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Zurück zu den Wurzeln.

GeschichteDrama, Familie / P18 Slash
Farmer (männlich) OC (Own Charakter)
18.10.2019
15.07.2020
49
252.978
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16 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
15.07.2020 4.557
 
Author's Note
Alternatives Ende 3/3
Die alternativen Enden zu dieser Geschichte spielen x Monate nach dem Epilog und sind voneinander unabhängig.



unos meses después…


«...y fueron felices y comieron perdices.»
Sinngemäße Übersetzung:
„…sie lebten glücklich und aßen Rebhühner.“
Deutsches Sprichwort:
„Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“



Nach dem Konzert sitze ich auf dem Rücksitz eines Autos. Ich bin noch etwas aufgeladen von der Stimmung in der Halle, doch ich merke, dass die Müdigkeit langsam auf mich hereinbricht. Das Adrenalin lässt beinahe von Minute zu Minute nach. Der Auftritt war unbeschreiblich, dennoch ist er nicht der schönste Moment des Abends. Der schönste Moment folgt immer danach: Nach einem anstrengenden Arbeitstag komme ich ins Hotel, wo mich meine Familie freudig erwartet.

Lächelnd blicke ich auf den Bildschirm meines Smartphones. Wie jeden Abend, an dem ich arbeite, habe ich ein Foto von Calum und den Mädchen bekommen. Auf dem Bild sitzen die drei im Bett des Hotelzimmers. Sie strahlen um die Wette. In Cassies Armen befindet sich Domingo, der ebenfalls Richtung Kamera sieht. Meine Familie mit auf Tour zu nehmen ist das Beste, was mir jemals passieren konnte.

Es ist alles anders. Es ist gemütlicher und angenehmer, als damals, als ich mit den Jungs auf Tour war. Sich nach den Konzerten nicht auf Partys und in Clubs herumzutreiben, steigert meine Lebensqualität ungemein. Anstatt am nächsten Tag verkatert oder vielleicht noch zugedröhnt von der vorhergehenden Nacht am Frühstückstisch zu sitzen, kann ich die erste Mahlzeit des Tages richtig genießen. Es ist besser als vor Übelkeit und Kopfschmerzen gar nicht erst aus dem Bett zu kommen und den halben Aufenthalt damit zu verschwenden, meinen Rausch auszuschlafen. Nun kann ich die Sehenswürdigkeiten der Städte genießen, die ich in den letzten Jahren verpasst habe.

Auch für morgen sind einige kleine Ausflüge geplant, doch das wichtigste für mich ist im Moment, dass ich endlich wieder zu meiner Familie komme. Eine Dusche wäre auch nicht schlecht.

Trevor: ‚Ich freue mich schon unheimlich auf euch. Bin schon auf dem Weg ins Hotel. Die Show war der Wahnsinn, die Fans waren lauter denn je. Ich kann mir nicht vorstellen, dass auch nur einer der Anwesenden nicht mitgesungen hat. Es war unglaublich.‘
Calum: ‚Freut mich zu hören, Sweetie. Bei der nächsten Show muss ich wieder dabei sein. Hast du Hunger? Dann kann ich schon mal was beim Zimmerservice bestellen, damit du nicht zu lange warten musst.‘
Trevor: ‚Ach, ich seh mir die Karte dann selbst an. Ich brauche ohnehin eine lange, heiße Dusche. Max hat mich umarmt, das heißt ich dufte nicht nur nach meinem eigenen Schweiß, sondern habe auch eine Holzklotz-Note.‘
Calum: ‚Ahahaha. Tja, wärst du mal fieser zu deinen Freunden, dann würden sie dich nicht umarmen! ;)‘
Trevor: ‚Tz… Schön wär’s. Als könnte ich Max davon abhalten, mich zu lieben.‘
Trevor: ‚Bin gleich da.‘
Calum: ‚Ich freu mich schon auf dich <3‘
Trevor: ‚Und ich mich erst :)‘

Richie: ‚Hey Trevor! Du warst so schnell weg, dass ich dir gar nicht sagen konnte, wie toll euer Auftritt war. Ich gehe mit Alison noch etwas trinken. Wir sehen uns morgen beim Frühstück. :3‘
Trevor: ‚Danke, mein Kleiner. Ich wünsche euch viel Spaß und bleibt schön brav ;) Ich will keine Beschwerden hören!‘


Ich stecke mein Smartphone wieder weg und blicke aus dem Fenster. Die verdunkelten Scheiben sollen mich vor Fans und Paparazzi abschirmen, glücklicherweise hindern sie mich nicht daran, die Straße zu überblicken. Als ich das letzte Mal hier war, habe ich kaum etwas von der Architektur mitbekommen. Ich war zu betrunken, zu high und viel zu abgelenkt, um auch nur einen Spaziergang zu machen. Morgen wird das jedoch anders aussehen.

