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Magic, And A Little More

von Seera-san
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
J-Hope Suga
27.10.2019
08.12.2019
3
31.259
7
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27.10.2019 15.529
 




Magic, And A Little More




Leicht angesäuert fuhr ich mir durchs lange Haar und schloss die Tür hinter mir. Stapfend bewegte ich mich ins Wohnzimmer, wo auch schon einer meiner engsten Vertrauten saß und mich lachend empfing.

„Spar dir die Kommentare, Namjoon.“ Er winkte bloß ab und sagte nichts.

Ich stellte mich vor den einzigen Spiegel im Raum und murmelte ein paar Zeilen vor mich hin, gestikulierte wild mit meinen Händen in der Luft herum, Funken erschienen und langsam nahm ich wieder meine alte Gestalt an.

Nun war es wie eine Art Tuch, dass man sich vom Haupt riss und man konnte endlich wieder alles klar wahrnehmen. Ich wuchs in meiner Körpergröße, mein Haar wurde kürzer und die zu langen Strähnen fielen zu Boden. Außerdem waren Röcke und Blusen einfach nichts für mich.

Ich schüttelte mich einmal und wuschelte mir durch mein zerzaustes, kurzes, schwarzes Haar. Ein rauchiges Blau schimmerte immer mal wieder hindurch, je nachdem wie das Licht auf meine Haare fiel. Meine Augen nahmen wieder ihre dunkle Färbung an.

Endlich fühlte ich mich wieder wohl. In dem flauschigen Rollkragenpullover, den mir Jeongguk dieses Jahr geschenkt hatte, der zerfetzten Jeans und meinem langen schwarzen Mantel, der auch schon bessere Tage gesehen hatte. Ich trug immerzu Rollkragenpullover oder Schals, um meinen Hals zu verdecken. Im Sommer würde ich Halstücher tragen. Ich wollte nicht zu viel unnötige Aufmerksamkeit auf mich ziehen.

„Ich fange echt an deinen Gestaltwandlungszauber zu lieben.“ Sagte Namjoon, während ich meinen Mantel auszog und zur Garderobe ging, um diesen dort aufzuhängen.

Ich schnaubte. „Yoonji ist und bleibt ein Pseudonym.“ Namjoon grinste mich an. „Oder es ist nur deine weibliche Seite, tief in dir versteckt.“

Ich schüttelte den Kopf. Das Pseudonym der Yoonji nahm ich nur in äußersten Ausnahmen an, wenn es denn sein musste. Ich nahm dann eine weibliche Gestalt an. Viele verwechselten mich dann mit meiner Tante. Ich musste zugeben, dass ich dann wirklich Ähnlichkeit mit meiner Tante hatte, welche eine hochgeachtete Hexenmeisterin in den Bergen war.

Sie lebte in einem kleinen Häuschen, am Fuße eines Berges. In der Nähe war ein kleiner Bach, den ich immer bis in mein Zimmer hören konnte, wenn ich als Kind dort gewesen war. Das Plätschern hatte mich immer beruhigt. Im nahgelegenen Wald zeigte mir meine Tante allerlei Kräuter, die essenziell für die meisten Tränke waren. Nun, in der Stadt holte ich mir diese bei einem Kräuterkundler oder pflanzte sie selber im Garten an. Ich war ziemlich stolz darauf.

In meiner Kindheit hatte ich viele Jahre in den Bergen verbracht, da meine Eltern, die sterblich waren, nicht mit mir klar gekommen waren. Junge Hexenmeister brauchten meist eine Weisung von älteren Hexenmeistern, da sie ihre Kräfte noch nicht beherrschen konnten.

Da nach vielen Jahrhunderten das Hexenmeistergen in unserer Blutlinie nicht mehr vertreten gewesen ist und nur bei meiner Tante aufgetreten war, hatte man angenommen, dass es wieder viele Generationen dauern würde, bis der nächste Hexenmeister geboren werden würde.

Nun ja…

Und dann kam ich zur Welt. Es wäre untertrieben, wenn ich sagen würde, dass meine Mutter am Boden zerstört gewesen war. Sie hatte Angst gehabt, als sie mich in ihren Armen gehalten hatte und merkte, dass etwas nicht stimmte. Wenn man als Hexenmeister geboren wurde, erkannte man dies zuerst an dessen Augen. Sie waren… anders.

Meine Tante sagte, wenn man ganz genau hinsah, dann könnte man ganze Galaxien in meinen Augen erkennen. Leuchtende Partikel am dunklen Himmelszelt, welche immer mal wieder hell aufblitzten.

Du bist ein zur Erde gefallener Stern, Yoongi.

Ich seufzte. Eigentlich müsste ich meine Tante mal wieder besuchen. Ich vermisste sie ungemein.

„Lief es denn wenigstens erfolgreich?“ Brummte Namjoons Stimme und holte mich so aus meinem Gedankengang heraus.

Ich nickte und warf ihm dann einen Beutel entgegen. „Ich bin dann noch auf dem Rückweg auf den Kräuterkundler getroffen, den du immer so beäugst. Er hat nach dir gefragt und hat mir dann das gegeben.“

Namjoon öffnete den Beutel „W-wow, ich…“ „Du sollst ihn mal besuchen kommen.“ Sagte ich dann und zwinkerte ihm dann noch einmal zu.

Namjoon nickte und sah dann auf. „Hast du heute noch was vor, oder…“ ich kicherte. „Ich trinke noch einen Tee und geh dann zum Laden, um nachzusehen, ob Jeongguk auch gut Acht auf ihn gegeben hat.“

Namjoon sah mich einfach nur noch an und knabberte ein wenig, mit seinen Zähnen, auf seiner Unterlippe herum. „Los geh schon zu ihm, ich bin eh gleich weg.“ Ich hob meinen Daumen, nach oben zeigend, in die Höhe.

Namjoon lachte. „Danke, Hyung.“ Und kaum hatte man sich versehen, war der Gestaltwandler aus meiner Haustüre verschwunden, um dem Kräuterkundler einen Besuch abzustatten.





Grummelnd lief ich durch meinen kleinen Buchladen hin und her. Meine Schritte waren die einzigen lauten Geräusche, die die Stille durchbrachen, da sonst niemand außer mir und Jeongguk hier war. Mein Laden war ziemlich versteckt, muss man sagen. Es kamen nur Hexenmeister vorbei und ab und zu verirrten sich Menschen hierhin. Andere magische Wesen zeigten sich zu diesen Zeiten jedoch auch des Öfteren. Die Lichter waren in einem warmen Gelb und verliehen den alten, muffeligen Büchern und den dunklen Holzregalen einen besonderen Glanz.

Wenn ich nicht in meinem Haus war und Tränke braute oder meinen Garten pflegte, dann verbrachte ich die meiste Zeit hier. Zwischen den Büchern und dessen Geheimnissen. Jeongguk leistete mir dann gerne Gesellschaft oder passte auf den Laden auf, wenn ich nicht da war, während ich Namjoon nur außerhalb des Ladens oder bei mir Zuhause antraf. Er brachte mir immer mal wieder Zutaten, die mir ausgegangen waren vorbei oder andere Dinge an die man nicht so leicht ran kam, was jedoch für einen Gestaltwandler wie ihn kein großes Problem darstellte. Außerdem hatte er etwas für den besten Kräuterkundler in der Gegend übrig. Ich würde sogar behaupten, dass Namjoon zu dem Kräuterkundler aufsah. Fast als wäre er sein Idol. Es war niedlich mit anzusehen.

Ich blieb auf einmal verzweifelt stehen. „Gguk?“ rief ich in den stillen Laden hinein und hielt Ausschau nach dem jungen Werwolf. Ich stöhnte angenervt und schnipste einmal mit meinen Fingern. Funken tanzten kurz in der Luft herum und augenblicklich wurden alle Lichter etwas dunkler, bis auf die die neben der Treppe war waren. Sie flackerten verheißungsvoll. Der junge Werwolf war also wieder oben bei den Büchern, die Bestiarien enthielten und Berichte über andere Welten, als auch schwarze Magie. An diese kam jedoch keiner außer mir ran, da ich diesen Bereich mit einem Zauber unkenntlich gemacht hatte. Ich schnipste erneut mit meinen Fingern und schon schienen alle Lampen wieder in ihrer vollen Pracht.

Schlurfend schleppte ich mich die knarzende Holztreppe hinauf und nach kurzem Suchen fand ich den Jungen. Er hockte in einer der Sitzecken. Im Schneidersitz hatte er ein Buch in seinem Schoß liegen und war offenbar so vertieft in das Buch, dass er mich gar nicht erst bemerkte.

Ich zog meine Stirn in Falten, als ich das gesuchte Objekt auf Jeongguks Nase sitzend, wiederfand. Ein Schnipsen und sogleich flog die Brille in meine Richtung und ich nahm sie sofort wieder an mich. Das ließ Jeongguk aufsehen.

Er kratzte sich verlegen am Hinterkopf. „Ich frage gar nicht erst, warum du unbedingt meine Brille an dich genommen hast. Mich interessiert eher welches Buch es dir diesmal angetan hat.“

Mit einer raschen Bewegung meiner Hand klappte das Buch sich in seinem Schoß selber zusammen und ich beäugte es interessiert. Rituale und ihr Nutzen las ich laut vor und sah dann dem braunhaarigen in dessen Rehaugen. Sie waren so klar, dass man meinen könnte durch sie hindurch sehen zu können um dann zu seiner Seele hindurch zu brechen. Klein, jung und zerbrechlich im tiefen Inneren.

Jeongguks Hände spielten mit dem etwas zerfledderten Einband des Buches. „Nun ja… du erzählst immer, dass du Rituale ab und zu machst und da wurde ich halt neugierig. Und da ich nun mal kein Hexenmeister oder Hexer bin, dachte ich vielleicht würden sich meine Fragen mit einem Buch beantworten…“

Ich lächelte nachsichtig. Jeongguk hatte eine ziemlich neugierige und sensible Natur. Er war noch jung und musste noch so viel lernen.

Ich schüttelte meinen Kopf noch immer lächelnd. „Wieso hast du mich nicht einfach gefragt?“ er legte verwirrt seinen Kopf schief. „Wie…?“

Ich kicherte. „Du hättest mich einfach fragen können, wenn es dir so unter den Fingern brennt, mal bei einem Ritual dabei zu sein.“ Ich zuckte mit den Schultern.

Jeongguks Augen wurden noch riesiger, als sie eh schon waren, wenn dies überhaupt möglich war. „Einfach so? Ich… ich dachte dafür müsste man…“ „Ein Hexenmeister oder Hexer sein?“ ich kicherte erneut. „Jeongguk, so besonders sind Rituale nicht, vor allem, da ich schon etliche hinter mir habe. Jeder kann Teil davon sein, wenn er will.“

Ich machte eine Pause.

„Am meisten praktiziere ich Reinigungsrituale für mich selber oder für andere, die sich verloren fühlen oder anderweitiges. Wenn du möchtest, kann ich auch mal eins für dich arrangieren, wenn dir danach ist.“ Funken tanzten in den Augen den braunhaarigen. „Wirklich?!“ quietschte er begeistert. Ich nickte zustimmend. Nun grinste er bis über beide Ohren.

Hach, man musste Jeongguk einfach in sein Herz schließen, sobald er einem diese Seite von sich gezeigt hatte. Die kindliche, zerbrechliche Seite.

Plötzlich ertönte ein dumpfes Miauen in dem sonst so stillen Laden und mein Blick wanderte zum Fenster. Jeongguk war vor Schreck aufgestanden.

Ich ging darauf zu und öffnete das Fenster mit einem Quietschen. Herein kam ein Kater. Dessen dreifarbiges Fell macht ihn zu einer Glückskatze.

„Raik.“ Sagte ich und die grünen, leuchtenden Augen des Katers fokussierten mich. Raik war mein Diener. Eine versklavte Seele, die ein besseres Dasein als mein Diener an meiner Seite gesucht und gefunden hatte. Es war üblich, dass Hexenmeister als auch Hexer Diener hatten, da diese Nachrichten überbringen konnten und einen beschützten. Nicht dass dies unbedingt nötig wäre, jedoch kann es in brenzligen Situationen nützlich sein. Außerdem war es eine unausgesprochene Regel, dass jeder der sich außerweltlichen Kräften bemächtigte oder damit geboren wurde, eine versklavte Seele zu retten und als tierischen Diener zu haben. Somit war alles wieder im Gleichgewicht. Diener konnten auch menschliche Formen annehmen, doch war dies äußerst selten und unüblich.

„Was hast du mir zu berichten?“ fragte ich den Kater und dieser antwortete mir mit abgehackten Wortstücken. Er leckte sich dabei gerade schon fast gelangweilt über die linke Pfote.

Oberster Hexenmeister. Hexenprozess.

Mehr sagte er nicht und erst dann sah ich das kleine Glas um seinen Hals baumeln.

Sobald ich dem Kater das Glas abgenommen hatte, lief dieser auch sogleich wieder zum Fenster und verschwand über die Hausdächer. Ich öffnete das Behältnis und holte einen kleinen, eingerollten Zettel heraus.

Oberster Hexenmeister Min hat sich zu Mitternacht am Kristallberg einzufinden.

Westlicher Hexen Zirkel

Ich zog angestrengt die Augenbrauen zusammen und sah dann von dem Stück Papier auf. Jeongguk sah mich verwirrt an.

Ich gab dem Jungen den Zettel und fuhr mir mit einer Hand durch mein Haar. „Was will der Hexen Zirkel von mir… Sonst habe ich nur zur Hexenmeister Gilde Kontakt…“

Jeongguk legte den Zettel mit einem Schnauben auf den kleinen Bestelltisch neben sich. „Wo liegt da der Unterschied?“

Ich sah ihn an. „Hexen und Hexer sind sterblich, die Magie praktizieren und auch nicht mehr als einfache Magie anwenden können. Wir hingegen sind geborene, unsterbliche Wesen die von Geburt an Zugriff auf außerweltliche Kräfte haben und somit eine große Verantwortung mit uns tragen. Deshalb gibt es auch so wenige von uns.“ Jeongguk nickte nachdenklich.

