Wir sind beide Kämpfer (Teil 1 - Kämpferherz)

von KiwiMaus
GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Die deutsche Nationalmannschaft FC Bayern München
24.10.2019
05.11.2019
13
70.133
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25.10.2019 4.608
 
Hallo Meine Lieben, Hier kommt auch schon das zweite Kapitel, wie versprochen :) Ich hoffe es gefällt euch! Liebe Grüße die Kiwi ps: ich bin, wie immer, gespannt aufs feedback... bis morgen :-*
Als ich realisierte, was ich hier gerade tat, stieß ich Leon erst einmal erschrocken von mir. „Was?!“, entsetzt schaute Leon mich an. „Ich… ich küsse nicht… also… normal küsse ich nicht!“, ich schaute auf den Boden und kaute wieder auf meiner Unterlippe herum. Völlig verunsichert, ob ich den Abend jetzt irgendwie ruiniert hatte. Ich mein… klar, dass hier war kein Date. Doch irgendwie… irgendwie wollte ich mich zumindest so fühlen. Ich hatte noch nie ein Date gehabt. Oder einen Freund. Und außer meiner Mutter hatte ich auch noch nie jemand geliebt oder war jemandem wichtig gewesen. Scheiße man, mir kamen fast die Tränen, als Leon im nächsten Moment sanft mit einer Hand mein Kinn umfasste und mich so behutsam zwang, ihm in die Augen zu schauen. „Wieso?“, Leon strich mit dem Daumen an meiner Unterlippe entlang, damit ich diese aus meinen Zähnen entließ. „Wieso was?“, fragte ich matt zurück. Ich fühlte mich mit einem mal völlig ausgelaugt. „Wieso küsst du nicht?“, präzisierte Leon seine Frage. „Weil… weil…“, gefrustet ballte ich meine Hand zur Faust. „Weil küssen unweigerlich in Gefühlen endet und die kann ich nicht gebrauchen. Ich meine… ich… ich kann nicht einmal verstehen wieso du mich unbedingt mitnehmen wolltest…“, ich presste die Zähne stark aufeinander damit bloß keine Träne an meine Augenwinkel gelangte. „Weil…“, nun sah Leon durch die große Glasfront in die Nacht. „Weil ich… dich mag - vielleicht?“, er schaute mich an, unsicher. „Du kennst mich doch kaum“, schnauzte ich ihn an. Ich meinte, merkte der nicht, dass das völlig dämlich war was er da sagte? Leon atmete tief durch. „Ich“, er stockte. „Ich hab dich heute Abend nicht das erste Mal gesehen…“, offenbarte er mir dann. Ich sprang auf. „Scheiße, bist du nen Stalker oder was?“ Ich trat drei Schritte nach hinten und noch einen als Leon sich erhob. „Das… das ist doch völlig krank...“, ich begriff das nicht. Was passierte hier? Er hatte mich schon vorher gesehen? Das war völlig unmöglich. Das Auto hatte ich noch an keinem anderen Abend gesehen und sonst hatte sich auch niemand so angestellt wie er. Und mit so einem teuren Auto verirrte sich auch eher selten jemand auf den Straßenstrich. Es sei denn es war eine PS-starke Amikarre und der Kerl hinterm Steuer irgendein Zuhälter. Von mir ließen sie aus bekannten Gründen lieber die Finger und „boten“ mir lieber nicht ihren Schutz gegen mein komplettes Gehalt an. Da hatten sie zu viel Angst sich anzustecken – die Ratten. Von wem sie das wussten war mir nicht klar und ich war auch mit Sicherheit nicht der einzige. Ich konnte mich außerdem gut selbst schützen und mit Drogen konnte die mich auch nicht locken. Noch nicht… noch war ich stark genug um auch rauere Gangarten von Freiern wegzustecken.
