Ein Fehler-alles zerstört?

GeschichteAllgemein / P12
Johannes Thingnes Bø OC (Own Character) Tarjei Bø
16.10.2019
17.10.2020
21
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Maja saß auf ihrem Bett und hielt ihr Handy in der Hand. Johannes war gerade beim Training, sodass sie genügend Zeit hatte, mit Emil zu telefonieren. Ihre Hand zitterte, als sie seine Nummer wählte und sich den Hörer an ihr Ohr hielt. Von diesem Gespräch hing mehr oder weniger ihr Glück ab.

„Ja?“ meldete sich Emil auf Deutsch, was Maja wunderte. Normalerweise sprachen die beiden auf norwegisch, also musste er nicht auf sein Handy geschaut haben, bevor er das Gespräch angenommen hatte.

„Hey, ich bin es, störe ich gerade?“ fragte sie deshalb.

„Maja, nein, ich habe gerade Uni gemacht, aber das kann warten. Was gibt es?“

„Ich... Also... Verdammt, ich weiß nicht wie ich anfangen soll...“

Das ließ Emil stocken. „Was ist passiert? Hat Johannes dir etwas angetan? Um Gottes Willen, ich bringe diesen Kerl sowas von um.“

„Nein, nein! Johannes hat nichts damit zu tun. Also doch, aber nicht so, wie du jetzt denkst.“

Und dann fing sie an ihm zu berichten, von ihren ganzen Problemen, ihrem Untergewicht und vom Vorschlag ihres Psychologen. Während sie redete, merkte sie, wie gut es ihr tat, mit ihm darüber zu reden. Vielleicht hatte ihr Psychologe ja doch Recht.

„Er meint, ich müsste dich um mich haben, um ein Stück meiner gewohnten Umgebung und Sicherheit wiederzugewinnen. Aber ich kann doch nicht von hier weg, ich habe hier alles, meine Freunde, Johannes, die Uni, alles außer eben dir. Un du weißt, dass ich das nicht tun würde, wenn es nicht wirklich dringend wäre, aber ich bitte dich, komm zu mir nach Oslo.“

„Wow, okay, das war jetzt sehr viel Information. Ich bin ehrlich gesagt ein wenig überfordert gerade... Erst unsere Eltern und jetzt das... wie lange würde ich denn dann in Oslo bleiben? Einen Monat, Zwei? Und sollten wir dann zusammen wohnen oder muss ich mir eine eigene Wohnung suchen?“

„Ich weiß nicht genau, wie das ablaufen würde, aber wahrscheinlich wäre es länger als nur ein paar Monate. Meine Situation ist, gelinde gesagt, sehr gefährlich, das wird also länger dauern. Und naja, ich dachte eigentlich, dass du zu deiner Freundin ziehen würdest, aber selbstverständlich kannst du auch bei mir wohnen, groß genug wäre die Wohnung.“

Emil musste sich kurz räuspern, bevor er sprechen konnte. „Mit meiner Freundin, das... das ist vorbei.“

„Oh, das tut mir leid, das wusste ich nicht.“ meinte Maja verlegen.

„Schon gut. Aber ich kann nicht für vielleicht ein Jahr, oder länger, nach Oslo kommen, das geht nicht.“

„Aber...“

„Nein! Maja, ich verstehe, dass deine Situation aussichtslos scheint, aber ich habe genauso wie du meine Uni hier, meine Freunde, und ich kann das nicht zurück lassen, so leid es mir tut. Und in Oslo ist zu viel passiert, da kann ich nicht einfach so wohnen und tun, als wäre nichts passiert. Es tut zu sehr weh.“

Maja war entsetzt von der Härte seiner Worte. „Ich muss sonst in eine Klinik, das kannst du nicht zulassen! Emil, du bist meine einzige Chance.“

Emil seufzte. „Ich weiß, aber ich kann daran nichts ändern.Bitte versuch doch, mich zu verstehen. Ich kann dich nicht zwingen, zu mir zu kommen, aber ich denke, dir würde es gut tun, etwas anderes zu sehen. Deine Uni kannst du nach hier verlagern, und neue Freunde wirst du hier auch finden. Deswegen wäre mein Vorschlag: Komm zu mir, Maja“

„Das kann ich nicht. Johannes... Er, ich... Ich sehe ihn doch so schon selten aber wenn ich in Deutschland wohne, dann... Nein, das geht nicht.“

„Das kann ich vestehen, aber ich kann auch nicht nach Oslo kommen. Überleg es dir und sprich mit Johannes darüber und dann kannst du dich bei mir melden. Ich muss jetzt weiter machen ja? Ich habe dich lieb.“

Und damit legte er auf.

Maja kamen sofort die Tränen, aber gleichzeitig packte sie eine unbeschreibliche Wut. Sie hatte Emil erklärt, dass er ihre einzige Chance war, und er blockte ab?! Er dachte, sie würde hier alles zurücklassen können, genau das, was er nicht konnte? Warum eigentlich, er hatte nichts, was ihn in Deutschland hielt, seine Uni konnte er schließlich verlegen.
Verdammt, was dachte er sich dabei? Wollte er etwa, dass sie sich von Johannes trennte? Mochte Emil ihren Freund nicht? Oder gab es einen anderen Grund, warum er nicht nach Oslo kommen wollte?
Sie musste das mit ihm klären, bevor sie mit Johannes darüber sprach, weshalb sie ihn erneut anrief.

„Was willst du?“ fragte Emil genervt.

„Das Ganze mit dir klären. Ich möchte heute Abend mit Johannes darüber reden und dafür muss ich wissen, was ich machen will. Was ist der wahre Grund, warum du nicht nach Oslo kommen willst?“

„Es war ja klar, dass du mir das nicht glaubst.“ seufzte Emil.

„Es liegt an Johanna. Also unter anderem. Natürlich ist da auch der Fakt, dass unsere Eltern hier gestorben sind. Mir würde es so unglaublich schwerfallen, in Oslo jemals wieder Auto zu fahren. Ich hätte immer Angst, dass mir das gleiche passiert, wie unseren Eltern, auch wenn das absurd ist. Und dann wird mich alles daran erinnern, wie ich an deinem Geburtstag zu ihr in die Wohnung gekommen bin. Ich habe es nicht erzählt, weil du mehr als genug um die Ohren hattest... Ich habe sie da mit einem anderen erwischt und habe die Stadt so schnell es ging verlassen. Und eigentlich habe ich mir geschworen, auch nie wieder dahin zurückzukehren. Es tut mir unglaublich leid, dass ich dir nicht helfen kann, aber ich schaffe es einfach nicht. Und ich habe auch keine Lösung für dich parat, mit der alle glücklich werden. Du solltest nicht in eine Klinik gehen, aber ich will auch nicht, dass du das mit Johannes verlierst. Du sahst so unglaublich glücklich mit ihm aus. Aber solltest du dich doch dazu entscheiden, hier her zu kommen, dann werde ich dich mit offenen Armen empfangen.“

Nach einer Pause sagte Maja „Danke. Danke, dass du dich mir anvertraut hast. Aber das macht es mir umso schwerer. Ich will bei dir sein, aber ich brauche Johannes, er ist so eine große Stütze für mich.“

„Das verstehe ich.“

„Aber ich glaube, ich werde zu dir kommen. Johannes ist eh das halbe Jahr unterwegs, und vielleicht kann ich ihn ja bei Wettkämpfen in Deutschland besuchen. Und ganz vielleicht geht es mir ja schon wieder gut, wenn die Saison vorbei ist und ich kann zu ihm zurückkommen. Ich glaube, dass das alles gar nicht so schlimm wird, wie es im ersten Moment aussah.“

Emil nickte. „Dann sag das deinem Freund genau so. Und dann musst du hoffen, dass er diesen Weg gemeinsam mit dir gehen möchte. Wenn er dafür nicht bereit ist, dann ist er, so schwer es ist, nicht der Richtige für dich. Ich muss jetzt aber wirklich aufhören, es tut mir leid. Ich hab dich lieb und ich glaube fest daran, dass wir das schaffen.“

„Ich hab dich auch lieb. Ich rufe dich an, wenn ich mit ihm gesprochen habe.“


Kaum hatte sie das Gespräch beendet, hörte sie auch schon den Schlüssel im Schloss und ging Johannes entgegen. Sie war sehr nervös, als sie bei ihm ankam und ihm einen Kuss auf die Wange drückte.

„Hey“ sagte Maja leise.

„Hey, alles in Ordnung?“ fragte Johannes skeptisch.

Maja nickte vorsichtig und fügte an „Ich möchte mit dir reden, aber geh ruhig vorher duschen, solange kann das noch warten.“

Johannes wollte so schnell es ging wissen, worum es sich handelte, weshalb er sich beeilte, unter die Dusche zu kommen.
Als er fertig umgezogen war, ging er zu Maja, die im Wohnzimmer mit einer Tasse Tee in der Hand auf dem Sofa saß. Für ihn stand ebenfalls eine dampfende Tasse auf dem kleinen Tisch, die er in die Hand nahm, als er sich neben sie gesetzt hatte. Maja drehte nervös die Tasse in ihren Händen, da Johannes aber nichts sagte, musste sie wohl oder übel anfangen.

„Ich... Ich hatte ja neulich einen Termin bei meinem Psychologen und... nun ja, er hat nicht, wie ich behauptet habe, eine Essstörung prognostiziert, die allein vom Stress kommt. Er meinte“ sie musste stocken und Johannes gab ihr die Zeit, die sie brauchte. „Er meinte, es müsste einen tieferen Grund geben, weshalb ich so abgebaut habe, und der sei mein Umfeld. Als ich meine Eltern verloren habe, habe ich meine letzten gewohnten Bezugspersonen verloren. Er denkt, mir fehlt Gewohnheit, Sicherheit, und die kann ich nur wieder gewinnen, wenn ich meinen Bruder bei mir habe.“

„Das heißt er kommt her?“ unterbrach Johannes sie dann doch, weil er nicht sicher war, in welche Richtung dieses Gespräch ging. Er hatte auf einmal ein ganz schlechtes Gefühl bei der Sache.

„Ähm...“ Maja wandte den Blick auf die Tasse in ihren Händen. „Leider nein. Er möchte nicht hier herkommen, weil unsere Eltern hier ihren Unfall hatten und seine Freundin ihn betrogen hat.“

„Und was willst du dann machen?!“

„Ich will es eigentlich nicht, aber mir bleibt wohl kaum etwas anderes übrig. Wenn ich nicht zu ihm ziehe, habe ich die Wahl: In eine triste Klinik gehen oder noch mehr abnehmen, bis es lebensgefährlich wird. Beides möchte ich nicht.“

„Warte mal, verstehe ich das gerade richtig? Du willst nach Deutschland ziehen, tausende Kilometer weg von Oslo, weg von mir? Wie kommst du auf so etwas? Es wird doch wohl auch eine Lösung geben, bei der du hier bleiben kannst?!“

„Leider nein. Der Psychologe hat mir unmissverständlich klar gemacht, dass ich etwas ändern muss. Ich will doch auch nicht von dir weg! Aber ich hatte gedacht, dass eh bald die Saison anfängt und ich dir bei deinen Wettkämpfen in Deutschland und der Nähe zuschauen kann. Und nach der Saison bin ich vielleicht schon wieder zurück.“

„Das ist doch nicht dein Ernst?! Du glaubst, mir reicht es, dich an zwei oder drei Wochenenden zu sehen und sonst nicht?“

„Aber viel mehr würden wir uns doch eh nicht sehen.“ Maja war mittlerweile den Tränen nahe.

„Nein, nein, nein, das wäre etwas anderes!“ Johannes war mittlerweile sehr laut. „Du wärst immer da, wenn ich nach Hause komme, ich könnte dich Weihnachten zu meiner Familie nehmen. Aber so sehe ich da keine Zukunft.“ Johannes war in Richtung Tür gegangen. „Überleg dir, ob ich dir wichtig bin, oder nicht!“ Damit stürzte er heraus. Noch bevor die Tür ins Schloss fiel, brachen bei Maja alle Dämme.
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