Brennende Sandkörner

GeschichteDrama, Freundschaft / P18
Newt OC (Own Character)
22.10.2019
26.03.2020
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fatigue.
- Kapitel 6 -





Die Folgen des Sandsturms waren am nächsten Tag nicht zu übersehen. Die Laune der Natur selbst war nichts Schlimmes, aber die Bevölkerung war aufgewühlt, durcheinander und hing mit den Gedanken wo ganz anders. Das Wetterphänomen war eben auch nicht an der Tagesordnung. Susanna bekam dies zu spüren, sie wurde nicht nur einmal angerempelt oder zur Seite geschubst. Sie stolperte mehrmals und war irgendwann kurz davor, irgendjemand umzubringen.
Ihre Rettung kam in Form einer männlichen Gestalt.
Terry.
Er hatte sie noch nie abgeholt.

„Hey“, sagt er sanft, legt die Hand an ihre Schulter. Freundlich sieht er sie an und Susanna war einfach nur verwirrt. War mit ihm alles in Ordnung?

„Hey, was machst du denn hier?“, hakt sie nach. Ein paar Momente stehen sie sich gegenüber und Susanna schmilzt fast unter seinem liebevollen Blick. Der Augenblick wird zerrissen von einem Mann, der Terry so hart anrempelt, das er einen Schritt zur Seite machen muss.

„Idiot!“, ruft Susanna ihm hinterher, doch der Mann ignoriert sie, geht eilig seines Weges. Ihr Blick findet wieder Terry.

„Alles gut. Ich dachte einfach... ich hole dich in meiner Pause ab“, erklärt er verlegen und vergräbt eine Hand in der Hosentasche.

Susanna kommt noch immer nicht ganz mit. Die ganze Nacht hatte sie sich bereits ihre Gedanken gemacht, kam jedoch zu keinem Ergebnis. So direkt nachfragen, fand sie allerdings nicht passend. Vielleicht würde sie es auch so herausfinden. Aber das Verhalten war ihr suspekt, vorallem so plötzlich. Eigentlich kam sie mit sowas überhaupt nicht klar. Solch eine Fürsorge war viel zu anstrengend.

„Danke, das ist nett. Fast hätten wir uns ja verpasst“, lächelt sie ihn an und schultert dann die Tasche neu.

„Nun komm. Lass uns gehen“, meint er dann, nach ein wenig unangenehmen Schweigen. Die Hand, die er ihr reicht, ignoriert Susanna und geht still neben ihm.

„Wie war deine Nacht?“, fragt sie höflich nach und weicht den hetzenden Leuten aus. Sie hätte ein wenig früher gehen sollen. Beim letzten Sturm, vor guten 3 Monaten, war das Getümmel am nächsten Tag auch nicht so schlimm.

„Schlaflos. Ich denke mir geht es nicht anders, als den ganzen anderen aufgedrehten Menschen“, sagt er und macht eine ausholende Bewegung.
„Und deine?“

„Ich habe wie ein Stein geschlafen“, grinst sie. Eine Lüge, aber sie musste ihm nicht alles auf die Nase binden.

„Das war schon immer beneidenswert. Du hast einen außergewöhnlich tiefen Schlaf. Jedenfalls seit ich dich kenne“, erklärt er neidisch und lächelt zu ihr herüber.
Susanna war meistens einfach erschöpft eingeschlafen, wenn sie das Bett geteilt hatten, und nach wenigen Stunden war sie bereits aufgewacht. Natürlich hatte er dann nicht mitbekommen, das sie die ganze Zeit wach lag.

„Das sind einfach gute Veranlagungen“, zwinkert sie ihm zu und weicht einer kleinen Gruppe aus. Dabei stößt eine junge Frau mit Terry zusammen, die viel zu sehr in ihr Tablet vertieft war. Klappernd fällt das Gerät zu Boden.

„Entschuldigung!“, ruft sie sofort aus, streicht sich die dunklen Haare nach hinten und bückt sich nach dem Gerät.