Leon blieb wie eine Salzsäule stehen. „Nein, ich… bin ich nicht“, er sah mich scheu an, seine Schultern sackten nach unten. „Was dann?“, ich ging noch einen Schritt weiter nach Hinten. „Hörst du mir bitte erst zu?“, fragte Leon mich mit flehendem Unterton. Störrisch hob ich mein Kinn an. „Du hast fünf Minuten dann bin ich weg“, ging ich auf seine Bitte ein und wusste nicht wieso. Die Erfahrung sagte mir, dass ich lieber schnell meine Beine in die Hand nehmen sollte, wenn etwas komisch wurde. „Ich hab dich vor… vor zirka zwei Wochen das erste Mal gesehen. In der Jugendeinrichtung, wo diese Sozialarbeiterin mit den roten Dreads arbeitet“, er knetete wieder auf seinen Händen rum. „Du warst gerade dabei zu verschwinden. Hast versucht jedem auszuweichen und schnell weg zu kommen… Ich denke, das war weil…“, er schluckte. „…Weil da Journalisten waren und so…erinnerst du dich?“, erkundigte er sich bei mir.
Ich runzelte dann die Stirn und nickte. Damals sollten dort ein paar Spieler vom FC Bayern München auftauchen. Die hatten für irgendwas nen Batzen Geld gespendet und wollten sich dann im Blitzlichtgewitter sonnen. Reiche Säcke, die vermutlich eh nur ihr wöchentliches Taschengeld gespendet hatten. Leon atmete laut aus, als müsste er sich für einen Kampf wappnen oder so. „Gut… das…. Okay… weißt du weshalb die Journalisten da waren?“, fragte er weiter nach. Wieder nickte ich nur. „Also… ich“, er ging wieder einen Schritt auf mich zu, weshalb ich weiter nach hinten auswich und er frustriert aufschnaufte. Ich bemerkte währenddessen, dass ich an der Wand hinter mir angelangt war. „Ich war einer von den…“, ich unterbrach ihn. „Von den Journalisten?“. Er schüttelte den Kopf. „Ich bin einer der…. Ich bin Profifußballer. Ich war einer von den Spielern, die für die Jugendeinrichtung gespendet haben. Ich, und noch vier weitere. Manu hat uns drauf gebracht. Also N…“, wieder fiel ich ihm ins Wort. „Ich weiß wer Manuel Neuer ist. Ich leb nicht hinterm Mond. Auch wenn ich andere Prioritäten habe als…. Moment, was hast du gesagt?!“, entsetzt fiel mir auf, welche Info er mir gerade um die Ohren geschmissen hatte. „Scheiße!“, ich wurde etwas blass und musste mich setzen. Ließ mich einfach an der Wand runter auf den Boden sinken.
„Du…“, ich blickte ihn vermutlich gerade an wie ein Reh im Scheinwerferlicht und fühlte mich auch so. „Ich bin Fußballer…“, jetzt wo ich saß schien Leon kurzzeitig entspannter. „und als ich dich da gesehen habe… du hast mir… optisch gut gefallen. Ich hatte dich schon gesehen, bevor du die Einrichtung fluchtartig verlassen hattest. Du hattest dir von… ich glaub Maja hieß sie… ne Zahnbürste und so nen Kram geben lassen. Ihr standet in der Küche. Du hast gelacht und ihr habt über irgendwas ziemlich ausgelassen geredet“, nun sprach er wie ein Wasserfall und ließ sich ebenfalls neben der Couch auf dem Boden nieder. Und die Frau hieß Manja, nicht Maja. Ich mochte Manja. Sie nervte nicht und tat nie überbesorgt oder so. Sie war auch die einzige die wusste was los war und mich nicht versuchte zu meinem Schutz von der Straße zu holen und einzusperren.
„Naja, als du dann weg warst habe ich versucht was über dich heraus zu finden“, jetzt schaute er fast leidend. Wäre das Ganze nicht so krank wäre sein Verhalten fast süß. „Maja…“ „Manja!“, unterbrach ich ihn. „Sie heißt Manja“. Er runzelte die Stirn. „Ist Manja nicht nen Männername“, verwirrt schüttelte ich den Kopf. „Ist das nicht völlig egal?“ Leon nickte abwesend. „Naja, ManJA“, er betonte den Namen diesmal absichtlich richtig. „… hat mir dann gesagt was… was du machst… hat  mir auch von ein paar anderen erzählt…“, nervös fuhr er sich durch die Haare. „Ich… ich bin dann die nächsten Tage, wenn ich Zeit hatte die Plätze abgefahren, welche man so im Netz erfährt“, nun zog er sich richtig an einem Büschel seines lockigen Deckhaares als sei er verzweifelt. „Ich hab dich dann vor drei Tagen in der Nähe vom Hauptbahnhof am Kältebus gesehen mit so nem Kerl. Sah aus wie nen Rocker“, er sprach von Eric. Ich hatte ihn zufällig getroffen und gefragt wann er wieder Haare schnitt. Die letzten Termine hatte ich verpasst und mein Haar war echt zu lang geworden.
Ich wedelte mit der Hand, damit er weiterredete. Wenn, wollte ich nun auch die ganze Geschichte hören. „Ich…“, resigniert redete er weiter. „ – um eins vorweg zu nehmen – ich weiß wie Psycho das alles klingt. Aber du…“, jetzt wuschelte er sich wieder durch die Haare, was ich scheiße fand. Ich wollte ihn jetzt kacke finden und nicht heiß.  Er redete weiter. „ich weiß auch nicht… ich hab das nicht so oft, dass ich nen Typen interessant genug finde um überhaupt nen weiteren Blick zu riskieren. Der Fußball ist mir zu wichtig. Das ist mein Leben. Ich wollte nie mehr. Schon als Kind habe ich mehr trainiert als alle anderen… und naja, du… du bist der erste Kerl über den ich überhaupt etwas herausfinden wollte. Den ich kennenlernen wollte“, er schluckte. „ Ich bin dir dann vom Kältebus bis zur Zamdorfer Straße gefolgt“, nun erhob er sich, setzte sich aber sofort wieder auf die Lehne der Couch. „Ich hab da die letzten Abende danach immer hin und hab in einer Seitengasse gewartet und naja, mich selbst kasteit. War scheiße zu sehen, dass du mit den ganzen Typen…“, er brach ab. „Deswegen dachte ich, wenn ich dich… buche… sagt man das so?“, er runzelte die Stirn. Schien aber zu sehr in Gedanken, als das er eine Antwort zu erwarten schien.
„Also ich dachte, wenn ich dich zum Reden oder so mitnehm´… ich mein, reicht doch schon, dass diese ganzen schmierigen Typen nur das eine wollen“, er schaute mich wieder ganz genau an. „Ich wollte nicht auch so sein. Ich find dich scharf und so aber ich will nicht sein wie diese Männer da draußen, die ihren gesamte Frust an dir und den anderen Jungs da auslassen…“. Eigentlich wollte ich das alles da gar nicht so genau hören. Die Hoffnung keimte auf und das war gefährlich. Er boxte auf die Sofalehne neben sich. „Scheiße man… klar will ich mit dir schlafen, aber… verdammt, das ist alles so kompliziert“, gerade wollte er sich wieder durch die Haare fahren. „Mach das nicht, das ist mies“, bat ich ihn. Irritiert schaute er mich an. „Was?!“ „Na, geh dir nicht immer mit der Hand durch die Haare. Das ist irritierend und…“, ich senkte meine Stimme. „heiß und frustrierend…“, ich guckte aus dem Fenster. Schaute dem Blinken des Olympiaturms zu, auf welchen man am Tag bestimmt direkte Sicht hatte.
Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Leon sich erhob und zu mir rüber kam. Ich blieb einfach sitzen. Das ganze hatte mich geschafft und mal ehrlich, der Typ war so gefährlich wie nen Hundewelpe. Zumindest was berechenbare Gefahr anging. Über die Gefahr für mein Herz dachte ich gar nicht erst nach. Ich hatte auch schon anderes überlebt als ein gebrochenes Herz. Und auch grundsätzlich konnte man das, was ich tat eh nicht leben nennen – ich überlebte.
Leon ließ sich neben mir wieder zu Boden sinken. „Ich kann verstehen, wenn du jetzt abhaust…“. Ich schaute zu Leon und stieß mit meinem Knie an seins. „Keine Panik, dazu bin ich längst zu müde und zu kalt ist mir draußen auch.“, verschmitzt zwinkerte ich ihm zu. Völlig entspannt war ich noch nicht aber zumindest konnte ich ihn etwas verstehen. Nachdem er mir nun die Beichte abgelegt hatte.
