Geschichte: Fanfiction / TV-Serien / Vikings / Fever

Fever

GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Björn Lothbrok OC (Own Character)
23.10.2019
04.04.2020
12
36.278
8
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Blut.


Dickflüssig, zäh und klebrig, verteilt auf dem Boden, vermischt mit dem Schlamm und dem Regen, war es überall. Es klebte an seinen Fingern, es klebte ihm im Gesicht, und sogar an seinen Zähnen konnte er schmecken, metallisch, so süß getränkt mit Angst.


Ivar warf den Kopf zurück, den Mund zu einer irren, lachenden Grimasse verzogen, und schrie. Schrie in den Regen hinein, während Pfeile auf ihn niederprasselten, das Zischen am Ohr, doch sie trafen ihn nicht.
Natürlich nicht.


"Ich bin Ivar der Knochenlose, ihr könnt mich nicht töten! Wisst ihr nicht, wer ich bin?!" Immer und immer wieder schrie er diese Worte in den Regen, die blauen Augen starr auf seine Feinde gerichtet, und er spürte es, er roch es - die feuchte und kalte Angst, die in ihren Nacken herankroch und sich bis in ihre Herzen zog. Sie verstanden die Sprache nicht, denn sie war hart und rau wie Ivar selbst.


Mehr Pfeile, und Ivar lechzte nach mehr, mehr Blut, mehr Rache. Mehr von den Knochen, die unter seiner Axt brechen würden. Er sehnte sich nach Gewalt, nach dem süßen Duft von frischem Blut.


Die Schlacht um ihn herum tobte weiter. Es war ein wunderbarer Tag.



-



"Er ist ein Christ. Er hat hier nichts zu suchen, vor allem kein... Wie nennen sie sich gleich...?", sagte einer von Ivar's Leibwachen, Olaf, als sie abends im Zelt bei einem Met zusammensaßen und über die Schlacht sprachen.


Ivar nahm einen Schluck aus seinem Horn; es amüsierte ihn, wie die Leute sich aufregten, dass er einen Christen am Leben gelassen hatte. Einen - der Ivar bis auf die Knochen beeindruckt hatte. Er war einfach so aufgetaucht, auf einem riesigen, schwarzen Pferd, und hatte gnadenlos gegen die "Heiden", wie er immer geschrien hatte, gekämpft. Ein Mann - gegen hunderte von ihnen. Der Christ hatte ein glänzendes Schwert getragen, von faszinierender Größe. Ivar hatte ihn von Anfang an im Blick gehabt, diesen Christen. Muskulös, das Haar schwarz wie das eines Raben, und Augen so blau wie seine eigenen. Es war kein gewöhnliches Treffen, das hatte Ivar von Anfang an gewusst. Ein Kribbeln war in seine Glieder gefahren, tief bis ins Mark, und selbst ein wenig Kribbeln war in den sonst so nutzlosen Beinen aufgetaucht. Es war ein Zeichen. Kochendes Blut log nie.


"Priester, Olaf. Es ist ein verdammter Priester.", murmelte Ivar und setzte sein Horn ab; er rutschte ein wenig auf dem Stuhl herum, versuchte eine bequeme Position zu finden. Doch er war innerlich aufgebracht, immer noch, als würde der Blutdurst weiter in ihm pochen. Nach mehr verlangen.


"Warum lassen wir jemanden wie ihn am Leben? Er hat hier nichts verloren. Die Götter werden zornig sein."


"Die Götter", spuckte Ivar hervor, ein Grinsen auf seine vollen Lippen setzend; "die Götter werden es als ein Geschenk ansehen, wenn ich mit ihm fertig bin. Ich will ihn haben, und er bleibt am Leben, solange ich es will. Hast du nicht sein Schwert gesehen? Welcher Priester trägt ein solches Schwert einfach spazieren, als sei es nichts weiter als eine Krücke?"


Olaf spannte die Mundwinkel an und grinste leicht, und Ivar nickte ihm zu. "Siehst du, Olaf, für alles gibt es einen Grund. Er ist anders. Wir werden ihn noch brauchen. Ich glaube, er hat diese Streitmacht angeführt. Aber das werden wir herausfinden."

"Wie du wünschst."


"Nimm dir eine Sklavin, ich habe noch etwas zu erledigen.", raunte Ivar ihm zu, und Olaf nickte erneut, bevor er sich aus seinem mit Fell belegten Stuhl erhob und aus Ivar's Zelt hinaus in den tropfenden Regen ging.


Eine Weile blieb Ivar noch sitzen und lauschte dem Gerede der Männer draußen, lauschte dem Regen, der die Nacht in ein angenehmes Flüstern verwandelte. Doch schon bald kroch eine innere Unruhe in seinen Adern auf, und er rückte seinen Körper zurecht, griff nach der Krücke und machte sich auf den Weg, hinaus aus dem warmen Zelt in die nasse Kälte.



-



Es musste weh tun, Ivar wusste es. Die Fesseln um die Stange in der Mitte des Zeltes waren fest, viel zu fest, und als Ivar bedächtig um den dort gefesselten Priester schlurfte, biss er sich auf die Unterlippe - ohja, er liebte es, anderen Menschen weh zu tun. Und die Handgelenke des Priesters waren gerötet, an einigen Stellen schon gerissen und wund.


Ivar schlurfte weiter und bäumte sich so gut es ging vor dem Mann auf. Dieser starrte ihn nur an; die blauen Augen leicht verengt, noch dreckig und stinkend von der Schlacht. Blut klebte ihm im Gesicht, und Dreck ebenso. Doch Ivar fand, dass es ihm ganz gut stand. Dieses Kämpfergesicht.


Er starrte den Mann noch eine Weile an, bevor er amüsiert sagte: "Wie heißt Ihr, Priester?" Er wusste, dass er ihn verstehen konnte - die nordische Sprache hätte ihn nur verwirrt, weshalb Ivar sein leicht eingerostetes Englisch anbot.
Der Mann hob den Blick der blauen Augen ein wenig mehr, den Mund zu einer leicht wütenden Grimasse verzogen, auch wenn er trotzdem noch etwas Leidendes hatte.


"Ich bin kein Priester, ich bin ein Bischof. Warum tötet Ihr mich nicht?" Seine Stimme war tief und rau, und Ivar musste schlucken - ganz ohne Schreien war es eine angenehme Stimme, die eine leichte Vibration an Gänsehaut auf Ivar's Arm hinterließ. Ivar hob seine Hand, immer noch in seinen ledernen Handschuhen steckend, an denen die Fingerspitzen frei waren - an den Mund und biss kurz auf einen Nagel.


"Ich habe dich nicht gefragt, was du bist, sondern wie dein Name lautet. Also.... Bischof...", er ließ Genugtuung mit einfließen und Hohn, die Augen immer noch auf den großen Mann vor ihm gerichtet; "wie lautet dein Name?"
Der Bischof atmete tief aus und lehnte seinen Kopf zurück in den Nacken, lehnte an den hölzernen Pfosten, an dem seine Arme streng nach hinten gefesselt waren. Er stieß Luft durch die Nase aus, als sei alles hier zu viel für ihn, unter seinem Niveau. Doch als Ivar gerade den Mund aufmachen wollte, schnitt ihm der Bischof das Wort im Mund ab.


"Heahmund.", krächzte er leise, und Ivar's Augen begannen zu glühen. Heahmund, dachte er. Was ein Name. Diese Engländer benutzten ihre Sprache nicht immer weise, auch wenn Ivar nicht umherkam, in Gedanken zuzustimmen, dass der Name dennoch passte.


Ivar ging einen Schritt näher auf den Bischof zu, stützte sich an der Krücke ab, und umfasste das Kinn von Heahmund so hart wie einen Schraubstock, drückte seine Finger förmlich fest in die raue Haut, in die kratzigen Strukturen des dunklen Bartes.
"Du gehörst mir, hast du das verstanden? Ich töte dich nicht, weil du mein Eigentum bist, mein ganz persönliches Spielzeug, mein Sklave... Mehr nicht. Und wenn die Götter es eines Tages wollen, werde ich dich vielleicht von deinem Leiden erlösen." Ivar spuckte diese Worte förmlich aus, giftig wie Galle, und drückte noch fester zu, während er sich selbst fest auf die Lippe biss.


Heahmund erwiderte den Blick des Wikingers ohne Mühe; Stolz, Ivar sah eine Menge Stolz und Macht in diesen Augen, und doch kam er nicht umher auch etwas anderes darin zu sehen. Mit einem festen Ruck ließ er Heahmund fast angewidert los, nicht ohne ein paar deftige Kratzspuren mit seinen blanken Nägeln zu hinterlassen. Heahmund zischte leise - er wusste, dass es brennen musste, das Blut und der Dreck im Gesicht gepaart mit frischem Blut. Ivar sehnte sich danach, ein Messer in diesen muskulösen Körper zu stechen, die Klinge leicht in der Haut zu winden und die Schneide danach abzulecken, doch er lenkte sich ab, indem er ein paar Schritte zur Seite humpelte.


"Was ist mit deinen Beinen?", raunte der Bischof ihm hinterher, und Ivar spürte, dass es keine Frage war. Ivar richtete seinen Blick blitzschnell auf Heahmund, und sein Gesicht verzog sich zu einer wütenden Grimasse. Es tat immer weh, wenn jemand fragte. Wenn jemand das so offensichtliche offen ansprach, ihn mit seiner größten Schwäche konfrontierte, mit dem einzigen, was Ivar in seinem Leben nicht ändern konnte.


Es brannte, schlimmer als jedes Feuer.


Er sah Heahmund zwei Momente lang an, bitter und grantig, bevor er mit einem schnellen Schritt wieder direkt vor dem Bischof aufgebäumt war, vor Wut schnaubend. Heahmund erwiderte den Blick der blauen Augen, auf seinen Lippen ein spielend leichtes Grinsen, und Ivar spürte es. Die Wut. Den Hass. Er zögerte keine Sekunde, und das metallene Ende der Krücke war schnell gegen die Seite von Heahmund's Kopf geschlagen und entlockte dem Bischof einen Schwall an Blut, der aus seinem Mund spritzte. Ivar leckte seine Lippen, die Zähne immer noch gebleckt, und als Heahmund mit glänzenden Augen und einem leichten Rinnsal an Blut aus seinem Mund erneut zu ihm aufsah, spuckte Ivar ihm ins Gesicht.


"Sie funktionieren einwandfrei, aber danke.", zischte er, und noch bevor Heahmund etwas weiteres sagen konnte, stackste Ivar so schnell aus dem Zelt, dass er keine weitere Silbe hörte.


Unterwegs, in der Kälte und der Nässe des Regens, schnaubte er - nicht jedoch vor Anstrengung über den Weg, oder davon, dass seine Krücke andauernd im Matsch stecken blieb und ihm das einwandfreie Gehen erschwerte - es war, weil dieser Mann es wagte, ihm einfach Dinge ins Gesicht zu werfen, die niemand sonst zu sagen wagte. Wut - sie kochte und wuchs, und Ivar wischte sich mit seinem Ärmel durch das ohnehin schon nasse Gesicht.

Er mochte keinen Regen.
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