„Ist kein Problem“, meint Terry und bückt sich ebenfalls. Klischeehaft, wie man es aus den alten Romantikfilmen kennt, greifen sie beide gleichzeitig nach dem Tablet und berühren sich an den Fingerspitzen.

„Ich hab so viel zu erledigen seit gestern. Und dann bin ich auch noch in die falsche Bahn gestiegen“, plappert die junge Frau los und nimmt das Gerät an sich.
„Die Leute sind so rücksichtslos. Ständig wird man hier angerempelt oder betatscht.“

„Das tut mir leid. Aber das ist ja auch normal, so aufgewühlt wie hier immer alle nach einem Sandsturm sind“, sagt Terry verständnisvoll und hilft ihr dann auf die Beine. Lässig vergräbt er die Hände in seinen Hosentaschen.

Susanna kam sich vor wie das fünfte Rad am Wagen. Sie wollte den Smalltalk aber auch nicht weiter folgen, nicht das die junge Frau einen falschen Eindruck von ihr haben würde. Sie dachte wahrscheinlich sowieso, das Terry und Susanna zusammen gehörten. Was aber nicht der Fall war.

„Ich glaube ich sollte mich auf den Weg machen. Meine nächste Bahn fährt gleich“, erklärt die junge Frau verlegen. Kurz sieht sie Terry an, ihre Wangen färben sich leicht rötlich.

„Komm, ich begleite dich. Jetzt wo noch so viel los ist“, bietet er ihr an. Dann widmet er sich Susanna, sieht sie an.

„Klar. Ich geh schon mal vor und füll die Anträge für Dave aus. Wir sehen uns später“, sagt sie, ein wenig erleichtert und hebt die Hand zum Abschied.

„In Ordnung. Bis später“, lächelt er und läuft dann mit der Frau los. Einfach so, ohne nochmal was zu sagen. Nur die Frau hebt noch einmal kurz die Hand. Dann verschwinden die beiden in der Menschenmenge und Susanna hat sie beide schneller aus den Augen verloren als sie dachte.

Noch immer ein wenig verwirrt bleibt sie ein paar Momente stehen. Dann dreht sie sich um und geht weiter in Richtung Crank Palast.

>*<

Die Sonne gewinnt schnell an Kraft, scheint erbarmungslos auf die Erde. Terry kommt gute Zwei Stunden nach Susanna, die bis dahin alles ausgefüllt und abgeschickt hat, und grinst einfach nur. Doch es entsteht kein Gespräch und die Blonde war auch nicht interessiert genug nachzufragen was da jetzt noch passiert ist. Sie wollte sich nicht zu sehr einmischen, es war immerhin sein Leben. Er musste ihr keine Rechenschaft ablegen.

Susanna bleibt allerdings nicht lange im Haus der Immunen, sondern geht relativ bald hinaus um irgendetwas zu arbeiten. Sie musste irgendwie müde werden, damit sie wenigstens in dieser Nacht schlafen konnte.

Es gab wenig Aufräumarbeiten. Das meiste war schon erledigt, die Wachen gingen herum um zu checken wer im welcher Stadium des Brandes war und andere machten sauber.
Susanna lies sich auf den aktuellen Stand bringen, ordnete Notizen und verteilte Arbeiten.

Hier und da sprach sie mit ein paar Infizierten, fragte nach wie das Wohlbefinden war oder verteilte Aufträge an sehr willige Menschen, die etwas tun wollten. Das war selten, freute sie aber.

Aber gerade weil so viele um sie herum wuselten, blieb weniger für Susanna selbst zu tun. Das wurmte sie ein wenig, wo sie das irgendwie anders geplant hatte. Aber das war wohl auch das Privileg des Commanders.
Letztlich beschließt sie zu den Gärten zu gehen, um da einfach etwas zu tun. Normalerweise geht sie da nicht hin, da es immer viel zu viel Arbeit zu erledigen gibt. Doch Terry wollte in der Nacht wieder Cranks aussetzen und es war aktuell sehr ruhig. Kaum Neuzugänge, kein Streit. Fast schon langweilig harmonisch.

