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Versprechen aus Feuer

GeschichteAllgemein / P6 / Gen
Brianna Rosanna Roxane Staubfinger
26.10.2019
26.10.2019
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Im ersten Moment dachte Brianna, das laute Heulen des Herbstwindes habe sie aufgeweckt. Zwar war sein unfreundliches Zischen bereits dagewesen, als sie eingeschlafen war, doch aus irgendeinem Grund erschien es ihr nun lauter zu sein, als zuvor. Doch als sie so dalag und in die Stille hineinlauschte, hörte sie, was es wirklich gewesen war, das sie aufgeweckt hatte. „Rosanna?“, flüsterte sie in die Dunkelheit und das zuvor leise Schluchzen wurde lauter. Brianna schlug die Decke zurück, die sie eng um den Körper geschlungen gehabt hatte und krabbelte über den staubigen Zeltboden zu dem Ort hinüber, an dem ihre Schwester schlief. Er befand sich am anderen Ende des Zeltes, weiter vom Eingang entfernt, weil dort mehr Platz war. Auf Knien stieg Brianna über die leere Schlafstätte neben der ihrer Schwester hinweg, bis sie dem Kleinkind so nahe war, dass sie trotz der Dunkelheit zumindest die Umrisse ihres Gesichts erkennen konnte. Rosanna schlang sofort die kleinen Arme um ihren Hals und Brianna konnte spüren, wie ihr Körper immer wieder von Schluchzern geschüttelt wurde.

„Was ist?“, fragte sie erschrocken, doch anstatt ihr zu antworten weinte Rosanna nur noch mehr, woraufhin sie sie noch ein Stückchen näher an sich zog und ihr über das rabenschwarze Haar strich. „Nicht…schlafen…“ Rosanna konnte zwischen ihren Schluchzern nur unzusammenhängende Wortfetzen hervorpressen. Das Sprechen in ganzen, zusammenhängenden Sätzen war ohnehin noch etwas Neues für sie und die Aufregung, die sie nun empfand, half dabei kein Stück. „Aber du hast doch geschlafen…“, wunderte Brianna sich, „Bist du etwa wieder aufgewacht?“ Rosanna nickte und drückte den Kopf erneut an die Brust ihrer Schwester, so dass ihre Tränen große, dunkle Flecken auf ihrem Nachthemd hinterließen. „Und jetzt hast du Angst?“ Wieder nickte sie und Brianna seufzte. Sie wusste, was ihre Schwester aufgeweckt hatte. Nicht der Wind war es gewesen, sondern einer dieser Träume, dieser schrecklichen Träume, die sie selbst viel zu oft mitten in der Nacht aus dem Schlaf fahren ließen. Von den weißen Frauen handelten sie, von Prangern und Galgen und von einem Kopf, der aufgespießt vor dem Tor der Nachtburg stand, das rotblonde Haar hinabhängend, schwer vom Regen. Schon der bloße Gedanke daran jagte Brianna einen Schauer über den Rücken, wie musste es da erst für ihre jüngere Schwester sein, die noch nicht verstand, dass die Bilder, die sie gerade gesehen hatte, nicht echt waren? Die ja vielleicht nicht einmal verstand, von wem sie dort träumte? Rosanna schluchzte erneut auf, Briannas Versuch, sie durch sanftes Streicheln über den Rücken zu beruhigen, scheiterte. Verdammt, wenn es nur nicht so dunkel hier drin gewesen wäre… „Komm!“, flüsterte sie Rosanna zu, „Ich zeige dir etwas!“  Sie setzte ihre Schwester auf dem Boden ab und erhob sich. Einige Augenblicke lang sah das Kleinkind zögernd zu ihr nach oben und Brianna konnte sich vorstellen, dass sie an die Worte ihrer Mutter dachte und wie sie versprochen hatten, brav zu sein, bis sie wieder zurück war. Doch ihre Mutter war fort, sang im Haus irgendeines reichen Herrn und würde von ihrem kleinen Ausflug nicht einmal etwas merken, wenn sie nur rechtzeitig wieder zurückwären. Brianna streckte auffordernd den Arm nach der Jüngeren aus und lächelte aufmunternd, so dass diese letztlich ihre Bedenken vergaß und ihr auf leisen Sohlen aus dem Zelt folgte.

Sie hatten erst wenige Schritte ins Freie gemacht, als Brianna so abrupt stehen blieb, dass die Jüngere unwillkürlich in sie hineinlief. Brianna verfluchte sich innerlich selbst dafür, natürlich, warum hatte sie nicht genauer darüber nachgedacht? Wenn sie das Lager verlassen wollten, mussten sie an der Feuerstelle vorbei. Und dort, inmitten der anderen Spielleute, saß Wolkentänzer. Er hatte eine der jüngeren Frauen auf seinen Schoß gezogen, Brianna kannte ihren Namen nicht, sie gehörte erst seit einigen Tagen zu ihnen. Wolkentänzer schien zwar angetrunken, jedenfalls meinte Brianna das daran zu erkennen, dass seine Worte ihm nur schwerfällig über die Lippen kamen, als schliefe seine Zunge, dennoch war sie sich nicht sicher, ob er sich nicht wieder an den Auftrag erinnern würde, den er von ihrer Mutter bekommen hatte, wenn er sie sah. Für einen Moment wünschte sie sich einen der schwarzen Umhänge, den ihre Mutter nun so oft über ihren bunten Kleidern trug, wenn sie alleine los ritt, lange Strecken durch den Wald, um wieder einmal auf irgendeiner Burg oder in irgend einem Haus zu tanzen und zu singen, in der Hoffnung, dass der Lohn ausreichen würde, um sie drei zu ernähren. Denn dieser Umhang, davon war Brianna überzeugt, hätte sie nun unsichtbar gemacht. Sie beobachtete die Szenerie noch eine Weile. Wolkentänzer schien so ins Gespräch mit einer der Frauen vertieft, dass er sie vielleicht doch nicht gleich bemerken würde, wenn, ja wenn…Sie beugte sich zu ihrer Schwester hinunter. „Rosanna, du musst jetzt ganz, ganz, ganz leise sein. So, wie Feen es sind. Oder Marder. Sei so leise wie ein Marder, schaffst du das?“ Das Nicken, das sie zur Antwort erhielt, war ein wenig zu überzeugt, als dass es ehrlich hätte sein können. Dennoch schlichen die beiden Schwestern davon, nahezu lautlos, wie Schatten es taten und stahlen sich im Schutz der Dunkelheit am Feuer vorbei, ohne dass einer der Spielleute sie bemerkte. Als sie außer Hörweite der Erwachsenen waren, entwich Brianna ein stolzes Kichern. „Das hast du wunderbar gemacht, Rosanna!“, lobte sie und strich ihrer Schwester über das Haar. Ein stolzes Lächeln legte sich auf deren Lippen.

Eine Weile lang liefen sie stumm durch die Dunkelheit, hinein in den weglosen Wald, während der Wind ihnen immer unangenehmer ins Gesicht blies. Aber Brianna wusste genau, wo sie hinwollte, sie kannte den Weg so gut, dass sie ihn auch bei solch widrigen Bedingungen wie Sturm und Dunkelheit fand, denen sie momentan ausgesetzt waren. Wie viele Nächte sie früher hier hergekommen war, seit dieser einen, als sie ihn hier gefunden hatte. Der nächste, starke Windstoß fegte ihr um die Ohren und Rosanna umklammerte mit ihrer kleinen Hand die ihre noch ein wenig fester, als habe sie Angst, sie könne davongeweht werden. „Wir haben’s gleich geschafft…“, murmelte Brianna und als habe der Wald ihre Worte gehörte, tauchte just in diesem Moment in ihrer Sichtweite auf, was sie gesucht hatte: Der kleine, mit Mos bewachsene Felsvorsprung unter dem, wie Brianna wusste, die Höhle lag, nach der sie suchte. Sie ging nun ein wenig schneller, so, dass die Jüngere ihr gerade noch folgen konnte und so kamen sie schließlich bald in der Höhle an.

Es war alles noch genau so, wie Brianna es von ihrem letzten Besuch in Erinnerung hatte. In der Mitte der Höhle lag immer noch der Felsbrocken, größer, als ein normaler Stein, aber auch nicht riesig groß. Brianna trat nahe an ihn heran und strich mit dem Finger darüber. Ja, der Ruß war immer noch da, was sie auf seltsame Art und Weise beruhigte. Ein leises, frohes Lachen kam ihr über die Lippen. „Was ist das?“ Rosanna zog sie aufgeregt am Ärmel und deutete an die Felswand. Brianna lächelte sie an. „Das….“, sagte sie dann leise und ging mit ihr gemeinsam auf die Wand zu, „ist der Grund, warum wir hier sind.“ Vor ihnen an der Wand prangte ein Notenschlüssel. Das große, schnörkelige Ding war mit Feuer in die Felsen geschrieben worden, das Licht der Flammen war nun das einzige, was den Raum zumindest ein wenig erhellte. Daneben konnte man die Umrisse einer Feuerelfe erkennen. Zu deren rechten war außerdem ein Vogel zu sehen, zu ihrer linken eine Rose. Brianna beobachtete zufrieden, mit welcher Faszination ihre Schwester die Wandbilder betrachtete, doch als sie sie anfassen wollte, hielt sie gerade noch rechtzeitig ihre Hand fest. „Nicht!“, sagte sie schnell, „Das Feuer würde dich beißen!“ Rosanna sah sie erschrocken an und für einen Moment machte die Ältere sich Sorgen, dass sie gleich zu weinen beginnen würde. Sie ließ sich flink auf den Boden fallen. „Komm!“, sagte sie dann und klopfte sich zwei Mal auf den Schoß, um ihrer Schwester das Zeichen zu geben, sich hineinzusetzen. „Ich erzähle dir jetzt eine Geschichte. Die Geschichte vom besten Feuertänzer, den es jemals zwischen der Nachtburg und Ombra gegeben hat.“ Und Brianna erzählte die Geschichte, die sie sich über die Jahre aus so vielen Fragmenten zusammengesetzt hatte. Manches hatte ihre Mutter ihr erzählt, manches hatte sie sich selbst ausgedacht – und vieles entsprach dem, was er ihr immer erzählt hatte, wenn sie ihn hier in der Höhle gefunden hatte.

Manchmal war er schon Tage, bevor er wieder an dem Ort auftauchte, an dem sie gerade ihr Zuhause hatten, hierhin zurückgekehrt und hatte überlegt, wie er es diesmal am besten anstellte zu sagen, dass er wieder da war. Und manchmal war er einfach hier hin verschwunden, um alleine zu sein mit dem Feuer und der Sehnsucht, die es in ihm auslöste. Es war einer dieser Abende gewesen, in denen Brianna ihn eher zufällig hier gefunden hatte, beim Spielen, im Wald mit den anderen Kindern. Zuerst hatte er sich erschrocken, dass sie so plötzlich auftauchte. Aber dann hatten sie sich öfter hier getroffen und er hatte ihr viele Geschichten erzählt, von den Abenteuern, die er erlebt hatte, während er fortgewesen war. „Du darfst deiner Mutter nicht von dieser Höhle erzählen!“, hatte er sie ermahnt, „Sie ist unser Geheimnis!“ Und all die Zeit hatte sie sich daran gehalten. In den ersten Wochen, nachdem er so lange verschwunden gewesen war, wie niemals zuvor, war sie oft tagsüber hier hingekommen, in der Hoffnung, ihn hier zu finden und ihn überreden zu können, wieder nach Hause zu kommen, indem sie ihn davon überzeugte, dass ihre Mutter auch diesmal nicht böse auf ihn sein würde – nicht für lange, jedenfalls. Doch mit jedem Mal, das sie ihn hier nicht hatte finden können, war die Hoffnung kleiner geworden, bis sie sie schließlich aufgegeben hatte. Und doch kam sie manchmal hier her, wenn die schlimmen Träume sie wieder einmal quälten und ihre Mutter nicht da war, um sie zu trösten. Denn auf seltsame Weise hatte sie nirgendwo sonst das Gefühl, ihm so nah zu sein.

Rosannas Körper fühlte sich immer schwerer in ihren Armen an. Briannas Schwester hatte den Daumen in den Mund gesteckt und konnte die Augen fast nicht mehr offen halten. Also erzählte Brianna mit ruhiger Stimme weiter. Wenn sie es schaffte, das Rosanna noch einmal einschlief, während sie hier waren, würde sie nur gute Träume haben, davon war Brianna überzeugt. In dieser Höhle gab es keinen Platz für etwas Schlechtes. „Und eines Tages, im Winter, wurde schließlich ihr zweites Kind geboren. Wieder war es ein Mädchen, das Haar nachtschwarz wie das ihrer Mutter. Und der Feuertänzer war so glücklich, dass sein Herz fast überlief, vor Freude. Und die Spielfrau war glücklich. Und das ältere Mädchen war glücklich. Der Feuertänzer aber ging zurück in seine Höhle, in der die Note und die Elfe und der Vogel mit ewigem Feuer an der Wand brannten.“ Briana rieb sich die Hände, wie sie es so oft bei ihm gesehen hatte und flüsterte leise, was sie für Feuerworte hielt. Und doch blieb ihr nichts, als der leise Stich der Enttäuschung, als das Feuer sich nicht von ihr locken ließ – auch dieses Mal nicht. Sie verdrängte den Gedanken und erzählte weiter.  

„Er malte eine kleine Rose dazu und versprach: Wo immer ich hingehe, wo immer ihr seid, ich werde immer meinen Weg zurück zu euch finden.“ Rosanna war inzwischen vollständig eingeschlafen und Brianna betrachtete nachdenklich die vier Bilder an der Wand. Wer wusste schon, wie viel Wahrheit in einer Geschichte steckte? Und konnte man Geschichten wahr machen, indem man einfach ganz fest an sie glaubte?  Brianna merkte, wie der Wunsch danach ihr wieder einmal fast das Herz zerriss. Deshalb schloss sie nun die Augen, um sich voll und ganz auf den Wunsch zu konzentrieren, der brennend wie das Feuer an der Wand in ihrem Herzen saß. Sie presste die Lippen aufeinander und ballte die Hände zu Fäusten, so viel Anspannung fuhr durch ihren kleinen Körper. Doch all das half nichts. Als sie die Augen wieder öffnete, waren Rosanna und sie immer noch alleine in der Höhle – und der Ruß auf dem Stein blieb das einzige Anzeichen dafür, dass es jemals anders gewesen war.

„Brianna?! Brianna!!“ Das Kind zuckte so heftig zusammen, dass ihre kleine Schwester fast von ihrem Schoß gerutscht wäre, hätte sie sie nicht in letzter Sekunde festgehalten. Eine Mischung aus Freude und Angst stieg in ihre hinauf. „Brianna!“ Von Draußen drang die Stimme ihrer Mutter durch die Nacht und so sehr Brianna sich nun auch darüber freute, sie endlich wieder zu hören, sie wusste, was es bedeutete, wenn sie sich nun zu erkennen gab. Ihre Mutter würde von der Höhle erfahren – und sie, Brianna, würde damit das Versprechen brechen, das sie ihrem Vater in ihrer ersten Nacht hier gegeben hatte. Brianna hielt den Atem an, als könne auch das sie verraten, doch natürlich half das nicht und kurz darauf streckte ihre Mutter suchend den Kopf durch den Höhleneingang. „Brianna!“ In ihrer Stimme lag Liebe, Wut, Angst. Sie betrat rasch die Höhle und schloss ihre beiden Kinder in ihre Arme. „Du kannst doch nicht einfach so weglaufen!“, sagte sie dann harsch, „Du weißt doch, wie gefährlich es hier ist, wie konntest du das tun? Und dann auch noch mit deiner Schwester! Das war unverantwortlich!“ Brianna schob trotzig das Kinn nach vorne, dann deutete sie auf ihre Schwester. „Sie konnte nicht schlafen. Und mir geht es immer besser, wenn ich böse Träume habe und dann hier sein kann“, entgegnete sie. Roxane schüttelte den Kopf und Brianna meinte, Tränen in ihren Augen zu sehen. „Mach das nie wieder…“, flüsterte sie dann und küsste Briannas Haar, als sie so fest in die Arme schloss, als wolle sie sie nie wieder loslassen.

