Papaya Love

von Gifthexe
GeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
Carlos Sainz jr. Lando Norris
20.10.2019
30.06.2020
26
121.025
12
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Dieses Kapitel
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30.06.2020 4.584
 
Summary: Once more with Feeling – Nachdem er den ersten Schock über Carlos Neuigkeiten überwunden hat, setzt bei Lando so langsam die Freude darüber ein, dass sein Spanier tatsächlich bei ihm ist. Endlich haben sie einander wieder. Gott, wie hatte er diese Nähe doch vermisst. Carlos endlich wieder küssen und mit ihm kuscheln zu können, wann er es wollte, war Glück pur und kaum in Worte zu fassen. Deshalb hätte er auch beinah die Überraschung vergessen, die er für seinen Lieblingsspanier tagelang gebastelt hatte.

A/N: Tja, es hat ziemlich lange gedauert, bis es hier weitergehen konnte, aber ich habe ab der Mitte ziemlich auf dem Schlauch gestanden und meine Muse bezüglich dieser Geschichte hatte mich irgendwie verlassen und mich plan- und inspirationslos zurückgelassen. Deshalb bin ich umso begeisterter, dass es mir gelungen ist, diesen Teil vor dem ersten Rennen der Saison zu beenden. :) Ich denke der Kapiteltitel verrät schon ziemlich viel bezüglich des Inhalts. Es wird definitiv Lando-und-Carlos-süß. Viel Spaß und liebe Grüße :)



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Once more with Feeling



„Was hast du da überhaupt hinter deinem Rücken?“, wollte Carlos wissen und streckte immer noch die Hand nach ihm aus.
„Die letzten Wochen ohne dich, also ohne dir nah sein zu können, habe ich mich ganz oft in diese Ecke gekuschelt und davon geträumt mit dir hier zu liegen“, erzählte Lando leise und trat näher auf Carlos zu.
Dieser nahm ihm die Wasserflaschen aus der Hand, stellte sie achtlos zur Seite und zog ihn dann schwungvoll auf sich.
„So in etwa?“, fragte sein Spanier.
„Jaaaaa“, seufzte Lando zufrieden, „Du hast mir so sehr gefehlt. Ich meine das, was wir durch das Telefonieren möglich gemacht haben, war auch toll, aber…“
„Aber nichts geht über das Gefühl beieinander zu sein und sich spüren zu können“, meinte Carlos zärtlich, „Ich wünschte ich wäre aus besseren Gründen heute hier.“
„Nicht“, bat der junge Brite, „Lass uns das für den Moment beiseiteschieben.“
„Okay“, willigte sein Spanier ein und wollte mit seinen Händen wieder unter seinen Pullover schlüpfen, aber da war ja immer noch das, was er hinter seinem Rücken versteckte und jetzt mitsamt der Decke zur Seite legte.
„Warum zeigst du mir nicht einfach, was du da hast“, murmelte Carlos und schnappte gleichzeitig nach seinen Lippen.
„Gleich“, wisperte er zurück, ließ sich lieber erst einmal in einen Kuss verwickeln, der so viel mehr versprach und schaffte es tatsächlich die Hiobsbotschaft seines Freundes auszublenden.

Nur Carlos schien damit Probleme zu haben. Der Ältere küsste ihn zwar voller Leidenschaft, aber da schwang auch eine gehörige Portion Verzweiflung in diesem Kuss mit und als sein Spanier jetzt sanft seinen Mund wieder freigab, schlang der Ältere auch sofort seine Arme um ihn und drückte ihn fest an sich.
„Was ist los?“, hakte Lando nach, denn eigentlich müsste Carlos doch überglücklich sein.
Er bekam alles, was er sich wünschte. Ferrari und ihn.
„Ich fühle mich so verdammt schuldig“, murmelte sein Spanier, „Unser Wiedersehen ist überhaupt nicht so gelaufen, wie ich es mir seit Wochen vorgestellt habe und das ist allein meine Schuld.“
„Naja, zumindest ein bisschen“, musste er zustimmen, „Aber ich habe auch meinen Teil dazu beigetragen. Ich bin ausgeflippt und habe lauter, gemeine Sachen gesagt. Dabei hätte ich nur auf uns vertrauen müssen.“
„Waren die wirklich so gemein?“, stellte Carlos in den Raum, „Ich glaube eher die waren sogar ziemlich berechtigt.“
„Ich will dich halt nicht als Nummer 2 sehen“, gab Lando bestimmt von sich, „Das hast du nicht verdient und Leclerc nimmt bei Ferrari nun mal einen besonderen Stellenwert ein. Bis wann hat der nochmal einen laufenden Vertrag? 2023 oder so?
„2024“, seufzte Carlos.
„Hast du wenigstens mehr als einen Ein-Jahresvertrag bekommen?“
„Zwei Jahre, mit der Option, dass sie frühzeitig verlängern, wenn es gut läuft.“
„Na siehst du und sie wollten dich. Sie wissen, dass du kein Hündchen bist und Charles weiß das auch. Du zeigst denen einfach, was in dir steckt“, erklärte der junge Brite überzeugt, „Ich weiß, dass du es nicht immer leicht hattest, aber jetzt hast du es geschafft und du wirst jedem, der jemals an dir gezweifelt hat zeigen, wo der Hammer hängt.“

Carlos guckte ein wenig verdattert auf Grund seiner flammenden Rede, aber das war ihm egal, denn dann begann das Gesicht seines Spaniers zu strahlen.
„Und da hast du noch einen Grund, warum dein Verhalten vorhin absolut in Ordnung war. Niemand glaubt so an mich, wie du es tust. Du warst vorhin so wütend, hast getobt und geschimpft und ja, du hast gemeine Sachen gesagt, aber Lando, niemand bereut auch so schnell, wie du. So bald du Dampf abgelassen hast, verfliegt deine Wut und dann versuchst du sofort es wieder gut zu machen. Ich hätte es auch ertragen, wenn du noch Stundenlang weiter wütend auf mich gewesen wärst, aber so bist du einfach nicht und jetzt widerlegst du sogar deine eigenen Vorwürfe.“
„Ähm…“, setzte Lando an und wurde vom Klingeln seines Telefons unterbrochen.
„Mist, Jon, Training“, fluchte er einen Moment später und überlegte den Anruf einfach zu ignorieren.
„Gib mir mal dein Telefon“, bat Carlos und verklickerte seinem ziemlich perplexen Physio dann, wieso er heute nicht mit ihm trainieren konnte.
Das Gespräch zog sich ein wenig in die Länge. Sein Spanier hatte sich sogar von ihm losgemacht und war aufgestanden. Lief beim Telefonieren hin und her und reichte ihm schlussendlich sein Handy zurück.
„Jon will kurz mit dir sprechen. Ich geh auch mal schnell ins Bad, okay?“

Sein Physio hatte sich persönlich vergewissern wollen, dass mit ihm alles in Ordnung war und nachdem er Jon diesbezüglich beruhigt hatte, legte er wieder auf. Bereit mit jemand anderem außer Carlos darüber zu sprechen, was heute geschehen war, war er noch nicht. Jon musste ihm einfach vertrauen, dass er klarkam. Allerdings nahm er an, dass sein Physio sich auch über sämtliche Vorschriften hinweggesetzt hätte, um nach ihm zu sehen, wenn Carlos nicht hier gewesen wäre.

Ein bisschen war die Anwesenheit des Älteren noch immer wie ein Traum. Kurzzeitig zwar, wie ein Albtraum, aber das hieß ja nicht, dass dieser Traum nicht wieder schön werden konnte.
Carlos war noch nicht zurück und ihm selber kam jetzt eine Idee, wie er vielleicht auch endlich bekommen würde, was er wollte. Er wollte nämlich Carlos, so verzweifelt dringend, dass die Sehnsucht ihn schon fast nicht mehr klar denken ließ. Ohne zu zögern entledigte er sich seiner Anziehsachen und wickelte sich in die Decke. Keine Sekunde zu früh, denn sein Spanier tauchte in diesem Moment wieder hinter dem Sichtschutz auf.
„Stopp“, hielt er den Älteren auf, was diesen veranlasste mit fragendem Blick stehen zu bleiben.
„Habe ich was Falsches zu Jon gesagt? Bist du wieder wütend auf mich?“
„Was? Nein! Ich wollte dir nur sagen, dass du die Bekleidungsvorschriften für diesen Ort gerade nicht mehr erfüllst und dich diesbezüglich bitte anpassen müsstest“, erklärte Lando schelmisch und ließ die Decke ein wenig sinken, um zu verdeutlichen, was er meinte.
„Ach gucke“, grinste der Ältere jetzt wieder und war mit einem Mal über ihm.
„Du schummelst“, quietschte Lando, schlang seine Arme aber trotzdem um Carlos' Hals, um ihn näher zu ziehen.
„Aber du scheinst nichts dagegen zu haben“, raunte sein Spanier und drehte ihn schwungvoll auf den Bauch, „Und du hast das Schoko-Massage-Gel mitgebracht. Bleib genauso liegen. Nicht bewegen.“
Neugierig drehte er zumindest seinen Kopf und guckte voller Begeisterung zu, wie sein Spanier sich ebenfalls auszog und sich dann wieder über ihn kniete.
Von Carlos massiert zu werden, ließ ihn erst wohlig schnurren und dann verlangend wimmern, als die Hände seines Spaniers immer tiefer strichen, sanft seine Hüften umfassten und seinen Po leicht anhoben. Leise stöhnte er auf, als Carlos einen Finger in ihn gleiten ließ.
„Ich will dich richtig“, flehte er, drückte sich aber gleichzeitig seinem Freund entgegen.
„Ich weiß, gleich“, flüsterte Carlos und nahm einen zweiten Finger hinzu und machte ihn völlig willenlos.
Seine Atmung wurde abgehackter, sein ganzer Körper schrie nach Erlösung, da zog Carlos seine Finger aus ihm zurück und dreht ihn wieder auf den Rücken.
Trieb sich mit einem einzigen, geschmeidigen Stoß in ihn und fing seinen kehligen Aufschrei auf Grund ihrer Vereinigung mit seinem Mund ein. Seinen Freund endlich wieder auf diese Art spüren zu können und mit ihm verbunden zu sein, trieb ihm abermals die Tränen in die Augen.
„Hab ich dir wehgetan?“, fragte Carlos sofort besorgt und bewegte sich kein Stück.
„Nein“, hauchte Lando, „Können wir einfach für immer so bleiben?“

Natürlich blieben sie nicht für immer so, aber danach eng aneinander geschmiegt dazuliegen, war auch verdammt schön.
„So lange das hier genauso bleibt, darfst du fahren für wen du willst“, murmelte der junge Brite versonnen und absolut glücklich.
Carlos‘ Finger fuhren sanft über seine nackte Schulter, bevor der Ältere ihm einen Kuss auf selbige hauchte.
„Lando, du und ich, wir gehören zusammen, daran gibt es nichts zu rütteln und daran ändert auch niemand etwas und ganz bestimmt nicht Ferrari, versprochen.“
Obwohl Carlos das heute schon mehrmals gesagt und versprochen hatte, verinnerlicht er diese Worte erst jetzt so richtig.
„Danke“, flüsterte er.
„Dafür nicht“, meinte der Ältere, griff nach seiner Hand und spielte zärtlich mit seinen Fingern.
Dieser Moment der Innigkeit war einfach nur schön und Glück pur.
„Wie lange kannst du eigentlich hierbleiben?“, fiel es ihm plötzlich ein.
„Leider nicht so lange, wie ich gerne würde“, gab Carlos zu, „Wenn sie es übermorgen bekannt geben, muss ich spätestens den Abend dann auch zurück. Die Presse wird Interviews wollen und die kann ich schlecht aus deinem Wohnzimmer machen.“
„Also habe ich dich heute, morgen und auch noch fast den ganzen Tag danach“, murmelte Lando.
„Und ab dem 01.06. bin ich offiziell wieder in England“, lächelte sein Spanier.
„Das ist ja auch schon fast“, stellte er glücklich fest, „Das ist ja im Vergleich zu dem, was gerade hinter uns liegt, fast gar keine Zeit.“
Carlos machte einen erleichterten Eindruck auf ihn, streichelte jetzt wieder über seinen Rücken und fuhr mit seinen Fingern seine Wirbelsäule hinab.
„Das mag ich“, schnurrte Lando.
„Weiß ich“, entgegnete Carlos, „Und ich bin froh, dass du nicht enttäuscht bist, weil ich nicht länger bleiben kann.“
„Es ist schon ein Wunder, dass du überhaupt hier bist und wir Zeit miteinander verbringen können. Zeit, die nur uns beiden gehört, ganz für uns alleine“, versuchte Lando in Worte zu fassen.
„Klar würde ich dich am liebsten nie mehr gehen lassen, aber du kommst bald wieder. Und ich hatte nur kurz vergessen, dass wir irgendwie immer beieinander sind, weil du genau hier bist“, vage machte er eine Geste, die auf sein Herz deuten sollte, was gar nicht so einfach war, weil er direkt auf seinem Freund drauf lag.
Statt darauf zu antworten, verwickelte sein Spanier ihn erneut in einen tiefen Kuss. Strich mit seinen Fingern weiter über seinen Rücken und war erneut an seinem Po angekommen.

Das zweite Mal war sogar noch intensiver, als das erste. Vielleicht, weil Carlos sich dieses Mal richtig viel Zeit damit ließ ihn zu lieben, es immer wieder hinauszögerte und die Verbindung zwischen ihnen gar nicht mehr abzureißen schien.
„Wow“, murmelte er nach einem überwältigenden Orgasmus, der ihn kurzzeitig fast hatte Sternchen sehen lassen.
„Hmm“, brummte der Ältere zustimmend und lachte dann leise, „Wie kommt es eigentlich, dass diese Momente immer von deinem knurrenden Bauch unterbrochen werden?“
„Du hast mich beim Frühstück gestört“, kicherte er, „Ich kann nichts dafür.“
„Ich wünschte, du hättest dich vorhin in deinem Schlafzimmer versteckt, dann könnte ich dich jetzt nackt, wie du bist, einfach in die Küche zurücktragen“, schmunzelte Carlos.
„Ich würde lieber ins Badezimmer getragen werden“, kokettierte der junge Brite.
„Auch keine schlechte Idee“, stimmte sein Spanier zu, schlüpfte in seine Hose, wickelte ihn in die Decke, warf einen raschen Rundumblick und trug ihn dann tatsächlich ins Bad.

„Daran könnte ich mich gewöhnen“, stellte Lando begeistert fest.
„Woran?“, wollte Carlos wissen und parkte ihn direkt unter der Dusche.
„Das ich etwas sage und du es sofort machst. Pass auf, dass funktioniert ganz prima. Komm her“, befahl er grinsend und hing einen Moment später wieder an seinem Spanier, der ihm unter die Dusche gefolgt war.
„Dir ist klar, dass das nur funktioniert, weil ich ein schlechtes Gewissen habe, oder?“, fragte dieser mit einem Zwinkern.
„Jupp und ich bin durchaus bereit das schamlos auszunutzen“, konterte er grinsend und wurde dafür tatsächlich kurz durchgekitzelt.

„Carlos?“, sprach er, nach einer wirklich ausführlichen Dusche, seinen Freund an, der sofort seinen Kopf hob und ihn fragend anguckte, „Du brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben, dass weißt du, oder?“
Sein Spanier legte das Handtuch beiseite, mit dem er sich gerade die Haare trocken gerubbelt hatte und machte einen Schritt auf ihn zu.
„Ich meine nur, weil ich ja vielleicht auch nicht immer für McLaren fahren werde“, plapperte er weiter, „Außerdem macht es die Dinge dann jetzt vielleicht auch einfacher.“
„Einfacher?“, hakte der Ältere nach und konnte seinem Gedankensprung wohl nicht so ganz folgen.
„Naja, wenn wir nicht mehr dasselbe Auto haben und im selben Team sind, muss ich mich nicht schlecht fühlen oder eifersüchtig sein, wenn du besser, als ich, warst“, führte er aus, „Letztes Jahr in Brasilien das war schon ganz schön hart.“
Lächelnd legte Carlos ihm die Hände auf die Hüften und zog ihn näher an sich.
„Oder, wenn du besser warst, als ich“, meinte der Ältere und stupste ihre Nasenspitzen gegeneinander, „Denn das wird auch passieren, ist es ja sogar schon. Ich glaube allerdings auch, dass das Eifersuchtslevel sinken wird, wenn wir nicht mehr im selben Team sind. Und weißt du, was das aller Beste an allem ist?“
Dieses Mal guckte er wohl reichlich fragend.
„Na komm, dass wir beide auf jeden Fall noch bis 2022 dabei sind. Du hast deinen Vertrag ja schon im Winter um weitere zwei Jahre verlängert. Wenn ich mir überlege, dass ich beinah keinen Platz für letztes Jahr bekommen hätte, dann ist das für mich ein absolutes Wunder und ich finde wir sollten das wenigstens ein bisschen feiern.“

„Wir feiern doch schon die ganze Zeit“, wandte er grinsend ein und streckte sich etwas um seinen Freund sanft zu küssen.
„Hast du immer noch nicht genug“, neckte ihn sein Spanier liebevoll, kniff ihm dabei aber zärtlich in den Po, was ihn dazu brachte, sich ein wenig zu winden.
Carlos lachte leise.
„Ich dachte auch eher an etwas anderes. Mittlerweile ist es spät genug für eine Siesta. Was hältst du davon das Frühstück zu vergessen und ich koche uns was Schönes zum Mittag?“
„Hört sich gut an“, gab der junge Brite begeistert von sich und quietschte im nächsten Moment überrascht auf, weil Carlos ihn wieder hochhob, „Ich kann aber auch alleine laufen.“
„Ach, ich dachte du wolltest heute überall hingetragen werden?“, gab der Ältere zurück, „Hast du dir das anders überlegt?“
„Na das war ja nur, weil ich dein schlechtes Gewissen ausgenutzt habe“, stellte er fest, schlang seinem Freund aber trotzdem die Arme um den Hals und die Beine um die Hüften, „Aber da wir ja geklärt haben, dass das unnötig ist, musst du auch nicht mehr machen, was ich sage.“
„Mein kleines Klammeräffchen“, verpasste Carlos ihm einen neuen Spitznamen, „Für heute behalten wir diese Regel mal bei. Du hast es dir verdient verwöhnt zu werden.“
„Prima. Dann bring mich mal schön in die Küche und koch für mich“, griente Lando extra breit und belohnte seinen Freund mit einem Kuss dafür, dass er nun doch bekam, was er wollte.

Nach dem Essen, Carlos hatte ihnen echt leckere Spaghetti mit Fleischbällchen gekocht, pflegten sie die spanischen Gepflogenheiten weiter. Machten es sich faul im Wohnzimmer auf dem Sofa bequem und bewegten sich keinen Millimeter.
„So eine spanische Siesta ist schon was tolles“, stellte er mal wieder grinsend fest und genoss es nach all der einsamen Zeit endlich wieder auf seinem Spanier liegen zu können.
Dieser strich ihm ganz gemächlich über den Rücken, wohlig seufzend kuschelte er sich noch näher gegen seinen Freund und schloss selig lächelnd die Augen.
Dann mussten sie wohl tatsächlich beide eingeschlafen sein, denn als er das nächste Mal bewusst seine Umgebung wahrnahm, war die Sonne schon ein gutes Stück über den Horizont geklettert.
„Na toll“, grummelte er leise, „Jetzt habe ich dich endlich wieder und dann vergeuden wir die Zeit mit schlafen.“
Doch Carlos unter ihm bekam von seiner Beschwerde gar nichts mit. Sein Spanier schlummerte noch friedlich und wurde auch nicht davon wach, dass er ihn an der Nase kitzelte. Zärtlich betrachte er das schlafende Gesicht seines Freundes. Für einen Tag war das heute ganz schön viel Aufregung gewesen, dachte Lando und strich Carlos sanft über die Wange. Dieser antworte mit einem leisen Schnarchen, was ihn wiederum zum Kichern brachte.
„Ich liebe dich so sehr“, teilte er seinem schlafenden Freund mit und machte sich dann ganz vorsichtig vom Älteren los.
Ihm war da nämlich etwas eingefallen, von dem er sich fragte, wie er es hatte vergessen können. Immerhin steckte seine ganze freie Zeit der letzten Wochen darin und jetzt würde er sogar Carlos‘ Gesicht in natura sehen können, wenn dieser sein Geschenk bekam.
Prickelnde Vorfreude erfasste ihn, als er sich vorstellte, wie sein Spanier reagieren würde. Auf leisen Sohlen schlich er also aus dem Wohnzimmer und stieß sich natürlich den kleinen Zeh am Türrahmen. Was auch sonst… Gerade so konnte er seinen Schmerzensschrei unterdrücken. Wie kam es eigentlich, dass dieses kleine Mistding nie mit durch die Tür wollte und dann auch noch solche Schmerzen verursachte?

„Hättest du dich weiter tragen lassen, wäre das nicht passiert“, ertönte es trocken vom Sofa, was ihn dazu brachte einen vorsichtigen Blick über die Schulter zu werfen und festzustellen, dass Carlos ihn belustigt ansah.
„Du bist auch wach“, stellte er seinerseits fest.
„Dachtest du ich merke nicht, dass du aufstehst, wenn du auf mir liegst?“, fragte der Ältere sichtlich amüsiert, „Wo wolltest du überhaupt hin ohne mich zu wecken?“
„Nur schnell was holen“, gab Lando zu und hüpfte auf einem Bein zum Sofa zurück, „Aber das kann auch warten.“
„Sicher?“, lächelte Carlos schelmisch, „Ich erinnere mich genau daran, dass ich von dir noch eine Überraschung bekomme und wenn du dich heimlich davon schleichen willst, kannst du die ja nur holen gewollt haben.“
„Klugscheißer“, stichelte er ertappt und streckte dem Älteren die Zunge raus.
„Frechdachs“, konterte dieser und zog ihn sich wieder auf den Schoß, „Ist der Zeh wenigstens noch dran?“
„Gerade so“, jammerte der Jüngere nun doch.
„Ich würde dich auch mit nur neun Zehen lieben“, grinste sein Spanier.
„Beruhigend zu wissen“, murmelte Lando und suchte Carlos‘ Lippen, um sich einen Trostkuss abzuholen.

Schlussendlich hatte sein Spanier ihn doch rumgekriegt. Hatte ihn kurzerhand in sein Schlafzimmer befördert und mit Schwung auf dem Bett abgesetzt.
„Also, wo muss ich suchen?“, wollte Carlos gut gelaunt wissen und öffnete kurzer Hand seine Sockenschublade.
Das brachte ihn zum Lachen und erinnerte ihn daran, dass sein Spanier verdammt neugierig war, wenn er etwas wirklich wissen oder haben wollte.
„Da schon mal nicht“, grinste er also, zog die Beine zum Schneidersitz heran und bekam ein Knäuel Socken an den Kopf geworfen.
„Ey“, beschwerte er sich lachend, doch Carlos hatte schon die nächste Schublade aufgezogen, „Total kalt da, wo du gerade suchst. Aber für einen Kuss, könnte ich dir vielleicht einen Tipp geben.“
„Ach wirklich?“, gab der Ältere neckend von sich und wackelte mit den Augenbrauen, ließ aber von der Kommode mit den Schubladen ab und kam die paar Schritte bis zum Bett auf ihn zu.
„Wirklich“, murmelte er glücklich, als sich ihre Lippen trafen.
Gott, wie hatte er das vermisst. Carlos endlich wieder küssen zu können, wann er es wollte, ließ ihn vor Behaglichkeit wohlig schnurren.
„Also?“, fragte sein Spanier.
„Also was?“, gab er planlos zurück und stellte fest, dass er über die Nähe zum anderen mal wieder alles andere vergessen hatte.
„Der Tipp“, murmelte Carlos und neckte abermals sanft seine Lippen.
Statt zu antworten, schlang er dem Älteren die Arme um den Hals und zog ihn neben sich aufs Bett.

„So haben wir aber nicht gewettet“, mahnte sein Freund ihn belustigt.
„Doch irgendwie schon“, widersprach er grinsend und jetzt wieder ganz bei der Sache, „Du bist meiner Überraschung nämlich ein gutes Stück nähergekommen.“
„Okay“, überlegte Carlos und tippte sich mit dem Zeigefinger gegen das Kinn, „Mal überlegen, wo würde mein cariño etwas aufbewahren, dass für mich ist und das ihm offensichtlich viel bedeutet… Ahhhh ich weiß.“
Zielstrebig beugte der Ältere sich vor und hob sein zweites Kopfkissen an.
„Du kennst mich wirklich gut“, stellte er anerkennend und auch ein bisschen verblüfft fest und beobachtete gespannt, wie sein Spanier das Fotoalbum, das er für ihn gemacht hatte, in die Hand nahm und ihn ein wenig ungläubig ansah.
„Verdammt“, entfuhr es dem Älteren, der die erste Seite aufgeschlagen hatte, ziemlich erstickt, als er die Grafik aus ihren Initialen und einem gemeinsamen Foto betrachtete.
Behutsam, wie einen kostbaren Schatz, legte Carlos das Buch wieder beiseite und streckte die Arme nach ihm aus.

So emotional kannte er den Älteren gar nicht.
„Wir können es uns zusammen angucken“, schlug er vor, da Carlos ihn einfach nur wortlos fest drückte.
„Gleich“, brachte dieser ganz rau heraus und drückte ihn noch fester an sich.
„Es gefällt dir doch, oder?“, hakte der Jüngere ein wenig unsicher nach, auch wenn er die Reaktion seines Freundes eigentlich so deuten würde.
„Machst du Witze? Ich liebe es und dass obwohl ich noch nicht mehr, als die erste Seite gesehen habe“, schaffte es Carlos jetzt endlich mal etwas zu seinem Geschenk zu sagen.
Sofort begann er zu strahlen.
„Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll“, murmelte der Ältere, schob ihn ein wenig von sich und bedankte sich dann mit dem zärtlichsten, süßesten Kuss, den er wohl jemals bekommen hatte.
„Du brauchst gar nichts sagen“, flüsterte Lando jetzt selbst ein wenig überwältigt, „Du hast so viel für mich die letzten Wochen getan und möglich gemacht, dass ich dir das einfach irgendwie zurückgeben wollte.“
„Das ist dir auf jeden Fall geglückt“, gab Carlos mit immer noch belegter Stimme von sich und räusperte sich kräftig, „Dann lass es uns mal zusammen angucken.“

Irgendwie war es schön, dass sein Freund auch mal durch den Wind wegen etwas war, das er gemacht hatte. Normaler Weise war das ja eher sein Part. Sein Spanier half ihm dann immer dabei wieder klar zu kommen und genau das würde er jetzt auch tun. Sanft aber bestimmt drückte er Carlos also nach hinten in die Kissen, legte das Fotoalbum zur Seite und kuschelte sich auf ihn. Sofort schlangen sich die Arme seines Freundes um ihn.
„Damit hast du mich auf jeden Fall ganz schön überrascht“, meinte Carlos jetzt leise.
„Ist das nicht der Sinn einer Überraschung?“, grinste er zufrieden und stibitzte sich abermals einen Kuss.
„Wer ist denn jetzt hier der Klugscheißer?“, neckte sein Spanier ihn, hatte die Rührung über das Geschenk aber noch immer nicht gänzlich überwunden.
„Haha“, machte Lando und ließ ihre Lippen erneut miteinander verschmelzen.
„Das hat mir wirklich gefehlt“, sprach Carlos nun das aus, was er selbst kurz zuvor auch schon gedacht hatte, „Dich küssen und mit dir kuscheln zu können. Das kann kein Telefonat der Welt ersetzen.“
„Stimmt“, stimmte er aus tiefstem Herzen zu und stöhnte im nächsten Moment empört auf, weil der Ältere ihn von sich runterschob.
„Ich will endlich das Buch angucken“, meinte sein Spanier und drehte sich auf den Bauch.

„Wie bist du überhaupt an diese Bilder gekommen?“, wollte Carlos staunend wissen und blätterte erneut eine Seite weiter.
„Ich hab Screenshots aus den Challenge oder Unboxed Videos gemacht und die dann auf Fotopapier ausgedruckt“, gab er stolz von sich.
„Du bist brillant“, strahlte der Ältere ihn an und das Lob ging ihm runter, wie Öl, „Da waren wir noch gar nicht zusammen, aber guck dir die Blicke zwischen uns an, die du eingefangen hast. Mir war gar nicht bewusst, dass wir uns beide so sehnsüchtig angesehen haben.“
„Ich hab die Videos zig mal geguckt, um den perfekten Moment zu finden“, erzählte Lando, „Ich glaube nicht, dass das Unbeteiligten aufgefallen ist. Es sei denn wir haben so nerdige Fans, die sich die Videos in absoluter Zeitlupe und Bild für Bild angucken.“
„Da hast du doch Ewigkeiten für gebraucht, oder nicht?“, fragte Carlos und hatte schon wieder diesen gerührten Tonfall in der Stimme.
„Es war schön diese ganzen Sachen noch mal zu sehen und daraus Erinnerungen herauszupicken“, umschiffte er das Thema Arbeitsaufwand gekonnt, denn eigentlich war es ja auch keine Arbeit gewesen, sondern hatte ihm große Freude bereitet.

„Es gefällt mir, dass du deine persönliche Note überall eingefügt und zu manchen Bildern sogar ein paar Sätze geschrieben hast“, stellte sein Spanier erneut ehrfürchtig fest und las sich den kurzen Text durch, den er zu den Bildern der Whisper Challenge verfasst hatte, „Das ist so süß, Lando.“
Süß war wahrscheinlich auch, dass er in alte Gewohnheiten zurückfiel und nun leicht rot um die Nase wurde. Carlos quittierte dies mit einem sanften Kuss und blätterte dann weiter.
„Das ist das schönste Geschenk, das du mir hättest machen können“, seufzte sein Spanier, als er zu den privaten Fotos kam.
Bilder, von Weihnachten bei seiner Familie, ein paar Schnappschüsse, die entstanden waren, wenn sie abends nach einem Rennen noch unterwegs gewesen waren und obwohl diese Bilder rein platonisch waren, spürte man doch, wie nah sie sich standen. Nur noch ein paar Seiten, dann käme Carlos zu seinen persönlichen Lieblingsbildern.
„Hast du eigentlich alle für dieses Projekt eingespannt?“, wollte der Ältere wissen, als die ersten Silvesterbilder auftauchten.
Sie beide zusammen mit Nico und Daniel. Draußen, drinnen, im Schnee tobend, Spaß habend, einfach Freunde, die eine gute Zeit hatten.
Vor Aufregung hielt er den Atem an, als Carlos das letzte Mal umblätterte, wie versteinert die letzten beiden Fotos anstarrte und dann ganz vorsichtig mit den Fingerspitzen über das Bild ihres Kusses strich.
Einem Impuls folgend streckte er seine Hand aus und legte sie auf die seines Freundes. Das brach den Bann, unter dem sein Spanier gestanden zu haben schien, denn der Ältere drehte seinen Kopf und guckte ihm direkt in die Augen.

„Daniel hat die Bilder gemacht“, erklärte er rasch in seinem üblichen Plapper-Modus, da ihm nicht ganz klar war, wie er Carlos' Reaktion deuten sollte, „Er hat gesagt, dass ich jetzt die einzigen Abzüge davon hätte, weil er sie bei sich gelöscht hat und dann hat er mir am nächsten Tag ein Kussbild von sich und Nico geschickt.“
Sanft verschränkte Carlos ihre Hände miteinander, nickte und schenkte ihm einen beruhigenden Blick, aber er war immer noch nervös.
„Ich denke, damit ich weiß, dass ich ihm vertrauen kann, was diese Bilder angeht. Ich bin ja nicht blöd, ich weiß, dass die gefährlich sind.“
„Aber auch wunderschön“, lächelte sein Spanier zärtlich und wandte seine Aufmerksamkeit wieder den Fotos zu.
Erleichtert, dass Carlos die Bilder genauso toll fand, wie er selbst, betrachte er sie jetzt auch wieder versonnen und war gedanklich, wie eigentlich jedes Mal, wenn er sie ansah, sofort wieder in diesem magischen Moment gefangen.
Das leise Räuspern seines Freundes holte ihn erst wieder in die Wirklichkeit zurück.
„Danke“, flüsterte der Ältere bewegt und zog ihn näher an sich, „Das werde ich für immer in Ehren halten.“
„Gern geschehen“, murmelte er selig lächelnd gegen den Hals seines Spaniers.

„Ich liebe dich so sehr, dass es nicht in Worte zu fassen ist“, wiederholte Carlos die Worte, die er zwischen die beiden letzten Bilder geschrieben hatte, ganz leise und mit so viel Gefühl in der Stimme, dass ihm sofort ein wohliger Schauer über den Rücken kroch und ihn sich noch näher an den anderen kuscheln ließ.
„Sag ich doch“, gab er absolut glücklich und das letzte Wort für den Moment behaltend zurück, denn Carlos legte ihm einen Finger unter das Kinn, hob damit sanft seinen Kopf und brachte ihn ziemlich wirkungsvoll nun doch wieder zum Schweigen.



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