Kurz spricht Susanna mit einem der Gärtner, die dort fest arbeiten, fragt nach ein paar Aufgaben. Letztlich darf sie ein paar Löcher graben, damit später etwas gepflanzt werden kann.

Die Sonne brennt einfach nur auf Susanna herunter. Relativ schnell entledigt sie sich der Jacke und dem Pullover. Im Achselshirt, mit hochgekrempelter Hose. Schweiß läuft über ihren Rücken, die kurzen Haare hat sie mit einer Haarspange hoch gestreckt.
Ihre Finger fangen an zu brennen, kleine Blasen bilden sich. Doch der kleine Schmerz ist fast schon angenehm. Susanna kommt sich komisch lebendig vor. Sie fühlt sich so gut.

Als die Sonne tiefer am Horizont steht, ist Susanna einfach nur müde und hungrig. Schnaufend steht sie da, blickt stolz auf die Arbeit die sie geleistet hat und setzt sich auf die Erde.
Ihr Hals kratzt, aber die Umgebung ist eine willkommene Abwechslung.

„Magst du auch etwas trinken?“

Ein wenig verwirrt dreht Susanna den Kopf. Newt kommt langsam auf sie zu, in seinen Händen sind zwei Glasflaschen mit rosafarbener Flüssigkeit. Er hinkt wieder ein wenig.

Sie lächelt leicht und hebt bereits die Finger. Die Flasche ist gekühlt. Anscheinend hat er sie in der Kantine besorgt und ist direkt zu ihr gekommen. Also hat er gewusst, das sie hier ist.

„Danke“, lächelt sie ihn an und öffnet die Flache. Fast schon gierig trinkt sie den verdünnten Johannesbeersaft und merkt das wohltuende Prickeln im Hals.

„Ich dachte, du könntest das gut gebrauchen. Nachdem du wie eine Verrückte geschaufelt hast und jetzt auch irgendwie fertig aussiehst“, erklärt er und setzt sich ihr lässig gegenüber.

„Danke, das du daran gedacht hast“, bedankt sie sich wieder und stützt sich dann auf die Knie. Die Flasche war fast leer, aber der erste Durst ist gestillt.

„Hat es einen Grund, warum du dich so verausgabt hast?“, fragt er interessiert nach und fängt an ein wenig Gras aus der Erde zu zupfen. Die Erde ist eine willkommene Abwechslung zum Sand, den man in Denver sonst immer sieht.

„Ich habe einfach kaum geschlafen. Damit mir das heute Nacht nicht wieder passiert, dachte ich, mache ich mich einfach müde. Grob gesagt“, erklärt Susanna und streicht sich die Strähnen aus den Augen. Die Haarspange löst sie und macht sich die Frisur neu. Ihr Nacken ist feucht geschwitzt, da will sie nicht auch noch die Haare kleben haben.

„Bevor ich in der Wüste... unterwegs war, war ich in einem der Labyrinthe von ANGST. Da habe ich auch Gartenarbeit betrieben“, meint Newt plötzlich.

„Du warst im Labyrinth?“, hakt Susanna nach.

„Ja. Eine ganze Zeit lang.“ Er schmunzelt.
„Fühlt sich an, als wäre das schon eine Ewigkeit her. War aber so vor einem Monat. Und ich war gute zwei Jahre da. Wollte da immer raus und die ganze Scheiße nicht mehr ertragen. Aber im Endeffekt, wäre es besser gewesen, wenn ich noch da wäre.“

Susanna hört ihm aufgeregt zu. Sie hat von den Labyrinthen gehört. Und sie findet dieses Kontrukt ziemlich interessant, auch wenn sie den Sinn dahinter nicht verstehen kann. Allerdings will sie ihn auch nicht löchern. Sie kann sich vorstellen, das diese Erinnerungen nicht unbedingt angenehm sind.
Sie kann ihm sogar verstehen.

