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Traumreise Dunkel

von Terazuma
GeschichteAllgemein / P12
20.10.2019
20.10.2019
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Ich spüre meinen Körper. Fest. Solide. Alles vibriert. Es zieht mich in die Zellen und von dort noch tiefer. In die Moleküle und Atome, in die subatomare Ebene.

Ich will sie fühlen, spüren, mich berühren lassen. Auch sie singen. Sie haben Melodien, Frequenzen. Ganz leise. Manche auch lauter. Aber ein leises „Lautsein“. Der Ebene angepasst. Und  man hört es nur, wenn man ganz aufmerksam ist. Ansonsten wirkt es wie die Stille, die absolute Ruhe. Und die Bewegung ist so gering, als würde alles still stehen. Aber es steht nichts still. Es ist nur ganz langsam und ganz leise.

Dann ändert sich das Bild. Wird zum Jetzt der Erde. Wird lebendig. Neugier taucht auf. Entdeckerlust, Erlebenslust, pure Lebenslust. Ein Bazar im arabischen Raum. Laut. Teppichknüpfer, Handwerker. Pures Leben. Und ich sehe auch ein Motorrad. Bewegung. Lernen wollen, erfahren wollen, sich einlassen wollen.

Dann ändert sich das Bild noch einmal. Mit der Frage: „Wohin will ich?“

Sofort taucht die Antwort auf: „In die Dunkelheit!“

Ja, ich will in die Dunkelheit. Und es zieht mich an, wie ein schwarzes Loch. Es ist nicht gruslig. Es ist nicht böse! Es ist nicht die Dunkelheit der Menschen, es ist die Dunkelheit des Seins.

Es zieht mich an, wie der schwarze Punkt im Yin-Zeichen, oder die Schwärze selbst des Yang-Zeichens. Es wird immer enger. Die absolute Dunkelheit. Dorthin, wo der Durchbruch ins Licht ist. In der subatomaren Ebene. Wenn man glaubt nichts mehr bewegt sich. Denn da beginnt die Beschleunigung wieder. Es ist ein magischer Sog. Ich kann nicht entkommen. Will es ja auch gar nicht. Ich will es erleben. Durch die tiefste Schwärze ins Licht. Einstein-Rosen-Brücke. Im Kleinen wie im Großen.

Und die Schwärze bekommt auch Gestalt. Sie ist nicht unbelebt. Wie die Tiefsee. Es ist ein eigenes Reich. Eigenes Leben. Man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Alles ist belebt. Selbst die Schwärze.

Ich sehe eine Höhle in der am Ende alles hell wird. Moose und Flechten hängen herab. Es gibt Wasser, es ist ruhig, schön, eine eigene Welt.

Leider muss ich schon gehen, die Zeit des Schauens ist vorbei. Aber ich weiß, dass ich es erfahren werde, denn es ist der Weg. Es ist mein Weg. Und ich spüre Freude, Lebendigkeit. Ich bringe die Lebendigkeit in die Stille, die Schwärze – in das Ende, das eigentlich erst der Anfang ist.

Und wieder bin ich beseelt und mein Herz singt und strahlt und lächelt.

Ich lächle ebenfalls und freue mich.
 
 
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