Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Magic, And A Little More

von Seera-san
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
J-Hope Suga
27.10.2019
08.12.2019
3
31.259
7
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
16.11.2019 9.888
 
„Ich kann nicht glauben, dass ich das hier wirklich tue.“ Murmelte ich mir selber zu und betrat das riesige Grundstück. Ich war einen Tag nach dem Gespräch mit Namjoon aufgebrochen. Es hatte auch nicht unbedingt lange gedauert herauszufinden, wo Hoseok seinen Sitz hatte, da er der Kopf des größten Vampirklans der Stadt war.

Deshalb war mir auch etwas mulmig zumute. Mit ein paar Vampiren würde ich klar kommen, aber was vor mir lag war Vampirrevier. Bloß lebensmüde Leute wagten sich alleine hierher. Und doch war ich hier…

Verdammt sei Namjoon, mir das eingeredet zu haben.

Vielleicht hätte ich doch Jeongguks Angebot annehmen sollen und ihn mitnehmen sollen.

Ich schüttelte meinen Kopf. Nein, das wäre überhaupt nicht gut ausgegangen. Es war besser, dass ich allein ging.

Ich hatte das Gefühl schon beobachtet zu werden, seit ich Fuß auf das Grundstück gesetzt hatte. Dieses war reich an Wald und weitläufiger freier Fläche. In dessen Mitte prangte das unübersehbare Herrenhaus in dem der Klan auch schließlich hauste.

Soweit ich wusste wohnte Hoseok fest darin und die übrigen Vampire wohnten ab und zu dort, hatten somit auch andere Behausungen. Das Herrenhaus diente vor allem Treffen und dergleichen.

Langsam schritt ich heran. Vor dem eigentlichen Eingang war ein Brunnen in dessen Mitte eine Figur zu sehen war. Eine auf dem Bauch liegende Meerjungfrau die ihre Flosse in die Höhe hielt. Umgeben war sie von mehreren Lotusblüten aus Stein, die kleine Fontänen von Wasser etwas in die Höhe schossen. Der Stein sah so aus als würde er sorgfältig sauber gehalten werden, da keinerlei Spuren von Dreck darauf zu sehen war.

Vampire hatten deutlich zu viel Zeit und einen zu großen Drang für Ordnung und pompöse Behausungen. Ich schüttelte meinen Kopf.

Ich wandte meinen Blick ab sobald ich den Brunnen umgangen war und schritt die Treppe hinauf. Vor mir ersteckte sich sogleich auch die riesige Eingangstür, der Löwenkopf des Türklopfers starrte mich förmlich höhnisch dabei an. Ich sah mich noch einmal angespannt um, ehe ich den Ring des besagten Türklopfers anhob und damit dreimal gegen die schwere Tür klopfte.

Das Geräusch war wie das Schlagen eines Herzens und ging einem  durch den ganzen Körper. Die Magie die diesen Ort umgab war erdrückend, so wie man es sich immer vorstellte, wenn man von Vampirmagie sprach. Sie drückte mir die Kehle zu und machte einem das Atmen schwerer.

Ich wartete und wartete und doch kam nichts. Man hatte mich bestimmt schon längst bemerkt. Schon bevor ich das Grundstück betreten hatte, müssten einige Vampire meine Anwesenheit bemerkt haben.

Und bevor ich noch einmal meine Hand nach dem Türklopfer ausstrecken konnte, ging die Eingangstür knarzend auf und ein junger Mann erschien vor mir. Er trug eine schwarze Anzughose, ein weißes Hemd und darüber eine grau-schwarz gestreifte Weste. Seine Hände wurden von weißen Handschuhen aus Stoff umschmeichelt.  

Sein Blick durchschnitt die Luft als wäre sie Papier. Seine Augen glitzerten rötlich und unnatürlich.

„Was kann ich für den obersten Hexenmeister tun?“ sein Unterton gefiel mir ganz und gar nicht.

Man musste dazu wissen, dass Vampire eine bestimmte Etikette hatten. Sie hatten etwas für Bankette, feine Kleidung und fälschliche Freundlichkeit übrig. Oh, und sie waren ungeschlagene Meister im Halten von Maskenbällen. Selbst die legendären Maskenbälle Ludwigs XIV. konnten sie übertrumpfen, soviel sagte man sich.

„Ich möchte mit Jung Hoseok sprechen.“

Der Vampir sah mich abschätzig an, ehe er mit der Zunge schnalzte.

„Meister Jung empfängt solch einen Besuch nicht. Erst recht nicht unangemeldet.“ Ich verpasste seine abwertende Wortwahl nicht.

Ich hatte dafür jedoch auch nur ein Schnauben übrig. „Ich bitte Sie daher umgehend unser Grundstück zu verlassen. Niedere Wesen sind hier nicht willkommen.“ Ich versuchte seine Worte nicht zu nah an mich ran zu lassen. Niedere Wesen, dass ich nicht lache. Erfahrene Hexenmeister und alte Vampire waren meistens gleich auf, was ihre Kräfte und Erfahrung anging. Bei Hoseok war ich mir noch nicht ganz so sicher, aber rein kräftetechnisch war ich dem Vampir vor mir weitaus überlegen. Die Magie die ihn umgab war bei weitem nicht so stark wie die von Hoseok.

„Was wenn ich das Grundstück nicht verlassen werde bis ich mit ihm gesprochen habe? In welcher Position bist du das zu hinterfragen oder auch nur zu beurteilen?“ ich ließ mich doch nicht von einem jungen Vampir in die Schranken weisen oder gar schikanieren nur, weil er anscheinend eins von Hoseoks Schoßhündchen war. Mein junges Ich wäre sicherlich zurückgeschreckt, aber dafür lebte ich nun schon viel zu lange, um mich ausgerechnet nun davon aufhalten zu lassen.

Die Augen meines Gegenübers verdunkelten sich. „Ich rate Ihnen sich im Zaum zu halten sonst-“

Plötzlich wurde die Tür komplett aufgezogen und ein weiterer Vampir erschien. „Nichts sonst. Meister Jung erwartet den Hexenmeister schon.“ Er sah mich an und bat mich mit einer simplen Handbewegung hinein. „Aber-“ „Nichts aber Kihyun. Meister Jung weiß was er tut, da hast du nicht zu intervenieren.“ Der junge Vampir, dessen Name allem Anschein nach Kihyun war, verschränkte die Arme vor der Brust und schnalzte erneut genervt mit der Zunge, ehe er in einem der großen Räume verschwand.

Der größer und älter wirkende Vampir sah mich tatsächlich entschuldigend an. „Ich bitte um Verzeihung. Er ist einer unserer Frischlinge und weiß noch nicht wie man sich zu verhalten hat.“ Er deutete eine leichte Verbeugung an. Ich tat es mit einem nicht weiter schlimm ab.

„Meister Jung erwartet Sie schon, wie gesagt. Lassen wir ihn besser nicht länger warten.“ Er lächelte und ging voraus. Die Tür fiel hinter mir zu.

Wenn ich mich nicht täuschte war er der erste Vampir der seine Freundlichkeit nicht fälschte. „Ich glaube ich möchte mich doch bei Ihnen bedanken.“ Sagte ich dann. Meine Worte hallten seltsam in der großen Halle wieder.

Der Vampir kicherte, drehte sich aber nicht um. „Wenn Sie nicht dazugekommen wären, hätte ich entweder wieder gehen müssen oder der größte Vampirklan der Stadt würde mir nun an die Gurgel springen wollen.“ Erneutes Kichern.

Diesmal sah er mir, über die Schulter hinweg, in die Augen.

Grün.

Dann wieder nach vorne.

Unterwegs begegneten wir keinem und das ließ einen kalten Schauer über meinen Rücken laufen, weil ich trotz dessen mehrere Präsenzen spüren konnte. Und das unmittelbar.

Der Boden schien poliert und an den Wänden hingen Gemälde. Unsere Schritte wurden von dem Teppichläufer gedämpft und hallten seltsam an den Wänden wieder.

„Wir sind da.“ Sagte der Vampir und ich sah perplex die Tür vor mir an. Ich hatte gar nicht bemerkt mit hierhin gelaufen zu sein. Ich ließ meinen Blick etwas wandern. Die Eingangstür war auch nicht mehr in Sicht.

In welchem Teil des Herrenhauses waren wir?

„Klopfen Sie besser an, bevor Sie eintreten. Ich weiß leider nicht in welcher Stimmung Meister Jung gerade ist, also sollten Sie vielleicht gute Manieren zeigen.“

Ich hob fragend eine meiner Augenbrauen. Dachte der wirklich ich wüsste nicht wie man sich zu benehmen hatte? Hoseok war derjenige, der keinerlei Manieren hatte. Er war immerhin derjenige gewesen, der einfach bei mir eingebrochen war und sich an meinem Tee bedient hatte ohne auch nur zu fragen und das nur, weil er etwas von mir wollte. Und das mitten in der Nacht… Erholsamer Schlaf wurde mir nicht oft gewährt und wenn man mich dabei störte…

Der Vampir hob abwehrend seine beiden Hände in die Höhe nachdem er meinen Blick gesehen hatte. Sein Lächeln verließ sein Gesicht dabei nicht. „Ich möchte keinesfalls sagen oder auch nur annehmen, dass Sie keine Manieren hätten, nur war es… erwähnenswert, nehme ich an.“

Ich nickte verstehend und wollte dann zum Klopfen ansetzten, bevor ich unterbrochen wurde. Der Vampir hielt meine Hand leicht fest und ließ sie dann sofort wieder los, so als hätte er sich verbrannt.

