Stairway to Heaven

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
Bobby Singer Castiel Dean Winchester Sam Winchester
19.10.2019
25.09.2020
20
73.543
28
Alle Kapitel
228 Reviews
Dieses Kapitel
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19.10.2019 3.424
 
Hi, ihr Lieben,

willkommen bei meiner neuen SPN-FF! :) Ich freue mich riesig, dass ihr hierher gefunden habt!

Aber bevor wir zum Prolog kommen, möchte ich im Vorfeld wie immer etwas zu der Geschichte sagen:
Auch diese Geschichte ist jemandem gewidmet, und zwar der lieben Legendary-Royalty, bei der ich mich auf diesem Weg ganz herzlich bedanken möchte!
Meine Liebe, ich danke dir ganz herzlich für die vielen Reviews und die Mails, die du mir geschrieben hast. :* Besonders aber möchte ich mich für den Zuspruch bedanken, der mich dazu ermutigt hat, verstärkt an der Geschichte zu arbeiten und sie nun auch zu veröffentlichen! <3 Ehrlich, mir bedeutet das sehr viel und ich hoffe einfach, dass ich dir im Gegenzug mit der Widmung eine Freude machen konnte. ;) Ich hoffe, sie wird dir gefallen! :*

Jetzt noch ein paar Worte zur Geschichte selbst:
Die Geschichte kann man sozusagen als alternative vierte Staffel betrachten. Schon die Kurzbeschreibung und der Prolog dürften verraten, dass ich doch das eine oder andere geändert habe und die Geschichte allein deshalb schon einen anderen Weg einschlagen wird als in der Serie. Deshalb ist die Geschichte zumindest in dieser Hinsicht als AU einzustufen. Aber was genau ich verändert hab, dürft ihr dann nach und nach herausfinden. ;)
Was soll ich sagen, die Geschichte wollte einfach geschrieben werden. :D Und da meine andere Geschichte »Lips of an Angel« schon bald vorbei ist, wollte ich schon mal für Nachschub sorgen. :D
Wie immer kann ich noch nicht sagen, wie viele Kapitel es werden. Ich arbeite zwar schon länger an der FF und es sind auch schon ein paar Kapitel fertig, aber wie lang sie nun wird… keine Ahnung. Lasst euch zusammen mit mir überraschen. ;) Updates kommen so schnell wie möglich und vermutlich in einem zwei Wochen Rhythmus. ;)
Da ich weiß, wie sehr Legendary-Royalty das Pairing Destiel liebt, ist es natürlich naheliegend, dass sich in der Geschichte vieles um dieses Pairing drehen wird. Aus verschiedenen Gründen lässt der Destiel-Part aber leider etwas auf sich warten, aber ich hoffe, ihr verfolgt dennoch mit Begeisterung, wie sich die zwei näherkommen. ;) Aber auch Sam und Bobby werden eine wichtige Rolle spielen. ;)

Kommen wir zu den üblichen Warnungen: Die Geschichte ist nicht umsonst als P18 eingestuft! Es wird etwas brutaler und blutiger (siehe Prolog), außerdem enthält die Geschichte einige erotische Details. Ich werde aber gesondert noch einmal darauf hinweisen, wenn es soweit ist. Dann kann jeder, der das nicht lesen mag, den Teil überspringen. ;)
Spoiler gibt es bis einschließlich Staffel 4!

Disclaimer: Die vorkommenden Charaktere und die Schauplätze gehören nicht mir, sondern Eric Kripke und The CW. Ich verdiene mit der Veröffentlichung der Geschichte kein Geld.

Das wäre vorerst alles und ich wünsche euch hiermit viel Spaß beim Lesen. Ich hoffe, euch wird die Geschichte gefallen, vor allem aber hoffe ich natürlich, der lieben Legendary-Royalty damit eine Freude zu machen! <3
Über eure Meinungen würde ich mich wahnsinnig freuen, egal ob positiv oder negativ! :3 Also lasst mir bitte ein paar Reviews da, danke! :3 Auch Favoriteneinträge, Mails und Sternchen sind jederzeit gern gesehen! :3

Liebe Grüße, fühlt euch gedrückt und habt noch ein schönes Wochenende,
eure Phoenix :*

P.S.: Wer nicht so lange auf das nächste Kapitel warten will, der kann sich gerne bei meinen anderen FFs umsehen, falls ihr das nicht schon habt. Es sind auch ein paar Destiel-FFs dabei. ;) Vielleicht liest man sich ja bei der einen oder anderen Geschichte wieder, würde mich freuen :3



*** *** ***** *** ***


STAIRWAY TO HEAVEN


PROLOG

Black winged Savior



Irgendwo in der Hölle


Ein heiserer Aufschrei entwich Deans trockener Kehle, als sich das scharfe Messer mit einem Ruck durch Haut und Fleisch bohrte und Muskeln und Sehnen durchtrennte als bestünden sie nur aus Papier. Der sengende Schmerz fraß sich in seinen Verstand wie beißende Säure und ließ für einen flüchtigen Moment alles andere in den Hintergrund rücken. Alles, nur nicht Alastairs diabolisches Lachen, das sich unheilvoll unter das Rauschen seines Blutes mischte.

Mit rasendem Herzen lag er rücklings auf der blutgetränkten Pritsche, nackt bis auf die Shorts, am ganzen Leib zitternd und mit schweren Ketten zu absoluter Bewegungsunfähigkeit verdammt. Ihm war eiskalt, die unzähligen Wunden brannten wie Höllenfeuer und es gab nicht einen einzigen Muskel oder Knochen, der ihm nicht wehtat. Alastair hatte ganze Arbeit geleistet.

Die stockende Atmung kam rau und heiser wie ein Reibeisen über die halbgeöffneten Lippen, sein Gesicht war geschwollen und auf der Zunge nahm er den metallischen Geschmack seines eigenen Blutes wahr. Sein gesamter Körper war überzogen von Blut und Schweiß, die einen dreckigen Film auf der geschundenen Haut bildeten und sie dumpf glänzen ließen. Inzwischen gab es kaum eine Stelle an seinem Körper, der sein Foltermeister nicht seine volle Aufmerksamkeit gewidmet hatte.

Alastair lachte, als er die Klinge unendlich langsam aus der rechten Hand des Jägers zog. Dean spürte, wie warmes Blut einem Wasserschwall gleich aus der Wunde schoss, sich über seine verkrampften Finger ergoss und mit einem leisen Plätschern von der Pritsche auf den Boden tropfte. Der Schmerz war derart heftig, dass er seinen gesamten Körper regelrecht paralysierte… und sein Peiniger hatte die größte Freude dabei.

Dean krampfte die Kiefer derart hart aufeinander, dass er trotz der markerschütternden Schreie der anderen Seelen mühelos das Knirschen seiner Zähne hören konnte. Es tat unglaublich weh, aber mit der Zeit hatte er sich an den Schmerz gewöhnt. Er würde vergehen, genau wie jedes Mal. Irgendwann würde Alastair ihn in seine Zelle zurückbringen, wo sich sein Körper wie von Geisterhand regenerierte… nur um ein paar Stunden später erneut zur Folterbank geschleift zu werden.

Es war jeden Tag dieselbe Prozedur und Dean hatte keine Ahnung, wie lange das schon so ging. In der Hölle verging die Zeit anders als auf der Erde und die Tage und Nächte verschwammen zu einem einzigen Durcheinander. Er hatte längst jegliches Zeitgefühl verloren, sein Aufenthalt an diesem schrecklichen Ort kam ihm jedoch wie eine nicht enden wollende Ewigkeit vor.

»Also, Dean. Was sagst du?«, fragte Alastair und seine Stimme klang wie das bedrohliche Zischen einer riesigen Schlange, die nur darauf wartete, sich auf ihre Beute zu stürzen und sie regelrecht zu verschlingen.

Dean schluckte das Blut, das sich in seiner Mundhöhle gesammelt hatte, hart hinunter und brachte ungeachtet der Schmerzen ein schiefes Grinsen zustande. Es tat höllisch weh und sein Gesicht glich vielmehr einer verzerrten Fratze, aber es war ihm egal. Jeden einzelnen Tag dieselbe beschissene Frage… und Dean würde ihm dieselbe Antwort geben. Genau wie immer.

»Fick dich, Alastair!«, knurrte Dean und hielt dem überheblichen Blick des Dämons schwer atmend stand.

Sein Gegenüber seufzte resigniert und schüttelte beinahe bedauernd den Kopf, sonderlich überrascht wirkte er jedoch nicht. Er hatte wohl keine andere Antwort erwartet. Drohend hob die teuflische Kreatur das Messer ein Stück an und ließ den irren Blick über die blutbefleckte Schneide gleiten, die im dämmrigen Zwielicht der Hölle gefährlich aufblitzte.

»Falsche Antwort, Junge«, erwiderte Alastair unheilvoll und ging gemächlich um die Pritsche herum.

Im nächsten Moment holte der Dämon mit der Waffe aus und rammte ihm die Spitze in die andere Hand. Dean wollte schreien, aber kein einziger Laut wollte über die aufgeplatzten Lippen kommen. Er hatte schlicht und ergreifend keine Kraft mehr und die penetrante Schwäche nagte an ihm wie ein unerwünschter Parasit, der ihm das letzte bisschen Leben aus den Venen saugte.

»Es liegt ganz bei dir, Dean. Du musst nur einwilligen, dann lasse ich dich in Ruhe und all die Qualen und der Schmerz haben endlich ein Ende. Das ist doch nicht so schwer, oder?«, mischte sich Alastairs Stimme unter die gequälten Laute der anderen Seelen, während er die Schneide aus Deans Fleisch zog. Der Winchester zuckte kurz zusammen, als sich der Schmerz einen Weg durch seinen gesamten Körper fraß.

»Im Gegenzug… muss ich nur ein paar… Seelen zerfetzen. Nein, danke«, hielt Dean dagegen und obwohl ihn die Erschöpfung eisern im Griff hatte, gab er sich die größte Mühe, sich nichts anmerken zu lassen. Diese Genugtuung gönnte er diesem Scheusal nicht!

»Kein besonders hoher Preis, wenn du mich fragst. Die meisten haben es verdient und abgesehen davon… mit der Zeit wirst du sogar Gefallen daran finden, wenn deine Opfer ihren Schmerz hinausschreien… diesen süßen Schmerz, der wie Musik in deinen Ohren klingen wird«, versuchte Alastair, ihm sein Angebot schmackhaft zu machen. Dean schnaubte abfällig und sogar diese harmlose Geste schickte einen dumpfen Schmerz durch seinen pochenden Schädel.

»Vergiss es!«, lehnte Dean zum wiederholten Male ab. Er würde niemals aufgeben, vollkommen egal, was sich diese Ausgeburt der Hölle noch einfallen ließ. Er war schließlich Dean Winchester und er würde sich die Zähne an ihm ausbeißen, das schwor er sich!

»Ich sehe schon, du bist noch nicht so weit«, sagte Alastair kopfschüttelnd, wischte die blutige Waffe notdürftig an seiner Hose ab und legte sie zu den anderen Folterwerkzeugen auf einen Tisch. »Das Beste ist wohl, wenn ich dir ein bisschen Zeit zum Nachdenken gebe. Vielleicht bist du dann bereit, die Folterbank gegen das Messer einzutauschen, wenn du eine Weile in deinem eigenen Blut vor dich hinvegetierst.«

»Darauf… kannst du lange warten, Mistkerl«, spottete Dean und obwohl sich allmählich schwarze Nebelschwaden vor seine Augen schoben, klang seine Stimme sogar für seinen Geschmack erstaunlich fest und entschieden. Alastair ließ sich nicht davon beeindrucken. Er zuckte lediglich gleichgültig mit den Schultern, wandte ihm den Rücken zu und verschwand aus seinem Sichtfeld.

»Viel Spaß, Dean«, säuselte der Dämon, ehe die schwere Stahltür mit einem lauten Scheppern hinter ihm ins Schloss fiel.

Dean zuckte kurz zusammen, dann stieß er die Luft bebend durch die Nase aus und entspannte sich auf dem harten Untergrund so gut es ihm mit den pochenden Wunden möglich war. Er wusste, früher oder später würde Alastair zurückkommen und sollte ihm die Antwort des Jägers nicht gefallen – und davon ging Dean aus – würde er genau dort weitermachen, wo er soeben aufgehört hatte.

»Dieses miese Arschloch…«, fluchte Dean heiser und versuchte ungeachtet der Schmerzen, sich gegen die eisernen Ketten aufzulehnen. Ein vergebliches Unterfangen. Sie gaben nicht nach, nicht einen Millimeter. Erschöpft senkte er den Kopf auf die Pritsche und schloss die schweren Lider. Er würde hier niemals wieder rauskommen und der Gedanke begann allmählich, ihn mehr und mehr zu zermürben.

