Wie der Vater so der Sohn?

von Leij-Jey
GeschichteFamilie / P6
Astoria Greengrass Daphne Greengrass Dobby Draco Malfoy Scorpius Malfoy
19.10.2019
15.01.2020
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Hallo,
da ja länger Pause war, habe ich mich mit dem neuen Kapitel sehr beeilt.
Ich habe dieses Mal zwei Themen zusammengefasst, da bei der Vorgabe aus Versehen 36 statt 35 aufgeführt wurden. Und schließlich ähneln sich "Sandkasten" und "Spielplatz" auch sehr.
Ich hoffe einige habe noch Lust zum Lesen und das neue Kapitel gefällt euch!

LG

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Es war Dienstag, doch Draco musste glücklicherweise nicht ins Ministerium sondern konnte den Tag mit seiner Familie verbringen, was Astoria mehr als recht war. Immer noch versuchte Scorpius sein Glück und flehte um einen Hund, eine Diskussion, die sie nur zu gern ihrem Mann überließ.
„Aber wiesohoooo?“ maulte Scorpius beim Frühstück und löffelte dabei missmutig sein Müsli. „Bittebittebit...“
„Nein!“ Allmählich reichte es auch Draco und er verstand immer mehr, weshalb Astoria am Vortag derart die Nerven verloren hatte. „Wir haben keine Zeit, deine Mutter hat außerdem genug zu tun und du kannst dich nicht allein um ein Tier kümmern, deshalb! Jetzt hör endlich mit der Fragerei auf!“ Dazu klopfte er laut mit der Faust auf den Tisch, worauf Scorpius erschrocken zusammenzuckte und lieber still blieb. Somit verlief das restliche Frühstück ruhig, doch immer noch sah Scorpius sehr unglücklich aus, weshalb Astoria einen Ausflug vorschlug.
„Wir sollten einmal wieder nach London, da ist mehr los als im Dorf!“ versuchte sie ihren Sohn zu begeistern, der aber nur mit den Schultern zuckte, während er beim Tischabräumen half.
„Wenn es sein muss...“
Aber da stimmte auch Draco zu.
„Eine gute Idee. Von der Stadt sehe ich selten etwas, ich kenne nur das Ministerium, daher wäre das mal eine Abwechslung.“
„Und vielleicht“, grinste Astoria und wuschelte ihrem schlechtgelauntem Sohn liebevoll durchs Haar, „könnten wir auch noch Daphne besuchen!“
„Daph?“ Schon war Scorpius wieder guter Laune, beeilte sich mit dem Aufräumen, war innerhalb von Sekunden angezogen und drängte zum Aufbruch.'Tvtzg worauf Astoria doch überlegte, ob es eine so gute Idee war. Doch das Thema Hund schien erledigt, deshalb zog auch sie sich an und wartete auf Draco, der sich dabei Zeit ließ.
„Dahaaad...“ nörgelte Scorpius da schon und tippte ungeduldig mit dem Fuß auf den Boden. „Du bist eine lahme...“
„Scorp!“ mahnte ihn da sein Vater ernst. „Es ist früh am Morgen, bitte dränge mich nicht so!“
Eigentlich war es schon zehn Uhr, keinesfalls hatten sie hetzen wollen, doch mit so einem Energiebündel im Haus war dies oft leichter gesagt als getan. Träge mühte sich Draco also schnell fertig zu werden unter Scorpius wachsamen Blick, der es kaum noch abwarten konnte.
Sie entschieden sich für das Apparieren, dabei zog Draco seine Familie an sich, er war um einiges sicherer als Astoria, ohnehin war sie nicht mehr in der richtigen Verfassung.
„Jeder fertig? Haltet euch gut fest!“ rief er sorgsam und startete.
„Oh...“
Überrascht sah Scorpius sich um, sie standen nun inzwischen grüner Bäume, gut verborgen von neugierigen Blicken.
„Wo sind wir?“ wollte er wissen, als sein Vater ihn schon bei der Hand nahm, ein kleines Stück mit sich zog und damit für Scorpius einen Weg sowie einen See sichtbar machte.
„Das ist der Regents Park“, erklärte er ihm dann und Astoria nickte zufrieden.
„Schöne Idee. Ist hier nicht der Zoo in der Nähe?“
Amüsiert sah sie auf Scorpius hinunter, der begeistert anfing zu hüpfen und dabei nach der Hand seiner Mutter griff.
„Können wir dahin, bitte, bitte, bitteeee!“ bettelte er aufgeregt, als Draco schon gutmütig nickte.
„Meinetwegen, aber lass dieses Gespringe. Du reißt uns noch die Arme aus...“
Zunächst drehte die Familie aber noch eine kleine Runde durch den Park, genossen dabei die warmen Sonnenstrahlen an diesem Frühlingstag und dann erst steuerten sie den Zoo an, als Scorpius plötzlich stehenblieb und verwundert eine Gruppe Kinder betrachtete, die in Zweierreihen ebenfalls durch den Park liefen.
„Die haben ja fast alle das Gleiche an...“ wunderte er sich, als seine Mutter schon lächelnd nickte.
„Das ist anscheinend eine Schulklasse, das ist dort ganz normal. Alle tragen die gleiche Uniform, das ist in Hogwarts bei dir später auch so.“
„Aber die sind ja noch gar nicht elf oder?“ bemerkte Scorpius, denn die Kinder in den weißen Hemden und Blusen, die außerdem graue Hosen oder Röcke trugen, waren, da war er sich absolut sicher, kaum älter als er selbst.
„Das liegt daran“, erklärte seine Mutter ihm deshalb weiter, „dass Muggel schon als Kinder zur Schule gehen. Da lernen sie rechnen und schreiben und...“
Weiter kam sie nicht, denn Scorpius horchte interessiert auf und sah seine Eltern bittend an.
„Kann ich da auch hin?“
Seine Miene wurde flehentlich, was auch Draco nicht entging, der seufzte.
„Eigentlich wollten wir dir das erst später sagen. Wir werden vermutlich bald einen Hauslehrer für dich einstellen, denn allmählich bist du alt genug.“
Sie schlenderten weiter den Weg durch den Park und genossen die Ruhe, gerade Draco bemerkte, wie sehr er den freien Tag nötig hatte.
„Was ist ein Hauslehrer?“
Neugierig sah Scorpius seine Eltern an, zwischen denen er herlief und dieses Mal war es Astoria, die das Wort ergriff. Kurz fuhr sie sich durch ihr langes Haar, dann legte sie eine Hand auf Scorpius Schulter.
„Das ist jemand, der zu uns nach Hause kommt und dir alles beibringt, was du wissen musst. Wie eben lesen und rechnen... all das. Klingt gut oder?“
Doch obwohl sie lächelte, ihr Sohn zog ein langes Gesicht und stöhnte.
„Das ist gemein“, beschwerte er sich, „die anderen Kinder dürfen zusamen in eine Schule und ich sitze ganz allein zu Hause...“
„Das war bei deinem Dad und mir nicht anders Scorp...“
„Trotzdem!“
Die gute Laune war verflogen, schon war Scorpius wieder trotzig und stampfte dabei laut auf.
„Nichts darf ich!“ rief er aus wie bereits am Tag zuvor, als er sosehr um einen Hund gebettelt hatte und nun ärgerte er sich wirklich, das ließ er seine Eltern deutlich spüren. Auf gar keinen ihrer versöhnlichen Zurufe reagierte er mehr, mit eingezogenem Kopf stampfte er dagegen vor ihnen her, einen weiten Abstand einhaltend. Alles, wirklich alles war verboten, gar nichts mehr durfte er, nichts! Wieder spürte Scorpius Tränen der Enttäuschung in sich aufsteigen, wollte aber keinesfalls, dass seine Eltern diese sahen, daher richtete er seinen Blick starr zu Boden.
„Scorp, komm schon...“ rief Astoria bittend, doch ihr Sohn lief einfach weiter und drehte sich gar nicht nach ihr um. Seufzend sah sie zu Draco, der knurrend den Kopf schüttelte.
„Momentan lässt sein Betragen wirklich zu wünschen übrig! Gestern ein Hund, heute will er an eine Schule für Muggel! Wie kommt er nur ständig auf solch dumme Gedanken?“
Ratlos seufzte nun auch er, als Astoria sich schon beschwichtigend bei ihm einhakte.
