here at the end of all things

GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P18
Benny Lafitte Castiel Dean Winchester Sam Winchester
21.10.2019
07.12.2019
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27.11.2019 3.385
 
Entschuldigt die Verspätung, in meiner Studi-WG funktioniert momentan das WLAN nicht (ein echtes worst case scenario, ehrlich) und deshalb lade ich das Kapitel gerade von der Uni aus hoch, naja. Ich hoffe mal, es funktioniert auch daheim bald wieder :D Bis dahin wünsche ich euch viel Spaß mit Part 8 und gehe vorsorglich schon mal in Deckung!



⛧⛧⛧




Sie erreichen Hess‘ Basis kurz vor Mittag, am Tag nach ihrem Aufbruch. Bisher macht es den Eindruck, als wären Bevells Informationen korrekt; die Wachen sind genau dort, wo sie gesagt hat, und ein Team unter Cas‘ Leitung schaltet sie mühelos aus.

Es ist ruhig, als sie eintreten und dunkel im Innern, aber Sam ist bewusst, dass das nicht bedeuten muss, dass Hess von ihrer Ankunft nichts weiß. Müsste er darauf wetten, würde er sagen, dass sie mit ihnen gerechnet und sich entsprechend vorbereitet hat, und dass die vermeintliche Mühelosigkeit sie bloß in falscher Sicherheit wiegen soll. Er dreht sich zu Dean um, will seine Gedanken teilen, aber Dean scheint schon bei derselben Erkenntnis angelangt zu sein – er wirkt grimmig und nickt Sam zu, als dieser ihn ansieht.

»Falle?«, fragt Sam ihn dennoch mit lautloser Lippenbewegung.

»Wahrscheinlich«, entgegnet Dean.

Jackson hat sie in mehrere Trupps eingeteilt – zusammen mit ihm und Raniya sind Sam und Dean Alpha; Cas und Benny und einige ihrer Rekruten sind Beta; und Alex ist gemeinsam mit einem Team von Scharfschützen Gamma. Der Rest ihrer Leute wurde in der Umgebung verstreut, und soll sicherstellen, dass ihre Fahrzeuge jederzeit abfahrbereit sind, falls sie einen schnellen Rückzug antreten müssen.

Gerade schickt Jackson Gamma voraus, um alle Kameras oder Wachen auszuschalten, die sie finden können, während Beta zum Experimentierlabor der Einrichtung geschickt wurde, um alle zu befreien, die dort gefangen gehalten werden. Hess ist Alphas Angelegenheit – und sie selbst gehört Dean, denn Sam weiß, dass sein Bruder nicht ruhen wird, ehe er ihr nicht persönlich eine Kugel verpasst hat.

»Sauber«, ertönt Alex‘ Stimme über Funk.

»Verstanden«, erwidert Jackson und bedeutet ihnen, ihm zu folgen.

Gamma hat gute Arbeit geleistet, was die Wachen angeht; sie liegen alle am Boden, als Alpha sie passiert, alle bewusstlos, aber nicht tot. Selbst jetzt herrscht eine beunruhigende Stille und Sam fällt es schwer, zu glauben, dass es derart einfach sein soll, in die angeblich sicherste Briten-Basis des Landes einzudringen. Der unbehagliche Knoten in seiner Magengegend ist zurück und scheint sich mit jedem weiteren Moment fester zusammenzuziehen.

Der Forschungskomplex hat laut Deans Bauplänen, genau wie alle anderen davor, drei Stockwerke und einen Keller. Beta durchsucht Keller und Erdgeschoss, also kümmern sich Alpha und Gamma um den zweiten und dritten Stock. Den zweiten durchkämmen sie ohne Zwischenfälle und haben gerade die Treppe zum letzten erklommen, als Jacksons Funkgerät mit einem Knacken auflebt und sie alle zusammenzucken lässt.

»Haben Geiseln gefunden«, ertönt Cas‘ Stimme. »Wir kümmern uns darum. Over.«

»Verstanden«, erwidert Jackson. »Wir sind im dritten Stock. Over.«  

»Verstanden«, sagt Cas, und dann herrscht Stille.

Die dritte Etage ist ebenso in Schweigen gehüllt, wie die vorherigen. Sie erstreckt sich vor ihnen über einen langen, unbeleuchteten Flur, der in einer T-Gabelung endet. Mit gezogenen Waffen bewegen sie sich darauf zu und begegnen nichts bis auf weiteren bewusstlosen Gestalten, dank Gamma. Offensichtlich hat Alex einen ziemlich großen Groll zu verarbeiten und macht sich diese Gelegenheit ausgiebig zunutze.

»Wir sollten uns aufteilen«, sagt Jackson, als sie die Abzweigung erreichen, genau, wie Sam erwartet hat. »Raniya, geh du mit Dean nach links; Sam und ich gehen nach rechts.«

»Ich lass Sam nicht allein«, fängt Dean an, verstummt aber angesichts des Ausdrucks in Jacksons Augen.

»Dean, ich bin gerade nicht in der Stimmung für deine Befehlsverweigerungen, Junge«, knurrt er und klingt diesmal tatsächlich wütend statt nur verärgert.

Deans Gesichtsausdruck verwandelt sich in ein Spiegelbild von Jacksons. »Ich lasse meinen Bruder nicht allein«, wiederholt er mit Nachdruck.

»Du wirst tun, was ich dir sage«, zischt Jackson. »Und dich nicht wie ein Kind aufführen, kapiert?«

»Wollen wir jetzt wirklich hier rumstehen und darüber streiten?«, seufzt Raniya gereizt. »Wir verschwenden Zeit.«

Sie hat Recht. Sam hat auch nicht das Bedürfnis, sich von seinem Bruder zu trennen, aber er weiß, dass diese Auseinandersetzung sinnlos ist. Aber Jackson wirkt momentan so, als würde er sich lieber seinen Abzugsfinger abhacken, statt nachzugeben, und Dean bereitet sich ebenfalls sichtlich darauf vor, seinen Standpunkt durchzusetzen, daher fällt es Sam zu, sich zwischen die beiden zu stellen, mit dem Rücken zu Jackson und einer Hand beschwichtigend seinem Bruder entgegengestreckt. »Es ist okay, Dean«, sagt er behutsam.

»Ja, Dean«, fügt Jackson spöttisch hinzu. »Hör auf deinen Bruder.«

»Sam, mir gefällt das nicht«, sagt Dean, ohne Jackson zu beachten. »Irgendwas stimmt hier nicht.«

Jackson schnaubt verächtlich. »Du bist bloß paranoid, Dean«, stichelt er. »Du hast so einen Schiss, ihn zu verlieren, dass du niemand anderem mit ihm vertraust. Für den Fall, dass du es vergessen hast, mein Sohn, wir stehen hier alle auf derselben Seite. Und Sam ist kein Kind mehr, er wird’s überleben, wenn du eine halbe verdammte Stunde nicht bei ihm bist. Also sag ich dir zum letzten Mal – lass es gut sein

»Und ich sag dir zum letzten Mal, ich lass ihn nicht allein –«

»Jungs?«

Sie alle erstarren. Sams Herz setzt für einen langen, schmerzhaften Moment aus und schlägt dann umso qualvoller weiter; das Stechen, das es umgibt, kehrt mit Gewalt zurück. Er fürchtet sich beinahe, sich umzudrehen, hinter Jackson zu schauen und sie zu sehen, denn das würde sie real machen –

»Mary«, sagt Jackson, und Sam kann ein Grinsen in seiner Stimme hören. »Wie reizend von dir, zu uns zu stoßen.«

»Mom«, begrüßt Dean sie eisig.

»Das ist deine Mutter?«, fragt Raniya. »Woah.«

Sam zwingt seine Muskeln, sich wenigstens ein bisschen zu entspannen und nimmt mehrere tiefe Atemzüge, bevor er sich umdreht, um ihr gegenüber zu treten. Sie steht in der Mitte der Flurgabelung, Schrotflinte erhoben und auf die Gruppe gerichtet. Sie sieht genauso aus, wie er sie in Erinnerung hat – glänzend grüne Augen in einem gütigen Gesicht, blondes Haar, das ihr in denselben Wellen über die Schultern fällt, die Sam geerbt hat. Die Mundwinkel hat sie, trotz der Umstände ihres Aufeinandertreffens, zu einem halben Lächeln erhoben. »Sam«, sagt sie, und klingt dabei tatsächlich, als würde sie ihn lieben. »Ich bin so froh, dich in Sicherheit zu sehen –«

»Nicht«, fährt Dean sie an, schiebt sich zwischen Sam und Mary. »Wag es nicht –«

Es ist Jackson, der direkt zur Sache kommt und sein Gewehr auf Mary richtet. »Wo ist Hess?«

Sie ignoriert ihn. »Sam, bitte hör mir zu«, sagt sie flehend, »Liebling –«

»Hör auf«, stößt Sam hervor und ist nicht überrascht, seine Stimme beben zu hören. »Du hast es gewusst, oder? Du hast gewusst, wo ich war, und was sie mit mir gemacht haben, und du hast nicht – «

»Sam«, versucht sie es erneut. »Sammy, Liebling …«

»Du hast kein Recht, ihn so zu nennen«, sagt Dean leise. »Nicht mehr.«

»Können wir uns das Drama für später aufheben?«, schnappt Jackson. »Wo ist dieses Hess-Miststück? Hör auf, Zeit zu schinden, und sag es uns!«

»Zeit schinden?«, wiederholt Mary ungläubig. »Ihr glaubt, ich will Zeit schinden?«

»Was denn sonst?«, erwidert Jackson verächtlich.

»Sie ist nicht hier«, sagt Mary. »Das war sie nie. Toni Bevell hat euch belogen.«

»Nein, hat sie nicht«, sagt Dean mit vollster Überzeugung.

»Doch, hat sie –«, beginnt Mary halbherzig, doch dann kommt wieder Leben in Jacksons Funkgerät.

»Wir haben Hess gefunden«, sagt Cas, und Jackson wirft Mary einen finsteren Blick zu.

»Wo?«, fragt er.

»Sie hat sich im Keller versteckt«, berichtet Cas. »Wir haben ihre Wachen überwältigt und danach hat sie sich freiwillig ergeben. Wir haben sie jetzt unter Kontrolle und bringen sie raus zu unserem Wagen.«

»Gut, darum kümmere ich mich später«, sagt Jackson. »Gute Arbeit, Castiel. Over.« Damit dreht er sich wieder zu Mary um. »Bevell hat uns belogen, hm?«

»Musste es wenigstens versuchen«, entgegnet Mary ungerührt.

Sams Herz tut weh. Das ist der denkbar schlimmste Ort, um eine Panikattacke zu bekommen; vor Leuten, denen er nicht genug vertraut, um ihn so verwundbar zu erleben, und Marys Anwesenheit und ihr Verhalten sind absolut keine Hilfe. Mit einem langen, langsamen Atemzug, um sich hoffentlich doch unter Kontrolle zu bekommen, solange er noch kann, macht Sam einen Schritt näher zu seinem Bruder. »Dean«, murmelt er.

Dean braucht kaum eine Sekunde, um zu begreifen, was los ist. »Sammy, hey, atme«, befiehlt er, legt seine Waffe ab, um eine Hand auf Sams Brust legen zu können, über seinem Herzen.

»Was ist los mit ihm?«, fragt Mary und klingt aufrichtig besorgt, und ihr Gesichtsausdruck kommt dem aus Sams Erinnerung so nah. Sie sieht aus wie die Mutter, die er sich sein ganzes Leben lang gewünscht hat, die er für kurze Zeit haben durfte, die sich um ihn und Dean gekümmert und ihnen Tomatenreissuppe gemacht und auf ihre ganz eigene Art auf sie Acht gegeben hat, und jetzt strahlt der Schmerz in Sams Brust, breitet sich nach außen aus, und Tränen sammeln sich in seinen Augen.

»Sam?«, wispert Dean, ohne Mary irgendwelche Beachtung zu schenken. »Sammy?«

Sam streckt seine freie Hand aus und tastet nach Deans Shirt, greift eine Handvoll Stoff und klammert sich daran fest. »Ich kann nicht atmen –«

»Sam!«, ruft Mary und macht mehrere Schritte auf ihn zu.

»Bleib zurück«, warnt Jackson, doch sie drängt sich an ihm und Raniya vorbei und kommt einen halben Meter vor ihren Söhnen zu stehen.

»Dean, was passiert mit ihm?«, fragt sie alarmiert.

»Panikattacke, er hat sowas manchmal«, erwidert Dean angespannt. »Bleib weg von ihm, eng ihn nicht ein!«

»Seid still«, verlangt Raniya abrupt, ihre Stimme scharf und spannungsgeladen. »Sofort.«

»Was zur Hölle –«, beginnt Jackson, doch Raniya bringt ihn mit einer Handbewegung zum Schweigen.

»Ruhe«, befiehlt sie. Es ist eher die Dringlichkeit in ihrem Tonfall, als die eigentlichen Worte, die endlich alle zum Schweigen bringt, Jackson und Mary wie erstarrt, während Sam sich an Dean festhält und verzweifelt versucht, durch die stetig wachsenden Schmerzen zu atmen. Er fühlt sich kalt und klamm, und trotzdem schwitzt er und findet es mit jeder verstreichenden Sekunde schwieriger, Luft in seine Lungen zu bekommen.

Raniyas Augen glühen im gedämpften Licht des Flurs, und an ihren Händen sind Klauen; sie steht absolut reglos da, atmet kaum, all ihr Fokus auf etwas gerichtet, das außer ihr niemand wahrnehmen kann. Ein oder zwei Mal öffnet Jackson den Mund, um etwas zu sagen, wird aber erneut mit einem Wink ihrer Klauen verstummt und ergibt sich schließlich in mürrische Stille. Marys Blick hängt an Raniya und folgt jeder ihrer Bewegungen, und selbst Sam ist ein wenig fasziniert.

Dann zieht Raniya scharf die Luft ein, wittert etwas darin, und sagt mit schwerer Stimme: »Vampir.«

»Was?«, fragt Dean. »Was meinst du, Vampir?«

»Nicht unserer«, stellt Raniya klar.

»Wir haben einen Vampir?«, fragt Jackson und ist von dieser Enthüllung so überrascht, dass er vergisst, sich zu beschweren.

Raniya ignoriert ihn. Das scheint ganz allgemein das Tagesmotiv zu sein. »Er riecht wild«, sagt sie leise. »Muss einer von denen sein, an denen sie experimentiert haben. Cas und Benny müssen welche übersehen haben.«

»Ist er auf dem Weg hierher?«, fragt Sam und schafft es kaum, seine Stimme stabil zu halten.

Raniya nickt. »Dean, hast du deine Machete?«

»Ja.« Dean steckt seine Pistole weg und zieht sie hervor, alles einhändig – seine andere Hand liegt immer noch flach auf Sams Brust, der einzige Anker zur Realität, den Sam momentan hat.

»Jackson«, sagt Raniya und sein Kopf ruckt zu ihr herum. »Jackson, du musst Sam hier raus bringen, okay? Dean und ich werden uns um den Vampir kümmern, und dann folgen wir euch nach draußen.«

»Was ist mit ihr?«, fragt Jackson und deutet auf Mary.

»Nimm sie mit«, erwidert Raniya nach kurzer Überlegung. »Nimm ihr die Waffen ab und binde ihr die Hände auf den Rücken. Wir können uns später mit ihr befassen, wenn wir zurück am Stützpunkt sind.«

Mary sieht Jackson an, und dann Raniya, lässt ihre Augen kalkulierend über die beiden schweifen. Ihre Chancen scheinen ihr nicht zu gefallen, denn sie lässt ihre Schrotflinte sinken und zieht ein Messer aus ihrem Stiefel, welches sie ebenfalls fallen lässt, und sagt, »Ich gehe freiwillig mit. Kein Grund, mich zu fesseln.«

»Mach es trotzdem«, sagt Raniya, und Mary entweicht ein Seufzen.

»Wenn’s sein muss.«

»Muss es«, sagt Jackson ihr mit einem Grinsen, das eher wie eine Grimasse aussieht, und greift nach ihren Armen, um sie auf ihren Rücken zu ziehen. Er geht nicht aggressiv vor, nicht wirklich, aber er gibt sich auch keine Mühe, sanft zu sein, und Sam kann nicht umhin, angesichts dieser groben Behandlung und Marys Zusammenzucken, als Jackson die Fesseln festzieht, die Stirn zu runzeln.

»Vorsichtig«, murmelt er heiser.

Jackson hebt eine Augenbraue. »Ich weiß, sie ist deine Mama, aber für mich ist sie bloß ein weiterer Feind, Junge. Bloß eine weitere Briten-Schlampe.«

»Nenn sie nicht so«, knurrt Dean.

»Ich bin nicht mal Britin«, sagt Mary milde, als würde sie sich an der Beleidigung nicht weiter stören.

»Dean, komm schon, wir müssen gehen«, drängt Raniya. »Ich würde den Vampir lieber erwischen, bevor er uns zuerst findet.«

»Sam –«, beginnt Dean.

Sam schenkt ihm ein wackliges Lächeln und schubst ihn leicht von sich, ignoriert, dass die Bewegung einen stechenden Schmerz durch seinen Arm schießen lässt. »Geh, Dean«, sagt er. »Ich warte draußen.«

Dean wirkt immer noch unsicher.

»Geh«, wiederholt Sam. »Bevor wir alle aufgefressen werden.«

Daraufhin entfährt seinem Bruder ein Schnauben, obwohl es überhaupt nicht witzig gemeint ist. Er unterzieht Sam einem langen, forschenden Blick und meint schließlich, »Bis gleich, Sammy.«

Sam nickt ihm zu und lässt sein Shirt los, um sich von der Wand abzustoßen, an der er gelehnt hat. »Auf geht’s«, sagt er zu Jackson, der mit Mary wartet.

Sie können den Vampir von draußen hören, auch wenn sie ihn nicht sehen, und einige Sekunden später wird das Brüllen des Vampirs von Raniya beantwortet. Sam hält inne, blickt nervös in die Richtung zurück, aus der sie gekommen sind, als könne er, wenn er sich nur genug anstrengt, durch die Wände sehen und sichergehen, dass Dean okay ist.

»Deinem Bruder geht’s gut«, motzt Jackson, der Sams Blick richtig gedeutet hat. Er greift nach Sams Arm und zieht ihn etwas grob hinter sich her, ignoriert Sams gedämpften Schmerzenslaut. »Komm schon, wir haben nicht viel Zeit –«

»Ist er nicht ein richtiger Gentleman?«, murmelt Mary Sam zu.

Sam verzieht nur das Gesicht und antwortet nicht.

»Castiel«, sagt Jackson in sein Funkgerät und zieht damit die Aufmerksamkeit der anderen beiden auf sich. »Ich komme raus, und ich hab Sam und Mary Winchester bei mir. Triff uns draußen. Over.«

»Verstanden«, ertönt wenig später Cas‘ Stimme. »Wo ist Dean? Over.«

»Er und Raniya kümmern sich um einen wilden Vampir, der uns begegnet ist«, erklärt Jackson. »Ihr müsst ihn übersehen haben. Statusbericht Hess? Over.«

»Immer noch gefesselt«, antwortet Cas. »Wir mussten sie allerdings knebeln, weil sie nicht aufhören wollte, zu reden. Over.«

»Okay, gut«, blafft Jackson. »Wir sind auf dem Weg. Over und out.«

Sie bewegen sich schweigend fort, die Kampfgeräusche verblassen hinter ihnen, je weiter sie sich entfernen. Sie sind im zweiten Stock, als Mary näher an Sam herantritt und ihn fragt, »Geht es dir gut, Sam?«

»Alles okay«, erwidert Sam und schafft es, einen Arm zu heben, um sich den Schweiß von der Stirn zu wischen.

»So siehst du aber nicht aus«, meint sie nicht unfreundlich.

Sam entfährt ein kurzes, bitteres Lachen. »Bitte«, murmelt er.

»Sam«, sagt Mary, und diesmal ist etwas in ihrem Ton, das ihn aufsehen lässt. »Sam, ich …« Sie seufzt, wendet den Blick ab, als wäre sie nicht ganz sicher, was sie sagen soll.

Aber Sam weiß es. Auf eine verdrehte, merkwürdige Weise versteht er. »Du dachtest, du würdest das Richtige tun.«

»Ja«, sagt sie. »Und … und ich wollte die Welt sicherer machen, weißt du? Für dich und Dean. Ich – ich wollte niemals, dass meine Söhne als Jäger aufwachsen, Sam. Ich wollte, dass ihr glücklich seid, und nicht allein, und –«

»Aber wir waren glücklich«, unterbricht Sam. »Ja, vielleicht war das Leben nicht perfekt, aber Mom, wir hatten dich zurück! Und – und wir hatten unser ganzes Leben lang immer uns, also war es nicht so, als wären wir allein gewesen, aber –«

»Du weißt schon, was ich meine!«, wirft Mary ein.

»Nein, Mom, weiß ich wirklich nicht!« Sams Herz sticht heftig in seiner Brust. »Ich verstehe ja, gute Absichten zu haben, und – und Gutes tun zu wollen, aber Mom, du hast die ganze Zeit gewusst, wo ich war! Und du wusstest, dass Dean nach mir sucht – und was sie mir angetan haben –«

»Sam«, sagt Mary scharf. »Sam, atme.«

»Du wusstest, was sie mit mir machen«, wirft Sam ihr vor, hat seine freie Hand jetzt über seiner Brust verkrampft. »Du wusstest es, und du hast nicht mal versucht …«

»Was ist los?«, fragt Jackson und hält an, als er bemerkt, dass Sam und Mary ihm nicht mehr folgen.

»Hol Dean«, sagt Mary anstelle einer Antwort.

»Dean ist bei Raniya –«

»Hol ihn sofort!«, schreit sie regelrecht.

»Mom …«

»Ja, Sam.«

Aber er kann nicht fortfahren. Es fühlt sich an, als hätte sein Herz in seinem Körper keinen Platz zum Schlagen, und seine Finger krallen sich in sein eigenes Shirt, als wolle er es herunterreißen. Atmen ist so gut wie unmöglich, ebenso wie aufrecht stehen, und Sam taumelt gegen die nächstgelegene Wand, kann kaum noch stehen. Könnte er seine Finger unter sein eigenes Brustbein stoßen, seine Rippen herausreißen, um seinem Herz ein kleines bisschen Platz zu geben, er würde es tun –

»Sam …« Und jetzt klingt Mary hilflos, und selbst Jackson sieht hin und hergerissen aus, steht über ihnen, während Mary sich neben Sam kniet. Sie sieht aus, als würde sie nichts lieber tun, als die Hände auszustrecken und ihn berühren, aber ihre Hände sind ihr auf den Rücken gebunden und Jackson scheint nicht in der Stimmung zu sein, sie freizulassen, egal, was die Umstände sind.

Das ist keine Panikattacke. Das hier fühlt sich an wie die, die ihn aufgeweckt hat, die ihm gesagt hat, dass da mehr mit ihm falsch ist, als bloße Angst – nur, dass es sich jetzt tausendmal schlimmer anfühlt, es ist, als würde sich sein Herz selbst zerfetzen, sich mit Messern und Dolchen durchbohren, und er kann nicht atmen, er kann nicht atmen, er wird sterben, und er will seinen Bruder, er will –

»Mom –«

»Ich bin hier, Sam, ich bin hier«, sagt sie sofort und klingt hilflos und frustriert, und er will, dass sie die Arme um ihn legt und ihm sagt, dass alles gut wird –

»Shit«, flucht Jackson laut, und dann noch einmal, »SHIT!« Sam und Mary ignorieren ihn beide, doch er hört nicht auf. »Fuck!«

»Hol Dean!«, ruft Mary erneut und starrt ihn böse an. »Hörst du mir zu –«

»Mom«, keucht Sam, rutscht an der Wand herunter, bis er daran zusammengesunken ist. »Mom, lass mich nicht allein –«

»Werde ich nicht, Liebling, ich bin hier«, versichert sie ihm, richtet ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihn, und er will es glauben, er will es so sehr glauben.

»Geh nicht, Mom, bitte, geh nicht!«

»Ich gehe nirgendwo hin …«

»Lass nicht zu, dass sie mir wehtun«, japst er atemlos und sie verschwimmt vor seinen Augen, seine Sicht verwischt, der Raum gerät außer Fokus – aber er kann trotzdem noch erkennen, wie sich ihr Gesicht bei seinen Worten verschließt, wie gequält sie aussieht, und sofort bereut er es. Er wollte sie nicht traurig machen – »Sorry, es tut mir leid«, keucht er.

»Sam«, sagt sie, und es klingt, als würde ihr das Herz brechen, und das wollte er nicht, er wollte sie nicht traurig machen, er wollte bloß seine Mom …

»Hol sofort Dean her, du Arschloch!«, schreit Mary, und Sam zuckt zusammen. Ist sie wütend? Sie wirkt zornig, aber er weiß nicht, warum.

Aber mit wem auch immer sie so gesprochen hat, scheint nicht zuzuhören, denn sie kämpft sich auf die Füße und schreit erneut, aber er versteht nicht, was sie sagt. Es klingt alles verzerrt und seltsam in seinen Ohren.

»Mom«, versucht er es abermals, kaum laut genug, um überhaupt verstanden zu werden, und alles tut weh, er will doch bloß seine Mutter, und seinen Bruder –

Und dann hört er ihn, hört Dean rufen, sieht, wie er sich direkt vor ihm materialisiert und Jackson zur Seite stößt, vor Sam auf die Knie fällt und seine Hände sind rau auf Sams Gesicht, und sehr warm, und er ist mit Blut bespritzt, und er sagt, »Sam, Sammy, oh Gott, was ist los –«

»Dean«, keucht Sam und streckt beide Hände nach seinem Bruder aus.
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