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Wir sind beide Kämpfer (Teil 1 - Kämpferherz)

von KiwiMaus
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 Slash
Die deutsche Nationalmannschaft FC Bayern München
24.10.2019
05.11.2019
13
70.133
11
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40 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
02.11.2019 4.983
 
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Hallo meine Lieben,
sorry dass es heute erst so spät zum upload kommt. War den ganzen Tag am nähen - Wickeltasche für meine Schwester. Sie bekommt Anfang Dezember ihr erstes Kind. Ich hoffe ihr seht es mir nach.
Hab euch lieb und bin wie immer gespannt auf eure Meinungen.
Eure Kiwi
~~~~~~~

Gegen Neun Uhr hatte ich aus lauter Langeweile meinen Kleiderschrank bereits zwei Mal komplett umgeräumt.
Einmal hatte ich meine Kleidung komplett nach Farbe sortiert. Jedes Regalbrett also quasi eine andere Farbe, das zweite Mal dann jedoch nach Gefallen. Leons Bestellungen bei den Nobelfirmen waren erst einmal nach ganz oben hinten gewandert. Da kam ich gar nicht erst auf die Idee die Sachen anzuziehen. Okay, eine Ausnahme bildeten dann doch die G-Star Jeans, bei denen Leon Stilaugen bekommen hatte und die zwei ultra engen Shirts von Abercrobie und Fitch und Hilfiger, die Unterwäsche knallte ich unabhängig von der Firma in die Kommode im Schlafzimmer, in der Leon mit die Hälfte der Schubladen freigeräumt hatte. Seine Caps und Mützen waren dafür auf dem Bisher leeren Board im Eingangsbereich gewandert. In der Mitte vom Ankleidezimmer befand sich ein kleiner Tresen, auf dem ein Gestell für mit unzähligen Sonnenbrillen und anderen Brillen hing. Leon meinte ich solle mich an den Sonnenbrillen ruhig bedienen. Ich fand es irgendwie süß, dass Leon zum Autofahren eine Brille benötigte. Wenn er die Möglichkeit hatte trug er sonst Kontaktlinsen. Eitel war er also so gar nicht. Aber solange er in seinem Job nicht daneben Schoss schien das den Bayern-Verantwortlichen ja auch egal zu sein.

Genervt kloppte ich die Schuhe, die Leon mir bestellt hatte dann einfach in die Ecke in einen der großen Versandkartons. Als ich im Zimmer stand und mich umguckte merkte ich dann doch den Hunger in mir hochsteigen. Doch statt mir in der Küche eine öde Schüssel Vogelfutter zu mixen, was anderes hatte Leon nämlich nicht mehr da. Das was er hatte war auch nur das Dinkel-Hirse-Müsli, welches er morgens vor dem Training mit Soja-Joghurt aß. Ich war nicht wirklich ein Fan davon. Ich müsste aber auch weiß Gott nicht auf mein Gewicht achten oder auf meine Energie-Leistungskurve oder was auch immer Leon zu beachten hatte, was ihn dazu brachte Vogelfutter zu essen.

Ich griff zu meinem Handy, welches seit meiner sauren Nachricht an Leon in der Ladeschale lag und schickte Manja eine Nachricht.
~Hey Hexe, hast du Lust dich mit mir zum Frühstück im Backshop zu treffen? Mir ist langweilig, ich bin den ganzen Tag alleine und mir fällt die Decke auf den Kopf. Ich muss wieder raus in die Wildnis – Ben~
Keine zwei Minuten hatte ich das Gerät aus den Händen gelegt, das piepte es.
~Schnecke  Sicher hab ich da Lust drauf. Allerdings lade ich dich dann doch lieber in das Café Reitschule ein. Ich bezahle, keine Widerrede! Die haben ein geniales Frühstück und da heute ja auch Samstag ist… Bütteeee!~
Ich überlegte kurz, sagte dann jedoch zu. Leon hatte mir für den Tag 100 € hingelegt. Solange mein Antrag noch nicht durch war erwartete er eh, dass ich keine weiteren Diskussionen über Geld mit ihm führte. Er verließ dann einfach den Raum. Ich nahm also 30 € an mich und notierte sie mir auf einem Zettel. So wusste ich später ganz genau, wie viel Geld Leon von mir wieder bekam. Und wenn das abbezahlen Jahre dauern würde.
~Gern, allerdings bezahl ich für mich selbst. Treffen um 11? B.~
Von Manja bekam ich eine Nachricht mit einem Daumen hoch und einem genervten Smiley. Ich lachte über letzteres.

Eilig flitzte ich also ins Bad und duschte mich im Schnellverfahren.  Als ich mit abtrocknen und stylen meiner Haare fertig war schaute ich noch einmal auf das Telefon. Manja hatte erneut geschrieben.
