Bad moon rising

GeschichteHorror, Schmerz/Trost / P18
Castiel Dean Winchester Sam Winchester
22.10.2019
12.02.2020
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Hallo zusammen

Ich danke euch für die Reviews zum letzten Kapitel ;) das hat mich sehr gefreut
Hoffentlich gefällt euch alle weitere auch. Lasst es mich doch bitte wissen.

Liebe Grüße
Eure Desi

Kapitel 3 Looks like were in for nasty weather


„Sam!“, brüllte Dean als sich die Kreatur auf seinen Bruder stürzte.

Mit einem schnellen Sprung trat er vor und schleuderte Sam aus der Gefahrenzone, sodass sein Bruder mit voller Wucht gegen die Tür des Impalas flog und ächzend am Boden liegen blieb.
Dann sah er sich dem Vieh gegenüber, das ihn wild geifernd und knurrend anstarrte.

Er hob die Waffe und zielte. Die Silberkugel schoss durch die Luft und...verfehlte ihr Ziel als sich die Kreatur geschickt bückte und mit einem behenden Satz zur Seite auswich. Dean zielte und schoss noch ein paar Mal, aber das wolfähnliche Ding war schneller.
Es brüllte vor Wut und setzte jetzt zum Sprung an. Dean zielte genau auf die haarige Brust aber als er den Abzug betätigte, klickte es nur einmal. Der Schuss blieb aus.

„Sam, beweg dich. Los!“, schrie er in Richtung seines Bruders und packte ihn dann an der Schulter, zog ihn hoch und stieß ihn um den Wagen herum, weg von dem knurrenden, wild gewordenen Monster, das ihnen an den Kragen wollte.
Gleichzeitig zückte er sein Messer, das er ebenfalls in der Tasche seiner Hose trug.
Dann stellte er sich dem Vieh in den Weg.

„Dean, was machst du da?“ Sams Schrei tönte ihm in den Ohren. Sein Bruder hielt jetzt seine eigene Waffe hoch erhoben.
„Komm schon, oder willst du dich umbringen?“

Vielleicht war es tatsächlich Irrsinn sich diesem wild gewordenen Vieh mit einem Messer in den Weg zu stellen. Er könnte auch einfach aus der Schusslinie gehen und Sam das Feld überlassen. Sein Bruder war ein geübter Jäger, niemand den man einfach nur in Sicherheit bringen musste...aber Dean konnte es nicht. Oder wollte nicht.

Es gingen ihm in diesen Sekunden keine wirklich klaren Gedanken durch den Kopf. Nur irgendwo in den Tiefen seines Gehirns schob sich wieder das Bild von Cas totem Körper an die Oberfläche und nahm zu viel Raum ein.
Was machte es schon aus sich jetzt nur mit einem Messer bewaffnet diesem Monster entgegen zu stellen. Was hatte er zu verlieren?

„Ach du scheiße! Dean!“ Sams lautes Rufen holte ihn einen Augenblick wieder ins Hier und Jetzt zurück. Der Vollmond hatte sich aus den Wolken frei gekämpft und erhellte die Lichtung auf der sie standen nun vollständig.
Die Kreatur hatte sich inzwischen zu ihrer vollen Größe vor ihnen aufgebaut. Maß bestimmt über zwei Meter. Mit Pranken so groß wie Teller und scharfen, dreckigen, gebogenen Klauen.
Die gelben Augen in dem deformierten Gesicht leuchteten intelligent, von den spitzen Zähne triefte der Speichel. Mit tödlicher Absicht ruhte der Blick auf ihnen.
Gleich darauf entwich ihm ein lautes unmenschliches Knurren, dem ein Geruch von Fäulnis einher ging. Dann setze der Werwolf zum gezielten Sprung an.

Dean hob noch den Arm mit dem Messer, hinter ihm drückte Sam auf den Abzug seiner Waffe, aber der Prankenhieb verfehlte sein Ziel dennoch nicht.

Deans Kopf prallte mit einem dumpfen Knall auf den Boden des Waldes, die Arme hob er automatisch zum Schutz vor sein Gesicht. Die Kreatur war jetzt direkt über ihm, hob die Pfote erneut zum letzten tödlichen Schlag.
Zuerst wurde die Luft über Deans Gesicht vom Hieb zerschnitten, er wollte sich noch halbherzig zur Seite rollen, ließ es dann aber bleiben.
Erwartete das Ende einfach.

Als die Pranke erst seine Schulter und dann den Großteil seines Brustkorbs aufschlitzte, spürte er zunächst nichts. Da war ein blubbernden Geräusch und irgendwie realisierte er, dass er es war, der diese Laute von sich gab.

Er hörte Sam schreien, dann einen weiteren Schuss und schließlich drifteten seine Gedanken davon.
Er sah noch einmal das weiße Laken in das er Castiel gewickelt hatte, dann wurde alles dunkel.

**************

Sam schrie noch einmal als er den Abzug erneut betätigte. Dieses Mal traf er und der Werwolf, er war sich jetzt hundert Prozent sicher, dass es einer sein musste, wenn auch ein größerer als er jemals zuvor gesehen hatte, fiel rückwärts von Dean runter, heulte noch einmal ohrenbetäubend auf, drehte sich um und sprang in die Dunkelheit zurück aus der er gekommen war.

Keuchend vor Anstrengung, ließ Sam die Waffe sinken und kroch gleich darauf mit zittrigen Bewegungen zu Dean herüber, der noch stets so verdreht und blutüberströmt auf dem Boden lag.
Zwischen den Fetzen des Flanellhemdes tropfte dunkles, dickes Blut auf die aufgewühlten Erde und versickerte langsam darin.

Noch einmal blickte Sam sich wachsam um, ob der Werwolf es sich nicht noch anders überlegt hatte und wieder zu ihnen zurück gekehrt war um sein Werk zu vollenden, aber der mondbeschienene Wald lag jetzt gespenstisch ruhig vor ihm. Nichts deutete auf das hin, was eben hier geschehen war, das hieß, bis auf seinen schwer verletzten Bruder, dem er sich jetzt wieder zuwandte.

Vorsichtig schon er Dean das zerrissene Hemd hinauf um den Schaden, den der Werwolf angerichtet hatte, genauer zu begutachten. Zischend sog er die Luft durch die zusammengebissenen Zähne, als er die tiefen Fleischwunden sah, die sich von Deans Schulter bis über seinen kompletten Brustkorb zogen.
Vier breite, an den Seiten aufklappende Kratzer, aus denen das Blut unaufhörlich quoll und an den Seiten von Deans Oberkörper herab lief.

„Oh, scheiße.“ Sam wischte sich fahrig die Haare aus der Stirn und riss sich gleich darauf seine Jacke herunter. Er faltete den Stoff in der Mitte und drückte ihn so fest er konnte auf die Wunden.
„Wieso hast du dich bloß nicht weg gedreht“, flüsterte er leise und spürte wie ihm Tränen der Verzweiflung in die Augen stiegen.
„Wieso hast du mich weg geschubst, du verfluchter Idiot...“

Eine leise Ahnung begann sich in seinem Kopf zu regen, aber er weigerte sich hier und jetzt weiter darüber nachzudenken. Es führte zu nichts, lähmte ihn nur und ließ ihn zu langsam werden...und Zeit hatten sie keine.

Er verstärkte den Druck, spürte wie sich die Jacke unter seinen Fingern mit Deans Blut vollsog und Panik stieg in ihm empor. Einzig, dass er bisher keine Bisswunde erkennen konnte, milderte dieses Gefühl ein wenig ab. Aber er musste Dean von hier fort schaffen. Sonst würde er an den Verletzungen sterben, dass war klar. Die Schnitte musste so schnell es ging versorgt werden.

