Ein Pakt mit dem Teufel

von Silvana
GeschichteRomanze / P18 Slash
Esteban Ocon Lance Stroll
28.10.2019
25.11.2019
5
10.846
9
Alle Kapitel
28 Reviews
Dieses Kapitel
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28.10.2019 1.945
 
Disclaimer: Keine der erwähnten Personen gehört mir. Alles ist frei erfunden, es soll mit der Geschichte keinem geschadet werden und ich verdiene auch kein Geld damit.

Pairing: Lance Stroll / Esteban Ocon
Kapitelanzahl: 5
Warnungen: Trauma angedeutet (nur zwischen den Zeilen, nie explizit benannt, aber wer schnell getriggert wird, sollte hier vorsichtig sein!); P18-Slash

Man kann die Geschichte als Fortsetzung zu „Ruin My Life“ betrachten, könnte sie aber auch für sich genommen verstehen. Wer meine Interpretation von Esteban Ocon bisher noch gar nicht kennt, sollte sich aber vielleicht vorher meine beiden Oneshots „Mit allen Mitteln“ und „Herzchenaugen“ durchlesen, um eine Ahnung zu kriegen, worauf er sich hier einlässt. ;)
Beim Genre habe ich mich schwergetan. Ich habe mal Romanze gewählt, kann aber schon versprechen, dass es eine sehr eigenwillige Romanze werden wird... ;)
Es gibt keine Zeitsprünge zwischen den Kapiteln, sondern die komplette Story spielt an einem Tag und die Kapitel schließen direkt aneinander an. Viel Spaß beim Lesen! ;)


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(Montreal, Kanada, 10. August 2020)

Gedankenverloren saß Esteban Ocon auf dem Beifahrersitz des Maserati und starrte zum Fenster hinaus. Er hatte bis eben geschlafen und wäre bei dem Anblick, der sich ihm nun bot, am liebsten gleich wieder eingenickt – Felder und Wiesen, soweit das Auge reichte. Waren sie überhaupt noch in Montreal, fragte er sich kurz und warf einen flüchtigen Seitenblick auf Lance, der hellwach und mit einem breiten Lächeln am Steuer saß. Ach was sollte es, der würde schon wissen, wie er fahren musste, immerhin kannte er die Stadt nach wie vor wie seine Westentasche, dachte Esteban bei sich. Zwar hatte Lance mit seiner Familie viele Jahre in Genf gelebt, aber sie besaßen eine Ferienresidenz in Montreal und seine gesamte Kindheit hatte er hier gewohnt. Jetzt tat er das erneut, denn seit Februar gehörte ihm ein eigenes Haus in der Stadt und in dieses hatte er Esteban in der Sommerpause eingeladen.

Die beiden waren seit August letzten Jahres nicht mehr zusammen, aber sie blieben Freunde und das klappte erstaunlich gut, besser als Esteban es je erwartet hätte. Lance akzeptierte die Trennung ohne großes Drama, obwohl er den Älteren immer noch liebte, das war ihm deutlich anzumerken. Aber er ging Esteban nicht mehr auf die Nerven, rief ihn nicht mehr zwanzigmal am Tag an, verhielt sich nicht unreif, sondern gewährte ihm endlich Raum zum Atmen und hielt sämtliche Forderungen des Franzosen ein. An Rennwochenenden ließ er ihn in Ruhe arbeiten, außer Esteban wünschte von sich aus, etwas zu unternehmen und wenn das der Fall war, bestand Lance darauf, ihn einzuladen und überschüttete ihn mit Aufmerksamkeiten. Kurz gesagt, der 21-Jährige tanzte komplett nach seiner Pfeife, genauso wie Esteban es mochte. Er genoss weiterhin die Annehmlichkeiten ihrer einstigen Beziehung bis auf den Sex, denn seit der Trennung hatten sie keinen mehr und er war ihm dennoch zu nichts verpflichtet.

„Na, bist du wach, Süßer?“, hörte er Lance plötzlich fröhlich fragen.

„Nicht wirklich“, entgegnete Esteban müde. Sie hatten bis tief in die Nacht in einem Club gefeiert und heute Morgen hatte Lance ihn für seinen Geschmack viel zu früh aus dem Bett gescheucht. Dass er nun die Autofahrt verpennte, hatte sich der Kanadier somit selber zuzuschreiben und Esteban überhörte an der Stelle mal großzügig, dass er ihn schon wieder bei seinem Kosenamen genannt hatte. Den ‚Süßen‘ konnte er sich auch nach der Trennung manchmal nicht verkneifen, aber Esteban sah meistens darüber hinweg, solange er sich ansonsten angemessen verhielt und das tat er ja. Nach einer schier endlosen Fahrt durch die Pampa bog Lance auf einmal in einen Feldweg ein und stellte das Auto zwischen drei größeren Büschen ab. „So, da sind wir schon“, flötete er gutgelaunt und stieg aus dem Wagen aus. Esteban tat es ihm gleich und wäre um ein Haar in einer Schlammpfütze gelandet, wenn er nicht auf den Boden geachtet hätte. Klasse geparkt, dachte er mürrisch und schaute sich die Gegend an: Kilometerlange Felder zu seiner Rechten, eine Anhöhe mit Wald zu seiner Linken, die sogenannte Hauptstraße, auf der alle paar Minuten ein Auto fuhr hinter ihm und ein mehr schlecht als recht asphaltierter Weg vor ihm. Sie standen mitten in der Walachei, dabei sah ihr ursprüngliches Ausflugsziel etwas ganz anderes vor.

