Blind Date

GeschichteDrama, Romanze / P16
Legolas Thranduil
23.10.2019
22.03.2020
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-Kapitel 1-

Legolas, 23 Jahre alt, saß in einem kleinen asiatischen Restaurant und wartete auf den Mann, welchen er auf der Internetseite „Find Your True LOOVE“ kennen gelernt hatte. Er trug einen dunkelblauen Blazer, darunter ein weißes Hemd, dazu die passende blaue Hose und schwarze Schuhe.
Nervös spielte er mit dem Besteck herum, während sein Blick immer wieder von der Uhr an der Wand zur Tür nach draußen wanderte. Würde er ihn gefallen? Was wäre, wenn er ihn nicht mochte? Immer mehr Fragen stauten sich in seinem Kopf an. Legolas schloss für einen kurzen Moment seine Augen, um seinen Puls herunter zu fahren.
„Warum so aufgeregt?“, hörte er eine männliche Stimme sagen.
Legolas öffnete wieder seine Augen. Vor ihm saß ein groß gewachsener Mann mit langen silberblonden Haaren und einer schwarzen Sonnenbrille auf der Nase. Er war komplett in schwarz gekleidet und auch seine Hände steckten in schwarzen Lederhandschuhen. Zudem trug er noch einen schwarzen Ledermantel.
„W-Wer sind Sie?“, fragte Legolas überrascht.
„Dreimal darfst du raten“, antwortete der Fremde vor ihm.
„Jay! Sie sind derjenige mit dem ich über das Internet geschrieben habe.“
„Ganz genau“, antwortete Jay.
„Ähm… Ich bin Legolas Greenleaf“, stellte sich Legolas noch einmal vor.
„Es freut mich dich endlich kennen zu lernen, Legolas. Ich bin Jay“, antwortete der Mann lächelnd.
Legolas runzelte leicht seine Stirn, als er merkte, dass Jay seine Sonnenbrille immer noch nicht ablegte.
„Du wunderst dich nun sicherlich, warum ich eine Sonnenbrille trage obwohl es bereits Abend ist, nicht wahr?“
„Ja.“
„Nun, ich bin blind.“
Legolas’ Augen weiteten sich ein stückweit, als er dies hörte. Erst jetzt fiel ihm der schwarze Stock auf, welcher an Jays Stuhllehne lehnte.
„Sie sind blind.“
„Ja, und bitte sag „Du“ zu mir.“
„Aber wie haben Sie… Entschuldigung… Wie hast du dann meine Nachrichten lesen können?“
„Der Computer hat sie mir vorgelesen“, antwortete Jay. „Und ich habe dir wieder zurück geschrieben. Es gibt die Blindenschrift.“
„Stimmt, tut mir leid, dass habe ich vergessen.“
Legolas kam sich so dumm vor. Er wollte soeben etwas sagen, als in dem Moment der Kellner ausrutschte und das Tablett fliegen ließ. Die Flasche flog auf die beiden zu. Legolas wollte Jay schon sagen, dass er sich ducken sollte, doch dieser fing die Flasche mit der rechten Hand auf, kurz bevor sie Legolas getroffen hätte. Überrascht starrte Legolas Jay an.
„Und du bist wirklich blind?“, fragte er noch einmal nach.
„Ja. Wein?“
„Woher…“
„Ich kann es riechen. Nur weiß ich leider nicht, was es für ein Wein ist. Was manchmal wirklich jammerschade ist… Kannst du mir helfen?“, fragte Jay lächelnd.
„Das ist ein Rotwein“, antwortete Legolas.  
„Oh gut. Rotwein?“, fragte er und stellte die Flasche auf den Tisch, nachdem er mit seiner linken Hand nach einem freien Platz dafür gesucht hatte.
„Gern. Danke.“
Ein anderer Kellner kam zu den beiden an den Tisch, um ihnen vom Rotwein einzuschenken.
„Und was tust du so?“, fragte Legolas vorsichtig.
„Ich reise sehr viel“, antwortete Jay.
„Du reist? Wohin denn so?“
„Mal hier mal da. Überall wo ich gebraucht werde“, erzählte ihm der Mann. „Und du? Bist du auch viel unterwegs?“
„Nein, leider nicht“, antwortete Legolas. „Als ich 10 war hat mich meine Oma aus Canada geholt. Meine Eltern waren bei einem Autounfall ums Leben gekommen.“
„Oh, dass tut mir leid.“
„Seit dem bin ich hier in diesem kleinen Städtchen in Italien“, erzählte Legolas weiter, um seine Trauer zu überspielen. „Und zwar nur hier. Aber eines Tages werde ich bei meiner Bank kündigen. Und dann kaufe ich mir ein Flugzeug und werde um die ganze Welt reisen. Eines Tages….“
„Eines Tages…“, murmelte Jay, wobei ihm ein kleines Lächeln auf die Lippen schlich. „Aber woher willst du wissen, wann dieser „Eine Tag“ sein wird?“
Legolas zuckte mit den Schultern, wobei er sich erinnerte, dass Jay überhaupt nicht sehen konnte.
„Ich weiß es nicht. Ich lebe hier in dieser Kleinstadt. Da kann ich leider nicht einfach so machen was ich will. Außerdem kümmere ich mich um meine Oma. Ich bin nicht nur für mich verantwortlich, sondern auch für sie.“
„Eines Tages“, wiederholte Jay.
„Eines Tages.“
„Das sagen so viele die es dann niemals tun werden.“
Verwirrt schaute er den blinden Mann vor sich an.
„Was meinst du?“
„Komm näher.“ Legolas schaute ihn mit gerunzelter Stirn an. „Nicht so schüchtern. Ich tue dir schon nichts. Ich bin nur ein blinder Mann. Trau dich.“ Legolas kam ein wenig näher, auch Jay lehnte sich etwas weiter vor. „Wenn jemand „Eines Tages“ sagt, meint er oft Niemals. Heute ist es die Oma, morgen dein Freund und irgendwann kommst du nicht mehr dazu deinen Träumen zu folgen. Wenn du etwas willst, dann tu es hier und jetzt. Ich lebe jeden Tag als wäre es mein Letzter. Eines Tages ist heute, denn ich habe nur einen Tag. Wenn du anfängst deine Liste ab zu arbeiten, dann beginnt auch für dich der „Eine Tag“.“


Spät am Abend verließen Legolas und Jay das kleine Restaurant. Jay begleitete Legolas noch zu seinem roten Porsche 911.
„Und du bist dir sicher, dass ich dich nicht doch zum Hotel fahren sollte?“, fragte Legolas ihn freundlich.
„Nein, es geht schon klar. Ich mag die kühle Abendluft sehr“, antwortete Jay.  
„Okay.“ Legolas stieg in sein Auto und fuhr das Fenster hinunter. „Vielen Dank für den heutigen Abend. Es hat sehr viel Spaß gemacht.“
„Mir hat es ebenfalls sehr viel Spaß gemacht, Legolas.“
„Ich hoffe… Ich hoffe wir sehen uns irgendwann wieder?“, fragte er hoffnungsvoll.
„Wer weiß…“, antwortete Jay lächelnd.
„Auf wiedersehen.“
„Auf wiedersehen, Legolas.“
Der rote Porsche 119 fuhr davon. Der blinde Mann blieb noch einen kurzen Augenblick an der Stelle stehen, bevor er seinen schwarzen Blindenstock vor sich herbewegte und los ging. Er bog um die Ecke ab und ging über die Straße, gefolgt von zwei Männern. Er ging weiter, bis er zu einem kleinen Innenhof kam, wo es nach allem Anschein einen Wasserbrunnen gab, denn er konnte das Plätschern des Wassers hören. Der blinde Mann blieb stehen, als er vor sich weitere Schritte hörte, jedoch nur von einem. Es waren also insgesamt drei Männer. Er seufzte leise.
„Wirklich? Nur drei? Das ist eine Beleidigung.“
„Du bist ein blinder Mann, wie schwer kann es schon sein dich zu töten?“, entgegnete ihm einer der beiden hinter ihm.
„Es kommt drauf an, wie gut ihr ausgebildet seit“, konterte er.
„Haha, dass wird ein leichtes.“
„Sagt, wie viel zahlt euch das FBI damit ihr mich tötet?“
„Fünf Millionen Doller.“
„Fünf Millionen? Huh… Da sollte ich wohl etwas gegen tun“, antwortete der blinde Mann.
Er hörte das herausspringen einer Klinge eines Taschenmessers. Mit einem lauten Schrei stürzte sich der Feind vor ihm auf ihn. Der blinde Mann wich dem Angriff mit Leichtigkeit aus. Er packte seinen Angreifer am Kragen. Riss ihn zurück und schlug ihm mit seiner Faust mitten ins Gesicht. Ein fürchterliches Knacken durchschnitt die Abendluft, als er ihm die Nase brach. Heulend taumelte der Mann zurück und hielt sich seine blutende Nase.
„Du hast mir meine Nase gebrochen!“, rief er empört.
Der blinde Mann duckte sich im nächsten Moment unter dem nächsten Angriff seines zweiten Feindes hinweg und wich dem anderen Angriff des dritten Mannes zur Seite aus. Er spürte einen Luftzug nahe seiner Taille.
Sofort nutzte er seinen Blindenstock, um den Angriff des zweiten Mannes zu blocken und dessen Handgelenk zu brechen. Schreiend ließ dieser von ihm ab. Der dritte konnte den Blinden an der Taille mit der Faust erwischen, sodass dieser einige Schritte nach hinten machte.
Da hörte er, wie erneut ein Messer gezogen wurde, doch dieses Mal aus einem Halfter. Es musste also um einiges größer sein. Der blinde Mann konzentrierte sich auf die Geräusche, die sein Angreifer machte. Er konnte die Schritte seines Feindes hören, wie diese schnell auf ihn zu kamen.
Dadurch konnte er im richtigen Moment ausweichen und dem Angreifer mit seinem Blindenstock eine überziehen. Sein Feind fiel zu Boden. Bevor sich dieser jedoch aufrappeln konnte, trat der blinde Mann ihm auf den Kopf, sodass dieser mit voller Wucht auf den Asphalt aufschlug. Eine Blutlache bildete sich unter dessen Kopf und sein Herz hörte auf zu schlagen.
Der Blinde richtete seinen schwarzen Ledermantel, bevor er sich auf dem Absatz umdrehte und den Innenhof verließ.
„Wer bist du!?“, schrie einer der beiden Angreifer laut.
Ein diabolisches Grinsen erschien auf den Lippen des blinden Mannes.
„Mein Name ist Thranduil Oropher und ich bin… der Teufel!“
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