Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

V O X POPULI V O X DEI

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Adrian Gecko Axel Brodie Jaden Yuki Jesse Andersen Jim Crocodile Cook Syrus Truesdale
17.10.2019
14.01.2020
3
9.635
5
Alle Kapitel
7 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
17.10.2019 1.213
 
kapitel eins: paradise.


I will return in every song in each sunset
Our memory is always within reach
I will return, I will return don't you ever hang your head.
When you're feeling empty




Es gab kein Wort, das dieses Gefühl auch nur im Ansatz beschreiben konnte.

Euphorie? Nein.

Rausch? Schon besser.

Juudai Yuki befand sich in einem Rauschzustand, wie ihn keine Droge auf der Welt hervorrufen konnte. Sanft strich er durch das zerzauste, weiche türkisblaue Haar von Johan, welche perfekt mit den großen Augen harmonierten, welche Juudai unweigerlich an funkelnde Smaragde erinnerten. Ein atemberaubender Farbton, in dem sich der junge Japaner regelmäßig verloren hatte, wenn er seinem besten Freund bei einem Duell gegenüber gesessen, diesen unauffällig gemustert hatte. Der Osiris-Student hätte niemals erwartet, irgendwann einmal derartig intensive Gefühle für einen anderen Menschen zu empfinden. Bislang hatte er sich voll und ganz auf das Duellieren, seine große Leidenschaft, konzentriert, nicht einmal Asuka, die wunderschöne und loyale Asuka, hatte sein Interesse geweckt. Erst Johan Andersen aus dem fernen und kalten Norwegen mit den Smaragdaugen hatte sein so unschuldiges Herz zum Strahlen gebracht.

"Juu...", murmelte Johan, streichelte die Wange des brünetten Studenten. Juudai schloss genießend die bernsteinbraunen Augen, gab sich dem angenehmen, warmen Kribbeln hin, das die schmalen Finger seines besten Freundes hinterließen. Sein halblanges, dunkles Haar sah aus, als wäre er in einen Wirbelsturm geraten, erst vor wenigen Sekunden aus seinem unerwartet bequemen Bett in der Osiris Red-Unterkunft geklettert. Die Hände des Norwegers glitten langsam über den schmalen Oberkörper des Osiris-Studenten, spielten mit dem weichen Leinenstoff des schwarzen T-Shirts, das er unter seiner roten Trainingsjacke trug.

Ein leises Keuchen entwich Juudais schmalen Lippen, seine Lider flatterten. Sein Herzschlag intensivierte sich. Seine Finger, die an Johans Schulter ruhten, verkrampften sich, seine Knie zitterten. Fruchtiger Zitrusduft umhüllte den Norweger, betörte Juudai mit einem sanften Zimtaroma und einer Spur Sandelholz. Schon bei ihrer ersten Begegnung auf dem Dach der Duellakademie war dem Japaner das anregende Parfüm, das der Skandinavier benutzte, aufgefallen. Wie schaffte es sein bester Freund nur, derartig starke Emotionen, eine so tiefe Leidenschaft in ihm hervorrufen zu können? Ein Rätsel. Juudai ließ sich von diesem angenehmen Gefühl, glühend heißer Euphorie, seinem intensiven Glücksrausch leiten, spürte nur noch Johans Finger an seinem Oberkörper, warme, weiche Lippen auf den seinen.

Explosion!

Es fühlte sich an, als würde in Juudais Inneren ein Feuerwerk stattfinden. Knallbunte Blumen entfalteten sich in der Luft, ließen den Himmel erstrahlen. Ihm wurde schwindlig vor Glücksgefühlen. Die Schmetterlinge, die seit Monaten in seinem Inneren tanzten, stimmten eine weitere Runde an, vollführten einen aufregenden Reigen der Leidenschaft. Noch während sich der Osiris-Student an den Schultern seines besten Freundes nach Halt suchend festkrallte, erwiderte er den Kuss. Ein keuscher, liebevoller Kuss. Kurz und intensiv an Gefühlen. Es war, als würden sich die beiden Studenten durch diese kleine Geste ihre verborgenen Gefühle gestehen.

Cut.

„Du musst mir vertrauen, Juudai…“, hauchte Johan und der Japaner blinzelte träge, erkannte sogleich den gequälten Ausdruck in den schönen Smaragdaugen, die ihn liebevoll betrachteten, als wäre Juudai sein kostbarster Schatz, sein Rainbow Dragon. Der Norweger biss sich auf die gerötete Unterwange, strich eine dunkelbraune Strähne aus der Stirn des Osiris-Studenten. Unerwartet spürte dieser einen kühlen Regentropfen auf seiner erhitzten Stirn, ein leises, schwerfälliges Seufzen entwich Juudais schmalen Lippen, als er den Blick senkte. Hauchfeiner Nieselregen. Als würde das Wetter seine aktuelle Gefühlslage widerspiegeln. Der Himmel, das helle, endlose Firmament weinte. Juudais Herz ebenfalls.

„Ich liebe dich, Juudai Yuki, ich liebe dich so unendlich sehr.“

Ehe Juudai auf das Liebesgeständnis seines besten Freundes antworten konnte, hatte dieser ihm schon sanft einen Zeigefinger auf die weichen Lippen gelegt, ein melancholisches Lächeln umspielte die markanten und doch so ebenmäßigen Gesichtszüge des Norwegers. Langsam wurde Juudai von Johan in eine feste Umarmung gezogen. Der beängstigende Gedanke, Johan vielleicht nie wieder sehen zu können, lähmte ihn, es fiel dem Japaner schwer, in diesem Moment nicht in Tränen auszubrechen. Ihm war flau im Magen, übel, am liebsten hätte er sich übergeben, die negativen Gedanken, die ihn wie toxische Geister heimsuchten, aus dem Leib gekotzt. Einfach alles vergessen. Die Reise in die andere Dimension, die zahlreichen Duellzombies, Yuberu. Vor allem Yuberu.

Juudai wollte glücklich sein. Mit Johan an seiner Seite. Nur sie beide. Irgendwo weit weg, vielleicht auf Hawaii.

„Bleib‘ bei mir, Johan, bitte… ich… will nicht ohne dich sein.“

Johan drückte Juudai sanft an sich, strich ihm liebevoll über den schmalen Rücken. Der Japaner presste die Lippen aufeinander, sank kraftlos gegen die muskulöse Brust seines besten Freundes, der ihn festhielt. Er war erschöpft, müde, ausgelaugt, die letzten Tage hatten ihn zu viel Kraft gekostet, er war am Ende. Psychisch und physisch.

„Ich… Juudai, du weißt, es geht nicht anders.“

Ihre Finger glitten ineinander, verschränkten sich, ein kleines Zeichen der Einheit.

„Ich lasse dich nicht los.“

Ein weiterer Kuss, Johan hatte seine Hand auf Juudais Wange gelegt, sich zu ihm hinabgebeugt, um ihre Lippen sanft zu vereinen. Der zierliche Körper des Japaners schüttelte Adrenalin aus, sein Herz raste, seine Gedanken überschlugen sich. Johan Andersen. Yuberu. Der Rainbow Dragon. Die Isekai. Ihm war schwindelig, so verdammt schwindelig.

„Du musst aber… ich werde uns alle retten. Ich werde dich retten, Juudai, ich verspreche es dir.“, erwiderte Johan leise, überwand die letzten Millimeter, welche sie noch voneinander trennten. Juudai erwiderte den Kuss sanft, bewegte seine Lippen, liebkoste die seines Freundes. Erst zärtlich, dann leidenschaftlich. Ein heiseres Keuchen entwich seiner Kehle, seine kleinen Finger krallten sich in den weichen türkisblauen Haaren fest. Ein angenehmes Schaudern breitete sich in Juudai aus. Er klammerte sich wie ein Ertrinkender an seinen Freund, bereit, ihm bis zum entscheidenden Zug beizustehen, ihm nicht von der Seite zu weichen. Niemals.

„Lass‘ mich bitte nicht mehr los. Bitte. Ich will dich nicht verlieren. Ich…. liebe dich doch.“

Verzweiflung erstickte Juudais Stimme, seinen sonst so untrüglichen Optimismus, seine schimmernde Hoffnung, dass alles gut werden würde. Hoffnung, das hatte Daitokuji-sensei immer gesagt, war die einzige Kraft auf dieser Welt, die stärker als Furcht war. Immer. Er hatte Juudai beinahe schon eingetrichtert, immer auf das Gute zu vertrauen, niemals aufzugeben.

„Irgendwann… wird uns nichts mehr trennen.“, entgegnete Johan, sein heißer Atem streifte dabei Juudais Ohr, der Japaner erschauderte, vergrub sein Gesicht in der Halsbeuge seines Freundes, schlang die schlanken Arme fest um dessen Rücken. Der Norweger erwiderte die Umarmung, vermittelte Juudai dadurch das angenehme Gefühl von Schutz, liebevoller Geborgenheit, Halt. Johan war Juudais Fels in der Brandung.

Irgendwann würde alles gut werden, oder?


Cut!

Es war, als hätte jemand den 'Play'-Knopf eines iPods bedient. The show must go on. Mit einem traurigen Lächeln auf den Lippen löste sich Johan Andersen schließlich auf, seine klaren Umrisse verschwammen zu einer milchigen Silhouette, verblassten binnen weniger Augenblicke. Was war jetzt plötzlich los? Erschrocken versuchte Juudai seinen besten Freund festzuhalten, aber seine Finger glitten ins Leere. Verzweiflung stieg im Inneren des Osiris-Studenten auf, brodelte in ihm wie das Magma in einem Vulkan, der kurz vor seinem Ausbruch stand. Sie legte sich wie ein schwarzes Tuch über sein Gesicht, seine bernsteinbraunen Augen, raubte ihm die Sicht, den Atem. Sein Brustkorb hob und senkte sich unregelmäßig, es fühlte sich an, als würde dieser jeden Moment zerbersten. Hilflos ballten sich seine Hände zu Fäusten, er kniff die Augen zusammen.

„Johan!"



Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast