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Wir sind beide Kämpfer (Teil 1 - Kämpferherz)

von KiwiMaus
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 Slash
Die deutsche Nationalmannschaft FC Bayern München
24.10.2019
05.11.2019
13
70.133
11
Alle Kapitel
40 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
03.11.2019 4.575
 
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Bonjour, Viel Spaß heute beim lesen
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Als das Essen kam, ich hatte mir eine Pizza Parma bestellt – meine Lieblingspizza – nahm ich mir die Pillenbox aus meiner Tasche. Möglichst unauffällig versuchte ich meine Abendration aus dem kleinen Fach zu pulen. Maxi wurde darauf aufmerksam. „Huch, was machst´n da?“, erkundigte er sich neugierig. Ich schluckte, da ich ja unmöglich sagen konnte, wofür die Tabletten waren. Die Reaktionen darauf kannte ich zu genüge und dann wäre dies wohl auch der letzte nette Abend unter meinen neuen Bekannten. „Uhm… ich…“, ich stotterte, sah immer wieder hilflos von Maxi auf meine Pillen. „Maxi, Ben… kommta mit raus ene rauchen?“, fragte da Peter und sein Blick ließ keine Widerrede zu. Dies bemerkt wohl auch sein Freund Maxi. „Boah, immer diese Raucher. Rauchst du etwa auch?“, fragte Thorsten genervt.  Nervös schaute ich zu Peter. „Nö, ich wollt mit dem Kleinen nur mal in Ruhe quatschen. Und damit Maxi nicht wieder mit seinen Eifersuchts-Triaden kommt nehm icke ihn einfach mit raus…“, meinte Peter nur und legte einen Arm um seinen Freund. Dieser blickte in einer Mischung aus Verwirrung und Unverständnis in die Runde. Verunsichert tippelte ich hinter Peter aus dem Lokal.

Dieser machte sich sogleich auch wirklich eine Kippe an, während sein Freund ihn von der Seite auch sofort anzickte. „Was sollte das Peter?“ Maxi blickte seinen Freund verärgert an. „Ich hab…“, bevor Maxi weiter wettern konnte drehte Peter sich zu ihm. „Maxi, Du bist in erster Linie gerade etwas zu neugierig, wa?! Was geht´s dich an, wat Ben für Medikamente nimmt?“, blaffte er ihn an und ich zog dabei meinen Kopf ein. Nicht so Maxi. Dieser fing nun erst recht an zu zetern. „Ich hab ne verfickt normale Frage gestellt?“, schnauzte er Peter an. Dieser blieb ganz gelassen. Dann schaute er zu mir. Dabei sah er so aus, als würde er etwas abschätzen. „Weeßte du noch von dem Patienten, wegen dem ick so viele Schichten geschob´n hab?“, wandte er sich dann aus dem nichts wieder an seinen Freund. Dieser nickte völlig perplex. „Der, der irgendwie mit nem Sportler zusammen is und… HIV hat?“, hakte er nach. Dann verstummte er und schaute plötzlich mich mit großen Augen an. „Das isser?“, kiekste er dann statt vernünftig zu reden. Mir wurde heiß und irgendwie auch echt schlecht mit einem Mal. Peter nickte. Ich schluckte die Tränen weg, die den Weg aus meinen Augenwinkeln finden wollten und versuchte stark zu bleiben für das was da kam, entschied mich dann aber auf Angriff zu schalten.

„Vielen Dank du Arsch, dass ich dir so super vertrauen kann!“, fuhr ich ihn an. „Steck deinem Stecher doch gleich noch den Namen von meinem Freund. Hey, in euren Akten müsste doch sogar irgendwo seine Adresse stehen!“, blaffte ich weiter. Mittlerweile stand ich direkt vor Peter, drehte mich dann zu Maxi. „Na komm! Zeig wie entsetzt du jetzt bist und pack am besten die Schublade Vorurteile aus!“ Mittlerweile war ich wesentlich lauter geworden. „Ben, beruhig dich!“, redete Peter leise auf mich ein und legte eine Hand auf meine Schulter. Ich hatte kaum mitbekommen, dass ich mittlerweile zitterte und auf meine Wangen waren feucht. Heulte ich? „Maxi hat keine Vorurteile!“, versuchte Peter mich weiter zu beruhigen. Maxis gerade noch entsetzter Gesichtsausdruck wich Verständnis. „Nein, habe ich in der Tat nicht…“, meinte dieser beschwichtigend, was mich so gar nicht beruhigte. „Peter hat mir das damals erzählt, weil ich dachte, er hätte nebenbei was laufen, weil er quasi nur am arbeiten war…“, erklärte mir der kleine Blonde. Maxi war in der Tat fast zwei Köpfe kleiner als ich. Größer als 1,70m war er niemals.

„Ach und das soll ich euch jetzt glauben?“, mittlerweile schmeckte ich Blut in meinem Mund, so sehr biss ich mir auf die Innenseiten meiner Wange um mich irgendwie wieder in den Griff zu bekommen. „Ben, beruhig dich!“, sprach Peter auf mich ein. „Soll ich deinen Freund anrufen?“, sprach er weiter. Ich saß mittlerweile auf dem Boden, Maxi und Peter vor mir. Wann war das passiert. Gerade hatte ich noch Maxi anpaulen wollen und jetzt saß ich auf dem Boden und flennte wie ein kleines Kind. Peter tastete derweil an meiner Jacke entlang und fischte mein Handy aus der Hand. „Naja, er wird ja mittlerweile wieder im Hotel sein denk ich mal…“, sprach Peter leise. Wohl eher zu Maxi als zu mir. „Pin?“, fragte er mich dann. Ich reagierte überhaupt nicht. Peter nahm meine Schreibhand und drückte den Zeigefinger auf den Button meines Handys. Gut dass es für die Teile mittlerweile Touch-ID gab. Ich hätte Peter gerade nicht einmal mehr mein Geburtsdatum sagen können und wusste nicht wo oben oder unten war. Dann fummelte Peter an meinem Smartphone herum. Maxi hatte sich vor mich gekniet. Guckte mich besorgt an.

„Ja, Hallo… Peter hier… ja, jenau… der Pfleger… richtig… geht’s nich gut… keene Ahnung… Freund… erzählt… musste… fand er nicht gut… nein… aufgeregt… Nerven oder so… zittert… okay… warte… geb ihn dir!“ Ich bekam nur Schnipsel des Gesprächs mit, da ich überhaupt nicht aufnahmefähig war in meinem Zustand. So ergab das alles für mich keinen Sinn was Peter da sprach, sondern führte nur dazu, dass mein Schädel noch mehr zu brummen begann. Dann wurde mir was ans Ohr gehalten. Mein Telefon?! „Hey!“, kam es. Leon. „Hörst du mich?“, fragte er nach. Ich gab nur irgendeinen Laut von mir. „Du hattest mir versprochen nen schönen Abend zu haben!“, erinnerte er mich. Ich nickte und holte tief Luft. „Peter hatte bestimmt nichts Böses im Sinne. Ich weiß, es fällt dir schwer zu vertrauen aber ihm kannst du vertrauen und ich glaube seinem Freund auch. Wir können ihn ja mal einladen!“, redete er weiter und ich merkte, wie ich wieder klarer wurde. Um mich herum mehr wahrnahm. „Wie wär´s, wenn du heute Abend bei den Beiden schläfst?“, schlug er vor. „Dann bist du nicht so alleine.“ „Hmm“, gab ich von mir. Ich schniefte. „Ich… hab dich… Danke!“, stotterte ich. „Ich bin morgen gegen 14 Uhr wieder zuhause dann reden wir, okay?“ Ich nickte, schnallte dann aber, dass er das ja nicht sehen konnte. „Okay!“, sprach ich schwach. „Versuch noch einen schönen Abend zu haben. Bleib vielleicht noch eine Weile mit Peter draußen… und trink einen für mich mit!“, meinte Leon dann mit einer sanften Stimme. Peter hatte sich derweil bequem neben mich auf den Boden gesetzt. Maxi saß im Schneidersitz vor mir.

