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Zurück zu den Wurzeln.

GeschichteDrama, Familie / P18 Slash
Farmer (männlich) OC (Own Charakter)
18.10.2019
15.07.2020
49
252.978
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Dieses Kapitel
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19.04.2020 5.407
 
capítulo 33
tiempo para pensar. V

Es gibt beinahe unendlich viele Dinge, die ich bereue. Die letzte Nacht gehört definitiv nicht dazu. Richie und ich liegen selbst am späten Morgen noch zusammen auf der Couch. Er kuschelt sich an meine Brust, ich bin mir nicht sicher, ob er noch schläft oder einfach nur den Moment genießt.

Wenn ich Calums Anruf angenommen hätte, hätte ich die ganze Nacht damit verbracht, mit ihm über uns, unsere Ehe und unsere Familie zu sprechen. Eigentlich ist es das, was ich mir gewünscht habe und worauf ich seit Tagen gewartet habe, doch ich habe den Anruf schlicht ignoriert, so wie Calum mich tagelang ignoriert hat. Meine Entscheidung hat allerdings nichts damit zu tun, es ihm heimzuzahlen…

„Bist du wach?“, frage ich leise, dabei streiche ich über Richies schlanken Körper.
„Mhm… Lass mich bitte nicht los… am besten nie wieder…“
„Wie fühlst du dich?“
„…schuldig.“

Ich seufze.

„Das musst du nicht. Es war meine Entscheidung. Ich wollte es und du konntest nichts tun, um meine Meinung zu ändern.“
„Wenn ich nicht geweint hätte, dann hättest du mit Calum gesprochen, anstatt die Nacht mit mir zu verbringen…“
„No“, antworte ich bestimmt. „Ich hätte seinen Anruf verschlafen.“
„Er ist bestimmt sauer…“
„Wieso sollte er?“, frage ich nach. „Er war derjenige, der die Pause wollte. Ich bin ihm nichts schuldig, schon gar nicht wenn er mich nachts anruft. Was erwartet er? Dass er anruft und ich lasse alles fallen, nur um mit ihm zu sprechen? Im Moment sind wir auf seinen Wunsch hin getrennt, er hat mir nichts zu sagen und ich bin ihm nichts schuldig.“
„Aber du hättest wenigstens rangehen können. Du hättest ihm sagen können, dass du keine Zeit hast oder zu müde bist, um mit ihm zu reden…“
„Er hat locker 50 meiner Anrufe abgeblockt. Selbst nach letzter Nacht sind wir lange noch nicht quitt…“, entgegne ich.

Ich löse mich etwas von Richie, nur um mich dann seitlich hinzulegen. Seine blauen Augen sehen in meine, ich lächle ein wenig. Ich beuge mich nach vorne und küsse liebevoll seine Stirn. Zufrieden schmiegt Richie sich wieder an mich. Er gibt einen wohligen Seufzer von sich.

„Es hat uns beiden gut getan und ob Calum es stört, dass ich ihn ignoriert habe, ist mir vollkommen egal“, schließe ich diese Unterhaltung bestimmt ab.

Ich bin sicher, dass ich mich richtig entschieden habe.
Manche Bedürfnisse gehen einfach vor…



Einem ehrlichen, klärenden Gespräch mit Calum komme ich nicht aus, das möchte ich auch gar nicht. Es ist auch in meinem Interesse, die Fronten zu klären. Mit Kaffee und meiner Metallbox sitze ich auf der Veranda. Auch heute ist das Wetter nicht besonders prickelnd, doch das hält mich nicht davon ab, hier draußen zu sitzen. Selbst wenn Calum und die Mädchen weg sind, will ich das Haus rauchfrei halten. Um meine Hüfte habe ich eine Wolldecke gelegt, sodass mir nicht an den Nieren kalt wird, während ich mit meinem marido telefoniere.

Ob er meinen Anruf heute entgegen nimmt, ist natürlich wieder eine andere Sache. Ich schätze, dass es eine fünfzigprozentige Chance gibt, dass er rangeht. Entweder er sehnt sich nach mir oder er ist sauer, weil ich seinen Anruf nicht abgenommen habe. Die Entscheidung wird durch die Gefühle bestimmt, die aktuell die Überhand haben. Ich versuche jedenfalls mein Glück. Von Calum abgewiesen zu werden ist für mich nicht mehr neu, also wird eine eventuelle Enttäuschung ausbleiben…

Ich tippe auf mein Display. Calums Nummer ist schnell gefunden und auch gewählt. Das Foto von uns, das auf dem Display erscheint, kommt mir wie eine Verhöhnung vor. Ein Abbild von uns als glückliches Paar zu sehen hilft meiner seltsamen Gefühlswelt überhaupt nicht.

Richie setzt sich ebenfalls zu mir nach draußen. Er ist in eine Kuscheldecke gewickelt. Bei sich in der Decke trägt er Domingo. Seit letzter Nacht verfolgt Richie mich, als wäre er mein Schatten, doch das ist okay. Ich weiß, dass er bei der kleinsten Art von Zuneigung klammert. Nach letzter Nacht ist es nur logisch, dass er mich nicht mehr aus den Augen lassen möchte.

Ich aktiviere den Lautsprecher, sodass ich mir nebenbei eine Zigarette drehen kann. Es dauert ein wenig, doch mein marido nimmt den Anruf an.

„Hey Trevor, guten Morgen.“
„Buenos días“, begrüße ich Calum.
„Danke, dass du zurückgerufen hast. Es war gestern doch ein bisschen zu spät. Ich dachte eigentlich, dass du noch wach bist“, erklingt mein marido aus dem Lautsprecher. Ich bilde mir ein zu hören, dass er nicht ganz ausgeschlafen ist.
„Ich war letzte Nacht verhindert“, antworte ich ehrlich. „Der Zeitpunkt war ziemlich unpassend.“
Calum braucht einige Sekunden, um mir zu antworten: „Hätte mir klar sein müssen, dass du nicht alleine bist. Hast du Zeit zum Reden? Du klingst, als wärst du kurz angebunden. Willst du vielleicht später über alles reden?“
„No, alles okay. Ich bin gerade draußen. Richie ist auch da. Du bist übrigens auf Lautsprecher, damit ich rauchen kann.“

Ich lecke über mein Pape, ehe ich meine Arbeit abschließe. Die erste Zigarette am Morgen ist immer die beste. Sie hilft mir, das Gespräch etwas lockerer zu nehmen. Auch wenn ich versuche zu klingen als würde es mir leicht fallen, mit Calum zu reden ist das Gegenteil der Fall.

„Oh. Hi Richie. Geht’s dir gut?“
„Hey Calum“, begrüßt der Blondschopf seinen Cousin. „Es ist alles okay würde ich sagen. Wollt ihr lieber alleine reden? Dann geh ich weg.“
„Wie du magst, mich stört es nicht“, erklärt Calum.
„Okay, dann bleibe ich.“

Ich zünde meine Zigarette an und nehme den ersten Zug. „Wie geht es den Mädchen?“, erkundige ich mich. Die Frage beschäftigt mich am meisten. Dass ich diese kleinen Monster so sehr vermisse, hätte ich nicht gedacht.
„Gut, gut“, antwortet Calum mir. „Sie vermissen dich wirklich sehr und sie haben jeden Tag nach dir gefragt. Es tut mir leid, dass ich nicht zugelassen habe, dass sie mit dir telefonieren. Das war nicht fair von mir. Sie haben sich sehr über die Fotos gefreut.“
„Mhm… Ich hoffe, dass sich das ab heute ändert und ich sie zumindest anrufen darf. Sie fehlen mir wirklich sehr…“
„Aber natürlich, wie gesagt, es tut mir sehr leid, das war dumm von mir“, wiederholt Calum seine Entschuldigung.
„Hm…“
„Und… was hast du so getrieben in den letzten Tagen?“, hakt Calum nach.
„Nicht viel. Mit wem hast du es getrieben auf deinem Selbstfindungstrip? Was ist mit dem Kerl der deine Persönlichkeit schätzt? Wo war er letzte Nacht? Ist er dir schon zu langweilig, dass du dich wieder bei mir melden kannst?“, frage ich provokant. Der Kerl ist mir mittlerweile egal, dass Calum mich ignoriert und mir den Kontakt zu meinem Mädchen verweigert hat, ärgert mich dafür umso mehr.
„Trevor, bitte…“ Ich höre ein tiefes Seufzen seinerseits. „Ich wollte nicht mit dir streiten, sondern über unsere Ehe reden. Ich möchte, dass wir das alles wie Erwachsene regeln.“
„Also ist aus dem Typen nichts geworden…“
„Könntest du bitte aufhören, darauf herumzureiten?“
„Wenn du auch aufhörst, auf ihm zu reiten, gerne“, antworte ich grinsend. Ich nehme einen tiefen Zug meiner Zigarette, atme dann den Rauch wieder aus.
„Okay. Gut. Wenn du dieses Gespräch nicht ernst nehmen kannst, dann lege ich auf und wir kommunizieren nur noch durch Anwälte“, droht Calum mir genervt. „Ich meine es ernst. Wenn dir unsere Ehe nichts bedeutet, dann-“
„No, no. Bitte sprich“, unterbreche ich seine Drohung. „Sag mir, was du mir letzte Nacht sagen wolltest.“
„Ich…“ Calum zögert etwas. „Du hast mir gefehlt, Trevor.“ Ich blicke zu Richie, dann wieder zum Display, ehe ich wieder die trübe Aussicht über unser Grundstück genieße. „Ich wollte hauptsächlich deine Stimme hören und dir sagen, dass du mir fehlst. Wenn du beschäftigt warst, hab ich dir wohl nicht so gefehlt…“
„Doch das hast du. Du fehlst mir sogar sehr. Warum denkst du habe ich dich mit Anrufen bombardiert? Garantiert nicht, um mit dir zu streiten“, entgegne ich, ziehe dann wieder an meiner Zigarette. „Du hast mir jede einzelne verdammte Nacht gefehlt. Und ich rede jetzt nicht von Sex, sondern von deiner Anwesenheit. Ich war so einsam, dass ich sogar Domingo im Bett schlafen habe lassen. …und dieser verdammte Flohzirkus schnarcht mir mit großer Vorliebe ins Ohr.“
„Hm“, erklingt Calum. Ich kann hören, dass er sich etwas amüsiert. „Domingo darf also im Bett schlafen. Gibt es sonst noch Änderungen in deinem Leben?“
Ich zucke mit den Schultern. „Könnte sein, dass ich bald ein geschiedener Mann bin, aber sag du es mir“, bitte ich ihn.
„Nun ja, das kommt darauf an, was du willst. Ich für meinen Teil möchte zurückkommen, aber unsere Ehe wird nicht so laufen, wie sie bis jetzt lief. Ich will, dass sich unser Leben drastisch verbessert. Ich will nicht ständig streiten, ich will nicht mehr darüber diskutieren, ob du mit Fremden Sex haben darfst oder nicht und ich will mir nie wieder anhören müssen, dass du unsere Kinder für dumm hältst.“
„…das ist nichts Persönliches, alle Kinder sind dumm, Calum“, antworte ich, ohne groß zu überlegen.

