Breathe Me

SongficDrama, Schmerz/Trost / P18
27.10.2019
27.10.2019
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Breathe Me

Help, I have done it again
I have been here many times before

Das kleine, blonde Mädchen mit den Zöpfen stand vor dem Jungen der sich erhängte
Sie starrte ihn an
Fixierte ihren Blick auf seine Augen
Seine grauen Augen
Kein Glanz mehr in ihnen
Sie konnte ihren Blick nicht mehr von den toten Augen nehmen welche sie fast schon anstarren
Voller Vorwürfe
Es passierte erneut.
Das was im Kloster passierte geht weiter.
Es endet nicht.
Alle in ihrer Nähe sterben.
Genau wie damals.
Aber nichts ist mehr wie damals.
Nichts.
Nein.
Es ist alles anders.
Seit sie in der Psychiatrie ist.
Keine Edna.
Kein Harvey.
Keine kleinen Männchen die die Leichen vor ihren Augen zensieren.
Ihr Selbstschutz ist dahin.
Ihre Unschuld weg.
Verloren.
Sie.
Verloren.
Sinn.
Verloren.
Leben.
Verloren.
Kampf.
Fast verloren.
Es würde nicht mehr viel fehlen.
Dann ist eine weitere Sache verloren.
Dann ist alles entgültig verloren.
Aber.... Wenn der Kampf verloren geht... Dann würde es doch allen besser gehen?
Niemand würde mehr wegen ihr sterben müssen.
Es wäre doch das Beste.
Das Beste für alle Beteiligten.


Hurt myself again today
And the worst Part is there's no one else to blame.


Die weiße Keramik wurde langsam aber sicher von roten Tropfen übersehen.
Das kleine Mädchen sah den Tropfen wie hypnotisiert zu wie diese von ihrem Handgelenk über ihre Finger auf die Keramik fließten
„Zehn...“
Wispert sie sich zu
Zehn gleichaltrige gaben den Löffel seit ihrer Ankunft ab
Zehn Narben trug sie gefährlich nahe an ihrer Pulsschlagader
Zehn mal wäre es fast vorbei gewesen
Zehn mal hatte sie gekniffen
Sie erinnert sich an den Tag wo es passierte
Der Tag wo sie dem Mann im Rollstuhl das Messer in den Rücken rammte
Wie sie den Polizisten versuchte zu erklären, dass Edna und Harvey ihr das zugeflüstert hatten
Wie die sie verduzt ansahen
Und wie sie in die letzte Anstalt abgeschoben wurde
Wie sie an die Rasierklinge in ihrer Hand kam, das weiß nur sie
Den Pflegern ist es doch letztlich egal
Solange niemand einen Mucks gibt ist alles gut für die Pfleger
Wie es den Insassen geht ist ihnen egal
Wie es Lilli geht ist ihnen egal.


Be my friend
Hold me
Wrap me up, unfold me

Sie hatte irgendwann aufgehört zu zählen wie oft sie jetzt schon weinend auf ihrem Bett saß, sie schluchzend nach Edna rief, diese aber nie kam
Edna war nur ein Produkt ihrer Fantasie
Der Wunsch nach Freunden
Der Wunsch verstanden zu werden
Der Wunsch einfach nicht mehr alleine zu sein
Doch die Realität ist anders.
Das genaue Gegenteil.
Lilli ist und war schon immer alleine.
Auf sich gestellt.
Hat niemanden.
Niemand mochte sie.
Alle machten sich lustig.
Alle starben sie.
Lilli bringt nur Unglück.
Sie kann keinen bei sich haben, die Gefahr ist zu groß dass sie sterben würden.
Die einzige Person die in Lillis Nähe sicher ist, ist Edna... Doch die taucht nicht mehr auf... So sehr Lilli es sich auf wünscht, Edna ist weg.
Auf ewig.
Ihre einzige Freundin.
Weg.
Sie ist auf sich gestellt.
Wie immer.
Damit würde sie leben müssen.
Sie muss damit leben alleine zu sein.
Niemanden an sich heran zu lassen.
Immer wieder aufs neue Tote zu sehen wenn der Wunsch nach Nähe zu groß wurde und sie sich jemanden näherte.
Doch würde sie dies ertragen können?
Kann sie es ertragen alleine zu sein?
Die Antwort ist Lilli bewusst.
Sie weiß die Antwort auf diese Fragen.
Doch bisher fehlte ihr der nötige Mut um diesen Schritt zu gehen.

I am small
I'm needy
Warm me upAnd breathe me

Eine von vielen; mehr ist Lilli doch nicht.
Man würde sie niemals beachten.
Niemals ernst nehmen.
Niemals das geben können, was sie braucht. Wonach ihr Herz schreit. Was ihre Seele benötigt um gereinigt zu werden. Von den Dämonen die über ihr liegen zu befreien. Die Dunkelheit die sie Tag zu Tag immer mehr einnimmt zu nehmen.
Man würde immer nur weiter an ihr vorbeigehen. Sie ignorieren. Sie immer weiter und tiefer fallen lassen. Weiter verletzen.
Wer würde sich denn wirklich die Zeit nehmen und die Geduld aufbringen sich mit Lilli und all ihren Facetten auseinanderzusetzen? Richtig. Niemand. Niemand außer Edna.
Niemand außer Edna und Harvey würden sie akzeptieren wie sie ist.
Vielleicht würde sie ja beide wiedersehen wenn...?

Ouch, I have lost myself again
Lost myself again and I am nowhere to be found

Es könnten Minuten oder auch Stunden sein in denen sie in ihrer Duschkabine hockt, Rasierklinge gefährlich nahe an ihrer Pulsschlagader.
Ausdruck: emotionslos.
Kopf: leer gefegt.
Herz: in tausend Scherben zerlegt.
Sie dachte kurz zuvor noch über einen Halt nach, einen Grund zu bleiben. Doch ihre Erkenntnis war, dass es diesen Halt und Grund für nicht gäbe.
Lilli ist an dem Tag an dem Edna verschwand gestorben.
War nur noch eine Hülle, wie ihr gerade klar wird.
Diese Hülle wird nicht mehr gebraucht.
Warum diese dann weiterhin aufheben? Warum weiter versuchen diese zu reparieren wenn es doch eh hoffnungslos ist?
Warum nicht einfach diese Hülle so wie ihre Seele einfach gehen lassen?

Yeah, I think that I might Break
Lost myself again and I feel unsafe

Noch ein paar Mal tief durchatmen.
Dann gehst du diesen Schritt, Lilli.
Dann wirst du frei sein.
Den Schmerz nicht mehr haben müssen.
Du wirst dann Edna wiedersehen. Harvey. Gerret.
Was hält dich hier auf?
Genau.
Nichts.
Du hast nichts und niemanden hier.
Niemand kümmert sich um dich.
Also los.
Tu es. Tu es. Tu es. Tu es.
Das waren ihre Gedanken die sie hatte bevor sie sich ohne weitere umschweife, ohne weiteres zögern, ohne erneut zu kneifen das Leben nahm.
Es wäre doch nur besser so, dachte sie.
Jetzt würde doch niemand mehr ihretwegen sterben müssen.

Be my friend
Hold me

Und tatsächlich.
Zum ersten Mal seit einer Ewigkeit war da wieder Edna.
Edna mit der sie immer Spaß hatte
Die sie nie allein ließ
Sie nie hat hängen lassen
Ihre Freundin.
Edna ist nun endlich wieder da.
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