Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Help me

von Blackpaw
GeschichteSchmerz/Trost / P12 / Gen
Cyclops / Scott Summers Phoenix / (Doktor) Jean Elaine Grey Storm / Ororo Munroe
19.10.2019
19.10.2019
1
2.422
 
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
19.10.2019 2.422
 
Help me

Die Rechte an dem Lied liegen nicht bei mir, sondern bei Shawn Mendes, der den wundervollen Song In my blood singt und mich damit zu dieser Songfic inspiriert hat.

In my blood

Help me, it's like the walls are caving in
Sometimes I feel like giving up
But I just can't
It isn't in my blood

Die Sonne schien unschuldig und in bester Laune in mein Zimmer. Ja. Mein Zimmer. Früher war es immer unseres gewesen. Unser Zimmer. Das von mir und Jean. Jetzt war es nur mehr meins. Mein armseliges, einsames Zimmer, dessen Wände mich noch nie so beängstigt hatten, wie jetzt. Alles schien in undefinierbarem Tempo auf mich zuzukommen, als würde mich der Raum langsam, aber sicher erdrücken wollen. Wo Licht ist, ist auch Dunkelheit, wo Dunkelheit ist, ist auch irgendwo Licht. Doch in meinem Herzen war tiefste Nacht ausgebrochen, die kein Kerzenschein je wieder vertreiben konnte. Ich war immer ein Kämpfer gewesen. Hatte für alles eingestanden, was mir wichtig war. Charles hatte mir sein Team anvertraut, die Leitung übergeben, weil er wusste, dass ich ihn niemals enttäuschen würde – dass ich das nicht konnte! Doch nun sah alles anders aus. Ich war noch nie so nahe am Abgrund gestanden, wie gerade jetzt. In dem Moment, in dem ich hier alleine saß und wie schon die letzten Tage auch meinen Gedanken nachhing. Sie war fort. Ein für alle Mal. Fort. Für immer.

Laying on the bathroom floor, feeling nothing
I'm overwhelmed and insecure, give me something
I could take to ease my mind slowly

Mein Bett, auf dessen Kante ich saß, fühlte sich so fremd und hart an. Mein Bett. Nicht unseres. Meins. Ich ballte meine Hände zu Fäusten, doch auch auf diese Art und Weise, ging es mir nicht besser. Ich wusste nicht, was mit mir los war, nur, dass mich die Schuldgefühle in den Wahnsinn trieben. Seit dem Tag, an dem das Wasser sie verschluckt hatte, seit dem Tag, an dem sie uns, mich, verlassen hatte, hatte ich keine einzige Träne geweint. Warum? War ich denn so herzlos? Ich versuchte, tief in mein Innerstes hineinzuhorchen. Hörte den Puls meines Herzens, der weder ruhig noch gleichmäßig war, und versuchte, herauszubekommen, was ich fühlte. Doch da war nichts. Weder Wut, noch Ärger oder Enttäuschung. Kein Anzeichen deutete daraufhin, was mit mir los war. Da war nur dieses tiefe, schwarze Loch, dass scheinbar alles absorbierte und mich zu einer leeren, apathischen Hülle machte. Die Welt war an dem Tag zerbrochen, an dem Jean unter den Wassermassen begraben worden war und seitdem gab es für mich auch keinen Grund mehr, mich um etwas zu bemühen. Ich spürte, wie kratzig mein Hals war, da ich schon seit langem nichts mehr getrunken hatte und auch die Essen, die Charles zur allgemeinen Begutachtung zur Gemeinsamkeit ausgeschrieben hatte, ließ ich ausfallen. Was hatte es denn auch für einen Sinn, von allen bemitleidet zu werden? Das wollte ich nicht. Es ging ja auch nicht um mich. Es ging um Jean. Und die war nicht hier. Sie würde nie wieder hier sein.

Just have a drink and you'll feel better
Just take her home and you'll feel better
Keep telling me that it gets better
Does it ever?