~Lad dich aber dennoch ein. Sieh´s als nachgeholtes Geburtstaggeschenk. Du hast es da ja vorgezogen umzukippen statt wie verabredet deinen Kaffee abzuholen~
Schrieb sie mit einem Zwinkersmiley. Okay! Wenn sie es so wollte. Dann akzeptierte ich dies. Ich konnte sie an ihrem Geburtstag dann ja ausführen und mich revanchieren. Musste ich nur noch herausfinden, wann dieser war. Das würde sich aber mit Sicherheit nicht schwierig gestalten. Manja quatschte viel und gerne.

Als ich gegen halb elf in meinen nagelneuen Timberland Boots geschlüpft war und mir meine ebenfalls neue Winterjacke schnappte – okay, bei mir war alles neu, kein Plan wo Leon meinen alten Kram gelassen hatte – klingelte mein Handy erneut. Diesmal war es jedoch ein Anruf. Leon. Sofort ging ich dran. „Hey!“, sprach ich hastig in den Hörer. Am anderen Ende konnte man Leon geradezu schmunzeln hören. „Hi!“, sprach Leon entspannt
„Was machst du gerade?“, fragte ich ihn. „Wir sitzen noch im Hotel und spielen Karten und so. In einer Stunde ist noch Spielbesprechung und dann geht es so langsam ins Stadion sprach er. Ich vermisse dich!“, rede er in eins durch. Ich lächelte. „Das klingt doch super!“, meinte ich. Hauptsache du hast vor dem Spiel noch Ruhe…“, sprach ich. „Hmm, zu viel… ich denk ständig an dich und Manuel hat mich daher schon angesprochen. Und der Lange ist richtig schlecht auf mich zu sprechen. „Lange?“, fragte ich nach. „Na Thomas. Der meint er dürfte mich jede Minute anraunzen. So langsam reichts mir. Hab schon kein Bock mehr auf das Gespräch!“, meinte er dann. Ich schnaubte auf. „,Ey, soweit ich das klar gekriegt habe, warst du ihm gegenüber auch nicht gerade ein Engel Schätzchen!“, erinnerte ich ihn. „Ernsthaft?!“, kam es aufgebracht von Leon. „Fängst du auch noch damit an?“, fragte er mich sauer. „Ach komm…“, sprach ich nun auch angesäuert. „Wenn du was nicht willst gehst du auch einfach mit dem Kopf durch die Wand…“, sprach ich. „…siehe meinen EINZUG hier!“, funkte ich ihn an.
„Ohne mich würdest du jetzt WO wohnen?“, fragte Leon dann aufgebracht. Mir wurde schlecht. Im nächsten Moment hörte ich Leon am Telefon stöhnen. „Scheiße man, das meinte ich nicht so!“, sprach er beschwichtigend. „Ach leck mich! Fick dich LEON!“, sprach ich aufgeregt ins Telefon und legte auf. Kurz darauf piepte mein Handy. >>wir reden nachher! Ich meinte das wirklich nicht so! Ich hab dich lieb – L<< Wütend steckte ich mir  das Telefon in die Hosentasche. Beschloss aber mir davon nicht meine Tagesplanung versauen zu lassen.
Als ich die Wohnung verlassen hatte und im Fahrstuhl stand kam mir mein Verhalten jedoch wieder viel zu überzogen vor. Ich wählte Leons Nummer. Nach dem dritten Tuten hörte ich ein Rauschen in der Leitung. „Sorry!“, sprach ich leise, bevor Leon etwas sagen konnte. „Hey, ist okay… mein Spruch war absolut das letzte. Ich hatte es verdient…“, sprach Leon. „Ich verspreche dir, dass ich keinem Streit mehr so etwas sagen werde. Ich meine, nur weil ich Sauer bin hab ich das nicht an dir auszulassen und wir beide haben leider beide scheinbar mehr Temperament!!“ Seine Stimme klang liebevoll. „Ich hoffe ich bin gegen 13 Uhr am Stadion. Man was bin ich froh, dass ich heute Morgen so früh los bin …“, sprach er. „Ich hätte echt gestern mit der Mannschaft ins Hotel fahren sollen!“, gab er zu. „Ich nickte, bis ich merkte das er das ja gar nicht sehen konnte. „Nächstes Mal machst du das einfach!“, sprach ich.

„Ich treff mich nun mit Manja zum Frühstück!“, berichtete ich Leon dann doch. Er sollte wissen, dass es okay war wenn er mich alleine ließ. Ich war immerhin erwachsen aber irgendwie schien Leon da so seine Hemmungen zu haben. Vielleicht hatte er auch Angst ich wäre weg, wenn er wieder kam? „Du verlässt doch hoffentlich nicht allein die Wohnung!“, sprach Leon darauf sofort energisch. „Doch!“, widersprach ich. „Manja und ich treffen uns am Café“, berichtete ich ihm. Bevor Leon etwas erwidern konnte, redete ich jedoch weiter. „Mir geht es auch gut Leon… Wirklich!... Ich hab die Winterboots an, die dicke Winterjacke von dir und trage sogar diesen schwulen Schal…“, Leon lachte auf. „Passt dann doch…“, foppte er mich. „Haha!“, entgegnete ich beleidigt. „Wenn du das Preisschild nicht abgepult hättest, wäre der unter Garantie zurückgegangen!“, klärte ich ihn erbost auf. „Reg dich ab!“, meinte Leon gelassen. „Ich hab dir bereits einen ganz normalen bestellt. Außerdem steht es dir frei dich an meinen Kleidungsstücken zu vergreifen!“, bot er an. „Wie gütig!“, meinte ich. „Das sagst du mir jetzt ne halbe Stunde zu spät. Jetzt trag ich das karierte Scheißteil mit Glitzerfäden!“, sprach ich. „Mit dem Teil kann ich jeder Dragqueen Konkurrenz machen!“, behauptete ich. Leons Schmunzeln war wieder zu hören. Oder fühlte ich das nur, wenn er Schmunzelte? „Der Kauf von dem Ding war auch nicht ganz ernst gemeint!“, gab Leon dann zu. „Irgendwie muss man dich ja aus der Reserve locken. Und Kondome mit Erdbeergeschmack zu kaufen käme bei dir glaube ich nicht so gut an…“, meinte er lapidar. Ich grinste. „Erdbeergeschmack? Die Dinger stinken wie die Pest!“, meinte ich dann. „Und schmecken tun die auch nicht!“ Jetzt war Leon sprachlos.

„Naja, ich bin dann gleich bei dem Café in dem ich mich mir mit Manja den Bauch vollschlagen will!“, sprach ich dann um das Gespräch, sowie das Thema, zu beenden. „komm gut im Stadion an und zoff dich nicht mit Kollegen!“, meinte ich dann und meine Stimme klang ungewohnt sanft. „Versprochen!“, kam dann von Leon. „Ich hoffe du schaust das Spiel!“, meinte er dann noch. „Sicher!“, versprach ich. „Ich will deine Mannschaft siegen sehen…hab nämlich den Verdacht, dass du sonst morgen nicht ganz so gut gelaunt bist…“, sprach ich dann noch. Irgendwie war ich nicht in der Lage einfach aufzulegen. „Könnte passieren..“, gab er zu. „Und genieß du dein Frühstück… Der Doc hat gesagt du musst mehr zulegen…“ Belustigt schnaubte ich auf. „Heißt es nicht sonst immer in einer Beziehung „nimm ab!“?!, fragte ich belustigt nach. „Wenn der Partner nicht 15 Kilo unter Gewicht liegt sondern drüber mit Sicherheit…“, nun war Leons Stimme ernst. „Ich werde denen die Haare vom Kopf fressen –Versprochen!“, meinte ich dann versöhnlich. „Das wollt ich hören!“ Das Gespräch zwischen mir und Leon glich mittlerweile ein wenig einem PingPong-Spiel. Auflegen tat jedoch keiner.

In der Zwischenzeit war ich in die U3 eingestiegen, welche mich zu dem Café bringen sollte. Leon hatte mir bereits die Woche eine Monatskarte für die Straßenbahn gekauft und mir auf die Ablage im Flug gelegt. Es war ein merkwürdiges Gefühl, in der Bahn zu sitzen und trotz Kontrolleur völlig entspannt bleiben zu dürfen. Zwischen dürfen und können lag jedoch ein riesiger Unterschied. Ich war froh, Leon am Ohr zu haben. Sonst wäre ich vermutlich längst nervös zu Tür getigert. Die letzten Jahre hatte ich kein Geld gehabt um mir mal eben eine Fahrkarte zu kaufen. Leon erzählte mir die ganze Zeit irgendwas. Wo er gerade war oder an was er so dachte. „Bist du in der U-Bahn?“, erkundigte sich Leon dann. Er hatte wohl das abbremsen für die nächste Station gehört. „Jo…. Zu Fuß geh ich die Strecke mit Sicherheit nicht. Das Navi hat vorhin gesagt ich bin ne Stunde unterwegs…“, erklärte ich Leon. „Wo geht’s denn hin?“, fragte er erstaunt. „Café Reitschule…Manja ist da wohl ganz begeistert…“ Leon gab einen zustimmenden Laut von sich. „Die haben echt ganz leckere Sachen. Da war ich schon mal mit nem Kumpel von mir!“, meinte Leon dann. „Ich muss dann jetzt auch raus“, bemerkte ich. Die Bahn fuhr gerade in meine Station ein.