„Kommst du mir blöd, kastrier ich dich!“, sein entsetzter Blick war zum schießen. „Naja, ohne Eier läufts sich schlechter hab ich gehört. Und wo du sie doch gerade heute Abend erst wiedergefunden hast!“ Empört schaute er mich an. „Naja, hättest mich auch schon an einem anderen Tag ansprechen können…“
„Wärst du mitgekommen?“, stellte er die Gegenfrage. Ich schüttelte den Kopf. „Vermutlich nicht! Waren gute Geschäfte die letzten Tage!“ Leon schaut als habe er in Scheiße gefasst. „Was? Ich bin auf die Einnahmen angewiesen!“, entfuhr es mir. „Vermutlich mehr als jeder andere da draußen“, setzte ich leise hinterher. „Was meinst du?“, fragte Leon vorsichtig nach. „Ich… sagen wir so, einige kämpfen da draußen mehr und einige weniger und ich kämpfe um mein Überleben.“ Bitterkeit erfasste mich. „mir fehlen noch 470€ bis zum 17. Oktober.“ – Wieso erzählte ich ihm das überhaupt? „Wofür?“, erkundigte er sich. „Für Schutzgeld oder so?“, hakte er nach, als ich nicht antwortete. „Nein, Medikamente!“
Leon drehte sich zu mir. „Medikamente?“, er schien besorgt. „Was für Medikamente?“, ich blickte auf. „Ich… will nicht drüber reden… Noch nicht, okay?!“, ich legte meinen Kopf in den Nacken und krachte an die Wand hinter mir. Schmerzerfüllt strich ich mir über den Schädel. „Ich…“, setzte er an, dann nickte er. „Okay!“ „Danke, denn ich bin müde und will eigentlich nicht mehr reden!“, sprach ich. „Ich wollte einen tollen Abend und habs selbst versaut und… mit ziemlicher Sicherheit habe ich mit dir heute Abend mehr geredet als mit jedem anderen Menschen die letzten 3 Jahre“, ich stockte. „Eine Frage hätte ich noch!“, sagte Leon leise. Ich schaute ihn an. „Auf eine Frage kommts wohl nicht mehr an, oder?...schieß los!“, forderte ich ihn auf. „Wie alt bist du?“ Okay, auf die Frage hatte ich längst gewartet. „17!“, deprimiert stöhnte Leon auf. „Wäre cool, wenn du wegen was anderem stöhnen würdest und nicht wegen meinem Alter“, warf ich ein. „Ich kann zum Beispiel gut blasen, da darfst du dann gerne stöhnen. Aber mit mehr Enthusiasmus dann bitte“, feixend schaute ich zu ihm. „Alter!“, erschüttert schaute er zurück. „Nimm mich nicht immer so ernst, Sarkasmus bucht man bei mir gratis dazu…“, klärte ich ihn auf. Meine Stimme wurde dabei sanfter. Machte eh keinen Sinn mehr. Ich mochte Leon, trotz allem. Und ich wollte mir Hoffnungen machen. Auch wenn ich insgeheim wusste, dass es mich zerstören würde.
Leon erhob sich und hielt mir eine Hand hin. Ich ergriff sie. „Du kannst übrigens auch im Gästezimmer schlafen“, bot er an. Seine Augen huschten dabei unruhig durch den Raum, als wollte er eigentlich noch etwas anderes sagen. Ich griff ihm in den Nacken und zog ihn näher an mich. Unsere Lippen waren nur noch eine Handbreit voneinander entfernt. „Und du hast nichts versaut“, flüsterte Leon, bevor er mich noch einmal - diesmal wesentlich zurückhaltender küsste. Ich spürte in mich hinein. Konnte ich das? Wollte ich das? Ihm nahe sein? Ja! Ihn küssen? Machte das noch einen Unterschied? Nein verdammt! Ich steckte eh schon viel zu sehr drin.
Nachdem ich das gedanklich für mich klar gekriegt hatte entspannte ich mich und erwiderte den Kuss mit zunehmender Begeisterung. Leons Zunge strich sanft an meiner Lippe entlang und ich öffnete den Mund um den Eindringling willkommen zu heißen. Gefühlvoll umspielten sich unsere Zungen. Stupsten einander an, schienen einen kleinen Kampf auszufechten, bei dem es am Ende keinen Gewinner geben würde. Für einen Augenblick öffnete ich meine Augen, welche mir gleich zu Anfang des Kusses zugefallen waren. Ich wollte, nein…musste sehen, dass Leon die Sache mit genauso viel Gefühl anging wie ich. Seine Augen waren geschlossen. Also tat ich das Selbe und meine Lichter gingen wieder zu.
Gefühlte Stunden später lösten wir uns voneinander. Ein leises Seufzen entfuhr Leon und auch ich empfand bedauern, doch mussten wir etwas mehr Luft holen, als es beim Küssen möglich war. Leon nahm meine Hand und führte mich den Flur hinunter. Er öffnete die Tür gegenüber vom Bad und trat ein. Leon betätigte einen Lichtschalter und vor uns kam ein riesengroßes Bett zum Vorschein. Dieses war mindestens zweimal zwei Meter groß. Das Zimmer war genauso stilvoll eingerichtet wie der Rest der Wohnung, den ich bisher gesehen hatte. Doch schien dies Zimmer hier einen privateren Touch zu haben. Der Nachttisch schien selbst gebastelt und passte so gar nicht zum Bett. Gegenüber vom Bett hing ein Regal an der Wand mit Fotos und ein paar Bildern die von Kindern gemalt zu sein schienen. Zudem lagen darauf ein paar Medaillen und ein Pokal stand daneben.
„Die Dinge sind mir am wichtigsten“, äußerte er sich, als er meinen Blick bemerkte. „Zu privat als dass sie irgendwer einfach so in der Wohnung sehen können soll…“, sprach er weiter. „Und mich nimmst du mit in dieses Zimmer?“, hastig wischte ich mir eine Träne fort. Leon nickte. „Du machst auf mich den Eindruck als könnte ich dir vertrauen. Du haust einfach ungefiltert raus, wenn dir etwas nicht passt… du spielst nicht mit den Menschen“, ich schaute ihn an. „Und das weißt du einfach so?“, fragte ich ihn. „Ich könnte doch auch einfach zur Presse rennen und dich verpfeifen…“, erwiderte ich. „Würdest du das?“, fragte Leon mich herausfordernd und blickte mir direkt in die Augen. Ich senkte den Blick und schüttelte den Kopf. „Nein, mir würde eh keiner glauben und…. So bin ich nicht!“
„Eben!“, Leon nahm mich in den Arm. Ich lehnte mich an ihn und schloss die Augen. Am liebsten würde ich in ihn reinkriechen, was völlig dämlich war im Angesicht dessen, dass wir uns gerade erst gefühlte fünf Minuten kannten. „Weißt du“, setzte er an. „…ich hab ne ziemlich gute Menschenkenntnis entwickelt. In dem Promizirkus, in dem ich mich immer bewegen muss, lernt man das ziemlich schnell“, klärte er mich auf. „Wollen wir ins Bett gehen?“, erkundigte er sich bei mir. „Du siehst aus als würdest du gleich im Stehen schlafen“. Ich hörte an seiner Stimme, dass er lächelte. Müde nickte ich und begann mich bis auf die Boxershorts auszuziehen.  
Wenige Augenblicke später lag ich neben Leon im Bett. Steif wie ein Brett. Unentspannt. Na super. Was machte ich hier eigentlich? Hatte Leon nicht was von Gästebett gesagt? Vielleicht sollte ich… Gerade als ich mich dran machte wieder aufzustehen, zog Leon mich in seine Arme. „Schlaf jetzt“, flüsterte er. „Du brauchst den Schlaf…“, er pflanzte einen Kuss in meinen Nacken und kuschelte sich noch enger an mich. Nun entspannte ich mich. Ein frisch gewaschenes Bett, in den Armen eines gut aussehenden, liebevollen Mannes und der Magen war mehr als voll. Kaum zu glauben, dass ich heute Morgen noch nicht einmal mit einer Decke aufgewacht war und auch noch nicht wusste, wie viel ich zum Essen würde ausgeben können. Wer da nicht schlafen konnte hatte echt einen an der Waffel. Und ich schlief. Stunden!
