Neustart und andere Hindernisse

GeschichteHumor, Romanze / P16
22.10.2019
07.11.2019
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Neustart und andere Hindernisse (Arbeitstitel)

written by NeaMorielle

"We're all stories in the end. So let‘s make it a good one." -Doctor Who, Eleventh Doctor



Vorwort

Lieber Leser, liebe Leserin!
Ich heiße Euch herzlich zu meinem Erstlingswerk in der freien Prosa willkommen und freue mich auf Euer Feedback. Keine Angst! Es folgt kein ellenlanger Monolog über Nachsicht, weil/wegen … Ich schreibe nun schon seit einigen Jahren und bin – meines Erachtens – aus dem Schreibalter raus, in dem man um Welpenschutz bittet. Deswegen: Seid bitte offen und ehrlich! Schreibt mir, was Ihr denkt. Konstruktive Kritik ist immer gern gesehen und der direkte Austausch mit den Lesern ist für Hobbyautor/innen Gold wert.
Diverse Vorkommnisse haben mich dazu bewogen, die Download-Funktion für die Geschichte zu deaktivieren. Wer dennoch gern auf einem E-Reader oder einem anderen externen Gerät lesen möchte, schreibt mich einfach per PN an. Wir finden schon eine Lösung!
Und jetzt viel Spaß beim Lesen! Over and out – NeaMorielle


Prolog

Mitten in der Nacht hatte Jennifer bei ihren Eltern angerufen und ihre Mutter angefleht, sie aus dieser Vorhölle abzuholen.
Bettina fackelte nicht lange. Sofort stieg sie aus dem Ehebett und eilte aus dem Schlafzimmer ins angrenzende Badezimmer, um sich die Haare zu binden und mehr als ihr rosa gepunktetes Nachthemd am Körper zu tragen. Hastig schnappte sie sich die Schlüssel und machte sich mit ihrem roten Opel Corsa C, auf dessen Beifahrersitz ihre Tochter saß und geistesabwesend aus dem Fenster starrte, auf den Weg. Das Hochgefühl das Jenni beim Anblick des Wagens verspürt hatte, ebbte langsam ab und machte Platz für den Schmerz. Knapp zwei Jahre Beziehung, der Versuch, sich ein gemeinsames Leben aufzubauen, und alles was ihr blieb – ein Jahr und fünf Monate nachdem sie zu ihm gezogen war -, waren ein gebrochenes Herz und der Scherbenhaufen. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Tim, ihr frisch gebackener Ex-Freund, fuhr schneller aus der Haut als manch anderer. Nichts, was sie nicht von vornherein wusste. Doch das, was sie anfänglich als Ausrutscher abtat und ohne mir der Wimper zu zucken verzieh’, wurde schnell zur Regelmäßigkeit. Kleinigkeiten brachten ihn zur Weißglut. Einmal fragte sie ihn während eines Fußballspiels, ob er auch noch etwas zu trinken wollte, und wurde, nach einem genervten Stöhnen seinerseits, innerhalb von fünf Minuten nicht nur in Grund und Boden gebrüllt, sondern auch am Arm vor die Tür gezerrt. Erst zur Halbzeitpause ließ er sie wieder in die Wohnung und entschuldigte sich tausendfach für seine unangebrachte Reaktion. Tagelang tanzte er mit ihr, himmelhoch jauchzend, auf Wolke sieben herum. Tim las ihr jeden Wunsch von den Augen ab, beteuerte wie sehr er sie liebte, und versprach ihr, sich zukünftig zu beherrschen.

Zwei Wochen später, am Abend ihres vierundzwanzigsten Geburtstags, waren Versprechen und Beherrschung vergessen gewesen ...

Geplant war eine große Feier in der Bar, in der Tim als Barkeeper arbeitete. Dort wollten sie nicht nur ihren Geburtstag feiern, sondern auch den Umstand, dass sie vor einer Woche zu ihm gezogen war. Dabei war Jennifer nach einer Doppelschicht aufgrund einer Krankmeldung im Kollegium gar nicht nach Party, als sie spätabends nach Hause kam. Ihr wäre ein entspannter Abend mit ihren besten Freunden wesentlich lieber gewesen als sich in Schade zu schmeißen, quer durch Münster zu gurken und die stickige Luft im „Jacks“ einzuatmen. Anstatt sich vernünftig auszudrücken und ihr zu sagen, dass ihm der Vorschlag nicht gefiel, schlug er mit der flachen Hand gegen den Schrank und herrschte sie an, dass er keine Widerrede duldete und sie sich gefälligst zu beeilen hatte. In ihrer Eile stieß sie sein Aftershave vom Regal, was ihn erneut dazu brachte, laut zu werden.

Heute wusste sie, dass die Beschreibung „leicht reizbar“, die sie ihrer besten Freundin gern gab, gar nicht auf ihn zutraf. Er war jähzornig, regelrecht cholerisch und selten konnte sie nachvollziehen, weswegen er so aufbrausend reagierte. Alles nahm sie hin; die knallenden Türen, die zertrampelten Zimmerpflanzen, die zerrissenen Einladungskarten zu seinem Geburtstag … Zu gern hätte sie gewusst, was sein Problem war. Doch als die teure Ziervase ihrer Großmutter an ihr vorbeiflog und an der Wand hinter ihr zerschellte, verpuffte der Gedanke daran, diesen Mann irgendwann einmal verstehen zu können.

„Sag’ mal, spinnst du?“, fuhr sie ihn aufgebracht an, um den Schreck, der ihr in den Gliedern steckte, zu überspielen. „Die Vase war das letzte, was mir von Oma geblieben ist. Ganz davon abgesehen, dass du mich fast getroffen hättest!“

„Hör auf zu heulen! Das hässliche Ding konntest du so oder so nicht leiden. Da hab’ ich dir doch ’nen Gefallen mit getan. Außerdem mach ich mir mehr Sorgen um die Wand als um deinen Dickschädel!“ Ungeachtet ihres vor Empörung geöffneten Mundes schob sich Tim an ihr vorbei und begutachtete die Stelle, an der das Gefäß zu Bruch gegangen war.

„Meinen Dickschädel?“ Sie konnte es nicht fassen. Er hatte wirklich mit der Vase nach ihr geworfen, sie nur knapp verfehlt und es interessierte ihn nicht die Bohne!

„Deinen Dickschädel, ganz richtig“, brüllte er ungehalten. „Wie oft hab’ ich dir dämlichen Kuh schon gesagt, dass an meine Fenster keine Lichterketten kommen, hm?“

„Was bitte?“, wisperte sie. „Das ist für dich ein Grund, mit Gegenständen nach mir zu werfen?“

„Du bist selbst schuld! Mach’, was man dir sagt, und du hast keine Probleme. Ich gehe jetzt mit Erik was trinken und wenn ich wieder da bin, ist der Scheiß im Müll, sonst lernst du mich richtig kennen, Jennifer!“ Mit einem lauten Krachen der Wohnungstür war er verschwunden. Und mit ihm die Schockstarre, die es ihr unmöglich machte, zu weinen.
Schluchzend ließ sie sich aufs Sofa fallen. In ihrem Kopf rasten die Gedanken. Das Unverständnis für die Notwendigkeit einer Eskalation. Ja, er hatte ihr gesagt, dass er darauf wenig gab und es für unsinnig erachtete, die Wohnung mit den Stromfressern hell zu erleuchten. Ja, sie hatte sich darüber hinweggesetzt. Aber es war nur eine einzige Lichterkette. Im Esszimmer! Nur um zu schauen, wie es aussah. Weil sie es gemütlich haben wollte.Was sie wollte, wie sie sich fühlte … Das alles war egal, solange sie bei ihm war und nach seiner Pfeife tanzte! Was zur Hölle hielt sie noch bei diesem Kerl? Wollte sie wirklich bei ihm bleiben und sich immer wieder fragen, was sie anders oder besser machen konnte, damit er keinen weiteren Grund fand, gegen sie aufzubegehren?
Die Antwort auf diese Fragen war ein klares „Nein!“. Sie wollte nicht mit der Angst leben, dass er handgreiflich werden würde. Jennifer wollte nur noch aus dieser Wohnung raus. So schnell wie möglich! Auch wenn das zwangsläufig bedeutete, vorübergehend wieder bei ihren Eltern einzuziehen. Lange genug hatte sie sich alles gefallen lassen und ihn bei jeder sich bietenden Gelegenheit verteidigt. Damit war nun Schluss, befahl sie sich selbst und verbot sich, diesem Mistkerl auch nur eine Träne nachzuweinen.

Ihr Vorsatz, nicht zu weinen, hatte nicht einmal zwei Stunden gehalten. Bereits im Auto hatten ihre Augen angefangen zu brennen und nur mühsam war es ihr gelungen sich zusammenzureißen. Als sie an ihrem Elternhaus ankamen und ihr Vater, der bereits auf sie wartete, sie mit einem liebevoll gehauchten „Mein Mädchen ...“ in seine Arme zog, war es um Jennifers Selbstbeherrschung geschehen. Hemmungslos schluchzte sie an seiner Brust, während ihre Mutter ihm in knappen Worten erklärte, dass Jennifers Taschen im Kofferraum und auf der Rückbank verstaut waren.

„Haben die beiden sich getrennt?“, hatte Thomas seine Frau flüsternd gefragt und alles was er als Antwort bekam, war ein Schulterzucken und der Körper seiner Tochter, der heftig gebebt hatte.



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