Storm hatte den restlichen Tag, an dem wir mit dem X-Jet zurückgekommen waren, geheult und sich von Kurt trösten lassen. Wolverine machte einen auf starken und unberührbaren Mann, doch auch ihn habe ich erwischt, wie er auf der Toilette geschluchzt hatte. Charles weinte innerlich, das wusste ich und die Schüler wurden von Hank betreut, um ihre Trauer zu überwinden – nur ich hatte keine einzige Träne vergossen. Ich hatte mich sogleich in mein Zimmer verbarrikadiert und wollte keinen sehen. Und das war auch bis jetzt so geblieben. Der Unterricht ist natürlich die letzte Zeit ausgefallen, keiner sah sich in der Lage, auch nur ansatzweise so fortzufahren, als wäre nichts gewesen. Doch irgendwann, da musste der Alltag wieder einkehren. Von mir erwartete natürlich keiner, dass ich so schnell wieder an die Arbeit ging, doch mir wäre es lieber, sie würden mir etwas aufhalsen, damit es mich etwas von dem dumpfen, unergründlichen Gefühl in meinem Inneren ablenken würde. Von dem Gefühl, dass alles, was passiert war, meine Schuld gewesen war. Ich hatte sie geliebt! Und ich liebte sie immer noch! Doch ich hatte es ihr zu selten gezeigt. Warum sonst hatte sie auch Interesse an Logan gezeigt? War ich ihr so ein schlechter Freund gewesen? Hatte sie sich zum Schluss tatsächlich für mich entschieden? Für den Loser? Obwohl sie Wolverine hätte haben können?

Help me, it's like the walls are caving in
Sometimes I feel like giving up
No medicine is strong enough
Someone help me
I'm crawling in my skin
Sometimes I feel like giving up
But I just can't
It isn't in my blood
It isn't in my blood

Ich wollte aufstehen, wollte endlich von diesem Bett hoch, doch meine Beine fühlten sich so taub an, wie auch der Rest meines Körpers, als wäre alles Gefühl daraus gewichen, nur um Platz für den Schmerz zu machen, der nach dem Schock gefolgt war.
Ich wusste nicht, wie lange ich schon so dasaß. Der Schlaf, der mir seit Tagen fehlte, machte sich in meinen Augen bemerkbar, doch ich fühlte mich nicht müde. Auch nicht erschöpft oder ausgelaugt. Nur dumpf und wertlos – genau das, was ich ohne Jean war. Sie war mein ein und alles gewesen, mein Goldschatz. Der Grund, für den es sich lohnte, zu leben. Und jetzt war sie fort. Was hielt mich jetzt noch hier? In diesem Institut, in dem die einst so schönen Erinnerungen, mich in schlaflosen Nächten heimsuchten und mich quälten, bis ich mich in Einsamkeit wand? Ich wollte hier weg! Weg von diesem Ort, an dem alles begonnen hatte und letztendlich auch alles endete. Doch ich wusste ja nicht einmal, wo ich hinsollte. Würden mich denn jetzt alle verlassen, die mir wichtig waren? Am liebsten würde ich auf der Stelle meine Sachen packen und abhauen, so wie es Logan auch immer tat, wenn er sich in die Enge getrieben fühlte. Doch ich war nicht wie er. Irgendetwas hielt mich hier fest, hielt mich hier gefangen. Ich hatte eine Aufgabe. Eine Mission. Ich hatte ein Team, dass immer noch auf mich zählte und mir vertraute. Ich konnte jetzt nicht aufgeben.

I'm looking through my phone again, feeling anxious
Afraid to be alone again, I hate this
I'm trying to find a way to chill, can't breathe, oh