„Wie hast du uns eigentlich gefunden? Ich dachte, niemand weiß von der Höhle…“, wollte Brianna schließlich wissen, als sie eine Weile nur stumm nebeneinandergesessen hatten. Roxane hatte ihre jüngere Tochter inzwischen zu sich genommen, in das Tuch gewickelt, das sie um die Schultern getragen hatte und strich dem schlafenden Kind immer wieder übers Haar. Brianna hatte sich an ihre Seite gelehnt und sah nun fragend zu ihr nach oben. Roxane holte tief Luft, als müsse sie Anlauf zum Sprechen nehmen. „Dein…Vater und ich…“, sagte sie dann zögernd, „wir haben einmal…eine ziemlich lange Zeit hier verbracht.“ Ihr Blick glitt in die Ferne, als würde sie sich an etwas erinnern, das bereits sehr lange zurücklag. „Was habt ihr hier gemacht?“, fragte Brianna nach. Auf das Gesicht ihrer Mutter legte sich ein seltsames Lächeln, bittersüß, so als sei die Erinnerung unglaublich schmerzhaft und unglaublich schön zugleich. „Er war verletzt und…ich habe ihn gepflegt“, antwortete sie dann und durch Briannas Kopf schossen so viele Fragen, dass sie gar nicht wusste, welche sie zuerst stellen sollte. Und bevor sie sich für eine von ihnen entscheiden konnte, hatte ihre Mutter ihr noch einmal das Haar geküsst und flüsterte: „Lass uns nach Hause gehen, ja? Es ist kalt hier, du und deine Schwester, ihr tragt nur Nachthemden. Es geht gerade ein Fieber herum, ich will nicht, dass wir noch Besuch von den weißen Frauen bekommen.“ Sie hatte leise gelacht, als sie das sagte und den Worten damit einiges von ihrer Grausamkeit genommen. Dennoch war Brianna sofort klar, dass sie Recht hatte und so stand sie nun auf. Zum ersten Mal seit sie in der Höhle angekommen waren, erinnerte die Müdigkeit sie daran, dass sie zuvor ja mitten aus dem Schlaf gerissen worden war. Ihre Mutter trug Rosanna auf dem Arm, während sie Brianna ihre Hand hinhielt, die diese dankbar ergriff. Sie wollte sich gerade umdrehen und die Höhle verlassen, doch ihre Mutter blieb noch einen Augenblick in deren Eingang stehen und warf einen langen Blick auf die Zeichnungen an der Wand. „Ich hoffe so, du hältst es…“, wisperte sie, kaum hörbar. Und während Brianna noch darüber nachdachte, was diese Worte bedeuten mochten, hatte sie sich schon umgedreht und führte ihr Kind behutsam zurück in den Wald. Brianna hoffte den ganzen Weg zurück zum Lager über, dass ihr Wunsch dieses Mal vielleicht doch in Erfüllung gegangen sein mochte.

So viele Jahre war diese Erinnerung nun schon alt und doch schien sie Brianna in diesem Moment so frisch, als habe sie gerade eben erst erlebt. Hervorgebracht aus dem Dunkel ihrer Erinnerung vom Anblick des rotblonden Haarschopfes, so sehr wie ihr eigener, der so markant aus der Menge herausstach. Ja, sie musste erst gar nicht in sein narbiges Gesicht sehen um zu wissen, dass er zurück war. Ihr Vater. Staubfinger. Der Mann, wegen dem sie ihre Schwester getötet hatte, war zurück.
 
 
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