„Ich möchte nur, dass Sie eines noch wissen.“ Fing er an.

Sein Lächeln nicht schwindend.

„Wir sind nicht so schlimm wie alle immer annehmen. Bitte geben wenigstens Sie uns eine Chance.“

Ich konnte darauf nichts erwidern, da sich der Vampir rasch verbeugte und dann den Gang hinunter, hinter einer Ecke verschwand.

Ich stand nun alleine im Flur. Vor der Tür hinter der Hoseok schon auf mich wartete.

Ich klopfte.

„Herein.“ Ertönte es dumpf von der anderen Seite und ich schob dann die großen schweren Türen auf.

Gedimmtes, warmes Licht kam mir entgegen und hüllte mich komplett ein als ich den Raum betrat. Es sah aus wie ein Arbeitszimmer.

Die Türen fielen hinter mir wieder zu.

Auf der linken Seite waren riesige Fenster, allesamt verhangen mit einem schwer aussehenden Vorhang, bis auf eines. Durch dieses kam das restliche Licht der Nachmittagssonne hineingeschienen. Der rechte Teil des Raumes wurde vollkommen von monströsen Bücherregalen eingenommen. Die Einbände waren mit Titeln beschriftet die mir unbekannt waren, doch weckten sie durchaus mein Interesse durch ihr bloßes, ominöses Auftreten. Mein Blick wanderte etwas nach oben und entdeckte ein zweites, offenes Stockwerk auf welchem nur noch mehr Bücher gelagert wurden. Der Schein einiger angezündeter Kerzen flackerte etwas von oben herab.

In der Mitte war schließlich ein großer Schreibtisch, an dem der braunhaarige Vampir saß. Er hatte eine Brille auf der Nase sitzen und sah mich an. In seiner Hand irgendwelche Papiere, die er wohl zuvor gelesen hatte.

„Ah, ich hatte dich heute nicht erwartet, Yoongi.“

Ich schnaubte und machte einige Schritte auf den Schreibtisch zu. „Natürlich hast du das. Einer deiner Vampire hat mir gesagt, dass du mich erwarten würdest, als er deinen Türsteher von der Eingangstür weggeholt hat.“

Hoseok murmelte etwas was sich ganz nach einem dabei hatte ich Taemin doch gesagt, dass er nicht zu viel plaudern sollte anhörte.

„Ich hoffe, dass dir Kihyun nicht zu viele Probleme bereitet hat. Er mag Fremde… nicht besonders.“ Sagte er dann und nahm sich die Brille von der Nase und legte diese auf den Tisch.

Ich rümpfte etwas die Nase. „Das habe ich bemerkt.“

Hoseok lachte. „Also, wieso bist du hier?“ in seinen Augen tänzelten wissende Funken.

Natürlich wusste er warum ich hier war. Warum in aller Welt würde ich mich sonst in Vampirrevier begeben?

„Das weiß du genau.“ Sagte ich leicht angenervt.

„Ach tue ich das?“ er lächelte amüsiert und erntete einen genervten Blick meinerseits. „Hör mal, wenn du eine Entschuldigung haben willst, dann kannst du lange darauf warten. Es gibt nichts wofür ich mich entschuldigen sollte.“

Der braunhaarige schürzte seine Lippen etwas. „Natürlich nicht. Aber wie ich sehe hast du deine Meinung anscheinend geändert? Woher der Sinneswandel?“

Ich steckte meine Hände in die Taschen meines Mantels und korrigierte meine Haltung etwas. „Um es kurz zu fassen: Vielleicht möchte ich dem Ganzen hier eine Chance geben.“

Hoseok hob erstaunt und verwirrt zugleich eine seiner Augenbrauen in die Höhe. „Dem Ganzen? Was meinst du?“

Ich zuckte mit meinen Schultern. „Du stellst die falschen Fragen.“

Hoseok lächelte nur und ging dann darauf nicht mehr ein. Er packte die rausgekramten Papiere ordentlich in einen Ordner und stand dann auf. „Folge mir. Vielleicht sollte ich dir ein paar Einzelheiten näher bringen, bevor wir anfangen.“

Ich nickte. „Wäre gut, wenn ich wüsste was mich genau erwartet.“ Der braunhaarige lief in Richtung der Türen und verließ das Arbeitszimmer, den Gang hinunter.

„Und wohin gehts nun? Das Herrenhaus ist so groß, dass ich gerade keine Ahnung habe in welchem Teil wir uns befinden.“ Gab ich ehrlich zu und sah wie der Vampir mich über seine Schulter hinweg kurz ansah. Dabei traf schieres Gold auf einen tiefschwarzen Sternenhimmel, verhangen von undurchdringlichen Wolken.

Er sah wieder nach vorne.

„Das ist der westliche Flügel. Wir begeben uns gerade nach unten, in den Garten. Dort wartet schon jemand.“

Ich wurde hellhörig. „Jemand?“ er nickte.

„Eine Zeugin eines Angriffes. Es kommt uns eigentlich nur gelegen, dass du dir Zeit mit deiner Entscheidung gelassen hast, da sie ziemlich traumatisiert war. Und noch immer ist…“





Hoseok schob die gläsernen Türen, die hinaus in den Garten führten, langsam auf und mir kam sofort frische Luft entgegen. Ich zitterte ein wenig bei der eisigen Kälte. Ich zog meinen Schal etwas höher, über meine Nase.

„Wieso denn hier draußen? Sie muss doch schrecklich frieren.“ Hoseok zuckte mit den Schultern. „Sie ist schon seit ich bei dir war, vielleicht auch etwas länger schon, hier. Tagsüber ist sie immerzu draußen und nachts schläft sie im Wohnzimmer, was direkt hier am Garten angrenzt. Sie traut sich nicht weiter ins Haus hinein. Ich bin mir auch nicht so sicher, ob sie sich bewusst ist, dass sie nur von Vampiren umgeben ist…“ erneutes Zucken. „Taemin kümmert sich seitdem um sie. Sie… wirkt so als wäre sie in einer anderen Welt gefangen.“

Und als er das sagte erschien die besagte Person auch schon in meinem Blickfeld. Eine junge Frau, vielleicht Mitte zwanzig. Sie saß auf einer Bank und starrte bloß vor sich hin. Sie sah ziemlich dürr und müde aus. Das dunkle Haar war chaotisch zu einem Dutt zusammengebunden. Einige Strähnen hingen lose hinaus. Taemin, der mir vorher geholfen hatte, war bei ihr und hatte ihr anscheinend Tee gebracht den er versuchte ihr zu verabreichen.

„Wie ist sie überhaupt hier gelandet?“ Hoseok machte einen Laut, so als würde er nachdenken. „Einer unserer Botschafter kam mit ihr zurück. Er wollte sich das Dorf anschauen, von dem ich dir erzählte. Sie hatte ihn gesehen und sich an ihn geklammert sobald er wieder gehen wollte und ihn gebeten sie mitzunehmen. Wohin war ihr egal. Sie wollte einfach nur weg und hatte nicht locker gelassen. Seitdem ist sie hier und spricht nicht mehr.“

Sein Blick schien traurig zu werden. „Taemin ist der einzige der sie wenigstens dazu bringen kann etwas zu trinken und zu essen. Wenn auch nicht viel.“

„Sie trinkt und isst nicht?“

Der Vampir schüttelte seinen Kopf. „Nicht von alleine und auch nicht viel. Gut schlafen tut sie auch nicht. Sie wird jede Nacht von mindestens einem Albtraum wachgerüttelt und schreit alles zusammen.“

Wir traten langsam an den Vampir und den Mensch heran. Sie rührte sich nicht, so als würde sie uns gar nicht wahrnehmen.

„Wie macht sie sich so?“ fragte Hoseok dann. Taemin drehte sich um und stellte niedergeschlagen die Teetasse weg. „Ich habe versucht ihr Tee zu geben. Ich habe etwas untergemischt was ihren Geist eigentlich aufwecken sollte, aber sie nimmt keinen einzigen Schluck.“

Mein Blick wanderte zu der jungen Frau. „Darf ich sie mir kurz mal anschauen?“

Taemin sah mich an und nickte dann bloß. Trat dann zur Seite, damit ich etwas Platz hatte.

Ich ging langsam auf sie zu und hockte mich vor ihr hin. Ihre Augen schienen getrübt. So als würde ein rauchblauer Schleier über ihnen liegen. Es glich fast schon der menschlichen Krankheit, der graue Star jedoch stimmte die Farbe nicht mit überein. Hier war Magie mit im Spiel.

Langsam griff ich nach ihrer Hand. Keine Reaktion ihrerseits. Ich spürte nun bloß komplett erkaltete Haut, so als wäre sie tot. Meine andere Hand legte ich an ihre Stirn und schloss die Augen.

Wenn ich dies tat erlaubte es mir eigentlich das Innere eines Wesens zu sehen, die Seele, doch…

Ich sah nichts außer einen Sturm. Einen Sturm der in ihr tobte und ihr lebendes Wesen komplett eindeckte.

Eine magische Blockade.

