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Fight, Love or Die

von NiciLii
Kurzbeschreibung
GeschichteMystery, Fantasy / P12 / Gen
Fabeltiere & mythologische Geschöpfe Werwölfe
18.10.2019
29.11.2022
22
21.753
3
Alle Kapitel
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24.11.2022 952
 
Ich löste meinen Blick von dem rothaarigen Fremden und fixierte stattdessen Cyrian. Es spiegelte sich weder Wut noch Ärger in seinen Augen. Nur blanke Ungläubigkeit. Ich konnte förmlich vor mir sehen wie sein Gehirn die Worte des anderen Wolfes erfasste und verarbeitete. Passend dazu veränderte sich nun doch seine Mimik.

Er war definitiv wütend. Seiner Kehle entwich ein dunkles knurren, dass mich stark an das Knurren der Arena erinnerte. Auf seiner Stirn pochte eine kleine Ader und von Minute zu Minute schien sein Gesicht immer rötlicher zu werden.

Er fletschte die Zähne und zeigte so seine spitzen Eckzähne. Aus seinen Augen schienen Funken zu sprühen und Mordlust spiegelte sich in ihnen wieder.

Cyrians Reaktion ging auch an den anderen Wölfen nicht vorbei. Die meisten verließen das Haus, flohen nach draußen. Einige wenige blieben, machten sich aber ein ganzes Stück kleiner und senkten den Blick.

Ich wagte es kaum zu atmen. Die Anspannung und meine Nervosität stieg ins unermessliche.

Noch immer beobachtete ich Cyrian. Ich wartete darauf das er nach vorne trat, sich vor dem Fremden aufbaute und ihn anbrüllte. Doch das geschah nicht.

Ich hatte die wölfische Seite unterschätzt und Wölfe waren nicht dafür bekannt Dinge mit reden zu klären.

Im nächsten Moment peitschte Cyrian nach vorne. Ein Wimpernschlag später war er schon verschwunden und stattdessen stand ein silberner Wolf im Raum. Doch er blieb nicht lange stehen. Mit einem gewaltigen Sprung stürzte er sich auf den Störenfried. Doch dieser war nicht mehr da. Ein rostbrauner Wolf hatte den großen Menschen ersetzt und nahm es nun mit Cyrian auf.

Ich konnte der Sache kaum folgen. Meine Augen und mein Gehirn schienen nicht dafür ausgelegt zu sein die schnellen Bewegungen und die Verwandlung zu begreifen.

Das Geräusch von reißenden Fell und brechenden Knochen hallte durch das Haus. Erst jetzt merkte ich, dass ich angefangen hatte zu zittern und meine Hände auf meine Ohren drückte um die Geräusche abzudämpfen.

Die Wölfe kullerten sich über den Boden und hinterließen dabei rote Blutspuren.

Ich hätte Cyrian gerne geholfen, wollte wissen ob es ihm gut geht und von welchem der beiden das Blut stammt, doch ich war klug genug um mich nicht in einen Kampf zweier Wölfe einzumischen, auch wenn der Grund für den Kampf ich war.

Ich hielt es kaum in dem Zimmer aus. Nicht nur die widerlichen Geräusche und das Blut widerstrebten mir. Auch das Gefühlschaos in mir verstärkte das Verlangen zu verschwinden. Auf der einen Seite freute es mich, dass Cyrian mich verteidigte, doch hatte ich auch Angst, dass ihm etwas passieren könnte. Und genau diese Angst um ihn, die ich nicht leugnen konnte, machte alles noch schlimmer. Sie warf die ganzen Fragen wieder auf, wie ich zu Cyrian stand.

Irgendwann riss ich meinen Blick von den Wölfen los und ging langsam Schritt für Schritt rückwärts bis ich endlich die Haustür erreichte und durch diese das Haus verließ.

Ich schloss die Tür hinter mir und atmete erst einmal in Ruhe durch. Die kalte Luft tat meiner Lunge gut und langsam beruhigte sich mein schnellschlagendes Herz.

Nach einiger Zeit setzte ich mich neben das Haus auf den Rasen und wartete. So oder so muss ich auf Cyrian warten und ich blieb in der Nähe damit Cyrian sich keine Sorgen machte. Vielleicht blieb ich auch in der Nähe, weil ich dem anderen Wolf beweisen wollte, dass ich nicht einfach wegrannte. Ich war noch nie sehr mutig gewesen, doch ein Feigling war ich auch nicht.

Noch immer drangen gedämpft die Kampfgeräusche an mein Ohr, doch es war auszuhalten. Meine Hände fuhren durch das saftige, dunkelgrüne Gras und ich begann aus Langeweile einzelne Grashalme herauszureißen.

Es dauerte ungefähr eine viertel Stunde bis die Geräusche von innen ganz verstummt waren. Etwas 5 Minuten danach öffnete sich die Haustür. Ich musste mich nicht umdrehen um zu wissen dass es Cyrian war. Inzwischen konnte ich ihn an der Art zu laufen identifizieren und auch an dem angenehmen kribbeln in meinem Bauch wenn er näher kam.

"Gehen wir nach Hause?" seine Stimme war trocken und gefühlslos.

Ich nickte und raffte mich auf. Erst dann wagte ich es ihn anzusehen. Ich atmete erleichtert auf als ich registrierte das er unverletzt schien. Er trug ein neues T-Shirt und eine neue Hose, doch in seinen Haaren und an den Armen entdeckte ich dennoch einige Blutspritzer. Doch zu diesen gab es keine Wunden, er war wirklich unverletzt.

Schweigend liefen wir die paar Schritte zum Wagen. Cyrians Hand griff nach dem Türgriff der Beifahrertür, doch dann hielt er inne. Er drehte sich zu mir und sah mir genau in die Augen.

"Du läufst mir nicht weg oder?" seine Stimme war seltsam angeschlagen.

Hektisch schüttelte ich den Kopf. "Nein, niemals." erwiderte ich und meinte das auch genauso.

"Versprochen?" fragte er noch einmal nach.

"Versprochen." erwiderte ich.

Zufrieden öffnete er mir galant die Tür bevor er um das Auto herum lief und selbst einstieg. Er atmete noch einmal kurz durch bevor er den Motor startete und los fuhr. Das Rudelhaus wurde hinter uns immer kleiner und kleiner bis es ganz verschwand.

Cyrian hielt das Lenkrad stark umklammert und seine Fingernägel bohrten sich in das teure Leder.

Ohne genau zu wissen was ich vor hatte, griff ich mit meiner Hand nach seiner rechten und löste sie vorsichtig von dem Lenkrad. Ich verhakte meine Finger mit seinen und legte meinen Kopf vorsichtig an seine Schulter.

Sofort spürte ich wie Cyrians Herzschlag sich wieder normalisierte und er ruhiger wurde.

"Danke" murmelte er leise.

Ich lächtelte.

Denn Rest der Fahrt verblieben wir so. Ich lehnte an seiner Schulter und wir schwiegen. Ich hätte ihn zu gerne so viele Dinge gefragt, doch ich wartete aus Angst diesen Moment zu zerstören.
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