„Erst gestern tat es dir leid, dass er allein in seinem Zimmer sitzt“, gab sie ernst zu bedenken, „und ehrlich gesagt kann ich ihn auch verstehen...“
Natürlich wünschte Scorpius sich, dass er in eine Schule konnte und das noch bevor er elf wurde! Traurig sah Astoria zu Boden. Dracos Vergangenheit war nicht leicht gewesen, dazu kam ihre Krankheit von der Scorpius noch nichts wusste, wie hätte er sie auch verstehen sollen mit seinen fünf Jahren? Noch lebte er unbeschwert da draußen in dem kleinen Landhaus, fernab der Zaubererwelt, geschützt vor neugierigen Blicken und Vorurteilen, einzig das kleine Dorf in der Nähe besuchten sie oft, doch sonst hatte Scorpius nur seine Familie. Also warum nicht eine Schule mit seinen Freunden aus dem Dorf? War es denn so wichtig, ob ihm nun ein Zauberer oder ein Muggel etwas beibrachte?
„Was spräche dagegen?“ wollte sie daher von Draco wissen, der überrascht dreinblickte und die Hände in den Taschen seines Mantels vergrub.
„Was spräche wogegen?“ fragte er zunächst irritiert, doch dann fiel der Groschen. Sogleich schüttelte er den Kopf. „Du denkst doch wohl nicht, dass wir in an eine solche Schule schicken sollten?“ Umgehend klang er abfällig, abwertend und entsetzt, was Astoria verärgerte. Eine steile Falte bildete sich auf ihrer Stirn.
„Ich dachte du denkst nun anders von Muggeln!“ rief sie herausfordernd und funkelte ihn an, Draco aber beharrte auf seine Meinung.
„Es ist eine Sache, dass ich in das Dorf gehe und mit Muggeln spreche, soll Scorpius dort ruhig Freunde haben. Aber in Hände von Muggeln die Bildung meines Sohnes zu geben...“
Erneut ein abfälliges Kopfschütteln, Astoria stöhnte missmutig.
„Also ein Hauslehrer nur für ihn allein? Du lässt ihn nicht mit seinen Freunden im Dorf zusammen sein?“ Immer noch wollte sie nicht klein bei geben. „Ich hatte gedacht, dass wir uns auch nach seinen Wünschen richten und nicht nur...“
Sie wollte weitersprechen, doch dann sah sie Dracos wutverzerrten Blick an, der sie verstummen ließ.
„Schluss jetzt!“ rief er bebend. „Lass uns das nicht jetzt besprechen, nur weil Scorp wieder eine fixe Idee im Kopf hat. Ich dachte wir wollten den Tag genießen!“
Dieser aber schien nun ruiniert. Scorpius lief allein vor ihnen her und war nicht ansprechbar, Draco war wütend und Astoria traurig. Alle drei sprachen sie nicht miteinander, liefen einfach weiter durch den Park, übersahen dabei die helle warme Sonne und den klaren blauen Himmel, was sie am Morgen noch genossen hatten.
Kurz sah Draco nur einmal zu Astoria hinüber, die aber seinen Blick mied. Seine Aussagen über Muggel hatten sie sehr empört, das war im bewusst, doch warum verlangte sie auch, dass er innerhalb von Sekunden eine solch wichtige Entscheidung treffen sollte, zumal sie erst vor ein paar Tagen über einen geeigneten Hauslehrer gesprochen hatten? Möglichst jung, das war Astorias Wunsch gewesen, denn sie wollte einen ambitionierten Menschen, bei dem Scorpius das Lernen Spaß machte, was auch Draco befürwortete. Keinesfalls sollte sein Sohn einen Lehrer bekommen so wie er ihn gehabt hatte.

„Ich möchte, dass du die beiden Seiten leserlich abschreibst und wenn ich nur einen einzigen Fehler entdecke, wirst du dies nochmals tun!“
Streng sah Mr. Edinburgh Draco an, gemeinsam saßen sie im Studierzimmer des Anwesens an einem großen runden Tisch. Seit fast einem Jahr unterrichtete er Draco nun, jede Woche ließ Lucius ihn an mehreren Tagen kommen, der für seinen Sohn, wie er sagte, nur das Allerbeste wollte. Draco aber konnte seinen Lehrer, diesen hageren alten Mann mit der schleppenden Stimme, den dünnen, fast weißen Lippen und dazu den dunklen Adleraugen, mit denen er den Jungen stets durch seine schwarzgeränderte Brille fixierte, noch nie leiden. Eher schüchterte ihn sein Auftreten ein und der Unterricht war dazu anstrengend und sterbenslangweilig.
