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Wir sind beide Kämpfer (Teil 1 - Kämpferherz)

von KiwiMaus
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 Slash
Die deutsche Nationalmannschaft FC Bayern München
24.10.2019
05.11.2019
13
70.133
11
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Dieses Kapitel
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05.11.2019 8.801
 
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Tada, Da isses... Mein neues Baby! Ich hoffe ihr liebt es genauso sehr wie ich... oh man, Was bin ich gespannt auf eure Meinung. :-/ Ich hoffe ich hab nicht zu viel versprochen!
Liebe Grüße eure Kiwi
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Den Sonntag hatten Leon und ich für uns. Wir zockten, kochten, redeten viel und loteten auch immer wieder mal meine Grenzen aus. Es war schön! Nach dem, was Leon und ich in der vergangenen Nacht getan hatten, hatte ich das Gefühl ihm vertrauen zu können. Irgendwas zwischen uns war anders. Besser. Es fühlte sich an, als seien wir irgendwie aufeinander abgestimmt. Leon hatte mich seit Anfang an angezogen wie ein Magnet, wenn ich bei ihm war. Als ich weg gegangen war, war aus mir die Stärke gewichen wie aus einem Ball, welchen man nur halbherzig geflickt hatte. Unser Kennenlernen der anderen Art hatte in mir den Gedanken reifen lassen, dass Leon die Person war, auf die ich mich wirklich würde verlassen können. Er würde mich auffangen. Denn so hatte es sich gestern auch angefühlt. Er hatte mich aufgefangen und gehalten. Ein Orgasmus konnte wie ein Höhenflug sein. Ich wusste das. Hatte immerhin selbst viele miterlebt. Nicht erlebt, denn das was ich getan hatte, hatte meinerseits selten bis nie etwas mit Lust zu tun. Dass ein Orgasmus anders sein konnte und nur dann wirklich gut war, wenn dort jemand war, der einen auffing, hatte ich gestern erfahren dürfen. Leon würde mich nicht fallen lassen. Darauf hoffte ich nun wirklich. Am Abend in seinen Armen einzuschlafen oder wahlweise er in meinen, war wertvoller für mich, als jedes Gut, was ich besitzen konnte.

Die darauf folgenden Tage verliefen einerseits ereignislos, andererseits rasend schnell. Leon ging morgens kurz nach acht und kam nachmittags, häufig auch erst abends nach Hause. Der Trainer verhängte ein Sondertraining nach dem nächsten. Zudem bekam jeder Spieler gesonderte Pläne ausgehändigt um der Misere, in welcher die Bayern gerade steckten, zu entkommen. Ich hatte derweil Arzttermine, traf mich mit Manja oder Carlo. Fast täglich ging ich auch wenigstens für eine Stunde in die Stadtbibliothek um mich wieder etwas mehr mit meiner Bildung zu beschäftigen, suchte einen Job und machte Hausarbeiten. Ich hatte mich für einen Job entschieden, damit ich einfach raus kam und ein wenig zur Stütze, welche ich vom Amt bekam, dazuverdienen konnte. Carlo wollte sich einmal bei sich auf der Arbeit erkundigen. An der Bar wurden wohl regelmäßig Leute gesucht.  

Am Donnerstagmorgen, als Leon gerade aus dem Haus war, bekam ich eine Nachricht von Maxi.
~ Hey hoh, heute Abend Bandensitzung in der Lindwurmstraße. Bock mitzukommen?~
Ich überlegte und kaute mir nervös auf der Unterlippe herum. Dann entschied ich es zu versuchen. Wenn die Jungs… oder Mädchen (?!) dort zu viel hinterfragten oder komisch reagierten konnte ich auch immer noch abhauen.
~Okay, bin dabei. Wann treffen wir uns?~
Gerade als ich das Handy weg gelegt hatte und beginnen wollte den Abwasch zu machen – Seit ich da war ließ Leon die Spülmaschine weitestgehend aus weil er wohl ahnte dass ich was zu tun brauchte – klingelte das Handy erneut.  ~Treffen fängt um 20 Uhr an. Ich hol dich ab, Peter hat mir die Adresse schon gesagt… noble Gegend! ~
Ich schickte ihm noch eine Bestätigung auf seinen Vorschlag und machte mich dann an die Arbeit.

Um 12 Uhr ging ich runter an den Briefkasten und holte die Post und Zeitungen hoch. Ein Brief für mich war dabei. Schnell lief ich nach oben und öffnete schon im Hochgehen den Umschlag.

Sehr geehrter Herr Winter,
gerne wollen wir Ihnen mitteilen, dass Sie ab Januar Probeweise am Unterricht der Oberstufe des Wilhelms Gymnasium München teilnehmen. Sie steigen kurz vor dem Halbjahreswechsel in den Unterricht ein. Bitte melden Sie sich am 07.01.2019 um 8:00 im Sekretariat Raum 12 bei Frau Draubel. Diese wird die Schulordnung und andere Informationen zukommen lassen, Fragen Ihrerseits beantworten und Ihnen ihren Klassenlehrer vorstellen. Ebenso wird Ihnen im Laufe des Tages ein vorläufiger Schülerausweis sowie eine Schulbescheinigung ausgestellt. Bitte bringen Sie für zu diesem Zweck auch ein Passfoto, sowie einen aktuellen Lichtbildausweis mit.
Im Februar werden Sie an einem umfassenden Leistungstest teilnehmen. Sollten Sie diesen bestehen, werden Sie vom Kultusministerium des Freistaats  Bayern zur Abiturprüfung zugelassen werden.
Mit freundlichen Grüßen,
M.Bartz
Oberstudiendirektor

Jubelnd hüpfte ich einige Minuten durch die Wohnung. Wenn Leon mich sehen könnte würde er mich mit Sicherheit auslachen. Als ich mich genug allein gefreut hatte, schnappte ich mir mein Handy und berichtete Leon von den guten Neuigkeiten. Keine Minute später piepte mein Smartphone.
~Hey, super klasse! Das feiern wir nachher ausführlich…~ Ich grinste. Was er mit ausführlich meinte, war mir fast klar. Knutschen, lecker essen und ...
Jetzt bereute ich es fast, dass ich mich für heute Abend mit Maxi verabredet hatte. ~Wann kommste denn? ~ schrieb ich geknickt zurück. ~Stunde, dann ist Feierabend für heute. Manu und Konsorten haben noch Tafelrunde heute~ Ich runzelte die Stirn. ~Tafelrunde?~ ~Spielerrat. Quasi unsere Mitarbeitervertretung.~ Verstehend nickte ich, bis mir auffiel, dass Leon mich ja gar nicht sehen konnte. ~Oh, okay… Um 20 Uhr bin ich mit Maxi verabredet. Dann sehen wir uns ja aber vorher noch. Freu mich, bis gleich~ tippte ich noch schnell und kümmerte mich dann um die restlichen Hausarbeiten. Man, ich fühlte mich derzeit echt wie so nen kleines Muttchen am Herd. Bis vor ein paar Wochen hatte ich auf der Straße um mein Überleben gekämpft und jetzt bügelte ich Hemden und machte den Abwasch.

