ließ mich in den Stuhl zurücksinken.
Sara erhob sich von ihrem Stuhl. „Die meisten sind bei den Galas eingespannt. Da ist es schwer eine gute Alternative zu finden“
„Ich werde schon etwas finden“ winkte ich ab. Meine Freundin seufzte und verließ das kleine Büro kopfschüttelnd.
Leider sollte Sara recht haben. Drei Stunden und vier Kaffee später hatte ich immer noch keinen Fotografen aber dafür einen Koffeinschock. Gerade scrollte ich durch die Liste der Freien Fotografen als mein Smartphone blinkte. Eine Nachricht von Meredith erschien auf dem Display.
Gratuliere zu dem Auftrag. Mach das Beste daraus. Du schaffst das!!!
Ich lächelte und antwortete schnell.
Danke! Hätte dich als Fotografin ins Boot geholt. Ich habe aber gehört du fotografierst lieber Reality Stars…
Es dauerte eine Weile bis ich darauf eine Antwort bekomme.
Curtis ist ein Arsch! Ich möchte lieber mit dir Arbeiten. Wurde aber ‚ausdrücklich Erwünscht‘!
Seltsam! Das hatte auch Mrs. Foster gesagt. Curtis wäre angefragt worden, und zwar persönlich. Allerdings war die Email und auch Saras Geschichte im Krassen Gegenspruch zu dieser Aussage.
Kopfschüttelnd widmete ich mich wieder meiner Liste. Nach dem ich sie dreimal durchgegangen bin und mein Kopf schmerzte, entschied ich mich für eine Fotografin mit dem vielversprechenden Namen Lesley Sinclair. Hoffentlich hielt sie was sie versprach. Schnell schrieb ich ihr eine kurze E-Mail, das sie sich bei mir im Büro melden soll und klappte den PC zu.
Müde schaute ich auf die Uhr. Es war knapp vor Mitternacht. Zeit nachhause zu gehen. Morgen war immerhin auch noch ein Tag. Und es fehlte noch eine Menge.
Wenn alles gut gehen würde, wäre ich meinem Traum einen Schritt näher. Oder meinem persönlichen Alptraum, erinnerte mich eine innere Stimme.
Ich schnappte mir meine Lederjacke, machte das Licht aus und verließ das Bürogebäude. Als die frische Nachtluft mich traf wurde mir das erste Mal klar was geschehen war: Ich, Alexis Grant, durfte ein Shooting organisieren. Nicht irgendein Shooting. Das Shooting: Die Fotostrecke zum Bandjubiläum der Backstreet Boys.
Lächelnd schlenderte ich nachhause. Diese Riesenchance würde ich nicht verstreichen lassen. Was auch immer die Wahrheit war. Ich war ja nicht Curtis.