Wolfsmädchen

GeschichteRomanze, Fantasy / P18
21.10.2019
24.02.2020
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Disclaimer: Alle Rechte an Skyrim und dessen Inhalt gehören selbstverständlich Bethesda Game Studios , ich verdiene mit dieser Geschichte keinen müden Penny.

So, die Inspiration zu dieser kleinen Story kam mir, als ich mal wieder den Quest zum Bürgerkrieg durchgespielt habe. Bei Gefallen hinterlässt gerne ein ♡ oder ein Review ^^

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"Ich weiß nicht, wohin diese ganzen Kämpfe noch führen sollen."
Kopfschüttelnd beugte sich die junge Nord tiefer über die auf dem Tisch ausgebreitete Karte Himmelsrands, eine Schreibfeder in der rechten Hand.
Ihre schulterlangen, hellblonden Haare hatte sie hinter die Ohren gestrichen und der Blick der eisblauen Augen suchte nach Anhaltspunkten auf der Karte. Wann immer ein Mitglied der Bruderschaft etwas neues entdeckte, wurde es hier sorgfältig eingezeichnet. Nur ein gut vorbereiteter Mord war ein würdiger Mord für Sithis.
"Nun, ich habe das Gefühl, unsere Aufträge leiden etwas darunter. Es sterben sowieso alle im Krieg!"
Nazir musste über diese Tatsache einfach die Nase rümpfen. Zudem lagen die letzten Wochen noch immer schwer auf seinem Gemüt. Astrid, das ehemalige Oberhaupt dieser Zuflucht, hatte sie alle verraten und nach dem grauenhaften Massaker in der Zuflucht von Falkenring, gab es nur noch ihn, dass Vampirkind Babette, den verrückten Narren Cicero und… Nimhe. Die junge Frau hatte gerade mal 23 Sommer gesehen und er hatte sie am Anfang für recht arrogant, überheblich und naiv gehalten. Aber wie schnell, sauber und vor allem präzise sie ihre Aufgaben erfüllte, hatten ihn in seiner Meinung korrigiert. Nimhe war eine erstklassige Bogenschützin, bewegte sich lautlos und konnte mit der Schattenrüstung gut und gerne mit der Dunkelheit verschwimmen.
Danach hatte er sie allerdings für verrückt gehalten, als sie erklärte, der Zuhörer zu sein... Nazir zweifelte ein wenig an dieser ganzen Geschichte, dass die Mutter der Nacht noch immer kommunizieren könne.
Das ganze mit Amaund Mottiere hätte auch Zufall sein können.
Und jetzt war sie die Führerin dieser Familie und eigentlich sollte alles wieder gut laufen.
"Ich habe gehört, wie ein paar der Sturmmäntel in Dämmerstern davon sprachen, diese Türe hier aufbrechen zu wollen. Sie könnten es als Lager nutzen, der Winter dieses Jahr wird hart und die Nahrung ist knapp. Immer mehr Farmer schließen sich der Armee in Einsamkeit an… oder Windhelm."
Konzentriert verzeichnete Nimhe die Position eines neuen Militärlagers in der Karte und legte die Feder zur Seite.
Nazir hatte nie gefragt, warum sie eigentlich mordete. Sie war eine überaus hübsche junge Frau, konnte sowohl mit anpacken als auch kochen, sie hatte alle Qualitäten, die eine junge Ehefrau für die Nord mit sich bringen musste.
Sie begegnete dem Blick seiner dunklen Augen und lächelte leicht.
"Vielleicht sollten wir uns einer Seite anschließen."
Mit diesen Worten riss Nimhe ihn aus seinen Gedanken und er starrte sie perplex an.
"Die Bruderschaft ist neutral!", stieß er hervor und Nimhe zuckte mit den Schultern. Sorgfältig verschloss sie das Tintenfass mit einem Korken, bevor sie sich umdrehte und einfach an ihm vorbei ging. Eilig folgte er ihr durch die schmalen Gänge und fröstelte leicht. Er wusste nicht, warum Nimhe nicht zuließ, dass man alle Kamine beheizte.
"Wir brauchen Gold, Nazir. Dringend."
Wie immer war Nimhes Gang aufrecht, energisch lief sie nach vorne und hatte die Schultern gestrafft.