„Ich... wir haben doch erst...“ murmelte der Sechsjährige und gähnte. Seit einer Ewigkeit, wie ihm schien, saßen sie schon hier. Er hatte von Mr. Edinburgh wichtige geschichtliche Ereignisse gehört, die ihm längst wieder entfallen waren, Rechenaufgaben vorgelegt bekommen und nun sollte er auch noch so viel schreiben, obwohl ihm von dem ewigen Sitzen auf dem harten Holzstuhl sowieso schon alles wehtat. Sein Lehrer war dazu sparsam mit den Pausen, ihm lag daran den Jungen zu disziplinieren wie auch jetzt. Kaum hatte Draco die Worte zu Ende gesprochen, knallte auch schon Mr. Edinburghs Stock krachend auf den Tisch, um ein Haar hätte er die Hand seines Schülers getroffen.
„Beginnen!“ sagte er steif, also griff Draco mit finsterer Miene nach der Feder. Immerhin hatte Mr. Edinburgh allmählich nichts mehr an seiner Schrift auszusetzen. Nun betrachtete der seinen Schüler wachsam, wie er hitzig die Seiten im Buch abschrieb und dabei Mühe hatte die alte Schrift zu entziffern. Dazu stellte er auch noch eine Sanduhr auf, die Draco aus den Augenwinkeln unruhig betrachtete.
„Weiter!“ kam es kühl. „Hier wird nicht gefaulenzt, du weißt, dass ich deinen Vater immerzu über deine Leistungen und dein Betragen informiere!“
Erschrocken sah der Junge auf, der Lehrer dagegen lächelte selbstzufrieden und nickte bedächtig.
„Oh ja, denke gut nach, ob du Widerworte von dir gibst!“
Die Aussicht auf eine Strafe seines Vaters erschrak Draco sehr, also bemühte er sich so gut es ging den Text wie gefordert fertigzustellen, bevor die Sanduhr ablief und dabei seine immer schwerer werdenden Augenlider sowie die schmerzende Hand zu ignorieren. Die Studienzeiten waren lästig, doch wichtig für seine Eltern, also versuchte er sich zumindest für sie anzustrengen.
Der Tag schien nicht zu vergehen, immer wieder hielt Mr. Edinburgh lange Reden, die Draco gleich wieder vergaß, doch er saß mit ernstem Gesicht da, ganz steif, denn so war es gefordert. Nur ein einziges Mal konnte er sich ein Grinsen nicht verkneifen, nämlich als Dobby gegen Mittag ein Tablett mit Getränken ins Studierzimmer brachte, was der Lehrer nicht weiter beachtete, viel zu vertieft war er in seine Erzählung. Zum Glück sah er deshalb nicht, wie der Elf hinter ihm auf und absprang und in Dracos Richtung wilde Grimassen schnitt, was ein wenig Freude in das staubige Zimmer brachte.

Hauslehrer... Nachdenklich kickte Draco einen kleinen Stein aus dem Weg. Nein, jemand wie Mr. Edinburgh würde er keinesfalls seinen Sohn anvertrauen. Er sah wieder zu Astoria und strich kurz mit seiner Hand über ihre, war erleichtert, dass diese sie nicht wegzog.
„Ich will nicht streiten...“ murmelte er und sie nickte.
„Ich ja auch nicht und... oh...“
Vielsagend sah sie nach vorn, Draco folgte ihrem Blick und sah einen Spielplatz, den Scorpius nun ansteuerte, offenbar scherte es ihn nicht, ob seine Eltern einem Besuch zustimmten. Er ging einfach hinein und kletterte an einem Turm nach oben.
„Na gut“, lächelte Astoria gnädig, „immerhin gibt es dort auch Bänke, ich hätte gern eine kurze Pause.“
Zustimmend legte Draco einen Arm um sie und auf diese Weise folgten sie ihrem Sohn, der immer noch kaum in ihre Richtung sah, was die Beiden allmählich störte. Die ständigen Trotzphasen waren nicht immer einfach zu ertragen. Sie ließen sich auf eine Bank fallen und beobachteten Scorpius eine Weile wie er wie ein Äffchen an dem Kletterturm herumkraxelte.
„Soll ich mal mit ihm reden?“ fragte Astoria in die Stille hinein, den Kopf auf Dracos Schulter liegen und er seufzte lange.
