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Er gab ihr einen Namen

GeschichteFantasy / P12 / Gen
Bastian Balthasar Bux
25.10.2019
25.10.2019
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Der neue Name


Da stand er nun. Bastian Balthasar Bux. Vor der Kindlichen Kaiserin, deren Krankheit nur durch ihn aufzuhalten war. Denn nur er konnte ihr einen neuen Namen geben und damit einen Neuanfang für das vollkommen zerstörte Phantásien bewirken.
Welcher Name konnte der zerbrechlich wirkenden, alterslosen Kaiserin gerecht werden? Es musste ein heroischer Name sein. Ein einprägsamer Name. Ein Name, der jeden Menschen und alle Wesen überhaupt faszinierte.
Während er darüber nachdachte, schossen ihm Erinnerungen durch den Kopf, die ihm bei der Lösung helfen konnten.
Er hatte fantastische Abenteuer mit Atréju erlebt, dem Jungen von den Grünhäuten. Mit Fuchur, dem wunderschönen Glücksdrachen. Beide waren seine Freunde geworden. Doch sie konnten ihm nicht in der Äußeren Welt helfen, wo er zuhause war
Bastian dachte an seine Klassenkameraden, die ihn schikanierten, weil er unsportlich und etwas dicklich war. Eben das perfekte Mobbingopfer. Sein Vater war immerzu traurig. Es schien, als sei er irgendwie auch gestorben, als die Mutter gestorben war. Von ihm konnte Bastian nie Hilfe erwarten. Alles musste er alleine schaffen. Dabei war er erst elf und eigentlich ein kleiner, schüchterner Junge. Aber egal, wie oft er misshandelt und verspottet worden war, nie hatte sich sein Vater für ihn eingesetzt.
Schwer schlug ihm das Herz in der Brust.
Bücher. An die erinnerte er sich auch.
Bücher waren immer seine Freunde gewesen. Sie hatten ihn in Welten mitgenommen, die ihn stark machten, unbesiegbar. Er hatte gekämpft und zerstört. War der schwarze Ritter gewesen, der schleichende Tod, der furchterregende Zerstörer. In den Geschichten wurden alle Schwächlinge getötet, vernichtet oder gewandelt. Mit nur einem Biss konnten die übermenschlichen Vampire einen fetten, unsportlichen Taugenichts in eine Kampfmaschine verwandeln. Zombies saugten anderen Dummen die Gehirne aus und erschufen neue Zombies. Ein Heer von Untoten, das die Menschheit knechtete. Er dachte an Dämonen, die stark waren, stärker als jeder Mensch und jedes andere Wesen. Die anders als die zahmen Engel prügeln und töten durften.
Bastian starrte auf die Kindliche Kaiserin.
Er wollte kein friedvolles, liebliches Phantásien, das jederzeit wieder von dem Nichts verschlungen werden konnte, nur weil sich kein Kind und kein Jugendlicher an solch einen Schmalz erinnern wollte. Die verträumten, netten Einschlafgeschichten interessierten niemanden mehr. Ein schwacher Name wie ‚Sternenkind‘ oder ‚Mondenlicht‘ würde vielleicht ein paar Momente reichen. Doch dann würde das Nichts umso stärker und mächtiger zurückkehren. Alles verschlingen und kein Mensch würde mehr gefunden werden, um Phantásien zu retten.
Bastian wollte ein kämpferisches, dunkles Phantásien. Eine Herrscherin der Macht. Voller Gier und Verlangen nach Unterwerfung. Uneingeschränkte Herrscherin, die das dunkelste in jedem Wesen zu wecken verstand. Eine Welt der Zerstörung, des Terrors, wo jeder um sein Überleben kämpfte und nur der Stärkste den Sieg errang.
„Desire“, murmelte er, als ihm das englische Wort für Verlangen einfiel. Gab es nicht auch solch einen Mädchennamen? Deutsch gesprochen: De-si-re. Seine Augen begannen zu leuchten. Der Gedanke war grandios! Auf den ersten Blick würde die Kindliche Kaiserin einen harmlosen Frauennamen tragen. Aber in Wahrheit würde sie Verlangen heißen und alle ihre Taten wären vom Verlangen geprägt.
Er, Bastian Balthasar Bux, würde ihr Verlangen in die dunkle Richtung treiben. Und sie damit unsterblich machen!
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