Haunted

von Dori
GeschichteDrama / P18
Eric OC (Own Character) Tobias "Four" Eaton
25.10.2019
09.11.2019
4
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„Wir haben einfach alles versucht, aber es gelingt uns nicht. Ich vermute wenn Ihre Körpertemperatur in den nächsten Stunden nicht endlich wieder auf Normalniveau steigt, werden wir Sie verlieren.“ Kilian sah mich eindringlich an. „Irgendetwas müsst ihr doch machen können, haben die Ken nicht eine Technologie, die das wieder in Ordnung bringt?“ Ich wollte Grace nicht einfach so aufgeben und blickte auf das kleine Bündel, das in Decken eingehüllt im Bett lag. „Naja es gäbe da etwas, dass wir noch nicht ausprobiert haben und was auch einfach nicht zu simulieren ist.“ „Verdammt Kilian, dann macht es. Wir müssen Grace retten.“ „Das können wir nicht einfach so machen, wir brauchen dafür etwas, naja eigentlich jemanden“ „Mein Gott Kilian, rede jetzt hier nicht so um den heißen Brei rum, was kann Grace helfen?“ „Körperwärme“ flüsterte ich plötzlich und beantwortete meine Frage damit selbst. „Ja, aber keiner von uns kann das machen. Bisher hat Grace kaum Körperkontakt zugelassen. Der einzige, der Ihr näher gekommen ist, ist Four.“

Der eben erwähnte kam plötzlich in den Raum. „Eric, Kilian“ „Four, was machst du hier?“ „Kilian hat mich gerufen, ich bin hier um Grace zu retten“ Irritiert blickte ich zu Kilian. „Er soll ihr die Körperwärme geben?“ fragte ich. „Komm schon Eric, es geht hier jetzt nicht um die Fehde zwischen uns, wir wollen alle das gleiche, Grace helfen“ So ungern ich es zugab, er hatte recht. Er trat einen Schritt an das Bett heran und zog sich dabei seinen Pulli über den Kopf. Im Anschluss folgte die Hose und die Socken. Nur in einer schwarzen Shorts bekleidet drehte er sich zu Grace Bett um. „Grace, ich komme jetzt zu dir ins Bett, ok?“ „Ja“ ein leises, kaum hörbares Wort, dass in meinem Magen ein ungewohntes Gefühl auslöste. Ich beobachtete Four, wie er die Bettdecke zurückschlug und zu Grace ins Bett stieg. In mir verzog sich etwas und auf meiner Stirn wuchs eine Falte. „Wir sollten die zwei vielleicht allein lassen.“ schlug Kilian vor. „Ich gehe nirgendwo hin“ sprach ich und spannte meinen Kiefer an.

Seit bereits zwei Stunden saß ich hier und beobachtete Four und Grace beim Kuscheln. Er hatte einen Arm um Sie gelegt und sie presste sich nach wie vor an ihn. Mit jeder Minute stieg diese unerklärliche Wut in mir. Kilian war vor einer Stunde zum Temperaturmessen gekommen und tatsächlich schien diese Farce etwas zu bringen. Grace Körpertemperatur stieg und war langsam auf einem fast gesunden Niveau.

Auf einmal vernahm ich ein leises Schnarchen und ich blickte interessiert Richtung Bett. Grace drehte sich langsam auf meine Seite und ich sah, dass nicht sie es war, die schnarchte. „Er fühlt sich scheinbar sehr wohl“ Grace sprach nur leise und blickte mich, mit dem Hauch eines Grinsens im Gesicht, an. „Fühlst du dich denn wohl?“ konnte ich mir die Frage nach Ihrem Wohlergehen nicht verkneifen. Ich erhielt keine Antwort. Nach einigen Sekunden, die sich jedoch wie Stunden anfühlten, spürte ich plötzlich eine Hand auf meinem Bein. Ich blickte erstaunt auf und sah Grace, die ihren Arm so drehte, dass ihre Handfläche oben lag. Vorsichtig, fast als ob ich Sie kaputt machen konnte, legte ich meine Hand in Ihre. „Jetzt fühle ich mich wohl“. Mein Herz setzte für einen Moment aus und ich blickte Grace erstaunt an.

Ein lautes Schnarchen, gepaart mit einem Seufzer, rissen mich aus meiner Trance. Four schien aufzuwachen, denn er regte sich und fing an sich zu strecken. „Man du Schnarchnase“ konnte ich mir einen hämischen Kommentar nicht verkneifen. Four blickte erstaunt auf. „Dann bin ich wohl eingeschlafen“ Er richtete sich auf und blickte auf Grace „Sorry, das war so nicht geplant“ „Danke!“ Sie blickte ihn an und Four lächelte ihr vertraut zu. Nach meinem Geschmack ein klein wenig zu vertraut. Er stand auf und ich verfolgte ein wenig irritiert, wie Grace dem halbnackten Four mit Ihren Blicken folgte. Immerhin besaß Four den Anstand, sich wieder etwas anzuziehen.

Nachdem Kilian bei einer erneuten Messung der Temperatur festgestellt hatte, dass sich Grace Körpertemperatur am unteren Bereich der Norm eingependelt hatte. Direkt im Anschluss lies er uns wieder allein. „Ich weiß, dass ihr mehr von mir wissen wollt“ sagte Grace in die Stille hinein. „Und ich glaube ich bin endlich bereit, euch zu erzählen, was passiert ist“ Four nahm auf seinem angestammten Stuhl platz und wir richteten unsere volle Aufmerksamkeit auf Grace, die ein wenig unwohl in ihrem Bett hin und her rutschte. Ich wagte einen kleinen Vorstoß und hielt Ihr meine Hand hin, sowie sie mir vorhin ihre angeboten hatte. Sie blickte kurz überrascht auf, nahm meine Hand, drückte sie kurz, lies sie dann jedoch wieder los.