Nachdem Leon das Gespräch beendet hatte, nicht ohne mir zu sagen, dass ich ihn ruhig heute wenn ich zu Bett ging noch einmal anrufen sollte, blickte ich zu Peter. „Danke und sorry!“, entschuldigte ich mich leise. „Hey, alles gut!“, meinte dieser. „Ich wäre glaube ich in deiner Situation auch öfter mal etwas drüber!“ Peter klang ehrlich als er das sagte. Da räusperte sich Maxi. „Hey, ganz ehrlich. Ich werd still halten und… meld dich gern jederzeit bei mir…“, bot dieser mir an. Er hatte sich vor mir hingekniet. Gerade als ich ansetzten wollte um zu antworten ging die Tür des Italiener auf. „Hey Leute, wo bleibt ihr denn?“, trat Carlo fragend aus dem Lokal. Als er mich sah verstummte er. „Alles okay hier?“, fragte er argwöhnisch. Peter nickte. „Ja, Ben ist nur gerade am Bordstein weggeknickt. Ich hab geguckt ob was kaputt ist. Sah schlimmer aus als es ist. Wir kommen gleich“, sprach er wie aus der Pistole geschossen. Lügen konnte er ohne rot zu werden. Kein Wunder das Maxi manchmal wohl etwas überreagierte. Wer so gut lügen konnte. Maxi nickte ebenfalls. „Ich lass mir gleich in der Küche mal nen Beutel Eis für ihn geben!“, sprang er auf den Zug mit auf. Carlo nickte und ging ohne ein weiteres Wort wieder hinein.

„Puh! Das war knapp!“, meinte Maxi und schaute dann noch einmal zu mir. „Ernsthaft!“, griff er das vorherige Thema noch einmal auf. „Ich hab nichts gegen dich… und…“, er stockte ehe er weiter sprach. „Wer dein Freund ist bleibt auch bei mir. Ich verrate nichts!“ Er schaute mich mit einem ehrlichen Blick an. Durch die Jahre auf der Straße sah ich in der Regel, wenn jemand nicht ehrlich war. „Danke!“, meinte ich noch einmal mit immerhin etwas festerer Stimme. Peter stand auf und reichte mir seine Hand. „So, und nun wird gegessen. Die Pillen machen sich nicht gut auf leeren Magen“, sagte er und half mich auf die Beine. „Und heute pennst du einfach bei uns!“, quasselte Maxi dann weiter. „Ernsthaft!“, sprach er etwas überdreht. „Du musst mal Peters Rührei probieren, dann willst du nur noch bei uns Frühstücken!“ So begeistert wie er klang nahm ich ihm das sogar ohne mit der Wimper zu zucken ab. Peter legte eine Hand in meinen Rücken und dirigierte mich zum Eingang der Gaststätte. Bevor wir rein gingen hielt Maxi mich noch einmal zurück. „Aber mal ernsthaft, ich möchte wenigstens ein Autogramm vom Goretzka!“, sprach er leise und grinste mich an. Ich knibbelte mir auf meiner Unterlippe rum und nickte dann. Ich nahm mir vor, mit Maxi in Kontakt zu bleiben. Ich konnte ihn irgendwie gut leiden.

Die ersten Minuten zurück in der Runde der anderen war ich still und nachdenklich. Ich hatte schnell, diesmal unbemerkt, meine Medikamente genommen und knusperte lustlos an meiner Pizza herum. Peter lächelte mich immer wieder aufmunternd an. Maxi hatte mir allen Ernstes einen Beutel Eis geholt. Unauffällig hatte ich diesen auf den Boden zu meinen Füßen wandern lassen. Carlo hatte dies nicht mitbekommen. Er dachte wohl wirklich ich würde meinen Knöchel kühlen. Er hatte drinnen den Jungs erzählt, was vermeintlich passiert war. Da Maxi und Peter mich jedoch eh von beiden Seiten flankierten dachten diese wohl auch, dass ich meinen Knöchel verknackst hatte. Irgendwann verwickelte Maxi mich in ein Gespräch über sein Studium. Maxi studierte Anglistik und Volkswirtschaftslehre an der LMU und war mittlerweile in seinem Master. Ich fand es spannend ihm zuzuhören. Zwar wollte ich nach wie vor Medizin studieren auch wenn dies ein Traum blieb, doch zumindest Anglistik klang auch für mich spannend.

Irgendwann beteiligten wir uns dann aber wieder an dem Gespräch in der Runde. Mittlerweile waren die Jungs beim Fußball angekommen. „Ey… Jungs…“, Thorsten unterbrach die Diskussion über die vergangenen Torchancen der Bayern. „Was haltet ihr eigentlich von Goretzka? Unser Neuzugang ist schon ne ziemlich geile Sau, oder?“, fragte er und seine Augen blitzten vergnügt. „Was meinst´n?“, fragte Carlo und Rene schaute ebenfalls fragend in dessen Richtung. „Naja, mal ehrlich. Die Bayern haben ja ein paar scharfe Spieler! Aber nun der neue…“, verdeutlichte Thorsten seine Frage. „Ich mein… Neuer, Hummels, Kimmich…“ Grinsend schaute er in die Runde. „Och!“, warf Rene ein. „Joa… ich find den Goretzka doch wesentlich leckerer als den Kimmich oder so…“, meinte er und seine Ohren liefen ein wenig rot an. Mir gefiel das Thema so gar nicht. „Goretzka?“, erkundigte sich nun Stefan. „Ernsthaft?“ Rene schaute auf. „Ja, wieso?“, fragte er nach. „Naja, der ist zwar ne geile Sau aber arrogant bis zum geht nicht mehr.“, haute er seine Meinung raus. „Schwul könnt der aber sein…“, meinte nun Carlo. „Was meinst du?“, fragte dieser nun mich. Ich verschluckte mich an meinem gerade an den Mund gesetzten Radler und hustete. „Ich?“, kickste ich. Alle in der Runde nickten. „Öhm… Goretzka… und… also… klar ist der ganz… nett… anzuschauen mein ich… aber… also… Neuer?!“, warf ich ein und hoffte das Thema sei somit an mir vorbei gegangen.
„Neuer?“, griff auch gleich Stefan meinen Kommentar Gott sei Dank auf. „Der ist hundertpro Schwul… hoffentlich merkt sein… Frauchen“, wobei er das Wort mit in die Luft gemalten Gänsefüßchen flankierte. „…das in absehbarer Zeit auch mal. Fürchterlich… Der Typ soll endlich dazu stehen, dass er auf Schwänze steht. Also ich würd ihn ja nicht von der Bettkante stoßen… aber den Goretzka… auch nicht“, philosophierte er weiter. Thorsten guckte wieder zu mir. „Und du? Scharf auf Neuer oder auf Goretzka?“, fragte er mich grinsend. „Auf meinen Freund“, meinte ich lapidar. Konnte ja hier bis auf ein paar Ausnahmen keiner Wissen, wie ehrlich ich ihm geantwortet hatte. „Ernsthaft? Gehörst du zu den ganz treuen die nicht mal recht oder links schauen?“, fragte Thorsten nun weiter. Ich nickte. „Ich weiß zwar wenn nen Mann mir gefällt aber in erster Linie gefällt mir der, den ich zuhause habe“, antwortete ich ehrlich. Abfällig schnaubte Thorsten. „Carlo ernsthaft? Wieso schleppst du immer Kerle an, die nicht an sich rumschrauben lassen?“, fragte er nun meinen neuen Bekannten. Dieser zuckte die Achseln. „Stört dich doch nur, dass du nicht dran rumschrauben darfst…“, meinte er nur und griente nun in die Runde. Alle anderen grinsten nun auch. Schien also was dran zu sein an Carlos Aussage. Thorsten schaute nur angesäuert.

So langsam drifteten dann alle zu anderen Themen und unterhielten sich untereinander. „Wollen wir dann los?“, fragte mich Maxi, nachdem wir unsere dritte Runde Bier geleert hatten. „Klar, meinte ich und war eigentlich auch ziemlich froh, der Runde zu entkommen. Gerade Thorsten konnte ich nicht einschätzen, welcher mich immer wieder von der Seite gemustert hatte. „Bin auch ziemlich Müde mittlerweile!“, redete ich weiter. Peter nickte. „Verständlich, bist ja auch noch nicht wieder komplett hergestellt!“, meinte dieser. „Dann bestell ich mal nen Taxi“, meinte Maxi. Peter nickte und blickte dann zu mir. „Hast du deine Medis für Morgen früh dabei oder müssen wir bei euch vorbei?“, fragte er mich. Ich nickte. „Hab mir die komplette Pillendose für die Woche geschnappt“, erklärte ich und tippte mit der Hand auf meine Jackentasche. „Sehr gut!“, meinte Peter. „Dann lass uns mal los. Taxis brauchen hier nicht lange…“