„Wie war es da so? Was habt ihr den ganzen Tag gemacht?“, fragt sie dann aber neugierig und sieht verlegen zur Seite.
„Entschuldigung. Ich möchte nicht das dich das aufwühlt.“

Newt winkt ab, viel zu... einfach. Ihm scheint das nicht ganz so viel auszumachen.
„Keine große Sache. Ich hatte auch viel Zeit zum nachdenken in der Nacht. Ich will nicht sagen, das ich mich jetzt mit meinem... Problem“, er tippt sich mehrmals an den Kopf, „abgefunden hab, aber ich muss es nun mal hinnehmen.
Wir, die anderen Jungs und ich, haben ziemlich gut zusammen gelebt. Klar, Reibereien gibt es auch immer. Jeder hatte seine Aufgaben, Essen machen, Gärtnern, Hütten bauen. Das Labyrinth erkunden. Einmal im Monat kam eine Box auf unsere Lichtung, mit ein paar Vorräten und anderen Dingen, die wir brauchen können. Und eine neue Person kam auch. Wir haben den jungen Mann dann eingewiesen und er hat sich eingefügt. So verging die Zeit, jeder hatte seine Aufgaben. Wir saßen jeden Abend am Feuer, haben selbst gemachten Alkohol getrunken. Haben dümmliche Scherze gemacht.“
Newt zuckt mit den Schultern, ein leichtes Schmunzeln auf den Lippen.

„Klingt nach einem ganz ruhigen Leben“, sagt Susanna und kommt sich plötzlich dumm vor. Es war sicher nicht einfach.

„War’s eigentlich auch. Aber als ich dort war, in dieser Situation, wollte ich einfach nur weg. Hab sogar versucht... ja, wenn ich so darüber nachdenke, war es doch ein gutes Leben. Ein einfaches Leben, es war für alle gesorgt und allen ging es gut. Trotzdem bin ich froh, von da weg zu sein. Thomas, mein guter Freund hat den Stein ins Rollen gebracht und durch ihn sind wir raus gekommen. Eins kam zum anderen. Wir wurden von ANGST abgefangen, waren ein paar Tage in einem Labor....“, meint er nachdenklich und trinkt einen Schluck aus seiner Flasche.

Susanna fragt nicht noch einmal nach. Vorallem nicht danach, was er versucht hat. Sie kann es sich vorstellen. Und es tat ihr weh. Aber auch die Erinnerung an seinen Freund, den er zurücklassen musste, oder den er allein gelassen hat, war sicher schmerzhaft.

„Jedenfalls musste ich so daran denken, als ich gesehen hab wie du die Löcher gegraben hast. In meiner ersten Zeit als Gärtner, hatte ich nur Blasen an den Händen, hab den ganzen Tag geschuftet und hab geschlafen wie ein Stein.“ Newt lacht ein helles Lachen, das Susanna irgendwie glücklich macht.

„Ich mache das normalerweise nie. Es gibt so genug Arbeit, das ich mich noch anders beschäftigen muss. Allerdings haben wir beschlossen, noch jemanden... im Rang anzuheben um uns selbst zu entlasten. Das heißt ich weiß jetzt gar nicht mehr, was ich mit meiner ganzen freien Zeit anfangen soll.“ Susanna zuckt mit den Schultern und streicht sich über die brennenden Hände.

„Du wirst schon etwas finden“, grinst er sie an.

Gleichzeitig sehen sie in Richtung der Sonne, die bald gänzlich verschwunden ist. Bald wird es viel kühler.

„Komm, ich mach die Letzten Löcher fertig, dann können wir etwas pflanzen“, schlägt Susanna vor und nimmt die Schaufel. Schwerfällig stemmt sie sich Hoch und streckt ihm die Hand hin.
Sofort ergreift er ihre dargebotenen Finger und lässt sich aufhelfen.

„Lass mich machen. Du hast für heute echt genug getan“, bietet er ihr an und nur zu gern nimmt sie dieses Angebot an. Er nimmt ihr die Schaufel aus der Hand und fängt routiniert an zu graben. Ein paar Momente sieht Susanna zu, dann geht sie zum kleinen Gartenhäuschen. Mit ihrem Schlüssel schließt sie das Vorhängeschloss auf und holt einen kleinen Sack mit Samen heraus. Kurz kontrolliert sie, ob es der Richtige ist, dann nimmt sie noch eine Gießkanne zur Hand. An der Hüttenwand ist ein Wasserhahn befestigt, unter den sie die Kanne stellt und den Hahn aufdreht. Laut klatscht das Wasser hinein. Ein paar Momente hält Susanna ihre noch erhitzten Hände unter das kühle Nass und unterdrückt ein angenehmes seufzen. Die Kälte tat einfach gut.

