Ein Fehler-alles zerstört?

GeschichteAllgemein / P12
Johannes Thingnes Bø OC (Own Character) Tarjei Bø
16.10.2019
01.08.2020
17
25.715
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01.08.2020 1.977
 
Nach einer etwas längeren Pause ist die Geschichte zurück. Ich hoffe, das Kapitel gefält euch und ihr seid gespannt auf den "Fehler". So langsam nähert man sich der Auflösung...
Jetzt aber erstmal viel Spaß!

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Etwa zwei Monate nach ihrem Urlaub stand für Johannes das erste Trainingslager an, sodass Maja ein wenig Zeit für sich hatte. Sie hatten zuletzt neben den Zweifeln zu ihrer Biathlonkarriere auch Zweifel dazu ereilt, ob sie Johannes oft genug sehen konnte. Sie liebte die Zeiten, wenn sie ihn für sich hatte und sie einfach nur mit ihm auf dem Sofa liegen konnte. Das letzte Jahr hatte ihr allerdings auch gezeigt, wie rar solche Momente mit einem bzw. zwei Leistungssportlern waren.

Diesmal hatte sie mit Johannes darüber geredet, auch wenn es ihr schwer gefallen war. Sie wollte nicht dafür sorgen, dass er sich schlecht fühlte, wenn er wegfuhr. Johannes hatte sich, wie immer, verständnisvoll gezeigt und ihr versprochen, sie würden die wenige Zeit so gut nutzen, wie es nur ging.
Sie kam gerade von der Uni zurück, da begegnete ihr Solveig gemeinsam mit einem jungen Mann an ihrer Seite. Eigentlich war es Majas Plan, sie einfach zu ignorieren, allerdings sah das Solveig wohl ein bisschen anders.

„Hey Maja! Mensch, lange nicht mehr gesehen! Wie ich sehe, bist du ohne Johannes unterwegs, hat er es wohl nicht mehr mit dir ausgehalten.“ sie lachte hämisch. „Geschieht dir nur recht. Er ist einfach zu gut für dich, das war er von Anfang an. Und im Biathlon hast du auch versagt wie ich gesehen habe. Haben sie dich schon aus dem Team geworfen?“

Endlich hatte sich Maja gefangen und erwiderte nun: „Ich bin ohne Johannes unterwegs, weil Johannes sich auf seine erste Saison bei den Senioren vorbereitet und ich ihn nicht auf Schritt und Tritt verfolge. Und ich bin nicht aus dem Team geflogen, ich habe mich für eine Pause entschieden, um zu schauen, was ich wirklich möchte. Du solltest doch mittlerweile gelernt haben, dich nicht mehr um die Angelegenheiten Anderer zu kümmern.“

Damit ging sie weiter. Sie hatte keine Lust, sich mit so jemand den Tag zu versauen. Solveig konnte dies aber nicht auf sich sitzen lassen und rief ihr nur ein „Jaja ne Pause! Wahrscheinlich bist du einfach zu fett geworden!“ hinterher, was Maja aber ignorierte.

Als sie am Abend Johannes davon erzählte, zeigte sich dieser halb besorgt, halb amüsiert.

„Natürlich ist es eine Frechheit, dass sie dich so auf offener Straße angeht, aber du hast dich ja gut gewehrt. Jemand anderes hätte sie wahrscheinlich geschlagen, also hast du noch sehr besonnen reagiert. Nach der Aktion habe ich aber doch ein wenig mehr Angst, dich mit zu der Hochzeit zu nehmen, weil dort eine Eskalation noch unschöner wäre als eh schon.“ gab er seine Gedanken preis.

Maja seufzte. „Ich weiß, da habe ich auch schon dran gedacht. Ich dachte, mittlerweile hätte sie sich mit der Situation abgefunden, da habe ich mich aber wohl getäuscht. Ich möchte mir von ihr aber nicht die Chance nehmen lassen, einen schönen Nachmittag und Abend mit dir und unseren Freunden zu verbringen.“

„Was würde ich jetzt dafür geben, bei dir zu sein und dich in den Arm zu nehmen. Wir kriegen das schon hin. Ich muss jetzt leider aufhören, sonst komme ich zu spät zum Essen und du weißt ja wie die Strafen hier sind. Ich liebe dich!“

Damit hatte Johannes aufgelegt.

„Ich dich auch...“ flüsterte Maja, bevor ihr die Tränen kamen. Sie konnte einfach nicht anders. Sie vermisste ihn so sehr wie noch nie bisher und fühlte sich hilflos und einsam. Nach einigen Minuten hatte sie sich ein wenig beruhigt und entschied sich dafür, ohne essen ins Bett zu gehen.
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Maja und Johannes saßen an einem warmen Maitag in der Kirche und warteten auf die Braut. Maja sah bezaubernd aus in ihrem dunkelroten kurzen Kleid und passte damit perfekt zu Johannes, der blendend aussah in seinem Anzug. Und dann war der Moment gekommen: Linn schwebte in ihrem weißen Traumkleid den Gang am Arm ihres Vaters entlang, genau auf Carl zu.

Die Trauung war sehr schön und Maja hatte mehr als einmal ihr Taschentuch gezückt, um ihre Tränen wegzutupfen. Nun saßen sie gemeinsam mit anderen Biathleten und Langläufern am Tisch und unterhielten sich angeregt.

„Jetzt erzähl doch einmal, wie genau du das jetzt mit dem Studium geregelt hast.“ wandte sich Sophie, eine Langläuferin an Johannes. Maja hörte den Ausführungen ihres Freundes aufmerksam zu, bis sie plötzlich ein Schwindelgefühl überkam. Schnell griff sie nach ihrem Glas Wasser, trank einen großen Schluck und schon war es wieder verschwunden. Sie versuchte, sich wieder auf das Gespräch zu konzentrieren, wurden dann aber durch einen kleinen Jungen abgelenkt, der aufgeregt auf sie zugetapst kam.

Als sie erkannt hatte, um wen es sich handelte, stand sie auf und hob ihn auf ihre Arme, als er bei ihr angekommen war. Wenig später kam Tarjei hinterher und warf ihr einen entschuldigenden Blick zu.

„Es tut mir leid, Kimi hat sich einfach von meiner Hand losgerissen und dann war er nicht mehr zu halten. Er wollte unbedingt zu ‘Tante Maja’, wie er dich nennt.“

„Ach, das ist doch kein Problem. Ich kümmere mich wirklich gerne um ihn und Gita und du, ihr wollt sicher auch einmal ein wenig Zeit für euch haben. Ich behalte ihn einfach einige Zeit bei uns und ihr genießt die Zeit.“

„Ich danke dir wirklich.“ Damit drückte er sie, so gut es mit einem Kind auf dem Arm ging, an sich, küsste Kimi auf den Kopf und verschwand in der Menge. Mittlerweile war auch Johannes auf sie aufmerksam geworden und schaute sie fragend an.

„Tarjei braucht auch mal ein wenig Zeit für sich, also kümmern wir uns jetzt um Kimi.“

Da es schon später am Abend war, war Kimi auch dementsprechend müde und lehnte seinen Kopf gegen Majas Schulter. Diese setzte sich jetzt wieder hin und strich ihm behutsam über den Kopf, während sie leise ein Gespräch mit Johann und Liv startete. Sie bemerkte dabei nicht, wie liebevoll, aber auch sehnsüchtig sie von Johannes angeschaut wurde.

Wenig später beschlossen Johannes und Maja jedoch, ein Stück mit Kimi spazieren zu gehen, damit er in einer ruhigeren Umgebung einschlafen konnte. Also gingen sie zurück zu Tarjei und fragten, ob ihre Idee in Ordnung sei. Als das geklärt war, übergab Maja Kimi an Johannes und bereitete den Kinderwagen vor. Währenddessen begann Johannes, Kimi anzuziehen, da es abends draußen noch kühl war. Maja sah ihm lächelnd dabei zu, nachdem sie mit dem Kinderwagen fertig war und sich selber ihre Jacke übergezogen hatte.

Das junge Paar lief eine Weile stumm nebeneinander her. Während Johannes vor allem die Ruhe im Gegensatz zu der Feier genoss, betrachtete Maja abwechselnd Kimi und Johannes. Johannes schob den Kinderwagen und achtete immer wieder darauf, dass Kimi gut zugedeckt war. Maja kam nicht umhin zu bemerken, wie gut ihm diese Rolle stand.

Nach wenigen Minuten kamen ihnen ein älteres Paar entgegen und lächelte sie an. Maja verstand erst nach einigen Sekunden, wie die ganze Szene wohl für Aussenstehende aussehen musste. Sie lächelte zurück und schaute nach einem kurzen Blick in den Kinderwagen zu Johannes auf.

Dieser lächelte allerdings nicht, sondern schaute ausgesprochen grimmig und wich ihrem Blick aus. Als er dann auch noch seinen Schritt beschleunigte, wusste sie gar nicht mehr, was los war. Johannes lief gerade auf eine Bank zu, stellte dort den Kinderwagen hin und setzte sich. Maja setzte sich neben ihn und beobachtete ihn, wie er in die Ferne stierte.

„Was ist los?“ fragte sie.

Er zögerte einen Moment, nicht sicher, ob sie ihn verstehen würde.

„Ich habe Angst vor der Presse. Ich werde wahrscheinlich das erste Jahr bei den großen dabei sein, so richtig mit TV Berichten und und und. Mir macht das alles eine riesen Angst und dieses Paar hat garantiert gedacht, er wäre unser Kind. Was ist,  wenn das irgendwie an die Presse gelangt und ich schon vor meiner Karriere als Jugendvater gebranntmarkt bin?!“

„Johannes...“ Maja zog Johannes erst einmal in ihre Arme, bevor sie anfing, ihm zu antworten. „Du hast genau so ein Problem damit, über Sachen zu reden, die dich beschäftigen, wie ich. Es ist völlig normal, dass du dir Gedanken machst, aber du solltest dich nicht deswegen fertig machen. Erstens ist es sehr wahrscheinlich, dass dich das Ehepaar nicht erkannt hat, du trägst schließlich keine Sportsachen. Zweitens glaube ich auch nicht, dass sie irgendetwas davon an die Presse weitergeben würden. Drittens, selbst wenn, würde man dich nicht als Jugendvater sehen, denn mit 19 darf man gerne Vater werden, wenn auch wir das noch nicht vor haben. Außerdem würden wir die Situation einfach erklären und es hätte sich auch geklärt.“

„Ja, du hast ja recht, aber ich habe es bei Tarjei mitbekommen, wie anstrengend das sein kann, auch wenn man schon so viel erreicht hat. Ich will einfach nicht schon mit einem schlechten Ruf anfangen.“

„Das wirst du nicht. Du wirst diese Saison genießen können, denn den Anfängerbonus bekommt man nur einmal.“

Damit drückte Maja Johannes einen Kuss auf die Wange und stand auf, da Kimi im Kinderwagen aufgewacht war. Sie nahm ihn heraus und setzte sich mit ihm auf dem Arm wieder zu Johannes.

„Na, wieso bist du denn aufgewacht? Hast du Hunger oder vermisst du die Mama?“ Kimi wurde sofort ruhig und schaute sich aufmerksam um, doch schon bald wurden seine Augen wieder schwer. Er kuschelte sich an Maja und schloss wieder die Augen, während sie ihm über den Rücken strich.

„Wir haben das noch nicht vor.“ schmunzelte Johannes.

„Bitte was?“ fragte Maja verwirrt.

„Du sagtest ‘auch wenn wir das noch nicht vorhaben’. Wir haben nie über Kinder gesprochen oder?“

„Nein.“ sagte Maja verunsichert. „Tut mir leid, ich wollte dich nicht unter Druck setzen. Ich meinte damit, dass wir vielleicht irgendwann mal Kinder haben könnten, aber auf keinen Fall jetzt schon.“

Johannes zog Maja ein Stück näher und küsste sie kurz. „Ich hätte wirklich gerne Kinder mit dir. Mir ist auch klar, dass wir jetzt noch unsere Zweisamkeit und unsere Jugend genießen wollen. Aber es ist ein schöner Gedanke, später mit dir und unseren Kindern spazieren zu gehen.“

„Da hast du Recht. Ich wollte schon immer viele Kinder, mindestens drei eigentlich, aber zwei reichen auch, um unser Leben auf den Kopf zu stellen. Mit einem Einzelkind tue ich mich ein bisschen schwer, weil Geschwister eindeutig eine Bereicherung für einen selbst sind.“

„Sehe ich genau so. Ich komme ja aus einer großen Familie und es ist immer am spaßigsten, wenn alle da sind.“

Maja lächelte ihn an. In diesem Moment war sie einfach nur glücklich und konnte ihre Zweifel vergessen. Nach einiger Zeit legte sie Kimi zurück in seinen Kinderwagen und ging zusammen mit Johannes zurück zur Party.

Dort angekommen brachten sie Kimi zurück zu seinen Eltern und setzten sich zurück an ihren Tisch. Mittlerweile wurde Musik gespielt und viele waren auf der Tanzfläche wiederzufinden. Nachdem sie ein wenig mit den anderen geredet hatten, forderte Johannes Maja zum Tanzen auf.

Es wurde ein langsames Lied gespielt, sodass sich Maja an Johannes lehnte und die Arme um ihn schlang. Er zog ihren Geruch auf und genoss diesen kleinen, aber wunderschönen Moment. Sie bewegten sich im Takt und konnten endlich beide so richtig zur Ruhe kommen. Sie merkten erneut, dass sie füreinander geschaffen waren und sich beim anderen geborgen fühlen. Als das Lied vorbei war, schauten sich die beiden tief in die Augen und küssten sich innig.

Dann war der Moment aber auch schon wieder verflogen, denn es wurde ein Rock’n’Roll gespielt. Johannes schaute Maja fragend an, diese grinste und nahm die richtige Position dafür ein. Die beiden hatten großen Spaß daran, sich wieder richtig zu bewegen und waren das agilste Paar auf der Tanzfläche. Nach den Minuten der Anstrengung ging Majas Atem sehr schwer, deutlich schwerer als der von Johannes. Plötzlich begann sich ihre Umgebung wieder zu drehen und bevor sie etwas sagen konnte, krallte sie sich an Johannes und alles wurde schwarz.
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