Kaum waren wir aus dem Restaurant auf die Straße getreten hielt wirklich gerade ein Taxi vor Maxi. „Schatz… Ben… beeilt euch!“, rief er zu uns rüber. Peter grinste. „Mein Floh…“, kam es liebevoll über seine Lippen. „Kommen!“, rief er dann aber seinem Freund zu. Im Taxi setzte ich mich nach hinten zu Maxi, während Peter dem Taxifahrer die Adresse nannte. Weniger als eine viertel Stunde später hielt dies vor einem Neubau in der Nähe des Wiener Platzes, inmitten von lauter Altbauten. „Willkommen in unserem gemütlichen Zuhause!“, hieß Maxi mich enthusiastisch willkommen.  „Ich hoffe du kannst die Nacht heute gut bei uns pennen…“, meinte er noch, ehe er in den Fahrstuhl hüpfte. „Ich…geh dann mal die Treppe!“, sprach ich und steuerte auf das Treppenhaus zu. „WIESO?“, fragte Maxi mich entsetzt. Ich hasste Fahrstühle und da es mir besser ging stellte ich mich nur ungern in so ein Ungetüm. Viel zu oft las man in den Nachrichten, dass bei Fahrstühlen die Seile rissen oder die Bremsen versagten. Mein gerade begonnenes Leben mochte ich ungern auf diese Weise verlieren. „Ich… mag Fahrstühle nicht besonders!“, gab ich Maxi nur als Antwort ehe ich die Stufen erklomm. Maxi und auch Peter schienen das hinzunehmen, denn ich hörte wenig später die Geräusche des aufsteigenden Fahrstuhls.

Als ich in der dritten Etage ankam, standen Peter und sein Freund vor mir. Maxi strahlte mich aus seinen fast karamellfarbenen Augen freudig an. „Ich glaube wir werden echt super Freunde!“, meinte er und grinste. Woher er diese Erkenntnis hatte, blieb mir ein Rätsel. Zwar würde ich mich freuen, wenn es so käme. Da, wie ich mittlerweile wusste Maxi, genau wie Leon, nur ein Paar Jahre älter war als ich. Jedoch blieb ich weiterhin skeptisch. Eine Angewohnheit die ich wohl so schnell nicht würde ablegen können. „Komm, ich zeig dir das Gästezimmer“, bot Maxi an und zog mich gleich hinter sich her durch den langen Flur ihrer Wohnung. Peter schmunzelte amüsiert über das Verhalten seines Freundes. Ganz hinten riss er dann eine Tür auf. „Warte, ich bezieh dir nur eben das Bett...“, er schaute mich nachdenklich an. „Flauschbettwäsche…ja, du bist der Typ für Flauschbettwäsche“, sinnierte er vor sich hin und zog kurz darauf eine Flanellbettwäsche aus einem schmalen Schrank in der Zimmerecke.

„Magste inner Küche nen kleinen Absacker haben… oder nen Kakao?“, fragte mich Peter, der wenig später hinter mir stand. „Der tobt sich da jetzt eh erst mal nen paar Minuten aus, damit du es gemütlich hast!“, erklärte er mir schmunzelnd das Schauspiel was sich vor meinen Augen abspielt. „Maxi mag dich glaub ich!“, warf er dann hinterher und zwinkert mir zu. Dann dreht er sich um und ging auf die, wie ich vermutete, Küche zu. Ich folgte ihm. „Ich… also… Kakao wäre toll!“, meinte ich dann und blicke die Fliesen an. „Wieso…. Wieso seid ihr… also… wieso seid ihr so nett zu mir…?“, erkundigte ich mich errötend. Peter lacht kurz auf. „Ernsthaft Kleener?“, belustigt schaute er mich an. „Dich kann man eigentlich nur möjen…“ Überrascht schaute ich auf. „Naja… Du bist… ehrlich… gerade heraus… nett… zuvorkommend… intellijent und… ick würd sagen verdammt sexy…“, haute er raus und machte am Ende eine witzige Grimasse die mich zum Lachen bringt. „Und ne wandelnde Katastrophe… Tod auf zwei Beinen…“, setzte ich kurz darauf leise ein. „Die Katastrophe kann icke nich beurteilen…“, meinte Peter und schaute mich sanft an. „Aber dat mit dem Tod kannste knicken… Für mich siehste aus wie das blühende Leben und mit den Happypillen wird das auch sehr sehr lange so bleiben!“, meinte er dann ernst.

Ich seufzte auf. „Wieso meint das eigentlich jeder?“, hinterfragte ich das dennoch. „Weils so ist!“, sprach hinter mir Maxi und kam ins Zimmer. „Alter, die Diagnose ist doch schon ewig kein Todesurteil mehr und nen Drama schon gar nicht!“, meinte er lapidar und nahm Peter den Topf aus der Hand, in dem er gerade Kakao kochen wollte. „Setz dich hin Hase, ich mach schon… dir brennt eh immer die Milch an!“, sprach er zu seinem Freund und küsste ihn zärtlich auf den Mund. Kurz dachte ich an Leon. Wie gern ich das auch mit ihm hätte. „Ihr habt doch gar keine Erfahrung mit dem Kram, wie könnt ihr da so locker drüber Urteilen?“, fragte ich dann. „Weil…“, Maxi blickte kurz zu Peter. „…Ich das sehr wohl kann…“, meinte er dann und setzte sich auf die Arbeitsplatte neben dem Herd. Verwirrt schaute ich ihn an. „Positiv seit fast genau 5 Jahren…“, sprach Maxi weiter und hob seine Hand wie zum Gruß. Nun schaute ich wohl etwas entsetzt.

„W….w…wie jetzt?“, fragte ich nach. „Jo… war nen bisschen dumm damals…Meine ersten Erfahrungen in einem Klub… war extra nach Köln gefahren… Nen paar Wochen später kam dann das böse Erwachen… Mit Ende 17… Eigentlich hätten die mich damals nicht mal in den Klub lassen dürfen…“, er sah zu Peter, welcher sich nun nah neben ihn gestellt hatte und seinen Arm um dessen Hüfte geschlungen hatte. „Naja, erstmal ging es mir echt mies!“, erzählte er seine Geschichte dann weiter. „Für meine Eltern ist ne Welt zusammen gebrochen. Die dachten ja noch ich komm irgendwann mit nem netten Mädchen nach Hause. Stattdessen hatten sie dann noch… na egal… Geschichte…“, er schaute mich an. „Ich bin seit 3 Jahren unter der Nachweisgrenze der Viruslast. Peter und ich sind seit 4 Jahren nen Paar. Läuft alles super.“ Fragend runzele ich die Stirn und blickte beide an. „Wir haben Sex wie normale Pärchen, wir leben wie normale Pärchen…“ So richtig war mir immer noch nicht klar, wieso er mir das alles… naja, okay, wieso er mir das erzählte war mir klar. „Wieso also…“, weiterreden  brauchte ich nicht. „Wieso ich dir das alles erzähle?“, fragte mich Maxi. „Weil du dringend was an deinem Denken ändern solltest, wenn du die Sache mit deinem Süßen nicht an die Wand fahren willst!“, klärte er mich auf und schaute liebevoll zu seinem Freund.

„Ich hab den Fehler gemacht, den du ebenso machst!“, erläuterte er weiter. „Ich hab Peter fast von mir gestoßen, weil ich für ihn keine Gefahr sein wollte. Gott sei dank war er hartnäckig genug und hat sich nicht so schnell abwimmeln lassen!“, führte er weiter aus. „Tja… bin halt ein Sturkopp!“, mischte sich nun wieder Peter ein. „Schatz die Milch brennt gleich auch dir an“, warf er noch ein ehe er zu mir blickte. „Leon ist ja Gott sei Dank ähnlich stur…“, schätzte er meinen Freund (?!?) ein. „Oder Lebensmüde!“, sprach ich wieder leise. „Herr Gott noch mal!“, brach es nun aus Maxi heraus. „Peter und ich ficken ohne Gummi und Peter ist trotzdem nach wie vor gesund... Mehr als das! Wir sind glücklich und würdest du das zulassen könntest du das auch sein!“, wetterte er weiter. „Schutz durch Therapie. Schon mal gehört?“, fuhr er mich an. „Das ist so sicher als wärste negativ und wie ich das bisher verstanden habe ist das doch auch dein Ziel richtig?“ Seine Augen blitzten mich geradezu an als er mich das fragte.

Ich nickte. „j…ja!“, sprach ich und war etwas überfordert. „Wunderbar...“, säuselte Maxi nun geradezu. „Dann hör auf dir so nen Kopf zu machen und genieß das Leben!“, sagte er nun wieder völlig ruhig. „Ich hab ne Idee…“ Maxi schien wieder völlig aus dem Häuschen. Bei seinen Launen konnte man echt nen Nervenzusammenbruch bekommen. „Ich nehm dich Montag mit in meine Gruppe!“, schlug er vor. „Gruppe?“, hakte ich nach. „Jup… AIDS-Hilfe…“, klärte er mich auf. „Wir treffen uns einmal alle zwei Wochen… Manchmal auch öfter… Unterstützen uns gegenseitig wenn es mal blöd für einen läuft… Jeder von und hat so ne Art Paten…Könnt ich für dich übernehmen.“ „Paten?“, fragte ich wieder nur blöd. „Ja, wenn es dir schlecht geht bringt man sich gegenseitig auf andere Gedanken... Geht mit zu Terminen wenn nötig…“, er lächelte. „Eigentlich bekommen das nur Neuinfizierte aber so wie dein Leben bisher lief gab es wohl nicht sonderlich viele Leute die dich unterstützt haben und nahmen wie du nun einmal eben bist…“, lamentierte er weiter. „Uhm…“, unsicher blickte ich zu Peter welcher lächelte und zustimmend den Daumen hob. „Ähm… Okay!“, stimmte ich etwas überrumpelt zu. „Dann… dann haben wir Montag ein Date!“ „Schön! Freut mich.“

Während unseres Gespräches hatte Maxi den Kakao zu Ende gekocht, welchen er nun in große bauchige Tassen füllte. „Also… einmal Kakao für alle!“, seufzte Maxi und setzte die Tasse an seinen Mund. Ich tat es ihm gleich. Der Kakao schmeckte himmlisch. Nach Zimt, echtem Kakao, Vanille und… „Ist da Kardamom drin?“, fragte ich überrascht. Maxi nickte. „Jup!“, bestätigte er. „Rezept meiner Oma“, erklärte er. „Hat meine Mama auch immer rein gemacht!“, berichtete ich traurig. „Maxi stellte seine Tasse auf den Esstisch und nahm mich in den Arm. „Du bist nicht mehr alleine Kleiner!“, beruhigte er mich. Ich lächelte. „Wer hier wohl kleiner ist?!“, warf ich leise ein. „Größe hat nichts mit der Länge zu tun…“, prustete er belustigt los.

Wir standen noch eine Weile in der gemütlichen Küche der beiden, ehe wir alle todmüde ins Bett fielen. Auch hier schlief ich die Nacht wunderbar und ohne böse Träume. Am nächsten Tag wachte ich durch den Geruch von frischem Kaffee und Rührei auf. Gähnend und vor mich hin blinzelnd betrat ich kurz darauf die Küche der Beiden. Peter stand am Herd und rührte in einer großen Pfanne herum, während Maxi scheinbar ebenso müde wie ich von hinten an ihn dran gekuschelt stand. „Mojen!“, begrüßte Peter mich putzmunter. „Gut´n!“, entgegnete ich. Mehr bekam ich vorerst nicht über die Lippen. „Du könntest recht mit deiner Einschätzung über eine wunderbare Freundschaft zwischen euch beiden haben!“, stimmte Peter belustigt Maxis gestriger Annahme zu. „Ihr beide seid immerhin schon mal auf einer Wellenlänge was eure morgendlichen Aktivitäten angeht“, sprach er schmunzelnd ehe er mir und auch Maxi eine Tasse Kaffee unter die Nase hielt. „Was würde ich nur ohne dich machen?“, murmelte Maxi erleichtert in seine Tasse. „Vermutlich immer noch pennen!“, gab Peter ihm eine Antwort. Maxi nickte nur. Mir war immer noch nicht nach Reden.

Als das Frühstück, mit dem wirklich besten Rührei meines Lebens, zirka eineinhalb Stunden später beendet war, bot Peter mir an, mich nach Hause zu fahren. Es war mittlerweile Mittag. Durch die lange Nacht hatten wir alle recht lang geschlafen. Zudem war Sonntag, da durfte man schon mal länger im Bett bleiben. Ich nahm Peters Angebot dankend an. „Leon ist wohl auch bald zuhause!“, redete ich los, als wir in Peters altem Renault saßen. „Das kann gut sein… hast du schon eine Nachricht von ihm bekommen?“, erkundigte er sich. Ich schüttelte den Kopf. Als ich mich vorhin fertig gemacht hatte, hatte ich schnell auf mein Handy geguckt und keinerlei Nachrichten gehabt. In dem Moment piepte mein Handy allerdings gerade und kündigte eine Whatsapp an.
~bin in ca. 30 Minuten an der Säbener! Hdl L. ~

stand in der Nachricht. Ich grinste. „Na, da haste deine Nachricht!“, meinte Peter schmunzelnd. „Was schreibt er?“, informierte er sich. „Er ist in einer halben Stunde am Bayerngelände!“, berichtete ich ihm.

