Hummeln fliegen auch bei Regen

von LuLu17
GeschichteDrama, Freundschaft / P16
Cem Kaya OC (Own Character) Paul Richter
20.10.2019
16.02.2020
13
27565
10
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Hallöschen,
willkommen zu meiner neusten FF. Ich hoffe sie wird euch gefallen.

Nur für euch zur Info: Diese Geschichte ist ein wenig anders, als meine Vorherigen. Hier geht es um ein verdammt ernstes Thema, nämlich den Tod eines geliebten Menschen. Ich musste mich selbst mit diesem Thema vor nicht allzu langer Zeit auseinandersetzen und diese Geschichte hat mir wirklich geholfen, den Verlust zu verarbeiten. Es würde mich natürlich freuen, wenn ihr trotzdem weiterlesen würdet und mit mir gemeinsam Paul durch den Trauerprozess begleitet. Auch wenn dieses Geschichte ziemlich düster beginnt, verspreche ich euch, dass es immer wieder Lichtblicke geben wird.  Hier geht es um viel Drama und noch mehr Freundschaft. Viel Spaß beim lesen.

Achja, über Reviews würde ich mich natürlich total freuen. Schreibt mir gerne, wie dies Gesichte bei euch ankommt. Wie schon gesagt, ist sie ein wenig anders als, das wass ich bisher so verfasst habe.

Liebe Grüße Lou





Wie jeden Morgen machte sich Paul kurz vor sechs Uhr auf den Weg zum Friedhof. Wie gestern, wie vorgestern und auch schon wie drei Wochen zuvor. Fast drei Wochen war es jetzt her, dass Sophie nicht mehr da war. Drei verdammte Wochen voller Schmerz, Trauer, Verzweiflung und Hilflosigkeit. Eigentlich hatte Paul diesen Ort immer gehasst, aber mittlerweile war es die einzige Möglichkeit Sophie nahe zu sein. Nein, nicht Sophie. Aber zumindest dem Platz an dem sie vergraben war. Er wusste dass sie dort lag, konnte sie aber nicht zurückholen, sonst hätte er es längst getan. Mit einem beklemmenden Gefühl in der Magengegend drückte Paul das rostige Friedhofstor auf und ließ seinen Blick über die dunklen Gräber streifen. Mittlerweile wurde es morgens immer dunkler, wenn er sich auf den Weg machte, aber das hinderte ihn nicht daran seine Frau zu besuchen. Er kannte den Weg bereits nach den wenigen Wochen in und auswendig. „Hey Liebling…!“, begrüßte er sie als er endlich ihr Grab erreichte. Leise ließ er sich vor ihrem Grab auf die Knie sinken und legte die Hand auf der kalten Erde ab. „Ich vermisse dich…!“ Und schon waren sie wieder da. Die verdammten Tränen, welche sich einfach nicht zurückdrängen ließen, egal wie sehr er dagegen ankämpfte. Schluchzend wischte er sich mit der Hand über das feuchte Gesicht und presste die Lippen zusammen. Die ganze Heulerei brachte doch auch nichts mehr. Sophie war weg und er konnte sie nicht wieder zurückholen. Nie wieder. Egal wie sehr er es wollte. Dabei war doch alles gerade so perfekt gewesen. Das neue Haus, der neue Job und natürlich die Kinder. Alia, Tim und Lili waren sein ein und alles. Sie waren das einzige was ihm noch am Leben hielt, was ihn irgendwie dazu brachte nach vorne zu schauen, weiter zu machen. Er wusste gar nicht wie er es seinen Kindern beibringen sollte, dass es weitergehen muss, er war sich ja selbst nicht sicher, ob das überhaupt ging. Konnte man  einfach so weiterleben nachdem man einen geliebten Menschen verloren hatte? Er bestimmt nicht und sein Gefühl sagte ihm, dass er nie wieder so glücklich sein könnte wie früher. Klar, er hatte noch seine drei Kinder, doch er hatte immer gedacht, dass er sie zusammen mit Sophie großziehen würde. Sie waren doch so eine glückliche Familie gewesen. Sophie und er hatten sich doch ganz bewusst für die Kinder entschieden. Für alle drei und jetzt war er hier mit ihnen alleine.


Rückblick:

„Paul? Hey Paul!“ Sanft berührte den jungen Polizisten etwas an der Schulter. Er wollte den Kopf heben, um nachzusehen, wer sich da neben ihn gestellt hatte, doch es schien im Moment unmöglich den Blick von Sophies Grab zu nehmen. Vor einer Stunde war der Sarg heruntergelassen und ihr Grab für immer verschlossen worden. Für immer. Er würde sie nie wieder sehen. Dabei war sie doch sein ein und alles gewesen. Ein riesiger Kloß machte sich in seiner Brust breit. Er hatte es bisher immer geschafft für seine Kinder stark zu sein, doch jetzt hatte er einfach keine Kraft mehr. Er versuchte zu schlucken, erfolglos seine Tränen zurückzudrängen. Etwas zupfte an seiner rechten Hand, holte ihn zurück aus seiner Schockstarre. „Papi?“ Mit großen, verweinten Augen blickte Alia zu ihm hoch. Sie hatte sich vor einiger Zeit an seine Hand geklammert und nicht mehr losgelassen. Wieder schluckte er. „Mir ist kalt!“ Tatsächlich begann das Mädchen in dem schwarzen Kleid und dem dünnen Mantel zu schlottern. Paul warf einen schnellen blick über seine Schultern. Er hatte es bisher kaum bemerkt, doch Heidi, Klaus und Ingrid standen noch ein paar Meter entfernt und sahen mit traurigen Blicken zu ihm herüber. „Alia, gehst du eben Mal zu Heidi?“ Sofort nickte die sechsjährige, ließ vorsichtig seine Hand los und rannte dann auf die Polizistin zu, welche sie in ihre Arme schloss. „Paul…!“ Er spürte einen leichten Druck an seiner Schulter und blickte direkt in die besorgten Augen seines besten Kumpels. „Paul, es ist wahnsinnig kalt…du holst dir hier noch…!“ Er unterbrach sich, als Paul seine Hand abschüttelte. „Ich kann hier nicht weg, Cem. Ich kann sie doch nicht… nicht alleine lassen!“ Und da kamen sie auch schon. Die verfluchten Tränen, welche er bisher immer noch erfolgreich zurückgedrängt hatte. Sofort spürte er Cems Hand auf seinem Rücken. „Du muss Paul…!“ Schluchzend beugte sich der Polizist nach vorne, vergrub das Gesicht in den Händen. Beinahe wäre er vornüber auf Sophies Grab gefallen, hätte Cem ihn nicht aufgefangen. „Gib sie mir wieder. Bitte Cem, bring sie zurück!“ Mit verheulten Augen sah er seinen Freund an, wimmerte auf als dieser sanft den Kopf schüttelte und ihn fester in seine Arme zog. „Bitte…!“ Pauls Stimme zitterte so heftig, dass Cem ihn beinahe nicht verstand. „Ich kann sie dir nicht zurückbringen!“, flüsterte er leise. Auch wenn es im Moment nichts gab, was er lieber tun würde. Sophie war tot. Ihr konnte keiner mehr helfen. Aber Paul, brauchte jetzt mehr denn je seine Unterstützung. Sein Freund zitterte in seinen Armen, schluchzte immer wieder Herzzerreißend auf. Wie aus dem nichts gaben plötzlich seine Knie nach und Cem ging mit ihm zu Boden. Vorsichtig begann er ihm über den bebenden Rücken zu streicheln unfähig die richtigen Worte zu finden. Gab es das in so einem Moment überhaupt? Die richtigen Worte. Cem war sich sicher, dass nichts, was er jetzt sagen würde, die Situation für Paul erträglicher machen könnte. „Komm!“ Er musste sich ganz schön anstrengen um den weinenden Polizisten wieder auf seine Füße zu stellen. „Ich bring dich nach Hause. Es bringt hier keinem etwas, wenn du dir hier eine Lungenentzündung holst!“  Unter Einsatz seiner Kräfte schleppte Cem ihn mehr schlecht als Recht zurück zu seinem Auto, packte ihn auf den Beifahrersitz und heizte ein. Schnaufend wischte sich Paul über die roten Wangen, aber immerhin schienen die Tränen versiegt zu sein. „Tim und Lili?“ Seine Stimme klang rau und belegt. „Micha und Tom kümmern sich um sie. Ich hab den beiden deinen Ersatzschlüssel gegeben. Ich wollte dir so viel Zeit geben, wie du brauchst!“ Paul nickte leicht und sah dann mit verquollenem Gesicht zu ihm herüber. „Ich bleibe heute Nacht bei euch!“, entschied Cem spontan. Er wollte  auf gar keinen Fall, dass Paul das Gefühl hatte alleine gelassen zu werden.


Cem, sein bester Kumpel hatte ihn vor drei Wochen aufgefangen. Irgendwie hatte er ihn am Leben gehalten und dafür gesorgt, dass Paul zumindest für seine Kinder weiterlebte. Für Alia, welche vor ein paar Tagen sieben geworden war. Ihr erster Geburtstag ohne ihre Mama. Für Timmi, welcher mit seinem vier Jahren schon so seinem Vater glich, dass Cem ihn immer liebevoll Paulkopie nannte. Und natürlich auch für Lili, die jüngste seiner Kinder. Sie war gerade einmal drei Jahre alt und würde sich wahrscheinlich später kaum noch an ihre Mama erinnern können. Sie hatte die gleichen blonden Locken und dieselben Sommersprossen wie Sophie sie gehabt hatte. Paul schluckte. Es tat jedes Mal so unglaublich weh, wenn er in ihr seine verstorbene Frau sah, gleichzeitig war sie das einzige was er von Sophie noch hatte.  Irgendwann, wird der Schmerz nachlassen, hatte Cem immer gesagt. Aber was wusste Cem schon? Für ihn war das Leben bisher immer wie eine große glitzernde Einhorntorte, mit ganz viel Sahne und kunterbunten Streuseln. So wie es bei ihm vor ein paar Monaten auch noch gewesen war.  Schniefend strich Paul über die hellen Buchstaben, welche in den grauen Stein eingelassen waren. * Sophie Richter 18.05. 1988 t 30.09.2018  SOPHIE. Er hatte sich nicht einmal richtig von ihr verabschieden können. „Ich liebe dich. Vergiss das nicht. Morgen bin ich wieder da!“ Mit klammen Fingern wischte sich Paul die Tränen von den Wangen und richtete sich schwankend auf. Sein linkes Bein war eingeschlafen, es fühlte sich seltsam taub an. Genau wie sein restlicher Körper.
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