Als die Kanne voll ist, stellt Susanna das Wasser ab und trägt sie zum ersten Loch.
Aus dem kleinen Sack nimmt sie ein paar Körner, streut sie ins Loch. Mit der bloßen Hand drückt sie etwas Erde über die gesähten Samen. Danach befeuchtet sie die Stelle. Kurz blickt sie sich nach Newt um, der auch bald fertig zu sein scheint. Er ist viel schneller als sie selbst. Aber er hatte ja auch bereits Erfahrung mit Gartenarbeit und kennt sich damit besser aus als sie, die immer nur am Tablet etwas arbeitet oder Sporteinheiten macht. Oder mit Waffen herum fuchtelt.

„Alles in Ordnung?“, fragt Newt von der Seite und stützt sich schnaufend auf die Schaufel.

„Oh ja, alles gut. Wollte nur sehen ob bei dir alles gut ist“, stellt Susanna klar und wackelt mit den Fingern. Als Antwort bekommt sie nur ein belustigtes Auflachen.

Mit einem Grinsen widmet sich Susanna dem nächsten Löchlein, säht ein paar Samen und streut die Erde drüber. Gießen will sie am Ende alle nacheinander.

Das Licht der Sonne wird immer weniger und Susanna beeilt sich, die Samen zu verteilen. Ziemlich bald fängt Newt an ihr zu helfen, indem er ihr eine Hand voll Samen abnimmt und von der anderen Seite zu sähen beginnt.

Es knirscht, dann rauscht es einmal.
„Terry hier. Susanna, wo bist du? Ich werde gleich starten“, kommt es rau aus dem Funkgerät und Susanna verdreht die Augen. Den ganzen Tag hat er nicht einmal nach ihr gefragt. Aber ihr sollte es recht sein. Auch wenn sie ihn gut leiden kann, ist Distanz absolut in Ordnung. Vielleicht haben sie ja jetzt ein rein Professionelles Kollegen Verhältnis.. ohne Vorteile, die in letzter Zeit sowieso weniger geworden sind.

Eilig wischt sie die Finger sauber und nimmt das Gerät zur Hand.
„Susanna hier. Ich arbeite noch in den Gärten. Ihr könnt starten“, erklärt sie und steckt es wieder weg.

„Alles klar. Wir sehen uns später“, kommt die Antwort und dann rauscht es wieder kurz. Ein klicken, dann ist es still.

„Was hat der Commander vor?“, fragt Newt interessiert. Er hatte nur noch wenige Löcher vor sich.

„Durch den Sturm haben relativ viele das letzte Stadium des Brandes erreicht. Terry wird heute er erneut die Infizierten mit dem Helikopter aussetzen. Eigentlich wäre der nächste Flug erst in 3 Wochen gewesen, aber er hat den Termin vorgezogen“, meint Susanna und macht das letzte Loch zu. Mit geübten Handgriffen verknotet sie den merklich geschrumpften Vorrat an Samen und steht auf.

Kurz darauf vernimmt man aus kurzer Entfernung einen Hubschrauber starten. Die Luft pocht und es klappert. Es knistert irgendwie und dann erblickt Susanna einen dunklen Schatten mit kleinen Lampen. Kurz schwebt er in der Luft, dann dreht er ab und fliegt fort. Langsam verklingt das Geräusch der Rotoren. Eine seichte Brise kommt bei Susanna und Newt an, dann ist aber alles genau wie Zwei Minuten zuvor.

Anders als erwartet kommen keine bissigen Kommentare oder sarktischen Sprüche von Newt. Er ist ruhig und in ihm ist kein innerer Vulkan, der darauf wartet auszubrechen. Nicht einmal seine Finger zittern.
Allein ein wenig Schweiß rinnt von seiner Stirn und versickert schließlich im Kragen des dunklen Shirts.