Ich äschere in den Aschenbecher und nehme den letzten Zug, ehe ich meine Zigarette ausdrücke. Dass ich für diese Aussage eine auf den Deckel bekomme, ist mir mehr als klar.

„Das tut nichts zur Sache. Denk dir doch einfach mal deinen Teil, anstatt ihn in die Welt zu posaunen. Man kann auch einfach mal die Fresse halten, verstehst du?“, fährt Calum mich etwas aggressiver an.
Ich rolle mit den Augen. Genervt antworte ich: „Wenn wir schon bei vielen neuen Regeln sind. Was gedenkst du zu ändern, mein Liebster? Denkst du tatsächlich, dass du perfekt bist?“
Ein sarkastisches Lachen ertönt. „Schieß los. Was soll ich ändern? Was habe ich so furchtbares getan, womit du nicht umgehen kannst?“, entgegnet Calum nicht minder genervt.
„Du hast mir alles verboten, was ich gut fand“, antworte ich schlicht, dabei verschränke ich meine Arme. Ein bisschen kühl ist es schon.
„Mhm… Sex mit Fremden, Drogen und Alkohol. Zu schade, dass deine toxische Persönlichkeit nur aus diesen drei Dingen besteht, sonst würde dir das nicht so sehr fehlen.“
„Es ist unfair, dass ich alles ändern muss und du nichts änderst.“
Ein genervtes Schnauben ertönt aus dem Lautsprecher. „Das liegt vermutlich daran, dass ich eine erträgliche Persönlichkeit habe, während du nur von Hormonen und Suchtmitteln gesteuert wirst“, antwortet Calum mir eindringlich. „Willst du überhaupt mit mir zusammen bleiben, wenn ich dich so sehr einschränke? Das scheint ja das einzige Thema zu sein, das dich und deinen Penis interessiert.“
Ich ziehe eine Braue hoch. „Natürlich will ich das. Ich liebe dich.“

Es ist kurz still. Ich bin sicher, dass Calum versucht sich zusammenzureißen. Er möchte nicht, dass dieses Gespräch so emotionsgeladen ist, wie viele andere unser Gespräche es immer waren. Zwischen uns knistert es nicht nur, es sprühen Funken, sobald wir aufeinander treffen. Und diese Funken lösen oft ein Feuer aus, ein Feuer das unkontrolliert wütet und kostbare Dinge zerstört.

Meine Annahme ist wohl gar nicht so falsch, denn Calums Stimme klingt nun wieder sanfter: „Wenn du mich liebst, wieso machst du es mir dann so schwer?“
„Nun… Das ist ja eigentlich keine Absicht… Aber komm schon. Du wusstest von Anfang an, worauf du dich einlässt. Ich habe dir schon damals gesagt, dass ich sexsüchtig bin. Ich habe dir erzählt, wie ich mich fühle und was ich brauche. Du wusstest wie ich bin und du hast es genossen, dass du mit mir all deine Vorlieben ausleben kannst. Du hast es geliebt spontan und auch ein bisschen verrückt zu sein. Mittlerweile gibst du mir aber das Gefühl als wären meine Bedürfnisse plötzlich vollkommen neu und als wären sie unerträglich für dich.“
„Ich stehe doch auch auf Sex, Trevor, sehr sogar. Das alles ist aber einfacher, wenn man keine Kinder hat“, erklärt Calum mir.
„Das stimmt schon, aber in den Tagen bevor du gegangen bist, hatten wir auch keinen Sex und wir hatten Zeit dafür. Nur mal als Beispiel.“
„Wir hatten keinen Sex, weil es mir nicht gut ging.“
„Das stimmt schon, aber als es dir besser ging, hattest du keine Lust auf mich“, schmettere ich seine Ausrede ab. „Ich weiß, dass ich dich oft nerve, aber wenn ich es mir dann mit Pornos gemütlich mache, dann passt dir das auch nicht.“
„Weil du…“ Mein marido unterbricht seinen Satz. „Was willst du hören, Trevor?“, fragt Calum nach.
Ich seufze, ehe ich ihm antworte: „Es geht nicht darum, was ich hören will, sondern darum, dass ich endlich wieder mit dir Sex haben möchte. Ich will dich auf die Couch werfen und dich die ganze Nacht zum Schreien bringen. Ich will auch, dass unsere Beziehung wieder so ist, wie sie früher war, nur eben auf eine andere Weise.“