Wir mussten schnell handeln. Wenn das so weiter gehen würde, würde sie irgendwann verhungern oder verdursten, da die magische Blockade immer mehr ihrer Sinne und das Wahrnehmen grundlegender Bedürfnisse trüben würde.

Ich stand ruckartig auf.

„Ich brauche einen ungenutzten Raum.“ Ich sah Hoseok an.





„Können wir dabei sein oder irgendwie behilflich sein?“ fragte Taemin als ich meine Dinge sortierte, die ich mit einem raschen Zauber von Zuhause hergezaubert hatte. Raik war ebenfalls mitgekommen und fauchte jeden vorbeikommenden Vampir an, der neugierig am Schauen war, was ich denn hier tat.

Ich hatte mich für ein Reinigungsritual und einen Befreiungszauber entschieden. Da ich sie aber nicht zu mir nach Hause holen konnte, da sie dafür nicht genug bei Sinnen war, musste ich improvisieren und meine Utensilien von Zuhause herholen.

„Ich bin dafür, dass du die anderen im Zaum hältst. So wie ich nämlich Kihyun kenne wird er wieder etwas mit Jooheon aushecken und den Hexenmeister bei der Arbeit stören wollen.“ Antwortete der braunhaarige Vampir und sah dann mich an.

Taemin sah ihn unschlüssig an. „Seid ihr sicher Meister-“ „Ja, Taemin. Ich bin mir sicher. Ich vertraue dir und das sage ich dir sowohl als Meister als auch als guter Freund.“

„Okay.“ Murmelte er dann und verschwand.

Hoseok hatte mir ein Zimmer im ersten Stock zugewiesen. Drinnen hatte ich schon eine Schüssel Salbei angezündet, um den Raum von negativen Energien zu reinigen und einen neutralen Raum für Magie zu schaffen.

„Was kann ich tun, um dich vielleicht zu unterstützen?“

Ich kramte in meiner Tasche herum und zog einen kleinen Beutel heraus, dessen Inhalt etwas knirschte. Ich hatte wie immer zu viel hergezaubert. Das meiste würde ich nicht benötigen, da dies kein aufwendiger Zauber war.

Ich hielt Hoseok den Beutel hin, den er fragend annahm. „Das sind Badesalze. Nimm ein Bad. Wenn du mir helfen willst, musst du dich von allen negativen Energien damit reinwaschen. Es dauert wahrscheinlich noch eine Weile bis der Raum komplett gereinigt ist, also lass dir ruhig Zeit.“

Hoseok nickte und verschwand. Ich betrat das angrenzende Bad dieses Raumes und füllte eine der Schüsseln von Zuhause ebenfalls mit Wasser. Im Raum indem die Frau lag hatte ich etwas Salbei angezündet. Dieser würde den Raum von allen negativen oder frei fliegenden Energien reinigen. Ich musste dasselbe tun. Ich gab Hoseok die Badesalze. Ich selber würde mich mit Salbei reinigen. Ich müsste dann die Arme, Beine und das Gesicht der Frau ebenfalls damit einreiben.

Ich zerrieb den Salbei zwischen meinen Fingern und gab ihn ins heiße Wasser. Dazu streute ich etwas Salz und entledigte mich dann meines Schals.

Im Bad hing ein Spiegel und ich vermied es dort hineinzuschauen.

Ich krempelte meine Ärmel und Hosenbeine hoch und tauchte dann meine Hände in das Wasser. Rieb mich damit ein.

Nun der Hals und das Gesicht.

Ich sah auf.

Fuck.

Vernarbte Haut, versteckt unter Tinte, lachte mir entgegen.

Vorsichtig verteilte ich das Wasser auf meinem Hals. Ab dem Kehlkopf abwärts prangten drei große, nahaneinander liegende Narben. Darüber schwarze Tinte. Sie verdeckte die Narben vor den Augen neugieriger Leute, jedoch waren sie tief. Spürbar. Schmerzten ab und an schrecklich. Für extreme Hitze und Kälte waren sie besonders anfällig.

Das Bild einer Lilie verdeckte die Erinnerung. Sie prangte direkt über meinem Kehlkopf. Daneben hatte sich ein Rabe gesellt. Beide Motive gingen fließend ineinander über und gingen gerade mal bis über mein rechtes Schlüsselbein, endeten in einem Bett verschiedener Blüten und Ranken. Ich wollte die linke Seite meines Halses ab dem Kehlkopf auch noch ausfüllen lassen, doch wusste ich noch nicht welches Motiv diesen Job am besten machen würde. Solange würde ich noch meinen Schal tragen, bis die Narben komplett verdeckt wären.

Jedes Mal, wenn ich mit meinen Fingerspitzen über das vernarbte Gewebe strich, erinnerte ich mich.



Blut. Das Pulsieren meines Herzens in meinen Ohren. Dieser unbeschreibliche Schmerz in meinem Hals. Meine Lunge brannte. Ich konnte mich nicht bewegen. Als wäre ich gelähmt. Lautes Schnauben. Das Fletschen von Reißzähnen.

Ein weit entferntes „Ich wollte das nicht!“



Gedankenverloren rieb ich mir weiter das Wasser über den Hals und machte dann mit meinem Gesicht weiter. Ich hörte gar nicht wie die Tür im Nebenzimmer aufging und mein Namen gerufen wurde.

Die Badezimmertür ging auf und ich drehte mich ertappt um. Ich verdeckte meinen Hals mit meinen nassen Händen. „Ah, tut mir leid ich-“ „Nein schon okay. Ich war sowieso fertig…“ murmelte ich und zog mir rasch wieder meinen Schal an. Hoseok sah mir still dabei zu.

Etwas unschlüssig musterte ich Hoseok und schnaubte.

„Komm her.“ Sagte ich dann. „Was?“ Ich verdrehte meine Augen. Ich packte ihn am Arm. „Habe ich nicht gesagt, dass du auch dein Gesicht waschen sollst?“ Hoseok grinste mich ertappt an. „Es brennt, deswegen…“ Ich seufzte ehe ich meine Hände ins Salbeiwasser tauchte. Bevor ich ihn berührte sah ich ihm noch einmal in die Augen. „Das ist Salbei. Es dürfte sanfter zu deiner Haut sein. Darf ich?“ Nach kurzem Überlegen nickte er dann.

Hoseoks Haut war warm und weich. Ich war überrascht. Ich fuhr sanft mit meinen Fingern über seinen Hals, deckte diesen mit dem Wasser ein und dann sein Gesicht. Er schloss die Augen als ich mit meinen Händen leicht über sein Gesicht fuhr. Sein Atem fühlte sich kalt auf meiner nassen Haut an.

Ich reichte ihm ein Handtuch um sich abzutrocknen als ich fertig war. Er beäugte mich abschätzig.

„Wieso versteckst du deine Tattoos?“ murmelte der Vampir auf einmal ins Handtuch und sah mich eindringlich an. Ich hielt inne.



„Es ist okay. Du musst es nicht verstecken. Ich würde mich besser fühlen, wenn du dich nicht deshalb vor mir versteckst…“

„Ich sehe, dass dich der Anblick schmerzt.“

„Das ist das Mindeste was ich verdiene.“



„Ich versuche jemandem diesen Anblick zu ersparen.“ Sagte ich dann. Hoseok schnaubte. Schritte hallten im Bad wieder. Er war näher gekommen. Das Handtuch hing nun über seiner Schulter.

Er starrte mich an.

In jeder anderen Situation wäre mir das merklich unangenehm und ich würde einen giftigen Kommentar ins Gesicht des anderen spucken.

Stattdessen starrte ich zurück. Erwartend? Verwirrt? Geschockt? Ich wusste es selber nicht.

Seine Hand näherte sich plötzlich. Langsam und vorsichtig. Ich schreckte zurück. Seine Hand stoppte und sein Blick suchte den meinen. Ich sah weg. Drehte meinen Kopf weg.

Eine kurze Zeit passierte rein gar nichts und ich hatte das Gefühl Hoseok war aus dem Bad gegangen. Doch dann spürte ich wie sich der Stoff meines Schals bewegte und letztlich meinen Hals verließ. Mit einem sachten Laut fiel er zu Boden und kurz darauf spürte ich wie Fingerspitzen federleicht über die Haut meines Halses fuhren. Über die tiefen Narben. Sie fuhren die Linien der Tattoos nach. Nicht die der Narben. Sie streiften sie, ja, aber ihnen wurde nicht viel Beachtung geschenkt. „Kunst sollte man nicht verstecken, weißt du.“

Ich antwortete darauf nicht.

Kurz darauf verließen seine Fingerspitzen meine Haut und ich spürte dann wieder den Stoff meines Schals um meinen Hals. Ich sah erst wieder nach vorne, als Hoseoks Präsenz sich von mir entfernte. Er stand an der Tür.

„Lass uns mit dem Ritual beginnen.“ Sagte er dann und ging aus dem Bad.





Angestrengt verließen wir den Raum mit der jungen Frau im Schlepptau. Es war schwieriger gewesen als gedacht die Blockade aufzulösen, da sie an ihren Geist angehängt wurde.

Als sie die Augen das nächste Mal geöffnet hatte, war der Schleier verschwunden gewesen und braune Knopfaugen hatten uns verwirrt angestarrt.

Sie hatte Probleme beim Laufen also halfen wir ihr hinunter in die Küche zu kommen, wo Taemin schon mit etwas zu Essen und zu trinken auf sie wartete.