„Wie lief es gestern auf der Krankenstation?“, fragt Susanna unvermittelt und fängt an zu gießen. Langsam laufen sie zusammen die Reihen entlang.

„Ich hab dem Arzt das gezeigt, wie du gesagt hast. Er hat was drauf gesprüht und sonst nichts. Nicht einmal ein Pflaster oder Verband. War wohl nicht so extrem.“ Newt zuckt mit den Schultern.
„Sorry wegen dem Shirt. Ich hab’s entsorgt.“

„Kein Problem. Ich auch. War eh ein altes“, winkt Susanna ab und spürt einen frischen Wind auf der Haut. Die Gänsehaut kribbelt auf ihren Armen.

„Der Arzt hat mir ein leichtes Beruhigungsmittel gegeben. Das soll so ein bisschen die Aggressionen und Stimmungsschwankungen und sowas unterdrücken. Ich hab das heute mal genommen“, meint er plötzlich und für Susanna machte das Sinn. Wenige Cranks nehmen das Beruhingungsmittel. Warum, weiß Susanna nicht. Es hat eigentlich nur Vorteile. Wenn es denn wirkt, denn das ist das große Aber.
Es hilft nicht jedem. Sogar nur sehr wenigen. Und es ist schön, dass Newt dieses Mittel nehmen kann.

„Das ist gut. Wie fühlst du dich?“, fragt sie nach und bemerkt das sie am letzten Loch angekommen sind. Kurz bleibt Susanna stehen, wendet sich dann Newt zu.

„Ganz okay eigentlich. Also ich bin eigentlich relativ entspannt. Und ruhig. Ein bisschen angespannt, Druck auf der Brust. Aber keine Aggression oder sowas. Alles gut, würde ich sagen“, sagt er leichthin und zuckt dann wieder mit den Schultern.
„Also... ich mein, die Emotionen, sie sind intensiv und sie wollen raus. Aber das fühlt sich an, als wären sie hinter einer Glaswand.“

Susanna geht langsam zum Schuppen und lagert den Sack in die Gießkanne ein. Newt reicht ihr die Schaufel, die sie ebenfalls hinein stellt. Danach schließt sie die Tür mit dem Vorhängeschloss ab.
„Solange du dich dabei gut fühlst, ist alles in Ordnung.“

„Ich will mal sehen, wie ich das Zeug aufnehme. Und vorallem, wie ich heute Nacht schlafe. Mal sehen was morgen dann ist.“
Langsam laufen sin in Richtung der Flaschen, leichtfüßig hebt Susanna beide Glasflaschen auf. Eine reicht sie an ihre Begleitung weiter.

Ein paar Momente stehen sie zusammen da, in der Dunkelheit und Susanna wusste nicht so ganz was sie sagen sollte.
„Ich denke, ich geh dann mal. Obwohl Terry unterwegs ist, werde ich nicht hier bleiben. Wir haben ja jetzt noch jemand anderen, der sich im alles kümmert. Also ich gehe ich meine Wohnung und werde da schlafen“, erklärt sie dann, irgendwie unnötig und Newt nickt.

„In Ordnung. Hat Spaß gemacht zu reden. Und den Salat anzupflanzen“, lächelt er sie vorsichtig an.

„Das kann ich nur zurück geben. Danke für das Getränk. Und wenn etwas ist, du kannst morgen vorbei kommen. Ich bin ab dem Nachmittag wieder da“, meint Susanna und freut sich auf einen halben freien Tag.

„Gerne. Wir sehen uns“, verabschiedet sich Newt, irgendwie plötzlich. Kurz tätschelt er ihre Schulter, dann geht er voran, vermutlich zu seiner Hütte.

Susanna sieht ihm nach und das er doch so schnell weg ist, trifft sie so ein bisschen unvorbereitet. Trotzdem geht sie dann doch ihren Weg nach Hause, duscht und fällt vollkommen fertig ins Bett.



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