Als ich aufwachte wusste ich erst nicht wo ich war. Hinter mir vernahm ich ein Rascheln, dann strich mir eine Hand durch die Haare. „Guten Morgen! Gut geschlafen?“, hörte ich eine Stimme nah an meinem Ohr. Seine Stimme. Und sie klang liebevoll. Nicht als hätte ich in den nächsten Minuten die Wohnung zu verlassen. „Ich hab Frühstück gemacht“, säuselte Leon mir ins Ohr. „Oh super!“, nuschelte ich verschlafen in die Kissen. „ Mit Kaffee?“, fragte ich nach. „Mit Kaffee, oder Tee oder Kakao!“, kam als Antwort, dann spürte ich einen weiteren Kuss in meinem Nacken. „Nehm ich alles!“, erwiderte ich und schnurrte wohlig auf. „Aber erst….“, mit Schwung drehte ich mich zu ihm um. „Küss mich Frosch?“ Leon lachte laut auf. „Frosch?“, entsetzt guckte er mich an. „Bin ich so grün oder was?“, seine Augen blitzten bei der Frage vergnügt auf. „Nö!“, erwiderte ich staubtrocken. „Aber deine Beine sind fast so lang wie bei einem Frosch. Passt doch!“, empört boxte mir Leon gegen die Schulter ehe er mich an sich heranzog. „zweiter Versuch!“, forderte er. „Hmm…“, überlegte ich. „Nen Frosch verwandelt sich in der Lyrik gerne in einen Prinzen…“, setzte ich dann an. „Vielleicht bist du ja einer…“, gab ich ihm zur Antwort. Leon grinste. „Na dann will ich mal nicht so sein“, sprach er und drückte im nächsten Augenblick seine Lippen auf meine. Sofort reagierte ich wie elektrisiert auf den Kuss und vertiefte diesen.
„Wie spät ist es?“, fragte ich, als wir uns langsam voneinander lösten. „Bald ein Uhr!“, antwortete Leon und zog mir die Decke vom Körper. Sofort bildete sich eine feine Gänsehaut auf meinem Oberkörper. Ich fror wieder stärker. Das war auch damals so gewesen, als im Heim damals meine Medikamente angepasst worden waren. Genaugenommen war eine Menge so wie damals. Das angeschlagen sein. Ständig hatte ich keinen Hunger. Was meinem Budget echt zu Gute kam. Ich war dünner geworden. Und ich sollte jetzt definitiv nicht darüber nachdenken. Bald konnte ich zum Arzt gehen. Nur noch wenige Wochen. Jetzt wollte ich einfach diese paar Augenblicke Glück genießen, bis Leon mich loswerden wollte. „Ich war schon bei Frühtraining, während du noch selig geschlummert hast.“, klärte er mich auf.
Ich erhob mich und ließ mich von Leon, nachdem ich mir im Bad den Hoodie angezogen und mein Morgengeschäft erledigt hatte, in die Essecke führen. „Also? Was willst du trinken?“, fragte mich mein sexy Fußballer. Meiner?! Bullshit. Auch wenn sich der Gedanke verdammt gut anfühlte. „Kaffee?!“, ich glaube ich schaute ihn gerade so an wie die Katze aus Shrek. Flehend. Wenn ich Kaffee bekommen konnte nahm ich Kaffee. Leon nickte und ging Richtung Küche. „Wie trinkst du den?“, rief er aus der Küche. „Schwarz wie meine Seele…“, antwortete ich. Aus der Küche vernahm ich ein belustigtes Schnauben. Nachdem ich ein Mahlgeräusch und ein Brummen vernommen hatte, kam er mit einem großen Becher wieder, welchen er vor mir abstellte. „Greif zu, bedien dich!“, forderte er mich auf und zeigte auf den doch recht üppig gedeckten Tisch. „Ich wusste nicht, was das magst, da habe ich einfach alles irgendwie aufgedeckt!“ Stirnrunzelnd schaute ich ihn an. „Meine Ansprüche sind nicht sehr hoch, du hättest mich auch mit einem trockenen Toast und Butter glücklich machen können.“ Betroffen schaute Leon auf seinen Teller. „Das… klingt… das klingt verdammt traurig…“, kam es dann leise von ihm. „Ich bin ein Straßenkind…“, gab ich ehrlich von mir. Er schaute auf. „Aber wieso? Ich meine…“, er dachte nach. „…du könntest doch auch einfach in irgendein Heim. Hättest Essen, Trinken, ärztliche Versorgung. Ich meine du hast doch gesagt, du bist auf Medizin angewiesen. Und ich mein… bevor du wegen nem Asthmaanfall oder so auf der Straße verreckst wäre das doch viel besser.“ Ich schluckte trocken. Asthma…ich wäre froh, wenn es nur das wäre. „Alles ist besser als wieder ins Heim zu gehen, glaub mir“, sprach ich mit leiser Stimme. „Ich… können… können wir einfach nur essen bitte? Danach verschwinde ich auch…“, bat ich ihn.
Leon nickte, starrte noch ein paar Momente auf das Vollkornbrot vor sich, bevor er seinen Rücken durchstreckte, und nach einem Glas Gemüseaufstrich griff. Ich kannte die Firma. Die vegetarischen Aufstriche waren lecker. Meine Mum hatte die immer gekauft, als es ihr noch gut ging. Ich selbst griff mir die Schale voll mit Obst und packte mir davon gleich ne ganze Menge auf den Teller. Ich liebte Obst, war nur viel zu teuer das Zeug. Zu meinem Geburtstag gönnte ich mir immer eine dieser Obstsalatschalen mit Melone und Mango und so, welche man abgepackt in den Backshops bekam. Ansonsten aß ich nur mal einen Apfel oder ne Banane, wenn die Caritas oder irgendein Betreiber der Suppenküchen in der Stadt das anboten und mein Job es zuließ mal vorbei zu gucken.
Eine Weile aßen wir in einträchtiger Ruhe unser Frühstück. Leon schien nachdenklich zu sein. Dann räusperte er sich. „Du…“, setzte Leon an. „Du musst nicht… also“, wieso druckste er denn nun wieder so rum? „Sprich dich aus Sporty!“, forderte ich ihn auf. „Ich biete dir 1500€ wenn du da diesen Monat nicht mehr raus gehst. Wenn dich diese Männer nicht mehr anfassen diesen Monat…“, blubberte er ohne Punkt und Komma raus. Wie vom Blitz getroffen schaute ich ihn an. Dann lachte ich lauthals los. „Guter Witz man. Klingt ja wie bei Pretty Woman. Schenkst du mir gleich auch nen Collier und schickst mich auf den Hollywood drive zum Klamotten shoppen? Seh ich aus wie Julia Roberts?“, fragte ich ihn amüsiert. Das Grinsen gefror mir allerdings im Gesicht als ich in seins sah. Pure Ernsthaftigkeit schlug mir entgegen. Ich schluckte. Versuchte den Kloß los zu werden, der sich in meinem Hals gebildet hatte. „Scheiße, du meinst das ernst!“, entfuhr es mir.
Leon nickte. Guckte total ernst. „Ja, ich… würde dich gerne kennenlernen.“ Nun knibbelte er an seinen Nägeln rum. Der Typ hatte es echt mit seinen Händen, wenn er nervös war. Schöne Hände waren das. Er schaute auf. „Ich mein das todernst…“. Ich schluckte. Meine Hände wurden schwitzig. „Und dann?“, meine Stimme wurde kratzig. „Stehe ich dann 24/7 zu deiner freien Verfügung?“ Geschockt riss Leon die Augen auf. „Gott, nein! Ich…“, nervös wippten seine Beine. „Ich möchte nur, dass du… das ich nicht immer Angst haben brauch, dass du doch an den falschen Typen gerätst da draußen und du sicher bist.“, flehend guckte er zu mir. „Und wieso bietest du mir dann Geld und fragst nicht einfach?“, erkundigte ich mich.
Klar, konnte ich das Geld gebrauchen. Aber von ihm Geld zu nehmen fühlte sich scheiße an. „Du… du hast doch gesagt, dass dir noch Geld für deine Medikamente fehlt und ich möchte einfach, dass es dir hier gut geht. Du könntest dir dann bestimmt ein paar Monate den Kram leisten und…“, ich schnaufte auf. Aber klar, was sollte er auch denken, was das für Medizin war. Die meisten Medikamente waren günstig im Gegensatz zu meinen. Alleine Truvada kostete pro Monat schon weit über 600€. Und ich nahm derzeit eine Kombi aus 3 Medikamenten. Eines meiner Präparate bezog ich seit einigen Monaten schwarz. War günstiger.
Fragend guckte Leon mich an. „Meine Medikamente kosten weit mehr als das, was du dir vorstellst“, klärte ich ihn auf. „Oh, okay… uhm… und wenn ich dir den Kram kaufe und du dafür hier bleibst… Du kannst das Gästezimmer haben. Ich meine… Bald ist Weihnachten und es wird kalt und ungemütlich da draußen.“  „Du möchtest mich echt nur meinetwegen hier haben?“, fragte ich fassungslos. Leon nickte „Wieso?“, fragte ich ihn etwas lauter als gedacht. „Naja, ich möchte dich wirklich näher kennen lernen“, er presste die Lippen aufeinander und befeuchtete diese dann. „Und du siehst echt so aus, als könntest du ne Weile Ruhe und Wärme gebrauchen.“ Mit warmen Blick schaute er mich an. Jetzt kamen mir echt die Tränen. Hastig wischte ich diese weg. Leon stand auf und kam langsam näher. „Hey, nicht weinen“, er strich mir mit einer Hand über die Wange und ich kuschelte mich quasi in diese Hand. „Normal weine ich nie“, sagte ich mit gepresster Stimme.
„Danke“, kam es nach ein paar Minuten von mir, nachdem ich mich beruhigt hatte. „Alles okay, jeder weint mal!“, sprach Leon leise mit mir. „Geh duschen und so. Ich leg dir Kleidung raus und dann kaufen wir dir erstmal was Eigenes…“, schlug er vor. „Was nicht schon 100 andere an hatten…“ Noch einmal drückte ich meine Nase in seinen Bauch und nahm diesen leoneigenen Geruch in mir auf. Bereits in der Nacht hatte ich diesen wahrgenommen. Ich nickte und stand auf. Trat den Weg ins Bad an.
Ich freute mich auf den Tag. Relativ schnell war ich mit dem duschen fertig und begann mich zu rasieren.  Auch hier hatte mir Leon einen sauteuren Nassrasierer hingelegt. Er fand wohl meine Wangen seien mittlerweile zu kratzig. Ich, für mein Alter, hatte schon einen etwas ausgeprägteren Bartwuchs als andere in meiner Altersklasse, dessen war ich mir bewusst. Ich zog mir Leons Kleidung an. Ne Jeans von Pepe und nen Pulli von Hilfiger. Na, der Kerl hatte es ja auch. Okay, die Jeans stand mir ausgezeichnet. Ich drehte mich einmal vor dem Spiegel und grinste in mich rein. Nun fehlten nur noch die Medikamente. Travada nahm ich morgens, den Rest Abends. Das hatte mir der letzte Arzt, den ich mit 15 gesehen hatte so gesagt. Also tat ich das. Er meinte  dann hätte ich weniger Probleme mit der Gewichtszunahme. Pustekuchen, ich war noch immer ziemlich schlank und wenn ich Muskeln aufbaute, wie ich das im Sommer im Park tat, dann sah ich geradezu dürr aus.
Ich wühlte also in meiner Tasche und zog den Beutel Pillen aus meinem Rucksack. Diese hatte ich immer aus dem Blister draußen und in einem Plastikbeutel, da mir die Blister schon zu oft eingedrückt waren und ich schiss hatte, die Medis würden dadurch nass und unbrauchbar. Gerade, als ich den Beutel öffnete und meine Hand hineinstecken wollte um eine Truvada herauszuklauben, da öffnete sich die Tür und Leon steckte den Kopf herein. „Ich habe gekl… Nimmst du Drogen?“, ungläubig schaute Leon mich an. Ich schüttelte den Kopf. „Nein… das…. Das sind meine… Meine Medikamente...“, ich schluckte. Er wusste doch, dass ich Medis nahm. „Und wieso hast du sie dann im Beutel?“, enttäuscht schaute er mich an. „Ich hab… ich hab Angst, dass sie unwirksam werden und… ich… ich hab schiss das dann alles umsonst war und ich drauf gehe…“, mir kamen die Tränen. Leon nahm mir den Beutel aus der Hand, schaute auf die Pillen im Inneren. „Was hast du für eine Krankheit, dass du so viel verschiedene Medikamente benötigst?“, fragte er mich stumpf. Ich sackte in mir zusammen. Jetzt würde er mich rausschmeißen. Garantiert!