Sie setzte sich sogleich an den Küchentisch hin und nahm dankend Tee und Suppe an. Taemin lächelte erleichtert.

Ich setzte mich vorsichtig zu ihr an den Tisch und beobachtete sie ein wenig.

Sie hatte anscheinend wieder Appetit, da sie die Suppe sofort attackierte, so als hätte sie seit Wochen nichts Richtiges gegessen.

Vielleicht war das auch gar nicht so abwegig…

„Kannst du dich noch daran erinnern, wie du hergekommen bist?“ fragte ich dann und sie sah kurz auf. Sie schüttelte den Kopf und aß weiter.

„Weißt du wo du bist?“ erneutes Kopfschütteln.

„Kannst du mir denn deinen Namen verraten?“ sie nahm einen Schluck des Tees und machte dann eine Pause.

„Wenn du mir deinen verrätst und sagst was du bist, dann ja.“

Ich schien wohl etwas perplex zu gucken, da sie leicht kicherte, während sie sich einen weiteren Löffel Suppe in den Mund schob. Normalerweise würde ich jedem anderen Menschen eine blanke Lüge auftischen, doch war hier nichts normal.

„Min Yoongi. Ich bin der oberste Hexenmeister hier.“ Sie machte einen Laut, so als würde sie verstehen und als hätte ich eine ihrer unausgesprochenen Fragen soeben beantwortet.

„Das erklärt deine Augen.“

Ich sah unauffällig zu Taemin und Hoseok rüber, die mich und die junge Frau ratlos betrachteten.

„Meine Augen?“ – ein Nicken.

„Sie sehen aus als würde eine ganze Galaxie in ihnen existieren. Nicht menschlich also.“ Sie hatte die Suppe mittlerweile komplett aufgegessen und schlürfte nun ihren Tee. Taemin brachte währenddessen unbemerkt die Schüssel weg.

„Mein Name ist Lee Sunmi.“

Ich nahm dies nickend zur Kenntnis. „Sunmi. Du bist hier im Haus von Jung Hoseok. Er ist der Kopf des größten Vampirklans der Stadt.“ Sie sah überrascht auf.

„Tatsache…“ Sie sah zu Hoseok. Gedankenverloren.

„Jeder andere Mensch würde spätestens ab jetzt die Beine in die Hand nehmen und rennen.“ Kihyun kam in die Küche. Neben ihm noch jemand. Er sah ebenfalls ziemlich jung aus. War das vielleicht dieser Jooheon, den Hoseok zuvor in dem Gespräch mit Taemin erwähnt hatte?

„Kihyun, ich hatte dir gesagt, dass du bei den anderen Frischlingen bleiben sollst. Und dir auch Jooheon.“ Zischte Hoseok, doch Kihyun verdrehte bloß die Augen. Jooheon sank etwas in sich zusammen, sagte jedoch nichts.

„Ich will nur eines vorher wissen, Meister.“ Letzteres spuckte er schon förmlich aus. „Wieso ist sie immer noch am Leben? Es ist nicht so als wäre sie irgendetwas Besonderes. Wieso bieten gerade wir ihr ein Obdach? Einem Menschen. Menschen sollten nicht mehr sein als unsere Nahrungsquelle.“

Und bevor Hoseok auch nur antworten konnte, war Sunmi aufgestanden und ging schnellen Schrittes auf Kihyun zu. Die kleine Stärkung schien ihr gut getan zu haben.

„Weil ich keine Bedrohung für euch darstelle. Ich bin keiner dieser Menschen, die bei der Erwähnung von Fabelwesen austickt und Möchtegern Hexen und Hexer arrangiert, um diese zu jagen oder ihnen das Leben schwer zu machen.“

Sunmi war zwar kleiner als der junge Vampir, doch wirkte sie viel reifer und hatte eine starke Ausstrahlung.

„Du bist nichts weiter als ein nichtsnutziger Mensch. Ich könnte dir mit einer Hand das Genick brechen, wenn ich wollte.“

„Ach ja? Mach es doch. Niemand hält dich auf. Aber dann bist du nicht besser als die, die euch jagen.“

„Du kleine-“ Kihyun wollte nach Sunmis Hals greifen, doch ab da geschah alles viel zu schnell. Hoseok als auch ich wollten eingreifen. Jooheon hatte in der Zeit Abstand genommen und kauerte sich verängstigt in eine Ecke.

Taemin kam dann in mein Blickfeld und mit einem gezielten Schlag seinerseits machte Kihyuns Rücken eine schmerzhafte Begegnung mit der Küchenwand und flog demnach mehrere Meter nach hinten.

„Verschwinde Kihyun.“ Murmelte der sonst so fröhliche Vampir. Seine Stimme war etwas in den Keller gegangen und sein Blick hatte sich verdunkelt. Im Allgemeinen sah er nicht mehr aus wie zuvor. Er sah… furchteinflößend aus.

Kihyun hustete etwas Blut und rappelte sich wieder auf. Humpelnd verschwand er aus der Küche. Jooheon folgte ihm vorsichtig, immer noch in sich selber eingesackt.

„Ich verstehe den Jungen nicht. Er war doch selber einmal ein Mensch.“ Murmelte Taemin. „Er… hatte es schwer…“ antwortete Hoseok und fuhr sich, noch immer etwas aufgebracht, durchs Haar.

„Aber das tut nun nichts zur Sache.“

Taemin setzte sich schnaubend auf einen Stuhl. Sunmi setzte sich neben ihn.

„Sunmi.“ Fing ich an und fing somit wieder ihre Aufmerksamkeit ein. „Du weißt also von… uns?“ ich deutete mit einer schwachen Bewegung meiner Hand auf mich und die anderen. Sie nickte und lächelte sanft. „Meine Großmutter hat mir immer Geschichten erzählt. Von feuerspuckenden Drachen in den Bergen, Meerjungfrauen am Meer, Hexenmeistern die sagenhafte Kräfte haben. “

Sunmi spielte mit einer ihrer Haarsträhnen. „Irgendwann war ich ihr dann in den Wald gefolgt und dort hatte ich zum ersten Mal Feen gesehen. Ab da wusste ich, dass all ihre Geschichten wahr waren und schaue seitdem immer zweimal hin, anstatt alles an mir vorbeizuziehen zu lassen.“ Sie lächelte leicht und verstummte dann.

Kurz ließ ich diese Stille anhalten, ehe ich fortfuhr.

„Kannst du mir erzählen was passiert ist? In dem Dorf?“

Plötzlich legte sich eine unangenehme Stimmung über die hier anwesenden. Sunmi umklammerte ihre Oberarme.

„Eigentlich wollte ich nur eine Freundin besuchen. Ich wollte ein paar Tage bleiben. Ich hatte nichts von den Vorfällen mitbekommen.“ Sie schloss nachdenklich die Augen.

„Eines Nachts wurde ich dann von ohrenbetäubendem Geschrei wach. Ich war im Haus meiner Freundin. Ich war aufgestanden und dem Lärm gefolgt, also rannte ich sogleich die Treppe hinunter. Die Eingangstür war sperrweit offen und ich konnte nirgendwo meine Freundin entdecken. Blut hatte den Boden befleckt und dumm wie ich war folgte ich der Spur.“

Sie öffnete die Augen wieder und sah mich an.

„Die Spur führte in den Wald hinein. Einige Bewohner waren ebenfalls aus ihren Häusern gekommen und ich konnte… ich konnte jeden von ihnen es hat wieder zugeschlagen flüstern hören.“

Ein bitteres Lächeln legte sich auf ihre Lippen als sie weitersprach. „Ich weiß bis jetzt noch immer nicht, was ich mir davon versprach der Spur zu folgen. Letzten Endes…“ sie hielt sich eine Hand vor den Mund als müsste sie sich übergeben.

„Ich fand sie auf einer Lichtung. Blutüberströmt und komplett ausgeweidet…“ sie schluchzte ein wenig und Taemin nahm sie vorsichtig und beruhigend in den Arm.

„Dann war da dieser Vampir und ich sah darin meine Chance wegzukommen. Ich wollte nicht die Nächste sein… An mehr erinnere ich mich dann nicht.“

Genau dann muss die magische Blockade passiert sein.

Ihrer Geschichte nach zu urteilen könnte jedoch alles Mögliche ihre Freundin getötet haben. Hoseok spricht von einer Gestalt, Sunmi lässt es jedoch wirken, als hätte ein wildes Tier ihre Freundin brutal abgeschlachtet.

„Warte…“ ich horchte wieder auf. „Da war doch etwas… etwas war dort, was ich noch gesehen hatte bevor ich in diese Trance gefallen bin…“

Sie kniff die Augen etwas zusammen.

„Eine Gestalt. Es sah aus wie ein junges Mädchen. Sie war so klein und sah so allein und verwirrt aus. Sie… sie sah aus wie eine Erscheinung. So blass…“

Eine Erscheinung.

Wenn dem so war, dann mussten wir schnell handeln.







„Ich heiße diese ganze Aktion nicht gut.“ Ich verdrehte die Augen und krallte mir ein paar Wurzeln vom Feuerkraut und warf diese in den Topf vor mir.

Jeongguk stand im Türrahmen und beobachtete mich bei meiner Arbeit. Als ich von Hoseok wiedergekommen war, hatte er mich gleich mit Fragen durchlöchert.