Dann vibrierte mein Handy erneut.
~Mats und Manu kommen mit nach Hause~
las ich. „Und wieso guckst du jetzt so entsetzt?“, hakte Peter nach. „Mats und Manuel kommen zu uns!“, quiekte ich los und machte meinem Entsetzen Luft. Ich war heute so gar nicht auf dieses Zusammentreffen vorbereitet. „Mats…HUMMELS? NEUER?“, fragte Peter selbst etwas überfahren. „Verdammt… du hast den Jackpot Kleener!“ Ich schaute Peter verständnislos an. „Naja, zwei der attraktivsten, nettesten Spieler der Bayern… Und du hockst mit denen auf dem Sofa… aber ist wohl normal wenn man selbst mit nem Profi zusammen is“, sinnierte er weiter. Ich runzelte die Stirn. „Unser erstes Zusammentreffen war ne Katastrophe und seitdem halte ich zumindest den Neuer für nen Idioten!“, sprach ich. Dann erzählte ich Peter von diesem Treffen der besonderen Art. „Naja, ihr wart auch nich grad fair…“, zog Peter am Ende der Story ein Fazit. „Ick mein… Ihr habt den beeden weder ne Chance gelassen noch sie irgendwie vorbereitet“, erklärte er sich daraufhin. „Das war eher so nach dem Schema >Friss das!<“ Ich dachte kurz drüber nach. „Vielleicht… vielleicht hast du Recht!“, gab ich dann zu. Peter nickte. „Mit Sicherheit hab ick das!“, meinte er dann. Ich zuckte nur unsicher mit meinen Schultern und schickte Leon eine Nachricht, damit er wusste, dass ich seine Gelesen hatte und Bescheid wusste.

5 Minuten später hielt Peters altersschwacher Renault mit quietschenden Reifen vor dem Haus in dem ich mit Leon nun wohnte. Verdattert schaute ich ihn an. Fiel mir doch jetzt erst ein, dass ich Peter keinerlei Adresse genannt hatte. „Hast Recht!“, sprach Peter. „Deine Adresse steht bei uns in den Akten!“, gab er zu. „Dachte es wäre ganz schlau sie zu wissen… für den Fall, dass du mal Hilfe brauchst oder so…“, setzte er erklärend hinzu. Ich nickte nur. „Schon okay… brauch ich ja im Grunde auch!“, gab ich nun meinerseits zu.  Peter schaute zu mir. „Naja, Maxis Ansprache gestern hab ich wohl gebraucht…“, erklärte ich nun mich. Peter und ich stiegen aus und verabschiedeten und voneinander ehe Peter wieder in seine Karre stieg und davon fuhr. Nicht ohne mich daran zu erinnern, dass sowohl er als auch Maxi für mich da wären. Maxi hatte mit mir heute Morgen noch Telefonnummern getauscht. Wir würden mit Sicherheit in Kontakt bleiben.

Ich betrat die Wohnung und riss erst einmal alle Fenster auf. Frische Luft und so. Ich wollte ja zumindest jetzt einen guten Eindruck auf Leons Kollegen machen. Im Anschluss brachte ich noch den Müll hinunter in die Tonnen, welche im Hinterhof standen und saugte einmal schnell durch. Dann bereitete ich alles für Kaffee vor und suchte in Leons Vorratsschränken nach Keksen oder so. Ich fand sogar in der Tat eine ganze Schublade mit Süßkram. Sogar nicht glutenfreie Snacks waren zu finden. Als ich alles auf den Tisch im Wohnzimmer gestellt hatte hörte ich das Knacken des Schlosses. Dann schwang die Wohnungstür auf. Glücklich schaute ich Leon ins Gesicht und ging auf ihn zu. Ich gab ihm einen Begrüßungskuss, welchen Leon erst verwundert erwiderte. Dann begrüßte ich die beiden Männer die hinter ihm standen. „Hallo Mats… Hallo Manuel… kommt rein!“
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