Ein Problemkind kommt selten allein ...

GeschichteAbenteuer, Übernatürlich / P12 Slash
Albus Dumbledore Draco Malfoy Harry Potter Hermine Granger Lord Voldemort / Tom Vorlost Riddle Severus Snape
25.10.2019
14.02.2020
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Der Junge, der überlebt hatte, hätte nicht gedacht, dass es so angenehm sein würde, von einem Imperius-Fluch getroffen zu sein. Das befreiende Gefühl der Leere in seinem Kopf… einfach wunderbar! Besonders nach dem gerade hinter ihm liegenden Stress, zuerst die Prüfungen und jetzt diese Aktion hier, war dieses Gefühl so willkommen wie nichts anderes.

Nur am Rande registrierte Harry, dass der dunkle Lord den Zauberstab für einen Moment verdutzt sinken ließ, nur, um ihn dann wieder auf den Jungen zu richten und es erneut mit dem Todesfluch zu versuchen. Doch wenn Harry geglaubt hatte, jetzt zu sterben, wurde er enttäuscht. Während Voldemort langsam und gedehnt das Wort „Avada“ aussprach, sagte eine weitere Stimme in Harrys Kopf: „Sag ihm, dass du ihm alles glaubst.“

Harry kannte diese Stimme. Oh, wie er sie mochte, immer zauberte sie ein Lachen auf sein Gesicht. Genau wie das Mädchen, zu welchem die Stimme gehörte, Luna… Luna… Luna… So schön, so ehrlich, so klug… Harry wären, trotz seines leeren Kopfes, noch tausend weitere gute Eigenschaften der Ravenclaw eingefallen, wenn da nicht ihre schneidende Stimme in seinem Kopf seine Gedanken unterbrochen hätte: „Sag es ihm! Sag es ihm!“

Auch wenn Harry bestimmt nicht gewollt hätte, dass dies hier zu Papier gebracht wird, es muss jetzt einfach gesagt werden: er gehorchte der Stimme, obgleich er normalerweise widerstandsfähig gegen diesen Imperius-Fluch war. Nur heute… Heute funktionierte die Widerstandskraft einfach nicht, so sehr der Junge es auch versuchte. Alles, was er zu tun vermochte, war die Lautstärke der Stimme zu reduzieren. Ob es an Harrys Erschöpfung oder an Lunas Zauberkraft lag, das möge für immer ein Rätsel bleiben, doch Fakt ist, dass der Junge den Mund öffnete und den entscheidenden Satz sagte, sodass die Emotionen des dunklen Lords erneut gerüttelt wurden: „Du hast recht.“

Zuerst geschah gar nichts. Die Todesser um Harry herum standen mit verdatterten Gesichtern herum, da ihr Herr und Meister nichts unternahm – der war viel zu beschäftigt damit, Mund und Augen aufzureißen, einen Moment dumm dazustehen und dann auf Harry zuzustürmen und ihn zu umarmen. „Mein Bruder!“, rief er vor Glück. „Mein Bruder! Mein Bruder!“ Harry war nicht einmal in der Lage, etwas zu antworten, da er einerseits fasziniert vom Verhalten des dunklen Lords war und andererseits all seine Sorgen und Ängste in seinen Kopf zurückkehrten, mit doppelter Kraft. Alles was er tun konnte, war, benommen in die Arme seines gewonnenen Zwillingsbruders zu sinken.

Mittlerweile hatten sich auch die anderen wieder gefasst. Luna schaute beeindruckt von Harry zu Voldemort und wieder zurück zu Harry, während die Todesser in aufgeregtes Geplapper ausbrachen. „Herr“, keuchte Bellatrix. „Herr, Herr, Herr! Sollte der Junge nicht heute sterben? Wolltest du ihn nicht umbringen? Was tust du da?“ „Sei still, Bella“, schnauzte der dunkle Lord sie an. „Ich habe meine Meinung eben geändert. Es geht dich gar nichts an, was ich mache und was nicht. Kümmere dich bitte um deine eigenen Angelegenheiten.“ „Aber…“, wollte Bellatrix protestieren. „ Genug jetzt“, unterbrach der dunkle Lord seine treueste Anhängerin, bevor sie noch etwas sagen konnte. „Dinge haben sich geändert. Wir werden niemanden mehr töten. Keine Muggel, keine Zauberer…“ „Aber…“, protestierte Bella. „ Niemanden“, fuhr ihr Meister fort, als wäre nichts gewesen. „Außer Albus Dumbledore, denn er verdient es. Er hat schon zu viel Schaden angerichtet, um zu leben.“ „Aber…“ „Schluss jetzt!“, donnerte der dunkle Lord und für eine Sekunde erkannte man in ihm den schwarzen Magier wieder, der er bis vor kurzem noch gewesen war. „Hol den Gefangenen und gib Ruhe.“

Als Bellatrix sich entfernt hatte, wandte Voldemort sich wieder seinem Bruder zu. „Harry, ich glaube, ich muss mich bei dir entschuldigen“, meinte er mit sanfter Stimme. „Für alles. Aber vor allem dafür, dass ich deine Adoptiveltern, die sogar ihr Aussehen mit dir geteilt haben, umgebracht habe… und ihre Freunde…“ Harry atmete tief durch. Es kostete ihn seine ganze Willenskraft, nicht laut aufzuschluchzen, eine Träne, die sich ihren Weg über seine Wange bahnte, konnte er dennoch nicht aufhalten. „Warum?“, brachte er mit leiser Stimme hervor. „Warum hast du das getan?“ „Ich war nicht ich“, erklärte der dunkle Lord, der jetzt nicht mehr dunkel war. „Dumbledore hat mich irgendwie verzaubert. „ Unser Va…“ „Nenn ihn nicht so“, unterbrach Voldemort seinen Bruder. „Er ist es nicht, war es nie und wird es nie sein. Na ja, jedenfalls gelang es mir erst nach seiner Gefangennahme, die durch Zufall passiert ist – einige Todesser haben ihn festgenommen, wieder ich zu sein. Mir wurde bewusst, was für schreckliche Taten ich begangen habe und… Es tut mir so leid, Harry. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie leid es mir tut.“ Harry seufzte. „Es ist schwer zu glauben“, meinte er. „Alles ist so merkwürdig. Aber ich habe mich nun einmal dafür entschieden, dir zu glauben. Und deshalb hast du in meinen Augen keine Schuld. Wir müssen den Schulleiter stoppen, ehe er noch mehr Schaden anrichtet. Das ist jetzt unsere Aufgabe. Vergessen wir, was war und nehmen uns dem an, was vor uns liegt.“ „Okay“, stimmte Voldemort zu, die Erleichterung, dass sein Bruder ihm nicht böse war, stand ihm ins Gesicht geschrieben. „Bellatrix sollte gleich…“

Tja, wenn man vom Teufel spricht, dann ist er auch schon da. Keuchend kam die Todesserin angerannt. „Wir haben ein Problem“, japste sie. „Ein riesengroßes Problem.“ „Oje, na das kann ja heiter werden“, meinte Voldemort sarkastisch. „Was denn diesmal? Ist wieder ein Hauself abgehauen?“ „Viel schlimmer“, antwortete seine Anhängerin, nach Luft ringend. „Viel, viel schlimmer! Dumbledore ist weg!“
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