Eine kurze Stille herrschte in der ich angestrengt nachdachte. Was war so wichtig, dass mir der Hexen Zirkel eine Nachricht schickte? Sie verachteten mich so sehr, dass sie mich nicht einmal eines Blickes würdigten. Seit ich mich dazu entschlossen hatte keinem Zirkel anzugehören und als freifliegender Hexenmeister zu leben, waren die Hexen und Hexer nicht gut auf mich zu sprechen…

„Ich habe auch so eine Nachricht bekommen, als ich alleine auf den Laden aufgepasst habe.“ Sagte Jeongguk plötzlich. „Wie?“ ich sah ihn fragend an. Er zuckte bloß mit den Schultern. „Ein Zentaur war vorbeigekommen und hat mir auch so einen Zettel gegeben. Um ehrlich zu sein dachte ich erst, dass sich jemand einen Spaß mit mir erlauben wollte, aber da du nun auch eingeladen wurdest…“ Viele der Zentauren waren Boten in unserer Welt, weswegen es mich nicht verwunderte, dass der Zirkel Jeongguk so die Nachricht überbrachte.

Nach kurzem Überlegen nahm ich Jeongguk dann beim Handgelenk und zerrte ihn aus dem Laden heraus. „Yoongi was…“ „Wir fliegen jetzt zum Kristallberg und finden heraus, was der Scheiß soll. Ich kann mir nicht erklären, was der verdammte Zirkel von dir will.“

Ich war plötzlich auf 180 und das sah mir nicht sehr ähnlich. Normalerweise war ich sehr gefasst und wenn mir etwas nicht passte, dann bekam das diese Person gehörig, mit einer großen Priese Sarkasmus von mir zu hören.  

„So wie ich das verstanden habe, sind noch mehr Werwölfe anwesend… und Vampire auch…“ ich verzog verwirrt das Gesicht. „Was zum Teufel…“

Ich schüttelte meinen Kopf und klatschte zweimal mit meinen Händen während ich Espenlaub und Wolkenfeger schrie. Nach wenigen Sekunden kamen zwei Besen neben uns zum Stehen und ich konnte Jeongguk genervt aufstöhnen hören. „Müssen wir wirklich fliegen…?“ er sah mich leidend an. Ich nickte. „Ja, sonst kommen wir vor der Walpurgisnacht nicht mehr an. Du weißt wie weit entfernt der Kristallberg ist.“

„Was ist mit einem Portal? Ich habe dich schon öfters mit Portalen reisen sehen.“ Ich lächelte. „Das mag wohl stimmen, aber ich weiß nicht, ob du in einem Stück beim Berg ankommen würdest.“ Gab ich dann zu und sah wie Jeongguk das Gesicht verzog.

Uns wurden ein paar amüsierte Blicke zuteil. Vor allem die der Mänaden, die Jeongguk beäugten. Jeongguk konnte sie nicht leiden. Man konnte es ihm auch nicht verübeln. Mänaden waren hinterlistige Wesen. Ihre Haut leuchtete in einem kalten, blassen Blau und auf ihren Häuptern trugen sie Kränze aus Efeu, während ihre Augen nicht gutheißend aufblitzten. Mänaden waren einst Menschen, doch wenn sie einmal Anhänger des Dionysos wurden und bei einem der orgiastischen Riten teilnahmen, veränderten sie sich und gaben sich dem griechischen Gott voll und ganz hin. Nicht, dass sie abgrundtief böse waren, keineswegs. Man sagte sich sogar, dass sie sehr gute Liebhaberinnen abgaben.

„Sie machen schon fast den Sukkuben und Inkuben Konkurrenz!“ hatte ich einen alten Greis einst sagen hören. Bei dem Gedanken daran, rannte mir ein kalter, unangenehmer Schauer über den Rücken und ich schüttelte meinen Kopf.



Jeongguk ließ dann geschlagen den Kopf hängen und setzte sich auf Wolkenfeger während ich mir Espenlaub schnappte.

Ich hatte Wolkenfeger extra für Jeongguk anfertigen lassen, da mein Besen uns beide nicht tragen konnte. Dafür war er nicht ausgerichtet. Das schwarze Holz würde bloß ächzten und sich in der Mitte teilen, während es Funken in allerlei Richtungen versprühen würde und somit seinen Zauber verlieren würde.

Ich hatte an Jeongguks Besen einen Stein angebunden, damit dieser ihm wenigstens etwas den Flug erleichtern würde. Ein schwarz-weiß geschichteter Onyx der Jeongguk beruhigte und ihm somit etwas die Angst vor dem möglichen Fall vom Besen und dem Flug an sich nahm.

„Ich hasse es zu fliegen…“ murmelte Jeongguk und ich musste mir ein Lachen verkneifen. Es war nur zu niedlich wie der Jüngere sich immer an den Besen klammerte, wenn ich meinen Zauber wirkte und wir beide abhoben.

Noch ein letztes Mal sah mich der Jüngere bettelnd an und dann sprach ich die entscheidenden Zeilen mit ein paar wilden Bewegungen meiner Hände und unsere Füße verloren den Kontakt zum Boden.







„Ich. Hasse. Es. Zu. Fliegen.“ Sagte Jeongguk sobald wir gelandet waren und fiel erschöpft zu Boden. Ich stellte währenddessen die beiden Besen an einen naheliegenden Baum und kicherte.

„Oh nein, ich bleibe liegen und genieße es erstmal wieder auf festem Grund zu sein.“ Warnte Jeongguk mich mit einem Knurren, als ich ihn am Arm gepackt hatte und auf die Beine ziehen wollte.

Ich schüttelte bloß den Kopf und ließ den Jungen liegen. Dann machte ich mich eben alleine auf die Suche nach der Anführerin des Hexenzirkels.

Eigentlich war der Kristallberg ein schöner Ort. Weit weg von jeglicher Zivilisation und voller Magie. Somit ein guter Ort Novizen des magischen Handwerkes zu unterrichten.

Hier hausten einige magische Kreaturen, die sich zurückziehen mussten, weil sie nur hier Schutz vor den Menschen und Dämonen fanden. Hier und da sah man kleine Funken, die durch die Luft tanzten und erinnerten einen fast schon an die Zauber, die ich selber wirkte.

Feen.

Feen waren winzig kleine, temperamentvolle Wesen, die friedlich mit den wenigen Nymphen, die noch übrig waren, hier hausten. Sie hüteten die Natur und wohnten eigentlich auch meist in Wäldern, nah an Bächen oder Seen. Vielleicht auch ab und zu Höhlen. Deshalb wunderte es mich noch immer, dass Seokjin, der Kräuterkundler, mitten in der Stadt wohnte anstatt hier, bei seines Gleichen, an einem der Seen oder direkt dem Meer.

Vielleicht hatte er es sich aber auch einfach zur Aufgabe gemacht, dort zu helfen, wo Hilfe dringend benötigt wurde, anstatt sich in den Wäldern zu verstecken. Nymphen waren nämlich feige und genauso wie Elben darauf aus, das ihr Geschlecht um jeden Preis überlebte. Deshalb schlugen Elben sich auch immer auf die Seite der Gewinner. Das war der Grund, warum das Geschlecht der Elben nicht ausstarb. Ich konnte sie nicht ausstehen. Verbündete und Freunde verraten, nur um sein eigenes Überleben zu sichern?



„Ah, Min.“ ich sah in die Richtung aus der die Stimme kam und erblickte sogleich die Anführerin des Zirkels. „Schön, dass Sie es geschafft haben. Ist Jeon mit Ihnen gekommen?“

Ich verdrehte genervt die Augen. „Kommen wir gleich zur Sache und lassen diese Formalitäten. Mir ist bewusst, dass ihr mich verabscheut also wozu die falsche Höflichkeit?“

Sie grinste leicht und ein leichtes Funkeln belegte ihren Blick. „Nun, da liegen Sie wohl nicht ganz so falsch.“

Ich schnaubte. Sie wollte es sich nur nicht mit mir verscherzen, da ich sie nur in Sekunden einfach verschwinden lassen könnte, wenn ich nur wollte. Ich war eine Bedrohung für sie und ihren Zirkel, da ich als freifliegender Hexenmeister keinen Regeln unterworfen war.

„Es wird einen Prozess geben. Einen Hexenprozess, der entscheiden wird, ob die angeprangerte Hexe schuldig ist oder nicht.“ Sagte sie dann plump. Ich fand es schon immer ziemlich unglücklich einen solchen Prozess Hexenprozess zu nennen… Ich zog sogleich verwirrt die Augenbrauen zusammen, als ich dies hörte. „Eine Hexe aus unserem Zirkel soll einen Vampir und einen Werwolf getötet. Deshalb haben Jeon und andere Werwölfe, als auch die betroffenen Vampire eine Einladung bekommen, am Prozess teilzunehmen, da ihresgleichen angegriffen wurde und das können wir nicht dulden.“

Ich nickte verstehend. „Aber was habe ich damit zu tun?“ Sie richtete ihr Kleid und ihren Zopf. „Sie sollen einen Schutzkreis um die Angeklagte ziehen und aufpassen, dass die Verhandlung nicht aus dem Ruder läuft. Bei so viel freier magischer Energie wäre dies durchaus denkbar. Außerdem sind sie das Bindeglied zwischen magischen Kreaturen und uns menschlichen Hexen und Hexern. Das müsste mit Ihren Kräften jedoch ein Kinderspiel sein, nicht wahr?“ sie grinste süßlich.

Ihr Klang war so passiv aggressiv, als wäre er Gift. Aber sie hatte Recht. Hexenmeister bezogen immerzu eine neutrale Position bei Unstimmigkeiten und wurden auch schon in der Vergangenheit immer mehr zu Konflikten zwischen Menschen und magischen Wesen einberufen.

Ich ließ mir aber nichts anmerken und richtete dann bloß meinen Hut. „Hm, das ist alles?“ sie nickte. „Danach müssen Sie uns nicht mehr wiedersehen.“

Ha.

„Wohl eher dann müssen Sie, mich nicht mehr sehen.“ Darauf antwortete sie mir nicht, sondern behielt ihre vorige Mimik bei.

Hm. Ich mochte die Hexen und Hexer dieses Zirkels nicht. Sie waren sterblich was sie hochnäsig machte und sie denken ließ sie wären etwas Besseres, obwohl sie nicht mal die Fäden in den Händen hatten. Sie waren nichts Weiteres als ein paar kleine, nebensächliche Figuren auf dem Schachbrett. Die, welche die Fäden ziehen, sind die mit magischer Kraft und noch höhere Wesen, aber das war eine ganz andere Geschichte.

Plötzlich trat eine weitere Hexe zu uns. Nicht alle Hexen und Hexer waren schlecht.

„Die Verhandlung wird bald anfangen. Min, würden Sie mir bitte folgen? Wir würden Sie gerne zu der Angeklagten führen und sie den Schutzkreis ziehen lassen.“ Sie verbeugte sich leicht vor mir und deutete mir dann mit einer Handbewegung an, dass ich ihr folgen sollte, was ich dann auch ohne weiteres tat.

Ich sah zum Horizont und erkannte, dass die Sonne schon verschwunden war und dem Mond Platz am Himmelszelt machte.

Es war an der Zeit den Schutzkreis zu ziehen und den Prozess zu beginnen.





Die Angeklagte sprach nicht. Sie trottete bloß vor uns her. Ihr Haupt war gesenkt. Die Ketten der Handfesseln rasselten bei jedem Schritt den sie machte. Ihre Augen hatten solch ein Feuer in sich gehabt, als ich vor ihr gestanden hatte und ihr die Fesseln angelegt wurden. Es hatte mich ein wenig überrascht. Nun umgab uns Stille.

Langsam kam der Ort der Verhandlung in Sicht. An Feiertagen wurde die große, freie Fläche für das Lagerfeuer genutzt und rings herum sammelten sich die Feierenden. Stände gab es auch ab und zu.

Heute war alles wie leer gefegt, bis auf die Gestalten die langsam den Platz füllten.

Ihre Blicke fielen auf uns und ich sah durch die immer größer werdende Menge. Jeongguk stand am Rand und fing meinen Blick. Er nickte mir zu.

Wir brachten die Angeklagte in die Mitte des Platzes, ehe man mir eine Schüssel reichte. Enthalten war Salz, vermischt mit Kohle. Ich vergrub meine Finger sogleich darin und verzog das Gesicht. Ich mochte es nicht damit zu arbeiten. Ich bevorzugte Kräuter und andere Mineralien.

Ich trat von der Hexe weg und rieb das Salz-Kohle Gemisch zwischen meinem Daumen und Zeigefinger. Es hinterließ Schwärze und lag wie Pulver auf meiner Haut. Ich mochte es nicht.

Dann fing ich an einen Schutzkreis mit dem Gemisch zu ziehen und warf somit dieses zu Boden. Es formte eine klare Linie zwischen uns und der Angeklagten.

Natürlich wäre das Gemisch ohne einen Spruch wirkungslos. Somit sprach ich die nötigen Zeilen, als der Kreis fertig gezogen war und der Schutz war aktiv. Ihre Fesseln lösten sich auf, da ihr Schutz nicht mehr nötig war. Die Hexe konnte ihre Hände nun wieder frei bewegen.

Ich entfernte mich vom Schutzkreis, stellte mich zu Jeongguk und sah zu wie der Platz nun voller Gestalten war.

Der Prozess begann.



„Erinnerst du dich noch an unsere Weisung, einst geliebte Schwester?“ die Stimmer der Anführerin zog wie ein scharfer Wind über die Anwesenden und den Platz hinweg. Die Angeklagte sah beschämt zu Boden.

Nachdem ich den Schutzkreis um die Hexe gezogen hatte, hatten andere Zirkelmitglieder die nun letzten Anwesenden auf den Platz der Verhandlung geführt.

Die Anführerin des westlichen Hexenzirkels fuhr fort. „Solange es niemandem schadet, tu was du willst.“ Die Frau sah noch immer zu Boden.

„Alles, was von dir ausgeht, fällt dreifach auf dich zurück.“ Dann regte sich etwas in ihr und ihre, von Tränen gefüllten, Augen sahen wutentbrannt auf. Ihr scharfer Blick wanderte durch die Reihen.

Werwölfe, Vampire, Hexer, Hexen und ich als einziger Hexenmeister waren anwesend. Jeongguk stand neben mir, da er nicht zu den anderen Werwölfen hatte gehen wollen.

„Ihr seid so blind.“ Murmelte die Hexe auf einmal. „Seht ihr nicht wie sie euch alle hinters Licht führen? Pah! Dieser Friedensvertrag ist doch nichts weiter als eine Finte, um unser Geschlecht unterwürfig zu machen! Ich habe schon so oft zusehen müssen wie Vampire unschuldige Mädchen und Jungen töten, wenn nicht sogar rekrutieren und sie zu einem von ihnen machen, um sich zu vergrößern! Sie ergötzen sich an unserem Blut und lassen uns dann sterbend in einer Gasse liegen. Oder wie Werwölfe unschuldige Teenager töten, die es wagen sich in ihren Wald zu begeben und es als Unfall abstempeln! Wie sie ihre Leichen im Wald verrotten lassen, bis jemand sie findet. Wie viele müssen noch ihr Leben geben, damit ihr es endlich einseht? Dieser Frieden ist der reinste Witz!“

Sie ballte ihre Hände zu Fäusten und dessen Knöchel traten weiß hervor. „Hexer und Hexen sollten die Oberhand gewinnen! Und deines Gleichen!“ sie zeigte mit zitternden Fingern auf mich. „Ihr solltet uns gefällig unterstützen! Ihr seid nämlich diejenigen die Zugriff auf die Kräfte haben, von denen wir nur träumen dürfen! Verdammte Hexenmeister, ihr habt es nicht verdient so machtvoll zu sein! Ihr seid unsterblich und doch haltet ihr euch bei allem schön fein raus! Neutralität, dass ich nicht lache. Feige seid ihr, nichts weiter!“

Das machte mich leicht wütend. Alle Augenpaare waren nun auf mich fokussiert und ich nutzte die Chance um auf die fehlgeleitete Hexe zuzugehen. Vor dem Schutzkreis, den ich zuvor um sie gezogen hatte, blieb ich stehen und sah ihr tief in die Augen. Der Hass in ihnen war noch immer präsent. „Ich glaube ihr Hexen würdet so viel Macht nicht weise einsetzten, mit der kurzen Lebensspanne, die ihr besitzt. Diese Magie…“ ich hob meine Hand und langsam sammelte sich Feuer um diese, bis sie vollkommen darin eingedeckt war. Das Feuer hatte eine violette Färbung und leckte an meiner Haut.

Als Hexenmeister hatte ich eine sehr starke Bindung zum Element Feuer, was die Ausmaße und die Erscheinung meiner Kräfte begründete.

Mit einer flüssigen Bewegung schloss ich meine geöffnete Hand und das Feuer erlosch sofort. Dünner Rauch stieg empor, der sich sogleich auch wieder verflüchtigte.

„…diese Magie würde eure Körper Stück für Stück zerreißen und euer Geist würde daran kaputt gehen. Sie würde euch langsam eure Menschlichkeit nehmen und euch in einen niederen Dämon verwandeln.“

Ich steckte meine Hände dann in meine Hosentaschen, ehe ich monoton fortfuhr.

„Ich finde wir sollte so schnell wie möglich ein Urteil fällen.“ Sagte ich dann abschließend.

Ich sah in die Menge. „Ich kann mir das Gerede von einer fehlgeleiteten Hexe nicht weiter anhören, es beleidigt mich und andere bis aufs Äußerste.“ Zustimmendes Raunen herrschte. Das schien die Hexe nicht hören zu wollen, also trat sie plötzlich mehrere Schritte zurück und zog rasch ein kleines Fläschchen aus ihrer Tasche in dem eine türkise Flüssigkeit aufblitzte. Ich reagierte sofort und mit einer Geste meiner Hand riss ich ihr das Fläschchen aus der Hand, als sie es schon geöffnet hatte und es durchquerte die Barriere des Schutzkreises, ehe es in meiner Hand landete und ich es inspizieren konnte.

Sofort kam mir ein beißender Geruch entgegen. Ich kippte die Flüssigkeit zu Boden, mit ein wenig Abstand zum Schutzkreis. Sie war dickflüssiger als erwartet und sah aus wie Schleim. Als die türkise Flüssigkeit in Kontakt mit dem Boden kam, ertönte ein lautes Zischen und das Gestein ätzte sofort weg. Giftige Dämpfe und glitzernde Partikel stiegen empor.

Dies war ein Trank den keine Hexe mit normal zugänglichen Zutaten brauen könnte. Enthalten war Vampirblut und Werwolfsleber. Diese verliehen dem Trank diese glitzernden Partikel und diesen beißenden Geruch.

Jedoch machte mich die nachträgliche Färbung des Tranks stutzig. Er sollte sich eigentlich nicht… schwarz verfärben.

„Das macht es eindeutig.“ Sagte ich trotz dessen und drehte mich zur Anführerin des Hexenzirkels um, während ich das Fläschchen hochhielt. „Dieser durchaus toxische Trank enthält Vampirblut und Werwolfsleber, also muss die Angeklagte nicht mal mehr gestehen. Dennoch möchte ich es aus ihrem Mund hören. Ich möchte von ihr hören, dass sie den Werwolf und den Vampir getötet hat.“

Gemurmel ging durch die Reihen, bis einer der anwesenden Werwölfe seine Stimme erhob. „Wozu war der Trank?“

Ich räusperte mich kurz. „Vampirblut und Wolfsleber töten Sterbliche. Angewendet an Unsterblichen jedoch, ruft es eine Vergiftung mit vielen Nebenwirkungen hervor. Bei Wölfen angewendet kann es schreckliche Folgen haben. Es macht den Mund und Rachenraum trocken, das Atmen wird schwerer, da sich die Blutgefäße in der Lunge verengen. Ihre Sinne werden geschärft und sie verlangen danach, dass Blut vergossen wird. Das enthaltene Vampirblut macht sie durstig und sie würden, plump gesagt, anfangen Amok zu laufen. Es ist schlimmer als jeder Vollmond.“ Ich sah durch die nun stille Menge. Das Fläschchen fest in der Hand haltend. Meine vorige Entdeckung ignorierend.

Ich ging zurück zu meinem Platz und die Anführerin erhob wieder das Wort. „Also, Schwester! Gestehe!“

Die Angeklagte schien mit sich selber zu kämpfen, biss auf ihrer Unterlippe herum und schaute hin und her. Bis sie schließlich nachgab, je länger sie den tödlichen Blicken der anderen Wesen ausgesetzt war. Blut zierte ihre Unterlippe. Sie leckte es ab und zu mit ihrer Zunge ab.

„Es ist nicht fair, dass Hexenmeister Zugriff auf allerlei Kräfte haben und dann auch noch die wahren Täter immer schützen. Man muss den Biestern Einhalt gebieten, bevor sie uns auslöschen-“ „Töten wir sie! So wie sie es mit meinem Bruder ebenfalls getan hat!“ schrie einer der Werwölfe, unterbrach somit die Hexe und trat damit eine laute Diskussion los.

„Verbrennen wir sie, wie sie es auch im Mittelalter gemacht haben!“ – ein Vampir.

„Rotten wir ihren Zirkel komplett aus!“ – ein Werwolf.

„Nein! Nehmen wir sie auseinander, wie sie es auch mit Daehyun gemacht hat! Die Leber, das Herz, die Zähne, die Haare!“ schrie ein anderer Werwolf.

Das Raunen der Menge wurde nicht leiser und man konnte sehen wie ein paar Vampire sich mit Werwölfen zusammentaten. Jeongguk neben mir hatte eine angespannte Haltung und knirschte ab und zu mit den Zähnen.

Ich stupste ihn an. Er sah mich an und ich konnte ein gelbliches Leuchten in seinen Augen erkennen. „Jeongguk…“ sagte ich leise und beugte mich leicht zu ihm hin. „Beruhige dich, du willst doch nicht etwa eine Verwandlung verantworten und jemanden verletzen oder?“

Das Leuchten in seinen Augen flackerte. Seine Unterlippe bebte und er sah kurz zu Boden.

Schlecht formuliert, Yoongi.



Ich zog den Rollkragen meines Pullis etwas hoch.

„Sie hat einen von uns getötet, Hyung. Sie-“ „Deshalb steht sie vor Gericht, Jeongguk.“ Er zog die Augenbrauen zusammen. „Ich will sie büßen sehen.“ Er knurrte. „Jeongguk.“ Sagte ich mit einem warnenden Unterton und packte ihn an seiner Schulter. „Beruhige dich.“ Das gelbe Leuchten verschwand langsam und Jeongguks Haltung entspannte sich etwas.



Plötzlich ebbte das Raunen Stück für Stück ab und ich wendete meinen Blick wieder nach vorn. Vampire traten zur Seite und hervor trat ein junger Mann mit braunem Haar. Die Strähnen schimmerten trotz des Mondlichts etwas orange und lagen federleicht auf seinem Kopf. Sein Blick war scharf wie eine Klinge, der von golden aufblitzenden Irden ausging, als er vor den Schutzkreis trat und stehen blieb. Eine schwarz-violette Aura umgab seine Person. Seine Haut leuchtete schon fast golden.

Vampir.

Er trug ein dunkles Jackett worauf Rosen in vielerlei Farben gestickt waren, eine feine weiße Bluse darunter an dessen Kragen eine weiße Schleife befestigt war. An seinen Fingern blitzten viele silberne Ringe auf, während die langen, feinen Ärmel der Bluse aus den Ärmeln des Jacketts heraushingen und seine Hände halb verdeckten.

„Liebes.“

Das war das Erste was seine Lippen verlassen hatte und ich war sofort in seinen Bann gezogen. Die Hexe schien in ihrer zu vorigen Bewegung eingefroren. „Du musst uns noch immer sagen, was du mit Daehyun, dem Werwolf, und Ahri, der Vampirin, gemacht hast.“ Er lächelte süßlich und ich musste nicht mal das Gesicht der Hexe sehen, um zu wissen, dass sie dem Vampir vollkommen ausgeliefert war.

„Ich habe einige Wochen vorher, durch Zufall, herausgefunden, dass Ahri eines von Daehyuns Kindern getötet hatte.“ Sprach die Hexe. Ihre Stimme hatte einen seltsamen Ton angenommen.

Stille legte sich über die Anwesenden und ich spürte wie Jeongguk sich wieder anspannte.

„Daehyun hatte Schulden bei einem Vampir und als er diese nicht begleichen konnte, gab es wohl Streit und man hatte Ahri dazu angeheuert, Daehyun büßen zu lassen.“

Ich hatte keinerlei Ahnung gehabt, dass es so schlimm um die Beziehung zwischen Werwölfen und Vampiren stand. Ich hatte aber auch nicht viel Kontakt zu einer der beiden Spezies. Jeongguk war da die Ausnahme.

„Also war es von da an nicht so schwer, Daehyun rasend zu machen, als ich ihm mitteilte, dass Ahri für den Tod seines Sohns verantwortlich war.“

Ich schaute zum Vampir, der vor der Hexe stand und musste mit Erschrecken feststellen, dass er in meine Richtung schaute. Sein Blick war nicht auf die Hexe vor sich gerichtet, sondern ruhte ganz allein auf mir. Es war so als wäre die Zeit um uns herum kurz eingefroren. Sein Blick brannte schon förmlich und ich sah dann schnell wieder auf den Hinterkopf der Hexe, den stechenden Blick noch immer spürend.

„So lauerten wir beide der Vampirin auf und für Daehyun war es als Werwolf ein leichtes gewesen sie zu töten-“ der brünette Vampir hob seine Hand. Sie verstummte. „Wie konnte ihm das gelingen? Ahri ist nicht so leicht zu töten.“ Sagte er und machte sich nicht über die Konsequenzen Gedanken, die es mit sich bringen könnten, dass einer von seines Gleichen ein Kind getötet hatte.

„Ich hatte ihm einen Trank gebraut, der es möglich machte. Einen Trank der ihn später für Silber verwundbar gemacht hatte.“

Die Augen des Brünetten verengten sich. „Und dann?“

„Dann hatte ich Daehyun mit einem Silberdolch getötet. Ich nahm mir Ahris Blut und Daehyuns Fell, Herz, Leber als auch Zähne, um den Trank schwarze Lilie herzustellen. Ich hätte damit die Blutkonserven der Vampire als erstes vergiftet. Der dadurch unstillbare Durst hätte sie wahllos Menschen angreifen lassen. Die Menschen hätten dann endlich Jagd auf die Vampire gemacht. Das hätte die Chance auf Macht für Hexen und Hexer erheblich erhöht.“

Der Vampir hatte nun wohl genug gehört und hob dann ein letztes Mal die Hand. Die Hexe verstummte und der braunhaarige trat langsam vor die Anführerin des Hexenzirkels.

„Wissen Sie, in manchen Punkten hatte ihre so geliebte Schwester Recht. Dieser Frieden ist ein Witz und mein Klan und ich sind uns schon einig, dass wir diesen auch nicht mehr halten werden. Ich bin mir außerdem sicher, dass die Werwölfe, das genauso sehen.“

Ich sah zu den anwesenden Werwölfen, die ihn feindselig ansahen. „Wir stehen nicht so auf Frieden, was?“ sagte er und zwinkerte.

Die Hexe sah ihn mit gerümpfter Nase an. „Ich konnte mich nicht daran erinnern, dass Sie eingeladen waren, Jung Hoseok.“

Jung Hoseok.

Dieser lachte. „War ich auch nicht, aber wie soll der Vampirklan ohne seinen Anführer aufkreuzen?“ Die Hexe schnaubte. „Sie sind der neue Kopf des Klans? Was wurde aus ihrem Vater?“ Hoseok grinste verschmitzt. „Hatte den Löffel abgegeben, als eine von ihren Hexen Eisenkraut in den Drink meines Alten gemischt hatte, als er Spaß in einer der Bars hatte. Ihr werdet unseren Klan nicht los, lieber Hexenzirkel.“

Zwischen dem Zirkel und dem Klan herrschte eine Anspannung die man schon fast greifen konnte. Irgendwas muss zwischen den beiden vorgefallen sein, was schon Jahrhunderte zurückliegen musste, wo ich allerdings noch nicht in der Stadt gelebt hatte.

Plötzlich wanderte Hoseoks Blick zu mir und die Hexe war wohl komplett vergessen. „Und mit wem habe ich hier das Vergnügen? Dein Gesicht ist mir neu…“ er sah mich prüfend von oben bis unten an. Studierte meine Reaktion. Jeongguk spannte sich an.

„Min Yoongi. Oberster Hexenmeister.“ Antwortete ich kurz und trocken.

Hoseok schnaubte und wendete sich ab. „Wir haben für die Verbannung oder Verbrennung der Hexe gestimmt. Mach was nötig ist, Hexenmeister und wir sind hier fertig.“

Mein Blick verdunkelte sich. „Jung Hoseok, es wäre schön, wenn Sie wieder zu ihres Gleichen treten würden und uns die Entscheidung überließen.“ Sprach die Hexe.

Dieser lachte. „Wozu haben Sie dann alle hergebeten, wenn wir schon nicht mitbestimmen dürfen?“

Dies trat erneut eine laute Diskussion los und ich wurde es langsam leid. Dieses ständige Gezanke ging mir gehörig auf den Wecker. Ihr lautes Geschrei klingelte in meinen Ohren und ihr rieb mir genervt über die Schläfen. Ich murmelte dabei ein paar beruhigende Zeilen vor mich hin, ehe ich schrie: „Für alle Beteiligten wäre es besser, wenn nun Ruhe einkehren würde, sonst vergesse ich mich hier, verdammt nochmal!“

Stille.

Absolute Stille legte sich wie ein schweres Tuch über die Anwesenden und ich verpasste dabei nicht das amüsierte Mienenspiel des braunhaarigen Vampirs.

„Nun tritt schon zurück, Jung.“ Zischte ich. Dieser grinste bloß weiter und ging langsam zurück zu seinem Platz. Verbeugte sich dabei vorher.

„Min, ich habe Ihnen nicht die Leitung dieser Verhandlung übergeben also würde ich Sie bitten-“ mit einem Schnipsen war die Anführerin ruhig.

Was so ein einfacher Zauber alles vereinfachen konnte. Ein Traum.

Die Luft waberte und um mich herum war etwas Staub vom Boden aufgewirbelt worden, der nun in der Luft schwebte. Leuchtende Partikel meiner Magie schwebten ebenfalls um mich herum.

Endlich war Ruhe eingekehrt.

Ich holte einmal tief Luft ehe ich sprach. „Da wir so zu keiner Lösung kommen werden, nehme ich einfach die Leitung dieser Verhandlung an mich. Ich habe mich auch schon für eine angemessene Strafe entschieden. Als oberster Hexenmeister steht es mir zu einzugreifen, wenn es zu keinem Ergebnis kommen sollte.“

Die Menge war ruhig und starrte mich fassungslos an.

Ich nickte. „Deirdre! Hiermit verbanne ich dich auf den höchsten Punkt dieses Berges! Du sollst ihn nie wieder verlassen können! Du sollst nie wieder Zauber aussprechen können! Du sollst bis auf alle Ewigkeiten büßen und als Wesen niederer Ordnung bereuen! Hinfort mit dir!“ ich machte große Bewegungen mit meinen Händen und Armen.

Funken tanzten in der Luft herum und das Letzte was man sah, war der leidende Blick in den Augen der Hexe, ehe sie schrumpfte und sich in eine kleine, hässliche Ratte verwandelte. Ihre Kleidung lag nun im Dreck um sie herum und die Anwesenden sahen still zu.

Ich trat zum Schutzkreis und durchbrach diesen indem ich das Salz-Kohle Gemisch mit meinem Schuh verwischte und eine schnelle, schneidende Bewegung meiner Hand von Statten gehen ließ. Der Zauber verschwand und so auch die zur Ratte gewordenen Hexe.

Ich sah dann ein letztes Mal in die Runde, den amüsierten und gleichzeitig interessierten Blick des Vampirs nicht verpassend, und packte dann Jeongguk am Handgelenk und machte mich auf den Weg zu unseren Besen.







Wochen später saß ich abends an dem einzigen Tisch im Wohnzimmer und las ein Buch, wozu ich zuvor nie Zeit für hatte. Nach dem Prozess war es recht ruhig geworden, bis auf ein paar Zwischenfälle, die an meiner Türschwelle gestanden hatten und meine Hilfe benötigt hatten. Seltsamerweise jedoch häuften sich solche Zwischenfälle seit der Verhandlung immer mehr. Ein lautes Klopfen ließ mich jedoch aufsehen und ich seufzte kaum merklich. Ich richtete meine Brille und ließ die Teetasse klirrend auf den Untersetzer sinken.

Jeongguk sah mich an. „Erwartest du so spät noch jemanden?“ fragte er und kuschelte sich etwas weiter in den Sessel, den Film weiterverfolgend.

Ich räusperte mich und schüttelte abwesend meinen Kopf. „Eigentlich nicht…“ es klopfte erneut. Ich hatte ein ungutes Gefühl. Somit erhob ich mich langsam, schloss dabei das Buch, welches ich noch zuvor gelesen hatte und schlurfte zur Tür. Ich öffnete die alte, quietschende Holztür und erblickte eine junge Frau. Ihr Aschblondes Haar reichte ihr bis zum Kinn, dunkle Augenringe machten sich auf ihrem sonst so makellosen Gesicht bemerkbar. Sobald mein Blick ihre braunen Augen verließ, wanderte dieser zu ihrem aufgeschwellten Bauch. Sie war hochschwanger. Dazu umgab sie eine orange-goldene Aura.

Werwolf flüsterte eine leise Stimme in meinem Hinterkopf.

Alle Wesen trugen ihre eigene Aura mit sich herum und waren somit leicht zu identifizieren. Dies war aber nur für trainierte Augen sichtbar.

„Um diese Zeit nehme ich eigentlich keine Aufträge mehr an…“ fing ich leise an und verpasste dabei nicht das panische Funkeln in den Augen der jungen Frau.

„Bitte.“ sagte sie. „I-Ich… Sie sind doch der oberste Hexenmeister in der Stadt ich…“ sie fing an zu schniefen und wischte sich eine entwischte Träne weg.

Raik, der draußen am Gehweg vor meinem Haus saß, miaute und sah mich mit seinen giftgrünen Augen an.

Ich legte der Frau meine Hand auf die Schulter. „Komm erstmal rein. Wie ist dein Name, meine Liebe?“ sie schniefte noch immer und stolperte langsam herein. Ich ließ die Tür mit einer leichten Handbewegung hinter uns zu fallen und führte sie ins Wohnzimmer, wo Jeongguk uns verwirrt beäugte.

„Ida.“ Ich nickte ihr zu und setzte sie auf das Sofa. „Ich bin Yoongi.“

Ich drehte mich zu dem jungen Werwolf um. „Jeongguk, bitte setzte etwas Tee auf. Etwas Beruhigendes.“ Dieser nickte dann und verschwand in der Küche. Dann lenkte ich meine ganze Aufmerksamkeit auf die junge Frau vor mir.

„Also was führt dich her, Ida?“

Sie sah etwas nervös hin und her. „I-ich glaube ich werde verrückt oder wurde verflucht. Ich h-habe Angst um mein Baby.“ Sie fasste sich besorgt an ihren Bauch. „Ich habe sie schon seit Tagen nicht mehr treten gespürt. Ich sehe Dinge die nicht da sind und falle vermehrt in Ohnmacht ohne jegliche Gründe. Ich habe Angst, dass ich mich dadurch eines Tages verletze und somit auch meinem Baby wehtue.“

Ich sah erneut auf ihren Bauch hinab. Ihre Hände umfassten diesen schon fast krampfhaft.

Ich sah in ihre Augen. „Darf ich?“ dabei deutete ich auf ihren Bauch und sie entfernte langsam ihre Hände, als sie mir zunickte.

Somit kniete ich mich vor ihr hin und legte sachte meine Hände an ihren Bauch. Ich schloss dann meine Augen und konzentrierte mich.

Umrisse. Eine schemenhafte Figur. Das kleine Mädchen in ihrem Bauch. Ich konnte sie deutlich sehen. Sie bewegte sich nicht.

Ich konnte ihren Herzschlag spüren. Langsam und sachte, jedoch spürbar.

Ich zog meine Augenbrauen zusammen und legte dabei meine Stirn in Falten. Der Herzschlag sollte viel deutlicher spürbar sein.

Ich nahm meine Hände wieder von ihrem Bauch weg und stand auf, um mich wieder an den Tisch zu setzen. Mit einem Schnipsen meiner Finger flog ein schwarzes Buch herbei. Funken tanzten dabei in der Luft herum. In dem Buch standen vielerlei Sprüche und Wissen über Krankheiten oder Beschwerden. Ida schaute dem Buch erstaunt beim Schweben zu.

Ich hatte schon eine Vermutung um was es sich hier handelte. Nicht unbedingt ein Fluch war verantwortlich für Idas Beschwerden, noch war sie verrückt. Vielmehr vermutete ich etwas, was der Werwolf ohne dessen Wissen, fälschlicherweise zu sich genommen hatte.

Ich blätterte etwas in dem Buch herum. Jeongguk kam dann mit einem Tablett zurück ins Wohnzimmer und wurde dann interessiert von der jungen Frau beäugt. „Du bist auch ein Werwolf.“ Stellte sie offensichtlicher Weise fest. „Ein süßer und leichter Geruch hängt an dir. Vanille wenn ich mich nicht täusche…“ sie steckte eine ihrer Haarsträhnen hinter ihr Ohr.

„Wieso bist du nicht bei deinem Rudel oder bei deines Gleichen? Gerade ein so junger Werwolf braucht den Schutz seines Rudels.“ fuhr sie dann aus reiner Neugierde fort. Jeongguk lächelte schief. „Ich habe kein Rudel. Außerdem hat Yoongi Hyung mich mehr oder weniger aufgenommen.“ Ich sah zu ihnen rüber. „Ich habe dich aufgenommen, Balg.“

Jeongguk schüttelte dann bloß lachend seinen Kopf und stellte das Tablett vor ihr auf dem Wohnzimmertisch ab. „Das hier ist Lavendeltee. Beruhigt die Nerven.“ Er schüttete ihr etwas von dem Tee in eine Tasse und reichte ihr diese. „Danke.“ Flüsterte sie leise und nippte an der noch heißen Flüssigkeit. Dann stellte sie keine weiteren Fragen mehr zu Jeongguks Person.

Jeongguk wäre eigentlich nicht hier, wenn der Unfall nicht gewesen wäre. Jeongguk wäre kein Werwolf.

Es war vor etwa 9 Jahren, als ich meine Tante in den Bergen besucht hatte. Ich wohnte zu der Zeit schon etwas in der Stadt. In den Bergen war es Gang und Gebe, dass dort Wolfsrudel lebten und eigentlich beließen sie es auch dabei. Es waren friedliche Rudel.

Nun ja…

Als ich dann mit meiner Tante im nahegelegenen Wald auf der Suche nach Zutaten gewesen war, hatten wir dort Jeongguk gefunden. Halb verblutet und halb verwandelt. Ich hatte so etwas noch nie zuvor gesehen gehabt. Ein junger Mann mit Reißzähnen, zu groß für seinen Mund, Krallen die kein Mensch besitzen sollte, dunkelbraunen Ohren die aus seinem Haar herauslugten und eine Rute, die man eigentlich nur bei Wölfen vorfand. Tränen und Angst zierten seine Augen. Eine Schnittwunde auf seinem linken Wangenknochen hinterließ später eine dünne Narbe.

Jeongguk war etwas, was man wahrscheinlich als eine seltene Mutation bezeichnete. Er war der Sprössling zweier Werwölfe und trotz dessen hatte das vorhandene Gen in ihm keine Verwandlung in einen Werwolf verursacht. Wahrscheinlich hatte sein innerer Werwolf einfach tief in ihm drinnen geschlummert und brauchte nur den richtigen Anstoß, um freizukommen. Bis zu seinem 16. Lebensjahr hatte er wie ein normaler Mensch und Teenager mit dem Rudel zusammen gelebt, was vielen jedoch nicht gepasst hatte. Während diese nur davon träumten normal leben zu können, hatte Jeongguk die Chance gehabt beides haben zu können. Das Leben als normaler Junge in der Menschenwelt und das Leben als eigentlicher Werwolf im Rudel.  

Dann hatten einige Mitglieder seines Rudels den Entschluss gefasst dem ein Ende zu breiten. Sie wollten Jeongguk durch einen Unfall töten oder sein Werwolf triggern.

Das hatten sie dann auch letzten Endes geschafft… sie hatten ihm genommen, was er so wertgeschätzt hatte und wodurch er trotzdem gelitten hatte.

Und dann hatten sie ihn blutend und halb verwandelt im Wald liegen lassen, bis meine Tante und ich ihn gefunden hatten und ihn unter unsere Fittiche genommen hatten. Er war so verängstigt gewesen, hatte so gelitten, gewimmert und um sich gebissen. Es war eine ziemlich schwere Zeit für ihn gewesen, wieder Vertrauen zu anderen aufzubauen.



Vertrauen.

Ich richtete abwesend den Rollkragen meines Pullis.

Jeongguk würde bald 26 werden und aufhören zu altern. „Dann kannst du mich nicht mehr wie ein Kind behandeln, Hyung!“

„Dein Hyung ist schon mehrere Jahrhunderte alt. Neben mir wirst du immer wie ein Kind wirken.“

Hmpf!“



Ich schüttelte meinen Kopf als ich an unser Gespräch dachte.

Dann sah ich vom Buch auf und sah zur jungen Frau rüber.

„Hast du in den letzten paar Stunden öfter Schwindelanfälle gehabt oder floss kein Speichel mehr, wie normal, sodass das Essen und Trinken schwer wurde? Du sagtest du siehst Dinge, die nicht da sind. So etwas wie Halluzinationen, vielleicht?“ ich sah von meinem Buch auf und richtete meine Brille etwas.

Jeongguk hatte sich währenddessen wieder auf seinen Platz gesetzt und sah interessiert zu uns rüber.

Sie nickte langsam.

Ich seufzte erleichtert aus.

„Ich glaube du hast unbewusster Weise Irdenkraut oder Stechzwirn zu dir genommen.“  

„W-was?“ sie sah verwirrt aus. „Aber wie kann das sein?“

Ich überlegte. „Was hast du als letztes gegessen?“

Sie zählte alles auf was sie gegessen hatte und ich stutze. Alles schien normal zu sein. Nichts Auffälliges war dabei.

Ich räusperte mich. „Ich werde dir gleich einen Trank mitgeben, die genaue Menge und Einnahme werde ich dir dazu geben.“

„Also kein Fluch?“ fragte sie trotzdem nach, was mich leicht lächeln ließ. „Nein, kein Fluch, Liebes. Einfach nur etwas was der Organismus nicht verträgt und normalerweise Halluzinationen und andere Beschwerden hervorruft. Wahrscheinlich rührt auch daher deine Vermutung eines Fluches her. Verfluchte haben meist eine verirrte Aura, was ich bei dir aber nicht feststellen kann. Mit dem Trank sollten die Symptome schnell abklingen und dein Körper sollte davon komplett gereinigt werden.“

Ich stand dann auf und machte mich auf den Weg zur Küche und holte einen fertigen Trank für sie aus einem der vielen Regale und setzte mich damit zurück an den Tisch im Wohnzimmer, wo ich ihr die korrekte Einnahme auf einen Zettel schrieb.

„Aber wie kann es denn sein, dass ich sowas ausversehen zu mir genommen habe? Ich habe noch nie etwas von solchen Kräutern gehört…“ ich sah von dem Zettel auf. „Dem werde ich wohl bald auf den Grund gehen müssen, da sich solche Fälle in letzter Zeit häufen. Aber am Wichtigsten ist, dass du wieder gesund wirst und dein Kind ebenfalls gesund zur Welt kommt.“ Bei Letzterem fing ich an zu lächeln und sah kurz auf ihren Bauch hinunter.

Es war eher ein bitteres Lächeln.

„Das stimmt wohl…“ sie lächelte als ich ihr den Trank gab und Jeongguk half ihr beim Aufstehen, während wir beide sie zur Tür begleiteten.

Sie sah noch ein letztes Mal zu uns als sie schon längst draußen war. „Danke.“ Sagte sie und ging ihres Weges.

Als ich zurück ins Wohnzimmer ging sah ich dabei zu wie Jeongguk das Geschirr wegräumte. Er sah mich an. „Eine verirrte Aura?“ fragte er dann und ging in die Küche. Ich folgte ihm.

„Verirrte Auren haben Individuen die unter einem Fluch leiden. Natürlich ist es nicht immer ein Fluch, es kann auch andere Ursachen haben.“

Jeongguk sah mich verwirrter an als zuvor schon. Ich lachte leise. „Jedes Wesen besitzt eine andere Aura. Stell es dir wie einen Lichtschein vor, der Personen umgibt. Sie leuchten sachte und sind deshalb schwer zu erkennen. Deshalb braucht es Übung Auren sehen zu können.“ Ich machte eine Pause, damit er mir folgen konnte. „Kann jeder Auren sehen?“ fragte er dann.

Ich nickte. „Könnte ich auch Auren sehen, wenn ich übe?“ Ich nickte erneut. „Wie sieht meine Aura aus?“ „Werwölfe haben eine orange-goldene Aura.“ Ein leises wow verließ seine Lippen.

„Sogenannte gesunde Auren wie deine oder meine leuchten stetig und durchgehend. Verirrte Auren flackern und sind verfärbt. Das ist der entscheidende Unterschied.“ Er nickte verstehend und wusch das Geschirr.

„Wie sieht deine Aura aus?“ fragte er dann. „Das würde ich auch gerne wissen. Man selber kann seine eigene Aura nicht sehen.“ „Hat nie jemand anderes deine Aura gesehen?“ ich zuckte mit den Schultern. „Je mächtiger und älter das Geschöpf, desto schwieriger ist es dessen Aura auszumachen.“



Ich kann deine Aura nicht sehen, Yoongi.

Ich mag zwar älter zu sein, jedoch bist du mächtiger als ich. Vergiss das nicht.

Du bist weit aus mächtiger als so mancher und das macht dich zur Zielscheibe.







Ich fuhr unerwarteter weise aus meinem tiefen Schlaf hoch und sah mich verwirrt in meinem Schlafzimmer um. Der Wind pfiff leise durchs Haus, während man draußen die Baumkronen rascheln hören konnte.

Irgendetwas hatte mich geweckt, nur wusste ich nicht was. Ich rieb mir genervt über die Augen und gähnte angestrengt. Vielleicht nur ein Geräusch, was ich unterbewusst wahrgenommen hatte…

Ich zuckte für mich selber mit den Schultern und ließ mich wieder in die vielen, weichen Kissen fallen und schloss die Augen.

Und als ich fast wieder im Land der Träume war, riss ich meine Augen wieder auf. Nur wusste ich nun was mich geweckt hatte. Die Magie die das Haus umgab und ausfüllte, hatte sich verändert… Irgendwas störte den Magiefluss im Haus und ich musste herausfinden was, sonst könnte ich kein Auge diese Nacht zu machen.

Genervt aufstöhnend hievte ich mich aus meinem Bett und überlegte schon einmal, was sich in mein Haus geschlichen haben könnte. Das wäre zumindest nicht das erste Mal. Ich nahm mir einige meiner Talismane die ich immerzu trug und hing sie mir um den Hals. Ich nahm die meisten zum Schlafen ab.

Es könnte ein Alp sein, der dachte er könnte sich in meinem Schlaf an mir laben und mich mit Albträumen plagen. Oder ein Sukkubus, aber das schloss ich getrost aus. Sukkuben und Inkuben sind so selten geworden, dass man sie als ausgestorben bezeichnete.  

Etwas wacher und auf der Hut, stapfte ich die Treppe hinunter. Jeongguk müsste noch im Wohnzimmer sein. Nachdem der Werwolf wieder gegangen war, hatte er noch weiter den Film geschaut und war dabei eingeschlafen, also hatte ich ihn dort unten liegen lassen.

Im Flur unten angekommen, fuhr ich mir zitternd über die Oberarme. Hatte ich irgendwo das Fenster aufgelassen? Verwirrt sah ich mich um und konnte sehen wie mein Atem weiße Wolken in der Luft erzeugte.

Huh.

Ich bewegte mich langsam ins Wohnzimmer und sah, den jungen Werwolf, wie er auf dem Sofa lag und schlief…



Ich ging näher ran. Er bewegte sich kein Stück. Fuhr nicht mal aus seinem Schlaf hoch. Normalerweise konnte man sich nicht an ihn heranschleichen, wenn er schlief. Er würde sofort alarmiert aus seinem Schlaf hochfahren und die Umgebung scannen. Sein Atem erzeugte ebenfalls keine weißen Wölkchen in der Luft…

Ich hielt meine Hand vor seine Nase.



Nichts.

Was zum Teufel?

Ich sah mich um und mein Blick fiel sofort auf die Wanduhr. Sie stand still. Kein Ticken ging von ihr aus. Nichts.

Plötzlich drehte ich mich einmal um mich selber, als ich ein Knarzen des Dielenbodens hören konnte.

Ich konnte nicht viel erkennen. Nur ein paar Staubpartikel die in der Luft umherflogen und vom reinfallenden Mondlicht beschienen wurden. Mein eiskalter Atem, der weißen Rauch in der Luft erzeugte. Ich fing langsam an meine Füße nicht mehr zu spüren, je länger ich barfuß hier in der Kälte stand.

Als ich dann Klimpern aus der Küche vernehmen konnte, stapfte ich langsam zu der einzigen Kommode im Wohnzimmer und öffnete die oberste Schublade. Dort drinnen lagen ein Dolch für Notfälle und ein Beutel mit Kräutern. Ich nahm mir eine Handvoll Kräuter heraus und rieb meine Talismane damit ein, um ihre Magie für eine kurze Zeit zu verstärken.

Weisheit, Schutz, Stärke.

Schon vom Flur aus hörte ich wie die Geräusche lauter wurden. Das Klimpern von… Tassen? Ich ließ den Beutel wieder in die Schublade fallen.

Das Mondlicht was die einzige Lichtquelle im ganzen Haus war, glomm in einem eisigen blau in der Luft. Dies wurde durch etwas durchbrochen. Einem Hauch von Schleier der von der Küche ausging und sich mit dem blau leicht vermischte.

Schwarz und Violett…

Ich schlich mich schnell an die Küche heran und atmete ein paar Mal ein und aus bevor ich in einer ruckartigen Bewegung das Licht in der Küche anschaltete und der Anblick der sich mir dort bot, ließ mich in meiner vorigen Bewegung komplett einfrieren.

Dort in meiner Küche saß niemand anderes als Jung Hoseok persönlich, den ich vor ein paar Wochen bei dem Hexenprozess zum ersten Mal erblickt hatte und seitdem fasziniert war.

Er saß dort, ganz gelassen auf meinem sonstigen Platz in der Küche, am Küchentisch, nippte an heißem Tee und sah mich unbeeindruckt an.

„Ich dachte schon, du würdest nie aufwachen.“ Sagte er fast schon gelangweilt und musterte mich. Ich sagte nichts. „Hm, begrüßt du deine anderen Klienten auch immer so?“ er deutete mit einem Blick auf den Dolch.

Das holte mich aus meiner Starre ins Hier und Jetzt zurück.

„Was zum Teufel machst du hier?“

Er setzte die Tasse wieder auf den Untersetzer, während ich langsam in die Küche getreten kam. Selbst so eine simple Bewegung sah bei ihm so kontrolliert und grazil zugleich aus, es verwirrte mich. „Wieso stehen alle Uhren still?“ fügte ich hinzu und schaute dabei auf die Wanduhr in der Küche so wie ich es auch schon im Wohnzimmer gemacht hatte.

Hoseok lächelte und stand auf. All meine Muskeln spannten sich an und mein Körper war alarmiert. In der Anwesenheit eines Vampirs sollte man sich in Acht nehmen würde meine Tante nun sagen. „Einer meiner kleinen Tricks, die deinen Wachhund davon abhalten mich anzufallen. Wir alle wissen doch wie impulsiv diese Werwölfe sind und wie schnell sie aus ihrer Haut fahren können, sobald sie einen Vampir riechen, nicht wahr?“ er grinste dabei verschmitzt und lief langsam um mich herum. Einer seiner Finger streifte dabei meine Wange. Ich schreckte zurück und schlug seine Hand weg. Er hatte nur ein Schnauben dafür übrig.

Ich wusste, dass alte Vampire unbeschreibliche Kräfte hatten, aber die Zeit manipulieren? Davon wusste ich definitiv nichts.

„Ich wiederhole mich nicht gerne noch einmal, Vampir.“

Er kam vor mir zum Stehen. Beäugte interessiert mein Haar und dann meine Hände.

Violette Flammen leckten an diesen. Fuck.

Ich konzentrierte mich und die Flammen erloschen. Das ist schon lange nicht mehr passiert.

Hoseoks goldene Haut schien im Licht schon fast zu leuchten und wenn ich nicht wüsste, dass er ein Vampir wäre, hätte ich wahrscheinlich gedacht er wäre ein Werwolf oder vielleicht auch eine Unterart der Nymphen oder dergleichen…

Das Einzige was an ihm nach Vampir schrie, waren seine Augen. Dieser scharfe Blick, der die Luft zerschnitt und einem schlotternde Knie verlieh.

„Ich bin hier, weil ich die Hilfe eines Hexenmeisters benötige.“



Warte was?





„Hättest du mich hineingelassen, wenn ich tagsüber gekommen wäre?“ fragte Hoseok mich schnaubend, als wir uns an den Tisch im Wohnzimmer gesetzt hatten.

Jeongguk sah uns nicht sehr erfreut von der Couch her an. Er hatte den braunhaarigen fast schon angefallen, als dessen kleiner Zauber nachgelassen hatte und er den fremden Geruch wahrgenommen hatte. Er hatte gedacht ich wäre in Schwierigkeiten. Ich musste Jeongguk mit einer meiner Zauber ruhig stellen, bis er sich wieder unter Kontrolle hatte…

Ich lachte. „Natürlich nicht, ich hab Besseres zu tun als einem Vampir, der gut auf sich alleine aufpassen kann, zu helfen.“

Hoseok grinste. „Den meisten steht ihr Ego im Weg, selbst wenn sie Hilfe bräuchten.“ Sagte er zugebend und nippte an seinem Tee. „Ah, und dir stand deins nicht im Weg? Ich könnte schwören, dass ich dein Ego beim Hexenprozess förmlich riechen konnte.“

Hoseok lachte. „Touché.“

Ich sah kurz zu Jeongguk herüber, ehe ich wieder das Wort erhob. „Also? Was braucht ein Vampir von einem Hexenmeister so dringend, dass er hätte niemand anderen damit nerven können?“ mein Ton war leicht amüsiert.

Hoseok sprang darauf an. „Es ist… ein eher persönliches Anliegen nehme ich an.“ Lächelte er leicht unsicher und spielte mit der Tasse vor ihm.

Ich horchte bei dem Wort persönlich sofort auf.

Ich sagte jedoch nichts und ließ ihm seine Zeit weiter fort zu fahren.

„Es gibt ein kleines Dorf, weiter entfernt von der Stadt.“ Murmelte er und sah flüchtig zur Couch rüber. „Man sagt sich, dort plagt eine Gestalt die Anwohner.“

Ich sah den Vampir eindringlich an. Warum sollte es ihn interessieren, wie es Anwohnern in einem Dorf, weit weg von der Stadt geht?

Und als ob er meine Gedanken gehört hatte, traf sein Blick den meinen. Die Luft zwischen uns schien zu brennen. Die Magie die Vampire umgab war meistens erdrückend und fühlte sich an wie eine kalte Hand die sich leicht und die eigene Kehle legte. Zudrückte und nicht losließ.

Hoseok war anders. Die Magie die ihn umgab brannte wie ein unbarmherziges Feuer und machte es einem schwer einen klaren Gedanken zu fassen. Vielleicht war das einer seiner weiteren Tricks?

„In dem Dorf lebt ein kleiner Vampirklan, der dem meinen unterstellt ist und ich habe die Aufgabe auf diesen Acht zu geben. Sie haben mich um Hilfe gebeten, da sie Angst haben, dass ihnen ebenfalls etwas zustoßen könnte.“

Nun wurde ich hellhörig. „Zustoßen?“

Hoseok nippte am Tee. „Soweit ich weiß treibt die Gestalt seit mehreren Monaten ihr Unwesen und…“

Er fuhr sich durchs Haar. „Menschen verschwinden und Tage später werden ihre traurigen Überreste nahe des Waldes oder anderswo aufgefunden. Die Menschen sind rastlos und fangen an Hexer und Hexerinnen zu arrangieren, die die Ursache dafür finden sollen und dabei bringen sie alles aus dem Gleichgewicht. Wenn auffliegt, dass sich ein ganzer Vampirklan in dem Dorf eingenistet hat, wird es ganz sicher Panik geben und wir würden wieder in die Zeit der Hexenverfolgung zurückversetzt werden. Nur, dass wir dran glauben müssten.“

Ich sah nachdenklich aus dem Fenster.

Es war nichts Neues, das sich unseres Gleichen – magische Wesen, die es eigentlich nur in Märchenbüchern geben sollte – versteckt hielt und es war auch eigentlich besser so.

Ich sah wieder zu Hoseok. „Ich mische mich bei so etwas nicht ein. Hexenmeister haben sich neutral zu verhalten. Ich bin kein Monsterschlächter.“

Hoseok nickte langsam. „Trotzdem liegt es dir im Blut.“ „Hoseok.“ Murmelte ich warnend.

Ich mochte es nicht, wenn man die Fehler meiner lang verstorbenen Vorfahren wieder hervorgrub. Die Zeit in der Hexenmeister Geld für das Jagen und Töten von Monster nahmen. Monster… Lebewesen. Vor allem zur Zeit der Hexenverbrennungen waren viele dazu gezwungen, um nicht selber dran glauben zu müssen, da sie dann einen Nutzen für die Menschen hatten… Nun hielt man uns für Legenden und Mythen. Es sollte dabei auch bleiben.

„Du hast dich schon längst eingemischt. Du hast die Verhandlung einfach ohne zu fragen übernommen, du hast eine Hexe verflucht, einer schwangeren Werwölfin geholfen…“ ich runzelte die Stirn. „Weil ich nun mal ein Hexenmeister bin, Hoseok. Ich wurde in diesen Teil der Welt hineingeboren und habe mehr oder weniger gar nicht erst eine Wahl, vor allem was die Hexe anging. Sie hat Leben auf dem Gewissen und hatte uns alle bedroht.“

Hoseok schnaubte, sichtlich angenervt. „Du hattest eine Wahl was ihn anging.“ Er zeigte zur Couch, auf der noch immer Jeongguk saß, welcher alarmiert Hoseok beäugte.

Noch bevor ich noch ein Wort verlieren konnte, stand Hoseok ruckartig auf. „Ich kann dich zu nichts zwingen.“ Sagte er und ging in Richtung Ausgang. „Ich kann dir nur ans Herz legen, dass es nun zu spät ist sich jetzt noch herauswinden zu wollen.“

Ich folgte ihm und sah wie er schon die Hand auf die Türklinke gelegt hatte. Er sah mir tief in die Augen.



„Bis dann, Hexenmeister.“

Und somit war er verschwunden. In die kalte, von Wolken verhangene Nacht und es hinterließ einen ekelhaften, bitteren Nachgeschmack auf meiner Zunge.

Das gefiel mir ganz und gar nicht.







Es war später Nachmittag, als ich das Haus verließ. Die Sonne färbte den Himmel in einem warmen orange und löste ein unbekanntes Gefühl in mir aus.



Es war kälter geworden. Die gelb und orange gewordenen Blätter verdeckten den Weg schon fast komplett und die Stadt wurde seit Wochen von einem seichten Nebel eingedeckt.

Der Oktober kündigte sich an.

Der Oktober gehörte den magischen Kreaturen und der Magie, die sich den Rest des Jahres verstecken mussten. Mit Anfang des Oktobers würden diese freier umherwandeln können und der Magiefluss fühlte sich ungezwungener an als sonst. Er war flüssiger und viel einfacher zu greifen. Man konnte die Magie schon fast schmecken. Es machte mich glücklich.

Und doch durchzog die Luft um mich herum etwas Fades, Bitteres.

Ich hatte meine Hände in die Taschen meines langen, schwarzen Mantels gesteckt und mein Gesicht war in meinem dicken Schal versteckt. Jeder Schritt verursachte ein leichtes Knistern, wobei die Blätter zu Staub zerfielen.

Ich war auf dem Weg zu Seokjin, da ich mit Namjoon unbedingt reden musste. Die Bitte von Hoseok schwirrte mir noch immer im Kopf herum und ich wusste nicht was ich tun sollte. Der Gestaltwandler hatte immer ein offenes Ohr für mich, wenn ich Sorgen hatte. Außerdem hatte ich ihn schon sehr lange nicht mehr zu Gesicht bekommen.

Seufzend ließ ich meinen Blick wandern. Während dieser Zeit des Jahres vermischte sich die Welt der Menschen mit der der Magie. Man konnte diese Zeit schon fast mit der Kunst vergleichen. Die Farben vermischten sich und ergaben etwas ganz Neues.



Seokjins Laden war schon in Sichtweite. Übersehen konnte man ihn zumindest nicht. Ein riesiger Teeladen mitten im Stadtinneren. Ranken hangelten sich über das Gemäuer hinweg, Blumenkästen schmückten die Fenster und ein kleines Schild hing neben dem Eingang.

Zum Faun. Ich musste immer mal wieder über diesen Namen kichern.

Darüber war eine kleine Apotheke, die ihm ebenfalls gehörte, in der Namjoon ab und zu aushalf, soweit ich wusste.

Anfang Oktober fingen alle an ihre Häuser und Läden zu schmücken. Die Menschen freuten sich wie jedes Jahr auf Halloween. Seokjin liebte es ebenfalls seinen Laden zu schmücken. Ein kleines Skelett aus Plastik zierte einen der Blumenkästen. Falsche Spinnenweben, zwei kleine Kürbisse ohne Gesicht.

Kopf schüttelnd betrat ich den Teeladen und das Klingeln der Glocke am Eingang, ließ den Wassermann meine Anwesenheit zuteilwerden. Sogleich kam auch schon der groß gewachsene Mann aus dem hinteren Teil des Teeladens und sah mich lächelnd an. Er hatte ziemlich breite Schultern, volle Lippen und ein Lächeln wie kein anderer. Zumindest was dessen Häufigkeit anging. Immerzu lächelte der Mann. Ich hatte ihn bis jetzt noch nie schlecht gelaunt erwischt. Außerdem war er nicht der typische Wassermann wie man ihn sonst in den vielen Sagen beschrieb. Er war warmherzig, hilfsbereit und sehr attraktiv.

„Ah, Yoongi!“ er kam auf mich zu und zog mich in eine feste Umarmung, wobei mein Hut verrutschte. „Schön, dass du mich mal wieder besuchst! Wo hast du deinen Schützling gelassen, hm?“ er löste sich und ich richtete dann meine Klamotten, bevor ich zurücklächelte und antwortete. „Baekhyun, Chanyeol und er sind vor ein paar Tagen hoch zum Wald gefahren um zu laufen. Es ist wieder soweit.“ Seokjin nickte verstehend.

Dieser Lauf war etwas was alle Werwölfe durchmachten. Kurz vor Vollmond reisen viele in abgelegene Gegenden, um dort zusammen zu laufen. Das heißt: sich verwandeln und zusammen jagen gehen, um keinem Schaden zuzufügen, während Vollmond ist. In dieser Zeit war eine zufällige Verwandlung sehr wahrscheinlich und manchmal überrumpelnd, vor allem für junge Werwölfe. Jeongguk war da keine Ausnahme. Werwölfe die viele Jahrhunderte auf dem Buckel hatten, müssen dies meist nicht mehr durchmachen, da sie geübt darin waren sich zu kontrollieren.

Chanyeol und Baekhyun waren Werwölfe, genau wie Jeongguk. Beide gehörten zum Rudel nahe des Meers und Jeongguk hatte sich schnell mit ihnen angefreundet, auch mit dessen Rudel. Ich fand es schön, dass er auch mal unter seines Gleichen sein konnte.



Versteht mich nicht falsch. Ich hatte Jeongguk sehr gerne um mich. In meinem Haus war es erdrückend still und leer, wenn er nicht da war. Manchmal jedoch sah ich ihm an, wie alleine er sich fühlte, seitdem er nicht mehr bei seinen Eltern und seinem eigentlichen Rudel ist. Da ist dieses Funkeln in seinen Augen was geradezu nur schrie.



Der Mann mit dem rosa Haar klopfte mir auf die Schulter. „Du kommst gerade zumindest richtig. Wir bräuchten dich und deine Magie nur zu sehr.“ Seine Augenbrauen waren etwas besorgt zusammengezogen.

Ich runzelte die Stirn. „Was hat Namjoon diesmal umgeschmissen? Hat er Sehun wieder in ein Tier verwandelt oder-“ Seokjin lachte leicht und schüttelte seinen Kopf.

„Hast du mitbekommen, dass ein Zimmer im Gasthaus gegenüber komplett niedergebrannt wurde?“ ich schüttelte den Kopf. „Nun ja der Grund dafür sitzt im Hinterzimmer. Komm.“ Noch immer verwirrt folgte ich Seokjin.

Natürlich hatte ich den etwas verbrannten Geruch in der Stadt wahrgenommen, aber ich hatte angenommen, dass der Sohn des ortsansässigen Bäckers wieder etwas hat anbrennen lassen. Sowie das letzte Mal, als einer mit angekokelten Haaren herausgerannt kam und sich in die nächstbeste Pfütze geschmissen hatte. Ich wunderte mich immer wieder darüber, wie der Besitzer der Bäckerei sich noch keinen neuen Angestellten besorgt hatte.

Im Hinterzimmer angekommen verstand ich dann endlich was Seokjin gemeint hatte.

Dort, auf einem Stuhl, saß ein junger Mann. Ein weites weißes Shirt hing an seinen Schultern lose hinab. Einige Schmauchspuren hingen daran. Seine schwarze Jeans hatte einige Brandlöcher. Sein Haar war Pechschwarz, seine Schlüsselbeine zierten jeweils ein Tattoo einer Feder. Er trug viel silbernen Schmuck und seine Augen glitzerten in einem blassen rosé. Sie musterten mich unsicher.

„Das ist der Hexenmeister von dem wir dir erzählten. Sein Name ist Yoongi und wenn du wenigstens ihm erzählst was passiert ist dann wird er dir ganz sicher helfen können.“ Sagte Namjoon auf einmal, der am anderen Ende des Raumes stand und an der Wand lehnte.

Ich sah wieder zum jungen Mann mit den rosé farbigen Augen. Dieser sah auf seine Hände und spielte mit einem seiner Ringe anstatt zu reden oder auch nur einen von uns anzusehen. Seokjin seufzte.

„Seit er hier Schutz bei uns sucht, redet er nicht viel.“

Stille.

Den jungen Mann umgab eine graue Aura. Es ist schwer sie zu erkennen, aber sie ist da. Als würde ihn eine dunkle Wolke umgeben und einen Sturm inne halten, der jederzeit ausbrechen könnte. Solch eine Aura hatte ich noch nie gesehen…

Ich bewegte mich langsam zu ihm hin und hockte mich vor ihn. Ich sah wie sein Blick kurz zu mir flackerte ehe er wieder auf seine Ringe starrte. „Du weißt, dass du hier sicher bist, richtig? Wir werden dich nicht dem Zorn der Menschen aussetzen… wir magische Wesen helfen uns gegenseitig.“

Seokjin machte einen zustimmenden Laut. „Weißt du, Seokjin hier ist ein Wassermann. Eigentlich sollte er sich in der Nähe des Meers aufhalten, aber Hyung ist sehr wählerisch.“ „Hey!“

Namjoon kicherte. „Namjoon hier ist ein Gestaltwandler und zudem verdammt tollpatschig. Er hat einen unserer Freunde mal in einen Frosch verwandelt, weil er nicht die Finger von Seokjins Tränken lassen konnte.“ „Das war ein Versehen!“

Seokjin fing an zu kichern. „Oder das eine Mal als er versucht hatte einen Umkehrungszauber zu wirken, wobei er ein paar Silben falsch aussprach und kurz danach der nächste Baum in Flammen stand.“ „Ich mach sowas doch nicht extra!“

Das ließ mich als auch mein Gegenüber etwas schmunzeln. Er hörte auf mit seinen Ringen zu spielen, sah dennoch noch immer zu Boden.

„Ich habe Angst jemandem ernsthaft Schaden zuzufügen…“ flüsterte er dann ganz leise und lispelte ein wenig. Es war, als wäre seine Stimme nicht richtig da. Wie ein sanfter Windhauch, der die Blätter einer Baumkrone nur leicht rascheln lassen würde.

„Ich glaube, dass jeder hier im Raum dich zutiefst verstehen kann.“ Antwortete ich dann und legte ihm vorsichtig eine Hand auf sein Bein. „Wie wäre es wenn du mir erstmal deinen Namen verrätst und dann reden wir über das, was im Gasthaus passiert ist.“ Ich sah ihn eindringlich an. Er ließ komplett von seinen Ringen ab und nickte dann.

„Mein Name ist Jimin… und… ich weiß selber nicht so genau was passiert ist… um ehrlich zu sein.“

Er hob seinen Kopf und sah flüchtig zu Seokjin rüber. „Es ist eigentlich schon eine Zumutung, dass du mich aufnehmen musstest…“ ich sah über meine Schulter hinweg zu Seokjin. Dieser schüttelte den Kopf. „Wie Yoongi schon sagte, wir helfen einander. Du kannst solange bleiben wie nur nötig.“

Jimin antwortete darauf nicht. Lächelte nur. Es war ein etwas bitteres Lächeln.

Ich sah wieder in Jimins blasse Augen. Er sah in die meinen und schluckte merklich. „Irgendwer hatte uns in einen… Hinterhalt geführt und…“ er schniefte und wischte sich über die Augen, welche angefangen hatten zu tränen. „Sie haben ihn mitgenommen… und ich weiß nicht wieso…“ ich winkte Namjoon zu mir rüber, der mir Taschentücher gab. Ich hob Jimins Kopf in die Höhe und wischte ihm die Tränen vom Gesicht. „Wer hat wen mitgenommen?“ eine weitere Träne kullerte über seine eine Wange.

„Mein Lebenspartner… ich weiß nicht wer sie waren… ich weiß nur, dass wir im Zimmer des Gasthauses überrascht wurden und dann… bin ich alleine auf dem Boden aufgewacht… und…“

Plötzlich stieg mir ein Geruch in die Nase. Der Geruch von… verbrannten Blüten? „Sie haben ihn mitgenommen… sie…“ etwas blitzte in Jimins Augen plötzlich auf und der Schrei von Seokjin ließ mich aufschrecken. „Namjoon! Wasser! Sofort!“

Ich ließ sofort von Jimin ab als ich bemerkte, dass meine Handflächen angefangen hatten zu schmerzen, so als würden sie brennen. So als hätte ich mich an Jimin verbrannt. Ich sah dann auch endlich zur Seite und erkannte, dass einige getrocknete Kräuter von Seokjin angefangen hatten zu brennen. Namjoon hatte Mühe diese mit Wasser zu löschen.

Ich sah wieder zu Jimin und war etwas erschrocken. Die Enden seiner Haare schienen zu brennen, sowie auch seine Fingerspitzen, die er angespannt betrachtete.