„Okay!“, meinte Leon dann. Seine Stimme klang fast ein wenig enttäuscht. „Dann heißt es wohl bis morgen.“ Ich verabschiedete mich auch von ihm. Leon hatte mir erklärt, dass er normalerweise vor einem Spiel auch immer ein paar Stunden brauchte, um sich zu fokussieren. Konnte ich bis zu einem gewissen grad nachvollziehen. An Tagen wo es mir beschissen ging und ich dennoch arbeiten musste… Ich merkte gerade noch, wie meine Gedanken in die absolut falsche Richtung gingen. Ich wollte mit Manja einen schönen Tag verbringen und nicht am Ende heulend in der Ecke sitzen. Ich ging die letzten Schritte bis zu diesem Café und fühlte mich fehl am Platz. Trotz dieser Klamotten war ich im Innern noch immer das Straßenkind. Diese Gegend hatte ich vorher immer gemieden. Hier wurde mir  nur allzu stark bewusst, wo ich herkam… und hin gehörte – flüsterte mir eine leise Stimme im Kopf zu. Gerade durch die Art, wie unbedarft Leon mit seinem Geld umging, merkte ich immer wieder, dass das nicht meine Welt war. Auch als Kind hatte ich immer weniger statt mehr und meine Mutter hatte darauf Wert gelegt. Hatten wir Geld über, hatte sie nicht mir mehr gegönnt, sondern das Geld an eines der Projekte gesendet, für die sie gearbeitet hatte.  

„Du siehst aus als hätte dir das Krümelmonster deine letzten Kekse geklaut!“, sprach Manja und holte mich so aus meinen Gedanken. „Was ist los Ben?“, fragte sie und schaute mich interessiert an. „Ach nichts!“, versuchte ich um das Thema herumzukommen. „Du siehst aber nicht nach nichts aus!“, ließ sich die Hexe nicht beirren. „Ich…will dir nicht die Laune verhageln, okay?“, bat ich. Manja nickte. „Vorerst!“, sprach sie und zog mich in das Café. Drinnen war es urig warm und hatte eine wirklich schöne Einrichtung. Kaum hatten wir den Gastraum betreten, kam ein junger Kellner auf uns zu. „Manja – Schatz, schön dich zu sehen!“, sprach er Manja an. Dann weilte sein Blick etwas länger auf mir. „Und was hast du mir da für ein Sahnestück mitgebracht?“, erkundigte er sich und zwinkerte mir zu. Mir war das unangenehm und ich stellte mich ein wenig hinter Manja. „Awww!“, kam es dann. „Schüchtern isser auch noch – Gott wie süß!“

Wie ich diese Worte hasste. Manja hatte sich derweil zu mir umgedreht und grinste nun. „Der Kleine kann auch beißen Carlo!“, sprach sie belustigt. „Na, er scheint ja aber wenigstens in meiner Liga  zu spielen!“, meinte Manja´s Kellnerfreund nun. Ich verzog nur mein Gesicht. „Sorry – Süßer – …“, dieses idiotische Kosewort betonte ich mit absichtlich schwuler Stimme. „…aber in deiner Liga spiel ich mit Sicherheit nicht!“ Irritiert guckte er mich an. Manja ging jedoch dazwischen bevor ich fies werden konnte. „Carlo vergiss es, der Hübsche hier ist glücklich vergeben!“, nahm sie mir und wohl auch Carlo den Wind aus den Segeln. „Schade…“, kam jedoch noch von Carlo, welcher theatralisch aufseufzte, ehe er uns zu einem Platz in der Ecke brachte. „Cappuccino wie immer aufs Haus Manja. Was darf ich deiner hübschen Begleitung bringen?“, erkundigte er sich und konnte das unterschwellige flirten wohl nicht ganz sein lassen, denn wieder zwinkerte er mir zu. „Kaffee, schwarz – wie meine Seele!“, sprach ich dann und grinste mehr Manja als ihn an. Manja grinste zurück. „Kommt sofort!“, ließ Carlos meinen Spruch unkommentiert und flitzte los Richtung Tresen.

„Carlo ist okay!“, ließ Manja mich wissen. Ich nickte nur. „Ich werd nur nicht gern wie Ware behandelt“, sprach ich trocken. „Nicht mehr…“, setzte ich leise hinterher. Verstehend guckte Manja mich an. „Hast du deshalb gerade wie drei Tage Regenwetter geschaut!“, fragte sie nach. „Könnten wir erst einmal essen?“, bat ich sie und sie nickte. Kurz darauf kam Carlo mit unseren Getränken wieder und Karten wieder. Ich bestellte einmal querbeet. Carlos Augen wurden immer größer. „Wo futterst du das alles hin?“, fragte er mich dann fast entsetzt. Irritiert schaute ich ihn an. „Du siehst es doch!“, meinte nun Manja. „Eine solche Figur muss unterhalten werden!“, sprach sie lachend. „Fressen wie ein Scheunendrescher und so aussehen… Hübscher, du spielst echt oberhalb meiner Liga!“, meinte er nur salopp und dackelte dann davon. „Ist der immer so?“, fragte ich Manja. Fragend schaute sie mir an. „Wie So?“, erkundigte sie sich. „na…so…Schwul?“, fragte ich. Manja begann hysterisch zu lachen. „Der ist schwul…. Soll er sich doch ruhig so verhalten. Dich grinsen die ganze Zeit die Mädels dort vorne an. Du siehst wohl nicht… Schwul… genug aus!“, meinte sie nur lachend und ich hatte so langsam Angst, dass Manja ersticken würde, schaute mich jedoch trotzdem um. Und wirklich. In der Ecke Gegenüber von unserem Platz saßen zwei junge Frauen und unterhielten sich tuscheln wobei sie mich recht intensiv musterten. Grüßend hob ich die Hand und das Gespräch der beiden verstummte. Feixend drehte ich mich wieder zu Manja. „Du bist fies!“, stellte diese fest und hatte sich wieder halbwegs gefangen. „Wieso?“, fragte ich schmunzelnd. „Ich hab doch nur nett gegrüßt!“

Kaum hatte ich zu Ende geredet, tauchte Carlos wieder neben mir auf. „Einmal…Alles von der Frühstückskarte…“, er grinste mich an. „Und einmal das Süße Frühstück für meine liebste Freundin…“, sprach er. Liebste Freundin? Ich wurde rot. Hieß das, wenn ich mit Manja befreundet sein wollte, musste ich mich mit dem dauerhaft abgeben? Als hätte er meine Gedanken gehört hielt er mir die Hand entgegen. „Ich bin Carlo – Sorry, dass ich vorhin so übers Ziel hinausgeschossen bin. Manja bringt nicht häufig hübsche Männer mit und da kann es einem schon mal durchgehen!“, sprach er dann mit absolut normaler männlicher Stimmlage – da war seine Stimme sogar geradezu angenehm – dann wandte er sich an Manja. „Kommt er auch zu deinem Geburtstag?“, informierte er sich. Manja nickte. „Ich wollte Ben gerade einladen!“, meinte sie zu ihm. Da schaute Carlo wieder zu mir. „Na dann – Sieht man sich ja…Vielleicht lern ich da ja deinen Freund kennen?“, informierte er sich. Bevor ich was sagen konnte sprach Manja. „Ich glaube das wird nichts…Er ist beruflich viel unterwegs!“, sprach sie und rettete mich somit.

Manja und ich genossen unser Frühstück nachdem Carlo wieder abgezogen war. Nebenbei zog mir Manja dann doch aus der Nase, was mich beschäftigte. Doch diese beruhigte mich sofort. Leon sei Geld schlichtweg egal und sie wisse von der Arbeit, dass er sich regelmäßig sozial beteiligen würde und ich mit Sicherheit aber nicht nur ein Sozialprojekt sei. „Der hat sich ordentlich in dich verknallt!“, meinte sie und grinste mich an. Ich errötete. „Das mein ich ernst, Ben!“, sprach sie nun zaghaft weiter. „Du bist es auch wert dich zu lieben. Völlig hupe, was dein Großvater dir an den Kopf geschmissen hat. Das war falsch und du warst noch ein Kind… hattest gerade deine Mutter verloren und…“ „Stopp!“, unterbrach ich sie. „Ich will nicht mehr darüber reden oder gar nachdenken. Das ist vorbei!“, meine Stimme klang gepresst. „Wie willst du das sonst verarbeiten?“, konfrontierte sie mich weiter. „Hab ich was verpasst und du hast Psychologie studiert?“, schnappte ich. „Nein!“, sprach sie ganz ruhig weiter. „Aber vielleicht solltest du das Angebot von Frau Seidel wirklich antreten und dich mit einer ihrer Kolleginnen treffen!“, meinte Manja. Dass ich daran seit meiner Entlassung aus dem Krankenhaus nicht mehr gedacht hatte, schien Manja zu ahnen. Ich biss mir auf die Innenseiten meiner Wangen. „ja, vielleicht werde ich das… in meinem Tempo!“, meinte ich dann. Manja nickte nur.

Als wir mit dem Essen fertig waren stand sofort Carlo wieder an unserem Tisch. „Was hab ich da denn vorhin gesehen?“, fragte er belustigt.  Da ich nicht wusste was er meinte schaute ich ihn ebenso fraglos an. „Na, mit den armen Mädels schäkern während zuhause dein Mann sitzt…?“ Ich zuckte die Achsel. „ich war nur höflich!“, sprach ich und zwinkerte ihm nun meinerseits zu. Aus den Augenwinkeln hatte ich gesehen, dass die Mädels von vorhin wieder her geguckt hatten. „Ah, flirten kann er also doch!“, fragte er nun Manja. Diese nickte und lachte auf. „Kann er!“, bestätigte sie. „Macht er aber nur sehr selten..“ Carlo schmunzelte. „Na, dann fühl ich mich geehrt. Sein Macker ist nen Glückpilz!“, meinte er dann noch. Kurz darauf kassierte er uns ab. Als wir gerade gehen wollten, kam eines der jungen Frauen auf mich zu. „Ähm, hi!“, meinte sie scheu und hielt mir einen Zettel entgegen. „Uhm…wenn du Lust hast, meld dich gern mal!“, sprach sie und errötete dabei. Ich kaute auf meiner Unterlippe herum. Damit hatte ich nicht wirklich gerechnet. „Ähm…sorry…aber…“, ich schaute zu Manja, diese hob eine Augenbraue und verdrehte die Augen. Frei nach dem Motto „Das hast du verbockt, bade es auch selbst wieder aus!“. „…Ähm… also ich hab nen… Freund…!“, klärte ich die Brünette Frau vor mir auf. War Leon mein Freund? Diese Frage geisterte mir kurzzeitig durch den Kopf. Klar, Manja hatte Carlo gerade dies gesagt, aber das hatte sie ja nur, damit Carlo abstand hielt. Diese Frage beschäftigte mich allerdings sowieso schon länger. Geklärt hatten Leon und ich das noch nicht. Probieren oder dran arbeiten hieß doch nichts Festes oder? „Oh… das…“, nun errötete sie noch mehr. „Ah… dann… dann meld dich doch einfach trotzdem auf einen… Kaffee oder so?“, stotterte sie dann. Ich nahm den Zettel entgegen. „Mal schauen… Vielleicht mach ich das… auf einen Kaffee!“, beendete ich dir nun ziemlich skurrile Situation und verabschiedete mich.

An der Tür passte uns noch einmal Carlo ab und verabschiedete sich von Manja mit einer Umarmung. Kurz darauf zog er auch mich einmal kurz in die Arme. „Und was habt ihr heute noch vor?“, erkundigte sich Carlo. Manja zuckte mit den Achseln. „Keine Ahnung. Mit nem Prosecco in die Wanne und nen gutes Buch lesen vielleicht?“, meinte sie. Dann schaute Carlos fragend zu mir. „Und du hübscher?“, erkundigte er sich. „Ich werd mir zuhause ein Fußballspiel rein pfeiffen und keine Ahnung. Fertigpizza in den Ofen“, meinte ich. Ganz sicher war ich mir zwar noch nicht. Aber ich wusste, dass ich mir auf jeden Fall das Spiel anschauen würde. „Fußballspiel?“, erkundigte er sich. „Welches Spiel?“, fragte er nach. „Bayern Freiburg…“ Mittlerweile hatte ich mich ein bisschen schlau gelesen und wusste das Bayern derzeit echt nen mieses Blatt hatte. Wenn sie nicht bald ein paar Punkte heimbringen würden wäre es die schlechteste Saison seit langem. War es eigentlich sogar schon. „Echt? Was hälst du davon wenn wir uns nachher treffen. Ich wollte mit nen Paar Kumpels schauen. Wenn der Neuer im Tor steht hat man immer was zu schauen und Hummels sieht doch auch gar nicht schlecht aus.“ Bei den Namen verzog ich das Gesicht als hätte ich Karies.

„Gibt nettere Spieler…“,sprach ich und meinte mit Nett absolut nicht das Aussehen. Bisher hatte sich keiner der Beiden angekündigt unser Gespräch von neulich aufzugreifen und ich hatte ein beschissenes Gefühl was das anging. „Ähm…“, verstohlen schaute ich zu Manja. „Mach doch!“, ermunterte sie mich. „Pass mir aber auf meinen Welpen auf!“, befahl sie Carlos scherzhaft. „Aye Aye!“, meinte dieser und schaute dann wieder zu mir. „Also abgemacht?“, fragte er. „Um 14:30 hab ich Feierabend. Entweder wir treffen uns hier oder du kommst ins Bürger´s Wirtshaus da treffen wir uns alle. In der Hofmannstraße.“ Ich nickte, das würde ich finden. „Dann komm ich dahin!“, meinte ich dann. Carlo nickte. „Cool!“, er sah wirklich erfreut aus. „Lass dir einfach von Manja meine Handynummer geben!“, meinte er, dann verabschiedeten wir uns endgültig. Manja und ich trennten uns an der U-Bahn-Station.  „ Hab spaß Schnecke, Carlo ist nen Guter!“, meinte sie noch und umarmte mich. Dann fuhr auch schon meine Bahn ein. Manjas würde gleich darauf fahren, sonst hätte ich noch mit ihr gewartet.  

In der Bahn tippte ich Carlo eine Nachricht.
~Danke für das nette Angebot, würde so kurz nach 3 an der Bar sein. Gruß Ben~
Als meinte Bahn in den Zielbahnhof am OEZ einfuhr piepte mein Handy und kündigte ein Nachricht an.
~Hey, cool! Mach mich hier gleich auch vom Acker. Chefin hat mir frei gegeben. Sehen uns dann da. Carlo~
Beschwingt stieg ich aus. Der Tag wurde besser als erwartet. Ich hatte gar nicht gedacht, dass es mir so leicht fallen würde Kontakte zu knüpfen.

Zuhause fläzte ich mich erst einmal auf das Sofa und tippe an Leon eine Nachricht, ob er gut am Stadion angekommen sei. Kurz darauf kam die Antwort, dass er nun auch angekommen sei und der Trainer sie nun im letzten Teammeeting auf das kommende Spiel einschwören würde. Daraufhin tippte ich ihm noch, dass ich mich mit einem Kumpel von Manja zum Fußballgucken treffen würde und daher auch bald wieder los müsste. Mittlerweile war es kurz nach 14 Uhr. Ich müsste als wirklich bald aufbrechen. Also lief ich ins Bad und stylte mir noch meine Haare. Da war ich heute Morgen vor dem Treffen mit Manja zu faul zu gewesen. Im Ankleidezimmer schnappte ich mir noch einen grauen Schal, dann spurtete ich auch schon zur Tür, wobei ich einen Umweg zum Tisch machte, wo ich mir noch einmal 20€ nahm und diese wieder auf dem bereitgelegten Zettel notierte. Dann griff ich nach meiner Pillenbox, diese würde ich benötigen. Vor 18 Uhr war ich auf keinen Fall zuhause und ich musste die Medikamente zeitig nehmen. Abendessen würde ich also wohl auch außerhalb. Danach schnappte ich mir mein Handy, schlüpfte im Flur in meine Boots und griff nach meiner Jacke, ehe ich aus der Wohnung trat.

Ich erreichte gerade noch die Straßenbahn. Die halbstündige Fahrt ging schnell vorüber. Von Leon hatte ich keine weitere Nachricht bekommen. Vermutlich hatte er nun auch bis heute Abend keine Zeit mehr. Ich freute mich schon auf das Telefonat vor dem ins Bett gehen. Morgen hatte ich ihn ja wieder. Gott wie erbärmlich. Ihm erzählte ich, dass ich auch alleine klar kam und innerlich zählte ich die Stunden. Ich war doch kein Weib!
An der Station Eidenbachstraße stieg ich aus und ging die letzten Meter zu Fuß. An der nächsten Straßenecke sah ich bereits Carlo stehen. Neben ihm stand ein anderer Mann. Beide schienen Mitte 20 zu sein. Der Typ neben Carlo schaute als erstes zu mir. „Hast du vergessen mir was zu erzählen?“, fragte er Carlo, nachdem ich diesen Begrüßt hatte. Fragend schaute Carlo seinen Bekannten an. „Nö, wieso?“, erkundigte sich dieser. „Du hast vergessen zu erzählen, dass dein neuer Bekannter locker Calvin-Klein-Model sein könnte“, meinte dieser und musterte mich intensiv. „Danke, aber ich mach dann doch lieber die Schule fertig und Studiere!“, wiegelte ich ab. „Ben!“, stellte ich mich vor und reichte dem Unbekannten die Hand. „Thorsten!“, meinte dieser und erwiderte meinen festen Händedruck.

„Aber…Schule fertig machen und Studieren? Wie alt biste denn?“, hakte Thorsten nach. Auch Carlo schaute neugierig zu mir. „18!“, gab ich zu. „Süße 18….“, säuselte Thorsten Carlo ins Ohr. Dieser schaute seinen Freund dann aber an und meinte nüchtern „Ich hab Manja versprochen die Finger von ihm zu lassen… Außerdem hat er einen Freund!“, klärte er seinen Kumpel auf. „Können wir dann?“, fragte ich nach. „Ich würd das Spiel gern von Anfang an sehen!“, setzte ich nach. Carlo nickte. „Klar, muss dir eh noch Maxi, Stefan, Thomas und Rene vorstellen. Die warten schon in der Sportsbar auf uns. Ich nickte. Das war ja mal ne große Runde. Ein bisschen nervös machte mich das schon. Diese Sorge war jedoch wie ich wenig später feststellte unbegründet. Die anderen vier waren ebenfalls echt nette Kerle. Ich war zwar mit Abstand der jüngste in der Runde, doch auch Rene wurde von den anderen eher wie ein Küken behandelt.

Das ein oder andere Kompliment bekam ich auch noch. Als Leon kurzzeitig gefoult wurde, regte ich mich auf und fluchte lautstark. Ich hatte nämlich absolut keinen Bock auf einen verletzten Fußballer zuhause zu haben. Ich glaubte nämlich nicht, dass Leon sonderlich pflegeleicht war. „Dann weiß ich ja jetzt, wen du scharf findest!“, kam es seitlich von Carlo. „Der Goretzka ist auch nen scharfer Kerl. Aber mir persönlich zu jung meinte er!“, meinte er. „Ich denk du findest mich scharf?“, scherzte ich und versuchte zu überspielen, dass  mich dies ein wenig nervös machte. Es schien aufzugehen, denn ich bekam einen Rempler von der anderen Seite. Thomas. „Dich finden in diesem Raum so einige scharf!“, meinte er und blickte hinter uns. Die Blicke hier und da waren mir auch schon aufgefallen. Ignorierte sie aber, denn mochte so ein angegafft werden nicht sehr. „Aber der Carlo mag bei Sportlern grundsätzlich mehr die ‚Älteren‘“, klärte er mich auf.

Als das Spiel nach etwas über 90 Minuten zu Ende war – Bayern hatte leider nur 1:1 gespielt, was mich jedoch dennoch froh machte – blickte Carlo mich an. „Lust noch mit zum Italiener zu kommen?“, erkundigte er sich. Da kommt noch ein Kumpel dazu.“ Ich nickte. „Muss eh bald was essen!“, sprach ich. „Dann auf Jungs!“, sprach Carlo in die Runde und alle standen auf. Unsere Getränke hatten wir alle bereits vorab bezahlt. Fünf Minuten später waren wir bei einem kleinen niedlichen Lokal angekommen. Gerade als wir Platz genommen hatten, ging die Eingangtür wieder auf. „Ahhh, da isser ja!“, sprach Carlo erfreut. Maxi erhob sich. „Hallo schöner Mann! Haben sie dich endlich weg gelassen“, begrüßte er den Neuankömmling und gab diesem einen Kuss, bevor ich ihn zu Gesicht bekam. „Na du. Ick dacht schon ick komm nie raus!“, antwortet dann eine mir nur allzu bekannte Stimme. Kurzzeitig fühlte ich ein wenig Panik in mir aufwallen. Peter! Dieser trennte sich von seinem Freund. „Carlo hat nen Welpen angeschleppt!“, meinte Maxi und gab den Blick auf mich frei. Auch Peter schaute mich verdutzt an. „Ach ne, sieh an… Moin Kleiner!“, meinte Peter und grinste mich an. „Hallo!“, stotterte ich verdutzt. „Ihr kennt euch?“, fragten Maxi und Carlo verwundert wie aus einem Munde. Peter nickte. „War nen Patient von mir!“, antwortete er. „Nen Netter!“, setzte er nach. Ich errötete. Nun war mir wieder einmal unangenehm, was er so alles von mir wusste und was er alles gesehen hatte. Peter schienen derartige Gedanken jedoch nicht zu kommen. „Wie geht’s deinem Süßen?“, fragte er nur beiläufig. Ich nickte. „Gut. Job ist derzeit halbwegs erfolgreich!“, versuchte ich seine Frage ausreichend zu beantworten ohne zu viel zu verraten. Peter schmunzelte. „Freut mich! Grüß Ihn!!“, bat er. Ich lächelte. „Gern!“ Nun mischte sich Carlo ein. „Du kennst seinen Freund?“, erkundigte er sich. „Der Glückliche!“, meinte er noch und schaute Peter neugierig an. „Klar. Ist nen Netter der Leon!“, meinte er abwesend. Dann wurden sowohl Peters als auch meine Augen groß. „Ist ja witzig“, meinte Carlo. „Sein Freund heißt so wie sein Fußballschwarm!“, sprach er belustig. Erleichtert atmete ich aus. Hier schien keiner mein und Peters seltsames Verhalten bemerkt zu haben. „Sorry!“, flüsterte Peter mir wenig später ins Ohr, ehe er sich neben seinem Freund nieder ließ. Kurz darauf kam der Kellner und brachte uns die Karten.
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