Er liebt mich oder nicht

OneshotRomanze, Familie / P18 Slash
25.10.2019
25.10.2019
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Dies ist eine Fortsetzung von "Licht und Schatten". Zum besseren Verständnis muss die erste Geschichte nicht unbedingt gelesen werden. Ich weiß, dass einige Fragen offen bleiben werden, ich hoffe ihr verzeiht mir das.

Für denselben, für den ich "Licht und Schatten" geschrieben habe. Ich hoffe es muntert dich ein wenig auf, deine Geschichte online zu sehen.

Er liebt mich oder nicht


Tom wachte vom Geräusch der Regentropfen auf dem Vordach auf. Es war Samstag. Entspannt kuschelte er sich tiefer in seine Decke. Er liebte das Geräusch von Regen. Nach einer Weile warf er blinzelnd einen Blick auf die Uhr. Es war noch viel zu früh, um den Tag zu beginnen. Aber irgendwie war er munter. Schwarze lockige Haare, von einzelnen silbrigen Fäden durchbrochen, lugten aus einem Deckenberg vor ihm hervor. Ein leichtes Lächeln zog seine Mundwinkel unweigerlich nach oben. Vorsichtig zupfte er die Bettdecke zur Seite und schob sich an den warmen Körper vor ihn heran. Zart strich er über die warme nackte Haut, versenkte seine Nase in den lockigen Haaren und atmete tief ein. Tiefe Zufriedenheit durchströmte ihn. Erneut sog er den vertrauten Duft ein.

Olli bewegte sich ein wenig. „Hör auf, das kitzelt“, brummelte er verschlafen. Tom zog Olli noch ein Stück näher an sich heran. Träge ließ er seine Hand über Ollis Haut gleiten und küsste ihn auf die Schulter. Eine Weile döste er noch, streichelte ihn hin und wieder und genoss die entspannte Ruhe. Unbewusst strich er über Ollis Nippel und war fast ein bisschen über dessen Reaktion überrascht. Olli zuckte zusammen, unbeabsichtigt schob er sich damit noch näher an Tom heran und atmete stöhnend ein. Tom lächelte amüsiert und strich frech erneut über den Nippel, nur um dieselbe Reaktion erneut zu provozieren. Ollis vom Schlaf raue Stimme schickte ihm einen wohligen Schauer über den Rücken und ließ seinen Penis zucken.

Vorsichtig schlängelte er seinen anderen Arm unter Ollis Hals durch und strich dann gleichzeitig über beide Nippel. Olli zuckte erneut stöhnend zusammen und drängte seinen nackten Hintern noch näher an Tom heran. Tom war mittlerweile steif. Gemächlich rieb er seine Länge zwischen Ollis Arschbacken und ließ seine Finger immer wieder über dessen Nippel gleiten. Rasch fing er die Hände des Lockenkopfes ab, die sich hinab stehlen wollten, um sich Erleichterung zu verschaffen. Fügsam ließ Olli seine Hände wo sie waren.

Anstatt dessen ließ Tom seine Hand nach unten wandern. Mit einem Finger strich er über die glattrasierten Hoden, die gesamte Länge hinauf zur Spitze. Olli zitterte vor Erregung. Ohne Druck reizte er ihn weiter. Seine eigene Erregung steigerte sich. Das eigene Stöhnen unterdrückend, strich seine Eichel über Ollis Anus. „Oh, bitte“, krächzte dieser gequält. „Oh bitte, was?“, raunte Tom in Ollis Ohr und ließ langsam seine Zungenspitze über den Rand des Ohres gleiten. „Bitte, mach was. Nimm mich“, bettelte er keuchend. „Was machst du, wenn ich jetzt einfach aufstehe und duschen gehen würde?“, fragte Tom provokant und kniff mit seinen Zähnen leicht in das Ohr.

Olli stöhnte gequält. „Ich würde die hübsche Nachbarin von schräg gegenüber vögeln gehen. Die hat mir letztens zugezwinkert“, antwortete er frech. Tom prustete belustigt los. „Frau Müllershausen? Die ist mindestens 80 und weiß, dass du nur meinem Hintern hinterher starrst.“ Olli zog eine gespielte Flunsch. „Glaub mir, die ist ein ganz heißer Feger“, murmelte er in ein langes Stöhnen übergehend, als sich Toms Hand unvermittelt um seinen Schwanz schloss. Mit dem Daumen strich Tom über Ollis Eichel und verteilte die austretende Flüssigkeit über die Spitze. Dann angelte er nach einem Kondom und der Tube Gleitgel auf dem Nachttisch. Es war ein bisschen umständlich, aber schließlich hatte er eine angemessene Menge in seine Hand gedrückt und das Kondom über gerollt.

Vorsichtig stupsten seine glitschigen Finger an Ollis Muskelring, massierten ihn und schlüpften schließlich in die warme Enge. Olli entspannte sich schnell und Tom ersetzte seine Finger durch seinen Penis. Langsam schob er seine Eichel in die gut gedehnte Öffnung. Fast synchron stöhnten sie auf, als er seine gesamte Länge versenkt hatte. „Und? Ist Frau Müllershausen noch immer eine Alternative?“, stöhnte er erregt. Olli bewegte sein Becken ihm entgegen. „Wenn du nicht bald anfängst, frage ich sie demnächst“, drohte er gepresst. Tom zog sich ein Stück zurück und stieß sofort wieder zu. „Untersteh dich! Du gehörst zu mir und ich teile nicht, was ich liebe“, knurrte er und biss, seine Ernsthaftigkeit in dieser Feststellung untermalend, in Ollis Nacken. Er bemerkte nicht, wie Olli kurz starr wurde. Als Einheit bewegten sie sich in einer Spirale der Erregung der Erlösung entgegen. Stöhnend und zuckend, kam Olli und riss Tom mit sich.