Der Wagen hält vor dem Hotel, mir wird die Tür geöffnet, wofür ich mich bedanke. Ich schultere meine Tasche, als ich die wenigen Meter zum Hotel zurücklege. Kaum betrete ich die Lobby, kommen mir einige Fans entgegen. Sieht so aus, als hätten sie hier auf mich gewartet. Mir ist schleierhaft, wie sie so schnell, sogar noch vor mir, hier sein konnten, doch ich will nicht unhöflich sein. Sie haben bestimmt ihre Taktik und ihre Quellen, sonst wüssten sie ja nicht, dass ich hier in diesem Hotel abgestiegen bin. Hartnäckigkeit sollte man außerdem belohnen, immerhin lebe ich von meinen Fans.

„Unglaublich wie schnell ihr kleinen Wiesel seid, ich war grade eben noch auf der Bühne“, begrüße ich meine Fans grinsend. „Hat euch die Show gefallen?“
„Ja“, antworten die Mädchen kichernd und aufgeregt. Auch die Jungs wirken begeistert davon, mich zu treffen. In den Gesichtern meiner Fans kann ich deutlich erkennen, dass ihnen dieser Moment unheimlich viel bedeutet. Auch mir bedeutet er viel. Der Kontakt zu den Fans war immer schon wichtig für mich, auch wenn ich das manchmal nicht so durchscheinen lasse.
„Ist Calum auch hier?“, fragt eines der Mädchen nach, worauf ich nicke.
„Mhm. Der ist aber schon so gut wie im Bett“, antworte ich. „Die Mädchen schlafen auch schon.“
„Deine Töchter sind so süß. Wie geht’s ihnen?“
Ich ziehe einen schwarzen Stift aus der Innentasche meiner Jacke. Während wir uns unterhalten, gebe ich das eine oder andere Autogramm auf CDs, Smartphones, Shirts, Schuhe, Rucksäcke, Taschen und Fotos. Alles was mir unter die Finger kommt, wird für meine Fans signiert.
„Gut, würde ich sagen“, beantworte ich die Frage. „Calum schickt mir jeden Abend ein Selfie von sich und den Mädchen, weil ich ihnen ja nicht richtig gute Nacht sagen kann. Wenn sie ins Bett gehen, bin ich ja schon auf der Bühne.“
„Klingt blöd. Du fehlst ihnen bestimmt sehr.“
„Naja, so ist das eben, wenn man abends arbeitet. Calum hat sich das Ritual mit dem Foto ausgedacht, damit ich nicht alles verpasse. Es ersetzt zwar nicht meine Anwesenheit, aber es macht den Mädchen Spaß und ich habe auch etwas davon“, antworte ich schmunzelnd. „Apropos. Wollt ihr noch ein paar Fotos machen?“
„Wenn du Zeit hast?“
„Für meine Fans immer“, antworte ich lächelnd. „Ihr wart so schnell hier, um mich zu treffen, da kann ich euch nicht ohne Erinnerungsfotos gehen lassen.“
„Du bist so cool. Ich hätte nie gedacht, dass du echt so nett bist. Man hört ja so viel“, erzählt eines der Mädchen. „Die einen sagen so, die anderen sagen wieder was Anderes.“
„Ja, die Leute haben eben keine Ahnung“, meint ein anderes Mädchen. „Die labern lieber, anstatt sich selbst ein Bild zu machen.“
Ein weiteres Mädchen gibt ihre Meinung zu dem Medienrummel ab: „Die Presse schreibt ja auch immer nur scheiße, weil die Paparazzi neidisch sind und keine richtigen Jobs finden.“
Ich lache etwas. „Ihr habt schon Recht, glaubt nicht alles, was im Internet steht. Manchmal bin ich ein Arsch, das stimmt schon, aber mittlerweile hat sich das auch gebessert. Kinder zu haben ändert einiges. Vor allem, wenn es kleine Mädchen sind, die sofort schmollen, sollte man sie auch nur ein wenig strenger ansehen.“
„Heißt das, dass du jetzt ein Softie bist?“
„Ay, lass das ja nicht Calum hören, der hat schon genug Gründe, mich zu verarschen“, scherze ich.

Fan für Fan, Selfie für Selfie und Gruppenfoto für Gruppenfoto fertige ich alle Anwesenden ab. Die Müdigkeit steigt mir jedoch langsam zu Kopf. Ich muss dringend unter die Dusche, es wird Zeit, dass ich mich frisch mache. Das bequeme Bett ruft schon meinen Namen.

„Vergesst nicht, dass ihr die Bilder unbedingt bearbeiten müsst, wenn ihr sie hochladen wollt. Ich seh scheiße aus, so verschwitzt und müde“, erzähle ich grinsend. Natürlich fische ich mit dieser Aussage nach Komplimenten meiner jungen Fans, was auch mehr als gut funktioniert.

„Gar nicht wahr, du bist total heiß“, beschwichtigt mich schon der erste Fan. „Man kann gar nicht aufhören, dich anzusehen, so gut siehst du aus.“
„Ja, und wie“, stimmt ein Mädchen ihm zu.
„Du bist viel zu selbstkritisch, du siehst klasse aus“, schwärmt ein weiteres Mädchen.
„Ja, genau. Jedes Mal, wenn ich dein Alter in einem Artikel lese, bin ich irritiert, weil du viel jünger aussiehst.“

„Ach, ihr seid zu gütig. Jetzt reicht’s aber, sonst muss mein marido die ganze Nacht mit meinem aufgeblasenen Ego zurechtkommen. Das kann ich ihm unmöglich antun.“

Ich scherze noch etwas mit meinen Fans, doch dann muss ich mich schon verabschieden. Schlimmstenfalls werden es noch mehr Fans und dann komme ich in der nächsten Stunde nur schwer weg. Ich will auch niemanden übergehen. Es soll keiner mit dem Gefühl nach Hause gehen, dass er der einzige ist, für den ich keine Zeit hatte.
Zu meinem Glück werde ich zum Fahrstuhl begleitet. Das Personal stellt sicher, dass mir die Fans nicht folgen. Nach kurzer Zeit komme ich endlich an meinem Hotelzimmer an.

Anders als damals finde ich kein einsames, kaltes Zimmer vor, im Gegenteil, jemand wartet schon sehnsüchtig auf mich. Ich schließe das Zimmer auf und stelle meine Tasche ab. Kaum ist die Tür zu, schließe ich gleich wieder ab, damit wir auch ganz sicher nicht gestört werden.

Der erste, der mich begrüßt, ist Domingo. Mein kleiner Frohzirkus hat mich wohl schon im Gang gehört und offensichtlich sehr vermisst. Fröhlich und aufgeregt springt er auf und ab. Ich gehe in die Knie, um ihn zu streicheln.

„Hola, Domingo. Hast du mich vermisst? Ich hab dich auch vermisst, du kleiner Flohzirkus.“ Er stellt seine Vorderpfoten an mein Knie und streckt mir seine Schnauze entgegen. Als er mich ablecken möchte, nehme ich wie gewohnt etwas Abstand. „No. Selbst wenn du gut duftest, darfst du mich nicht ablecken. Das sollte endlich in deinen kleinen, wirren Kopf sickern.“
„Hey Sweetie“, begrüßt Calum mich. Ich sehe zu ihm nach oben. Er trägt einen der weißen, flauschigen Hotelbademäntel und lehnt an dem Bogen, der das kleine Vorzimmer mit dem Hauptraum unserer Suite verbindet.
„Du siehst aus wie ein glücklicher Eisbär“, begrüße ich meinen marido. Er lächelt etwas.
„Ich nehme das mal als Kompliment.“
„Es war eines. Der Hund duftet übrigens echt gut. Was hast du mit ihm angestellt?“
„Ach, die haben hier einen extra Salon für verwöhnte Promihunde. Verrückt oder? Er wurde gewaschen, gebürstet und seine Nägel wurden etwas gekürzt. Er hat sogar so ein Puder in sein Fell bekommen, dass er ein paar Tage frisch duftet.“ Calum hält sich ein Grinsen zurück. „Ich bin sicher, dass die für dich auch noch einen Termin haben.“
„Ay, cállate. Mach dich darauf gefasst, dass du für den Spruch noch einen Konter bekommst.“
„Ich freu mich darauf“, antwortet Calum grinsend.