Einen Moment ließ er Deans Körper los um die verstreuten Waffen aufzusammeln. Er schob sich beide Pistolen in den Hosenbund und griff auch noch nach Deans Messer, das achtlos neben ihm auf dem Waldboden lag und in dessen Schneide sich der verblassende Mond zu spiegeln schien.
Dann warf er einen Blick zum Impala, der nach wie vor wartend dastand und eine Möglichkeit der Rettung bot. Doch die Fahrt in die nächste Stadt würde dauern. Möglicherweise zu lange. Und Deans Wunden mussten vor einem längeren Transport auf der Rückbank definitiv verbunden werden.

In der anderen Richtung lag das Farmhaus von Brandon Tucker.
Es widerstrebte ihm zurück zu diesem seltsamen Alten zu kehren, aber was hatte er für eine Wahl. Dort würde es Verbandszeug und Desinfektionsmittel geben. Möglicherweise sogar ein Telefon, denn als er einen Blick auf sein Handy geworfen hatte, hatte er bemerkt, dass hier Draußen absolut kein Empfang zu bekommen war.

Sam holte jetzt tief Luft. Er bewegte Deans Körper leicht und zuckte zusammen, als er dessen leises Stöhnen vernahm. Angst schnürte ihm den Hals zu, aber er war jetzt fast dankbar dafür, dass Dean das Bewusstsein noch nicht wieder erlangt hatte und so den quälenden Schmerzen noch eine Weile entkam.

Jetzt hob er ihn vorsichtig hoch, schnaufte als er das ganze Gewicht seines Bruders in den Armen hielt und richtete sich langsam auf.
Die Jacke, blutdurchtränkt, lag als schwerer Klumpen auf Deans Oberkörper, wie ein totes Tier und Sam riss den Blick davon los und konzentrierte sich stattdessen lieber auf den unebenen Weg der vor ihm lag.
Deans Taschenlampe konnte er nicht halten, so musste er sich einzig auf das fahle Licht des immer blasser werdenden Mondes verlassen, der ihm durch die vom Wind hin und her gewiegten Baumkronen den Weg wies.

Brandon Tuckers Haus tauchte erst zehn anstrengende Minuten später als dünner Lichtschein zwischen den Bäumen auf. Sam atmete noch einmal tief durch und lief dann, so schnell ihn seine erschöpften Beine trugen, darauf zu. Einmal stolperte er doch über eine am Boden verlaufende Wurzel und hätte Dean beinahe fallen lassen, aber er fing sich wieder und Dean stöhnte nur dumpf an seiner Brust auf, blieb ansonsten jedoch noch immer ohne Bewusstsein.

Bevor er mit dem Fuß gegen die Tür trat, was den Ersatz einer klopfenden Hand darstellte, sah er sich noch einmal mit einem stillen Dankgebet auf den Lippen nach dem dunklen Wald hinter sich um. Der Werwolf war ihnen nicht gefolgt. Wäre es so gekommen, hätte es schlecht um sie gestanden...

Er klopfte erneut mit der Stiefelspitze gegen das alte Holz der Tür, aber im Inneren des Farmhauses regte sich nach wie vor nichts.

Schließlich ließ er Dean wohl oder übel mit einem leisen Fluchen zu Boden gleiten und streckte gleichzeitig die einen freie, blutige Hand nach dem Türknauf aus. Erleichtert stellte er fest, dass er sich ohne Probleme drehen ließ und schließlich schwang die Tür mit einem protestierenden Quietschen in ihren Angeln auf.

Sam hob Dean abermals hoch, spürte wie ihm der Schweiß der Anstrengung über das erhitzte Gesicht lief und trat dann in den schwach erleuchteten Vorraum des Hauses.

„Hallo? Mr Tucker? Sind sie da?“ Er wartete eine Reaktion ab, doch nichts geschah. Das Haus lag so verlassen vor ihm, als hätte Brandon Tucker sie nicht noch vor einer halben Stunden hier empfangen.
„Mr Tucker , ich bin es Sam. Von der Zeitung. Wir hatten im Wald einen Unfall. Mein Bruder ist verletzt und braucht dringend Hilfe.“

Während er in die verlassen Zimmer rief, bahnte er sich mit Dean auf dem Arm einen Weg in das angrenzende Wohnzimmer. Auch hier war nichts von dem Farmbesitzer zu sehen, aber die Couch fiel Sam dafür sofort wieder ins Auge. Ohne zu zögern stapfte er darauf zu und legte Dean schließlich vorsichtig auf den durchgesessenen Polstern ab.

Das er dabei blutige Striemen auf dem hellen Stoff hinterließ, interessierte ihn grade recht wenig. Er schob Dean eines der Kissen vorsichtig unter den Kopf, richtete sich dann auf und stöhnte, als sich die Wirbel in seinem Rücken wieder an die richtigen Stellen schoben. Dann sah er sich mit klopfendem Herzen um.

Wo zum Teufel war der Kerl? Sam hoffte, dass er, wenn er dann irgendwann zurück kam, erst Fragen stellen würde bevor er auf sie schoss...

Jetzt zog er Dean vorsichtig das Hemd wieder hinauf und versuchte es so sanft wie möglich über seinen Kopf zu ziehen. Die blutdurchtränkte Jacke lag jetzt auf dem Boden und und unter ihr bildete sich eine kleine Lache.

Dean wimmerte leise, als Sam es endlich gelang ihn von dem zerfetzten Stoff zu befreien. Mit klopfendem Herzen starrte er einen Moment lang auf die tiefen Wunden und versuchte so ruhig es ihm möglich war durch die Nase ein und den Mund wieder auszuatmen. Nur ruhig bleiben. Nicht in Panik geraten.

Erst mal brauchte er Verbandsmaterial und Desinfektionsmittel. Er hob den Blick und ließ ihn einmal durch das Wohnzimmer gleiten. Von dem Zimmer ging ein Flur ab, der vermutlich in die Küche führte. Auf der anderen Seite war die Treppe ins Obergeschoss. Darunter war die Tür zum Keller.

Er warf einen letzten besorgten Blick zu dem noch immer bewusstlosen Dean, dann begann er das Haus zu durchsuchen.

Was er zusammen sammelte, waren ein paar Handtücher aus einem kleinen, spartanisch eingerichteten Badezimmer, eine große Schüssel aus einem der Küchenschränke in die er warmes Wasser mit ein wenig Seife einlaufen ließ, eine Tube Salbe, die zwar fast alle war, aber durchaus noch nützlich und schließlich in einer der Schubladen in einem Schrank im Flur ein paar Mullbinden.

Er hatte auch nach einem Telefon Ausschau gehalten, aber keines entdeckt. Dieser Tucker schien hier wirklich vollkommen mit sich alleine, abgeschirmt von der restlichen Welt, zu leben.

Bei dem Gedanken, dass es ihnen also fürs Erste nicht möglich sein würde Hilfe zu rufen, kroch ihm die Angst wieder den Rücken empor und legte sich mit klammem Griff um seinen Oberkörper.

Aber er versuchte sich davon nicht ablenken zu lassen. Sie hatten schon oft in ausweglosen Situationen festgesteckt. Ihnen würde was einfallen. Erst mal galt es sowieso nur Deans Verletzungen zu versorgen und zu hoffen, dass sich die Schnitte nicht infizierten.

Er kehrte zu Dean zurück, legte alles was er erbeutet hatte auf den niedrigen Couchtisch und begann dann mit der notdürftigen Behandlung.

Dean stöhnte schmerzvoll auf, als Sam anfing die ausgefransten Wundränder erst vorsichtig mit Wasser und Seife abzutupfen und die Risse von Schmutz zu befreien. Er versuchte sich trotz der Ohnmacht Sams Berührungen zu entziehen und hinter seinen geschlossenen Lidern zuckten die Augen unablässig hin und her. Seine Stirn glühte. Ebenso der Rest seines Körpers und Sam vermutete, dass er Fieber bekommen hatte aufgrund der Stärke der Verletzungen.

Sam arbeitete schnell und sorgfältig. Er kniff ebenfalls mit schmerzverzerrtem Gesicht die Lippen zusammen wenn Dean wieder zu keuchen und zu wimmern begann. Aber es half nichts. Die Wunden mussten gesäubert werden bevor er sie verbinden konnte.

„Sam?“ Plötzlich seinen Namen aus dem Mund seines Bruders zu hören ließ ihn einen Moment inne halten. Deans Stimme war kaum mehr als ein leises Flüstern gewesen und Sam rückte jetzt so dicht an ihn heran, dass ihre Gesichter nur wenige Zentimeter voneinander entfernt waren.

„Ich bin hier Dean“, beruhigte Sam ihn.
„Alles wird gut. Du bist in Sicherheit.“

„Wo ist Cas?“, murmelte Dean wieder weggetreten.

Die Frage traf Sam wie einen Faustschlag. Er spürte wie ihm eiskalt wurde, aber er versuchte seiner Stimme weiterhin einen bestimmten und beruhigenden Klang zu verleihen.

„Cas ist nicht hier Dean...“ Seine Stimme zitterte nur wenig.
„Aber ich bin bei dir. Alles wird gut...“

Er wusste das diese Worte zum Teil gelogen waren. Ja, er würde Dean wieder zusammen flicken – Gott im Himmel das würde er.... aber Cas...
Cas konnte er nicht wieder zurück bringen. So sehr er es sich selbst wünschte.
Er würde tot bleiben, auch wenn Dean wieder zu sich kam... und alles würde wieder über ihm zusammen stürzen. Sam spürte wie ihm Tränen der Verzweiflung und Trauer in die Augen stiegen.
Er konnte nichts anderes tun, als jetzt für Dean da zu sein und ihm da durch zu helfen.

Entschlossener als zuvor begann er wieder mit der Versorgung der Wunden, als es plötzlich hinter ihm rumpelte und gleich darauf schlurfende Schritte ertönten.

„Was zur Hölle....?“ Sam drehte sich erschrocken um und starrte direkt in Brandon Tuckers fassungsloses Gesicht.

„Mr Tucker.“ Die Erleichterung, dass es nicht der Werwolf war, der sich eigenmächtig Zutritt zu dem Haus verschafft hatte durchströmte ihn und er keuchte zittrig auf.
„Es tut mir leid...“ Er hob beschwichtigend die Hände.
„Bitte lassen sie mich das alles erklären.“

Brandon Tucker war unterdessen argwöhnisch näher gekommen. Bei Deans Anblick auf seiner Couch sog er erschrocken den Atem ein.

„Grundgütiger“, zischte er leise und fasste sich an den Hals.
„Was ist hier passiert?“

„Wir wurden draußen, auf dem Rückweg zu unserem Wagen von etwas angegriffen.
Einem Tier...möglicherweise war es das, das auch schon die anderen Opfer auf dem Gewissen hat“, erklärte Sam und beobachtete dabei angespannt wie der Hausbesitzer sich nervös über die wild abstehenden Haare fuhr. Erst jetzt bemerkte Sam das Tuckers Hemd mit Blutspritzern übersät war und seine Stiefel ganz Schlammverschmiert.

Der Alte bemerkte den Blick ebenfalls und sah jetzt auch an sich herunter.

„Ich war draußen beim Stall. Eine Kuh hat gekalbt...das kleine Scheißvieh hat festgesteckt...musste mit anpacken“, erklärte er und sah dann wieder zu Dean hinüber.

„Sieht übel aus.“ Er kam etwas näher und beugte sich über ihn. Sam stand dicht daneben. Er hielt die Waffe umklammert, dabei hatte er gar nicht mitbekommen, dass er sie gezogen hatte als Brandon Tucker herein gekommen war.

Deans Gesicht war aschfahl und schweißüberströmt. Sein Atem ging flach und stoßweise.
Es kam jetzt auf jede Minute an.

„Haben sie Nähzeug da? Und Schmerzmittel?“ Sam sah dem Farmer jetzt fest in die Augen.

„Ja ...irgendwo hab ich was...“ Er riss sich offensichtlich nur widerwillig von Deans Anblick los und Sam glaubte wieder dieses seltsame Leuchten in den Augen des Alten zu sehen. Aber es konnte  auch Einbildung sein.

Jetzt schlurfte der Mann jedenfalls in Richtung Flur davon und kam gleich darauf tatsächlich mit einer Packung Tabletten und einem kleinen Täschchen zurück.

„Hier.“ Er streckte es Sam entgegen, der erleichtert aufatmete.

„Haben sie ein Telefon? Ich hab bisher keins entdecken können.“

„Nein, hab ich nicht.“ Tucker schüttelte den Kopf.
„Brauchte ich nie...“

„Okay...“ Sam fluchte leise während er sich wieder über Dean beugte.
„Dann also erst mal eins nach dem anderen.“

Er desinfizierte die Nadel großzügig, die im Grunde viel zu grob für saubere Stiche an Wundrändern war und fädelte den Faden auf. Dann machte er sich bereit für den ersten Stich.

Als er die Haut so vorsichtig wie es ging mit der Nadel durchbohrte, bäumte sich Deans Oberkörper auf und er schrie seinen Schmerz laut heraus. Speichel floss ihm aus dem Mundwinkel und die Augen, die jetzt aufgerissen waren, stierten verdreht an die Zimmerdecke.
Sam musste all seine Kraft aufwenden um seinen Bruder wieder zurück auf die Couch zu pressen.
Doch Dean hatte Kraft und nur mit der Hilfe des Hausbesitzers war es schließlich möglich ihn wieder soweit ruhig zu stellen, dass er sich selbst und Andere nicht noch weiter verletzte.

Keuchend sackte Sam schließlich an seinem Kopfende zusammen. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals.

„Dean, bitte..“, keuchte er.
„Du musst ruhig bleiben. Ich muss versuchen die Wunde zu nähen. Okay?“

„Sammy...“ Deans Stimme war ein schmerzgepresstes Schnaufen. Aber wenigstens war er wieder bei Bewusstsein. Obwohl es vermutlich besser für ihn gewesen wäre, er hätte das Nähen der Wunden verschlafen.
„Was ist passiert? Wo bin ich?“

„Wir wurden angefallen. Draußen im Wald. Erinnerst du dich?“ Sam sprach leise. War er sich doch über die Anwesenheit von Brandon Tucker sehr bewusst.

„Scheiße.“ Dean stöhnte wieder leise.
„Der verdammte Werwolf...nächstes mal bist du sein Kauspielzeug.“

„Werwolf?“ Der Ausruf absoluter Fassungslosigkeit ertönte hinter Sam. Er drehte sich um und hob beschwichtigend die Arme.

„Okay, bleiben sie ganz ruhig, ja? Es besteht kein Grund zur Aufregung.“

„Wer seid ihr zwei Kerle wirklich?“, fragte Brandon Tucker jetzt nervös.

„Wir...“Sam zögerte.
„Wir kommen nicht von einer Zeitung“, erklärte er ausweichend.

„Ah ...“ Jetzt knurrte der Alte regelrecht.
„Das hab ich mir fast gedacht.“ Er ließ sich ächzend auf einen der Stühle sinken.
„Reporter tragen keine Hemden aus Flanell...“

„Nein.“,nickte Sam, aber erklärte auch nicht wer sie wirklich waren. Für sowas war jetzt keine Zeit. Stattdessen wandte er sich wieder Dean zu.

„Okay, hör zu“, sagte er leise.
„Ich werd die Wunde jetzt nähen und es wird definitiv scheiße weh tun. Aber das packst du.“

Dean sah ihn an, die Augen verschleiert vor Schmerz. Dann nickte er mit zusammen gepressten Lippen.

„Alles klar. Dann los.“ Sam hob die Nadel und begann.
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