Er hatte seine Seele verkauft, um Sam zu retten, jetzt war er dazu verdammt, sein Dasein an diesem widerwärtigen Ort zu fristen und bis in alle Ewigkeit diese Qualen zu ertragen. So lange, bis nichts mehr von ihm übrig sein oder er früher oder später einknicken würde. Der Gedanke machte ihm eine höllische Angst, aber tief in seinem Inneren wusste er, dass es die richtige Entscheidung gewesen war. Für Sammy!

Ich hoffe, dir geht’s gut, Sammy, dachte Dean ermattet, während er aus der Zelle zu seiner Linken einen kehligen Laut wahrnahm, dicht gefolgt vom Gestank von verbrannter Haut.

Für ihn waren das Warten und die Isolation sogar noch schlimmer als jegliche Schmerzen, die Alastair ihm zufügen konnte. Die Qualen boten ihm zumindest ein wenig Ablenkung, aber wenn er allein war und nur die Schreie der anderen Seelen zu hören waren, kamen all die Gedanken an seinen Bruder zurück, die er sich zu seinem eigenen Schutz untersagte… vergebens.

Er vermisste Sam, sehr sogar. Ein Teil von ihm wünschte sich, ihn eines Tages wiederzusehen, der andere jedoch wusste, wie lächerlich diese Hoffnung war. Er war hier unten gefangen und ihm blieb nur der Wunsch, dass es seinem Bruder gut ging, wo immer er auch sein mochte. Dass er es geschafft hatte, irgendwie weiterzuleben… ohne seinen großen Bruder.

»Hallo, Dean«, waberte plötzlich eine Stimme durch seinen trägen Verstand und holte ihn abrupt aus den Gedanken. Sie klang anders als die seines Peinigers, aber er schob es auf die Schwäche, die ihn regelrecht ummantelte. Alastair war gekommen, um seine Antwort zu hören… und die würde er auch bekommen.

»Nein…«, war alles, was Dean sagte, ohne die Augen zu öffnen oder den Dämon auch nur anzusehen. Stattdessen blieb er reglos auf der Pritsche liegen und wartete auf den Schmerz, der unweigerlich kommen würde.

»Was?«, entwich es dem Mann. Er hörte sich verwirrt an, aber Dean stempelte es nur als Einbildung ab.

»Meine Antwort… ist Nein, Alastair. Ich werde nie einwilligen, andere zu quälen, um von der Schlachtbank runter zu kommen. Also erspar mir dein Gelaber und mach einfach da weiter, wo du vorhin aufgehört hast«, sagte Dean entschlossen, aber trotz aller Mühe schaffte er es nicht, das Zittern aus seiner Stimme zu verbergen. Er war schlicht und ergreifend zu schwach.

Für ein paar Augenblicke blieb es still um ihn herum und Dean glaubte, Alastair legte sich gerade einen neuen Plan zurecht, wie er ihn dazu bringen konnte, selbst der Foltermeister zu werden. Er wartete auf ein Messer oder einen glühenden Schürhaken, der die geschundene Haut auf Höhe seiner Brust versengte, aber es kam nichts dergleichen. Rein gar nichts.

»Deshalb bin ich nicht hier«, widersprach sein Gegenüber trocken und ohne diese eisige Kälte in den Worten, die er von Alastair nur zu gut kannte. Dieses Mal war er sich absolut sicher, dass nicht der Dämon derjenige war, der mit ihm sprach, sondern ein anderer. »Ich bin gekommen, um dich zu retten.«

»Was?«, kam es tonlos über Deans raue Lippen. Als er mit einem Flackern die Lider aufschlug, stand ein Mann neben der Pritsche, der mit stoischer Miene auf ihn herabsah.

Er hatte dunkle – nein, vielmehr schwarze – Haare, die wirr und ungeordnet in alle Richtungen abstanden. Er trug eine Krawatte, einen beigefarbenen Trenchcoat und darunter ein weißes Hemd. Sein Gesicht war umrahmt von einem dunklen Dreitagebart, der das kleine Grübchen am Kinn fast gänzlich verschwinden ließ.

Alles an ihm sah so aus, als gehörte er nicht hierher. Seine Statur wirkte kräftig und auf sonderbare Weise erhaben, als stünde er über der Hölle und ihren teuflischen Bewohnern. Das Auffälligste an ihm waren jedoch die blauen Augen, die eine solche Ruhe ausstrahlten, dass er beinahe darin versank und für einen flüchtigen Moment alles um sich herum vergaß. Dean konnte sich nicht daran erinnern, jemals ein derart intensives Blau gesehen zu haben, als hätte sich der Himmel darin verloren.

»Wer… wer bist du?«, fragte Dean, während sich sein Brustkorb unter den hektischen Atemzügen rhythmisch hob und wieder senkte. Als sein Gegenüber zu einer Erklärung ansetzte, verzog er keine Miene.

»Mein Name ist Castiel. Ich bin ein Engel des Herrn«, sagte er, als wäre es das Selbstverständlichste auf der ganzen Welt. Für ein paar Sekunden sah Dean ihn einfach nur an, als zweifelte er an seinem eigenen Verstand, dann schüttelte er den Kopf und begann zu lachen. Den Schmerz, der dabei durch seinen gesamten Körper schoss, ignorierte er. Castiel formte die Lippen zu einem dünnen Strich. »Was ist so lustig daran?«

»Ist das wieder so ein neuer Trick von Alastair, um mich kleinzukriegen? Da muss er schon was Besseres schicken als Inspektor Columbo«, witzelte Dean und musterte den angeblichen Engel herablassend. Was war Castiel überhaupt für ein dämlicher Name?

»Ich bin kein Inspektor. Ich sagte bereits, ich bin ein Engel und mein Name ist Castiel«, widersprach dieser Castiel, aber Dean glaubte ihm kein einziges Wort. Es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass Alastair Halluzinationen einsetzte, um das zu bekommen, was er wollte. Dieser Kerl war nichts weiter als eine Einbildung und sie war nicht einmal besonders überzeugend.

»Engel gibt es doch gar nicht«, entgegnete Dean kopfschüttelnd, wandte den Blick von den blauen Augen ab und starrte die Decke über ihm an, die mit vereinzelten Blutspritzern versehen war.

Dean war vieles, aber garantiert kein gläubiger Mensch. Er glaubte nur an das, was er sehen und bekämpfen konnte. Monster, Geister, Dämonen… sie waren real, Engel dagegen waren es nicht. Sie waren nur eine Erfindung, um den Menschen etwas zu geben, an das sie sich klammern konnten, wenn sie in ihrer eigenen Verzweiflung zu versinken drohten. Nicht mehr und nicht weniger.

»Du glaubst an Monster und Dämonen, früher hast du sogar gegen sie gekämpft. Wieso fällt es dir so schwer, an Engel zu glauben?«, hörte er den Mann fragen und Dean glaubte, aus der sonst so gefassten Stimme so etwas wie Kränkung herauszuhören.

Der Jäger atmete geräuschvoll aus und verdrehte die Augen, ehe er den Blick zurück auf diesen Spinner richtete. War das etwa sein Ernst? Wie könnte er an Engel oder gar an Gott glauben, wenn auf der Welt so viel Leid und Unglück existierte? Sam mochte vielleicht an derartige Dinge glauben, aber er ganz sicher nicht!

»Hör zu, Trenchcoat! Wenn es Engel geben würde, dann würden sie wohl kaum zulassen, dass auf der Erde so viel Mist abläuft«, knurrte er und bedachte Castiel mit einem Blick, der keine weiteren Widerworte duldete. Er wollte einfach nur seine Ruhe haben und garantiert nicht über Gott und Engel diskutieren. Erst recht nicht fast nackt! »Und jetzt verschwinde und sag Alastair, dass er sich was anderes einfallen lassen muss. Ein Engel… dass ich nicht lache!«

Mit diesen Worten richtete er den Blick erneut auf die steinerne Decke über ihm und gab sich die größte Mühe, den Fremden zu ignorieren. Er scheiterte kläglich. Irgendetwas hatte dieser Mann an sich, das den Jäger in seinen Bann zog und ihn nicht mehr loslassen wollte, aber vollkommen egal, wie lange er darüber nachdachte, er kam nicht darauf, was genau es war.

»Ich kann es beweisen«, zog Castiel erneut die Aufmerksamkeit des Winchesters auf sich.

Dean schnaubte genervt und setzte an, um etwas zu sagen, doch er hielt jäh in den Worten inne, als von Castiel plötzlich ein gleißendes Licht ausging, das die mickrige Zelle bis in die letzte Ritze erfüllte. Mit angehaltener Atmung sah Dean dabei zu, wie das Blau in den Augen seines Gegenübers zu glühen begann, während sich um ihn herum eine elektrisierende Spannung aufbaute, die eine unangenehme Gänsehaut auslöste.

Dem Winchester stockte der Atem, als sich im nächsten Moment zwei gewaltige Schatten materialisierten, die wie mächtige Flügel aus Castiels Rücken ragten und sich mit einem leisen Rascheln über den gesamten Raum erstreckten. Sie waren nicht greifbar, nicht real, sondern vielmehr eine Art Projektion, die sich in sattem Schwarz vor dem grellen Licht abhob, trotzdem hatte er noch nie in seinem bisherigen Legen etwas derart Beeindruckendes gesehen.

Die Macht, die von Castiel ausging, wirkte imposant und Ehrfurcht gebietend, trotzdem verspürte Dean keine Angst. Nicht einmal ein bisschen. Alles an ihm wirkte irgendwie… gut und rein, als bestünde sein Inneres aus purem Licht, das es vermochte, die Dunkelheit für immer zu verscheuchen… und zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit spürte er so etwas wie Hoffnung.

Als das Licht allmählich abnahm und die Augen des Engels wieder in normalem Blau erstrahlten, verpuffte die Spannung genauso schnell wie sie gekommen war. Ein letztes Mal hörte Dean das angenehme und sanfte Rascheln von Federn, ehe die gewaltigen Schatten verblassten, bis sie schließlich gänzlich verschwanden und das dunkle Zwielicht der Hölle zurückkehrte.

»Glaubst du jetzt, dass ich die Wahrheit sage?«, fragte Castiel und sah abwartend auf den gefesselten Jäger hinab.

Unfähig, auch nur ein einziges Wort über die Lippen zu bringen, sah er den Mann im Trenchcoat einfach nur an. Was zum Teufel war das? Hatte er soeben wirklich die Flügel eines Engels gesehen? Oder zumindest die Schatten davon? Oder spielte ihm Alastair nur einen abartigen Streich, um ihn zu zermürben und dazu zu bringen, endlich aufzugeben? Um die längst verloren geglaubte Hoffnung in ihm zu schüren wie ein Feuer, nur um sie erneut im Keim zu ersticken?

»Ich…«, wollte Dean etwas sagen, aber Castiel unterbrach ihn, bevor er den Satz beenden konnte.

»Heb dir deine Fragen für später auf. Wir sollten von hier verschwinden, bevor die Dämonen bemerken, dass ich in die Hölle vorgedrungen bin«, fuhr der Engel – oder was auch immer dieser Castiel sein mochte – ihm dazwischen und sah sich beinahe gehetzt um. Als fürchtete er, jeden Augenblick erwischt zu werden.

»Aber ich…«, fing der Jäger an, sein Gegenüber ließ ihn jedoch nicht zu Wort kommen.

»Schließ die Augen, Dean. Und egal, was passiert, lass sie geschlossen, bis wir wieder auf der Erde sind«, redete Castiel eindringlich auf ihn ein und sah entschieden auf ihn herab.

Dean blinzelte verdutzt und setzte zum wiederholten Mal an, um etwas zu sagen, doch seine Stimme versagte ihm den Dienst, als die eisernen Ketten mit einem leisen Klirren zerbarsten, sich Castiel plötzlich zu ihm herabbeugte und die Hand fest auf seine linke Schulter legte.

Dem Jäger entwich ein ersticktes Keuchen, als ausgehend von der Hand des Engels ein dumpfer Schmerz durch seinen gesamten Arm jagte. Es fühlte sich an, als würden unzählige Stromstöße durch seinen Leib schießen, welche die Haut unter den Fingern des anderen verbrannten. Als Castiel ihn erneut dazu aufforderte, die Augen zu schließen und der grenzenlose Schmerz unerträglich wurde, versank die Hölle um ihn herum in absoluter Dunkelheit.
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