„Also ich weiß ja nicht, vielleicht liegt es an mir, aber ich kann hier kein Massagestudio finden“, merkte Esteban ironisch an. Genau genommen konnte er überhaupt nichts Interessantes finden.

„Nein, das stimmt. Ich habe mir eine kleine Planänderung erlaubt, um dich zu überraschen.“

Esteban verdrehte insgeheim die Augen. Toll! Er liebte derartige Überraschungen ja auch so sehr. Erneut sah er sich um, in der Hoffnung, die großartige Überraschung selbst zu entdecken, doch er resignierte schnell. „Lance... warum sind wir hier?“, fragte er unwillig. „Wo sind wir überhaupt? Gehört diese Einöde zu Montreal?“

„Das tut sie tatsächlich. Wir sind ein Stück außerhalb der Stadt an einem Ort, den ich als Kind oft besucht habe“, sagte er und deutete auf die Anhöhe. „Das ist ‚Die Kippe‘. Als Chloe und ich klein waren, haben wir bestimmt jedes dritte Wochenende hier gespielt und später bin ich auch alleine gern dort oben rumgelaufen. Es grenzt an ein Wunder, dass ich dir das nie gezeigt habe, aber wahrscheinlich hatten wir damals einfach besseres zu tun.“

Ja und heute übrigens auch, dachte Esteban gereizt. Sein Verlangen, mit Lance irgendwelche Kindheitserinnerungen aufzuarbeiten, hielt sich gelinde gesagt in Grenzen.

„Sei nicht traurig, das Massagestudio ist nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Wir lassen uns eben morgen durchkneten“, fügte der 21-Jährige sogleich versöhnlich hinzu.

„Okay, aber was genau machen wir jetzt?“ Fragend schaute Esteban ihn an. Nun, wo er ‚Die Kippe‘ gesehen hatte, konnten sie auch genauso gut wieder heimfahren.

„Wir beide gehen da hoch, laufen ein Stück und dann zeige ich dir ein wirklich cooles Plätzchen. Das wird dir gefallen, da bin ich sicher.“

Der Ältere hatte größte Mühe, seine Entgeisterung nicht allzu offen zur Schau zu stellen. „Du willst mit mir durch diesen Wald spazieren?“

Lance lachte. „Das ist doch kein Wald, Süßer. Für kanadische Verhältnisse ist das ein loses Zusammentreffen von ein paar Bäumen. Man kann sogar schon fast durchgucken.“

Angestrengt spähte Esteban in das Dickicht, aber er konnte beim besten Willen nicht hindurchgucken, geschweige denn einen Ausgang erkennen. „Also für französische Verhältnisse ist das ein Wald“, stellte er mit vor der Brust verschränkten Armen fest und machte nicht den Anschein, als wollte er einen Fuß dort reinsetzen.

„Fürchtest du dich davor?“, fragte Lance behutsam, als ihm auffiel, wie unbehaglich sich sein Freund zu fühlen schien.

„So ein Unsinn, ich habe doch keine Angst vor Bäumen“, entgegnete Esteban eine Spur schroffer als beabsichtigt. „Ich... bin einfach nur nicht gerne in Wäldern, die beengen mich. Ich mag lieber den Strand und das Meer, das ist meine Welt. Oder Berge von mir aus, damit kann ich was anfangen.“ Klettern war eins seiner größten Hobbys.

„Weiß ich doch, ich wusste nur bisher nicht, dass du Wäldern so wenig abgewinnen kannst. Wie kommt das?“

„Keine Ahnung, ist halt so“, log Esteban. Lance konnte davon nichts wissen, da er es ihm nie erzählt hatte, genauso wenig wie den Grund für seine Abneigung und er dachte nicht daran, das heute nachzuholen, also wechselte er schnell das Thema. „Egal, nun will ich diesen Ort auch sehen, von dem du so begeistert bist, also gehen wir?!“ Er versuchte, neugierig zu klingen und nicht weiter den Eindruck aufkommen zu lassen, als ob er ein Problem hätte.

„Na klar, los, komm!“, freute sich Lance. Er umfasste Estebans Hand und führte ihn ein Stück bergauf, bis sie vor einer Barriere standen. Rechts daneben, halb von einem Strauch verdeckt war ein verwittertes Schild angebracht.

„Oh, betreten verboten“, las Esteban vor. Möglicherweise war das Schicksal auf seiner Seite und der Ausflug schneller beendet als angenommen.

„Ach, mach dir keine Sorgen, das gilt nicht für uns“, winkte Lance ab. „Dieses Schild steht schon seit zwanzig Jahren da, aber keinen Menschen interessiert es. Ich habe auch noch nie erlebt, dass jemand kontrollieren kommt“, sagte er und zwängte sich links an der Barriere vorbei. Esteban folgte ihm mit einem mulmigen Gefühl im Bauch und nach wenigen Minuten hatten sie die Absperrung hinter sich gelassen. Zu Beginn war der Weg gut gangbar, doch je weiter sie in den Wald vordrangen, desto mehr verlief er sich in einem Trampelpfad. Esteban konnte bloß hoffen, dass sich Lance so gut auskannte, wie er vorgab, nicht dass sie sich am Ende noch verirrten. Notfalls musste er sich mit Google Maps helfen. Er schaute kurz auf sein iPhone und stellte erleichtert fest, dass er Empfang hatte. „Gibt’s hier eigentlich Bären? Immerhin sind wir in Kanada“, argwöhnte der Franzose.

„Denkst du, nur weil wir in Kanada sind, versteckt sich hinter jedem größeren Baum ein Bär? Du schaust zu viel Fernsehen“, antwortete Lance schmunzelnd. „Nein, auf der Kippe gab es nie Bären, höchstens Waschbären, aber falls wir überhaupt Tiere sehen, dürften das wohl eher Rehe oder Eichhörnchen sein. Ich würde dich nicht herbringen, wenn es gefährlich wäre.“

Sie gingen weiter und standen bald vor einer Kreuzung mit drei Weggabelungen. Die linke führte zu einem Hochsitz, der vermutlich für Wildhüter gebaut war, die rechte in einen seltsam grell aussehenden Abschnitt voller Birken. Lance nahm den mittleren Weg, den dunkelsten von allen, denn die Bäume standen dort dichter und schirmten viel Sonnenlicht ab. Die innere Unruhe, die Esteban bislang erfolgreich unterdrücken konnte, kroch nun in seine Gliedmaßen und ließ ihn frösteln. Er spürte sein Herz schneller schlagen, fühlte einen Kloß in seinem Hals und Panik, die sich in ihm breit machte. Reiß dich zusammen, befahl er sich selber lautlos. Du bist keine dreizehn mehr, du bist nicht in Chantilly, versuchte er sich zu beruhigen. Er ließ sich einen halben Meter hinter Lance zurückfallen und tat so, als würde er sich die Gegend ansehen, um unbemerkt die Hand auf sein rasendes Herz pressen und ruhig ein- und ausatmen zu können. Gott, wie er sie hasste, diese beschissene Klassenfahrt im Frühjahr 2010! So viel von seiner Schulzeit hatte er verpasst, nur ausgerechnet die vier Tage in Chantilly nicht und die verfolgten ihn bis heute, jedenfalls in Situationen wie dieser. Er wusste genau, warum er Wälder mied, aber er durfte sich nicht von seinen Erinnerungen übermannen lassen.

Esteban musste sich irgendwie ablenken, seinen Verstand beschäftigen und das tat er, indem er sich überlegte, woran ihn das Szenario hier erinnerte. An einen richtig schlechten Horrorfilm. Wenn man sich das mal so vor Augen führte, sein Ex brachte ihn in einen düsteren Wald, alles begann total harmlos, irgendwann zeigte er ihm dann eine romantische Hütte, wollte mit ihm über ihre Beziehung reden und es noch mal versuchen und wenn seine Antwort nein hieß, drehte der Ex durch und jagte ihn mit einer Axt bewaffnet quer durchs Unterholz. Esteban warf einen verstohlenen Blick zu dem Kanadier und versuchte vergeblich ein Kichern zu unterdrücken. Die Vorstellung war herrlich absurd. Lance hatte recht gehabt, er guckte definitiv zu viel Fernsehen.

„Worüber lachst du?“, wollte der Jüngere auf einmal wissen.

„Über die Wolke da oben“, redete sich Esteban spontan heraus. „Die sieht aus wie ne‘ Banane.“

Lance schaute zum Himmel. „Hm, das stimmt! Wie sagte ein weiser Mann einst? Never make eye contact with anyone... when you’re eating a banana.“

„Du bist bescheuert“, lachte Esteban und boxte Lance leicht gegen die Schulter. Sein Freund konnte so albern sein, na gut, zugegeben, das konnten sie beide. „Solchen Blödsinn merkst du dir?“

„Natürlich, immerhin kam er von dir“, meinte der 21-Jährige grinsend und Esteban nahm wohlwollend zur Kenntnis, wie sich sein Herzschlag beruhigte, während sie miteinander scherzten und weiterliefen. Die Ablenkung war ihm gelungen, nun musste er die ausgelassene Stimmung bloß aufrecht halten und das Jahr 2010 in die Untiefen seiner Seele zurückdrängen, wo es hingehörte.


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tbc


Über ein Review würde ich mich riesig freuen. <3
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