Ich streichle Domingo und nehme ihn auf den Arm, wobei ich mich aufrichte. Der aufgeregte Chihuahua bekommt einen Kuss auf den Kopf. Mein marido tritt auf mich zu, er küsst meine Wange.

„Bevor ich dich überfalle oder die Mädchen streichle, muss ich unter die Dusche. Wenn ich in ihr Zimmer gehe, dann wecke ich sie mit meinem Gestank“, erkläre ich.
„Oh ja“, stimmt Calum mir belustigt zu. Er deutet auf die Badezimmertür. „Da geht’s lang, du Stinktier. Ich hab dir schon alles ins Badezimmer gelegt, was du brauchst.“
„Welch Service, vielen Dank, Baby.“

Im Vorbeigehen setze ich Domingo auf dem Bett ab. Mit einer Handgeste gebe ich ihm die Anweisung sitzen zu bleiben, damit er mir nicht gleich wieder folgt. Ich betrete das Badezimmer, anstatt dem Hund folgt mir nun Calum.

Schicht für Schicht lasse ich all meine Klamotten zu Boden fallen, in der Zwischenzeit dreht Calum mir das Wasser in der Dusche auf.
„Ich überlege echt, ob ich den Bademantel klauen sollte“, scherzt Calum grinsend. „Er ist so weich und kuschelig, dass ich gar nicht genug davon bekomme.“
„Du kannst ja ein paar Scheinchen zur Rezeption bringen und sagen, dass du ihn klaust und sie das Geheimnis nicht ausplaudern sollen. Ich bin ziemlich sicher, dass das jemanden zum Lachen bringt.“
Calum kuschelt sich in den Bademantel. „Am Ende der Tour hab ich dann um die 50 Bademäntel in meinem Gepäck“, macht er sich über sich selbst lustig. „Das wird dann mein neuer Style. Bademantel-Calum.“
„Fände ich gut, die kann man schnell ausziehen.“

Ich steige in die Duschkabine und reguliere das Wasser. Die Geruchswolke, die mir von meinem eigenen Körper entgegenkommt, wage ich nicht zu beschreiben. Das Duschgel kann gar nicht früh genug meine Haut berühren. Bevor ich mir die Haare Wasche, seife ich meine Achseln und meinen Intimbereich ein.

Calum sagt irgendwas, doch ich verstehe ihn nicht so genau. Dass das Wasser so laut ist, unterschätzt mein Liebster. Er sieht mich an, als würde er auf eine Antwort oder zumindest eine Reaktion von mir warten.

„¿Qué?“, frage ich laut nach.

Er öffnet die Glastür. „Ich hab gesagt, dass es einige, tolle, vegetarische Gerichte auf der Karte gibt. Ich hab schon mit dem Zimmerservice telefoniert und mich nach weiteren Alternativen erkundigt. Die Küche wäre nicht abgeneigt, dir alles, was du willst, zuzubereiten.“
„Klingt gut.“
„Die Kinder und ich hatten Burger. Frische, leckere Burger mit verschiedenen Pommes Frites. Ich würde dir ja von dem knusprigen Speck vorschwärmen, aber das würde… ja genau der Gesichtsausdruck. Das meine ich.“
Natürlich bin ich von knusprigem Speck unbeeindruckt. „Mach die Tür zu, Baby, es wird kalt.“
Calum mustert mich von oben bis unten. „Also ich finde den Anblick äußerst heiß.“
Grinsend spritze ich Calum etwas Wasser ins Gesicht. „Raus.“
„Hey. Du darfst mir nur ins Gesicht spritzen, wenn die Mädchen nicht da sind.“
„Also ich sehe keine Mädchen“, antworte ich grinsend, dabei schließe ich die Kabine wieder.

Auf der anderen Seite des Glases zeigt Calum mir die Zunge. Er dreht sich um und wackelt etwas mit dem Hintern. Sehnsüchtig blicke ich ihm hinterher, als er das Badezimmer verlässt. Selbst im Bademantel ist er unwiderstehlich…

In Windeseile sorge dafür, dass ich wieder gut dufte und meine Haare gewaschen und gebürstet sind. Ich schlüpfe in eine Boxershorts und den Bademantel, den Calum mir ins Badezimmer gelegt hat. Mein marido hat Recht, die Dinger sind verdammt flauschig. Ich selbst wäre auch nicht abgeneigt den Bademantel zu klauen. Für den kalten Winter wäre so ein kuscheliger Bademantel bestimmt keine schlechte Idee.

Zurück im Hauptzimmer unserer Suite erblicke ich Calum, der gerade die Speisekarte des Zimmerservices studiert. Sein Gesichtsausdruck verrät mir, dass er noch unschlüssig ist, was er essen möchte.

„Da hat wohl jemand Lust auf einen Mitternachtssnack bekommen“, ziehe ich ihn auf.
„Ja“, antwortet er. „Erst wollte ich die Minibar plündern, aber dann dachte ich mir, dass ein Stück Kuchen eine bessere Wahl wäre als ein Schokoriegel. Die Süßspeisen sind nicht von dieser Welt, aber wenn ich mich um die Mädchen kümmere, muss ich ja ein Vorbild sein. Da kann ich nicht nur Zucker konsumieren.“
„Sehr schlau.“
„Ich schätze ich weiß schon, was ich will.“ Calum sieht mich an. „Wenn du hier sitzt und ich dir beim Essen zusehen muss, ist das ja auch blöd.“ Er reicht mir die Speisekarte. „Ich hab die vegetarischen Gerichte mit meinem Lesezeichen markiert.“
„Gracias, mi amor.“

Ich lasse mich mit einem ausgelassenen Stöhnen auf das Bett sinken. Sofort richte ich das Kissen und mache mich breit. „Ich bin fix und fertig…“ Domingo leistet mir zufrieden Gesellschaft. Er hat wie ein braves Schoßhündchen auf mich gewartet und kuschelt sich nun gegen meine Schulter.
„Gut, dass ihr ein paar Tage frei habt, nicht?“
„Naja, frei…“, antworte ich, als ich die Karte auf der markierten Seite öffne. „Morgen können wir ausspannen, übermorgen sind wir doch in dieser Late Night Talk Show…“ Ich schmiege mich etwas an Domingo, der ausgelassen ausatmet, als könnte er jetzt in Ruhe schlafen, da ich endlich ‚zu Hause‘ bin.
Calum nickt, ehe er mir antwortet: „Oh, hab ich ganz vergessen. Danach habt ihr ja wieder einen Tag frei und dann geht die Reise weiter.“
„Mhm, ist recht locker diese Woche“, stimme ich ihm zu. „Manchmal vergesse ich richtig, wo wir eigentlich sind, vor allem wenn die Termine etwas enger liegen.“
„Gut, dass es Cassie gibt, die fragt mich immer, wo wir sind und noch besser, dass es GPS gibt, denn so kann ich ihr die Frage tatsächlich beantworten“, erzählt Calum schmunzelnd.

Mein marido setzt sich zu mir auf das große Bett. Er lächelt mich an und legt meine Füße auf seinen Schoß. Während ich die Karte studiere, beginnt Calum damit, einen meiner Füße zu massieren.

„Wie komme ich zu dieser Ehre?“, frage ich ihn, dabei lasse ich die Speisekarte sinken, um ihn ansehen zu können.
„Du hast heute sehr hart gearbeitet, du verdienst ein wenig Entspannung und ich für meinen Teil wurde schon von einem Masseur geknetet.“
„Das klingt ja fast verdächtig“, stelle ich skeptisch fest.
„Kein Grund zur Eifersucht, ich hab dir für morgen Abend auch einen Termin gemacht. Aber jetzt kümmere ich mich mal um deine Füße. Sie sollten dich immerhin noch zu den Mädchen tragen können.“
„Da haben wir ja schon den Haken an der netten Behandlung. Ich muss noch einmal aufstehen.“

Jetzt wo ich liege, fühlt es sich an, als wäre es eine unmögliche Aufgabe, wieder aufzustehen, doch ich überwinde mich dazu. Nicht nur ich bedauere es, das weiche Bett zu verlassen, auch Domingo wirkt etwas enttäuscht, als ich ihn auf dem Bett zurücklasse. Ich zeige meinem Liebsten, was ich gerne essen würde, ehe ich mich in das Schlafzimmer begebe, in dem die Kinder schlafen.

Lucía und Cassie teilen sich ein großes Doppelbett. Ich setze mich erst neben Cassie, da sie näher an der Tür liegt. Der Lichtstrahl, der von draußen in das Zimmer dringt, erhellt den Raum gut genug, sodass ich meine Tochter sehen kann. Cassie schläft tief und fest. Ich streichle durch ihre blonden Haare und beuge mich vor, um ihre Stirn zu küssen.

Wieso kann meine freche Prinzessin nicht immer so still und brav sein? Nicht von ständigen Fragen gelöchert zu werden, kann ich mir kaum vorstellen, wenn ich meine Tochter ansehe. Ich bin sicher, dass sie auch morgen wieder ihren großen Durst nach Wissen stillen möchte. Ich bin sicher, dass uns dafür ein paar gute Ausflugsziele einfallen. Ein Museum wäre vielleicht keine schlechte Idee.

Ich streichle Cassies Bauch ein wenig und sehe ihr eine Weile beim Schlafen zu, ehe ich die Seite wechsle und mich zu Lucía setze.

Eine von ihren Haarsträhnen hat sich aus ihren Zöpfen gelöst. Ich streiche diese Strähne aus ihrem Gesicht, um auch Lucías Stirn küssen zu können. In ihrem Arm befindet sich ein Stofftier, das Alison, unsere Nanny, für sie gemacht hat. Das Stofftier ist einer der Zeichnungen ihrer ‚imaginären Freunde‘ nachempfunden.

Auch Lucía streichle ich eine Weile, ehe ich aufstehe, um das Zimmer zu verlassen. Ich würde ja mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen, doch ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich nicht sogar den Zimmerservice verschlafen würde, wenn ich mich zu ihnen legen würde. Wie anstrengend so ein Konzert sein kann, unterschätzt man gerne, da das Adrenalin einen immer in ungeahnte Höhen pusht.

Müde lasse ich mich wieder zu Domingo ins Bett sinken. Calum schnappt sich gleich wieder meine Füße, auch der Hund findet wieder seinen Platz an meiner Seite.

„Das Essen ist bestellt“, erzählt Calum.
„Gracias.“
„Schlafen die Mädchen?“
„Mhm… Tief und fest.“
„Ich hab Alison für morgen frei gegeben, weil wir ja ohnehin Zeit für die Kinder haben“, erzählt Calum mir, während er meinen Fuß massiert. „Und ich hab die Mädchen gebeten, dass sie dich morgen ausschlafen lassen. Wenn du bereit bist, gehen wir frühstücken und dann in die Stadt. Es gibt ein Spielzeugmuseum, das recht interessant wäre.“
Mit geschlossenen Augen genieße ich Calums Massage. „Klingt toll, Baby. Ich hab grade eben auch an ein Museum gedacht. Cassie würde das bestimmt gefallen. Ich würde aber lieber den ganzen Tag schlafen, wenn ich an meine aktuelle Müdigkeit denke…“
„Ach was“, unterbricht Calum mich. „Du wirst schon sehen. Nach ein paar Stunden Schlaf, einem guten Frühstück und literweise Kaffee bist du wieder so gut wie neu.“ Calum lässt meinen Fuß los und greift nach dem anderen, um mich weiter zu massieren. „Schlaf bloß nicht ein, Sweetie, du musst noch etwas essen.“
„Mhm, ich bin wach…“, antworte ich mit geschlossenen Augen.

Calum lässt von mir ab. Er klettert neben mich und drückt mir einen Kuss auf die Wange. Ich werde etwas angestupst. Er nervt mich mit Absicht, nur damit ich nicht einschlafe. Und es funktioniert. Als Calum mir das nächste Mal gegen die Wange stupsen will, schnappe ich mit dem Mund nach seinem Finger. Lachend nimmt er etwas Abstand, auch Domingo schreckt hoch. Damit hat keiner der beiden gerechnet.

„Okay, ich hör ja schon auf, aber du darfst nicht einschlafen“, erbarmt Calum sich.
„Ich versuche es, auch wenn es nicht leicht ist.“
„So 20 Minuten wirst du wohl noch wach bleiben müssen, dann sollte das Essen da sein“, erklärt er.

Müde sehe ich meinen marido an. Könnte sein, dass ich das hinbekomme. Bin mir aber nicht sicher, ob ich nicht doch einschlafe. Wenn ich liegen bleibe, schlafe ich definitiv ein, es sei denn…

„Was gedenkst du zu tun, um mich wach zu halten?“, frage ich lasziv nach.
„Hm… Wenn ich jetzt etwas mit dir anstelle, dann sind wir mittendrin, wenn der Typ vom Zimmerservice anklopft.“
„Oh, wie unpraktisch“, antworte ich grinsend. „Es wäre doch eine Schande, wenn uns jemand erwischen und die Sache etwas würzen würde.“
Ich kann ganz genau sehen, wie Calum mit den Augen rollt. „Geh lieber raus auf den Balkon und rauch eine Zigarette“, macht er mir einen Gegenvorschlag. „Die frische Luft wird dich wieder wachrütteln.“
„Du verführst mich also zum Tabakkonsum? Man sollte Denkmäler zu deinem Ehren vor jeder Zigarettenfabrik erbauen.“
„Haha, du Witzbold. Los, schwirr ab.“ Calum klopft mit seinen Händen gegen meine Beine. „Los, aufstehen.“
„Aufstehen ist so anstrengend…“
„Tja, du wirst eben alt. Gewöhn dich daran, du bist immerhin derjenige, der wieder zurück auf die Bühne wollte.“
„Mhm…“ Ich schließe meine Augen erneut, doch dann werde ich wieder angestupst. „Ich erkenne gerade, dass das nur etwas für junge Leute ist.“
Als ich meine Augen öffne, bemerke ich dezente Schadenfreude in Calums Gesicht. Mein marido grinst mich allerdings breit an, anstatt mir seinen Spruch reinzudrücken. Gute Entscheidung.

Ein hoffentlich letztes Mal lasse ich das Bett hinter mir. Kaum stehe ich auf, springt auch Domingo aus dem Bett. Ich hole meine Metallbox aus meiner Tasche und begebe mich auf den Balkon. Begleitet werde ich von niemand geringerem als Domingo. Für das Drehen meiner Zigarette setze ich mich auf die bequemen Loungemöbel. Domingo möchte zu mir nach oben, doch ich bin kein Fan davon, dass er meinen Passivrauch abbekommt, also muss er sich zu seinem Leidwesen mit meinen Füßen zufrieden geben.

„Du machst immer so einen Stress, Hund. Cálmate, Domingo.“

Als die Zigarette brennt, stehe ich wieder auf. Ich lehne mich an das Geländer und überblicke mein Umfeld. Auf der Straße kann ich Paparazzi erkennen. Es ist wohl unendlich spannend, wie ich hier oben stehe und eine Zigarette rauche. Vielleicht warten sie darauf, dass ich mit einer Nutte Sex habe, mich vollgedröhnt in den Tod stürze oder mir mit Calum ein lautes Wortgefecht inklusive Handgreiflichkeiten liefere. Alles, was sie zu sehen bekommen ist jedoch ein müder Musiker, der die Wartezeit auf sein Abendessen mit einer Zigarette überbrückt.

Als Domingo sich an mein Bein lehnt, blicke ich hinunter. Mit großen Augen sieht er zu mir nach oben. Ich weiß genau, dass er sich nach meiner Liebe und Aufmerksamkeit sehnt, doch die bekommt er erst, sobald ich fertig geraucht habe.

„Ich bin gleich fertig, okay?“, erkläre ich dem Hund. „Wenn ich ausgeraucht habe, dann nehme ich dich hoch und überschütte dich mit Liebe.“ Der Geduldsfaden des Chihuahuas ist leider ungefähr so kurz wie meiner, also beginnt er zu bellen, da er nicht das bekommt, was er möchte. „Ay… Domingo“, spreche ich ermahnend. Ein Handzeichen reicht aus, um ihn zum still sein und sitzen zu bringen. „Wenn du nicht still bist, dann weckst du noch die Mädchen und ich komme heute gar nicht mehr ins Bett.“

Hinter mir öffnet sich die Balkontür. „Was macht der Idiot?“
„Aus der Tür heraus sehen“, antworte ich schlagfertig. Da hat er seinen Konter.
Calum verengt die Augen. „Tz, Arschloch.“
„Ich hab dir gesagt, dass du den Spruch zurückbekommst.“
„Ja, danke. Just for the records: Ich meinte Domingo.“
„Bellen. Er will Liebe.“
„Dann gib ihm die Liebe“, bittet Calum mich. „Ich will nicht, dass er die Mädchen aufweckt.“
„Bin ja schon dabei.“

Nach meinem letzten Zug drücke ich die Zigarette im Aschenbecher aus. Um die Qualen des armen, ungeliebten Chihuahuas zu beenden, nehme ich ihn auf den Arm und knuddle ihn. Ich schmiege meine Wange gegen Domingos Kopf. Der Hund ist schnell zufrieden gestellt.

„Rauchst du noch eine?“, erkundigt Calum sich.
„No, für heute bin ich versorgt.“
„Okay, dann lass ich ein bisschen offen“, meint er, als er die Tür ganz aufschiebt. „Frische Luft schadet nie.“

Ich gehe mit Domingo auf dem Arm auf und ab, dabei sehe ich über die Lichter der Stadt. Da das Hotel auf einem Hügel liegt, hat man einen wunderbaren Ausblick. Ein paar Minuten lasse ich alle Eindrücke auf mich wirken, doch selbst die klare Nachtluft hilft mir nicht, meine aufkommenden Kopfschmerzen zu verdrängen. Es wird Zeit, dass ich etwas Schlaf bekomme.

Ich setze Domingo auf dem Boden ab. „Vamos.“ Wir gehen wieder nach drinnen.
„Das trifft sich gut, ich wollte dich gerade holen.“

Das Essen steht bereits auf dem Tisch. Ich lasse mich müde in den gepolsterten Sessel sinken und beginne gleich damit, meinen Salat zu essen. Zu meinem Salat esse ich knusprige Brötchen mit etwas Kräuterbutter, während mein marido einen Schokoladekuchen mit flüssigem Kern und einigen Kugeln Vanilleeis, Schlagsahne und Schokoladensauce zu sich nimmt. So viel zum Thema Zucker.

Für eine Konversation bin ich zu müde. Auch Domingo liegt schon in seinem Körbchen und schnarcht vor sich hin. Nach dem kurzen Abendessen schleiche ich nur noch ins Badezimmer, um meine Zähne zu putzen, ehe ich auch schon ins Bett falle.

Es dauert noch einige Minuten, bis Calum mir Gesellschaft leistet. Er fährt den Essenswagen vor die Tür, besucht noch das Badezimmer und sieht nach den Kindern. Dass er die Balkontür noch schließt, höre ich ebenfalls. Als er sich endlich zu mir legt, bin ich schon im Halbschlaf, dennoch spüre ich die Küsse an meinen Lippen. An meinen Beinen spüre ich Domingos Pfoten. Er klettert über meine Beine, auf der Suche nach einem perfekten Platz zum Schlafen. Wahrscheinlich hat Calum ihn gerade auf das Bett gesetzt. Domingo rollt sich an meinem Bein ein und bettet seinen Kopf auf meinem Knie, während sich auch Calum an mich schmiegt.

„Gute Nacht, Trevor.“
„Mhm…“, antworte ich müde.

Hoffentlich halten die Mädchen ihr Versprechen und lassen mich ausschlafen, andernfalls bin ich morgen trotz Partyabstinenz ein wandelnder Zombie. Ich werde definitiv nicht jünger…

Mein marido streicht über meinen Brustkorb. Immer wieder bekomme ich sanfte Küsse. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er auf mehr als ein wenig Kuscheln Lust hat, doch ich bin zu geschafft für Action. Obwohl mein Kopf schon im Energiesparmodus läuft, notiere ich mir geistig, dass ich Calum noch eine heiße Nacht schulde.

„Ich liebe dich“, flüstert mein Liebster in die Stille. Es ist das letzte, was ich wahrnehme.

Zwischen uns war es nicht immer einfach, doch wir sind glücklich miteinander. Die vielen Höhen und Tiefen glätten sich immer mehr, wir pendeln uns wieder aufeinander ein. Ich bin froh, dass ich die Chance nach unserer Beziehungspause genutzt habe, um mich wieder zusammenzureißen. Wenn ich meine Versprechen nicht gehalten hätte, würde ich jetzt nicht die wohlige Wärme meiner Familie genießen, sondern in einem einsamen Hotelzimmer herumsitzen und alles dafür tun, mich besser zu fühlen.

Meine Familie mit auf Tour zu nehmen war die beste Entscheidung meines Lebens. Meine abuela hatte Recht. Ich kann alles haben, was ich mir wünsche und nun habe ich es und werde es nie wieder loslassen.
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