Schwer atmend lagen sie da, lauschten dem strömenden Regen. Toms Gedanken wanderten zurück zu einem anderen verregneten Tag, vor unzähligen langen Jahren. „Hast du das Ernst gemeint?“, fragte Olli leise und riss Tom aus seinen Erinnerungen. „Was meinst du?“, fragte er verwirrt zurück. „Dass du nicht teilst, was du liebst“, nuschelte Olli verlegen. Tom wusste nicht, was er antworten sollte. Sie hatten nie darüber geredet. Das mit ihnen war irgendwie einfach passiert. Olli war nach ihrem erneuten Zusammentreffen vor 10 Jahren einfach geblieben. Sie hatten nie definiert, was diese Beziehung für sie war. Für Tom gab es keinen bewussten Zeitpunkt, an dem er sich in Olli verliebt hatte. Nein, insgeheim erwartete sein Unterbewusstsein den Tag, an dem Olli wieder in die weite Welt verschwinden würde. Und solange wollte er das genießen, was sie hatten.

„Noch nie gemerkt, dass ich extrem Besitzergreifend und eifersüchtig bin?“, versuchte er mit einer erzwungenen Leichtigkeit in der Stimme über seine Unsicherheit hinweg zu täuschen. Er hatte Angst seine Gefühle offen zu legen. Damit würde er Olli und seinen Freiheitsdrang einengen und ihn von sich forttreiben. Als er vorhin sagte, dass Olli zu ihm gehören würde, hatte er eindeutig zu wenig Blut im Gehirn gehabt. Das Schweigen zwischen ihnen wurde immer dichter. Schließlich hielt Tom es nicht länger aus. „Wir sollten aufstehen. Ich muss noch einkaufen gehen und nachher kommt Sam vorbei. Sie sagte, sie wollte etwas mit uns besprechen“, murmelte er, als er sich geschäftig aus den Laken wickelte. Ein kurzer Schauer überlief ihn, als er Ollis Wärme verließ und sie sofort vermisste. Er würde nachher die Bettwäsche wechseln müssen, überlegte er als er die Flecken auf den Laken sah.

Das Frühstück verlief genauso schweigsam. Tom fühlte sich unwohl. Er hatte das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben. Olli sprach keinen Ton. Kurz darauf nahm er grußlos seinen Schlüssel und verließ die Wohnung. Die Beklemmung in Toms Brust wuchs weiter. Stand der Abschied kurz bevor? Hatte er durch seine unbedachte Äußerung Olli vertrieben? Ferngesteuert erledigte er den Einkauf, auch wenn er kaum wusste was er da tat. Als es an der Tür klingelte, versuchte er sich zusammen zu reißen. Er setzte ein Lächeln auf, von dem er hoffte, dass es über seine Gedanken hinweg täuschte und öffnete seiner Tochter.

Sam, seine geliebte Prinzessin flog ihm förmlich um den Hals. Sie war eine wunderschöne junge Frau geworden. Seit zwei Jahren war sie mit einem netten jungen Mann verheiratet, der sich von Toms kritischem Blick nicht hatte einschüchtern lassen. Olli hatte Tom ausgelacht und als Glucke bezeichnet, weil er wirklich an jedem von Sams vorherigen Freunden etwas auszusetzen hatte. Aber allein der Gedanke, dass irgendein Arschloch seine Prinzessin verletzen könnte, hatte ihn rot sehen lassen. Fabian war echt in Ordnung. Nicht nur, dass er Sam förmlich auf Händen trug, er hatte sich weder durch Blicke, noch durch dumme Sprüche jemals negativ darüber geäußert, dass Sams Vater mit einem Mann zusammen lebte. Tom war äußerst zufrieden mit Sammys Wahl.

Verstohlen beobachtete er sie, während sie in ihrem Tee rührte. Sie strahlte förmlich und erzählte munter die neuesten Anekdoten von ihren Kollegen. Plötzlich wurde sie ernst. „Papa?“ Unsicher knetete sie ihre Hände. Oha, jetzt kams. Er erinnerte sich wieder, dass sie etwas Wichtiges erzählen wollte. Aufmerksam sah er sie an. „Eigentlich wollte ich warten bis Olli auch da ist. Ich wollte es euch beiden erzählen“, druckste sie herum. „Ich weiß nicht wann er wieder kommt. Magst du mir trotzdem erzählen, was dir auf der Seele brennt?“, fragte er behutsam nach und versuchte sich nicht seine Sorge über Olli anmerken zu lassen. Sams Blick wurde forschend. Er sah ihr an, dass sie nachfragen wollte. „Mach dir keinen Kopf, du kennst ihn und seinen Freiheitsdrang doch“, beschwichtigte er und schämte sich direkt für seine Beinahelüge.

„Also, was wolltest du mir erzählen?“, versuchte er abzulenken. Tom sah an ihrem Blick, dass für sie das Thema noch nicht gegessen war. „Ich hoffe, du wirst nicht sauer sein oder so“, murmelte sie. „Solange du keine Bank ausgeraubt hast und dich demnächst ins Ausland absetzen willst, denke ich wird sich jeglicher Ärger in Grenzen halten“, frotzelte er. Das dünne Lächeln, erreichte kaum ihre Augen. Sie fing an in ihrer Tasche zu wühlen und förderte schließlich zwei Tassen zutage. Langsam drehte sie beide um und schob die Eine zu ihm herüber. Einen Moment brauchte er, bis er den Text über der Karikatur, die anscheinend ihn selbst darstellen sollte, entziffert hatte. „Bester spießigster Opa der Welt“ Bevor er etwas sagen konnte, schob ihm Sam die andere Tasse entgegen. „Und die ist für Olli“, erklärte sie leise. Über einer Karikatur von Olli mit Kamera prangte: „Bester verrücktester Opa der Welt“.

„Ohja. Ich glaube, ich bin sehr sauer“, murmelte er und versuchte die Überraschung zu verdauen. „Ich… Es tut mir leid… Ich wusste nicht, wie ich es dir sagen sollte…“, stammelte Sammy nervös. Sie wich seinem Blick aus. Tom stand auf, zog sie von ihrem Stuhl hoch und direkt in seine Arme. „Und wie sauer ich bin. Mich einfach als Spießer bezeichnen, also wirklich...“, murmelte er in ihr Haar und versuchte die aufsteigenden Freudentränen zu unterdrücken. „Was?“, rief sie empört und löste damit ein glucksendes Lachen in Tom aus. „Ich mache mir Sorgen, wie ich dir sagen soll, dass dein jüngstes Kind dich als erstes zum Opa macht und du regst dich auf, dass auf deiner Tasse ‚Spießer‘ steht? Papa, du bist unmöglich!“ Erbost schlug sie ihm auf den Arm. Liebevoll küsste er sie auf die Stirn. „Ich freue mich für euch. Und ich bin mir sicher, Olli wird sich ebenfalls freuen. Vermutlich wird er alle anderen Tassen weg schmeißen, damit er mich jeden Tag daran erinnern kann, dass ich ein Spießeropa bin“, schmunzelte er. ‚Sofern ich ihn mit meinem halben Liebesgeständnis nicht endgültig vergrault habe‘, ergänzte er den Satz gedanklich.

Kaum saßen sie wieder, ging klappernd die Eingangstür auf. Olli kam herein. Ohne Tom zu begrüßen, ging er an ihm vorbei, drückte Sammy einen begrüßenden Kuss auf die Wange und wandte sich der Kaffeemaschine zu. Tom sank das Herz in die Hosentasche, aber er versuchte sich gegenüber Sam nichts anmerken zu lassen. „Und? Was gibt es Neues bei dir, Prinzessin?“, fragte Olli beiläufig, während er sich Kaffee einschenkte. Sammy stand verschmitzt lächelnd auf und griff sich die Tasse vom Tisch. „Nicht viel, aber ich denke du hast nicht alle Tassen im Schrank, liebster Olli“, flötete sie scheinheilig. Ollis Kopf ruckte empört hoch und wäre fast mit der Tasse kollidiert, die sie ihm vor die Nase hielt. Er brauchte einen Moment bis er den Text verarbeitet hatte. Seine Gesichtszüge entgleisten komplett. „Scheiße, ich werde alt“, flüsterte er entgeistert. Knallte die Kaffeekanne auf die Arbeitsplatte und riss Sammy in seine Arme. „Du wirst die beste Mutter des Universums sein und ich verspreche dir, ich werde der beste verrückteste Opa der Welt sein, auch wenn ich nicht in Deutschland bin“, murmelte er in ihr Haar.

„Und ich bin mir sicher, deine Mutter wäre die stolzeste Oma der Welt gewesen“, flüsterte er kehlig, krampfhaft die aufsteigenden Tränen unterdrückend. Sammy rollte ebenfalls eine Träne über die Wange. „Ich vermisse sie so. Sie ist schon so lange tot, dass ich mich kaum an sie erinnern kann. Wen soll ich denn fragen, wenn ich mit dem Baby nicht weiter weiß? Versprichst du mir, dass ihr meinem Baby ganz viele Geschichten von Mama erzählen werdet?“, fragte sie heiser. „Alles, was du willst, Prinzessin. Wir werden das Kind schon schaukeln“, versprach er. Vorsichtig ließ er sie wieder los. „Ich muss noch ein wenig arbeiten“, entschuldigte er sich. „Aber zum Abendessen bist du noch da oder? Vielleicht solltest du deine Brüder und Fabian anrufen. Solche Neuigkeiten müssen gefeiert werden und dein Vater hat vermutlich ohnehin wieder so viel eingekauft, dass er eine ganze Kompanie verköstigen könnte“, schlug er vor, bevor er sich seinen Kaffee in seine Opa-Tasse umfüllte und den Raum verließ.

Tom und Sammy bereiteten schweigend das Abendessen vor. In der Küche waren sie schon immer ein perfektes Team gewesen, auch wenn sie in ihrer Anfangszeit mehr Chaos als genießbares Essen verursacht hatten. Im Hintergrund dudelte das Radio. „Ist alles in Ordnung zwischen dir und Olli?“, fragte sie unvermittelt. Toms Bewegungen froren augenblicklich ein. Er wollte nicht darüber reden und schon gar nicht mit seiner Prinzessin. Gerade sie sollte sich jetzt keine Sorgen machen. „Ich denke schon, warum fragst du?“, murmelte er beiläufig. Krampfhaft zwang er sich die Möhren in gleichmäßige Stücke zu schneiden. Sanft schob sich ihre schmale Hand über seine und zwang ihn mit seiner Hackerei aufzuhören. Die Möhre war nur noch feine Raspel. „Papa, irgendwas ist doch. Ich bin nicht blöd. Er hat dich nichtmal angesehen, als er vorhin zurück kam. Und wieso erzählt er mir, dass er sich vielleicht nicht in Deutschland aufhält, wenn mein Baby da ist? Hattet ihr Streit?“, bohrte sie nach.

Resigniert ließ Tom seine Hände kraftlos sinken. Er hätte es wissen müssen. Sammy hatte schon immer mehr wahrgenommen, als andere. Es war klar, dass ihr auch die verkrampfte Stimmung zwischen ihm und Olli aufgefallen war. „Ich weiß nicht, was los ist. Heute morgen war noch alles in Ordnung, als wir…“, er verstummte und spürte wie ihm das Blut in den Kopf schoss. „Wehe, du erzählst mir jetzt schlüpfrige Details. Das sind Dinge, die will ich mir bei meinen Eltern nicht im Entferntesten bildlich vorstellen“, drohte sie ebenso errötend. „Sorry“, nuschelte er verlegen grinsend. „Ich fürchte, ich habe etwas gesagt, was ihn in die Enge treibt“, sprach er mühsam seine Angst aus. Still sah ihn Sam an. „Hast du ihn etwa gefragt, ob er dich heiraten will? Ich meine Zeit wärs langsam mal“, stellte sie fest.

Tom schlug die Augen nieder. „Schlimmer, ich fürchte ich habe ihm so mehr oder weniger gesagt, dass ich ihn liebe. Es war im Eifer des Gefechts, aber er hat es trotzdem mitbekommen“, rechtfertigte Tom seinen Fehler. Vielleicht hätte er über Sammys verwirrtes Gesicht und den offen stehenden Mund gelacht, wenn die Situation eine andere wäre. „Wie jetzt? Warum sollte es ihn schockieren, dass du ihn liebst? Ich meine das sieht doch jeder Blinde, dass ihr total ineinander verschossen seid, wie zwei pubertierende Teenager. Du willst mir jetzt nicht ernsthaft glaubhaft machen, dass ihr euch noch nie gesagt habt, dass ihr euch liebt, obwohl ihr seit 10 Jahren aneinander klebt, als hättet ihr Magnete verschluckt?“ Sammy verstand die Welt nicht mehr. Wie konnten zwei erwachsene Menschen nur so bescheuert sein?

„Ach Prinzessin, du verstehst das nicht. Olli ist niemand, den auf Dauer ein Spießerleben glücklich macht. Bevor er zum ersten Mal her kam, war er in der Welt zuhause. Ich bin mir nicht mal sicher ob es irgendein Land gibt, dass er noch nicht gesehen hat. Jedes Mal, wenn ihm irgendwas zu viel wurde, ist er weiter gezogen. Er wollte sich nie durch eine Beziehung binden und in seiner Freiheit einengen lassen. Wenn ich ihm sagen würde, dass ich ihn liebe und für immer in meinem Leben haben möchte, wäre er schneller weg, als ich blinzeln kann. Ich muss nehmen, was er mir bereit ist freiwillig zu geben und es genießen solange ich kann“, schloss er müde seine Erklärung.

„Papa, das kann doch nicht dein Ernst sein! Er liebt dich genauso. Warum sollte er flüchten, nur weil du das Offensichtliche endlich aussprichst?“ Für Sammy ergab diese ganze Erklärung nicht viel Sinn. Im selben Moment entschloss sie sich etwas zu tun. So konnte es auf keinen Fall weiter gehen. Die beiden standen sich so dermaßen selbst im Weg. Es würde sie nicht wundern wenn sie sich trennten, nur weil keiner den Mund auf bekam. Kurzerhand zog sie die heißen Töpfe von den Platten, schnappte die Hand ihres Vaters und zog ihn Richtung Flur. Widerstrebend ließ sich Tom mitzerren. „Sammy, was wird das? Deine Brüder kommen in einer halben Stunde und das Essen ist noch nicht fertig“, protestierte er. Im Flur kam ihnen Olli entgegen. Er wurde ebenso mitgezogen.

Schließlich schob Sammy beide Männer in ihr gemeinsames Schlafzimmer. „Mir egal ob das Essen verkocht, kalt wird oder meine Brüder deswegen verhungern. Ihr beide werdet jetzt reden und zwar miteinander.“ Demonstrativ zog sie den Schlüssel ab und steckte ihn von außen wieder ins Schlüsselloch. „Ich warne euch, bevor ihr das nicht geklärt habt, lass ich euch nicht wieder raus“, drohte sie zornfunkelnd, warf die Tür zu und drehte geräuschvoll den Schlüssel im Schloss um. Zufrieden mit sich selbst machte sie auf dem Absatz kehrt und ignorierte die gedämpften Rufe und das Gepolter an der Tür. „Ignorante Idioten! Ein was sag ich dir, Krümelchen. Deine Onkel und ich haben uns in unseren schlimmsten Teenagerzeiten nicht so dämlich benommen, wie deine beiden Großväter. Und das kann ich dir flüstern, wir waren allesamt keine Engel.“ Weiter vor sich hinschimpfend werkelte sie in der Küche und bereitete den Rest des Essens vor. Anschließend ließ sie nacheinander ihre älteren Brüder und ihren Mann ein. Obwohl sie neugierig war, hielt sie sich tapfer davon ab, heimlich lauschen zu gehen. Auf die Nachfragen der Anderen antwortete sie nur ausweichend mit: „Die müssen was klären.“

***


Perplex starrten Olli und Tom die Schlafzimmertür an. Tom fasste sich als Erster. Rasch versicherte er sich, dass die Tür wirklich verschlossen war. Schließlich hämmerte er mit der Faust an die Tür. „Sam? Das ist nicht lustig. Mach sofort auf! Sam bitte! Das ist doch albern“, rief er laut. Als Bitten offensichtlich nicht half, änderte er seine Taktik. „Samantha, wenn du nicht sofort aufmachst, dann…“ Ollis Lachen unterbrach ihn. „Du willst ihr jetzt aber nicht mit Stubenarrest und Taschengeldentzug drohen oder?“, fragte er kichernd. Resigniert ließ Tom die Hände sinken und lehnte frustriert seine Stirn an das Holz. „Nein. Ach man, war das noch einfach, als sie noch kleiner war“, seufzte er dumpf. „Wirklich?“, gackerte Olli. Tom musste unweigerlich schmunzeln. „Natürlich nicht. Du kennst sie doch. Wenn sie sich etwas in ihren hübschen Kopf gesetzt hat, hat sie es auch durchgezogen. Komme, was wolle.“ Tom drehte sich um und ließ sich mit dem Rücken am Türblatt hinabrutschen. Ächzend streckte er seine Beine aus. Er war wirklich zu alt für diesen Scheiß.

Olli hatte sich inzwischen auf das Fußende des Bettes gesetzt. „Warum hat sie uns eigentlich eingesperrt?“, fragte er in die Stille hinein. „Wir sollen reden“, schnaubte Tom vorwurfsvoll. „Und dafür muss sie uns einsperren? Welches Thema gibt sie uns denn vor?“, fragte Olli. Tom seufzte. „Keine Ahnung“, log er. Was auch immer sich Sammy hiervon versprach, er wollte gerade dieses Thema nicht mit Olli klären. Zu groß war die Angst, dass es dieses wackelige Konstrukt namens Leben, zum Einsturz brachte. Er wusste, dass es feige war. Tief in sich drinnen spürte er, dass ihm sein Leben und seine Liebe wie Wasser durch die Finger rann und er es nicht aufhalten konnte. Ein Zustand, der ihn innerlich schreien ließ. Frustriert vergrub er sein Gesicht in den Händen. Warum nur, hatte er heute Morgen nicht die Klappe halten können? Es könnte alles in bester Ordnung sein, wenn er sein Hirn eingeschalten hätte. Sie könnten jetzt gemütlich in der Küche sitzen, kochen, über Sammys Schwangerschaft reden, sich lustig machen, dass er ein Spießeropa war…

Stattdessen hockte er im Schlafzimmer auf dem Boden und versuchte sein Herz vorm zerspringen zu bewahren. Sie schwiegen. Selbst als es dunkel im Zimmer wurde, machte sich keiner von ihnen die Mühe, das Licht anzuschalten. Was würde er jetzt für eine Zigarette geben. Dummerweise hatte er schon vor Jahren aufgehört. Davon abgesehen, würde ihm vermutlich der Feuermelder um die Ohren fliegen. „Tom? Was genau bin ich für dich?“, fragte Olli plötzlich in die Stille hinein. Augenblicklich stockte sein Herz. Eisig quälte sich sein Blut durch die Adern. Vorsichtig sah er zu Olli hinüber. Das Zwielicht der Dämmerung legte sein Gesicht in Schatten.

„Was meinst du?“, versuchte er Zeit zu schinden. „Was bin ich für dich?“, fragte Olli nachdrücklicher. Kalter Schweiß brach Tom aus allen Poren. ‚Alles!‘, schrien seine Gedanken, aber sein Mund blieb stumm. Ächzend rappelte er sich auf und begann ruhelos durch den Raum zu tigern. Wut stieg in ihm auf. Über diese verfahrene Situation, über seine Unfähigkeit seine Gefühle in Worte zu fassen und seine Angst vor Ollis Reaktion. Plötzlich wirbelte er herum. „Was soll eigentlich die Frage? Was ist los mit dir? Bis heute Morgen war alles wie immer und auf einmal ist der Wurm drin. Du verschwindest wortlos, behandelst mich wie Luft und jetzt stellst du mir seltsame Fragen. Ich frage mich eher, was mit dir los ist“, rief er ärgerlich.

Wortlos sprang Olli auf, wühlte eine Tasche heraus, riss wahllos Schubladen und Schranktüren auf und fing an Klamotten in die Tasche zu stopfen. Tom erstarrte. „Was wird das, wenn es fertig ist?“, fragte er tonlos. „Wonach sieht es denn aus? Ich hab die Nase voll. Ich gehe“, fauchte Olli wütend. „Wieso?“, Toms Stimme versagte fast ihren Dienst. „Wieso? Das fragst du mich allen Ernstes? Ich habe es satt! Dieses ganze Spießerleben, ich habe es so satt. Ich habe es satt, dass du mich nur aus Mitleid hier wohnen lässt. Ich bin doch nicht mehr als ein aufregendes Abenteuer für dich. Nicht mehr als ein Mitbewohner, über den du unverbindlich ab und zu drüber rutschen kannst. Der Bruder deiner verstorbenen Frau, an dem du dein schlechtes Gewissen ausleben kannst. Aber es reicht, endgültig. Ich werde dir nicht länger zur Verfügung stehen.“ Mit hartem Blick schloss er den Reißverschluss.

Toms Herz raste wie nach einem Sprint. „Das kann unmöglich deine ernsthafte Meinung sein“, flüsterte er gebrochen. Olli drehte sich betont langsam zu Tom herum. Innerlich blutete er, war zerschlagen und er wusste nicht wie es weiter gehen sollte. „Doch ist es. Ich habe mein ganzes Leben für dich umgekrempelt. Habe mich mit dieser Vorstadtidylle angefreundet, mich in deine Familie integriert und dir alles gegeben. Und du schaffst es nicht mal mir eine einfache Frage zu beantworten. Du schaffst es nicht mir ehrlich ins Gesicht zu sagen, dass ich nichts für dich bin. Ich will das nicht mehr für mich. Ich will gewollt werden. Ich will, dass mein Partner voll zu mir steht und ich nicht immer Angst haben muss gegen eine Frau ausgetauscht zu werden. Ich will ankommen“, flüsterte er fast unhörbar.

Zum Schluss stand er so nah vor Tom, dass er sich nur vorbeugen musste, um ihn zu berühren. Schmerzhaft war ihm bewusst, wie sehr er diesen Mann liebte. Wie sehr er ihn anzog. Alles in ihm weigerte sich jetzt zu gehen. Aber es musste sein. „Leb‘ wohl, Tom“, hauchte er heiser. Sanft strich er ihm über die Wange, wandte sich ab und nahm seine Tasche vom Bett. Kurz vor der Tür wurde er am Arm herum gerissen. Mit Schwung knallte er mit dem Rücken zuerst an das Türblatt. Im nächsten Moment fühlte er Toms Lippen auf seinen, die ihn verzweifelt küssten. Sein Körper reagierte sofort. Olli ließ die Tasche fallen und erwiderte den Kuss, bevor sein Gehirn wusste, was er da tat. Erst verzögert kam ihm in den Kopf, dass er gerade Schluss gemacht hatte und dass Abschiedsküsse dieser Art nicht dazu gehörten. Es tat ihm fast körperlich weh, den Kopf weg zu drehen. Olli versuchte Tom von sich weg zu schieben, scheiterte aber daran, dass der ihn mit seinem Körper quasi an das Türblatt nagelte.

„Wir sind so bescheuert, weißt du das?“, flüsterte Tom in Ollis Ohr. „Warum hast du nie etwas gesagt? Ich dachte immer, dass du sofort deine Sachen packst, wenn du auch nur ahnen würdest, wie viel du mir bedeutest. Ich wollte dich nicht einengen. Ich hatte Angst, dass du mich dann verlässt und wieder in die weite Welt ziehst. Du bist alles für mich, hörst du? Ich will nicht, dass du gehst. Denn ohne dich, wäre ich nichts. Bitte bleib. Ich liebe dich“, flüsterte er die Worte, die er das letzte Mal vor Ewigkeiten zu seiner Frau gesagt hatte. In einem anderen Leben, das nicht mehr als eine schöne Erinnerung war.

Olli war einen Moment wie betäubt. Sollte er sich so dermaßen getäuscht haben? Verzweifelt schloss er die Augen. Er sah förmlich die Hand, die Tom nach ihm ausstreckte und doch zögerte er, obwohl er ihm alles bot, was er sich wünschte. „Ich habe Angst“, gab er überrascht zu. „Wovor?“, antwortete Tom verwundert. „Davor, dass ich aufwache und es mir das Herz zerreißt, wenn ich erkenne, dass es nur ein Traum war“, sprach er seine Angst aus. „Wenn es ein Traum ist, wie wahrscheinlich ist es dann, dass ich denselben Traum träume?“, fragte Tom zurück.

Dann küsste er Olli, dass dem die Knie weich wurden. „Ich könnte dich alternativ auch kneifen, um dich davon zu überzeugen, dass du wach bist“, keuchte Tom etwas atemlos, nah an Ollis Lippen. „Eigentlich, finde ich die harten Tatsachen schon sehr überzeugend“, schmunzelte der und rieb sich demonstrativ an Toms Erektion, die sich gegen sein Bein drückte. Tom schoss ein Blitz durch den Körper. Krampfhaft versuchte er ein Stöhnen zu unterdrücken und erstickte den Laut an Ollis Hals. „Ich frage mich wie viel Zeit wir haben, bis Sammy Erbarmen mit uns zeigt“, flüsterte er überlegend zwischen knabbernden Küssen an Ollis Kehle.

Olli konnte sich kaum auf eine Antwort konzentrieren. Krampfhaft kratzte er die letzten Reste von Vernunft zusammen. „Meinst du, es ist eine gute Idee Sex zu haben, wenn die Kinder im Haus sind?“, presste er angestrengt heraus. Toms Lachen ließ seinen Körper vibrieren. „Die ‚Kinder‘ sind bereits erwachsen und ein besonderes Kind namens Samantha hat uns erst in diese Situation gebracht. Also sollten sie besser mit dem Ergebnis klar kommen“, nuschelte Tom, während er langsam Ollis Hemd und dann die Hose aufknöpfte. „Du weißt schon, dass ich eigentlich für die Verrücktheiten in dieser Familie verantwortlich bin? Du bist der vernünftige Spießer und nicht das sexhungrige Monster...“, der letzte Teil des Satzes ging in einem unterdrückten Stöhnen unter, als sich Toms Hand unvermittelt um Ollis Schwanz schloss und zweimal kräftig pumpte. Olli ging fast in die Knie.

„Hörst du jetzt endlich auf zu reden oder muss ich dich übers Knie legen und dir deinen hübschen Arsch versohlen?“, knurrte Tom. „Das wagst du nicht“, antwortete Olli und machte sich seinerseits daran, Tom zu entkleiden. Dabei schob er ihn rückwärts zum Bett, bis sie daran stießen. Halbnackt fiel Tom quer auf die Matratze. Olli betrachtete ihn einen Moment. Sie waren älter geworden, doch Tom hatte nichts an seiner Anziehungskraft auf Olli eingebüßt. Er war noch immer schlank. Das diffuse Licht der Straßenlaterne ließ die Schatten auf den Muskeln tanzen. Für einen Moment erinnerte er sich an eine ganz bestimmte Gewitternacht.

Tom streckte sich und wollte vorsorglich nach dem Gleitgel und einem Kondom angeln. „Willst du nur gucken oder auch anfassen?“, fragte er, ohne zu Olli zu sehen. Die Matratze senkte sich urplötzlich und Olli war über ihm. „Lass den Gummi weg. Ich hab mich vor Jahren testen lassen und war seitdem nur noch mit dir zusammen. Ich bin sauber“, flüsterte er ein wenig verlegen. Tom ließ sich kraftlos auf den Rücken sinken. Für einen Moment war er überwältigt. Er hatte dieses Thema in seinem Kopf bewusst ausgeklammert. Aber eigentlich war er davon ausgegangen, dass er nicht der einzige Mann war, mit dem Olli Sex hatte. Ein Knoten, von dem er nichtmal richtig wusste, dass er da gewesen war, löste sich in seinem Bauch.

Ein warmes Gefühl machte sich breit, überflutete ihn und ließ sein Herz fast zerspringen. „Leck mich am Arsch, ich liebe dich“, murmelte er überwältigt von seinen eigenen Gefühlen. Er zog Olli zu sich herunter und küsste ihn mit einer Leidenschaft, die beide überraschte. Ihre Zungen tanzten feurig umeinander. Umspielten sich und fochten einen liebevollen Kampf miteinander. Olli rieb sich an Tom, dessen Schwanz mittlerweile so steif war, dass es schon fast schmerzte. Fahrig schob er Ollis Hose und Slip so weit über seinen Hintern, wie seine Arme reichten. Es war einfach nicht genug.

Olli zog eine feuchte Spur über Toms Oberkörper nach unten. Nebenbei streifte er seine Hose ab und arbeitete sich an Toms Hosenbund entlang und zog sie stückweise nach unten, gefolgt von seinen Lippen und seiner Zunge. Eigentlich hatte er keine Geduld für ausgedehnte Spielchen und doch wollte er ihn mit allen Sinnen genießen. Toms unterdrücktes Stöhnen ließ ihn schmunzeln. „Lass mich dich hören“, bat er. „Nein, wenn die Kinder uns hören...“, antwortete Tom fast wimmernd. „Dann kommen sie wenigstens nicht auf die Idee uns genau jetzt zu befreien“, murmelte Olli mehr zu sich selbst, bevor er die Lippen um Toms Eichel schloss. „Wie ernst war es dir eigentlich mit ‚Leck mich am Arsch‘?“, nuschelte er, als er gerade seine Zunge über Toms Schaft gleiten ließ.

Tom hatte sich mittlerweile ein Kopfkissen gegriffen und versuchte im Stoff sein Stöhnen zu dämpfen. Dieser verrückte Kerl wusste ganz genau, was er mit seinem Körper anstellen musste, um ihn Sterne sehen zu lassen. Ollis Frage bekam er gar nicht richtig mit, zu sehr war er darauf konzentriert, nicht sofort zu kommen.

Olli hatte seine Lippen durch seine Hände ersetzt. Seine eigene Erregung versuchte er gekonnt zu verdrängen und konzentrierte sich nur auf Tom. An dessen Hoden hielt er sich nicht sehr lange auf. Sein Ziel lag weiter hinten und solange Tom sich nicht eindeutig dagegen wehrte, würde er heute weiteres Neuland für ihn erschließen. Mit der Zunge tastete er sich an Toms Damm entlang, bis er schließlich auf den festen Ringmuskel traf. Forsch stupste er ihn mit der Zungenspitze an und strich sofort beruhigend darüber.

Tom versteifte sich augenblicklich, als er bemerkte, was Olli mit ihm tat. Fahrig riss er sich das Kopfkissen vom Gesicht und versuchte seine aufgestellten Beine zusammen zu drücken. „Nicht! Du musst das nicht tun. Schlaf einfach ganz normal mit mir“, bat er flehend. Olli hielt ihn fest. „Ich will es aber tun. Es ist nichts dabei und für mich ist es genauso normal wie mit dir zu schlafen oder dir einen zu blasen. Vertrau mir. Ich höre sofort auf, wenn es dir nicht gefällt“, bat Olli. Tom kämpfte mit sich. Er übertrat eine Grenze, vor der er sich selbst gewissermaßen ekelte. Aber hatte er sich nicht auch bei dem Gedanken ein wenig geekelt mit einem Mann zu schlafen? „Versprochen?“, fragte vorsichtig. Olli sah ihm tief in die Augen, ohne zu blinzeln. „Versprochen“, bestätigte er.

Einen Moment hielt er noch den Blickkontakt, dann fing er an Toms Oberschenkelinnenseite zu küssen. Er wusste, er durfte das hier jetzt genauso wenig versauen, wie er alles Neue nicht versauen durfte. Erst als Tom sich entspannte, nahm er einen neuen Anlauf. Sanft massierte er den zuckenden Muskelring, umkreiste ihn und stupste immer wieder dagegen. Bis sich Tom so weit entspannte, dass er mit der Zungenspitze ein Stück in ihn eindringen konnte.

Schon längst hatte sich Tom wieder das Kopfkissen übers Gesicht gedrückt. Krampfhaft krallten sich seine Finger in den Stoff. Erregung wie ein endloses Feuerwerk pulsierte durch seinen Körper im Takt mit Ollis Zunge. Fast schon frustriert stöhnte er auf, als Ollis Zunge verschwand. Sogleich wurde die Zunge durch zwei Finger ersetzt, während sich Ollis Mund über Toms Schwanz her machte. Es war fast zu viel. Hastig griff Tom in Ollis wilde Locken und hielt ihn fest. „Hör auf, ich kann gleich nicht mehr“, flüsterte er abgehackt nach Luft schnappend.

Olli schob sich über Tom. Zart strich seine Spitze über Toms butterweichen Eingang und tauchte in ihn hinein. Sie stöhnten beide auf, zu intensiv war das pure Gefühl von ungestörtem Hautkontakt. „Verdammt, das hätten wir schon viel früher haben können“, seufzte Tom und war sich selbst nicht sicher ob er das fehlende Kondom oder die Sache meinte, die Olli mit ihm gemacht hatte. Vorsichtig bewegte sich Olli. Spucke war nicht gerade das ideale Gleitmittel. Aber gerade diese minimalen vorsichtigen Bewegungen ließen sie beide intensiver, als jemals zuvor fühlen.

Ihr beider Höhepunkt überrollte sie wie eine große sanft dahingleitende Woge, trug sie hinfort wie ein Blatt im Wind. Olli blieb auf und in Tom liegen. Er spürte den Emotionen in sich nach. Endlich fühlte er sich angekommen.

„Nordkorea“, murmelte er irgendwann in die Dunkelheit. „Was?“ Irritiert sah Tom ihn an. „Ich war noch nie in Nordkorea. Und einige afrikanische Länder und ein paar Inselstaaten im Pazifik habe ich noch nie gesehen. Ich habe dein Gespräch vorhin zum Teil mitgehört“, beichtete er verlegen. Tom lachte dunkel. „Du bist wirklich unglaublich...“ Plötzlich schraken sie durch einen Knall hoch.

***


Sie hatten mittlerweile gegessen, aufgeräumt und saßen nun gemütlich beisammen im Wohnzimmer. „Ich glaub, ich geh mal gucken ob ich sie wieder raus lassen kann“, überlegte Sammy laut. Sie hatte den anderen erzählt, dass sie Olli und ihren Vater eingesperrt hatte, damit sie sich aussprechen. Es hatte für einiges Amüsement gesorgt, aber auch für Sorge. Keiner von ihnen konnte und wollte sich eine Trennung der beiden vorstellen.

Leise schlich Sammy durch den dunklen Flur. Lauschte. Schließlich drehte sie leise den Schlüssel im Schloss um. Im Zimmer war es dunkel, bis auf einen Lichtstreifen, den die Straßenlaterne vorm Haus warf. ‚Waren die beiden etwa eingeschlafen?‘, fragte sie sich amüsiert. Die Tür ging nicht weiter auf. Irgendetwas lag auf der anderen Seite. Und dann wünschte Sammy sich spontan, dass sie vorher geklopft hätte. Durch den Türspalt sah sie ihren Vater und Olli. Eng umschlungen und nackt! Krachend zog sie die Tür zu und floh zurück ins Wohnzimmer.

Ihre Gesichtsfarbe wechselte von leuchtend rot zu kalkweiß und zurück. „Scheiße, scheiße, scheiße...“, murmelte sie hinter ihren Händen, die sie vors Gesicht geschlagen hatte. Besorgt legte Fabian ihr den Arm um die Schultern. „Schatz, was hast du? Ist alles in Ordnung mit den beiden?“, fragte er besorgt. „Ich glaub, ich brauche einen Schnaps oder vielleicht könnte mir jemand alternativ die Augen mit Seife auswaschen“, stöhnte Sam verzweifelt. Dieses Bild hatte sich unwiderruflich in ihre Netzhaut eingebrannt. „Schatz, denk an das Baby, du kannst doch unmöglich Alkohol trinken wollen!“, empörte sich Fabian. „Will ich auch nicht, aber es gibt Dinge, die kann man nur mit Alkohol vergessen“, nuschelte sie dumpf.

Während Fabian und Tobias die Fragezeichen förmlich im Gesicht standen, hatte ihr ältester Bruder eine Idee, was sie so aus der Bahn geworfen hatte. Unweigerlich musste er grinsen. Das Grinsen vertiefte sich, als zwei etwas zerzauste Gestalten den Raum betraten. Nick konnte sich nicht mehr halten und fing schallend an zu lachen. Tom wusste nicht ob er lieber im Boden versinken sollte oder es mit stur an die Wand starren versuchen wollte. Olli grinste nur.

„Also liebstes Schwesterlein“, flötete Nick übermütig. „Es gibt Bienchen und Blümchen. Manchmal, wenn sich zwei Bienchen ganz dolle lieb haben...“ Nick duckte sich schnell, als ein großes Kissen durch den Raum auf ihn zuflog. „Ach halt die Klappe, Blödmann“, fauchte Sam mit noch immer rotem Gesicht. „Du solltest sie öfter in Verlegenheit bringen, Paps. Rot steht Samantha ungemein gut“, zog Nick seine kleine Schwester weiter auf. „Ich bring dich gleich in Verlegenheit“, grummelte Sam wütend, beruhigte sich aber, als Nick ihr einen lieb gemeinten Luftkuss zuwarf.

Nicks Witzelei hatte dem Moment seine Peinlichkeit genommen. Tom holte Gläser und Getränke. „Ich finde, wir sollten auf Sams und Fabians Baby anstoßen und darauf, dass sie uns zu stolzen Großvätern machen“, schlug er vor. Sie hatten kaum getrunken, da warf Sam ein: „Wenn wir schon dabei sind. Dann trinken wir auch gleich darauf, dass Papa und Olli endlich eine richtige Beziehung führen.“ „Wurde ja auch Zeit, nach 10 Jahren“, murmelte Tobias hinter seinem Glas. Nicks Augen sprühten schon wieder vor Übermut. „Tja, wenn alles bei euch so rasend schnell geht, dann haben wir wohl mindestens 20 Jahre Zeit, um eure Hochzeit zu planen. Nur, dass Sams Kind dann leider schon zu alt ist, um die Blumen zu streuen. Naja vielleicht gibt es dann schon Urenkel“, warf Nick trocken ein.

Es wurde noch ein sehr lustiger Abend. Auch wenn Tom absolut keinen Spruch mehr vertragen konnte, der darauf anspielte wie lange er und Olli gebraucht hatten, um das Offensichtliche zu kapieren. „Würdest du denn nochmal heiraten wollen?“, fragte Olli, als sie endlich im Bett lagen. „Jederzeit, wenn du es auch wollen würdest“, antwortete Tom, ohne zu überlegen. Olli drehte sich auf die Seite, so dass sie sich ansehen konnten. „Also, wenn ich dich fragen würde, ob du mich heiraten willst, würdest du ‚Ja‘ sagen?“, fragte Olli und ließ es eher wie eine Feststellung klingen. Toms Herz machte einen kleinen freudigen Hüpfer. „Ich hätte mir einen Heiratsantrag jetzt vielleicht ein klein wenig romantischer vorgestellt… Aber Ja, ich will dich heiraten“, antwortete er, bedeutsam jedes Wort betonend.

Ollis Augen wurden vor Überraschung eine Spur größer. Seine Gedanken wirbelten wild durcheinander und stoppten abrupt, als Tom seine Antwort mit einem Kuss besiegelte, der keine Frage offen ließ. Plötzlich musste Olli lachen. „Wie hätte der überaus romantische Antrag denn für dich ausgesehen? Ein Formular zum Ankreuzen mit Herzchen umrandet?“, gackerte er albern. „Ach halt die Klappe und küss mich, du verrückter Kerl“, brummte Tom. „Ich liebe dich“, murmelte Olli und kam der Aufforderung seines Lieblingsspießers nach.

ENDE