Richie legt seinen Kopf schief, doch dann schüttelt er ihn. „Was für ein seltsames Aussöhnungsgespräch. Habt ihr eigentlich auch… naja richtige Eheprobleme?“
Weder Calum noch ich finden schnell eine Antwort auf Richies Frage.

„Was meinst du, Richie?“, hakt Calum bei seinem Cousin nach.
„Naja… Ihr streitet über komplett sinnlose Dinge. Wenn Trevor einsieht, dass du keinen Sex willst, wenn es dir nicht gut geht, dann ist die Hälfte des Problems gelöst. Und Calum, wenn du Trevor ab und zu mit einem kleinen Quickie überraschst, dann wäre das doch auch nicht tragisch. Du hast ja auch etwas davon. Ich bin sicher, dass Trevor sich erkenntlich zeigen würde, wenn du ihm ab und zu einfach so spontan einen Blowjob verpasst… Er wäre ausgeglichener, weil die Hormone ihn nicht so plagen und hätte dadurch Zeit, dir auch etwas Gutes zu tun. Ihr liebt euch, wieso lasst ihr euch von so einem Blödsinn auseinander drängen? Trevor sagt doch schon, dass das Thema nicht neu ist… Es wäre so schade um eure Ehe. Seid doch froh, dass ihr einander habt. Ihr wisst gar nicht, wie gut es euch eigentlich geht.“
„Sí, Richie hat Recht. Ich benehme mich besser und dafür bekomme ich mehr Blowjobs. Spontane, überraschende Blowjobs. Dafür bin ich netter und bringe dir auch mal wieder Blumen und Pralinen mit.“
„Das…“ Calum lacht. „Oh Mann, oh Yoba…“

Es dauert ein wenig, bis Calum wieder antwortet. Ich öffne meine Metallbox und beginne damit, mir eine neue Zigarette zu drehen. Dass Domingo gähnt lenkt kurz meine Aufmerksamkeit auf den Chihuahua. Er fühlt sich an Richies Seite ausgesprochen wohl, das ist deutlich zu erkennen. Domingo macht es sich in Richies Armen gemütlich.

„Okay, Trevor… Blowjobs für eine fundamentale Änderung deiner Persönlichkeit, wirklich? Das soll funktionieren? Das ist doch lächerlich.“
„Nun ja. Es verhindert zumindest eine Menge Streits. Wenn du den Mund voll hast, kannst du nicht reden und wenn du nicht reden kannst, kann ich dir keine dummen Antworten geben“, scherze ich etwas.
„Du bist ein geschmackloser Idiot… Manchmal hasse ich dich…“
„Ich weiß… Entschuldige. Du fehlst mir, Baby. Wann kommst du zurück?“
Calum zögert mit seiner Antwort: „Ich-Ich weiß es noch nicht. Ich will noch einmal über alles nachdenken, bevor ich mich entscheide. Es ist nicht einfach für mich, dir in dieser Sache zu vertrauen. Du hast schon so oft versucht, etwas zu ändern, aber du fällst immer wieder in alte Muster zurück. Moment.“

Ich höre ein Rauschen. Klingt ein wenig nach Wasser. Die Idee ist gar nicht so blöd. Ich trinke die letzten Schlucke aus meinem Glas.

„Weißt du, die Auszeit von dir tut mir gut, Trevor. Deine pessimistische Sicht, die du vielen Dingen gegenüber hast, zieht mich mit hinunter. Ich hab das Gefühl, dass du mich zu einem kalten, verbitterten Menschen machst, aber ich bin nicht so. Bevor du mich so oft verletzt hast, habe ich niemals irgendjemandem nachspioniert oder die Sachen von jemandem durchwühlt. Durch dich bin ich zu einem Kontrollfreak geworden, der Angst hat wieder verletzt zu werden… Und jetzt wo wir getrennt sind, fällt der ganze Stress von mir ab. Ich habe viele positive Eigenschaften, die ich immer mehr an mir vermisst habe und sie kommen gerade wieder zurück. Ich will sie nicht wieder durch dich verlieren, egal wie sehr ich mich nach dir sehne.“
Ich nicke. „Verstehe.“ Die gedrehte Zigarette lege ich an meine Lippen, ehe ich sie anzünde. „Bleib noch ein paar Tage bei Carly, verbring Zeit mit dem anderen Kerl und von mir aus schlaf mit so vielen Männern wie du möchtest. Dann merkst du wenigstens, wie unschön es ist, wenn du nur einmal pro Nacht Sex bekommst und der Kerl danach neben dir einschläft und sich die ganze Nacht nicht mehr rührt als wäre er ein verdammter Stein.“
„Du hältst dich auch für den besten Lover der Welt, was?“, fragt Calum etwas abschätzig.
Bevor ich mit einer Gegenfrage antworte, ziehe ich an meiner Zigarette: „Sei ehrlich: Wie viele Männer durftest du mehrmals pro Nacht wecken, wenn du Hilfe bei deinen Hormonen brauchtest?“ „Auf lange Sicht finden das einige sicher nicht so prickelnd… aber das ist ja auch gar nicht der Punkt, Trevor. … Ich würde mir einfach wünschen, dass ich dir ausreiche. Gut, ich hab nicht immer Lust auf Sex, aber das ist bei den meisten Menschen so. Ich verstehe ja, dass es für dich sehr schwer ist, das nachzuvollziehen, aber ich gebe mir doch Mühe, dir immer das zu geben, was du brauchst. …aber von mir aus ja, gut, spontane Blowjobs sobald wir Zeit haben. Das kann man machen, damit kann ich mich anfreunden.“
„Du klingt alles andere als zufrieden.“ Ich ziehe an meiner Zigarette und inhaliere den Rauch, ehe ich ihn wieder ausatme.
„Ich bin es auch nicht. Ich wollte ein sachliches Gespräch, aber wir reden nur über Sex. Sex ist aber nicht unser Problem.“
„Aus meiner Sicht schon.“
„Deswegen hast du ja auch so schnell jemanden gefunden, der sich um dein Problem kümmert“, antwortet Calum schnippisch.

Irgendwie habe ich erwartet, dass Calum ausgerechnet darauf herumreiten möchte. Natürlich bin ich jetzt wieder der Böse sexbesessene Arsch, der seinen armen Mann ein weiteres Mal betrogen hat. Dass er derjenige ist, der die Pause wollte und dass er derjenige ist, der gegangen ist und mich in dem Glauben gelassen hat, dass alles okay ist, tut natürlich nichts zur Sache.

Ich verenge die Augen, dabei nehme ich den letzten Zug meiner Zigarette. Ich atme eilig aus und drücke sie in den Aschenbecher, ehe ich spreche: „Hör mal zu, du kleine Zicke. Die Beziehungspause ging von dir aus und du warst derjenige, der sich mit einem anderen Kerl getroffen hat und mir das unter die Nase reiben musste. Was auch immer du mir unterstellen möchtest ist vollkommen irrelevant, weil wir im Moment wegen deiner eigenen Entscheidung kein Paar sind. Du hast kein Recht auf mich wütend zu sein.“
„Ich bin aber wütend, Trevor. Ich will doch nur, dass wir eine richtige Beziehung führen. Dafür müssen wir etwas ändern, versteh das doch endlich“, spricht Calum etwas zittrig.
„Sag doch klipp und klar, was du dir von mir erwartest. Persönlichkeitsänderung schön und gut, aber ich bin nun mal wie ich bin. Wir kennen uns seit Jahren, Calum. Noch bevor wir offiziell zusammen waren, hast du ganz genau gesehen, wie ich bin. Wir hatten vor unserer Beziehung einen langen Probelauf, bevor wir uns überhaupt auf ein Label für unser Ding festgelegt haben. Wenn du mich nicht ausstehen kannst, wieso hast du meinen Antrag angenommen? Wieso haben wir geheiratet und eine Familie gegründet? Und wieso hast du es die ganze verdammte Zeit ertragen? Und jetzt wo ich für dich dem Alkohol abschwöre, seelisch durch die Hölle gehe und mich jeden verdammten Tag mit dem Gedanken zu trinken quäle, lässt du mich wie einen Idioten sitzen und haust ab…“ Ich höre, dass Calum schluchzt. Mindestens so aggressiv wie eben spreche ich weiter: „Wenn du mich so sehr hasst, dann lass mich einfach gehen. Wir lassen uns scheiden, okay? Nimm die Kinder und bleib bei Carly oder sonst wem. Tu doch, was du willst, wenn du denkst, dass wir es ohnehin nicht schaffen werden. Ich habe viel falsch gemacht, vielleicht habe ich in all den Jahren sogar alles falsch gemacht, aber ich habe immer versucht aus meinen Fehlern zu lernen. Ich habe dir von mir aus eine Paartherapie vorgeschlagen, obwohl du genau weißt, wie sehr ich es hasse meine Gefühle vor einem vollkommen fremden Menschen auszubreiten.“ Ich höre, dass Calum sich die Nase putzt. „Es stimmt schon, ich bin oft gefühlskalt und ich möchte mich auch nicht auf meine Vergangenheit ausreden, aber es fällt mir eben sehr schwer, mir das alles anzulernen. …und dass du mir dann noch die Mädchen vorenthalten hast, tut verdammt weh. Ich liebe dich und ich liebe unsere Mädchen und um ehrlich zu sein ist mein Leben ohne euch verdammt leer. … Bei Yoba, ich kann dir gar nicht sagen wie weh du mir getan hast… Auch wenn es sich für dich manchmal so anfühlt und ich lieber abblocke, als Gefühle zu zeigen, bin ich nicht vollkommen aus Eis. Du hast mir wehgetan, so wie ich dir wehgetan habe und ich habe es kapiert… Ich verstehe, dass ich dich nicht immer so behandelt habe, wie du es verdient hast…“ Ich greife nach meinem Feuerzeug und spiele ein wenig damit. Ich entzünde es und blicke auf die Flamme in meiner Hand. „Es tut mir leid, dass ich dich immer wieder verletzt habe, Calum. Vielleicht soll es einfach nicht sein. Vielleicht passen wir nicht zueinander. Vielleicht hätten wir niemals ein Paar sein sollen…“

Es ist still. Calum sagt nichts, auch ich habe nichts mehr zu sagen. Frustriert lasse ich das Feuerzeug sinken und beschäftige meine vor Wut zittrigen Finger damit, mir eine weitere Zigarette zu drehen. Als ich sie anzünde, höre ich ein Knistern aus dem Lautsprecher meines Smartphones.

Calum spricht wieder: „Es tut mir leid, Trevor… Wir haben beide Fehler gemacht. Das hat sich alles schleichend entwickelt. Es gab wie in jeder Beziehung immer wieder Phasen, in denen wir gestritten haben. Es gab immer Phasen in denen ich mal mehr oder mal weniger glücklich war und das wird es auch immer geben, aber wir beide hatten so viele schöne Momente… Zum Beispiel damals, als wir im diesem Café unser erstes Selfie als Fake-Paar geschossen haben oder als du zu mir gezogen bist und mir deine alten Fotos gezeigt hast. Unsere Reisen auf die Fern Islands… Du hast mich an all deine liebsten Orte geführt und mir Geschichten aus deiner Kindheit erzählt. Wir sind Hand in Hand am Strand spazieren gegangen. Dein Antrag, unsere Hochzeit… Unsere Kinder… Ich werde nie vergessen, wie viel Einfühlungsvermögen du gezeigt hast, als du Cassie das Schwimmen beigebracht hast. Oder damals als du im Waisenhaus Lucía auf den Arm genommen hast und dem Dolmetscher gesagt hast, dass sie nicht länger auf eine liebende Familie warten muss. Du hast so viele wunderbare Seiten und ich vermisse sie… Ich vermisse dich, Trevor. Im Moment ist alles, was wir tun ein Machtkampf. Auch von meiner Seite aus… Dir den Kontakt zu den Kindern zu verweigern war nichts anderes, als dir zu zeigen, dass ich auf dem längeren Ast sitze. Das war dumm und kindisch und es tut mir leid, aber ich wusste nicht, wie ich durch deine steinharte Schale durchdringen könnte.“
„Ich verstehe… Ich wünschte ich könnte von meiner Seite aus öfter nachgeben, aber es ist so schwer.“
„Ich weiß. Es ist scheiße, wenn zwei Sturköpfe aufeinanderprallen, was?“
„Du sagst es…“, stimme ich Calum zu.
„Weißt du, womit ich noch meine Bedenken habe?“
„Womit?“
Er erklärt: „Wir haben uns über die Arbeit unterhalten. Du hast gesagt, dass du mehr als die Familie brauchst, du bist leidenschaftlicher Musiker und ich verstehe das auch… Aber manche Lebensstile kann man schwer kombinieren… Das sind alles Kompromisse und wir wissen beide, dass Kompromisse nicht unser Ding sind.“
Ich schmunzle etwas. „So kann man das wohl sagen.“
„Weißt du, ich habe mit den Mädchen geredet und sie würden es cool finden, wenn wir viel reisen und sie dich auch bei der Arbeit sehen können, aber ich bin da noch ein wenig unsicher… Natürlich ist das Musikerdasein nicht immer nur purer Stress und du hast auch Ruhephasen, aber trotzdem weiß ich nicht, ob das für uns als Familie Sinn macht. Ich möchte, dass unsere Kinder so normal wie möglich aufwachsen und nicht irgendwann in den nächsten zehn Jahren verzogene Promiteenager sind…“
Ich ziehe an meiner Zigarette. „Können wir die Arbeit noch ein wenig auf uns zukommen lassen? Ich würde gerne an unserer Beziehung arbeiten, bevor ich auch nur an eine Tour denke… Es liegt ohnehin nicht in meiner Entscheidung, sondern hängt sehr von Jayson und Max ab.“
„Okay, klar… Sicher, aber was gedenkst du zu tun, wenn ich zurückkomme?“, erkundigt Calum sich vorsichtig.
„Nun ja…“, antworte ich. „Ich werde die Mädchen so lange drücken und festhalten, bis es selbst ihnen zu viel wird. … Was ich mit dir anstelle, weiß ich nicht. Kommt darauf an, was du für angemessen hältst. Als langfristige Lösung würde ich dir noch einmal die Paartherapie anbieten.“
„Was? Keine dummen Sprüche über Sex?“
„No. Die hebe ich mir auf bis du wieder da bist, damit du mir gleich den Hintern versohlen kannst, wenn ich etwas Dummes mache. Mit einer Negativbelohnung lerne ich vielleicht doch noch etwas“, scherze ich, um die Stimmung wieder etwas aufzuhellen. Ich nehme einen tiefen Zug meiner Zigarette. In die nächste werde ich wieder etwas mehr grüne Liebe streuen, die kann ich heute deutlich brauchen.
„Trevor, du bist ein Idiot.“
„Und du fehlst mir, aber ich möchte trotzdem, dass du dir Zeit nimmst, Calum. Es wäre für uns beide scheiße wenn du morgen wieder hiersitzt, obwohl du eigentlich noch Zeit brauchen würdest, um das alles zu überdenken. Ich wäre mehr als glücklich, wenn wir beide es noch einmal versuchen, anstatt uns scheiden zu lassen, aber die Entscheidung soll bei dir liegen. Nimm dir so viel Zeit, wie du brauchst.“
Calums Antwort ist etwas zögerlich: „Sagst du das, weil du mir tatsächlich Zeit gibst oder weil deine Bettgeschichte noch irgendwo rumliegt und sie erstmal ausnüchtern muss…?“

Richie steht auf. Den Hund lässt er auf seinem Stuhl sitzen.
„Ich hol mir was zu trinken, willst du auch etwas?“, fragt er mich leise.
„Nimm am besten gleich einen Krug Wasser mit, gracias Richie.“
„Mach ich.“

Ich wende mich wieder an meinen marido: „Weil ich dir Zeit geben möchte und selbst wenn ich das Haus voll mit Bettgeschichten hätte, könnte dir das egal sein. Erinnere dich: Wir machen auf deinen Wunsch hin eine Pause und die sollte ich mindestens so auskosten dürfen, wie du es tust.“
„Ja, wie du meinst…“
„Ich habe allerdings eine Bedingung… Ich will, dass du mich heute Abend anrufst, damit ich den Mädchen eine gute Nacht wünschen kann.“
„Ist okay, das mache ich, versprochen. Und ich melde mich bevor ich nach Hause komme, damit du noch Zeit hast die Nutten zu verscheuchen und die Laken zu wechseln… Ich liebe dich, Trevor.“
„Ich liebe dich auch.“

Das Gespräch wird beendet.
Calum hat kein Recht, sich so zu kränken und sich passivaggressiv zu beschweren. Er ist derjenige, der mir reindrücken musste, dass er einen Neuen hat… …und es war ihm vollkommen egal, ob mir das wehtut. Wieso sollte ich mir jetzt einen Kopf darüber machen, was er denkt? Er macht sich nur selbst fertig…



Abends stehe ich auf der Veranda. Der produktive Tag ist so gut wie abgeschlossen. Die Kaninchen sind versorgt. Domingo liegt ausgepowert auf der Couch und schnarcht. Ich habe mich an mein Sportprogramm gehalten und auch noch die Zeit gefunden, Robin zu bitten, zwei Hundetreppen für Domingo anzufertigen, sodass er problemlos auf die Couch und ins Bett klettern kann. Wie schnell sich Dinge ändern können. Erst wollte ich den kleinen Flohzirkus nicht und jetzt darf er mir die ganze Nacht ins Ohr schnarchen, während ich versuche etwas Schlaf zu finden.

Das Beste des Tages ist allerdings, dass ich endlich die Möglichkeit hatte, meine Mädchen zu sprechen. Gut, dass wir nicht per Video gechattet haben, sonst hätten sie gesehen, dass mir die Tränen gekommen sind… Wie sehr ich sie vermisst habe…

Eine frisch gedrehte Zigarette liegt vor mir auf dem Geländer. Daneben steht eine Tasse mit Tee, die ich anhebe, um einen Schluck davon zu trinken.

„Trevor?“, erklingt Richies etwas traurige Stimme hinter mir.
Ich drehe mich zu ihm, dabei stelle ich die Tasse wieder ab. „Ist alles okay?“
„Ja, nein… Ich…“ Er seufzt, kommt dann auf mich zu. Schmollend schmiegt er sich an meinen Arm, außerdem verhakt er unsere Finger miteinander. „Ich weiß, dass Calum bald zurückkommt, aber… Ihr kommt wieder zusammen und ich… Es tut mir leid, aber ich… Ich will nicht, dass sich zwischen uns etwas ändert. Ich habe kein Recht darauf, deine gesamte Aufmerksamkeit zu verlangen und das weiß ich auch…“
„Ähm… Richie, so sehr ich deine Geschichten liebe, aber bitte komm zum Punkt.“
„Die letzte Nacht hat mir gut getan und ich bin sauer, dass Calum zurückkommt. Sobald er hier ist, bin ich wieder alleine…“

Ich nicke. Hätte mir klar sein müssen.
Richie klammert gerne, psychisch und auch im wörtlichen Sinne.
Ich löse mich aus Richies Griff und nehme meine Zigarette zur Hand. Mit dem Feuerzeug aus meiner Hoodietasche entzünde ich sie und inhaliere den wohltuenden Rauch.

„Was hältst du davon, wenn du bei uns im Bett schläfst?“
Richie wirkt irritiert. „Wäre das nicht… seltsam?“
„Nicht seltsamer als die Gesamtsituation ohnehin schon ist.“
„Falls du dir einen Dreier erhoffst, dann-“
Richie bringt mich zum Lachen. „Ich bin zwar pervers, aber auch ich ziehe bei Inzest meine Grenzen. Eigentlich sollte ich beleidigt sein, dass du mir das unterstellst.“
„Naja, wenn ich die aktuelle Situation bedenke, wäre das nicht so abwegig, immerhin hast du es bereits erwähnt“, meint Richie etwas abweisend.
„Mit der Bemerkung, dass es perfekt passen würde, wenn du nicht Calums Cousin wärst“, stelle ich meine zitierten Worte richtig. „Ich hätte aber kein Problem damit, mit euch beiden zu schlafen, solange ihr euch nur mir widmet.“
Richie verschränkt seine Arme. „Das ist mir mehr als bewusst…“ Er sieht mich an, als würde er noch etwas sagen wollen, doch seine Lippen bleiben verschlossen.
„Bist du wütend auf mich?“, frage ich, ziehe dann an meiner Zigarette.
„Nicht direkt…“
„Und indirekt? Lass dir nicht alles aus der Nase ziehen, mein Kleiner“, hake ich etwas strenger nach.
„Es war schön, die Nacht mir dir zu verbringen. Ich hab jede Berührung genossen und ich bin… keine Ahnung, irgendwie sauer auf dich und auch auf mich und auf das alles hier. Wieso musste William sterben? Das ist scheiße… Wenn er hier wäre, dann wäre das alles nicht so kompliziert und bescheuert. Ich will mich nicht in eine Beziehung drängen müssen, um Zuneigung von jemandem zu bekommen. Ich will mich nicht an einen verheirateten Mann kuscheln müssen, weil ich niemanden habe, der meine körperlichen Bedürfnisse erfüllt… Ich bin widerlich…“

Dass er sich so schuldig fühlt, hätte ich nicht gedacht, aber es passt zu seiner zarten Seele. Auch das ist wohl mehr meine Schuld als seine.

„Du bist nicht widerlich, Richie. Du brauchtest jemanden, der dich in den Arm nimmt und tröstet.“
„Das entschuldigt aber nicht meine Gefühle, die ich dir gegenüber entwickle… Wenn Will wüsste, wie es im Moment in mir aussieht, wäre er enttäuscht…“
„Wäre er nicht. Du bist verwirrt, das ist alles. Du trauerst und du brauchst jemanden, der dir den Halt gibt, den du verloren hast. Das, was du fühlst ist keine Liebe, Richie. Dein Herz ist gebrochen und du versuchst es wieder zusammenzusetzen. Dieser Prozess dauert und er ist hart, aber du schaffst das.“

Sein Blick wird immer trauriger. An seiner zitternden Unterlippe erkenne ich, dass Richie jeden Moment in Tränen ausbrechen wird. Kaum breite ich meine Arme aus, schon flüchtet sich der Blonde in meine Arme, um sich auszuweinen. Mit meinem freien Arm halte ich Richie fest. Ich nehme einen Zug von meiner Zigarette und hebe im Anschluss den Kopf, um den Rauch nicht in seine noch leicht feuchten Haare zu pusten.

„Es würde dir gut tun, wenn du mit Calum über all deine Gefühle sprichst. Ich versuche mein Bestes, aber ich schätze, dass es nicht gut genug ist, um dir zu helfen. Ich bin auf mehreren Ebenen die miesteste Wahl, um dir zu helfen. Entschuldige, Richie.“
„Ich bin selbst schuld“, antwortet er schluchzend. „Ich verliebe mich zu schnell…“
„Dieses Mal war ich wohl nicht ganz unschuldig…“

Selbst jetzt spüre ich Idiot diese sexuelle Spannung, die uns schon seit Jahren begleitet. Ich hätte Richie daten sollen, als ich noch die Möglichkeit dazu hatte, dann hätten wir beide mittlerweile mehr als genug voneinander…

Um noch größere Schwierigkeiten zu vermeiden, schlafen Richie und ich heute Nacht getrennt. Ich kann es nicht riskieren, ihm noch einmal so nah zu kommen. Auch wenn es sich für den Moment wie eine Linderung anfühlt, werden die Wunden nur tiefer und das kann ich ihm nicht antun. Er hat schon genug durchgemacht, da muss ich nicht auch noch auf seinem gebrochenen Herzen herumtrampeln…
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