„Ich vertraue diesem Vampir nicht.“ „Hast du nicht noch die Aufgaben zu erledigen, die ich dir aufgegeben hatte?“ fragte ich stattdessen. Ich pflückte die Blätter eines Sternenmohns und warf diese in den Topf hinein.

Ich hörte Jeongguk schnauben.

„Was ist, wenn du verletzt wirst oder das Ganze ein Hinterhalt ist oder-“ „Jeongguk.“ „Er ist schon einmal hier eingebrochen-“ „Jeongguk!“ ich hatte ich umgedreht. Meine Arme vor meiner Brust verschränkt. Der Werwolf sah irritiert aus.

„Ich weiß was ich tue, hör auf dich so zu sorgen.“ Diese Worte verließen meine Lippen schärfer als gewollt und ich konnte sehen wie Jeongguk kurz zusammen zuckte.

Ich seufzte und ging auf den Werwolf zu. „Jeongguk. Ich kann alleine auf mich aufpassen. Mir wird schon nichts passieren. Das müsstest du doch am besten wissen.“

Jeongguk schwieg. Sein Blick wanderte kurz zu meinem Schal und dann wusste ich endlich wo all das herkam. Ich vergrub meine Finger unbewusst im weichen Material des Schals. „Jeongguk, nicht.“ Warnte ich. „Hyung du wärst fast… ich sehe dich noch immer da liegen…“

Ich runzelte angestrengt die Stirn. „Bitte, geh einfach die Aufgaben erledigen, wir… wir sind hier fertig.“ Murmelte ich dann und drehte mich wieder um. Ging zum Topf, um den Trank weiter zu brauen.

Jeongguk stand noch eine Weile an derselben Stelle und sah mir still zu. Schritte entfernten sich dann zögernd von mir, bis ich sie dann gar nicht mehr wahrnehmen konnte.  

Ich atmete schwer aus und schloss meine Augen. Das leise Blubbern des Gebräus vor mir entspannte mich etwas und erinnerte mich an die Abende bei meiner Tante. Sie brachte mir meistens beim Abendessen neue Sprüche und Rezepte bei. Ich durfte immer die Kräuter in den Topf werfen.

Ich musste leicht schmunzeln, als ich daran dachte. Manchmal zerrte ich einen der Küchenstühle vor den Herd um die Kräuter aus der Höhe in den Topf rieseln zu lassen.

Jeongguk, du bist bei uns sicher. Wir sind jetzt deine Familie. Und Familie gibt aufeinander Acht.

Ich öffnete meine Augen wieder und schaute zum Fenster. Ich konnte mein Spiegelbild leicht im Glas erkennen.

Ich seufzte erneut.





Wir waren mit dem Auto ins Dorf gefahren. Hoseok hatte nicht viel geredet als wir fuhren. Eigentlich war es Seokjins Auto, warum auch immer er eins besaß. Er brauchte es schlichtweg einfach nicht. Gut für uns würde ich sagen.

„Ein Kratzer und ich mach euch eigenhändig fertig.“

Ich zuckte leicht zusammen, als ich an Seokjins Drohung zurück dachte. Er konnte echt gruselig sein, wenn er wollte. Da kam wohl die bösartige Natur des Wassermannes in ihm durch.

„Ich kann nichts Außergewöhnliches wahrnehmen.“ Murmelte ich während wir liefen und noch immer nach etwas Brauchbarem suchten. Hoseok hatte schon die ganze Zeit nichts von sich gegeben. Ging still neben mir her.

Wir waren mittlerweile das ganze Dorf abgegangen. Hatten interessierte Blicke der Einwohner bekommen. Die meisten jedoch verschanzten sich Zuhause. Lugten ab und zu durch ihre Fenster, wenn sie glaubten ich würde nicht hinschauen.

Wir waren nahe des Waldrandes. Dem Ort an dem Sunmi ihre Freundin gefunden hatte. Auf der Hut betraten wir den Wald und suchten den genauen Ort des Geschehens. Vielleicht würden wir noch etwas Hilfreiches finden.

Der Wald war sogar zu dieser Jahreszeit dicht. Die vielen verfärbten Blätter verdeckten den Waldboden komplett und machten knirschende Geräusche, wenn wir darüber liefen. Der Wind pfiff scharf durch die Baumkronen und ich zog meinen Schal enger. Hoseok schien das Wetter nichts auszumachen.

Er sagte noch immer nichts.

Dann plötzlich konnte ich eine einmal dickflüssige, angetrocknete Flüssigkeit auf den vielen verfärbten Blättern sehen. Braun.

Ich hielt an und hockte mich hin. Nahm eines der Blätter zwischen die Finger. Zerrieb es.

„Getrocknetes Blut. Wir sind auf dem richtigen Weg.“

Schweigen.

Wir umrundeten ein paar mehr Bäume und fanden dann eine kleine Lichtung vor. Der metallische Geruch von Blut hing noch immer leicht in der Luft. Hoseok verzog die Nase. Ich fragte mich immer wieder wie Vampire Gerüche wahrnahmen. Oder Werwölfe.

Keine Leiche. Nur ihr getrocknetes Blut war noch hier. Sie mussten die Leiche kurz nachdem sie gefunden wurde weggebracht haben. Wahrscheinlich wurde sie verbrannt. So war es am einfachsten.

Ich lief zur großen Blutlache, die nahe eines umgefallenen Baumes war. Inspizierte die Umgebung.

Hoseok hielt Abstand und schaute mir bloß zu.

Von mir aus.

Ich fand nicht mehr als eine seltsam aussehende Flüssigkeit. Sie klebte am Baumstamm. Schwarz. Typisches Sekret von… keiner regulären Erscheinung…

Plötzlich zischte Hoseok auf. Ich sah mich um und sah wie er sich an einem Baum abstützte und sich den Kopf hielt. Er hatte die Augen fest zugekniffen. Das Gesicht verzogen.

Ich ging langsam auf ihn zu.

Hörte sein leise gemurmeltes verschwinde.

„Hoseok?“ er sah nicht auf. „Hoseok?“

Noch immer keine Reaktion.

Ich packte ihn an der Schulter und er zuckte augenblicklich zusammen. Riss die Augen auf. „Hoseok was ist los?“Er schluckte schwer und schüttelte den Kopf. Schüttelte mich ab. „Kopfweh, das ist alles.“

Ich glaubte ihm nicht.

„Hoseok. Irgendwas stinkt hier gewaltig.“

„Vielleicht liegts daran, dass hier jemand getötet wurde.“ Lachte er trocken.

„Du gibst schon die ganze Zeit nichts von dir.“

„Vielleicht hatte ich ne harte Nacht?“ zischte er provokant.

„Hoseok.“

Seine goldenen Augen blitzten kurz auf. „Lass uns weiter suchen.“ Ich verzog irritiert das Gesicht und packte ihn am Arm, als er sich wegbewegen wollte.

„Es gibt nichts was wir finden können, wenn du mich weiter anlügst.“

Der Vampir schnaubte. „Wie bitte?“ Er fletschte leicht seine Zähne und sah mich angenervt an. Ich ließ mich jedoch nicht aus der Fassung bringen. „Oh entschuldige. Wenn du weiter schweigst wie ein Grab. Kommt aufs selbe hinaus.“ Nachdem ich das sagte, hatte sich etwas verändert. Ich wusste nicht was es war, aber es lag an dem was ich gesagt hatte.

Er kam auf mich zu. Drängte mich zurück. Seine Aura war nun viel stärker zu spüren. Bedrohlicher. Sein Blick durchbohrte mich. „Pass auf was du sagst.“ Zischte er dann. Ich verzog mein Gesicht. Ich stolperte über ein paar größere Steine und Stöcke. „Wieso sollte ich?“

Er packte mich auf einmal am Kragen. „Weil du nicht verstehst von was du sprichst.“

Mein Schal rutschte.

„Du weißt überhaupt nichts.“

Ich bekam Gänsehaut.

„Weder von mir, noch von diesem Ort.“

Ich ergriff mit einer Hand sein Handgelenk. Drückte zu.

„Du weißt nichts.“

Der Schal war zu Boden gefallen.

„Dann erkläre es mir, verdammt nochmal.“ Zischte ich zurück. Hoseok fletschte seine Zähne erneut etwas. Ich ließ mich davon noch immer nicht beeindrucken. „Ich kann dir nicht helfen, wenn du mir etwas vorenthältst. So verschwende ich bloß meine Zeit.“ Ich suchte den Blick des Vampirs. „Ist das der Grund warum du mich aufgesucht hast und niemand anderen? Hexen und Hexer können genauso gut Wesen bestimmten Ranges aus unserer Welt entfernen. Vielleicht wollten sie dir deshalb nicht helfen? Weil du nichts weiter als ein Lügner bist, der ihre Zeit verschwendet?“

Eisige Stille. Das Feuer in seinen Augen ging langsam zurück. Verwandelte sich in eine kleine lodernde Flamme.

Sein Griff lockerte sich langsam, bis er komplett verschwunden war. Das bedrohliche Leuchten war zurückgegangen. Er sah mich stumm an.

Bückte sich dann nah meinem Schal und hielt ihn mir entgegen. „Tut mir Leid… ich.“ Er sah weg als ich den Schal annahm und ihn mir wieder umlegte. „Natürlich weißt du nichts davon, ich-“ ich hielt meine Hand in die Höhe. „Keine weiteren Entschuldigungen. Einfach nur die Wahrheit.“

Sein Blick ruhte einige Zeit auf mir bevor er sprach. „Okay.“





Ich hatte vieles erwartet. Ich starrte das Grab vor uns an. Ich hatte jedoch nicht das erwartet.