"Wir bekommen Aufträge", erwiderte Nazir bissig. Gut, die Preise waren gesunken und eine Weile hatten sie gar nichts verdient, weil jeder zu glauben schien, sie seien tot und zerschlagen. Bis Nimhe im Alleingang den Kaiser ermordet hatte. Eigentlich hatte Nazir am nächsten Morgen, nachdem Nimhe mit einer riesigen Menge an Septimen heimgekehrt war, selbst einen Blick auf das Schiff und damit die Mörder seiner Familie werfen wollen. Doch die Gerüchte hielten ihn ab. Nur Kommandant Maro hatte er noch am Hafen gesehen. Er war wohl niedergeschlagen und an einen Pfahl gebunden worden… und danach genau wie Festus Krex mit einer ganzen Armade an Pfeilen hingerichtet worden. Nazir konnte sich ausmalen, wie Nimhe genüsslich Pfeil um Pfeil in den Körper des Mannes gejagt hatte. Auch wenn sie nicht lange im Genuss der Familie gewesen war, hatte sie die meisten wie ihre Brüder und Schwestern geliebt. Selbst Festus hatte sie geachtet.
Und was das Schiff anging... ein Soldat meinte, man hätte mit dem Blut das ganze Schiffsdeck putzen können.
Nur der Kaiser... ihn hatte man mit einem Pfeil im Hinterkopf gefunden... schnell und schmerzlos.
Nachdem Nimhe sich in der Zuflucht von Dämmerstern ausgeruht hatte, war sie wie von der Tarantel gestochen aufgesprungen und mit Schattenmähne zurück nach Weißlauf geeilt. Auf Nazirs Nachfrage hin hatte sie später von der letzten Bitte des Kaisers berichtet und wie er ihr vollkommen offen und ohne Angst begegnete. Nimhe hatten diesen Mut zweifach belohnt... durch einen ehrenvollen Tod und dem Mord an Amaund Mottiere.
"Aber das Gold wird niemals reichen, um uns über den Winter zu bringen. Würden die anderen noch leben, könnten wir abwechselnd Aufträge erledigen und Felder bestellen, Tiere jagen und Feuerholz machen. Aber so, wie es im Moment ist… gebe ich jemanden den Auftrag, Bäume für das Feuer zu fällen oder ein Feld anzulegen, was im Moment keinen Sinn macht, oder jagen zu gehen , können wir einen Auftrag nicht zu vernünftigen Zeiten ausführen."
Nimhes Stimme blieb vollkommen ruhig.
"Aber was ist mit dem Geld von Mottiere?"
"Das meiste ging in die Renovierung der Zuflucht, uns blieben 1.000 Septime, die eigentlich mir zugestanden hätten, immerhin war es mein Auftrag. Ich habe das Geld für Feuerholz und Lebensmittel verwendet... neue Waffen, Reparaturen von Rüstungen und besagten Waffen."
Mit diesen Worten riss Nimhe die Tür zur Vorratskammer auf, die Nazir seit einer ganzen Weile schon nicht mehr besucht hatte. Und was er sah, verschlug ihm den Atem. Die Regale waren leer, in den Körben nur noch ein paar Kartoffeln, zwei Köpfe Kohl, drei Laibe Brot und etwas frisches Fleisch.
Sie waren Attentäter, keine Diebe und damit anfangen wollten sie auch nicht. Wenn sie größere Geldmengen stehlen würden, welche vonnöten waren um die Familie durch den Winter zu bringen, würde die Diebesgilde ihnen aufs Dach steigen.
"Das ist alles?", fragte Nazir ächzend und Nimhe nickte.
"Deshalb wollte ich, dass wir uns offen der Armee anschließen... Sie würden uns vielleicht Sold bezahlen und Belohnungen für schwere Aufgaben."
"Warum offen? Sie werden uns in die Kerker werfen!"
Nazir zweifelte einen Moment am Geisteszustand der Zuhörerin.
Sie alle waren gesuchte Mörder und dann wollte sie einfach so nach Einsamkeit spazieren.
Nimhes Augen funkelten amüsiert und sie zuckte die Schultern.
"Mein Kopfgeld in Einsamkeit ist bezahlt. Komplett. Dadurch gelte ich, selbst als Mitglied der Dunklen Bruderschaft, als unbescholten. Sie können mir auch keine Morde nachweisen."
Noch einmal überblickte Nimhe das Trauerspiel der Vorratskammer, bevor sie die schwere Tür zu zog und die Schattenkapuze von ihrem Gürtel löste. Als wäre es zu ihre zweiten Natur geworden, streifte sie die beiden Stoffstücke über und im Nu war ihr Haar unter der schwarzen Kapuze verschwunden, ihr halbes Gesicht hinter einem roten Tuch verborgen. Nur ihre eisblauen Augen waren einwandfrei zu erkennen, ebenso die rote Kriegsbemalung, welche ihre Augen umrandeten.
"Wir werden nicht alle gehen, oder?", fragte Nazir und sie gingen gemeinsam auf den Hauptraum zu.
Es wurde merklich wärmer und Nazir seufzte leise. Er hatte sich noch nie mit diesem kalten Wetter in Himmelsrand anfreunden können. Würde er wohl auch nie.
"Nein. Ich werde mit Cicero gehen, du wirst in dieser Zeit mit Babette die Zuflucht leiten. Natürlich werden wir zwischendurch immer wieder vorbei schauen, glaube nicht, dass du Narrenfreiheit besitzt!"
Amüsiert hob Nazir eine Augenbraue. Nie im Leben würde er sich anmaßen, die Herrschaft über die Zuflucht an sich reißen zu wollen und noch weniger würde er überhaupt über die Familie bestimmen wollen.
Er war niemand, der andere anführte.
Im Hauptraum saß eines der neueren Mitglieder der Familie, Alphia Glanzschild. Nazir hatte sie nur mit viel Mühe gefunden. Angefangen hatte es mit Gerüchten über Morde in der Nähe von Rifton, welche die unwissenden Bürger der Bruderschaft zu Lasten legten. Jedoch war der letzte Auftrag in Rifton jener gewesen, mit dem Nimhe die Aufmerksamkeit Astrids erregt hatte.
Nach langem hin und her und unzähligen Sackgassen hatte Nazir schließlich Alphia gefunden. Laut ihr waren sowohl ihre Eltern als ihre weitaus jüngeren Geschwister tot. Lange gezögert hatte sie nicht, um sich der Familie anzuschließen.
Ruckartig hob sie den Kopf, als Nazir und Nimhe eintraten. Eilig strich sie sich eine Strähne des kupferfarbenen Haares aus den Augen und neigte vor Nimhe das Haupt.
"Zuhörerin", wisperte sie ehrfürchtig und Nimhe nickte ihr kurz zu.
Ohne weiter auf Nazir zu achten schlug sie den Weg zur Folterkammer ein und entdeckte in einer Ecke Cicero.
Der Narr war dabei, mehrere Kräuter in einem steinernen Mörser zu zerkleinern und sah auf, als sie sich leise räusperte. Seine dunklen Augen glänzten unheilvoll, bei seiner Arbeit als Bewahrer durfte ihn nur der Zuhörer höchstselbst stören.
Als er sie erkannte, ließ er den steinernen Stößel mit einem vernehmlichen Laut fallen und grinste von einem Ohr zum anderen.
"Zuhörerin!", rief er so laut, dass es von den Steinwänden wider hallte und Nimhe kurz das Gesicht verzog.
Sie und Cicero waren, wie er es ausdrückte "beste Freunde, bis einer im Dienste der Mutter starb". Und sie hatte ihm schon geholfen, bevor sie überhaupt Grelod die Gütige getötet hatte. Sie hatte ihn mit seiner kaputten Kutsche in der Nähe des Loreiushofes gefunden und den widerwilligen Bauern ins Gewissen geredet, damit er ihm half.
Ein leichtes Lächeln legte sich auf Nimhes Gesicht, als sie daran dachte, dass sie der Mutter bereits gedient hatte, bevor sie überhaupt wusste, dass Sithis eine Hand über sie hielt.
Sanft schloss sie den verrückten Narren in eine Umarmung, die er eher widerwillig erwiderte. Für ihn war sie die Zuhörerin und stand damit der Mutter und Sithis am nächsten. Ein wenig Angst machte das Nimhe schon. All die Verantwortung, die auf ihren Schultern lastete, hatte sie nie gewollt, nie danach gefragt, aber trotzdem bekommen.
"Wie oft habe ich dir gesagt, Cicero, dass du mich Nimhe nennen sollst?", murmelte sie leise und löste sich wieder von ihm. Der Bewahrer der Mutter der Nacht wich einen Schritt zurück, lächelte sie sanft an und legte den Kopf schief.
"Und wie oft habe ich dich darum gebeten, mir deinen richtigen Namen zu verraten?", stellte er die Gegenfrage und für diesen einen Moment klang er so sehr nach einem normalen Mann, der Mann, der er gewesen war, bevor die Stille und das Lachen ihn wahnsinnig gemacht hatten, dass Nimhe eine Gänsehaut bekam. Das letzte Mal, als er so gesprochen hatte, hatte er blutend vor ihr gelegen. Sogar nur wenige Schritte von hier entfernt. Noch heute hörte Nimhe die Stimme Luciens, des Assassinengeistes, der sie davon abhalten wollte, Cicero zu töten. Der ihr sagte, dass in der Leere Unruhe herrsche und nicht einmal Sithis selbst den Tod des Narren wollte. Und ob sie der Mutter nicht vertraue, denn sie habe schließlich Cicero als Bewahrer ausgesucht.
"Ich stehe Euch zu Diensten, oh mächtiger und großer Zuhörer!", unterbrach Cicero ihre Gedanken und sie verdrehte die Augen. Manchmal nervte er sie mit solchem Quatsch.
"Du musst mich begleiten, Cicero. Nach Einsamkeit."
Eifrig nickte der Narr und wandte sich wieder seinen Kräutern zu.
"Ich kümmere mich noch um unsere Mutter, dann werde ich draußen warten."
Nimhe nickte, obwohl Cicero es sicher nicht sah, wandte sich um und machte sich nur langsam auf den Weg zur schwarzen Tür. Draußen stand Schattenmähne und musste noch geputzt und gesattelt werden. Abgesehen davon, dass er aus dem Schattensee entsprang und aus eben jenem wiedergeboren wurde, sollte er sterben, benahm er sich meistens wie ein normales Pferd. Er liebte es, geputzt zu werden, Äpfel zu fressen und einfach auch mal faul in der Gegend herum zu stehen. Als sie nach draußen trat, fuhr Nimhe der stechend kalte Wind des Nordens ins Gesicht und sie fröstelte leicht, obwohl sie zum Volk der Nord gehörte.
Dort, wo sie aufgewachsen war, war es teilweise noch kälter gewesen. Dran gewöhnt hatte sie sich nur nicht an den schneidenden Wind. Schnaubend hob Schattenmähne den Kopf, als die Tür hinter Nimhe zu fiel.
Die glühend roten Augen des schwarzen Hengstes hefteten sich auf sie und er scharrte mit einem Vorderhuf über den steinigen Boden.
Eilig trat sie zu ihm und ließ eine Hand über seinen kräftigen Hals wandern.
Es gab noch einen Grund, warum sie sich nicht Ulfric und den Sturmmänteln anschließen wollte. Ulfric kümmerte es kein Stück, was mit anderen war, solange sie nicht den Nord angehörten. Allein schon der Graue Bezirk in Windhelm war Beweis genug dafür. Was kümmerte es den großen Herrn, dass dort unten die Dunmer im Dreck lebten, von seinen Bürgern sogar teilweise überfallen wurden, solange er und seine Nord es gut hatten?
Als sie damals in Windhelm gewesen war, um dem Arentino Jungen zu sagen, dass der Auftrag erledigt war, hatte sie seinen Rassismus hautnahe miterlebt.
Aus heiterem Himmel war ein Schneesturm aufgezogen und ein paar Khajithändler hatten um Unterkunft gebeten, die ihnen vom Haus Kerzenschein verweigert worden war. Sie baten den Jarl um Hilfe, diese Schneemassen hätten die Zelte niemals ausgehalten. Doch Ulfric kümmerte dies wenig und am Ende war es Nimhe gewesen, die die Katzen auf den Neu-Gnisis Club verwiesen hatte.
Sicher, Ulfric hatte mit den Thalmor zum Teil recht, und er hatte ein recht darauf, für die Freiheit zu kämpfen... Doch sollte er Großkönig werden, was würde nur mit den anderen Völkern geschehen? Würden die Nord nicht bevorzugt werden?
Zumindest das Kaiserreich stand wohl allen Rassen gegenüber offen da und sie hielten den Bund von Himmelsrand fern. Es gab Situationen, da galt es Kompromisse zu schließen und das Verbot der Anbetung Thalos' fiel wohl unter diese Kategorie.
"Ich muss Nazir Recht geben, vielleicht werden sie uns verhaften wollen. Du musst dich darauf vorbereiten, dass wir fliehen müssen, Schattenmähne", murmelte Nimhe und entwirrte einen Knoten in seiner Mähne, während der Hengst ein Ohr zurück klappte, um ihre Worte besser hören zu können.
Er wandte den Kopf und streifte mit seinem weichen Maul ihr Bein. Nimhe wollte einfach nur, dass dieser Krieg endlich endete und das besser heute als morgen.
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