Innerhalb von Sekunden änderte sich wie so oft meine Laune. Mittlerweile merkte ich dies selbst und konnte gegenlenken. Medikamente gegen meine Stimmungswechsel wollte ich nicht nehmen. Zumindest nicht, solange dies nicht unbedingt sein musste. Mittlerweile wusste ich, dass meine Stimmungsschwankungen von einem meiner Medikamente kamen. Doktor Weidmeier wollte dieses bald auswechseln um es mir leichter zu machen. Meine Therapie war damit nicht gefährdet. Wenn es so positiv weiterging wie bisher, dann würde ich in einem halben Jahr unter Nachweis sein. Meine Werte besserten sich fast zusehends. Ich raufte mir die Haare. Vielleicht sollte ich doch weitere Termine bei einer Therapeutin wahrnehmen?  Bisher hatte ich das Thema gemieden. Auch, wenn Leon, Manja und das Weidmeier-Doppel mich damit bis zum Erbrechen nervten. Gereizt und Nervosität in mir aufsteigend beendete ich die Hausarbeit. Dann schnappte ich mir das Handy und wählte die Nummer, welche schon seit meiner Entlassung aus dem Krankenhaus vor nahezu zwei Wochen auf dem Sideboard im Flur lag. Gekritzelt auf einen Notizzettel der Klinik. „Praxis für Psychotherapie Juliane Filbert“, meldete sich eine angenehme Frauenstimme. Ich räusperte mich und befeuchtete mir nervös mit der Zunge die Lippen. „Ähm, guten… guten Tag, hier ist… hier ist Ben… Winter“, stotterte ich ins Mikro. „Ah, guten Tag Herr Winter, ich habe schon auf Ihren Anruf gewartet!“, sprach die Dame am anderen Ende der Leitung erfreut. „H…haben Sie?“, erkundigte ich mich. „Natürlich, meine gute Kollegin hat Sie mir ja schon angekündigt“, klärte sie mich auf. Sicher! Eigentlich hatte ich das ja auch gewusst. Man, die waren aber auch vernetzt diese Psychotanten. „Ähm, also…“, sprach ich also weiter. „Ich würde… also ich hätte gerne einen Termin, also erstmal nur so zum Schauen und so…“, druckste ich rum. „Gar kein Problem. Die probatorischen Sitzungen können wir ja erstmal einmal abhalten und dann sehen wir weiter!“, bot die Therapeutin an. Wieder leckte ich mir über die Lippen. „Uhm, okay…“, stimmte ich dem Vorschlag zu. „Wie passt es Ihnen denn die kommende Woche?“, erkundigte sich Frau Filbert.

Kurz dachte ich nach. „Das…müsste klappen… also… derzeit habe ich noch keine Termine… “, bestätigte ich. „Wunderbar Herr Winter. Dann würde ich den 09. November um 11 Uhr vorschlagen?!“ Ich bestätigte ihr auch dies. Das war der Freitag, bevor ich Leon das erste Mal zu einem Spiel zu begleiten. Oder vielmehr fuhr ich mit Manja oder Maxi hin und wir bekamen Karten für einen gesonderten Bereich. Eingefädelt hatte das ganye Mats. „Dann bringen Sie bitte zum ersten Termin Ihre Versichertenkarte mit, wenn Sie schon im Besitz einer solchen sind!“, informierte Sie mich und unterbrach somit meine Gedanken. „Hab ich!“, sprach ich knapp. Die Karte war am Montag angekommen, genauso wie die Genehmigung meiner Leistungen. Das Amt hatte mir einen erhöhten Satz genehmigt, um meine Medikamente und meine Schulbildung zahlen zu können. Leon hatte sich auch sogleich geweigert, den kompletten Mietsatz von alles in allem 720 € zu akzeptieren, welchen ich vom Amt für die „WG“ bekam. „Leg das Geld beiseite! Ich hab genug!“, hatte er immer wieder gesagt. Ich hatte mich ebenfalls geweigert. Am Ende hatte Leon gewonnen, indem er salopp meinte er würde das Geld dann halt komplett nehmen und gewinnbringend für mich anlegen. Was auch immer das hieß. Nachdem ich eine Stunde lange rumgemault hatte und beleidigte Leberwurst gespielt hatte, stellte Leon mir einfach ein Sparschwein vor die Nase. „Stecks da rein!“, hatte er gesagt und vorgeschlagen, dass ich das Geld doch in einem gemeinsamen Urlaub einbringen konnte. Mit diesem Vorschlag hatte ich zu guter Letzt leben können.

Als ich Frau Filbert am Telefon verabschiedete und noch einmal den Termin bestätigte steckte Leon von außen den Schlüssel ins Schloss. Glücklich grinste ich ihn an. „Hey!“ Kuss! „Wen hast du denn da gerade angerufen?“, erkundigte sich Leon scheinheilig. Sein erster Blick war nämlich, wie schon seit Tagen zum Sideboard gewandert. Den Zettel, nach welchem er dort immer guckte, hatte ich nun jedoch zerknüllt in meiner Hand. „Die Therapeutin!“, sprach ich leise. Leon nahm mein Gesicht zwischen seine Hände. Ich schaute ihm in seine schönen Augen. „Danke!“, sprach er und tupfte einen kurzen Kuss auf meine Lippen. „Wieso danke?“, erkundigte ich mich. „Nun ja…“, druckste er rum. „Ich hab dich ja echt gern und so aber manchmal sind deine Stimmungssprünge schon echt anstrengend!“, versuchte er mir ruhig zu erklären. Ich fühlte mich sofort so, als könnte ich schon wieder heulen. Man, ich war doch kein Weib! „Das…liegt nur an den…“ „Medikamenten…schon klar!“, sprach Leon ruhig weiter und dachte sich seinen Teil. Dass es nur an den Medikamenten lag war absoluter Bullshit aber es sich einzureden machte es irgendwie leichter. Ich war einfach nen echt kaputter Typ! „Aber mal ernsthaft. Du machst es dir ohne Hilfe von außen doch nicht gerade leichter!“, sprach er weiter. Ich nickte. „Ich weiß!“, gab ich zu. „Mich nervts ja selber!“ Leon legte seine Arme um mich und ich legte mein Kinn auf seiner Schulter ab. „Wir schaffen das!“, sprach er.

Ich nickte. Dann klopfte Leon mir auf den Hintern. „So schöner Mann!“, sprach er. „Wir beide stoßen jetzt an…Alkohol oder Kakao?“, fragte er. „Kakao mit Schuss!“, sprach ich wie aus der Pistole geschossen. Wir schauten uns an und lachten los. „Okay!“, meinte Leon dann. „Licor43 oder Baileys?“, stellte er zur Auswahl. „Überrasch mich!“, meinte ich nur und küsste ihn in den Nacken. Zehn Minuten später stellte Leon zwei dampfende Becher vor uns ab. „Zur Feier des Tages gibt’s für mich mal echte Milch!“, sprach er. Ich grinste. „Soll ich dir schon Mal ne häusliche Umgebung auf dem Klo einrichten?“, fragte ich frech. Leon klapste mir leicht auf den Hinterkopf, schüttelte dann aber mit einer Dose in seiner Hand. „Gibt ja Tabletten!“, sprach er dann und wir genossen unseren Kakao mit Licor43.

Gegen Abend machte ich mich im Bad fertig und zog mich straßentauglich – warm! – an. Leon und ich hatten den kompletten Nachmittag auf der Couch verbracht und im Internet Informationen zum Abitur in Bayern eingeholt. Vorgegebene Unterrichtsthemen, welche Wahlmöglichkeiten mir die Schule ließ, was ich vorlernen konnte, welche Hilfsmaterialien es so gab. Am Ende bestellte Leon noch – wieder einmal unter Protest meinerseits – zwei ziemlich coole Taschen für die Schule. „Die brauchst du oder willst du deine Sachen lose tragen?“, hatte er mich frech gefragt. „Ich kann nen Beutel oder so nehmen!“, hatte ich halbherzig erwidert. „Das machen nur Öko´s!“, wiegelte Leon ab. „Ey, du hast auch mehr als einen von diesen Turnbeuteln!“, hatte ich entgegnet, wodurch eine nicht ganz ernstzunehmende Diskussion entbrannt war, weshalb er Turnbeutel und Rucksäcke hätte, ich aber unbedingt ein paar eigene bräuchte. Leons Argumente, dass er Sportler war und daher recht viele Turnbeutel hätte, widerlegte ich mit dem Argument, dass die Dinger doch nur in Mode seien ausgehebelt. Am Ende hatten wir knutschend neben dem Sofa auf dem Boden gelegen. Leons Taktik, damit mir die Worte im Hals stecken blieben, war einfach grandios.

Um 19.30 Uhr klingelte es. Während Leon den Summer betätigte und Maxi in die Wohnung ließ, brachte ich mir noch schnell wieder meine Haare in Ordnung, welche Leon wiederholt zerstört hatte. Mittlerweile kannten auch die beiden sich, da Maxi und Peter Montagabend kurz vorbei geschaut hatten. Maxi hatte die erste halbe Stunde kein Ton herausbekommen, obwohl er von vorn herein wusste, mit wem ich zusammenlebte... und nun auch zusammen war. Wir hatten uns einfach so verhalten wie immer. Irgendwann war Maxi dann auch aufgetaut. Seitdem ging auch Maxi ganz normal mit Leon um, was diesen mehr als froh machte.  „Hey!“, kam es vom Flur aus. Ich steckte meinen Kopf aus dem Bad. „Hi, bin gleich fertig!“, teilte ich ihm mit und checkte noch einmal meine Erscheinung im Spiegel. „ Das kann jetzt noch ein Weilchen länger dauern!“, sprach Leon belustigt zu Maxi. „Weil du mir ständig meine Frisur versaust!“, rief ich durch die Wohnung. „Weil es einfach zu viel Spaß macht, wenn du stundenlang vorm Spiegel stehst!“, warf Leon zurück. Maxi lachte. „Man, ihr seid echt ein geniales Pärchen!“, lachte Maxi. „Ben du siehst vermutlich selbst dann scharf aus, wenn du frisch aus dem Bett gefallen bist, also werd´ fertig!“, wandte er sich dann an mich. Ich lugte aus dem Bad. „Ich muss gleich noch meine Smarties nehmen, dann können wir los!“, sprach ich.

Leon blickte zu mir. „Vergiss es!“, sprach er. „Du hast noch nichts gegessen!“ Genervt rollte ich mit den Augen. „Ich ess was auf dem Weg!“, sprach ich. Bevor Leon wieder was erwidern konnte fiel Maxi ihm ins Wort. „Lass ihn Leon…seine Entscheidung!“ Dankbar schaute ich ihn an. Maxi verstand und nickte nur. „Ben weiß was er macht… lebt schon länger damit, weißt du?!“ Geknickt guckte Leon zu Boden. „Sorry ich…“, stammelte Leon. Ich ging schnell zu ihm. Ich hätte ihm das nicht so vor den Bug knallen sollen. „Schon gut! Ich weiß ja wie´s gemeint ist!“, sprach ich leise und küsste ihn. „Awwww, Zucker…“, säuselte Maxi gekünstelt. „Können wir?!“, hakte er dann nach. Ich nickte. „Bis nachher!“, flüsterte ich an Leons Lippen, küsste ihn noch einmal und drehte mich dann um. „Ihr seid nur ca 3 Stunden getrennt!“, sprach Maxi gespielt genervt. Ich schlüpfte noch schnell in Jacke und Schuhe und verließ dann die Wohnung. Draußen war es kalt. Ich schaute zum Himmel. „Schneien wird es noch lange nicht!“, beruhigte mich Maxi. „Sorry, ist nen Tick abends nach dem Wetter zu gucken…“, sprach ich leise. „Verständlich!“, sprach er. „Aber jetzt wohnste in dem Wahnsinnskasten …“, er zeigte mit dem Daumen unbestimmt hinter sich. „…Mit nem verdammt scharfen Typen und hast nen Smartphone, welches dir sagt was für ein Wetter kommt und wann…“, Maxi grinste mich an. Gespielt empört boxte ich ihm gegen die Schulter.

Nach einem halbstündigen Weg kamen wir 10 Minuten zu spät beim Café Regenbogen in der Lindwurmstraße an. Auf dem Weg hatten wir, wie angekündigt, Essen auf die Hand besorgt. Ich hatte eine Fallaffelrolle gegessen und Maxi hatte sich zwei Straßen weiter mit Leckereien vom goldenen M eingedeckt. Als wir die Räume des Café´s betraten, schauten schon eine Menge wartender in unsere Richtung. „Hey Max!“, sprach ein etwas älterer Mann. „Wir warten schon alle ganz neugierig auf den Neuzugang.“ Während er redete stand er auf. „Ich bin der Frank! Ich bin der Initiator…“, stellte er sich vor und hielt mir seine Hand entgegen. Schüchtern schüttelte ich diese. „Ben!“, sprach ich und hob auch den anderen die Hand zum Gruß. Wir setzten uns in die gemütliche Sitzecke in welcher die Runde bereits Platz genommen hatte. Im Laufe des Abends wurde ich völlig normal in die Gespräche verwickelt. Wir waren eine Gruppe von neun Personen. Alexander, Vicky und ich waren wohl die Jüngsten. Frank und Helmut die Ältesten. Insgesamt waren wir 3 Frauen und sechs Männer. Die 35 Jahre alte Manuela war Mutter einer dreijährigen Tochter. Sie hatte sich auf ihrer Arbeit angesteckt, wie sie mir erzählte. Damals war ihre Tochter gerade ein dreiviertel Jahr alt gewesen. Vicky war Mitte zwanzig und hatte sich bei einem One Night Stand angesteckt. Alexander schwieg sich darüber aus, wie auch Thomas. Anni war ehemals in der Drogenszene aktiv gewesen. Als ich meine Story erzählte blieb den anderen die Luft weg. „Man, dann hast du ja jetzt richtig Glück!“, freute sich Vicky. „Ich meine, nen netten Mann, der so gar kein Problem mit dir hat und der dich so nimmt wie du bist.“ Bei der näheren Vergangenheit hatte ich ein wenig die Wahrheit zu Recht gebogen. Auch mit der Hilfe von Maxi. Über Leon hatte ich nichts erzählt. Maxi hatte einfach erzählt, mein Freund sei im Fitnessbereich tätig.

Naja, gewissermaßen stimmte das ja auch. Fit war er! Als wir gegen 22.30 Uhr aufbrachen wurde ich von der Truppe total nett per Handschlag und oder Umarmung verabschiedet. Als ich gegen 23 Uhr zuhause an kam, brannte oben in der Wohnung noch Licht. „Mach´s gut!“, sprach ich zu Maxi und umarmte ihn. „Nächste Woche wieder dabei?“, erkundigte sich dieser. Ich nickte. „Ich denke ja!“, gab ich als Antwort, dann schloss ich die Haustür auf und wir verabschiedeten uns. Auf dem Rückweg hatten wir uns bereits für das Wochenende verabredet. Ich wollte Leons Wunsch nachkommen, am Wochenende im Stadion sein, wenn er spielte. Maxi würde mich begleiten. Als ich die Wohnung betrat lief der Fernseher. Bei näherkommen sah ich, dass Leon zwar noch auf dem Sofa saß, jedoch so langsam in Schieflage geriet. Er hatte wohl auf mich warten wollen und war dabei eingeschlafen. Auf dem Fernseher lief gerade die Wiederholung einer Serie die ich ziemlich witzig fand. Eigentlich mochte Leon die Serie nicht, doch scheinbar schaute er sie nun auch alleine, da er sie über die Mediathek angewählt hatte. Grinsend drückte ich ihm einen Kuss auf den Mund.

„Hey Schlafmütze…Wachwerden!“, weckte ich ihn leise und strich federleicht mit dem Finger hinter seiner Ohrmuschel entlang. So wurde er immer wach. Leon grummelte auch sogleich und seine Lieder begannen zu flattern. Dann schlug er die Augen auf. „Schlawn…“, murmelte er undeutlich und klappte die Augen wieder zu. „Du kannst auch gleich weiterschlummern“, versprach ich ihm. „Erstmal solltest du allerdings vom Sofa hoch und ins Bett… Zähneputzen nicht vergessen…“, sprach ich nun deutlicher. Wieder schlug er die Augen auf. „Zähneputzen?“, grummelte er. Ich nickte. „Selbst auf der Straße hab ich mir jeden Abend die Zähne geputzt…“, kommentierte ich. „Du könntest ja auch als Zahnpastamodel arbeiten…“, entgegnete er. „Mit diesen Beißerchen..:“, er zeigte auch seine Kauleisten. „…Geht das nicht… wenn ich nicht aufpasse bekomm ich Hasenzähne!“, maulte er weiter. „Dann pass auf und putz die Zähne!“, kommentierte ich nur trocken und machte mich meinerseits auf den Weg ins Bad.

Hinter  mir hörte ich es poltern, dann tauchte Leon in meinem Blickwinkel auf. „Sklaventreiber!“, fluchte er im Vorbeigehen, wofür ich ihm meine Hand auf den Hintern schlug. Feixend drehte sich Leon zu mir um und zwinkerte. Allzu müde schien er nicht mehr zu sein. Nachdem wir uns beide die Zähne geputzt hatten gingen wir in unser Schlafzimmer, im Laufe der letzten Tage hatte ich meine Scheu gegenüber Leon weitestgehend  abgelegt und entkleidete mich zunächst völlig ungeniert vor ihm. Auch ich trug nun keinerlei störenden Stoff mehr im Bett.  Leons Blick wanderte anerkennend und deutlich angeturnt, was man auch an seinem bereits halb steifen Schwanz erkennen konnte, an mir auf und ab. Als ich unter den Blicken doch wieder nervös und unsicher wurde schaute Leon mir direkt in die Augen. „Du bist so schön!“, sprach er ohne rot zu werden. Stattdessen lief ich rot an und wandte den Blick ab.