Egal ob ich die Augen schloss, oder sie offen hielt. Egal wohin ich auch blickte, immer tauchte das Bild einer Frau vor meinem inneren Auge auf. Eine Frau, mit wunderschönen roten Haaren und den grünen Augen einer Katze. Eine Frau, die stets Eleganz und Wissen ausgestrahlt hatte. Deren Herz so voller Güte und Liebe gewesen war, dass ich mich oft gefragt hatte, warum ich sie überhaupt verdient hatte. Jedes Mal, wenn ich sie angesehen hatte, hat sie mir zugelächelt. Sie hat mich bei allen meinen Aufgaben unterstützt und war immer für mich dagewesen. Warum hat man sie mir weggenommen? Warum konnte nicht ich an ihrer Stelle sterben? Ich fühlte, wie die Einsamkeit meine Glieder entlang kroch und meinen schlaffen Körper erfüllte. Ich war alleine. Ich war alleine und würde es immer bleiben. Egal wie oft mir Storm noch zusichern würde, dass ich immer zu ihr kommen konnte um zu reden, sie war eben nicht Jean. Nur sie hatte mich verstanden. Auf ihre ganz bestimmte Art und Weise. Ich hasste mich dafür, dass ich einfach nicht weinen konnte – so sehr ich es auch wollte. Die Tränen kratzten mir im Hals und der Drang wurde immer größer, doch meine Augen blieben trocken. Egal wie oft ich noch zur Tür sah und mir vorstellte, sie würde gleich herein kommen, egal wie oft ich mir noch wünschte, das alles wäre ein verdammter Albtraum – nichts geschah.

Is there somebody who could
Help me, it's like the walls are caving in
Sometimes I feel like giving up
No medicine is strong enough
Someone help me
I'm crawling in my skin
Sometimes I feel like giving up
But I just can't
It isn't in my blood
It isn't in my blood

Ich wusste, dass jetzt wahrscheinlich alle X-Men gerade unten im Speisesaal saßen und auf mich warteten, doch wie schon gestern und vorgestern, würden sie dann zum Essen anfangen und verstehen, dass ich wieder nicht kommen würde. Gab es denn nichts, dass es mir etwas leichter machen konnte? Das mir den Schmerz aus dem Herzen und die Last von der Seele nahm? Oder wollte ich das gar nicht? Vielleicht war es besser, zu leiden, als zu vergessen, denn das war meine größte Sorge – dass ich sie irgendwann vergessen könnte. Doch wie sollte ich jemals eine so wunderbare, verständnisvolle und großzügige Frau vergessen können? Die Liebe brannte in meinem Herzen und zeigte mir einmal mehr, dass sie genauso gnadenlos und hart wie wunderschön sein konnte. Es war, als würde ich von innen nach außen verbrennen. Nicht einmal eine Berührung von Rogue würde an den Schmerz herankommen, den ich gerade fühlte – doch das war auch schon das einzige, was ich fühlte. Für mehr schien mein Körper einfach keinen Platz zu haben. Ich dachte an Storm, wie sie gerade in Charles Büro sitzen und mit ihm reden würde, an Logan, der wahrscheinlich in einem Trainingsraum seine Trauer in Form von Aggressionen freien Lauf ließ. Ich dachte an Kurt, der in der Kirche knien und für ein besseres Leben von Jean beten würde. Ich dachte an mein Team, wie es die Schüler unterrichtete und sie versuchte, so gut es ging, von dem Geschehenen abzulenken. Ich wollte aufgeben – doch ich konnte nicht.

I need somebody now
I need somebody now
Someone to help me out
I need somebody now

Charles hatte ihr ein Grab eingerichtet, obwohl wir nicht einmal die Leiche hatten. Leiche…das klang undankbar…als wäre sie…tot. Eine neue Welle des Schmerzes rollte an, drohte mich unter sich zu begraben und einfach mitzureißen. Vielleicht sollte ich mich auch hingeben? Dem Verlust, der in mir festsaß. Noch nie im Leben hatte ich Hilfe so dringend nötig wie jetzt. Und noch nie im Leben hatte ich jede Art von Trost so hart abgewehrt wie jetzt. Ich wollte nicht, dass mich irgendjemand tröstete – ich wollte leiden und gleichzeitig wollte ich, dass das alles aufhörte. Ich wollte nicht mehr fühlen. Ich wollte nicht mehr denken. Ich wollte nicht mehr leben. Nicht so. Nicht hier. Nicht ohne Jean.

Help me, it's like the walls are caving in
Sometimes I feel like giving up
But I just can't
It isn't in my blood
It isn't in my blood
It isn't in my blood
I need somebody now
It isn't in my blood
I need somebody now

In dem Moment öffnete sich die Tür, doch ich hob nicht einmal den Kopf um zu sehen, wer es war. Ich erkannte sie sowieso schon anhand der Schritte. Storm setzte sich vorsichtig neben mich aufs Bett und betrachtete den Mann, den sie sah, doch ich wusste, dass sie viel tiefer sehen konnte – mitten in mein leeres, schmerzendes Herz.
„Scott…“, begann sie leise und ihre Stimme klang tastend, so, als würde sie mit einem verängstigten Raubtier sprechen, von dem man nicht wusste, wie es bei der kleinsten Bewegung reagieren würde. Vielleicht war ich aber auch so ein Raubtier. Ein Raubtier, dass man in die Ecke getrieben hatte und nun keinen Ausweg mehr sah.
„Sie ist immer noch bei dir, Scott und du weißt das!“, versuchte Storm es weiter, mir eine Reaktion abzuverlangen, doch nichts kam. Was sollte ich auch schon antworten? Es reichte mir eben nicht, dass ich die Erinnerungen hatte, ich wollte sie hier haben – so wie sie früher immer hier gewesen war. Und dann tat die Mutantin etwas, mit dem ich so schnell nicht gerechnet hatte: Sie beugte sich zu mir und nahm mich in eine feste Umarmung. Jean war die letzte gewesen, die mich umarmt hatte.
„Ororo…“, flüsterte ich und erst jetzt bemerkte ich, wie heiser meine Stimme geworden war.
„Sie hätte nicht gewollt, dass du so endest!“, raunte Storm an mein Ohr, während sie mich an sich drückte und keine Anstalten machte, loszulassen.
„Ich liebe sie doch!“, krächzte ich mit tränenerstickter Stimme und fühlte, wie sich etwas in mir löste und langsam frei wurde – ausgelöst von dieser Umarmung.
„Ich weiß!“ Storm vergrub ihr Gesicht an meiner Schulter.
„Ich weiß! Und genau deshalb hat sie es auch getan. Sie hat uns alle gerettet!“
„Und ihr Leben gelassen!“, fügte ich traurig hinzu und spürte, wie der Schmerz nun unerträglich wurde.
Und dann spürte ich, wie etwas warmes und nasses meine Wangen hinunterlief. Erst ganz langsam, dann immer schneller lösten sich die salzigen Tränen, die sich seit den vergangenen Tagen in mir aufgestaut hatten und bahnten sich befreit ihren Weg entlang, bis sie von meinem Kinn zu Boden tropften.
„Hört das denn jemals auf?“, fragte ich, während ich von Schluchzern geschüttelt wurde. Meine Schultern hoben und senkten sich hektisch, doch Storm war da und hielt mich. Sie hielt mich fest und ließ mich nicht los. Nicht mehr.
„Nein“, antwortete meine Freundin, nein, meine Schwester, ehrlich.
„Aber es wird besser werden.“
„Ich will sie nicht vergessen!“
„Niemand wird sie jemals vergessen! Niemand Scott!“ Storms Hand strich sanft meinen Rücken auf und ab und ich klammerte mich haltsuchend an ihr fest. Nun, da die Tränen endlich ihren Weg nach draußen gefunden hatten, wollten sie nicht mehr aufhören. Ich schluchzte auf.
„Hilf mir, Storm. Es ist, als würden mich diese Wände einengen! Hilf mir! Lass mich nicht allein!“, die Worte kamen zusammenhangslos aus meinem Mund.
„Ich werde dich nicht alleine lassen! Du hast mein Wort!“

Ich wollte aufgeben. Doch ich konnte nicht. Storm hatte Recht. Mit der Zeit wurde es besser, auch, wenn der Schmerz nicht wirklich abklang. Ich hatte eine Aufgabe. Ich hatte eine Mission. Ich hatte mein Team.

It isn't in my blood

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Hey!

Ich hoffe euch hat mein kleiner OS gefallen! Kennt ihr das auch, wenn ihr eigentlich weinen wollt? Heulen, schreien oder sonst etwas, um eurem Schmerz Luft zu machen, doch ihr könnt nicht? Ich hoffe, die Geschichte war etwas verständlich und natürlich würde ich mich über Rückmeldung freuen, doch ich schreibe nicht für Reviews…ich hoffe man kann das erkennen.
LG
Eure Blackpaw
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast