Wolfsmädchen

GeschichteRomanze, Fantasy / P18
21.10.2019
16.09.2020
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16.09.2020 1.413
 
Ich weiß, dass letzte Update ist lange her (zu lange) ^.^“ Aber ich habe diese Geschichte definitiv nicht vergessen. Um die ganze Sache kurz zu fassen: Ich bin nach Österreich gezogen und Corona macht alles dann doch noch etwas komplizierter als nötig.
Dazu kommen noch sehr nette Nachbarn und zwischenzeitlicher Besuch, der auch gerne mal um Mitternacht erscheint und dabei etwas beim Schreiben stört :‘)
Dafür kommt endlich ein neues Kapitel. Es könnte recht anders sein, da ich mich erst wieder in die Geschichte rein finden muss und was ich eigentlich als nächstes geplant hatte ^.^“
Trotzdem viel Spaß beim Lesen!
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Der erste Schneefall hatte früh in diesem Jahr eingesetzt, auch wenn der Schnee wahrscheinlich noch nicht am Boden liegen bleiben würde.
Legat Rikke hatte den schweren Reiseumhang mit Fellbesatz eng um sich geschlungen, um dem schneidend kalten Wind zu trotzen. Trotzdem schienen ihre Hände an den Zügel festgefroren zu sein und ihr Atem schwebte in kleinen Wolken vor ihrem Gesicht.
Ihrem Pferd machte die Kälte nichts aus. Es war wie geschaffen für das kalte Wetter Himmelsrands, breit gebaut mit dichtem Fell und Behang. General Tullius musste seinem Pferd, welches noch aus dem Kaiserreich selbst stammte, bei jeder Kältewelle vernünftig eindecken.
Auch jetzt trat der Rotfuchs nervös auf der Stelle, die unter dem Sattel gespannte Decke konnte das Zittern seiner Muskeln nicht verbergen.
Es war ein schönes Tier, dass stand außer Frage. Lange, dünne Beine, ein hoch angesetzter Hals mit langer, dünner Mähne und ein fein geschwungener Kopf, dessen Linien wie von einem Künstler gezeichnet wirkten.
Das Zaumzeug klirrte leise, als der Rotfuchs den Kopf schüttelte und Tullius nahm die Zügel fester in die Hand.
Suchend glitt sein Blick über die leeren Mauern der Festung Hraagstead, welche denn Assassinen der Dunklen Bruderschaft als Aufgabe anvertraut worden war.
Nichts regte sich, außer den Krähen, die hin und wieder in den Himmel hinaufstoben, nur um kurz danach wieder zu landen.
„Es sieht nicht so aus, als wäre noch jemand übrig“, bemerkte Rikke und versuchte unauffällig ihre Finger zu bewegen.
General Tullius zog die Schultern hoch und wusste nicht, was er antworten oder erwarten sollte.
Auf seinem Tisch hatte am vergangenen Morgen ein Zettel mit der so typischen Unterschrift der Assassinen gelegen und er wusste, dass es sehr wahrscheinlich war, dass keiner der Banditen mehr am Leben war.
Kurzentschlossen trieb er seinen Rotfuchs an und ritt dicht gefolgt von Rikke auf das weit offenstehende Eingangstor zu. Ein weiterer Schwarm Krähen flog auf, als sie in den Hof ritten. Unter einer dünnen Schneedecke konnten die beiden mehrere Körper erkennen, die niedergestreckt auf dem gefrorenen Boden lagen.
Tullius glitt aus dem Sattel während er sich umsah und die Situation zu erfassen versuchte. Auf den Treppen zu den Wehrgängen war der Schnee kaum liegen geblieben und man konnte die gefallenen Wachen mehr als nur deutlich erkennen. Die Pfeile waren sauber platziert worden, darüber ließ sich nicht streiten. Beinahe konnte Tullius die Gefallenen wie schattenhafte Gestalten die Treppe hinuntereilen sehen, als die Assassinen durch die Tore drangen, nur um dann mit Pfeilen in Kopf oder Brust niedergestreckt zu werden.
„General Tullius! Es lebt noch einer!“
Rikkes Ruf riss Tullius aus dieser Vorstellung und er ließ die Zügel seines Pferdes los. Legat Rikke kniete bei den Stallungen und winkte ihn über die Schulter hinweg zu sich. Scheinbar hatten die Assassinen noch eine Botschaft, welche sie lieber nicht auf einen Zettel schreiben wollten.
Der Schnee knirschte unter den Sohlen seiner Stiefel, als er auf Rikke und die zusammengesunkene Gestalt zuging.
Die Assassinen hatten den noch jungen Banditen mit den Händen über dem Kopf gefesselt und einen recht ordentlichen Verband um eines seiner Knie gelegt. Sein schmales Gesicht war beinahe grau und dunkle Ringe lagen unter seinen Augen.
Jemand hatte ihm einen Lappen in den Mund gestopft und man musste dem jungen Mann wohl hoch anrechnen, dass er bisher nicht daran erstickt war.
Etwas grober als nötig zerrte Tullius dem Banditen den Lappen aus dem Mund und blickte in zwei ängstliche braune Augen.
„Ich denke, du solltest uns etwas ausrichten?“
Zitternd leckte der junge Mann sich über die aufgesprungenen Lippen und schien die kaiserliche Armee und das Gesetz weitaus weniger zu fürchten als die Assassinen.
„Sie kamen im Morgengrauen, wie aus dem Nichts. Sie haben alle umgebracht und mir einen Pfeil ins Knie geschossen. Nur damit ich sage, dass der Auftrag erledigt wurde!“
Hustend brach der Bandit ab und ließ das Kinn ergeben auf die Brust sinken. Sein Leben hatte er sich anders vorgestellt, als er der kleinen Gruppe um Breon beigetreten war. Sie hatten die Burg an sich gerissen, Karawanen überfallen und ja, zum Teil hatte Rion geglaubt, dass kaum einer sie besiegen könnte.
Bis die drei Assassinen erschienen waren und sie ohne sichtliche Anstrengung getötet hatten.
Tullius verzog das Gesicht und richtete sich wieder auf. Das hier war nicht mehr als eine Erinnerung gewesen, dass, selbst wenn die Dunkle Bruderschaft von ihm wie Soldaten in den Einsatz geschickt wurde, sie blieben noch immer Mörder, die eigentlich die Hinrichtung verdient hätten.

Der schmale Weg, welcher durch den Wald führte, war gerade breit genug, dass zwei Pferde nebeneinander gehen konnten.
Schattenmähne hatte den Kopf so weit gesenkt, dass er bald auf Gefahr lief, sich selbst auf die Zügel zu treten und Nimhe zupfte kurz an den Zügeln. Cicero hatte sich eines der Pferde der Banditen geschnappt und starrte konzentriert auf die Schatten zwischen den Bäumen. Nimhe mochte den ruhigen, braunen Wallach recht gerne, der neben Schattenmähne herlief.
Die Pferde waren es auch, die es zuerst bemerkten. Ruckartig riss Schattenmähne den Kopf in die Höhe und traf dabei fast Nimhe ins Gesicht, die gerade noch zurückzucken konnte. Der schwarze Hengst stand plötzlich wie angewurzelt mitten auf dem Weg, ein Ohr nach vorne gedreht, dass andere wies nach hinten und seine Nüstern waren gebläht.
Ciceros Wallach blieb ebenfalls stehen, trat aber im Gegensatz zu Schattenmähne nervös auf der Stelle.
„Ruhig“, beschwor Nimhe die beiden Pferde und klopfte mit einer Hand den Hals ihres Pferdes.
Angestrengt lauschte sie und spürte, wie sich ihre Nackenhaare aufstellten. Die Luft selbst schien zu vibrieren, im Rhythmus von etwas, dass Nimhe in den tiefen ihrer Seele als Flügelschläge erkannte. Suchend blickte sie zum Himmel hinauf, irrte mit den Augen zwischen den Wipfeln der Bäume umher.
Ciceros Wallach verlor als erstes die Nerven und warf sich mit einem schrillen Wiehern auf der Hinterhand herum, bevor er mit einem riesigen Satz zwischen den Bäumen verschwand.
Fluchend zog Cicero an den Zügeln und setzte sich tief in den Sattel, um sein Pferd zu bremsen, ohne aus dem Sattel springen zu müssen.
Nimhe erging es nicht besser, als Schattenmähne, entgegen jeglicher seiner Prinzipen, stieg. Erfolglos griff sie nach der Mähne, doch die Haarsträhnen entglitten ihren Finger und mit einem dumpfen Laut prallte sie auf dem Boden auf.
Die gesamte Luft wurde aus ihren Lungen gedrückt und die Attentäterin blieb reglos liegen, bis sie wieder einen ersten, vorsichtigen Atemzug nehmen konnte, während Schattenmähne mit klappernden Hufen im gestreckten Galopp floh.
Zitternd stemmte sie die Hände gegen den Boden und richtete sich mühsam auf, während der Wind rauschte, als wolle er die Bäume des Waldes selbst entwurzeln.
Doch dieser rauer Wind war nicht natürlich. Vor die nur schwach scheinende Sonne schob sich der Schatten eines gigantischen Drachens, eine jener Legenden, die vor Jahren bereits ausgestorben sein sollte, nicht mehr als ein Schatten auf den Seiten der Geschichte. Doch dieser Drache war ebenso sehr aus Fleisch und Blut wie Nimhe, Cicero und die meisten anderen Bewohner Tamriels.
Erschrocken riss Nimhe die Augen auf und glaubte, dass ihr Blut zu Eis erstarrt sei, als sie die schwarzen Schuppen das verbliebene Licht zu schlucken schienen und der Drache nur Zentimeter von den höchsten Baumspitzen entfernt über sie hinwegglitt.
Nimhe hatte genug erlebt, um vor kaum etwas Angst zu haben. Mit jedem Atemzug spürte sie Hircines Bestie unter ihrer Haut lauern, die Mutter der Nacht lebte in ihren Gedanken, war an ihren Geist gebunden, all dass fürchtete sie nicht.
Doch Alduin, der über Himmelsrand hinwegflog, jagte Nimhe eine nie gekannte Angst ein. Zitternd warf sie sich zur Seite und rannte auf allen Vieren am Rande des Weges in Deckung.
Dünne Zweige schienen nach ihr zu greifen und Nimhe verbarg sich hinter einem Baumstamm, der doppelt so breit wie sie selbst war, folgte Alduin mit ihren Blicken, bis er über den Bäumen verschwunden war.
Selbst der erdige Geruch des Waldes vermochte sie diesmal nicht zu beruhigen. Das letzte, was sie jemals gewollt hatte war, dass Drachenblut zu sein.
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