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Zurück zu den Wurzeln.

GeschichteDrama, Familie / P18 Slash
Farmer (männlich) OC (Own Charakter)
18.10.2019
15.07.2020
49
252.978
2
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16 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
15.07.2020 3.675
 
Author's Note
Alternatives Ende 2/3
Die alternativen Enden zu dieser Geschichte spielen x Monate nach dem Epilog und sind voneinander unabhängig.
Um Verwirrung vorzubeugen: Dieses Alternative Ende ist aus Calums Sicht geschrieben!



unos meses después…


«No hay mal que por bien no venga.»
Deutsches Sprichwort:
„Alles Schlechte hat auch seine gute Seite.“



„Ich hasse dich“, gifte ich meinen zukünftigen Ex-Mann an, als ich den Kugelschreiber an mich nehme, um die Scheidungspapiere zu unterschreiben. Endlich wird es offiziell.
„Ich weiß“, antwortet Trevor recht gleichgültig.

Schon seine Anwesenheit lässt das Blut in meinen Adern kochen. Und sein Outfit erst. Denkt er, dass er mit diesem Anzug irgendjemanden beeindrucken kann? Jedem, dem in den letzten Tagen eine Klatschzeitschrift untergekommen ist, ist zu genau bewusst, dass Trevor sich aktuell in einer Abwärtsspirale befindet. Und jedem, der einen Geruchssinn hat, steigt eine Mischung von Alkohol, Zigaretten und Gras in die Nase. Neben ihm zu sitzen ist wie eine Folter.

Auch Trevor setzt seine Unterschrift. Selbst seine geschwungenen Linien lösen Hass in mir aus. Ich wäre nicht abgeneigt ihm den Kugelschreiber in den Hals zu rammen, doch ich weiß ganz genau, dass er mehr leidet, wenn ich ihn in seinem einsamen, miserablen Leben dahinvegetieren lasse. Soll er doch an einer Überdosis krepieren.

„Du siehst die Mädchen nächstes Wochenende, vorausgesetzt du bist nüchtern“, verabschiede ich mich harsch, wobei ich schon aufstehe. Ich kann diesen dummen Hund kaum noch ansehen. Dem Anwalt gegenüber bin ich jedoch freundlicher gesinnt. Ich verabschiede mich und reiche ihm die Hand.

Ohne Trevor noch eines Blickes zu würdigen, verlasse ich das Büro. Er folgt mir mit einigen Metern Abstand, ich höre seine Schritte hinter mir im Gang hallen.

„Bringst du sie oder soll ich sie abholen?“, fragt Trevor nach, als hätte ich Interesse daran nach all der Scheiße, die mir dieser dumme Hund immer wieder zumutet, auch noch Smalltalk mit ihm zu führen. Ich wurde zu oft von ihm enttäuscht. Ich habe keine Lust mehr auf falsche Hoffnungen oder Versprechen, die niemals eingelöst werden.
„Ich will dich nicht auf meinem Grundstück haben“, antworte ich kalt. „Und dass sie mit dir in einem Auto sind, kommt gar nicht erst in Frage. Die Betreuerin wird sie zu dir fahren und Carly wird die Mädchen begleiten. Und ja, ich habe mit Absicht Carly gefragt, damit du vor Hass an deiner eigenen Galle erstickst.“
„Ich verstehe, dass du mich hasst, aber wir könnten wenigstens normal miteinander sprechen, wenn es um unsere Kinder geht… Es geht hier nicht mehr um unsere Beziehung, sondern darum, was das Beste für unsere Kinder ist.“
„Als ob du wüsstest, was das Beste für Lucía und Cassie ist…“

Wir bleiben vor dem Fahrstuhl stehen. Trevor drückt den Knopf. Demonstrativ blicke ich auf mein Smartphone. Schon im Büro habe ich gesehen, dass er immer noch den Ehering trägt. Entweder kann er nicht loslassen oder er will mich damit provozieren. Was es auch immer ist, ich darf mich nicht ködern lassen. Ich werde Trevor nie wieder verzeihen. Ich werde mich nie wieder von ihm einwickeln und im Anschluss verletzen lassen. Er hat mir lange genug wehgetan und mir das Leben erschwert. Es wird Zeit, dass ich an mich selbst denke und glücklich werde. Ich kann nicht darauf warten, dass er sich bessert, denn diese Veränderung wird niemals eintreten. Er würde mich immer und immer wieder verletzen, so wie er es in den letzten Jahren getan hat.

„Ich will dich nie wieder sehen…“, murmle ich.
„Es tut mir leid, dass es so enden muss.“
„Müsste es nicht, wenn du die Finger von den scheiß Drogen gelassen hättest“, antworte ich sauer. „Du hast unsere Ehe ruiniert, Trevor. Du ganz alleine. Du und dein scheiß Egoismus! Wie schwer kann es sein, seine scheiß Finger von scheiß Drogen zu lassen?!“

Meine laute Stimme schallt in dem Gang, indem wir uns nach wie vor befinden. Ich bin wütend, verdammt wütend. Das schlimmste ist jedoch, dass meine Wut vollkommen an Trevors eiskalter Fassade abprallt. Der Mann, den ich so lange so sehr geliebt habe, steht nun emotionslos neben mir. Ich habe mir so sehr gewünscht, dass es funktioniert. Alles, was ich wollte, war eine glückliche Familie. Doch mit diesem Menschen funktioniert es nicht. Ich habe es lange genug versucht und ihm unendlich viele Chancen gegeben, doch er ist nicht fähig, ein normales Leben zu führen. Ich bin froh, dass ich es jetzt endlich realisiert habe, bevor ich noch zehn weitere Jahre an diesen Menschen verschwende.

Als der Fahrstuhl hält, trete ich ein. Mit verschränkten Armen bleibt Trevor vor der Tür stehen. Gut so. Nie wieder will ich mir einen Fahrstuhl mit diesem dummen Hund teilen. Ich betätige den Knopf, sodass die Türen sich schneller schließen. Unsere Blicke treffen sich. Ich kann deutlich in seinen geröteten Augen sehen, dass er auch jetzt wieder high ist. Seine Augenringe verraten außerdem, dass er nicht besonders viel geschlafen hat. Eigentlich ist es für die Mädchen unzumutbar, ihren geliebten papá so sehen zu müssen. Vielleicht sollte ich den Kindern zuliebe das nächste Treffen unterbinden…

Wir sehen uns so lange an, bis die Türen geschlossen sind. Als mein Ex-Mann aus meinem Sichtfeld verschwunden ist, lehne ich mich an die Wand des Fahrstuhls und schließe verzweifelt meine Augen.

Ich kämpfe mit meinen Tränen, doch ich lasse mich nicht unterkriegen. Nicht von ihm. Ich habe mich schon viel zu oft und viel zu lange fertig gemacht, nur weil ich diese Ehe retten und Trevor ändern wollte. Irgendwann ist auch meine Geduld am Ende und diesen Punkt habe ich mittlerweile erreicht.

Glücklicherweise muss ich diese Scheiße nicht alleine durchstehen. Unten am Wagen wartet jemand auf mich, der mich wieder zum Lächeln bringt. Ashton hat mir schon Rückhalt gegeben, als ich eine Beziehungspause von Trevor brauchte. Er hat mir zugehört, mich aufgebaut und mir jeden Wunsch von den Augen abgelesen. Ich muss gestehen, dass wir lange in Kontakt geblieben sind, auch wenn ich einen Neustart mit Trevor versucht habe. Ich hatte ihn schon zu dem Zeitpunkt zu gern, um ihn wieder aus meinem Leben verschwinden zu lassen.

Dass zwischenmenschliche und vor allem romantische Beziehungen so einfach sein können, hatte ich beinahe vergessen. Ich hätte mich schon viel früher auf Ashton einlassen sollen, doch ich hatte Angst davor, meine Ehe zu beenden. Ich wollte nichts kaputt machen, in das ich so viel Zeit investiert habe.

Und meine Mädchen... Sie sollten nicht ohne Trevor aufwachsen, doch mittlerweile wird uns allen nichts Anderes übrig bleiben. Sie werden ihren geliebten papá jetzt nur noch jede zweite Woche sehen und selbst dann nur mit einer Betreuerin, die alles im Auge behält. Es hätte nicht so weit kommen müssen, doch Trevor hat alle Chancen verspielt. Wenn er sich doch nur zusammen gerissen hätte…

Die Scheidung war mein letzter Ausweg und jetzt, wo ich es hinter mich gebracht habe, fühle ich mich erleichtert. Trevor hat mir das Leben lange genug schwer gemacht. Soll er sich doch eine Überdosis reinziehen und in der Gosse krepieren. Wenn ich nicht so lange versucht hätte, ihn zu ändern, wäre er ohnehin schon seit Jahren tot…

Im Spiegel des Fahrstuhls überprüfe ich mein Aussehen. Ich bin ziemlich sicher, dass die Paparazzi irgendwo da draußen lauern, um sich an meiner gescheiterten Ehe eine goldene Nase zu verdienen. Wenn sie sich schon nicht aus meinem Leben heraushalten, muss ich dafür sorgen, dass man mir meine Gefühle nicht ansieht. Sie sollen nicht die Möglichkeit bekommen, Fotos von mir zu schießen, auf denen deutlich zu sehen ist, wie nah mir meine Scheidung geht. Die Medien werden sich ohnehin bei jeder Gelegenheit auf mich und meinen Ex-Mann stürzen und versuchen uns auszuquetschen. Die nächsten Monate werden nicht leicht, doch ich weiß, dass ich es durchstehen werde. Wie es mit Trevor aussieht, kann ich jedoch nicht sagen. Er nimmt es sehr schlecht auf, sonst hätte er den Ehering längst abgelegt…

Ich setze meine Sonnenbrille auf, als ich den Fahrstuhl verlasse. Erhobenem Hauptes verlasse ich das Gebäude und begebe mich zum Parkplatz, wo mich ein wunderbarer Mensch empfängt. Ashton ist genau der Mann, den ich all die Jahre aus Trevor machen wollte…

„Hey, Gorgeous“, begrüßt er mich mit einem Lächeln. Er reicht mir die Hand, die ich gerne annehme. Er zieht mich in seine Arme. Wir küssen uns zur Begrüßung. „Da ich wusste, dass du nach diesem bitteren Zusammentreffen etwas Süßes brauchst, war ich im Coffeeshop gegenüber und habe dir etwas besorgt.“ Er macht einen kleinen Schritt zur Seite, sodass ich die Tüte und die Kaffeebecher auf dem Autodach sehen kann.
„Das ist süß von dir, doch mir ist der Appetit vergangen.“
„So schlimm?“
„Mhm… Er war high und vollkommen emotionslos und irgendwie kalt… Dass er getrunken hat, hab ich auch deutlich gerochen, aber wenigstens hat er begriffen, dass ich mir mit ihm keinen Fahrstuhl teilen will. Wenn ich mit Trevor auf einem Quadratmeter eingepfercht wäre, müsste ich ihn wohl umbringen.“
„Verständlich. Hey, da vorne steht sein Auto.“ Mit dem Kopf deutet er nach rechts. Ich folge seiner Geste und erblicke tatsächlich Trevors Wagen. „Wenn du willst, hol ich meinen Baseballschläger aus dem Kofferraum und wir schlagen ihm das Rücklicht ein. Wenn wir schnell sind, können wir ihm auch die Luft aus den Reifen lassen. Dann sitzt er hier eine Weile fest und kann über sein Leben nachdenken.“
Mit diesem halbernst gemeinten Scherz muntert Ashton mich sofort wieder auf. „Du bist so albern. So sauer ich auch bin, ich will mich nicht auf so ein Niveau herablassen.“
„Ja, du hast Recht, wenn er high ist, dann schafft er es vielleicht so schon nicht aus der Parklücke. Nachdenken wird er jedoch wahrscheinlich nicht.“
„Jedenfalls nicht über sein Leben…“

Ashton gibt mir einen Kuss auf die Wange. „Also, Gorgeous.“ Er öffnet mir die Beifahrertür seines Autos. „…wenn dich was Süßes nicht aufheitern kann, dann wüsste ich noch eine zweite Möglichkeit, wie ich wieder ein Lächeln in dein bezauberndes Gesicht treiben kann.“
Ich steige ein. Kaum sitze ich bequem, schnalle ich mich an. Ashton reicht mir den Kaffee und die Tüte.
„Was für eine Idee hast du denn, Honey?“, erkundige ich mich interessiert.
„Wirst du schon sehen“, spannt er mich auf die Folter.
„Was?“, frage ich schmollend. „Du willst es mir nicht verraten?“
„Nö“, antwortet er grinsend. „Lehn dich zurück, genieß die Fahrt und lass dich überraschen.“

Ashton steigt auf der Fahrerseite ein. Heute lasse ich mich von meinem Freund fahren. Wenn ich so wütend und mies drauf bin, will ich lieber nicht am Steuer sitzen. Es reicht, dass meine Töchter einen drogensüchtigen papá haben, sie brauchen nicht noch einen Daddy, der im Krankenhaus liegt, weil er in einen Unfall verwickelt wurde…

Ich nehme die Kaffeebecher aus der Halterung aus Pappe und stecke einen davon in die Halterung zwischen uns. Dass ich den richtigen Becher erwischt habe, zeigt mir Ashtons Name, den der Barista auf die Außenseite des Bechers geschrieben hat.
Mit einem sanften Druck auf einen Knopf fährt eine weitere Halterung aus dem Armaturenbrett, in die ich meinen Becher stecke.

Noch bevor ich meinen Mund aufmache und fragen kann, antwortet Ashton: „Ich hab’s dir eben schon gesagt. Lass dich überraschen, Gorgeous.“
„Hör auf, meine Gedanken zu lesen.“
„Nein, das macht viel zu viel Spaß.“

Obwohl ich gesagt habe, dass ich nichts Süßes haben möchte, werfe ich trotzdem einen Blick in die Tüte. Ein Blick auf den Kuchen bleibt mir allerdings verwehrt, denn es kommt nur eine weitere Tüte zum Vorschein. Darunter befindet sich ein kleiner, pink bedruckter Karton, in der sich der Kuchen vor mir versteckt. Neugierig blicke ich wenigstens in die Tüte. Zum Vorschein kommen türkise und blaue Macarons. Ich lächle bei dem Anblick des bunten Gebäcks.

„Uhh, Macarons“, freue ich mich zufrieden.
„Du mochtest die Türkisen, richtig?“, fragt Ashton nach.
„Mhm. Du bist ein Schatz.“
„Ach was, das ist das mindeste, was ich heute für dich tun kann“, winkt er bescheiden ab. „Die Mädchen sind noch bei Carly, richtig?“
„Mhm, wieso?“
„Perfekt, das gibt uns genug Zeit für einen kleinen romantischen Ausflug ins Grüne.“
Ich überlege. „Bin ich dafür denn passend angezogen?“ Im Gegensatz zu Trevor bin ich zwar eher casual gekleidet zu meinem Scheidungstermin erschienen, doch ein weißes Hemd könnte für einen Ausflug ins Grüne doch etwas unpraktisch sein.
„Aber sicher doch“, antwortet Ashton, nachdem er mich kurz angesehen hat. Er konzentriert sich wieder auf den Verkehr, spricht dabei weiter: „Wir machen keine Bergwanderung, aber ich zeige dir einen geheimen Ort, an den ich mich bei schönem Wetter zurückziehen kann. Dort habe ich die Ideen zu meinen letzten Büchern bekommen. Die Atmosphäre lädt zum Abschalten und Träumen ein.“

Ich bin gerührt.

Das süße Gebäck lege ich etwas umständlich hinter Ashtons Sitz, ehe ich es mir wieder bequemer mache. Ich greife nach meinem Kaffee und trinke ein wenig davon.

„Du nimmst mich wirklich mit an deinen Rückzugsort?“
„Nun… wenn wir beide in den kommenden Monaten ernst machen, dann sollst du wissen, wo ich mich in meiner Freizeit rumtreibe, wenn ich nicht zu erreichen bin. Außerdem bin ich mir ziemlich sicher, dass du den Ort wertschätzen kannst. Du bist der erste, den ich einlade, mich zu begleiten.“ Ich lege meine Hand an Ashtons. Er hebt sie an und küsst meinen Handrücken. „Du bedeutest mir unheimlich viel, Calum.“
„Du mir auch…“
„Ich bin froh, dass wir Zeit miteinander verbringen können.“
„Das ist süß von dir. Ich hoffe, es ist okay für dich, wenn wir uns noch etwas Zeit lassen. Die Scheidung und Trevors Absturz sind für meine gesamte Familie wahnsinnig hart, dann noch die Medien, die sich auf mich stürzen, die Mädchen, die noch nicht ganz verstehen, wieso Trevor und ich uns getrennt haben… Das Timing ist…“
In seinem Gesicht kann ich ein Lächeln erkennen. „Es ist okay, Calum. Ich verstehe, was du durchmachst und ich möchte das Chaos nicht schlimmer machen. Ganz im Gegenteil, ich wäre viel lieber der Ruhepol, an den du dich zurückziehen kannst, sollte dir alles andere zu anstrengend werden. Und wenn du bereit bist, mir deine Mädchen vorzustellen, dann bin ich es auch.“
„Du bist echt süßer, als du sein dürftest…“
„Dass das ausgerechnet aus deinem Mund kommt“, antwortet er schmunzelnd.

Die Fahrt dauert zwar eine Weile, doch Ashton parkt schließlich an einem Waldrand. Unsere mittlerweile leeren Kaffeebecher werfen wir in einen Mülleimer. Aus dem Kofferraum holt Ashton noch einen Rucksack. Die Süßigkeiten, die er für mich besorgt hat, packt er vorsichtig ein. Ich warte geduldig auf ihn und sehe mich in der Zwischenzeit kurz um. Auf den ersten Blick wirkt der Waldrand sehr gewöhnlich, doch es scheint hier ganz nett zu sein. Hand in Hand spazieren Ashton und ich den Waldweg entlang. In mehr oder weniger regelmäßigen Abständen sind die Bäume mit einer roten und blauen Farbmarkierung versehen, damit man den gewählten Wanderweg nicht aus den Augen verliert.

Vögel zwitschern über uns. An den Bäumen sprießen die ersten Knospen und Blätter. Der Frühling erweckt den Wald wieder zum Leben. Es ist zwar etwas kühl, allerdings schon warm genug, um nicht zu frieren.

„Wie hast du das Plätzchen gefunden?“, erkundige ich mich interessiert.
„Durch Zufall. Ich bin öfter im Wald, um einen klaren Kopf zu bekommen, wenn ich am Vortag lange wach war, um zu schreiben. Ich liebe es zu wandern. Die frische Luft und die Orte, die ich entdecke helfen mir sehr dabei, kreativ tätig zu sein. Jedenfalls war ich nach einer längeren Schreibsession hier spazieren und habe mitbekommen, dass eine Frau ihren Hund sucht. Sie war schon ziemlich verzweifelt und ich habe ihr bei der Suche geholfen. Das war so ein kleiner Frechdachs, kaum größer als euer Domingo. Ich habe ihn gefunden und im Dickicht verfolgt. Der Frechdachs hat mich dann zu einer Lichtung geführt.“ Ashton zieht etwas an meiner Hand, wir verlassen tatsächlich den Weg. Es ist nicht mal so, dass wir einen Trampelpfad nutzen, nein wir schlagen uns durch einige noch beinahe kahle Büsche. „Ich hab den Hund geschnappt und zur Besitzerin zurückgebracht, aber die Lichtung ist mir nicht aus dem Kopf gegangen und da habe ich sie noch einmal auf eigene Faust erkundet. Pass auf, wo du hintrittst, Calum.“
„Leichter gesagt, als getan.“

Ich löse meine Hand von der Ashtons und kämpfe mich durch die Äste. Doch kaum haben wir das Gebüsch hinter uns gelassen, kommen wir auf einer Lichtung an. Es ist unmöglich nicht zu lächeln. Auch wenn die Lichtung etwas verwildert ist, das Gras noch nicht durchgehend grün ist und auch das Schilf am Rande des kleinen Teichs braun und vertrocknet ist, hat der Ort etwas Magisches an sich. Ashton greift wieder nach meiner Hand und führt mich an den Rand des Teiches.

„Gib mir einen kleinen Moment, um dich zu verzaubern, Gorgeous“, bittet er. Sein Rucksack sinkt zu Boden. Die Tüte mit den Süßigkeiten, die ganz oben auf liegt, nimmt er zuerst heraus. Er reicht sie mir und zieht im Anschluss schon eine Decke heraus. Ich staune nicht schlecht, als auch noch eine Flasche Wasser und eine Thermoskanne folgen.
„Du hast das ja richtig geplant“, erklinge ich überrascht. „Awww, du bist so süß. Womit hab ich das eigentlich verdient?“
„Ich wollte dich um jeden Preis lächeln sehen“, erklärt er, wobei er gerade die Decke ausbreitet. „Setz dich, Calum. Ab heute bist du ein freier Mann und ich schätze, dass du diese neugewonnene Freiheit erstmal in vollen Zügen feiern und genießen solltest.“
„Oh ja und wie ich das tun werde“, antworte ich schmunzelnd. Ich lasse mich auf die Decke sinken und beuge mich gleich zu Ashton, um ihm einen sanften Kuss zu geben. „Danke für alles, Honey.“
„Nicht dafür.“

Das Picknick auf der Lichtung lässt mich tatsächlich den Stress des Alltags vergessen. Ich habe das Gefühl, dass ich den Groll, den ich gegenüber meinem Ex-Mann hege, verfliegen lassen kann. In meinem Kopf macht sich der Gedanke breit, dass ich mit all dem Negativem abschließen kann und in eine neue, positive Zukunft blicken kann.

Ich sehe zu Ashton, der mir etwas Tee in einen Becher einschenkt. Mit einem Lächeln reicht er ihn mir.

Ashton könnte diese positive Zukunft sein…
Er hat alles, was ich mir von einem Partner wünsche…

Ich nehme den Becher an und atme tief durch. „Ich wünschte, ich könnte die Zeit für einen Moment anhalten und alles andere um mich herum vergessen.“
„Das lässt sich einrichten“, erklärt Ashton schmunzelnd. Er nimmt mir den wieder Tee ab und stellt ihn zur Seite. Kaum hat er das getan, platziert er sich hinter mich. Mit vorsichtigen Bewegungen streift er meine Lederjacke von meinen Schultern.
„Sag bloß du willst mich hier verführen…“
„Nein, so ein Unsinn“, antwortet Ashton hörbar irritiert. „Schließ einfach die Augen, Calum. Im Moment geht es nur um dich und deine Entspannung. Genieß es.“

Ashton verschiebt den Kragen meines Hemdes ein wenig. Ich bekomme einen sanften Kuss in den Nacken und schon spüre ich seine kräftigen Hände an meinen Schultern. Eine Massage genießen zu können und dabei sicher zu sein, dass es nicht nur ein Vorspiel zum Sex ist, kommt mir fast unwirklich vor. Ich atme die Waldluft tief ein. Zufrieden schließe ich die Augen. Ich kann verstehen, wieso er sich nach einer langen Nacht vor dem Bildschirm nach einem Ort wie diesem sehnt.

Es fühlt sich tatsächlich beinahe so an, als würde die Welt für einen Moment still stehen. Heute habe ich einen wichtigen Schritt getan. Ich will mit diesem Tag all den Ballast der letzten Jahre loswerden und mich einer unkomplizierteren Zukunft widmen.

Obwohl Trevor und ich viel durchgemacht haben und unsere Ehe mit einer Scheidung enden musste, habe ich vieles aus dieser Beziehung gelernt. Zum einen, dass man einen Menschen nicht ändern kann und zum anderen weiß ich jetzt, was ich mir vom Leben nicht wünsche. Ich weiß, was ich will und ich weiß, dass ich etwas Besseres verdient habe. Ich habe es verdient, liebevoll behandelt und umsorgt zu werden. Ich habe einen Partner verdient, auf den ich mich verlassen kann. Ich muss mich nicht mit jemandem abfinden, der mich immer wieder enttäuscht und mich mit falschen Versprechungen bei Laune hält.

Mein neues Leben startet heute und ich muss gestehen, dass ich es schlechter treffen hätte können.

Ashton legt seine Arme um mich, er drückt mich etwas und küsst meine Wange.
„Du kümmerst dich so lieb um mich. Ich weiß nicht, wie ich das jemals wieder gutmachen kann.“
„Gar nicht. Liebesbeweise sind nicht wie ein Kredit, den man zurückzahlen muss“, erklärt Ashton liebevoll.
„Du bist so weise…“

Zufrieden schmiege ich mich an Ashton, auch er lehnt sich an mich. Ich überblicke den Teich und lasse den Gesang der Vögel und den sanften Wind im trockenen Schilf meine negativen Gedanken davontragen.

„Ich hab noch eine kleine Überraschung für dich, Calum.“
„Eine Überraschung?“, frage ich nach. Ashton nimmt seine Arme von mir. „Was für eine Überraschung?“
„Du bist so ungeduldig. Das ist niedlich“, zieht er mich auf, doch dann zeigt er mir sein Smartphone. Auf dem Bildschirm ist ein Hundewelpe zu sehen. „Ich habe jemanden gefunden, der einen neuen Daddy sucht.“
„Oh. Nein, du hast mir keinen Hund gekauft, oder?“, frage ich erschrocken. Voller Entzückung blicke ich auf das Foto des Welpen. „Awww, er ist so süß.“
„Er ist ein Bordercollie-Schäferhund-Mix.“
„Wie hast du das gemacht? Genauso einen wollte ich haben, aber Trev-“
„Ich höre zu“, unterbricht er mich. „Sein Name ist Monty und er wäre in vier Wochen abzugeben.“
„Wann darf ich ihn kennenlernen?“, frage ich aufgeregt. Ich nehme ihm das Smartphone ab und betrachte die Fotos, die Ashton von Monty gespeichert hat. „Yoba, ist der süß.“
„Wenn du möchtest, rufe ich an und mit ein bisschen Glück können wir ihn heute noch besuchen.“
„Das wäre so toll“, freue ich mich aufgeregt. Ich drehe mich stürmisch um und nehme Ashton fest in den Arm. „Danke.“ Hinter seinem Rücken betrachte ich noch einmal eines der Fotos von dem kleinen Monty.

Das ist der Start, den ich mir für mein neues Leben gewünscht habe!
Das erste Mal seit langem sehe ich einer Zukunft ohne Zweifel und Ängste entgegen. Als Ashton erneut meine Wange küsst, schließe ich zufrieden meine Augen. Ich bin mir sicher, dass ich mich für das richtige entschieden habe.

Ich kann mein neu gewonnenes Glück kaum mit Worten beschreiben.
Alles ist perfekt, so wie ich es mir immer gewünscht habe.
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