„Falls das etwas bringt, er ist wirklich stur im Moment...“
Er überlegte gerade, ob er nicht selbst zu seinem Sohn gehen sollte, da ertönten plötzlich fröhliche Kinderstimmen, weshalb er sich fragend umsah und da erblickte er sie schon – die Schulklasse, die sie vorhin gesehen hatten, kam wohl auch hierher. Schon war der kleine Spielplatz voll lachender Kinder, die kletterten, zur Schaukel gingen oder Ball spielten. Auf der Bank neben ihnen hingegen, nahm eine Frau mittleren Alters Platz und sah lächelnd zu, offenbar war sie die Lehrerin.
Astoria wollte es umgehend genauer wissen und erkundigte sich forsch danach, was Draco ein wenig peinlich fand. Doch seine Frau war nun einmal aufgeschlossen und kontaktfreudig, weshalb sie und die Lehrerin, wie sich herausstellte, schnell in ein angeregtes Gespräch vertieft waren und als Draco sich nach Scorpius umsah, erkannte er, dass auch dieser ein paar Spielkameraden gefunden hatte, mit denen er munter im Sandkasten zugange war. Er schien sichtlich Freude daran zu haben, da er munter mit den anderen Kindern sprach und dabei laut lachte. Ein schönes Bild..
„Ach Ihr Sohn ist fünf, da kommt er ja sicher auch bald in die Schule“, lächelte die Lehrerin gerade freundlich. „Sind Sie denn aus der Gegend?“
„Nein wir leben außerhalb, aber ja, mein Mann und ich haben schon über geeigneten Unterricht gesprochen...“
Vielsagend zwinkerte sie Draco zu, der sich auf der Bank ganz klein machte. Ließ man ihm überhaupt eine Chance? Matt sank er noch tiefer hinunter und sah Scorpius weiter zu, der nach wie vor begeistert mit ein paar anderen Kinder im Sand buddelte.
Die Zeit verging, allmählich rief die Lehrerin wieder die Kinder zu sich und auch Astoria drängte zum Aufbruch, da sie ja noch in den Zoo gehen wollten. Glücklicherweise hatte auch Scorpius längst vergessen, dass er eigentlich sauer auf seine Eltern war und stürmte daher mit ihnen gemeinsam los, und konnte sich gar nicht satt sehen an all den Tiergehegen, als sie endlich im Zoo angekommen waren.
„Schaut mal da!“ rief er begeistert, als die Löwen gefüttert wurden, er machte sogar die Affengeräusche nach und beobachtete die Pinguine beim Schwimmen. Auch ein großes Eis gönnte Draco ihm, dass er schließlich genüsslich auf einer Bank aß, während seine Eltern sich mit Sandwiches zufrieden gaben.
„Ich will noch zu den Gorillas!“ forderte Scorpius mit keckem Blick und Astoria nickte dazu kurz.
„Das können wir gerne, aber bitte lauf nicht wieder so weit voraus wie gerade eben, ich will dich nicht in dem Getümmel verlieren!“
„Okay Mum!“
Somit wurde es doch noch ein schöner Tag, Draco genoss ihn sehr. Die Streitigkeiten waren völlig vergessen, was ihn erleichterte. Das Thema Schule kam jedoch später wieder auf, sehr zu seinem Leidwesen, und niemand geringerer als Daphne mischte sich ein.
Es war Spätnachmittag und die Familie traf sich mit ihr und Nick in einer Pizzeria, bevor sie nach Hause aufbrachen. Und natürlich fing Astoria umgehend an, ihrer Schwester von der netten Lehrerin zu erzählen und auch Scorpius berichtete freudig von den anderen Kindern.
„Die sind alle zusammen, aber ich muss alleine lernen...“ beschwerte er sich lauthals, worauf Daphne verständnisvoll grinste und vielsagend in Dracos Richtung schielte.
„Immer noch ein wenig muggelfeindlich hm?“ spottete sie, worauf er verärgert einen Schluck von seinem Wasser nahm, um nicht antworten zu müssen. Auch Astorias vorwurfsvollem Blick wich er gereizt aus und musste sich zusammenreißen, ihr nicht gehörig die Meinung zu geigen.
Nick dagegen schien wohl zu verstehen, dass Draco sich schier überrumpelt fühlte und schnitt daher schnell ein anderes Thema an.
„Am Wochenende ist doch der Osterbrunch bei euch oder? Können wir etwas mitbringen?“
Geschickt lenkte er das Gespräch darauf und fragte Scorpius nach seinen Wünschen, da es für ihn natürlich Geschenke geben würde.
Dankbar nickte Draco ihm zu, doch noch immer war das Thema präsent, denn Scorpius beschwerte sich auch am Abend lauthals darüber, dass er ganz allein lernen sollte.
„Das ist echt blöd...“ nörgelte er, als er zu Hause in seinen Schlafanzug schlüpfte. „Immer bestimmt ihr alles!“
Streitlustig funkelte er seine Mutter an, die ihn seufzend beobachtete und dabei auf dem Badewannenrand saß.
„Scorp“, bat sie müde, „du gehst jeden Tag um diese Zeit ins Bett. Putz jetzt bitte deine Zähne und höre mit dieser ständigen Nörgelei auf!“
Astoria fühlte sich wirklich elend, denn Draco war äußerst wortkarg nach Daphnes Äußerungen gewesen und außerdem verärgert, dass seine Schwägerin von ihr überhaupt eingeweiht worden war. Alles war zudem vor Scorpius Augen geschehen, der sich dadurch natürlich in seiner Forderung bestätigt fühlte und hartnäckig blieb.
Gerade saß Draco unten im Wohnzimmer und wollte seine Ruhe, was Astoria ihm nicht verübelte, obwohl seine abwertenden Worte gegenüber Muggeln sie nach wie vor belasteten.
„Jetzt komm“, lächelte sie Scorpius dann aber zu, als dieser fertig war, „wir lesen noch etwa ja?“
Zu ihrer Erleichterung entschied ihr Sohn sich endlich einmal wieder dazu, zu gehorchen. Schon nahm er sie bei der Hand, ließ sich von ihr zudecken, als er im Bett lag und lauschte noch einer Geschichte, bevor ihm die Augen zufielen und Astoria schließlich leise hinausging. Nachdem sie das Licht gelöscht hatte, entschloss auch sie sich ins Bett zu gehen und war überrascht, dass auch Draco schon dort lag und sie mit frostigem Blick empfing.
„Auch müde?“ fragte er kühl und sie nickte schwer schluckend.
„Ja...“ hauchte sie und legte sich sehr unsicher neben ihn. Er musste wirklich sehr wütend sein, denn normalerweise nahm er sie umgehend in den Arm, heute aber regte er sich nicht.
„Sollten wir nicht darüber reden?“ fragte sie bittend, doch ihr Mann schüttelte nur langsam den Kopf.
„Nicht heute. Lass uns schlafen, ich muss morgen früh raus!“
Und dann löschte er das Licht, einfach so und ließ sie sitzen in der Dunkelheit, sogar ihr leises Weinen ignorierte er. Nur schwer fand Astoria deshalb Schlaf, lange nicht mehr hatten sie die Nacht voneinander abgewandt verbracht. Schlimmer aber war der nächste Morgen, an dem sie Dracos Seite leer vorfand. Anscheinend bereits ohne ein Wort des Abschieds ins Ministerium, was sie tief verletzte. Verzweifelt schluchzend setzte sie sich auf und hoffte sehr, dass Scorpius in Ruhe schlief, denn keinesfalls sollte er ihre Tränen sehen.

Draco unterdessen saß längst in seinem Büro im Ministerium, auch er hatte fast kein Auge zugetan. Daphnes spöttische Worte hallten in seinen Ohren wieder, dazu Astorias forsche Erzählungen von ihrem Spaziergang im Park und er sah dabei Scorpius vor sich, wie er ihn herausfordernd betrachtet hatte. Es kam ihn wie ein Verrat vor, Astoria hatte ihn gegen die anderen ausgespielt ohne ihn Raum zu lassen, alles in Ruhe überdenken zu können. Ja, er hatte sich wiederholt äußerst abwertend über Muggel geäußert, ja er hatte Scorpius Wunsch verneint, aber wie konnte sie von ihm erwarten, dass er all ihre gemeinsamen Pläne innerhalb von Sekunden über Bord warf? Demnächst wollten sie sich nach geeigneten Lehrern erkundigen und das sollte nicht mehr zählen, nur weil Scorpius eine Schulklasse gesehen hatte? Empört schüttelte er den Kopf, als ihm ein Satz in den Sinn kam, den Astoria ausgesprochen hatte, gestern, beim gemeinsamen Essen mit Daphne und Nick.
„Als Mutter ist es mir genauso wichtig, was er möchte!“
Wie ein Schlag traf es Draco und da sah er sich selbst im Alter von elf Jahren, ängstlich an der Tür von Lucius Arbeitszimmer lauschend, hinter der seine Eltern eine hitzige Diskussion führten.
„Ich habe meine Entscheidung getroffen!“ hörte er Lucius laut sagen, was ihm einen Schauer über den Rücken jagte. Er sollte nach Durmstrang, nicht mit all seinen Freunden, die er doch sowieso kaum sehen konnte, nach Hogwarts. Immerzu war von Hogwarts die Rede gewesen, er hatte sich darauf gefreut, doch nun wollte Lucius ihn nach Durmstrang schicken, das noch weiter weg von zu Hause war! Mit pochendem Herzen horchte er weiter an der Tür, denn dorthin wollte er nicht, was auch Narzissa wusste und sie unterstützte seinen Wunsch.
„Ich bin seine Mutter!“ schrie sie in diesem Augenblick laut. „Und er will nicht dorthin, also werde ich es auch nicht zulassen!“
„Die Ausbildung dort ist viel besser! Sie lehren auch Dunkle Künste, was von Vorteil sein wird, wenn...“
„Zum Vorteil für dich oder Draco? Bitte Lucius“, rief Narzissa flehentlich und den Tränen nahe, allmählich schlug ihre Härte in Verzweiflung um, „schick unseren Sohn nicht so weit weg! Lass ihn bei seinen Freunden sein und... und in unserer Nähe...“
Draco vor der Tür wurde ganz anders, denn seine Mutter weinte! Das kannte er nicht von ihr, obwohl sie ihm schon oft gezeigt hatte wie wichtig er ihr war, ganz anders als sein Vater, der wohl gerade wütend etwas warf, denn hinter der Tür gab es einen Schlag. Draco zuckte erschrocken zusammen.
„Lucius...“ flehte Narzissa dennoch weiter. „Bitte! Ich habe dir in vielem freie Hand gelassen auch bei Mr. Edinburgh, du weißt schließlich wie wenig ich von seinen Methoden halte. Aber jetzt... nur das eine Mal!“
„Er ist mein Sohn!“
„Und meiner!“ Narzissas Schreie wurden geradezu hysterisch. „Wenn es nach mir ginge, dann würde ich ihn gar nicht wegschicken, also lass mich ihn wenigstens in der Nähe wissen!“
Die Hoffnung in Draco wuchs, zitternd presste er weiter sein Ohr an die Tür und hoffte sehnlichst, dass sein Vater nachgeben würde, doch dieser begann erzürnt zu schnauben, offenbar kochte er.
„Du bittest mich, einfach so all meine Pläne mit ihm zu vergessen und...“
„Nein!“ Ganz kalt klang Narzissa mit einem Mal, sie klang wieder fest und entschlossen, ihre Tränen schienen versiegt. „Ich bitte dich nicht, ich verlange es von dir! Wenn du es wagst Draco gegen seinen und meinen Willen nach Durmstrang zu schicken, dann werde ich dir das nie verzeihen!“
Und damit lief sie mit energischen Schritten zur Tür und öffnete stürmisch, gerade noch konnte Draco sich hinter einer Rüstung an der Wand verbergen. Völlig verwundert sah er seiner Mutter nach, die er noch nie so erregt erlebt hatte und lugte dann ganz vorsichtig zu seinem Vater ins Arbeitszimmer, der stocksteif dasaß und scharf nachzudenken schien. Und plötzlich geschah das Unglaubliche – Lucius stand eilig auf und hastete seiner Frau hinterher.
„Na schön, Hogwarts! Ich lasse Dobby einen Brief verfassen!“
Nur mit Mühe konnte Draco hinter der Rüstung einen lauten Jubelschrei unterdrücken.

Oh wie glücklich und erleichtert war er damals gewesen und das nur aufgrund seiner Mutter. Ein Lächeln huschte Draco über das Gesicht und schließlich nahm er Pergament und Feder an sich.

Lass uns heute Abend noch einmal in Ruhe über alles reden.
Ich liebe dich!
Draco

Er beeilte sich, zum Postzimmer zu gelangen, denn Astoria musste die Nachricht unbedingt noch vor dem heutigen Abend erhalten!
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