Leon überwand die kleine Distanz zwischen uns und zog mich in einen Kuss. Der Kuss war von vorn herein fordernd und wurde fast zu einem gegenseitigen schnappen der Lippen. Dennoch merkte man, dass Leon sich auch hier zurück hielt, mir die finale Führung gab, was passierte und wie. Langsam bewegte ich mich rückwärts und ließ mich mit Leon in den Armen auf das Bett fallen, als ich dies in meinen Kniekehlen bemerkte. Leon fing und beide ab und grinste in den Kuss. Ich wickelte meine Beine ein wenig um Leons Hüfte. Dabei berührten sich unsere Schwänze, was mich kurz aus dem Konzept brachte. Doch nach diesem schönen Tag und den doch angenehmen Abendstunden mit Maxi wollte ich dies nun  genießen und drängte mich ein wenig enger an Leon. Dieser schien das Signal zu verstehen und umfasste unser beider Schwänze. Zuerst glitt er träge mit der Hand an ihnen auf und ab. Seinen anderen Arm stützte er neben meinem Kopf in die Laken. Dann suchte Leon den Blickkontakt zu mir und begann fester zu pumpen. Mir entwich ein heiseres Stöhnen, was Leon zum Anlass nahm dies mit einem weiteren Kuss zu ersticken. Fast ausgehungert ging ich darauf ein.

Dass Leon und ich, oder viel mehr nur ich kein Gummi benutzte, verdrängte ich für den Moment. Ließ mich voll und ganz gehen. Sex mit Leon, beziehungsweise das was ich mit Leon relativ problemlos haben konnte, wollte ich genießen. Bis zum Äußersten zu gehen konnte ich mir nach wie vor nicht annähernd vorstellen. Fahrig strich ich Leon über die Brustmuskeln und kniff ihm in die Brustwarzen. Dort war er ganz besonders empfindlich. Aufgegeilt stöhnte Leon. Noch einmal wiederholte ich dies. Diesmal kam Leon mit einem tiefen grollen. Mit großen Schüben spitzte sein Sperma aus ihm und verteilte sich mehr oder minder auf meinem Bauch. Durch seinen Orgasmus umfasste Leon unsere Schwänze noch fester, was auch mich über die Klippe stieß. Kehlig stöhnend kam auch ich. Meine Ladung gelangte fast bis zu Leons Kinn. Ermattet sackte Leon auf mich und blieb liegen. Dann drückte er einen trägen Kuss auf meine Halsschlagader. Ich war ebenfalls gerade nicht zu viel zu gebrauchen. Dabei hatte mein Lieblings-Ballspieler die meiste Arbeit erledigt.

Nach ein paar Minuten trägen vor sich hin dösen – ich war noch immer nicht zum Denken in der Lage und kraulte unentwegt Leons Rücken –  löste sich Leon von mir. Er schaute mir in die Augen. „Flipp jetzt nicht aus…“, begann er und ich runzelte angestrengt denkend die Stirn. „…Du… Hast kein Gummi benutzt!“, sprach er dann. Klar, bei Leons erstem Handjob hatte er auch kein Gummi benutzt, dennoch war das hier für mich, wie Leon wusste, etwas anderes. Leon badete ja nahezu in meinem Saft. Aus Reflex versuchte ich Leon von mir zu drücken. Dieser ließ das jedoch nicht zu. „Relax Ben!“, sprach er einfach nur gelassen und legte sich absichtlich auf mich, während er am Boden nach etwas angelte. „Ich hab ne kleine Kiste zusammengestellt!“, klärte er mich auf und strich mir beruhigend mit einer Hand über den linken Rippenbogen, während er mit der anderen eine Flasche empor hielt. „Desinfektionsspray?“, ich runzelte die Stirn. „Jo, ich hab den Doc gefragt…“, meinte er. „Wir duschen uns jetzt einfach ab, ziehen die Sauerei hier ab, beziehen neu und dann kannst du so alibimäßig damit einmal alles eindünsten…“

Ungläubig schaute ich ihn an. „Dir ist schon klar, dass ungefähr 80 % deiner Paranoia absolut übertrieben ist, oder?“ „Übertrieben?“, fragte ich. Meine Stimme klang dabei echt angepisst. „Ja, übertrieben!“, bekräftigte Leon das vorher gesagte noch einmal. „Ich werde auch in Zukunft drauf achten, dass mir nichts passiert“, sprach er, während er mich vom Bett hoch zog. „Aber ich will gewisse Dinge mit dir auch genießen können, ohne dass im Hintergrund immer deine rote Alarmlampe blinkt…“, sprach er weiter. „Du hast das doch auch gerade genossen, oder?“, fragte er. Ich guckte zur Seite, nickte dann aber. Leon zog mich derweil weiter ins Bad. „Du weißt, dass ich deine Wünsche  und Ängste im Großen und Ganzen verstehe und respektiere, richtig?“, hakte er dann nach, während er mich in die Duschkabine schob. Wieder nickte ich. Als Leon das Wasser anmachte und unter den Wasserstrahl trat schaute er mich an. „Und ich bin unversehrt, oder?“, erkundigte er sich. Mein Blick wanderte an seinem perfekten Körper hinab. Keine Wunden, Rötungen oder Schrammen. Ich nickte erneut. „Dann kann mir auch nichts passiert sein. Ich hab nichts in die Augen bekommen und selbst da ist eine Ansteckung ziemlich unwahrscheinlich, ich hab nichts geschluckt und auch sonst ist alles weitere jetzt den Abfluss da runter! Verstehst du was ich meine?“ Die ganze Zeit sah Leon mich an und blieb völlig ruhig. Ich atmete tief durch. „Ja!“, sprach ich dann. Leon zog mich in seine Arme. Eine kleine Träne löste sich bei mir aus dem Augenwinkel. „Das da gerade war echt schön für mich!“, sprach ich.

„Scheiße man, ich kling wie ein Mädchen…“, jammerte ich dann weiter. „Würde nur Manu´s Eindruck von dir bestätigen!“, feixte Leon. Ich boxte ihm leicht gegen die Schulter. „Arsch!“ Leon schmunzelte. „Nee, ernsthaft…“, sprach Leon weiter. „Ich glaube er kommt so langsam mit dem Wissen klar. Mats macht da gar kein Ding mehr raus. Ich soll dich sogar grüßen!“, meinte er. „Echt?“, fragte ich erstaunt. „Jo, wir sind eingeladen. Abendessen bei den Hummels…“, meinte er dann. Entsetzt schaute ich ihn an. „Mit seiner Ollen?“, fragte ich skeptisch. Er nickte. „Cathy ist nur halb so schlimm wie die Medien sie hinstellen… und sie weiß, dass sie lieber die Klappe hält, was dich und mich angeht!“, Leon trat aus der Dusche und reichte mir ein Handtuch. „Und Mats würde ihr die Hölle heiß machen…“, setzte er dann hinterher. „Du bist sicher dass du das willst?“, hinterfragte ich. Leon zuckte mit den Achseln. „Nen Stück weit öffentlicher unsere… Beziehung leben?“, präzisierte ich. Leon schaute nach oben, dann stieß er den Atem aus. „Ein Stück weit mehr ich sein?... Ja, klingt gar nicht so schlecht… Vielleicht kommen Manuel und Nina auch…“, sinnierte er weiter. Mir ging noch immer sein erster Satz im Kopf herum. Ein bisschen mehr ich sein… So hatte ich das Ganze noch gar nicht betrachtet. Leon hatte die letzten Jahre nie wirklich der sein können der er war. Ich konnte dann doch nicht so anmaßend sein und ihm dies verwehren. Ich nickte. „Okay, unter einer Bedingung… Meine…das… Meine Infektion bleibt vorerst unter uns…“, gab ich mein Einverständnis. Leon lächelte. „Deal!“

Nachdem wir uns abgetrocknet hatten und in Bademänteln das Bett frisch gemacht hatten, überreichte Leon mir feierlich die Flasche Desinfektionsspray. Und auch wenn ich wusste, dass dies völlig dämlich war, sprühte ich das Bett einmal von oben bis unten damit ein. „Etwaige Bettläuse und so sollten jetzt einen qualvollen Tod gestorben sein…“, kommentierte Leon trocken. Ich grinste. „Dafür geht es meinem Gewissen jetzt besser…“ „Na immerhin!“, sprach Leon und gab mir einen Kuss auf die Schläfe. „Können wir dann jetzt schlafen? Es ist halb eins.“ Ich nickte. „Wird doch eh höchste Zeit… Du müsstest längst schlummern…“, antwortete ich. Kurz darauf lagen Leon und ich aneinander gedockt im Bett und schliefen.

Am kommenden Tag wachte ich erst deutlich später auf. Leons Seite war leer. Nach einem Blick auf den Wecker wusste ich auch weshalb. Leon war längst im Training. Auf seinem Kissen lag ein Zettel. Du hast so friedlich geschlafen – bis nachher! Kuss L.
Ich stand auf und machte mich fertig. Gerade als ich die Schüssel Müsli geleert hatte klingelte es. Manja stand vor der Tür. Sie hielt mir einen Schal unter die Nase. „Der Hing hier!“, sprach sie. Ich guckte mir den schwary-blau-gestreiften Schal an. Auf der Rückseite hängte ein Zettel. ‚Die Tage werden kürzer und kälter. Wenn ich dich nicht wärmen kann mach dir warme Gedanken und trag den Schal. Gestern war wunderschön. L‘ „Stimmt, war es…“, säuselte ich verliebt und schnupperte an dem Schal welcher nach Leon roch. Manja runzelte die Stirn. „Was?“, erkundigte sie sich. „Nichts!“, sprach ich und gab Manja mit Blicken zu verstehen, dass sie nicht nachzufragen brauchte. Ich legte den Zettel in die Schale auf der Anrichte im Flur. „Du siehst gut aus!“, meinte Manja und legte ihre Tasche auf einen der Esstisch-Stühle. „Danke!“, sprach ich. „Was machst du hier? Waren wir verabredet?“, fragte ich nach. Sie schüttelte mit dem Kopf. „Mir ist zu Ohren gekommen, dass du in nicht einmal zwei Monaten wieder Schüler bist!“, meinte sie und grinste mich an. Ich nickte und schaute sie stolz an. „Stimmt… ich… sorry, hatte ich gestern in der Aufregung voll vergessen!“, entschuldigte ich mich. Manja schüttelte mit dem Kopf. „Alles gut! Hab ich mir gedacht!“, beruhigte sie mich.

„Magst du was trinken?“, bot ich an, da ich sonst nicht wusste was ich sagen sollte. Manja nickte. „Gern….Kaffee wenn du hast!“ Schmunzelnd sah ich sie an. „Das Teil in der Küche kann glaube ich sogar staubsaugen und Kühe melken – voll übertrieben…“, meinte ich belustigt. „Naja, wenn Leon den Kaffee aus dem Teil mag…“ Ein Glucksen entkam mir. „Leon mag Kaffee nicht mal sonderlich gern. Das Teil gehört in die Kategorie „Ich kauf´s mir weil ich zu viel Knete habe!“. Ich hab den bisher vielleicht vier Mal Kaffee trinken sehen und jedes Mal nur deshalb, weil wir Besuch hatten!“, klärte ich sie auf. Sie zuckte mit den Schultern. „Besser für dich und mich…“, sie grinste mich an. „Komm, du benutzt die Maschine doch bestimmt jeden Tag mehrfach!“, herausfordernd schaute sie mich an. Ich nickte. „Du weißt, dass ich Kaffee liebe!“, schmunzelte ich. „Aber Leon hat nur so ne seltsame Veganermilch da…die richtige habe ich vorhin leer gemacht!“, klärte ich sie auf. „Veganermilch?“, fragend schaute sie mich an. „Naja, Hafer, Soja, Mandel und so nen Kram…“, ich drehte mich weg und ging in die Küche. Manja folgte mir. Am Tresen schnappte ich mir meine Pillendose. „Frühstück Nummer 2…“, ich grinste sie an. An diesem Tag ging es mir gut.


************************Ändern!*************************
Die folgenden Tage hatte ich viel zu erledigen. Ich meldete mich bei Nachhilfe und Schulungsangeboten an und nahm Vorstellungsgespräche wahr. Am Mittwoch Morgen um 8 Uhr rief mich Carlo an. „Hey Hübscher, wie schnell kannst du hier sein?“, fragte er mich sofort aufgeregt am Telefon noch bevor ich brave meine Begrüßungsfloskel in den Hörer quatschen konnte. „Öhm… wieso?“, erkundigte ich mich verdutzt. „Bei uns kam gerade eine Eilanfrage über eine Reisegruppe der…Moment…. Uhu Schwarmwede – keine Ahnung was das ist oder wo …Schwarmwede ist – aber naja… Chefin hat zugesagt aber ich bin heute allein hier und Natascha ist Krank, Olli hat Prüfungen, Chefin is trächtig und ich bin am Verzweifeln… Bitte sag mir du kannst Tablettes tragen und weißt einigermaßen dich in der Gastro zu bewegen. Dann hast du quasi den Job…also Minijob aber Job is Job ne… Also Bitte Bitte rette mein Leben – dann schulde ich dir was und könnte dich abknutschen!“, ratterte er wieder munter sein Anliegen runter. Bevor ich antwortete holte ich tief Luft. „Ich habe noch nie in der Gastro gearbeitet, kann so gar nicht mit Senioren – das sind nämlich UHUs… Unter-hundert-jährige… und Natascha und Olli tun mir leid…“, fing ich an. Am anderen Ende hörte ich Carlo bereits verzweifelt aufstöhnen, unterband dies jedoch sofort. „Ich bin allerdings schnell, super lernfähig, verzweifelt auf Jobsuche und habe noch nichts zu tun!“, klärte ich meinen neuen Kumpel auf. „Wann muss ich da sein und was muss ich anhaben?“, fragte ich noch einmal nach. „Wäre gut, wenn du so gegen 10 da sein könntest, dann kann ich dich in die Kaffeemaschine und den Rest einweisen. Außerdem kann ich dir unsere Küchenfeen Clara vorstellen und Thomas vorstellen… Anziehen am besten schwarzes Oberteil, dunkle Hose -  Vorbinder bekommst du von mir!“, beantwortete er noch meine Fragen. „Okay mein Süßer ich Eile!“, unkte ich ins Telefon, ehe ich auflegt.

„Wer ist denn dein Süßer!“, kam es von argwöhnisch von der Wohnungstür. Zuerst blieb ich wie eingefroren stehen, dann drehte ich mich langsam um. „Leon…“, sprach ich dann und schaute meinem Freund in die Augen. „Ich hab gerade mit Carlo telefoniert. Manjas bester Freund. Er hat nen Job für mich… im Café Reitschule“, klärte ich Leon auf. „Und dann musst du ihn gleich deinen Süßen nennen?“, hinterfragte Leon zu recht. „Eifersüchtig?“, stellte ich jedoch die Gegenfrage. Leon lief rot an. „Gibt es keinen Grund für…“, meinte ich dann und ging zu meinem Freund. „Ich…Da gibt es nur dich und es wird auch in Zukunft nur dich geben!“, sprach ich, völlig überzeugt von dem was ich sagte. Dann nahm ich ihn in den Arm. „Ich freu mich einfach nur so über diese Chance…“, erklärte ich weiter. Leon Atmete warm in meinen Nacken. „Ich weiß, sorry… war nur irgendwie…blöd – in dem Moment“, erklärte nun Leon seine Reaktion. „Und jetzt zieh dich um!“, meinte er dann. „Ich fahr dich!“

Verwundert schaute ich ihn an. „Wieso bist du eigentlich hier? Bist doch erst vor einer Stunde weg!“, hakte ich nach. „Knie zickt heute irgendwie ein wenig!“, sprach er. „Damit ich Samstag gegen den BVB in Dortmund ran kann hat mich der Trainer heute nach Hause geschickt…“, klärte er mich auf. „Ich fahr dich eben rüber und meld mich dann beim Physio an!“, bot er mir an. Ich lächelte, nickte und tupfte ihm einen Kuss auf den Mund.

Im Umkleidezimmer stand ich erst einmal fraglos vor meiner Kleidung. Dann trat Leon hinter mich und zog ein schwarzes Slimfithemd sowie eine schwarze Skinnyfit Jeans aus dem Schrank. Dazu legte er mir ein schwarzes Unterhemd und Anzugschuhe. „Ich hoffe da läufst du dir keine Blasen.“, meinte Leon noch abwesend und kramte weiter um Schrank herum. „Ahhh, da isser…“, kam dann auf mich zu und hielt mir einen schwarzen Mantel unter die Nase. „Ich arbeite nicht als Model, sondern als Kellner…“, gab ich zu bedenken. „Könntest du aber auch“, gab Leon belustigt zu bedenken, ehe er wieder eine ernste Miene aufsetzte. „Du willst doch gutes Trinkgeld, oder?“, fragte er. Ich nickte. „Dann zieh das an!“, meinte Leon noch, dann verließ er das Zimmer.

Als ich umgezogen war, trat ich vor den Spiegel im Flur. „Woher wusstest du, dass das so scharf aussieht?“, erkundigte ich mich bei meinem Balljungen. „Ich bin schwul, irgendein Klischee muss ich doch erfüllen, oder?“, beantwortete Leon meine Frage eher unzulänglich, dann starteten wir auch schon. Auf dem Weg war Leon erst eher still. Kurz vor dem Fahrtziel schaute er mich an der Ampel an. „Ich bin nen dämlicher Hornochse, oder?“, fragte er scheu nach. „Nö, wieso?“, erkundigte ich mich. „Naja, das vorhin… diese blöde Eifersucht…“ Ich lächelte ihn an. „Hey, ich fühl mich geehrt, wenn du den eifersüchtigen Gockel miemst“, versicherte ich Leon. „Zeigt doch nur, dass ich dir was bedeute, oder?“, setzte ich noch nach. „Außerdem darf ich jetzt auch eifersüchtig sein, dass du täglich mit hübschen durchtrainierten Kerlen nackt unter der Dusche stehst“, offenbarte ich meine Gedanken.

Am Café stieg ich aus, nicht bevor ich Leon im Auto liebevoll verabschiedet hatte. Die Scheiben waren ja getönt. Auch als ich auf das Kaffee zuging fuhr Leon noch nicht los. Erst als Carlo aus dem Gebäude trat und mich begrüßte fuhr er los. Eifersüchtiger Hammel – wollte er sich doch mit Sicherheit nur ein Bild von Manjas Kumpel machen. „Hey, war das dein Macker?“, fragte Carlo und deutet den Audi nach. Ich nickte. Noch immer schaute er dem Auto hinterher und runzelte nachdenklich die Stirn. Dann wandte er sich an mich und begutachtete meine Kleidung. „Alter, willste mich von der Arbeit ablenken?“, foppte er mich und starrte absichtlich auf meinen Arsch. „Verdammt, siehst heiß aus!“, gab er mir dann ein zweifelhaftes Kompliment. Ich lief rot an. „Hat Leon mir zusammengestellt!“, meinte ich dann. „Ich hab von Mode keine Ahnung“, erklärte ich mich. „Klar, daher hast du auch das feinste vom feinsten an. Lass mich raten die Unterbux is auch von Calvin Klein…“, foppte er mich fröhlich weiter und grinste. „Egal, ich zeig dir erstmal das Kaffeemonstrum!“, meinte er dann und schob mich mehr oder minder vor sich her ins Kaffee.

Mit der Kaffeemaschine war ich schnell per Du. Das Ding war wesentlich leichter zu bedienen als Leons eierlegende Wollmilchsau. Nebenbei zeigte Carlo mir noch die wichtigsten Tipps und Kniffe, welche ich im Service können musste. Im Gastraum machte jeder der arbeitet alles. Nur Essensbestellungen gingen weiter an die Küche und wurden, bis auf das Frühstück, auch von Clara serviert.  

Als gegen Mittag die UHUs bei uns einfielen, merkte ich gleich, dass Kellnern nicht der easy Job war, für den ich ihn hielt. So viele Senioren auf einmal zu bewirten war wirklich nicht einfach. Jeder hatte Sonderwünsche und alle hatten gleichzeitig Hunger. Carlo und ich hetzten zwischen Gastraum und Theke hin und her aber wir arbeiteten mega gut zusammen. Auch kam der Spaß nicht zu kurz. Zwischendurch konnte Carlo immer wieder das flirten nicht lassen. Gerade als wir beide hinter der Theke standen und Kaffee zubereiteten schob sich Carlo spielerisch an mir vorbei und fasste mich an der Hüfte. Unwillkürlich versteifte ich. Bei Leon hatte ich mit solcher nähe kein Problem, bei anderen Menschen sehr wohl, dass war mir den einen Tag bei Maxi und Peter schon fast zum Verhängnis geworden. Mein Puls begann zu rasen und irgendwie schien Carlo etwas zu merken, denn er ließ mich abrupt los und stellte sich wartend neben mich. Während ich versuchte mit zitternden Fingern den Kaffee für Tisch 7 zuzubereiten, schaute Carlo  mich von der Seite an. Er schien jedoch auch zu merken, dass darüber reden jetzt nicht gerade die beste Idee war, ich merkte ihm jedoch an, dass er sich Gedanken machte. Als ich den letzten Kaffee auf das Tablett stellte, nahm Carlo dies hoch. „Welcher Tisch?“, fragte er nur knapp und lächelte mich kurz aufmunternd an. „Tisch 7!“, murmelte ich nur eine Antwort. „Machst du mir dafür eben 3 Latte und einen Schümli?“, fragte er mich und ging nachdem ich zur Bestätigung genickt hatte.

So managten wir die folgenden drei Stunden Arbeit. Als die Senioren sich gegen 16:00 wieder verabschiedeten und auch alle weiteren Gäste aufbrachen war ich durchgeschwitzt, meine Schulter- und Nackenmuskulatur tat weh und meine Oberarme ebenfalls. Beruhigt hatte ich mich recht schnell wieder doch die Anspannung war dennoch irgendwie geblieben. Als Frau Schuster, die Organisatorin der UHU-Gruppe noch einmal kurz mit Carlo gesprochen hatte und durch die Tür war, kam gerade Carlo´s und meine Ablöse zur Tür rein. „Lisa…“, sprach Carlo freudig. „Schön, dass du da bist… heute Abend sind nicht viele Bestellungen. Wenn was sein sollte ist aber Chris auf Abruf!“, machte Carlo schnell die Übergabe. Er war stellvertretender Leiter des Service, wie ich im Laufe des Tages erfahren hatte. „Darf ich dir Ben vorstellen?“, sprach er dann noch einmal. „Er ist unser neuer Kollege. Minijobber…macht seine Sache echt gut!“, sprach er dann. Das ging runter wie Öl und ich lief rot an, während ich mir meinen Vorbinder abnahm. Lisa musterte mich. „Und hübsch isser auch noch…“, meinte sie dann mit verträumter Miene. „Und schwul…“, nahm ich ihr auch sogleich den Wind aus den Segeln. „Verschwendung!“, meinte sie noch gespielt empört und lachte dann. „Chef ich übernehm dann mal!“, wandte sie sich an Carlo. Dieser nichte und richtete sich dann an mich. „Trinkste mit mir noch einen Kaffee?“, fragte Carlo. Ich schaute auf die Uhr. „Klar, ich ruf eben meinen Freund an, damit er Bescheid weiß!“, bejahte ich seine Frage und griff zu meinem Handy.

Nach zweimaligem Klingeln war Leon bereits am Apparat. „Hey!“, begrüßte er mich mit sanfter Stimme. „Ich hab den Job“, wurde ich gleich die wichtigste Neuigkeit los. „Das ist klasse!“ beglückwünschte er mich. „Ich freu mich für dich!“, kam von ihm. „Ich würde hier noch mit Carlo nen Kaffee trinken und komm dann nach Hause“, teilte ich Leon mit. „Ich kann dich auch abholen?!“, bot Leon an. „Hat dies Angebot irgendeinen Hintergrund?“, erkundigte ich mich. Leon lachte. „Vielleicht?!“, gab er zu. Ich schmunzelte. „Na…dann komm her… ich regel das…“, sprach ich dann. „Treffen wir uns nähe Rumfordschlössl?“, schlug ich vor. Leon bestätigte und legte auf.

Als ich mein Handy wieder in die Hosentasche gesteckt hatte drehte ich mich zu Carlo um. „Was dagegen, wenn wir uns einen Cafe-to-go mitnehme und ne Runde spazieren gehen?“, fragte ich Carlo. Verwirrt schüttelte dieser den Kopf. „Äh, nö… könn´ wir machen!“, gab Carlo sich einverstanden. Wir zogen uns also unsere Jacken an, schnappten uns unsere Kaffeebecher, welche Lisa und zubereitet hatte und traten nach draußen. „Magst du mir sagen, was das da vorhin war?“, erkundigte sich Carlo dann leise. Ich zuckte mit den Schultern. „Hatte halt einfach bisher nicht das einfachste Leben,… Ist aber nichts mit dem ich nicht klarkomme“, Versuchte ich ihm nicht zu viel zu verraten. „Ich… Ich hab da so ne Vermutung!“, meinte er dann zurückhaltend. „Ich werde dir nichtmehr ungefragt auf die Pelle rücken!“, versprach er mir und schaute mich an. „Sorry!“ Ich schüttelte den Kopf. „kein Grund sich zu entschuldigen. Ich… ich würde dir gerne meinen Freund vorstellen… Du…“, ich blickte ihm ernst ins Gesicht. „Was du gleich erfährst… Du musst da echt die Klappe halten…okay?“, hakte ich nach und wurde immer nervöser. Carlo nickte. „Auch da hab ich so ne Vermutung!“, sprach er dann. „Und glaube mir… ich häng an meinen Eiern… wenn ich dir was ‚antue‘ reißt Manja die mir ab!“, beteuerte er. Ich grinste. „Liegt im Bereich des Möglichen.“

Scheu schubste Carlo mich leicht an der Schulter nach vorne. Wenige Minuten später kamen wir am Rumfordschlössl an. Wenige Meter entfernt stand Leon mit dem Rücken zu uns und drehte sich um, als er unsere Schritte vernahm. „Hey, ich bin Leon… Bens Partner!“, meinte er dann ganz entspannt, doch ich merkte, dass auch ihm der Arsch auf Grundeis ging. Ich schaute Carlo neben mir an. Er sah irgendwie… blass… aus. „Gor…Gor…Goretzka?“, stotterte er vor sich hin. Ich kicherte. „Gerade eben konnte er noch flüssig reden!“, meinte ich salopp zu Leon. Dieser grinste auch. Dann wandte er sich an Carlo. „Das ist mein Name!“ „Ich…“, Carlos atmete tief durch. „Ich hätte ja einige Spieler für schwul gehalten aber nicht…“, „Mich?“, fragte Leon. Carlos zuckte mit den Schultern. „Ja?!“, bestätigte er dann. „Das beruhigt mich ungemein…“, entgegnete Leon daraufhin. „Also…ihr verarscht mich gerade wirklich nicht?“, hakte Carlo noch einmal nach. Ich schüttelte grinsend den Kopf. „Nee, ich weiß zwar nicht, was der..“, ich zeigte auf Leon. „…von mir will, aber ich bin ziemlich froh drüber!“, sprach ich und merkte im Nachhinein wie verliebt ich klang. Leon strich mir kurz fast liebevoll durch die Haare, was mich jedoch gespielt grummeln ließ. Leon musste für seine Frisur ja auch nichts tun, ich stand gefühlte Stunden vor dem Spiegel bis alles saß. „Ich würde ihn ja jetzt sogar zum Beweis küssen, aber nicht in der Öffentlichkeit…“, meinte er dann.

„Oh man“, meinte Carlo dann wehleidig. „Immer lern ich die hübschen Männer die was im Kopf haben zu spät kennen und jemand anders schnappt sie mir weg!“, meinte er dann schmunzelnd. Belustigt schüttelte ich den Kopf, bis ich Leons Gesicht sah. Leicht stieß ich ihm meinen Ellenbogen in die Rippen. „DU bist doch jetzt nicht ernsthaft eifersüchtig…“, maulte ich ihn an. Als Antwort kam aus Leons Richtung nur ein grummeln. Carlo kicherte los. „Knuffig!“, sprach er dann. „Süßer, ich wünsche dir alles Gute mit deinem Schnuckel. Wenn er dir wehtut sag Bescheid, ich hab immer eine Couch für kleine Welpen und du pack die Eifersucht schön zurück in die Schachtel wo sie herkommt. Ben ist für mich nen Kumpel und viel zu jung. Da fühl ich mich ja als würde ich mit meinem Sohn Unzucht betreiben!“, sprach er in seiner besten Tuckenstimme. Ich lachte laut los und Tränen liefen meine Wangen runter. „D…dein Sohn… tu… tu ni… tu nicht so…“, versuchte ich meinen Lachflash zu erklären. „DU… du bist niemals…“, ich holte tief Luft und versuchte mich zu beruhigen. „Du bist niemals alt genug!“, brachte ich dann zustande eher ich weiterkicherte. „Ich bin 35 Jahre alt!“, sprach er dann trocken. Verdutzt blickte ich ihn an. „Du…was?“, fragte ich nach. „Ich bin 35… mit 17 war ich mit Sicherheit schon in der Lage Blagen in die Welt zu setzen“, merkte er an. „Du…hast dich aber krass gut gehalten!“, versuchte ich mich dann durch die Blume zu entschuldigen. Leon grinste nun wieder. „Ich glaube du machst es gerade nicht besser!“, versetzte er dann. Ich räusperte mich. „Sorry!“

„Mal was anderes“, begann Leon dann. „Ben sucht noch eine Begleitung für das Spiel gegen Dortmund. Er kommt mit, weigert sich aber alleine zuzugucken. Maxi kann nicht und Manja hat auch Dienst…“, bot er Carlo den Platz an meiner Seite spontan an. Maxi hatte mir am Mittag eine Nachricht geschrieben, er hatte in der kommenden Woche zwei wichtige Klausuren und musste Lernen. Von Manja wusste ich dies schon ein paar Tage länger. Peter bekam keiner in ein Stadion. Er schaute nur Maxi zuliebe ab und zu zu und war der Meinung, wenn gäbe es eh nur einen richtigen Verein. Hertha. Die hatten seiner Meinung nach mit Davie Selke auch den heißesten Spieler. Sollte mir recht sein, einer weniger der meinem Mann nachhechelte. Kurz war ich verwirrt über meine Gedankengänge. Mein Mann?! Naja, gewissermaßen war er das ja – irgendwie…

Erfreut sagte Carlo zu und wir verabredeten uns für Freitagnachmittag nach meinem Termin mit meiner Therapeutin am Hauptbahnhof. Wir würden mit dem ICE nach Dortmund fahren und in demselben Hotel untergebracht wie die Bayern. Wie Leon das hinbekommen hatte, wollte ich gar nicht wissen. Vermutlich war dies auch nicht so ganz okay gewesen und ich würde ich weitestgehend vom Lager der Bayern fern halten. Carlo und ich hatten jeweils ein eigenes Zimmer und mir hätte ehrlich gesagt auch die örtliche Jugendherberge gereicht. Ich plante ja nur wenige  Stunden Schlaf ein und war sonst nur im Stadion. Donnerstag lernte ich nur fleißig Mathe. Genaugenommen lernte ich wieder wie ein wahnsinniger für die Schule, welche ja nun im Januar begann. Ich hatte eine Chance bekommen und würde sie nutzen. Leon hatte mir extra von seiner Mutter seinen Abiturkram schicken lassen. Natürlich unter dem Vorwand, dass er selbst mal wieder in die Bücher schauen wolle. Von wegen! Bei Mathematik war mir Leon mal so gar keine Hilfe. Er stand nur Achselzuckend daneben und murmelte irgendwas von wegen: „Joa, kein Plan….habs nicht so mit Zahlen!“ Manja hatte vorgeschlagen Carlo zu fragen, der studierte nebenbei immerhin BWL. Da sollte man wenigstens ein wenig Verständnis für Zahlen haben. Dass ich mal ein Überflieger gewesen war, merkte ich mittlerweile kein bisschen mehr. Ich hatte einfach zu lange kein Buch mehr vor der Nase gehabt. Mich ärgerte das. Zwar machte das Lernen mir nach wie vor Freude wie früher und ich hatte auch immer noch eine recht schnelle Auffassungsgabe, jedoch war irgendwie eingerostet und Mathe verstand ich irgendwie gar nicht mehr. Frustriert wischte ich irgendwann gegen Abend die Lernmaterialien vom Tisch. Gerade in dem Moment kam Leon nach Hause.

„Was ist denn hier los?“, erkundigte er sich auch gleich, während er sich von seiner Jacke und dem Schal befreite und diese sorgfältig an den Kleiderständer im Eingangsbereich hängte. „Ich versteh nur Bahnhof und kann gefühlt nicht einmal mehr das kleine 1x1. Weißt du eigentlich wie scheiße frustrierend das ist?“, maulte ich meinem Freund die Ohren voll. Dieser kam zu mir und drückte mir mit seinen kalten Lippen einen Kuss auf den Mund. „Das schaffst du schon alles!“, versuchte er mich zu beruhigen. „Immerhin hast du noch über 7 Wochen um den Stoff aufzuholen und bis auf Mathe klappt doch auch alles super!“ Leon lächelte mich an. „Ich kann nur Fußball, du kannst 4 Sprachen und bist Mr.Brain – kann man fast neidisch werden!“ „5 Sprachen“, verbesserte ich ihn, immer noch leicht genervt. „5 Sprachen?“, nachdenklich und leise mitsprechend zählte Leon durch. Kam aber wieder nur auf 4 Sprachen. „Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch….“, fragend schaute er mich an. „…Afrikaans!“, half ich ihm auf die Sprünge. „Afrikaans?“, erstaunt schaute er mich an. „Den Kramm kannst du?“, erkundigte er sich. Ich nickte. „Ich hab lang genug in Botswana und Namibia gelebt. Da kommt man mit Englisch nicht so weit“, klärte ich ihn auf. „Du warst doch aber noch echt jung damals“, meinte Leon. Wieder nickte ich. „Aber dennoch wollte ich Kontakt zu anderen Kindern. Aluna und Matayo haben mir am meisten beigebracht. Sie waren wohl am ehesten so etwas wie Freunde für mich…“, Während ich gesprochen hatte, war ich aufgestanden und hatte mich rittlings auf Leons Schoß gesetzt, „Verstehe!“ Leon küsste mich. Vielleicht solltest du über ein Studium in der Richtung nachdenken, falls es mit Medizin nichts wird…“, schlug er vor. Ich nickte. „Vielleicht aber vorerst gebe ich meinen Traum nicht auf – nicht nachdem ich mich jetzt endlich wieder traue dran zu glauben… da bist du dran schuld!“, warf ich Leon nur halbernst vor. „Schuldig im Sinne der Anklage – gern geschehen!“, ging er auf mein Gefrotzel ein. Innig küsste er mich dann wieder.

Wir aßen noch ein wenig zu Abend und gingen dann früh ins Bett. Leon würde morgen recht früh nach Dortmund aufbrechen und mein Termin mit Frau Filbert würde für mich auch kräftezehrend werden.
Freitagmorgen standen wir gemeinsam auf, Frühstückten miteinander und stellten und dann noch gemeinsam unter die Dusche. Das hatte bei uns derzeit noch nicht wirklich eine sexuelle Komponente. Wir genossen einfach das Beisammensein. Daraufhin zog Leon sich schnell um und verließ dann die Wohnung. Ich hatte noch gut eineinhalb Stunden, bis ich würde aufbrechen müssen. Der Termin mit der Therapeutin verlief super. Ich konnte Frau Filbert recht gut leiden und sie ging sensibel genug mit dem um, was ich ihr erzählte, so dass ich nicht gleich genervt war oder mich angegriffen fühlte. Darüber, wer mein Freund war, schwieg ich jedoch vehement. Vielleicht hätte ich irgendwann genug Vertrauen zu ihr, noch war der Zeitpunkt jedoch noch nicht gekommen. Sie akzeptierte all das und drängte mich absolut zu nichts. Auch mit nachfragen hielt sie sich erstaunlich zurück. Wir vereinbarten erst einmal eine Therapiestunde pro Woche und sie bat mich, in Zukunft immer jemanden in der Hinterhand zu haben, den ich anrufen könnte um mich abzuholen, falls die Stunde mal mehr an meine Substanz gehen sollte. Dies würde ich bestimmt gut hinbekommen.

Zum Schluss sprach ich dann einen Punkt von mir doch noch einmal alleine an. „Ich…“, ich blickte durch eines der großen Fenster hinaus in ihren Garten. „Ich bekomme in letzter Zeit immer häufiger Panikattacken, wenn ich von anderen Personen unvorbereitet angefasst werde. Das hatte ich all die Jahre nicht – wieso gerade jetzt?“, erkundigte ich mich. Frau Filbert schaute ebenfalls kurz nach draußen, dann blickte sie mir ernst ins Gesicht. „Ich will nicht lügen, dass kann auch noch schlimmer werden und ich bitte dich, mir immer von solchen Vorkommnissen zu berichten“, fing sie an. „Dein Körper und Geist sind jetzt zur Ruhe gekommen. Du hast ruhe, kannst dich mit dir auseinander setzen. Das hat halt in deinem Fall nicht nur positive Aspekte. Dir sind Dinge widerfahren, die du all die Jahre nicht in der Lage warst zu verarbeiten. Dein Körper stand unter Dauerstress, sonst wärest du längst früher zusammengebrochen…“ Ich atmete tief durch. „Ich hab das doch alles aber freiwillig getan“, meinte ich zögerlich. „Wirklich?“, hakte meine Therapeutin nach. Ich reagierte erst nicht. Dann sprach sie weiter. „Auch, wenn du das nicht hören willst, aber du bist ein Opfer Ben…“, Ich schaute empört auf, doch sie beruhigte mich umgehend. „Du hattest keine Wahl und deswegen bist du ein Opfer dessen was dir widerfahren ist. Wärst du in einer anderen Situation gewesen hättest du andern gehandelt…“ Das stimmte. Wie oft hatte ich mich nicht vögeln lassen wollen? Wie oft hatten meine Freier nicht aufgehört obwohl ich schmerzen hatte? Wie oft hatte ich nicht das vereinbarte Geld bekommen sondern wesentlich weniger? Ich presste meine Lippen aufeinander, schaute in meinem Schoß in welchem ich fast schmerzhaft meine Hände knetete. Dann nickte ich und Tränen liefen mir die Wangen hinunter. „Ben, ich denke es gibt viel zu verarbeiten und deswegen würde ich mit dir gerne eine andere Therapieform ausprobieren. Diese nennt sich EMDR. Eine besondere Art der Traumatherapie. Ich denke, dies wird dir am meisten bringen.“

Wirklich zugehört hatte ich nicht, doch die Aussicht, irgendwann mit all dem klar zu kommen ohne regelmäßig Aussetzer zu haben ließ mich zustimmend nicken. Manja holte mich wenig später von Frau Filbert ab. Darum hatte sie Leon im Vorfeld gebeten. Gegen 15 Uhr fuhr sie mich dann auch zum Bahnhof, nachdem sie mir zuhause ihren Spezialkakao gemacht hatte und dazu warmen Schokopudding. Ich hatte mich derweil wieder soweit beruhigt, dass ich mich auf Abends in Dortmund freuen konnte. Carlo und ich würden in der Innenstadt noch etwas essen gehen und planten zumindest ein kurzes Undercovertreffen mit Leon. Um kurz vor 4 ging für mich und Carlo der Zug nach Dortmund. Manja war ganz begeistert gewesen, als sie erfuhr, dass wir Carlo nun auch eingeweiht hatten. Am Bahnhof verabschiedete sie mich und Carlo überschwänglich. Kurz darauf verließ der Zug den Münchner Hauptbahnhof. Das erste Mal seit Jahren, dass ich München den Rücken kehrte, wenn auch nur kurz. Aber es fühlte sich ein Stück weit nach wiedergefundener Freiheit an.
 
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