WGKB: Jo

von M-Loki
GeschichteFamilie, Freundschaft / P18 Slash
25.10.2019
21.02.2020
18
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Hallo,
inzwischen sind ein paar Wochen vergangen, die Geschichte hat somit einen kleinen Schucker vorwärts bekommen.
als kleiner Hinweis, da Jo's Gedanken ja manchmal eher konfus sind.
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Es läuft gut. Nicht perfekt aber gut. Ich lebe mich immer besser ein, und wenn mich mal wieder die absolute Unlust überkommt zu putzen, dann rufe ich mir ins Gedächtnis wie diese Woche bei Olaf war. Hilft jedes Mal.
Es wird auch nicht mehr wegen jeder Kleinigkeit gemeckert, eher ist es ein heranführen wie man es besser machen könnte. Und damit kann ich leben. Sehr gut sogar.
Diese Woche bei Olaf werde ich nie vergessen, ich gebe es nicht gerne zu, aber sie hat mich bis ins Mark erschüttert. Und ich sehe einiges nun anders. Zur Freude meines Umfeldes, und ja zur Freude von mir selbst.

Olaf, dieser Penner hat natürlich keine Ruhe gegeben. Lauerte mir im Blackbear auf und verlangte von mir zu ihm zurückzukehren. Vermutlich war er auf Droge, da wir nie auch nur annähernd etwas miteinander gehabt haben. Als er versuchte mich in den Darkroom zu zerren, hatte Ansgar die Schnauze endgültig voll. Von nun an hat Olaf Hausverbot, was alle begrüßten, Gäste wie Personal. Hat ihn aber nicht daran gehindert mir nach dem Feierabend aufzulauern um zu versuchen mir mein Trinkgeld abzuknöpfen. Dumm nur das ich fast immer mit Bär zusammen arbeite, der kam kurz nach mir raus und ja, Olaf sieht nun anders aus. Der Depp musste auch ein Messer ziehen, da tickte Danni aus. Der Bär kann fürchterlich wütend werden. Selbst ich hatte Schiss, und gegen Olaf sah Uli noch blenden aus. Seitdem haben wir nie mehr was von Olaf gesehen oder gehört.
Fazit: lege dich niemals mit dem Bären an.

Uli geht es wieder gut, hat ein wenig gedauert, doch inzwischen ist er wieder der Alte. Sein Veilchen versteckte er hinter einer ominös großen Sonnenbrille mit Strass Steinen.  Bis ich ihn damit aufzog, er würde ja auf Lila stehen und da wäre doch die Farbe seines Veilchens passend. Er nahm es mit Humor. Und inzwischen ist er wieder die Schönheit schlechthin. Es gibt einfach keinen schöneren Mann. Und ich bin weit toleranter wie ich es von mir gedacht habe. Mich stören weder die Fummel-Trinen noch Leder-Schwuppen, in dem Punkt habe ich keine Berührungsängste. Jedem das seine, solange man nichts erzwingt.

Mit dem Jobs klappt es auch gut, bei Ruben läuft es und auch im Blackbear. Wobei ich schon neidisch auf die Trinkgelder der anderen schiele, denn noch immer trage ich meine Jeans unter den Chaps. Aber inzwischen kellnere ich richtig, und da mir Kopfrechnen liegt habe ich auch keine Schwierigkeiten beim Kassieren. Avancen blieben nicht aus, aber Dank Paddy habe ich die Tricks raus mir die Ledertypen auf Abstand zu halten.

Und mit dem Studium und Eddi läuft es auch super. Er hat über mich nur den Kopf geschüttelt, und meinte ganz trocken so eine kalte Dusche brauch ich halt ab und an. Da hat er wohl leider Recht.

Mit Ben läuft es auch wieder besser, nicht, dass er mich zurücknehme, obwohl ich nun ja weiß er es tun würde, noch dass ich es wollte. Mit Sara tue ich mich immer noch ein wenig schwer, doch ich gebe mein Bestes. Für mich ist sie immer noch die Person die sich zwischen meinen Bruder und mich drängte. Aber immerhin trägt sie meinen Neffen oder meine Nichte aus. Wenn das mal nichts ist. Und inzwischen kann man es auch deutlich sehen.

Sara und Ben haben am vierten Oktober geheiratet. Inzwischen schiebt sie eine riesige Kugel. Es war nur Standesamtlich. Die Standesbeamte hat es echt gut gemacht, denke ich, und in einem Prunkzimmer im Stadtschloss.  Für mich zu spießig, aber ein schöner Rahmen für den gesamten Tuckenclan.
Nun kenne ich auch die Familie von Sara, und man ist sich einig, sie mögen mich nicht, und ich mag sie nicht. Also die Familie. Sara schlägt vollkommen aus der Art, was ihr zusätzliche Sympathiepunkte einbringt. Am Nachmittag ging es in ein Café, danach trennte sich die Spreu vom Weizen, will sagen die lästige Familie verschwand.
Gefeiert wurde dann nämlich abends in der Kunterbunt. Ein Caterer war geordert und dann haben wir es krachen lassen. Keine Ahnung wie viele Leute da waren. Von einigen wurde ich schief angesehen, meinen schlechten Ruf im Freundeskreis von Ben und Sara, der weit über die Kunterbunt hinausreicht, habe ich wohl weg. Aber ich bin sein Trauzeuge, was einige überraschte. Ich wollte natürlich erst nicht. Aber man hat mir, allen voran Eddie, mal wieder deutlich ins Gewissen geredet, von allen Seiten und ich mich gefügt. Paul ist der Trauzeuge von Sara, und er ihm Anzug ist eine echte Wucht. Alle sind sie schick. Knud sticht mit seinem tiefgrünen Anzug und der Melone aus der Masse. Der Bär trägt Nadelstreifen und wirkt wie der Pate. Finn mit seiner knallroten Fliege ist einfach nur süß, und Ron wirkt wie ein Model aus einem Nobel Hochglanzmagazin. Die Gaby’s sind auch alle da und sind deutlich kunterbunter wie die Jungs der WG.
Warum Ben und Sara ihre Hochzeitsnacht bei Paul verbringen, erschließt sich mir nicht. Kann auch nicht sagen wohl Paul abgeblieben und untergekommen ist. Ich bin in der Nacht abgehauen und zu Eddi geflüchtet. Durfte sogar bei ihm im Bett schlafen. Am nächsten Morgen konnte ich dann die Partyleichen aus meinem Zimmre vertreiben. Dabei dachte ich abgeschlossen zu haben. Aber egal, nichts passiert, verwüstet, gestohlen oder beschädigt worden.
Noch nie habe ich meinen Bruder so strahlen gesehen wie am Tag danach beim Frühstück. Sara und Paul stehen ihm dabei in nichts nach.

Also rundum eine gute Zeit, und doch fehlt mir was.

Was mir fehlt lässt sich mit drei Buchstaben recht deutlich sagen = SEX.

Es ist schwer in einer WG zu leben wo erstens so viele heiße Schnitten rumrennen und zweitens die noch ein recht aktives Sexleben haben. Also entweder sie haben sich die ersten beiden Wochen zurückgenommen, oder ich war blind.
Gut meine Außen Wahrnehmung lässt zuweilen zu wünschen übrig. Aber sowas von.

Wobei fast nie nehmen sie jemand mit auf ihre Zimmer. Ron übernachtet meist bei seinen ONS, der Rest kehrt meist in der Nacht noch zurück. Aber dann beim Frühstück sich brühwarm von ihren Eroberungen zu erzählen. Allen voran Knud, der wohl echt kein Kostverächter ist. Sein Gegenpol ist Finn, was der eine zu viel macht der andere zu wenig. Doch da traue ich der Rotlocke nicht so ganz. Stille Wasser sind tief, und sein zufriedenes Lächeln bei manchem Frühstück spricht eine ganz offene Sprache. Aber an die Umtriebigkeit von Knud, Ron, Paul und ja selbst Uli kommt er nicht ran. Und der Bär, möchte ich das wissen … brrrrrrrrrrrrrr … ne, möchte ich nicht.
Er kennt die wohl tiefsten Stellen im Keller vom Blackbear. Gruselfaktor hoch Zehn.
Knud und Uli gehen fast immer ins Krönchen, nach den Vorkommnissen mit den Fossas oft in Begleitung von Ron. Der Bär ist auch in seiner Freizeit ausschließlich im Blackbear, sehr selten, wenn er die anderen begleitet und mal woanders hingeht. Finn und Paul wiederum gehen gerne in den größten Szeneschuppen, das Relax, gleichnamig nach so einem Song aus den Achtzigern. Na ja, wem es gefällt.  Aber in allen drei Schuppen kann man jemanden gut abschleppen oder sich abschleppen lassen. Aber ich bin zu verklemmt, ich würde so gerne und traue mich nicht.

Meine Eltern haben ganze Arbeit geleistet. Ausgerechnet Ben hat mir eine Therapie bei seinem Prof angeboten, nie im Leben werde ich die wahrnehmen. Eher platzen mir die Eier.

Ab und an, wenn auch eher selten, übernachtet mal so ein Lover in der Kunterbunt und taucht hin und wieder beim Frühstück auf. Wobei, nur bei Knud und Uli kommt das vor. Der Rest bringt nie jemanden mit.
Der letzte Frühstücksbesuch von Knud war sowas von geht gar nicht. Also er sah geil aus, aber überall Tattoos, und hat sich nur in seiner Buxe an den Frühstückstisch gesetzt.  Gut, Knud macht das auch, aber das ist Knud und der ist hier zu Hause. Und dann fixiert mich dieser Kerl die ganze Zeit und macht eindeutige Gesten. Als Knud sich unser dann erbarmt hat und ihn wieder in sein Zimmer zog, bekam ich die direkte Offerte mitzumachen. Schockstarr ist mir die Semmel runter geplumpst, ich habe diese blöde Bilder nicht mehr aus dem Kopf bekommen wir er Knauf knallt, und mich gleich mit.
Spätestens seit diesem Erlebnis habe ich Druck. Ein Druck der sich nicht länger mit von der Palme wedeln dauerhaft befriedigen lässt.

Aber der Druck muss raus, und heute würde ich gerne mal mitgehen. Immerhin habe ich nach zwei Monaten auch ein wenig Knete zur Verfügung, und muss nicht mehr auf jeden Cent schauen.
Und so stehe ich tatsächlich mit der gesamten WG im Relax, dieses Etablissement bietet den wohl größten gemeinsamen Nenner.

Aber es ist in der Runde echt witzig und wir lassen es krachen. Uli fordert mich zum ersten Tanz auf, da bin ich mal sowas von dabei. Oh Mann, den Dunkelhäutigen liegt es im Blut. Klischee hin oder her, niemand in diesem Schuppen hat solche Bewegungen drauf. Alles ist reine Erotik. Hammer.

Dann löst ihn Bär ab, dem sein Stil ist anders, man traut es dem Koloss nicht zu, doch er kann sich ziemlich toll bewegen. Inzwischen tanzen wir alle, und so wechsle ich durch, bzw. werde durchgewechselt. Knud geht ziemlich auf Tuchfühlung, Ron erlöst mich und bei ihm gibt es kaum Berührungen. Aber ich muss gestehen sein sportlicher Körper ist schon sexy. Mit Paul zu tanzen bringt mich beinahe aus dem Tritt, seine Augen sind so fesselnd. Sein schlanker, drahtiger Körper biegt sich und als dadurch sein Nabel zum Vorschein kommt sammelt sich definitiv mein Blut in der Lendengegend. Was geht denn hier? Und letztlich tanze ich mit Finn. Was am meisten Spaß macht. Wir harmonieren einfach, haben einiges an Körperkontakt und als sein Hintern sich mal kurz an meinen Schritt presst, kann er sicherlich meinen Harten spüren. Doch außer einem fetten Grinsen kommt keine Reaktion, worüber ich schon dankbar bin.

Erschöpft sammle ich mich an der Bar, keine Ahnung wie lange ich getanzt habe. Ich bin total verschwitzt aber es fühlt sich gut an. Ich bestelle mir ein Wasser, da werde ich angesprochen.
„Darf ich dich einladen?“, igitt, der Typ ist schon auf dem ersten Blick widerlich. Gesicht Null-Acht-Fünfzehn, vermutlich Ende Dreißig, schlippriges Seidenhemd in Lachsfarbe, einfach grässlich, Stoffhose mit Buntfalte, ohne Gürtel wohlgemerkt, und Slippers.

Habe ich schon erwähnt das Finn und Knud meine Garderobe bei jeder sich bietenden Gelegenheit aufpeppen.  Auch wenn ich solche Läden nur ungern unterstütze, zum Glück gibt es diese Billigboutiquen im Großformat, so kann man sich für wenig Geld ordentlich eindecken. Und meine Jungs leben mir schon ein gewisses Modeempfinden vor, allen voran Uli. Der Man hat Stil, wenn er ausgeht. Heute ist er auch als Uli unterwegs, und diese hautenge orangene, samtige Stoffhose, wo immer man sowas auch her bekommt, mit den passenden Chucks und dem enganliegenden, weißen Shirt. Hammer.
Paul ist da deutlich individueller, Indie Look, und hat doch Schick, eine ganz andere Art von Stil. Ron ist immer im aktuellen Modetrend, Bär trägt auch heute Lederweste auf weißem Shirt und blauer Jeans, dazu Boots. Knud ist wie immer recht freizügig, er zeigt mehr Haut als Stoff, aber es steht ihm. Und Finn, sein Geschmack kommt meinem am nächsten, oder vielmehr orientiere ich mich ein wenig an ihm. Leger, nicht zu flippig, ein wenig trendig. Der kleine trägt eine weiße Hose die seinen Apfelhintern so richtig betont. Dazu ein Blauweiß gestreiftes Shirt und weiße Sneakers. Er ist echt sexy. Ich hingegen bin da eher noch am mich vorwagen, Skinnyjeans in Schwarz, natürlich mit Gürtel, alle tragen Gürtel, selbst Knud. Schwarze Chucks, und ein rotes Shirt mit einem weiten Ausschnitt, welches an meinem schmalen Körper sehr eng anliegt. Wer hat es mir angedreht, natürlich Knud. Meine blonden Borsten sind ein wenig länger geworden, und unser Künstler ist schier verzweifelt, doch mit einer Unmenge an Wachs hat er sie in Form gebracht. So ein Out of Bed Look, steht mir aber.

Zurück zu dem Typen, dem ich wohl noch immer eine Antwort schulde, „Nein Danke.“. Das muss reichen, tut es aber nicht, denn schon fasst er mich an. Seine Hände sind feucht, bäh, und klebrig. Lass das ich hass das oder dont touch me. Meinen finsteren Blick scheint er nicht zu verstehen, Fluch sei meinem Bambi Aussehen. Ich will mich lösen, doch er klebt an mir wie ein Krake an seiner Beute.
„Komm schon Süßer, ich bin ein Netter.“, hah, wer’s glaubt. Ich blicke schon leicht verzweifelt zur Tanzfläche. Zum Glück kommt mir Finn zur Hilfe, im Gefolge Knud und der Bär. Auch sie brauchen wohl eine Pause.

„Na Jo, alles klar.“, und meine Rotlocke  stellt sich frech zwischen mich und dem Typen. Ich grinse ihn an, „Nun schon!“, schnappe mir mein Wasser und bevor ich auch nur einen Schluck nehmen kann wird es mir von Knud aus der Hand gerissen.
Ich starre ihn nur verdutzt an, doch er ignoriert mich und wendet sich an den Kraken, „Los trink!“, und sein Ton ist alles andere als nett.
„Ist doch nicht meins.“, giftet dieser zurück. Bär zieht Finn und mich ein wenig zur Seite und verspannt sich sichtlich. Olaf hat nie eine Anzeige gestartet, was mich wundert. Doch wenn er wieder ausrastet kann er ernsthafte Probleme bekommen.
„TRINK!“, Knud ist richtig ungehalten.
„Lass mich in Ruhe du Tunte.“, und wusch ist die Krake in ihrem eigentlichen Element, also nass.
Der Typ starrt ihn nur mit großen Augen an, ballt seine Hände zu Fäusten. Doch das Brummen vom Bär gebietet ihm Einhalt. Wobei man Knud nicht unterschätzen darf. Die Tage haben wir auf dem Sofa gerangelt, und ich hatte null Chance. Aber Knud ist eigentlich der Lustigste unter uns, warum nur geht er so ab?
„Verzieh dich, und lass dich bloß nicht nochmals blicken. Sonst bekommst du richtig Ärger.“, nix mit Lustig, Knud ist auf Randale aus. Doch der Typ schluckt nur und verschwindet. Einfach so.
Überrascht sehe ich zu unserem Künstler, „Was?“
Der grinst mich nun wieder an, „Kleiner niemals ein Getränk unbeaufsichtigt lassen. Dein Glück das ich gesehen habe wie er dir was reingemixt hat. Wie ich solche Arschlöcher hasse.“, oh, oh, ein sichtlich wunder Punkt bei Knud. Es jetzt zu zerreden bringt nichts, so umarme ich ihn einfach und hauche ihm ein Küsschen auf die Wange. „Danke.“
„Dafür nicht, ich sehe schon wir müssen dir ein Paar Verhaltensregeln beibringen.“, und dann bekommen ich von ihnen mal eine kurze und prägnante Schulung auf was man besser achten sollte. Junge ist diese Szene gefährlich, und ja ich bin Frischfleisch und ziehe mehr Aufmerksamkeit auf mich, als mir bewusst ist.

Doch Knud wäre nicht Knud, wenn diese ernste Stimmung lange anhalten würde. Nach einem neuen Glas Wasser, und drei Cocktails die es in sich haben geht es schon wieder auf die Tanzfläche.
Und nun begreife ich auch was hier abgeht, sie passen auf mich auf. Mir wird richtig warm ums Herz. Immer tanzt einer mit mir, oder aber zumindest in meiner Nähe. Denn ja, ich habe Verehrer, da sind so einige Blicke die mich anschmachten. Von widerlichen Typen, von welchen die für mich einfach nur uninteressant sind, und von richtig heißen Kerlen. Auf was stehe ich eigentlich? Hmm, ich denke da bin ich nicht wirklich festgelegt. Der Typ muss mir halt einfach gefallen, ob nun in Leder oder Fummel und was es sonst so gibt. Ob ich jede sexuelle Spielart mitmachen würde, daran zweifle ich. Es steht mir auch nicht der Sinn gleich in die Vollen zu gehen, Druck hin oder her. Obwohl, mit dem Richtigen warum nicht. Nur woran erkannt man den Richtigen?
Ich denke man muss ihm vertrauen können.

Einer der scharfen Typen tanzt mich an, kurzerhand hat er Knud abgedrängt. Er ist ein Typ wie Ron, also zumindest ziemlich sportlich und muskulös. Aber noch in dem Rahmen wo es sexy ist. Fesche Frisur, Dreitagebart, blaue Augen und ein ziemlich selbstsicheres Auftreten. Wir tanzen eine Weile, und er lässt sich weder von Paul, Ron oder gar Uli abdrängen.  Der Ehrgeiz imponiert mir, und als ich sein Lächeln erwidere, stellen sich meine Mitbewohner auch nicht mehr dagegen.
„Lust was zu trinken?“, ich nicke ihm zu und wir gehen an eine der Bars. Er bestellt sich ein Bier und mir einen Cocktail. Hat mich wohl schon länger im Blick. Muss ich erwähnen wie sich Ron hinter ihm an die Bar stellt und alles unter Kontrolle hat. Gut ich achte sorgsam auf meinen Drink und wir stoßen an.

Dann kommen wir ins Gespräch, er heißt Lukas, aber alle nennen ihn nur Luke, wegen mir aus. Ich finde Lukas besser. Und er erzählt ziemlich viel über sich, eigentlich nur. Fast so als wollte er mich für sich gewinnen. Hmmm, dazu könnte er mal auch mehr Interesse an mir zeigen. Außer meinem Namen und das ich über Achtzehn bin, weiß er nichts von mir. Und es scheint ihn auch nicht zu interessieren. Wir wechseln von der Bar auf eine frei gewordene Sitzecke, Ron hat uns noch immer im Blick. Zuweilen schon unheimlich mit so einem Wachhund. Immerhin stehen nun auch die anderen bei ihm. Also zumindest Finn und Uli. Knud ist auf der Tanzfläche und auf Tuchfühlung mit einem Twink der ihn anhimmelt. Paul ist schon eine Weile verschwunden, und Bär verschwindet gerade in den Darkroom. Na dann viel Spaß.
„Wollen wir auch?!“, Lukas hat meinem Blick bemerkt und deutet dorthin wo der Bär verschwunden ist. Ja klar will ich Sex, aber doch nicht im Darkroom. „Ähh, also ich würde es gerne langsam angehen.“, nuschle ich verlegen in mein leeres Glas.
Und prompt verliert er seine Contenance, „Du bist aber nicht so eine Prinzessin die man dreimal daten muss um zum Schuss zu kommen!?“.
BITTE?
Da bin ich jetzt mal ganz sprachlos.
„Schau mich nicht so an wie ein Reh im Scheinwerferlicht, man möchte meinen du bist noch ungefickt.“, und nun wird er noch gehässig und ich vor Scham knallrot. Muss der Depp auch gleich ins Schwarze treffen.
„Echt jetzt, du bist noch ne Jungfrau? In deinem Alter. Aus welchem Schrank bist denn du gekrochen. Nix für Ungut, aber mit dir verschwende ich nicht meine Zeit.“ Und weg ist er.
Scheiße, mir ist zum Heulen. Muss gerade echt gegen meine Tränen ankämpfen, und verberge mein Gesicht in meinen Händen. Eine zarte Umarmung lässt mich zusammenschrecken. Finn.

Die kleine Rotlocke sitzt neben mir und hält mich fest. Einfach nur fest.
Ich brauche eine Weile bis ich mich gesammelt habe und mein Entschluss feststeht.
„Ich gehe nach Hause, mir reicht es.“, leicht zitternd erhebe ich mich. Ich suche die anderen und sehe Luke wie er bereits den Nächsten klarmacht. Bastard. Sind die alle so? Na dann gute Nacht.
Finn nickt und zieht mich zur Garderobe, „Ich komme mit, noch drei Bier und Ron wird wieder zur Klette.“ Er schreibt kurz eine Nachricht in die Gruppe, zu der ich nun seit dem Neustart auch gehöre und wir hauen ab.
Arm in Arm laufen wir nach Hause. Auch wenn es ein Stück Weg ist, auf die zu S-Bahn warten haben wir beide keine Lust.
„Danke, dass du mitkommst.“, und drücke ihn an mich, er ist schon knuddelig.
„Immer gerne Jo!“, erwidert er und schmiegt sich an mich.
Allein seine Anwesenheit tröstet mich.
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