Ich fackelte nicht lange und meine Hände wurden von meinen eigenen violetten Flammen bedeckt. „Möge deine Seele zur Ruhe kommen und dein Leib zu Bette gebracht werden; schlafe!“ ein starker Wind fuhr durch den Raum, ließ das Feuer erlöschen und kurz danach drohte Jimin bewusstlos vom Stuhl zu rutschen und zu Boden zu fallen. Ich reagierte sofort und fing ihn auf. Ich sah zu Seokjin und Namjoon die mich ebenfalls erschrocken musterten.





Jimin lag nun auf dem Bett im Gästezimmer im ersten Stock, noch immer bewusstlos durch den durch mich gewirkten Zauber. Namjoon, Seokjin und ich sahen uns, noch immer etwas durch den Wind, an.

Pyromane. Feuergeist. Drache. Salamander. Dämon. Schnurrte Raik und ich schüttelte meinen Kopf. Ich hatte ihn gerufen, kurz nachdem wir Jimin hingelegt hatten.

Das sind alle Wesen mit dem Element Feuer, die mir einfallen. Von dir ganz abgesehen, Meister. Fügte er hinzu und fing an sich zu putzen. Ein Hexenmeister konnte er jedoch nicht sein. Namjoon sah dann nachdenklich aus dem Fenster, während Seokjin so weit wie möglich entfernt von Jimin war. Er hatte Angst vor Feuer. Er hasste es.

Wenn der Wirkungsraum einer Nymphe zerstört wird, stirbt auch die zugehörige Nymphe. Deshalb waren Waldbrände oder bewusste Brandstiftungen auch so verheerend für diese. Da Seokjin keinen Wirkungsraum als Wassermann hat und naher Verwandter der Nymphen ist, wissen wir nicht was passiert, wenn er aktiv das Feuer magischer Wesen berührte. Deshalb hielt er auch eigentlich immer etwas Abstand zu mir, wenn ich meine Zauber wirkte, da mein Element ebenfalls Feuer war.

Ich sah angestrengt zu Jimin rüber. „Er ist anders, Raik… ich sehe eine graue Aura, die ihn umgibt… fast so als wäre es eine dunkle Gewitterwolke… oder Asche…“

Der Kater hörte auf sich zu putzen und sah mit seinen grünen Irden zum Bett.

Ah.

Ich sah zum Kater rüber. „Was?“

Ich kenne nur zwei Wesen die solch eine Aura haben.

Raik sprang aufs Bett und stupste Jimin mit einer seiner Pfoten vorsichtig an. Nur Drachen und Phönixe besitzen solch eine Aura.

Namjoon wendete sich vom Fenster ab. „Das war definitiv kein Feuer eines Drachen.“ Ich nickte abwesend. „Meist hat das Feuer eines Drachen einen toxischen Anteil… ein Phönix dagegen hat reines Feuer, was sich fast schon wie Höllenfeuer anfühlt…“ ich sah augenblicklich auf meine Hände hinab.

Ich hatte mich an dem Jungen verbrannt gehabt.

„Raik, kann es sein, dass er ein Sprössling eines Phönixes ist? Kommt sowas noch immer vor? Und dann auch noch…“ In menschlicher Form; ja durchaus möglich - ergänzte Raik mich.

Den Geschichten nach zu urteilen konnte immer nur ein Phönix existieren. Es koexistierten niemals zwei. Das würde das Gleichgewicht außer Kontrolle bringen. Ein Phönix konnte Menschen ewiges Leben verschaffen, wenn sie sich als würdig erwiesen. Meist waren es viel zu früh verstorbene Seelen und der Phönix empfand Mitleid mit ihnen. Dazu variierten die Kräfte die Menschen bekamen, nachdem sie unsterblich wurden, wenn sie denn als Mensch wiedergeboren würden. Viele wurden nach ihrer Wiedergeburt zu Tieren. Jimin war einer der wenigen, der als sein menschliches Selbst weiterleben durfte. Ausgehend von seinem Kontrollverlust und der Stärke an Feuer, vermutete ich, dass Jimin innerliche Wut verspürte. Er war wohl nicht schön von dieser Welt vergangen…

Ich ging vorsichtig zu Jimins benommener Form und legte ihm meine Hand auf die Stirn. „Erwache, schlafende Seele und kehre zurück.“ Kurz danach flatterten die Lider Jimins und dann sah er mich verwirrt an, ehe er sich zu erinnern schien.

Er setzte sich plötzlich auf. „E-es tut mir so leid, i-ich-“ ich unterbrach ihn. „Ist okay. Wir sind okay, du bist okay, alles ist gut.“ Er nickte nur leicht. „Jimin du musst ehrlich zu uns sein… bist du… bist du ein Sprössling eines Phönixes?“ eine kurze Pause entstand in der er mich einfach nur anstarrte. Seine Finger gruben sich angespannt ins Bettlaken und er kaute auf seiner Unterlippe herum, bis sie gerötet war.

Langsam nickte er.

„Und… passiert es öfter, dass du die Kontrolle verlierst?“ darauf schüttelte er schnell den Kopf. „Taehyung hat immer darauf Acht gegeben, dass das genau eben nicht passiert… er ist der Einzige der mir helfen kann ein Gleichgewicht herzustellen, er…“ er sah traurig in seinen Schoß.

„Ist dieser Taehyung von dem du sprichst dein Lebenspartner?“ er nickte. Sagte nichts. Die Stimmung war bedrückend.

„Ist er auch einer von uns?“ wieder ein Nicken.

Ich pustete schwer etwas Luft heraus.

Hoseoks Worte hallten plötzlich in meinem Kopf wieder.

Außerdem hast du dich schon längst eingemischt.

Ich schüttelte meinen Kopf und verfluchte mich schon jetzt. „Gut… helfen wir dir Taehyung wiederzufinden.“







„Jeongguk, kannst du irgendwas in den Überresten erkennen?“ ich hatte den jungen Werwolf mit einer Feuernachricht erreichen können und nun war er hier, um mir zu helfen. Es war noch Zeit bis Vollmond also konnte Jeongguk uns derweilen noch unterstützen. Baekhyun und Chanyeol hatten ebenfalls ihre Hilfe angeboten und hörten sich in der Stadt um. Nach verschwundenen magischen Wesen und nach diesem Taehyung. Vielleicht kannte noch wer anders ihn. Übersehen konnte man ihn jedenfalls nicht. Jimin hatte uns ein Bild gezeigt.

Rotes, langes Haar in einem Dutt zusammengeknotet. Helle Augen, die orange schimmerten und prächtige Hörner die aus seinem Haar herauslugten. Sie hatten eine dunkel violette Färbung und waren mit goldenem Schmuck gespickt. Ringe, Ketten, Edelsteine. Aber auch Schutzsteine fanden ihren Platz, was mir verriet, dass er Ahnung von Magie hatte. Perlmutt, Granat, Mondstein, selbst Rosenquarz konnte ich ausfindig machen.

Außerdem wusste ich nun auch, dass er ein Inkubus war. Ein Dämon, dessen Existenz noch immer umstritten war, da man annahm, dass Inkuben und Sukkuben nicht mehr vorkamen oder gar ausgestorben sein. Soweit ich wusste, war er der einzige Inkubus in der Stadt und wahrscheinlich auch im Umkreis, also müsste dies uns die Suche vereinfachen.

Das hoffte ich zumindest.



„Hm… ich habe ein paar rote Haarsträhnen gefunden, die Taehyung gehören müssen, aber sonst…“ Jeongguk zog scharf die Luft ein und kniff die Augen zusammen. „Mein Geruchssinn ist durch all den Schutt hier getrübt.“ Er sah zu Jimin herüber. „Hast du eventuell etwas was ihm gehört? Vielleicht können wir seinen Geruch noch ausfindig machen, wenn uns schon Hyungs Magie bei der Suche nicht viel weiter hilft.“

Es war seltsam. Sonst konnte ich mit meiner Magie alles und jeden finden. Nun hier… war es anders. So als würde die verantwortliche Person sich verschleiern und sich vor meinen Augen verstecken.

Es war frustrierend.

Wir waren deshalb ins abgebrannte Zimmer des Gasthauses geschlichen, um nach möglichen Hinweisen zu suchen.

Jimin fuhr zusammen und sah hektisch an sich herunter, ehe er in seine Hosentasche griff und einen dünnen Schal herausholte. Er reichte Jeongguk diesen. „Ich hoffe mein Geruch hängt nicht zu sehr daran.“ Flüsterte er dann.

Jimin schien… gefasster seit Jeongguks Ankunft, aber auch aufgewühlter, wenn er in seiner Nähe war…

Jeongguk hielt sich den Schal unter die Nase und roch kurz daran. Immer wenn der junge Werwolf dies tat, weiteten sich seine Pupillen etwas und ein leichter Schleier legte sich über seine Augen. Er nahm sich den Schal wieder von der Nase und zog noch einmal die Luft scharf ein.

„Hm… so wie ich es mir gedacht hatte. Sein Geruch liegt noch in der Luft, wenn auch nur noch leicht. Der Geruch von Asche ist zu stark. Ich muss draußen die Fährte aufnehmen. Ich trommle Baekhyun und Chanyeol zusammen, dann machen wir uns auf die Suche.“

Er sah noch einmal flüchtig zu Jimin und verschwand dann aus dem Raum.



Nachdem wir den Tatort wieder verlassen hatten, waren wir wieder in Seokjins Laden gegangen, um zu sammeln was wir hatten.

„In der Bar des Satyrs kennt man ihn zu gut. Es ist aufgefallen, dass er nicht mehr dort hinkam.“ Sagte Chanyeol und sah dabei in die Runde. „Taehyung hat dort ab und zu ausgeholfen. Er kennt den Satyr gut. Sie sind alte Freunde.“ Gab uns Jimin zu verstehen und Chanyeol nickte. „Mir ist aufgefallen, dass viele bei seinem Namen aufhorchten.“ Murmelte Baekhyun. „Natürlich. So jemand fällt einfach auf.“ Warf Namjoon ein und spielte auf das Erscheinungsbild des rothaarigen an.

„Wenn wir sonst nichts haben, können wir noch immer seine Spur verfolgen. Sie ist aufspürbar und zu dritt ist es sicherlich einfach seinen Aufenthaltsort zu lokalisieren.“ Sagte Jeongguk. Die beiden Werwölfe nickten. „Aber es darf nicht länger als zwei Tage dauern. Wir dürfen den Vollmond nicht herausfordern.“ Ergänzte Baekhyun.



Wir einigten uns schließlich darauf noch heute loszuziehen. Es war kurz nach Mitternacht.







„Sicher, dass wir hier richtig sind?“ fragte Jimin auf einmal und sah skeptisch das winzige Häuschen vor uns an. Es war tatsächlich nicht schwer gewesen hierher zu finden, jedoch war es weit außerhalb der Stadt und hatte uns viel Zeit gekostet. Bald war Dämmerung.

Jeongguk grunzte. „Unsere Nasen betrügen uns nicht. Hier muss es sein. Seine Spur endet hier.“

Ich sah mich währenddessen argwöhnisch um. Wir waren zu fünft, also teilten wir uns auf, um das Gebiet erst einmal abzusuchen, bevor wir das Häuschen betreten würden.

Es war seltsam ruhig und es fühlte sich fast zu einfach an. Das Häuschen war tief im Wald versteckt gewesen, aber es zu finden war weniger schwer gewesen.

Der Wind raschelte durch die Baumkronen und verursachte bei mir eine unangenehme Gänsehaut. Die meisten Tiere wachten bald wieder auf und kamen aus ihren Verstecken wieder heraus. Die nachaktiven Wesen hingegen bewegten sich wieder in die Schatten und warteten auf den Anbruch der Nacht.  

Da wir allesamt nichts außerhalb fanden, betraten wir wachsam das Haus. Die morsche Eingangstür quietschte unangenehm und gab freie Sicht auf das Hausinnere.

„Die wollen mich verarschen oder?“ entfuhr es Chanyeol. Ich konnte sein Entsetzen nur zu gut nachvollziehen.

Was wir vorfanden war… nichts. In dem Häuschen war nichts Weiteres als ein spärlich eingerichteter Raum. Es roch streng nach Verwesung und das morsche Holz gab bei jeden Schritt etwas nach.

Ich erzeugte eine kleine Flamme, die uns Licht spenden würde, da es stockduster war. Die Werwölfe hatten kein Problem mit der Dunkelheit, jedoch mochte ich es gerne, wenn ich sehen konnte was vor mir war. Die kleine Flamme schwebte neben uns her und folgte mir, wenn ich mich bewegte.

An der Wand stand ein Bett, bezogen mit nur einem Laken. Rechts, unter dem zugenagelten Fenster stand eine große Kommode. Schwer und klobig. Auf dem Boden lag ein zerfetzter Teppich, besudelt mit einer unbekannten und übelriechenden Flüssigkeit. Von der Decke hing ein Kronleuchter auf dem ausgebrannte Kerzen waren, dessen Wachs auf den Boden getropft war.

Wir einigten uns darauf alles auf den Kopf zu stellen was nicht Niet- und nagelfest war. Jimin inspizierte die Fenster, die Wölfe die Möbel und ich sah mir den Boden etwas genauer an.

Plötzlich hallte ein schweres Geräusch durch das Haus, als würde man Möbel verschieben. Etwas quietschte und kratzte über Stein. Ein lautes Klicken beendete den Krach und unter der Kommode schien auf einmal ein Licht hervor.

„Oh.“ Murmelte Baekhyun und hielt einen Holzstab in die Höhe, der wohl zuvor irgendwo drinnen gesteckt haben musste.

Dann machten er und Chanyeol sich daran die Kommode wegzuschieben und räumten eine Treppe frei, die in ein Kellergeschoss führte. Der Schein von einer Fackel erhellte die Treppe.

Ich ließ meine Flamme mit einem Schnipsen meiner Finger erlöschen.

Wir alle rümpften die Nase als wir uns näher zur Treppe hinbegaben. Dort kam ganz sicher der Geruch von Verwesung her. „Ich kann den Geruch von Taehyung wieder wahrnehmen, er führt nach dort unten.“ Sagte Jeongguk und ging voraus.

Die Stufen waren nass und jeder unserer Schritte verursachte ein knirschendes Geräusch. Wenn ich mich nicht täuschte konnte ich sogar das Tropfen von Wasser irgendwo hören.

Unten angekommen hielt sich Jimin angewidert die Hand vor den Mund. Ich folgte seinem Blick.

Etwas weiter weg lagen ein paar tote Ratten. Einige waren schon komplett skelettiert, andere rotteten noch vor sich hin und zogen Fliegen an. Da kam also der Geruch von Verwesung her.

„In welche Richtung müssen wir?“ fragte ich. Jeongguk zeigte in die entgegengesetzte Richtung der Ratten, griff nach der Fackel und wir folgten ihm dann stumm und leise. Ich ließ etwas von meiner Magie frei um mich umher wabern. Im Notfall würde ich am schnellsten reagieren können.

Das Kellergeschoss ersteckte sich vor uns wie ein Labyrinth. Weitläufig und verwirrend. Hier sah alles gleich aus und es roch überall nach Tod. Das letzte Mal als ich so etwas gesehen oder auch nur betreten hatte, war vor vielen Jahrzehnten gewesen. Ein altes Gefängnis, weit weg und vergessen. Dort war der Geruch von Tod so stark gewesen, dass es Unmengen von Guhle angelockt hatte. Sie hatten sich an Kadavern von Gefangenen genährt und waren der Grund für Gruselgeschichten gewesen. In der nahegelegenen Stadt hatte man sich Geschichten vom Gefängnis erzählt. Dass es dort spuken würde und jeder, der sich trauen würde dort hinzugehen, käme nie wieder. Verständlich. Diese wurden dann sehr wahrscheinlich von Guhle überrascht. Diese schraken nicht davor zurück Lebende anzugreifen, wenn diese ihr Revier betraten oder ihr Futter ausgegangen war.

Plötzlich wurde ich aus meinem Gedankengang herausgerissen. Mir wurde all die Luft aus den Lungen gepresst, so als hätte man mich zu Boden geworfen oder unter Wasser gedrückt und ich könnte nichts weiter als Wasser einatmen. Meine Finger fingen an zu kribbeln und ich schaute mich orientierungslos um. Meine Magie erzitterte durch den Schock. Die anderen waren ebenfalls stehengeblieben und schauten sich verwirrt gegenseitig an. Sie hatten es also auch gespürt.

Es war so als wäre ich durch eine unsichtbare Wand aus Luft gelaufen.

Kann es sein…?

„Was ist das?“ fragte Baekhyun und alle Augenpaare fokussierten mich. Ich schluckte angestrengt und griff dann in meine Hosentasche.

Jimin hatte mir zuvor eines von Taehyungs Schmuckstücken gegeben, als wir versucht hatten diesen mit meiner Magie zu finden. Es war fehlgeschlagen.

Als ich es in meine Handfläche legte und mich konzentrierte, konnte ich plötzlich den Herzschlag des rothaarigen wahrnehmen. Das Schmuckstück wurde warm und das Kribbeln in meinen Fingerspitzen machte sich wieder bemerkbar. Ich riss meine Augen auf. „Ich kann ihn spüren!“ murmelte ich und sah mich erneut um.

„Ihn umgab eine magische Barriere, deshalb konnte ich ihn nicht aufspüren. Wir können von Glück sagen, dass wir nicht gebrutzelt wurden.“

„Huh?“ entfuhr es Chanyeol. Er schaute alarmiert um sich. „Magische Barrieren sind, wie der Name schon sagt, dazu da um etwas abzutrennen oder zu verbergen. Meist sind solche Barrieren nicht einfach zu überwinden oder gar tödlich, wenn man unvorbereitet hindurch laufen will. Diese hier… war nur dazu da, um Taehyung vor uns zu verbergen, nehme ich an.“ Obwohl es mich zu der Frage brachte: Wieso?

Wer nahm all diesen Aufwand in Kauf, indem er einen Inkubus entführte, ihn hierher verschleppte, mitten ins Nirgendwo, um ihn dann mit einer harmlosen Barriere vor meiner Magie zu verbergen?

Im Moment geschahen zu viele seltsame Dinge auf einmal. Zu viel als es mir recht war.

Da niemand weiter etwas sagte, gingen wir weiter.

Der metallische Geruch von Blut kam uns schon entgegen als wir um eine weitere Ecke bogen und es ließ mich die Nase rümpfen. Jimin ließ dies nur schneller laufen. Er hielt sich mich einer Hand an Jeongguks Pulli fest.

Wir machten dann vor einer schweren, metallenen Tür Halt, die die drei Werwölfe ohne große Mühe zusammen aufstemmten.

Was sich dann vor uns erstreckte, hinterließ einen bitteren Nachgeschmack auf meiner Zunge.

Der Dämon sah… bis aufs äußerste misshandelt aus. Und ohne, dass wir auch nur hätten Jimin aufhalten können, war dieser direkt zu Taehyungs erschöpftem Körper gerannt. Er nahm das Gesicht des Dämons zwischen seine Handflächen und inspizierte dieses. Er hatte ein blaues Auge. Seine Unterlippe war aufgeplatzt und angeschwollen. Blut benetzte seine Nase und sein Kinn. Es befleckte Jimins Hände. Taehyungs Arme wurden mit Ketten über seinen Kopf gefesselt und zwangen ihn dazu zu stehen. Seine Handgelenke waren mittlerweile wund und dunkelrot. Sein Kopf hing schlaff runter und seine Beine zitterten merklich vor Anstrengung. Sein langes Haar war offen, zerzaust so als hätte man daran herum gezerrt.

Auf dem Boden lagen viele seiner roten Haare verstreut und auch eines seiner Hörner…

Ich sah ihn an und erkannte, dass es das linke war. Es wurde wohl erst angesägt und dann mir roher Gewalt abgebrochen. Sein Schmuck lag ebenfalls auf dem Boden.

Wieso tat man so etwas?

„Jimin?“ wir alle horchten auf. Die tiefe Stimme des rothaarigen hallte durch den Raum. Sie klang kratzig und müde. „Taehyung, hey…“ „Was tust du hier, wie…?“ Jimin fuhr Taehyung beruhigend durchs Haar und brachte ihn somit zum Schweigen. Seine Augen waren müde. Angeschwollen von Tränen, die im Stillen geweint wurden. „Ist okay. Wir holen dich hier erstmal raus.“

Jimin trat zurück. Die Werwölfe wollten sich dann daran machen die Fesseln des Dämons zu lösen, doch zischten sie sofort auf sobald sie in Kontakt mit dem Metall der Ketten kamen.

Silber.

Ich trat dann an den Dämon heran und ergriff die Ketten mit meinen bloßen Händen. Ich sagte ein paar Zeilen auf und das Metall verbog sich nach meinem Willen, bis es dann schließlich unter dem Druck zerbarst und in allerlei Richtungen sprang. Jimin schrie leicht erschrocken auf. Der nun befreite Dämon wurde von Jeongguk aufgefangen und lehnte erschöpft mit dem Kopf an der Schulter des jungen Werwolfs. Ein leichtes Lächeln huschte über seine Lippen ehe er das Bewusstsein verlor.

Als ich zu Boden sah, entdeckte ich einige schwarze Flecken.







In Gedanken versunken streute ich ein paar Kräuter in einen Mörser und zerkleinerte diese sogleich. Seit der Befreiung Taehyungs waren etwa drei Woche vergangen, wenn ich mich richtig entsann. Jeongguk war nach ein paar Tagen wieder aus den Bergen zurück nach Hause gekehrt und verbrachte tatsächlich viel Zeit mit Jimin und Taehyung. Ich musste zugeben, dass dieser als auch der rothaarige mir irgendwie ans Herz gewachsen waren…

Sie durften bei Seokjin wohnen, da sie keinen Platz hatten an den sie zurückkehren konnten und sie wollten nicht undankbar wirken und einfach verschwinden. Also hatte Seokjin ihnen angeboten zu bleiben. Es wäre sowieso zu gefährlich für die Beiden alleine in der großen und weiten Welt umherzustreunen, wenn es jemand gezielt auf sie abgesehen hatte. Im Gegenzug sollten sie aber in der Apotheke und dem Teeladen mithelfen.

Taehyung konnte uns leider nicht sagen wer ihn entführt oder gefoltert hatte. Er konnte sich nicht erinnern. Dass er in so kurzer Zeit so… malträtiert werden konnte… Da waren definitiv dunkle Mächte mit im Spiel.

„Wenn ich daran zurückdenke, dann sehe ich Gestalten, ja, aber sie haben keine Gesichter. Lange Gestalten ohne eine wirkliche Form. Ohne Sprache, nur gespuckte Laute. Irgendeine schwarze Flüssigkeit war von ihren Körpern hinuntergetropft.

Das warf mehr Fragen auf, als Antworten. Ich erzitterte, als ich an die schwarzen Flecken dachte, die ich gesehen hatte.

Auf einmal klopfte mir jemand auf die Schulter und ich fuhr etwas erschrocken zusammen. Raik, der gegenüber auf einem Kissen lag sah kurz auf, eher er seinen Kopf wieder hinlegte und seine Augen schloss.

Ich musste nicht einmal aufsehen, um zu sehen wer es war. Ich war bei Seokjin in der Apotheke im Hinterzimmer. Ich hatte Jeongguk Zuhause alleine mit Jimin und Taehyung gelassen, in der Hoffnung sie würden ihn dazu bewegen die Aufgaben zu machen, die ich ihm aufgetragen hatte. Nämlich die Blumen im Garten zu gießen und Kräuter zu ernten. Ich war hier, weil ich nachdenken musste und weil ich noch immer jemanden zum Reden brauchte.

Dieser Jemand war nun eingetroffen.

„Hyung, irgendwas liegt dir doch auf dem Herzen, oder?“ fragte Namjoon und setzte sich gegenüber von mir an den Tisch, ehe er mir langsam den Mörser wegnahm und ihn beiseite stellte. Ich sah den Gestaltwandler an.

Ich seufzte schwer.

„Eigentlich wollte ich schon vor Wochen mit dir reden, aber dann kam das mit Jimin und Taehyung dazwischen…“ Namjoon nickte verstehend und animierte mich zum Weiterreden.

Ich fuhr mir angestrengt durchs Haar. „Namjoon, sei ehrlich. Was… was hältst du von Vampiren?“

Es war kurz still. Namjoon sah mich nachdenklich an.

„Nicht besonders viel. Du weißt doch was mit meiner Schwester war…“

Ich erinnerte mich nur zu genau daran. Wie sich Namjoons Schwester in einen Vampir verliebte. Er war kein schlechter Kerl gewesen. Keinesfalls. Sie liebten sich ungemein. Es war fast so als würde ihre Liebe eine neue Art von Magie erschaffen, da beide immer von ein und derselben Aura umgeben waren.

Bis sie dann von einem anderen Klan verschleppt und getötet wurde. Ihr Lebensgefährte wurde kurz danach ebenfalls tot aufgefunden. Wir wussten bis heute nicht wer dafür verantwortlich gewesen ist und warum.

Namjoon seufzte dann. Kratzte sich am Hinterkopf. „Wieso fragst du überhaupt?“

Ich legte mein Kinn auf meiner Hand ab und schaute, hinter Namjoon, abwesend aus dem Fenster. „Ein Vampir hat mich um meine Hilfe gebeten und ich weiß nicht was ich tun soll.“

In dem Dorf lebt ein kleiner Vampirklan…

Sie haben mich um Hilfe gebeten, da sie Angst haben, dass ihnen ebenfalls etwas zustoßen könnte.

„Es schien ihm wichtig gewesen zu sein so als ob… so als ob ihm etwas leidtun würde oder als würde er etwas wieder gerade biegen wollen…“

Mein Gegenüber war still.

„Kann ich es mir nun wirklich leisten wählerisch zu sein? Ich… wieso zögere ich überhaupt? Weil er ein Vampir ist? Wahrscheinlich. Aber ist es nicht eh schon zu spät sich aus den Ganzen herauswinden zu wollen? Ich-“ Der Gestaltwandler nahm meine Hände in die seinen und sah mich an. Ein warmes Lächeln belegte seine Lippen und ließ seine Grübchen erscheinen.

„Du denkst zu viel nach. Vampir hin oder her. Seelen in Not verdienen Hilfe. Und wenn es nur dazu dient ihnen zu helfen mit etwas abzuschließen oder etwas wieder hinzubiegen. Ich glaube… so wie es sich anhört ist es ihm wichtig und es scheint so als wärst du die einzige Person die ihm helfen kann… Außerdem bin ich nicht in der Position dir zu sagen, was du zu tun und zu lassen hast. Du bist immerhin viel älter als ich.“

Ich verdrehte gespielt genervt meine Augen. „Du lässt es so klingen als wäre ich uralt.“ Der Gestaltwandler lachte. „Bist du das nicht?“ ich schnaubte.

Er drückte dann einmal kurz fest meine Hände und schüttelte lächelnd den Kopf. „Das ist außerdem das erste Mal, dass ich davon höre, dass ein Vampir um die Hilfe eines Hexenmeisters bittet.“

„Ich habe ihn eiskalt abblitzen lassen, Namjoon.“ Dieser lachte lauthals los. „Der kommt ganz sicher nicht wieder.“ Er lachte weiter während ich ihn stirnrunzelnd betrachtete. „S-sorry ich haha… es ist nur, dass du das mit jedem machst, der interessiert an dir ist. Job hin oder her.“ „Das stimmt so gar nicht!“ versuchte ich mich zu verteidigen, doch ließ der Gestaltwandler sich nicht von seiner Aussage abbringen. „V-vielleicht solltest du mal einen Schritt auf ihn zugehen.“ Kicherte er.

Ich hob eine meiner Augenbrauen. „Ist das dein Ernst?“ er zuckte mit den Schultern. Ich schnaubte. „Er ist nicht nur irgendein Vampir, Namjoon. Es ist der Anführer des größten Klans der Stadt.“ Namjoon verschluckte sich an seiner Spucke. „Jung Hoseok?!“

Wie kann es sein, dass alle ihn kennen außer ich? Murmelte ich etwas angesäuert vor mich hin und nickte dann.

Namjoon räusperte sich dann. „Gerade dann ist es wichtig auf ihn zuzugehen.“ Ich sah ihn ungläubig an. „Ich kann schlecht einfach sein Anwesen aufsuchen und mir nichts dir nichts da rein spazieren.“

Mein Gegenüber grinste bloß und spielte mit dem Mörser in seinen Händen. „Genau das könntest du tun.“ Sagte er und ich schüttelte meinen Kopf. „Die werden mich ganz sicher nicht mit offenen Armen empfangen.“
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