„Wir waren auf einer Aufklärungsfahrt. Seb und die anderen drei waren schon seit einiger Zeit verschwunden. Umso vorsichtiger wollten wir vorgehen. Es gab keinerlei Spuren oder Hinweis, wo die Ferox sich aufhielten. Die Anspannung war deswegen bei allen Beteiligten zu spüren. Wir wollten endlich etwas brauchbares liefern. Nach einer kurzen Lagebesprechung deutete ich meinem Team an zu warten. Ich wollte mir einen Überblick verschaffen. Ich ging also um die Ecke und wie aus dem nichts wurde ich von hinten in den Schwitzkasten genommen. Mir wurde ein Tuch auf Mund und Nase gedrückt. Bevor ich ohnmächtig wurde vernahm ich noch ein leises „Du wurdest gewählt. Beweise, dass Du die Auserwählte bist“

Grace atmete schwer ein und aus. Man sah ihr an, wie schwer es ihr fiel, über die Geschehnisse zu sprechen. Als sie aufblickte versuchte ich mich an einem aufmunternden Lächeln. Schließlich sprach sie leise weiter.

„Ich wurde in völliger Dunkelheit wach. Ich konnte mich kaum orientieren. Das einzige was ich hörte waren leise kettengeräusche von weit entfernt und ein unheimliches flüstern. Ich brauchte einige Zeit um den Geruch einzuordnen den ich wahrnahm. Es war Erde. Ich saß in einer kleinen Zelle aus Erde, gerade groß genug um darin zu sitzen und die Arme in alle Richtungen auszustrecken. Verschlossen mit einer Tür aus Holz. Je näher ich an der Tür war, desto klarer wurde das flüstern. Ich flüsterte ein leises Hallo in die Dunkelheit. Schnell stellte sich heraus, dass die anderen Ferox ebenfalls in solchen Zellen gefangen waren. Zu meiner Überraschung gab es auch Gefangene aus anderen Fraktionen. Insgesamt fünfzehn Leute. Seb riet mir, mich möglichst still zu verhalten, die Konsequenzen wären ansonsten sehr gefährlich. Er war bereits stark geschwächt und von ekeligem Husten geplagt. Den anderen ging es ähnlich. Die Leute, die länger dort waren erzählten von Entzug und Dunkelheit, Folter und Kälte.“ Gequält schloss Grace die Augen. Sie schien zu frieren und zog sich ihre Decke enger um den Körper.

„Für eine Ewigkeit passierte dann nichts mehr. Ich wartete in der Dunkelheit, hungernd und frierend. Ich weiß nicht, wie lange ich dort saß und den anderen bei ihren Gesprächen oder beim weinen zuhörte. Selbst als einer der Altruan verstarb kam niemand. Als ich das erste Mal auf die Seeker traf, hatte ich jegliches Gefühl für Zeit verloren. Ich war eingedöst und hatte niemanden kommen gehört. Meine Tür wurde geöffnet und mir wurde ins Gesicht geleuchtet. Ich versuchte mich zu wehren, aber zwei große Gestalten packten mich und zogen mir eine schwarze Haube über. Dann zogen sie mich an den Armen über den Boden, als ich mich schwer machte, schlugen sie mich bewusstlos.“ Grace blickte auf ihre Hände. In mir wuchs die Wut, dass wir nichts für sie und die anderen tun konnten.

„Ich wurde wach und war nackt auf einen Tisch oder eine liege oder sowas gefesselt. Bei dem Versuch mich zu befreien übergossen sie mich mit Eiswasser. Wegen der Haube sah ich nichts. Erst später sprach man zu mir. „Grace, du wurdest gewählt. Beweise, dass du die Auserwählte bist“ Plötzlich schlug etwas auf mich ein. Hart in den Bauch. Auf meine Knie, die Ellenbogen, auch ins Gesicht“ beschämt blickte sie auf die gegenüberliegende Wand.

Four bot ihr seine Hand an, welche Sie nach kurzem zögern ergriff. Noch leiser als zuvor sprach sie weiter

„So ging das eine Ewigkeit weiter, Leute wurden mitgenommen und zurück gebracht, manche kamen nicht wieder. Einige starben in ihren Zellen. Es kamen neue hinzu. Je länger man dort war, desto stärker wurde die Folter. Niemals wurde die Haube abgenommen, nie gesprochen, immer nur dieser eine Satz „Grace, du wurdest gewählt. Beweise, dass du die Auserwählte bist“

„Was ist mit den anderen Ferox passiert? „ fragte Four nach einer kurzen Pause. „Ich bin schuld an Ihrem Tod“ antwortete Grace prompt. „Was, Grace, so ein Quatsch, Du…“ Ich unterbrach Four mit einem Blick. „Was ist passiert?“

„Ich war wieder einmal gefoltert worden, schlimmer und länger als je zuvor. Scheinbar hatten sich die Ketten gelöst. Ich nutzte einen günstigen Moment und versuchte einen meiner Peiniger anzugreifen. Ich scheiterte kläglich, weil ich schwach und unterkühlt war. Ich endete bewusstlos auf dem Boden, der mit meinem Blut getränkt war“ ich sah, wie sie kämpfte nicht zu weinen. Sie atmete tief ein, als ob sie zu ersticken drohte.

„Als ich wach wurde lag ich in einem anderen Raum. „Nimm die Haube ab“ befahl mir eine Stimme. Ich folgte der Anweisung, geblendet von dem grellen Licht kniff ich meine Augen zusammen. Suchte den Raum nach jemandem ab. Das einzige, was ich vorfand, waren die Köpfe der verschwundenen Ferox.“