„Ich fand es so verwüstet vor, nachdem ich sie wieder in einen meiner Träume gesehen hatte. Seitdem hatte ich es nicht mehr angefasst oder besucht.“ Murmelte Hoseok und versuchte die zerstörten Blumen nicht zu beachten.

Der Vampir erzählte mir von seiner Schwester, als wir ihr Grab aufsuchten.

Es gab keinen Vampirklan in diesem Dorf. Es war Hoseoks Heimat.

Sie war im Alter von 16 ermordet worden. Der Mörder wurde nie gefasst.

Normalerweise waren Geister von Ermordeten auf Rache aus. Sie waren verwirrt und wütend. Hoseoks Schwester war jedoch friedlich von dieser Welt gegangen.  

Nun kam der seltsame Teil.

Irgendwer hatte den Geist von Hoseoks Schwester aus dem Jenseits geholt, indem er schwarze Magie angewendet hatte. Das Grab war halb ausgehoben. Die Blumen die darauf gelegen hatten, wurden zerfleddert und überall war Kaninchenblut verteilt. Der Kadaver des Kaninchens wurde etwas mit Erde bedeckt aufs Grab gelegt. Er war mittlerweile von Maden zerfressen, jedoch hielt der Zauber noch immer an.

„Du hattest Recht damit, dass ich von Hexen und Hexern abgewiesen wurde, aber erst nachdem mir eine Hexe geholfen hatte, meine Schwester von mir zu trennen…“ sagte Hoseok auf einmal und sah mich an. Sein Blick vom Grab abgewendet.

Trauer inmitten von Gold.

„Der Geist meiner Schwester wurde an mich gebunden und ich weiß noch immer nicht wieso oder wer so etwas tun würde. Ich war zu einer Hexe geeilt, damit sie sie wieder ins Jenseits zurückschickt, stattdessen… ich dachte es würde funktionieren.“ er sah wieder zum Grab.

Ich konnte einige Runen erkennen, die mit Kohle auf den Grabstein gekratzt wurden. „Stattdessen spukt sie nun hier im Dorf herum und… tötet Menschen. Yoongi ich… meine Schwester kann doch niemanden töten, dazu… wäre sie doch niemals im Stande.“

Ich seufzte, ehe ich auf das Grab zuging und mich neben Hoseok hinhockte. „Und bei dem Prozess hast du dann die Chance gesehen mich um Hilfe zu bitten, liege ich damit richtig?“ Hoseok nickte stumm. Ich legte ein paar Blüten neben das Grab, die ich auf dem Weg hier hin schnell, ungesehen gepflückt hatte. Geflecktes Lungenkraut.

Hoseok hatte meine Aktion mit den Augen verfolgt, ehe er wieder wegsah. „Geister dessen Ruhe gestört wird und gewaltsam wieder hierhin geholt werden, können nicht klar sehen. Sie haben keine Bindung mehr zur menschlichen Welt und werden nach kurzer Zeit verrückt.“

Ich fühlte die Erde mit meinen Fingern. „Nachdem die Bindung zu dir getrennt wurde, hat sie wahrscheinlich das Letzte verloren, was sie an diesem Ort friedlich halten würde.“

Mein Blick wanderte wieder zu den Runen. „Sie wurde stattdessen ans Dorf gebunden.“

„Aber wer würde sie überhaupt aus dem Jenseits holen, um sie erst an mich zu binden? Ich… Ich verstehe das nicht.“ Murmelte Hoseok und selbst ich konnte mir einen nachdenkenden Laut nicht unterdrücken.

Jemand der meine Aufmerksamkeit wollte?

Hm…

Ich überlegte mir wie wir Hoseoks Schwester beschwören könnten. „Wir müssen zuerst das Grab wieder herrichten. Den Grabstein säubern, den Kadaver verbrennen und neue Erde beschaffen. Ich könnte einen Schutzkreis ziehen und wir beschwören sie dann darin. So ist es am einfachsten sie wieder zurück zu schicken…“ „Wir?“ ich nickte. „Du bist ihr Bruder. Das können wir nutzen, um die Beschwörung noch einfacher von Statten gehen zu lassen.“ er sagte nichts.

Ich grub meine Finger etwas in die Erde. „Hast du noch etwas Persönliches von ihr? Ein Amulett, eine Spange oder dergleichen?“

Er holte auf einmal eine Kette unter seiner Bluse hervor. Ein blassblauer Aquamarin blitzte auf. Der Stein der Seefahrer.

„Ich wollte die Kette schon vor langer Zeit ins Meer werfen.“ Gab er zu und hielt sie mir hin.

Ich ergriff die Kette und besah sie kurz. „Lass uns sofort beginnen, um dem Ganzen ein Ende zu bereiten.“





Hoseok hatte eine angespannte Haltung, als er mir dabei half, die Erde aus dem Grab auszuheben. Es war als würde ihm jede Berührung mit der Erde Schmerzen bereiten und es bewegte etwas in mir. Jedoch war ich mir nicht ganz sicher, was es war.

Als erstes hatten wir den Kadaver entfernt, ehe ich ihn in Flammen aufgehen ließ. Die Flammen hatten sich schwarz verfärbt. Ein weiteres Indiz, dass schwarze Magie verwendet wurde.

Eigentlich gab es nichts, was in der Magie verboten war. Wie schon beim Prozess gesagt wurde: Solange es niemandem schadet, tu was du willst. Alles, was von dir ausgeht, fällt dreifach auf dich zurück. Schwarze Magie war nur ein weiterer Begriff, um bestimmte Praktiken als zu gefährlich einzustufen. Ob man diese dennoch ausführte, war einem selber überlassen. Man erntete eben, was man säte. Praktiken, die sich in den Tod einmischten, waren als sehr gefährlich eingestuft.

Mit dem Tod verhandelte man nicht. Den Tod betrug man nicht. Aber erst recht, nahm man dem Tod nicht, was einem nicht gehörte.

Es gab genug Sagen von Hexen, die versucht hatten, den Tod zu betrügen und zu hintergehen. Keine war jemals gut ausgegangen.

Hierbei hatte ich ebenfalls das Gefühl, dass sich den vielen unheilvollen Sagen eine weitere bald dazugesellen würde.







Angestrengt wischte ich mir den Schweiß von der Stirn und sah dann zu Hoseok rüber. Er sah nicht viel besser aus.

Hoseoks Schwester zu beschwören, war nicht schwer gewesen. Sie hatte förmlich nach ihm geschrien und sich gegen die Bande des Schutzkreises geworfen, um zu ihm zu kommen. Hätte sie Erfolg gehabt durchzubrechen und zu Hoseok zu gelangen… ich wollte mir nicht ausmalen, was passiert wäre…

Sie jedoch von dieser Welt zu lösen war nicht so einfach gewesen. Und dann hatte sie es tatsächlich kurz geschafft aus dem Schutzkreis zu treten. Es war so als wäre die Luft elektrisch aufgeladen gewesen.

Ich hatte ein paar Schrammen, da Steine und Äste durch die Gegend geflogen waren. Vorsichtig inspizierte jede einzelne.

„Komm, lass uns schnell hier weg. Ich bin froh, dass wir… damit fertig sind.“ Sagte der Vampir auf einmal und strich sich über die knittrige Kleidung. Seine Schultern hingen etwas herunter und seine sonstige Haltung… es fehlte ihr an Energie. Ich wollte mir nicht vorstellen, wie es sein musste eine längst verstorbene Person wiederzusehen, nur um sie dann wieder von dieser Welt zu verbannen…

Ich nickte ihm bloß zu und wir machten uns auf den Rückweg.

Hoseok lief voraus. Er konnte es anscheinend nicht erwarten endlich hier wegzukommen. Sein Schritt war schnell und ich hatte komischerweise Probleme ihm auf den Fersen zu bleiben.

Irgendwas…

Auf einmal durchzogen mehrere weiße Punkte mein Blickfeld und ich taumelte etwas zur Seite. Ich blieb stehen. Schloss kurz meine Augen und atmete tief durch.

Ich lief weiter.

Irgendetwas traf mich wie einen Schlag. Ein fester Schlag gegen den Hinterkopf. Ich nahm alles nur noch in einem gedämpften Zustand wahr, so als wären meine Ohren voller Watte oder als wäre ich unter Wasser.

Ich hielt mir angestrengt den Kopf, lief jedoch weiter. Wo kam das auf einmal her? Plötzlich ging ein spitzer Schmerz durch meinen Kopf und ich stöhnte vor Unbehagen auf. Meine Sicht wurde kurzzeitig ganz wirr und ich sah wie Hoseok anhielt und sich verwirrt nach mir umdrehte.

„Yoongi?“ er kam auf mich zu und legte mir vorsichtig die Hände auf die Schultern. Seine goldenen Augen, waren das Einzige, was ich aus dem ganzen Wirrwarr von Farben genau ausmachen konnte. „Alles okay?“ ich wollte sagen, dass alles okay wäre, doch wusste ich einfach, dass nichts einfach so okay wäre.

Ich tastete meinen Körper ab und spürte nach kurzer Suche was für meinen jetzigen Zustand verantwortlich gewesen war.

Eine Wunde.

Ich wurde getroffen?

Das war überhaupt nicht gut.

Hoseok hatte nun auch letztlich gesehen was los war. „Wurdest du getroffen?“ seine Stimme kletterte einige Stufen in die Höhe und er inspizierte die Wunde. „Wann-“

Ich schüttelte meinen Kopf. „Keine Ahnung… ich… wie sieht die Wunde aus?“ Hoseok sah sich diese genauer an und sah dann aus als würde er sich übergeben wollen. „Ganz dunkel, so als würde dein Fleisch… faulen… ich glaub mir wird schlecht.“ Ich lachte trocken. „Wirklich? Davon wird dir- ah… ver- “ ich brach meinen Satz ab, als ich plötzlich spürte wie ich das Gefühl in meinen Beinen kurz verlor. Hoseok fing mich auf. „Was machen wir jetzt?“ fragte er nach. Wenn ich mich nicht täuschte, dann war er etwas blasser im Gesicht geworden. Leichte Sorge schwand in seinem Ton mit.

„Ich muss nach Hause, sofort…“ murmelte ich und Hoseok legte sogleich einen meiner Arme um seine Schultern. „Dann können wir von Glück sagen doch mit dem Auto gekommen zu sein.“ Lachte Hoseok nervös. Vermutlich versuchte er die Stimmung aufzulockern, jedoch empfand ich diese Situation gar nicht als amüsant, da ich immer wieder spürte wie ich kurz das Bewusstsein verlor. Dazu wurde mir leicht übel.

Hoseok hatte Mühen mich aufrecht zu halten, da meine Beine immer wieder mal einknickten, als er versuchte mich so schnell wie möglich zum Auto zu bewegen.

Am Auto angekommen wurde dann plötzlich alles schwarz, ehe ich den Beifahrersitz auch nur berührt hatte.

Ein Schleier hatte sich um meine Form gelegt und erdrückte mich nun.

Ich war bewusstlos.





Als ich das nächste Mal aufwachte spürte ich wie ich getragen wurde. Meine Beine schwangen leicht hin und her. Einer meiner Arme hing schlaff hinunter und zog etwas. Langsam öffnete ich eines meiner Augen und konnte sogleich mein Haus erkennen. Jeongguk stand in der Eingangstür und sein besorgter als auch erschrockener Blick traf kurz den meinen, ehe ich mein Auge dann wieder schloss.

Wenn ich mich nicht irrte dann hatte ich Jimin hinter Jeongguk stehen sehen. Seine Arme fest um die Taille des Werwolfes geschlossen.

„Was zum Teufel ist passiert?“ – Jeongguk.

„Ich weiß nicht. Er ist verletzt worden und dann einfach zusammengebrochen.“ – Hoseok.

Man hörte empörtes Schnauben.

Ich spürte wie wir das Haus betraten. Das gewohnte warme Gefühl von meiner Magie umhüllte mich nun endlich wieder und ich spürte wie der Schmerz etwas nachließ.

„Wie du weißt nicht was passiert ist? Du warst doch bei ihm!“ – Jeongguk war etwas lauter geworden und ich verzog mein Gesicht. Seine Stimme klingelte schmerzhaft in meinen Ohren.

„Tut mir leid, dass ich ihn erst hergebracht habe anstatt ihn mit weiteren Fragen zu löchern, Köter.“ Hoseok spuckte diese Worte aus als wären sie Gift.

Bevor Jeongguk dann auch nur antworten konnte, hob ich warnend eine meiner Hände in die Luft. „N-nenn ihn bitte nicht so, Hoseok.“ Stotterte ich.

Mein Hals war seltsam kratzig und ich zerrte dann genervt an meinem Schal.



„Yoongi…“ ich öffnete angestrengt meine Augen und sah den jungen Werwolf genau vor mir. Hinter ihm standen Jimin und Taehyung, die ebenfalls besorgt aussahen.

„Du siehst aus als würdest du… sterben.“ Murmelte Jimin und meiner Kehle entkam ein kratziger Laut. Ich schüttelte den Kopf.

„Eine verwirrte Seele… ich…“ ich überlegte angestrengt. „Ich brauche Mondwasser, Salbei und Silbertau…“ murmelte ich.

„Ich brauche eine Wanne voll mit Wasser. Den Salbei brauche ich in einer Schüssel. Er muss angezündet werden und ins Badezimmer gestellt werden. Der Silbertau muss gemahlen, dem warmen Wasser  zugegeben werden, eine kleine Schüssel Mondwasser muss ebenfalls mit hinein… Ihr dürft das Wasser nicht berühren, da ihr magische Wesen dunkler Magie seid, sonst verbrennt ihr euch.“

Ich sah wie dann Jeongguk Jimin und Taehyung mit sich zerrte, nachdem er mir zugehört hatte. Er kannte das Haus in und auswendig und wusste daher auch wo, was war.

Ich hingegen war noch immer in Hoseoks Armen.

„Ich-“ fing ich an, doch Hoseok ging in Richtung Wohnzimmer. Setzte mich aufs Sofa. Ich zischte etwas auf. „Warten wir, bis sie das Bad vorbereitet haben.“ Murmelte der Vampir. Ich nickte bloß und ließ meinen Kopf etwas in den Nacken fallen. Atmete tief ein und aus. Hier fiel mir das Atmen viel leichter.

Der Schmerz der Wunde jedoch holte mich ins hier und jetzt zurück. Mir war warm. Zu warm. Der Schmerz machte es nicht leichter. Also riss ich mir den Schal vom Hals, was mir einen überraschten Blick von Hoseok erbrachte. Die Narben fingen durch die Wärme an zu jucken. Ich rieb etwas an ihnen und zischte auf.

Uns umgab Stille.

Hoseok wusste wohl nicht so recht wohin mit sich. Seine Sorge war bis zum Sofa hin spürbar, ohne, dass ich ihn auch nur anschauen musste.

„Ich-“ fing er an. Ich hob meinen Kopf etwas in die Höhe. Blinzelte fragend in seine Richtung. „Das hätte nicht passieren dürfen, ich hätte auf dich aufpassen sollen, immerhin-“ er brach den Satz ab. Sagte dann nichts weiter.

Ich antwortete ebenfalls nicht darauf.

Wir saßen einfach weiter im Wohnzimmer, umgeben von Stille. Hoseok hätte währenddessen schon längst gehen können. Immerhin hatte er bekommen was er wollte (auch wenn es nicht das war, worum er mich direkt gebeten hatte). Jedoch blieb er.

Das Ticken der Wanduhr und mein angestrengter Atem machten die Situation nicht besser. Ich konnte spüren wie meine Haut um die Wunde herum kribbelte und zog. Die Schwärze verteilte sich wohl immer weiter.

Plötzlich konnte ich schnelle Schritte vernehmen und ehe ich auch nur einen Muskel bewegen konnte, hatte mich Jeongguk in seine Arme genommen. „Jeongguk i-ich kann selber laufen.“ Murmelte ich angestrengt, jedoch ignorierte mich der Werwolf komplett, als er mich zum Bad im ersten Stock trug.

Im Badezimmer setzte mich Jeongguk auf dem Wannenrand ab und sah mich noch einmal lange an. „Wenn du Hilfe brauchst…“ er beendete den Satz nicht. Schloss den Mund. Öffnete ihn wieder, sagte jedoch nichts. Fast so als würde er nach Luft schnappen wollen.  Dann verschwand er einfach. Die Tür machte ein Klick Geräusch und hörte sich viel zu laut in meinen Ohren an. Ich fing an zu zittern. Der Schmerz machte sich wieder bemerkbar.

Somit fing ich an mich langsam zu entkleiden und versuchte nicht der Schwärze die Überhand zu geben und bewusstlos zu werden.

Vorsichtig hievte ich mich in die Badewanne und zischte auf, als die Wunde leicht vom Wasser gestreift wurde.

Ich versuchte mit aller Kraft die Wunde mit dem Wasser auszuwaschen, jedoch kam ich einfach nicht dran. Sie zog sich quer meinen Rücken (weiter als Hoseok zuvor sehen konnte) und ich war zu erschöpft um mich so weit zu verrenken.

Als ich mich leicht aus der Wanne lehnen wollte, um an einen an der Badewanne liegenden Waschlappen zu kommen, passierte es dann. Mir wurde schwarz vor Augen und ich plumpste, mit einem nicht so eleganten Laut meinerseits, zurück in die Wanne und alarmierte somit alle Anwesenden im Haus. Zumindest konnte ich sie spüren. Das zeigt mir, dass es noch nicht so schlimm war.

Unerträglich war es jedoch allemal.

Ich konnte das Knarzen der Treppe hören und Schritte, die vor der Badezimmertür verstummten.

„Alles okay?“ – Hoseok.

Ich sagte erst nichts. Versuchte mich darauf zu konzentrieren wieder klar sehen zu können jedoch gelang es mir einfach nicht. Ich seufzte angestrengt.

„Nein, ich… mir wird schwarz vor Augen sobald ich mich zu viel bewege ich-“ mir wurde schummerig.

„Brauchst du Hilfe?“

Ich antwortete nicht.

„Ich komme jetzt rein okay?“

Ich nickte, ohne wirklich zu bemerken, dass er es gar nicht sehen konnte. Nach der kurzen Stille, in der ich nichts gesagt hatte, öffnete sich die Badezimmertür langsam.

Ich öffnete nicht meine Augen, da ich Angst hatte, dass ich mich übergeben müsste, wenn ich das tat. Also saß ich mit einer gekrümmten Haltung in der Badewanne und ließ meinen Kopf nach vorne hängen.

Die Badezimmertür schloss sich.

Niemand sage etwas. Für einen Moment dachte ich mir Hoseok eingebildet zu haben, bis ich das Plätschern und Zischen des Wassers hörte. „Hoseok!“ schrie ich erschrocken und fuhr zu schnell um mich selber herum. Die schnelle Bewegung tat mir überhaupt nicht gut. Hoseok hielt meine Schulter mit der anderen Hand fest.

Vor mir, nur ein paar Zentimeter entfernt, hockte Hoseok vor der Wanne. Seine rechte Hand dampfte und war rot angelaufen. Wasser kullerte meinen Rücken hinunter.

„Ich hab doch gesagt, dass ihr das Wasser nicht anfassen dürft.“ Hoseok jedoch schüttelte den Kopf und tunkte erneut seine Hand ins Badewasser. Dieses zischte unangenehm auf. Der Vampir verzog sein Gesicht etwas. Er verteilte das Wasser über die Wunde und ich zuckte kurz zusammen.

„Hoseok-“ „Lass mich das einfach machen, okay?“

Ich verstummte.

Sah dem Vampir noch einige Augenblicke dabei zu, wie er seine Hand in das aufzischende Wasser tunkte und drehte mich dann wieder nach vorne.

Eine Weile lang sagte keiner von uns etwas. Nur das Plätschern und Zischen des Wassers erfüllte die Stille zwischen uns. Hoseoks Hände berührten ab und zu meine Haut und hinterließen jedes Mal ein angenehmes Kribbeln.

Ich starrte auf meine Füße hinab. Ließ meine Finger durchs Wasser wandern.

„Sag mal…“ fing ich an. Hoseok gab nur einen Laut von sich, um zu zeigen, dass er mich gehört hatte. „Wie wurdest du… zum Vampir?“

Ich wusste nicht wie Hoseoks Reaktion aussah. Ich wurde bloß von kalter Stille empfangen.









Ich musste wohl weggedöst sein, als mich eine Hand sanft an meiner Schulter wach rüttelte. Hoseok hielt mir ein Handtuch entgegen und drehte sich dann um.

Ich stieg vorsichtig aus der Badewanne und rieb mir über meine müden Augen. Meine Füße berührten die kalten Fliesen und ein kalter Schauer kroch über meinen ganzen Körper. Statt des ziehenden Schmerzes, erfüllte eine unglaubliche Müdigkeit meinen Körper. Schnell also schlang ich das große Handtuch über meine Schultern. Es reichte bis zur Hälfte meiner Oberschenkel. Ich schwank ein wenig hin und her, so als wäre ich leicht angetrunken. Meine Haut am Rücken fühlte sich leicht aufgeschürft an, als das Handtuch leicht darüber lag und ab und zu drüber rieb.

Ich versuchte einen Fuß vor den anderen zu setzen, jedoch gestaltete es sich dies als schwierig und ich rutschte leicht aus. Hände an meiner Hüfte bewahrten mir vor Schlimmeren. So schnell wie sie da gewesen waren, waren sie auch wieder verschwunden.

Hoseok sah mich nicht an. „Wir bringen dich besser in dein Schlafzimmer, damit du dich ankleiden und in dein Bett legen kannst.“

Bevor er nach der Türklinke greifen konnte, packte ich ihn am Oberarm. „Erst…“ fing ich an. Ich war leicht außer Atem, so als hätte ich einen Marathon hinter mir. „Erst heilen wir deine Verbrennungen.“ Ich sah mit leicht zusammengekniffenen Augen auf seine Hand, die er zu verstecken versuchte.

„Yoongi, du musst dich-“ mit einem Schnipsen meiner Finger schloss er sofort seinen Mund. Seine Augen sahen leicht alarmiert aus. „Keine Wiederrede, wenn du einem Hexenmeister gegenüber stehst.“

Nachdem ich mich kurz im Schlafzimmer angezogen hatte und einen meiner Tränke hinuntergestürzt hatte, fühlte ich mich etwas wacher, während ich konzentriert ein paar Kräuter in der Küche klein hackte.

„Hyung, du solltest dich wirklich hinlegen.“ Sagte Jeongguk nun schon zum dritten Mal. Ich ignorierte ihn deshalb auch weiterhin.

Hoseok saß am Küchentisch und hielt inne. Wollte den Zorn nicht auf sich lenken, während ich ihm eine heilende Salbe zubereitete.

Ich streute die letzten Kräuter in die dickflüssige Paste und vermischte alles so lange, bis sie eine leicht bläuliche Färbung annahm.

Mit der Schüssel in beiden Händen lief ich zum Vampir rüber und setzte mich gegenüber von ihm. Jeongguk stand im Türrahmen und schaute mies drein. Jimin und Taehyung waren im Wohnzimmer.

Ich schaute ihn an. „Jeongguk, du kannst deine schlechte Laune gerne woanders auslassen, aber nicht hier, wenn ich arbeite.“ Der Werwolf schnaubte. „Schlechte Laune? Willst du mich verarschen? Du bist fast gestorben!“ schrie er und es klingelte in meinen Ohren. „Es braucht etwas mehr, als eine Erscheinung, um mich zu töten.“ Zischte ich und ich konnte förmlich spüren wie Jeongguks Wut anstieg und wie ein großes, schweres Monster über uns hinweg türmte. Seine Emotionen schienen fast schon greifbar auf den hölzernen Boden zu tropfen und sich in diesen festzusetzen. „So wie Reißzähne und scharfe Klauen, die sich in deinen Hals vergraben und dich zu Boden zwingen.“ Knurrte der Werwolf. „Jeongguk!“ schrie ich und die Luft um mich herum fing an zu wabern. Der Boden bebte unter mir und Staub war etwas in die Luft gewirbelt worden. Die Gläser in den Regalen fingen an zu klimpern, als sie sich gegeneinander bewegten. Jeongguks Blick verpasste ich dabei nicht.

„Jeongguk, verschwinde aus meiner Küche.“

„Aber.“

„Verschwinde.“

Ich sah wie Jeongguk innerlich mit sich selber kämpfte, bis sich eine Hand um seinen Oberarm schloss und ihn aus der Küche zerren wollte. „Taehyung! Hey- lass mich los!“ der Dämon zerrte Jeongguk ohne ein weiteres Wort aus der Küche. Schenkte mir einen nur sehr kurzen Blick und nickte mir zu, ehe beide verschwanden.

Ich seufzte angestrengt. Hoseoks verbrannte Hand lag regungslos auf dem Tisch und als ich sie betrachtete, tunkte ich meine Finger in die Salbe und fing an sie auf die Verbrennungen zu schmieren. Hoseok zischte auf.

Vampire heilten normalerweise sehr schnell, jedoch wurde der eigene Heilungsprozess durch den Silbertau im Badewasser zuerst stark gehemmt.

„Es wird gleich besser.“ Ich konnte mir nur ein leichtes Lächeln abbringen, ehe ich mich wieder auf die Aufgabe vor mir konzentrierte. Ich wollte nicht an den verletzten Blick denken, den Jeongguk mir zugeworfen hatte.

„Er macht sich nur Sorgen, weißt du?“ sagte der Vampir nach einer längeren Stille. Ich seufzte erneut. „Ich weiß. Ich weiß er hat es schwer, nur…“ ich beendete meinen Satz nicht weiter. Hatte es auch nicht vor. Hoseok fragte nicht nach.

Nachdem ich alle Stellen mit der Salbe bedeckte hatte, wickelte ich die Hand des Vampirs mit einem Verband ein und packte die Salbe in ein kleines Döschen.

An der Haustür gab ich ihm diese. „Denk dran die Verbrennungen immer morgens und abends einzuschmieren und den Verband zu wechseln. Vampire heilen ziemlich schnell, jedoch sollte dich das nicht davon abhalten die Salbe komplett aufzubrauchen, ja? Das ist keine normale Wunde.“

Hoseok nickte und nahm die Salbe an. Er bedankte sich noch einmal kurz angebunden und verschwand dann.

Im Wohnzimmer entdeckte ich Jimin, Taehyung und Jeongguk auf der Couch. Alle schliefen seelenruhig aneinander gekuschelt. Es sah aus, als würden sie jeden Moment von der Couch kullern. Jeongguk hatte dabei sein Gesicht in Jimins Halsbeuge versteckt und hatte seine Arme und dessen Taille gelegt, während Taehyung ihn fest von hinten umklammerte. Sein Gesicht war in Jeongguks Nacken gedrückt.

In dieser Nacht schlief ich ziemlich unruhig. Ich träumte von goldenen Augen und einem warmen Lagerfeuer.



Lasst mir doch eine kleine Rückmeldung da, wenn ihr Zeit habt. Scheut euch nicht davor, ich beiße nicht. Ich freue mich einfach nur, wenn ich weiß wer meine Geschichte liest und sie gerne hat oder gar kleine Kritikpunkte zu äußern hat. Übrigens werden es mehr als 3 Kapitel (ich fand die Kapitellänge dann doch etwas zu heftig, haha).
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast